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Full text of "Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur"

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ZEITSCHRIFT 


FÜR 


DEUTSCHES  ALTERTHÜM 


HERAUSGEGEBEN 


MORIZ  HAUPT. 


NEUE  FOLGE.    VIERTER  BAND. 
SECHSZEHNTER  BAND. 


BERLIN 

WEIDMANNSCHE  BUCHHANDLUNG. 

1873. 


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Z5 


INHALT. 


Seite 

Glossen  zu  Prndcntiiis,  von  Steinnieyer 1 

Zu  den  Virgilglossen,  von  demselben 110 

Azzaria,  von  Unger 111 

Metrische  untersuclinngen  über  die  spräche  Otfrids,  von  Wiinianns     .  113 

Zur  ahd.  litteraturgescliiclite.  von  Steinnieyer 131 

Vittea,  von  MüllenhofT 141 

Mennor  und  Wippeon,  von  demselhen 143 

Um  ragnaröckr,  von  demselben 146 

Wära  und  wara,  von  demselben 148 

Ist  Haitmann  der  alte,  der  verfafser  des  Linzer  Entecrist?,  von  Scheins  157 

Das  sogenannte  namenrätsel  des  Primas,  von  Wilmaiins 164 

Sant  Cecili;i,  von  Scliönbach • 165 

Hohenforter  Benedictinerregel,  von  Scherer 224 

Grabschrift  aus  dem  aciiteii  Jahrhundert,  von  Dümmler 279 

Predigtbruchstiuke,  von  Hildebrand 281 

Lateinische  Übersetzung  des  altfranzösischen  gedichls  auf  S.  Brandan, 

von  Martin 289 

Lateinische  rätsei,  von  demselben 323 

Gabilun,  von  Jänicke 323 

Das  schwache  adjectiv  im  ags  ,  von  Lichteiilield 325 

Bruchstücke  des  Passionais,  von  Hildehrand 393 

Beiträge  zur  kritik  und  erklärung  des  Seifrid  Helbling,  von  Jänicke    .  402 

Zur  kritik  der  Eneide,  von  Braune 420 

Nachtrag  zu  der  grabschrift  aus  dem  aclilen  Jahrhundert,  vou  Dümmler  436 

Lügenmärchen,  von  Wagner 437 

Nachtrag  zu  den  predigtentwürfen  (zs.   15,439),  von  demselben      .     .  466 

Drei  gedichte  von  der  Würdigkeit  der  priester,  von  Strobl     ....  467 

Zu  Ebernand,  von  Steinmeyer 474 

Die  heimat  des  buclies  der  rügen,  von  Jänicke 476 

Ein  urbar  des  elften  Jahrhunderts,  von  Scliönbach 478 

Zur  thierfabel,  von  Dümmler 4S0 

Nachtrag 480 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS. 

Mit  ausnähme  der  von  Graff  in  der  Diutiska  2,308/f  «nrf  der 
im  vorigen  bände  der  zs.  (F  350 — 355,  D  h\lff)  veröffentlichten 
stelle  ich  hier  sämmtliche  glossen  zu  Prndentius  zusammen  die  mir 
albnälich  bekannt  geworden  sind,  sie  verdienen  eine  besondere  be- 
handlung  weniger  wegen  ihres  alters  oder  ihres  sprachlichen  und 
lexikalischen  ivertes  als  wegen  der  nahen  Verwandtschaft  in  der  sie 
unter  einander  stehen  und  die  ich  nachher  des  \oeiteren  nachzuweisen 
versuchen  will,   die  hss.  denen  sie  entnommen  ivurden  sind  folgende. 

ßi,  die  hs.  9987  der  k.  bibliothek  zu  Brüßel,  aus  dem  anfange 
des  elften  jhs.  in  quart ,  stammt  aus  der  burgundischen  bibliothek. 
noch  frühere  besitzer  xoeist  die  noliz  auf  bl.  V  (Theodoro  Pulmauno 
Joannes  Haechtius  dono  dabat  anno  CIO.IOLXXX  die  XIDecembris) 
nach,  sie  enthält  auf  154  blättern  —  von  denen  21,  44,  88  doppelt 
vorhanden  sind  —  zu  je  32  zeilen  die  tverke  des  Prndentius:  die 
psychomachie  ist  mit  zahlreichen  bildern  geschmückt,  dafs  die  glossen 
dieser  hs.  aus  einer  andern  abgeschrieben  wurden  ergibt  sich  leicht 
nicht  soivol  aus  schreib fehlerii  wie  floz  statt  floz  82,  als  vilmehr 
aus  fehlem  oder  Varianten  des  lateinischen  textes  deren  deutsche 
Übersetzung  der  richtigen  oder  einer  andern  lesart  entspricht,  zb. 
maculentis  39  für  muculentis,  uno  24  für  unco,  ganz  besonders 
aber  aus  stellen  welche  beweisen  dafs  der  abschreiber  die  deutschen 
Worte  nicht  überall  verstand,  dahin  gehören  f.  niithon  (dh.  scilicet 
mitlion)  59  für  fmilhon  und  i.  leniua  {dh.  id  est  l'enina)  75  für 
ifenina.  endlich  ist  hierher  die  falsche  beziehung  von  tuiulig  24 
zu  rechnen,  diese  glosse  steht  unmittelbar  hinter  uuincpndi,  gehört 
abbr  zu  dubiam  in  der  vorangehenden  zeile.  das  alter  der  gll. 
bezeugen  die  beiden  in  huuitpn  30  und  hrpt  55  erhaltenen  h,  wenn 
auch  der  ursprüngliche  sprachstand  durch  jüngere  formen  beein- 

Z.  f.  D.  A.  neue  folge  IV,  1 


2  GLOSSEN  ZU  PRUDEiMlUS 

tr ächtigt  erscheint,  denn  das  ie  m  kiefeiiath  10  setzt  bereits  den 
\imlaut  des  langen  a  voraus,  der  spräche  nach  dürfte  die  hs.  ans 
einem  kloster  in  der  Maasgegend  stammen.   (X) 

B2,  hs.  9968  der  Brüf seier  hibliothek,  quart,  elftes  jh.,  gehörte 
früher  dem  Maximinkloster  zu  Trier  {hl.  116^  Codex  monasterii 
sancti  maximini  extra  muros  treuerorum.  si  quis  abstulerit  aua- 
thema  sit),  dann  den  Jesuiten  zu  Antwerpen,  endlich  der  hurgundi- 
schen  hibliothek.  die  psychomachie  ist  mit  bildern  welche  denen  der 
vorigen  hs.  sehr  ähnlich  sind,  geziert,  die  glossen  rühren  von  drei 
händen  her:  es  war  aber  nur  nötig  die  der  zweiten  hand  im  ab- 
drucke zu  kennzeichnen,  loeil  sie  ganz  sporadisch  auftreten,  während 
die  erste  hand  in  der  ersten  und  die  dritte  in  der  andern  hälfte 
der  hs.  die  deutschen  sowol  als  die  lateinischen  erklärungen  schrieb, 
die  glossen  dieser  beiden  Brüfseler  hss.  sind  zuerst  von  Bethmann 
zs.  5,  \^^  ff  herausgegeben  worden,  in  meiner  edition  ist  die  reihen- 
folge  bei  Bethmann  angegeben  und  ein  blick  darauf  dürfte  zur  genüge 
die  Unzulänglichkeit  und  unzuverläfsigkeit  seiner  glossenpublikationen 
zeigen.   (XI) 

C,  die  hs.  der  Cölner  dombibliothek  nr  81  des  Hartzheimschen 
katalogs,  in  quart  aus  dem  anfange  des  11  jhs.  zählt  112  blätter 
zu  je  28  bis  33  Zeilen,  vor  bl.  94  fehlt  ein  blatt  mit  psych.  840 
bis  901  und  vor  bl.  111  ist  ein  anderes  mit  Symm.  II.  877  bis 
977  ausgeschnitten :  diese  einbufsen  hat  die  hs.  erlitten  ehe  die  jetzige 
foliierung  vorgenommen  wurde,  ferner  ist  eine  läge  verbunden: 
die  hll.  31  bis  40  gehören  hinter  41  bis  48.  in  der  psychomachie 
sind  die  räume  für  bilder  leergelafsen,  doch  nur  das  erste  und  zweite 
bild  sind  vollständig,  das  dritte  in  den  umrifsen  ausgeführt,  auf 
hl.  62''  steht  Explicit  Amartigenia  und  darauf  folgt,  wie  mir  scheint 
von  der  hand  welche  die  glossen  schrieb,  ohne  absatz  folgender  passus : 
ChrisUis  lector  fuit  quando.  aperuit  librum  esaite  et  legit.  Spiritus 
domini  super  me.  et  cetera.  Exorcista.  quando  eiecit  .VII.  doemonia 
de  maria  magdalene.  Subdiaconus.  quando  fecit  uinum  de  aqua. 
Diaconus.  cum  lauit  pedes  discipulis.  Sacerdos.  quando  accepit 
panes  et  benedixit.  Osliarius.  quando  percutiebat  ostia  inferni. 
episcopus.  cum  eleuauit  manus  et  benedixit  apostolis.  Argentaria. 
Strazburg.  Agrippina.  Colina.  Nemidona.  1  nemeta.  Spira.  Basilea. 
baliia.  Aquas  grana.  i.  acblt.  Radasbona.  Regenefburg.  Msegontia. 
maginza.  Confluentia.  Couelenza.  Turegum.  Zurih.  Constantia. 
Coftinza.  Torta  aqua.  i.  Zurzacba.  Curia,  i.  chura.  Cumae  .i.  chuma. 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS  3 

Mediolana.  f/  uosegus.  ii"afigo.  Papigia.  pauiia.  Uerona,  penia. 
die  bll.  63  und  64  werden  durch  die  bekannten  lateinischen  ab- 
schnitte über  die  messe  und  die  priesterliche  kleidung  ausgefüllt. 
bl.  65^  nimmt  zur  hälfte  ein  kurzes  stück  de  octo  priucipalibus 
uitiis  in  welchem  die  gl.  accedia  zurelxl't  vorkommt,  ein  und  mit 
65''  beginnt  die  psychomachie.  am  schlufse  des  ganzen  endlich 
bl.  112''  stehen  eine  reihe  lateinischer  Worterklärungen,  wenn  nicht 
die  gleichmäfsigkeit  der  schrift  in  den  lateinischen  und  deutschen 
gll.  durch  die  ganze  hs.  hin  bereits  bezeugte,  dafs  loir  es  mit  einer 
kopie  zu  tun  haben  so  würde  sich  diese  tatsache  aus  der  falschen 
beziehung  von  feima  64  auf  piimices  statt  auf  spuma  ergeben, 
ebenso  scheint  mir  auch  gifegot,  gihoiman  413  nicht  zu  striictile 
sondern  zu  forata  dolatu  der  folgenden  zeile  ursprünglich  zu  ge- 
hören, ich  habe  die  glossen  dieser  hs.  mit  denen  der  vorigen  in  der 
weise  vereinigt,  dafs  die  deutschen  ivorte  von  B'^  mit  antiqua,  von 
C  cursiv  gedruckt  wurden,  die  drei  bisher  namhaft  gemachten  hss. 
konnte  ich  durch  die  geneigte  vermittelung  des  k.  knltusministeriums 
hier  benutzen.   (XI) 

E  nenne  ich  die  hs.  der  ehemaligen  Ebnerischen  bibliothek  zu 
Nürnberg ,  deren  glossen  Eckhard,  comm.  de  rebus  Franciae  orien- 
talis  2,  1002/f  veröffentlichte,  sie  befindet  sich  jetzt  als  geschenk 
Cramers  auf  der  Kieler  tiniversitätsbibliothek  unter  nr  84  {vgl. 
Serapeum  31  (1870)  347).  icar  sie  jemals  ganz  vollständig  so  müfsen, 
da  sie  gegenwärtig  auf  179  oder  vilmehr  180  bll.  —  denn  144  ist 
doppelt  vorhanden  —  zu  durchschnittlich  20  Zeilen  bis  psychomachie 
605  reicht,  ungefähr  113  bll.  verloren  sein,  geschrieben  ist  sie  zu 
Augsburg  in  den  jähren  1012  bis  1014:  dies  bezeugt  der  auf  dem 
übern  rande  von  bl.  4'  stehende  name  S  AFRE  dem  unten  der  fast 
erloschene  REGINB  entspricht,  ganz  dieselbe  bezeichnung  findet  sich 
bekanntlich  in  dem  prachtvollen  Boethiuscodex  Gud.  fol.  73  zu 
Wolfenbüttel,  während  der  angegebenen  zeit  loar  Reginbald  abt  des 
Stiftes,  und  in  Augsburg  befand  sich  die  hs.  noch  im  15  jh.  nach 
der  ausradierten  inschrift  auf  bl.  2^:  Monasterii  S.  Vdalrici  Aug. 
die  deutschen  glossen  rühren  von  verschiedenen  händen  her :  ich  habe 
sie  so  von  einander  zu  scheiden  gesucht  dafs  ich  denen  xoelche  mit  den 
sie  umgebenden  lateinischen  glossen  von  derselben  hand  waren,  einen 
Stern  beifügte,  die  sporadischen  aber  unbezeichnet  liefs:  beide  Massen 
umfafsen  glossen  verschiedener  bände,  nachdem  ich  durch  eine  mir 
von  hm  prof.  Frommann  mitgeteilte  notiz  Schmellers  dem  jetzigen 

1* 


4  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

aufbewahrungsorte  der  hs.  auf  die  spur  gekommen  icar  vermittelte 
Mi'dlenhoffs  gute  die  hersendung.    (VIII) 

G,  die  Göttweiher  hs.  J.  7  in  folio  aus  dem  elften  jh.  Hoff- 
mann von  Fallersleben  hat  mir  seine  im  jähre  1827  genommene 
abschrift  mit  gewohnter  freundlichkeit  übcrlafsen.  (III) 

LI,  hs.  des  British  museum  zu  London,  add.  16S94  in  oktav 
aus  dem  ende  des  elften  jhs.   siehe  S.    (II) 

L2,  ebendaselbst,  add.  15090  in  folio  aus  dem  ende  des  elften 
oder  dem  anfange  des  zwölften  jhs.  abschriften  beider  Londoner 
hss.  verdanke  ich  meinem  fretmde  ESievers.    (XIV) 

Ml,  dm.  14395  in  quart  aus  dem  11  jh.,  in  der  Emmeramer 
bibliothek  mit  E.  XVIII  bezeichnet,  209  bll.  die  lateinischen  sowol 
wie  die  deutschen  glossen  sind  von  mehreren  gleichzeitigen  händen 
geschrieben.  Graff  hat  die  hs.  im  Sprachschatze  unter  Prud.  1  auf- 
geführt.  (V) 

M-,  dm.  1S922  aus  dem  \0  jh.  zählt  195  bll,  auf  deren 
erstem  ein  stück  eines  lateinischen  physiologus  steht,  bei  Graff 
Prud.  2  genannt.    (VII) 

M3,  dm.  13108,  früher  Rat.  civ.  108  in  quart  enthält  auf 
bl.  1  bis  168  die  werke  des  Prudentius  von  einer  hand  des  12  jhs. 
und  auf  bl.  168  bis  191  glos^  super  Prudeiitium  von  einer  schon 
dem  13  jh.  angehörenden  hand.   Prud.  3  bei  Graff.    (XIII) 

M^,  dm.  475  in  quart  aus  dem  elften  jh.  entstammt  der  alten 
churfürstlichen  bibliothek  und  enthält  auf  bl.  3  bis  '2V  die  Hamar- 
tigenie  und  auf  bl.  21''  bis  58^  die  büclier  gegen  Symmachus.  Graff 
bezeichnete  die  hs.  mit  Prud.  4.    (VI) 

Diese  vier  Münchener  hss.  gebe  ich  nach  abschriften  die  hr 
bibliothekssekrelär  FKeinz  mir  besorgt  hat. 

.P,  die  hs.  VIII,  H.  4  der  Prager  Universitätsbibliothek  in  quart 
oder  kl.  folio  stammt  aus  der  klementinischen  Jesuitenbibliothek 
{Ilanslik,  geschichte  der  Prager  Universitätsbibliothek  s.  615),  mufs 
aber  schon  früher  einer  gröfseren  büchersammlung  angehört  haben 
da  auf  der  innenseite  des  vorderdeckeis  von  einer  harA  des  \5jhs. 
die  Signatur  p\lenti,,  ympnOi  2"  5"  6  s«  lesen  ist.  der  codex  zählt 
85  oder  vihnehr,  da  bl.  30  und  41  sich  je  zweimal  vorfinden, 
87  bll.;  jede  seite  hat  37  Zeilen,  die  glossen  dieser  hs.  wurden  zu- 
erst von  Hoffmann  {mein  leben  2,234/")  entdeckt,  dann  von  Schleicher 
in  Frommanns  deutschen  mundarten  1,  264:  ff  besprochen  und  endlich 


GLOSSEN  ZU  PRUDEJNTIUS  5 

von  IPetters  in  der  zs.  10,  d61  ff  herausgegeben,  da  ich  die  hs, 
selbst  habe  benutzen  können  so  trage  ich  kein  bedenken  die  glossen 
unter  angäbe  ihrer  stellen  hier  zu  loiderholen,  teils  der  Vollständigkeit 
wegen  teils  loeil  sich  trotz  der  ersichtlichen  muhe  die  Petters  auf  seine 
ausgäbe  verioandt  hat,  sowol  druck-  und  lesefehler  eingeschlichen 
haben,  als  auch  eine  reihe  worte  von  ihm  übersehen  sind,  die 
deutschen  und  lateinischen  glossen  sind  abgeschrieben,  für  erstere 
wird  diese  tatsache  durch  die  zahlreichen  fälle  bewiesen  in  denen 
das  deutsche  wort  nicht  über  demjenigen  lateinischen  welches  es 
übersetzt  sondern  einem  andern  steht:  so  finden  tcir  mit  iiitlar- 
feigigan  38  über  natatibiis  statt  über  languidulis ,  ratifcunt  126 
über  ineptias  statt  über  fingunt  des  folgenden  verses,  duerahiu  149 
über  diuorcia  statt  über  obliqua,  kifniteniu  196  über  exciso  statt 
über  dolata  der  vorhergehenden  zeile,  imechiu  gipurt  257  über 
fortis  agit  statt  über  sexus  male  fortis,  giimarar  345  über  iiinaciiis 
statt  über  sollers,  man  vergleiche  noch  die  anm.  zu  5.  155.  180. 
226.  dasselbe  ergibt  sich  für  die  lateinischen  gll.  aus  folgenden 
stellen:  frans  coniiigü  steht  statt  über  adulterium  Hamart.  397  zu 
welchem  es  von  der  angehängten  glosa  richtig  gesetzt  wird,  über 
meror  v.  395 ;  captiiiator  finden  loir  statt  über  manceps  Vinc.  345 
über  ianitor  am  ende  von  v.  346  usic.  endlich  kommen  hier  noch 
in  betracht  die  zahlreichen  Schreibfehler  in  der  glosa  sowol  als  im 
lateinischen  und  deutschen  teile  der  textglossen.   (IV) 

P2,  die  in  dx,r  gräflich  Äpponyischen  bibliothek  zu  Pressburg 
befindliche  Prudentiushs.  auf  201  blättern  in  quart,  welche  im  an- 
zeigeblatte zum  31  bände  der  Wiener  Jahrbücher  1825  s.  ^"^f  näher 
beschrieben  ist.  da  es  wir  leider  nicht  möglich  loar  die  hs.  selbst 
einzusehen  so  mufs  ich  ihre  glossen  hier  nach  einer  mir  von  Hoff- 
mann vFallersleben  mitgeteilten  abschrift  Stephan  Endlichers  geben, 
freilich  steht  zu  befürchten  dafs  diese  kopie  nicht  allen  anforderungen 
die  ivir  jetzt  zu  stellen  berechtigt  sind,  entspricht  und  vor  allem 
nicht  ganz  vollständig  ist.  die  hs.  gehörte  nämlich  im  anfange  des 
n  jhs.  dem  Augsburger  arzte  Karl  Widmann  (j  1638)  und  wurde 
damals  von  IWeitz  für  seine  ausgäbe  des  Prudentius  (Hanau  1613) 
benutzt,  im  anhange  teilte  er  aus  dieser  und  einer  hs.  des  Bongars 
unter  dem  titel  glossae  Isonis  eine  Sammlung  lateinischer  scholien 
zu  Prudentius  mit.  dabei  liefen  aber  auch  deutsche  glossen  unter 
die  er  durch  schwabacher  druck  kenntlich  machte  soweit  als  er  sie 
unserer  spräche   angehörig   erkannte,      und  von   diesen  findet  sich 


6  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

loenigstens  eine,  carbasea  klein  Ps.  186  nicht  in  der  mir  vorliegenden 
abschrift.i   (IX) 

S,  hs.  des  Stiftes  SPeter  zu  Salzburg  in  quart  aus  dem  ende 
des  11  jhs.  ich  verdanke  eine  ahschrift  der  gute  Hoffmanns,  hei 
der  nahen  Verwandtschaft  dieser  hs.  mit  L^  könnte  man  geneigt  sein 
die  letztere  deshalb  für  das  original  zu  halten,  weil  in  ihr  einige 
glossen  von  einer  zweiten  und  dritten  hand  herrühren,  ohne  dafs 
sie  deshalb  in  S  fehlen,  doch  dieser  umstand  beweist  nichts:  die 
nachtrage  in  \A  können  ja  ebenso  gut  von  correktoren  geschrieben 
sein,  vilmehr  machen  es  fehler  und  auslafsungen  die  jeder  der  beiden 
hss.  eigentümlich  sind,  wahrscheinlich  dafs  beide  einem  originale 
entflofsen.  ich  habe  sie  daher  zusammen  drucken  lafsen  und  nur 
die  glossen  in  denen  beide  differieren  oder  welche  in  einer  allein 
nns  erhalten  sind  durch  die  buchstaben  L  und  S  ausgezeichnet, 
die  blattangäben  beziehen  sich  nur  auf  L^  da  dieselben  in  der  von 
mir  benutzten  kopie  von  S  fehlen,  in  letzterer  hs.  scheint  eine 
läge  verbunden  zu  sein:  denn  die  passio  Romani  toird  plötzlich 
durch  die  passio  Hippolyti  und  Cypriani,  die  ihr  vorangehen  sollten, 
unterbrochen,  demgemdfs  ist  die  gl.  maiestate  heri  28  an  der  ihr 
nach  der  reihenfolge  von  L^  gebührenden  stelle  eingereiht  worden, 
unmittelbar  hinter  den  werken  des  Prudentius  und  vor  der  glosa 
stehen  in  L^  (bl.  244'')  und  S  die  iiersus  de  uolucribiis  et  imnentis 
welche  von  Reifferscheidt  in  den  reliquiis  Suetonii  s.  308  bis  311 
utid  zuletzt  von  Schenkl  in  den  Sitzungsberichten  der  Wiener  aka- 
demie  1863  bd.  43  s.  42  herausgegeben  sind,  die  darin  vorkommen- 
den deutschen  glossen  sind  folgende: 

13.  merulus  amfla.  21.  palumbes  liolatubun. 

17.  tardus  drufca.    L  drofca.  S     23.  grus  ehranoh. 

sturnus  ftara.  24.  ancipitres  habob. 

19.  anser  ganf.  26.  pauo  pbao.  10 

5  20.  turtur  turtilituba.  28.  graculus  riioh. 

cohimba  tiil)a.  [245^]  29.  ciconia  ftorab. 

'  ßeilt'infig-  henierke  ich  dafs  die  oben  enoähnte  Bongarsisc/ie  hs. 
welche  jetzt  zu  Bern  aufbewahrt  ioird  wid  deren  giosse?i  Graff  viit  33 
bezeichnet  hat  aus  Slrafsburg  stammt  {Sinner,  catal.  eodd.  Bernensiwn 
1,170).  IVeitz  liat  übrigens  die  geheimschrift  m  der  die  mehr  zahl  ihrer 
gll,  aufgezeichnet  ist,  fast  immer  richtig  entziffert,  so  2oar  also  das 
princip  der  slegunographie  jvelches  Doce?i  (misc.  1,  15S)  wider  aufge- 
funden hat,  auch  schon  im  siebenzehnten  Jh.  bekannt. 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  7 

33.  pica  agalftra.  52.  aper  epor. 

37.  biibo  vuo.  [245'']  53.  onagri  wilde  efila. 

15  43.  merobs  gTuonrp'*&.  L  gm-     55.  verres  per, 

onfpeht.  S  62.  sorex  miif.  [246']  20 

51.  linces  luhfi.  64.  rana  vorfhe.  L  vorfhc.  S 

An  derselben  stelle  finden  sich  diese  verse  auch  in  der  Wiener 
Prudentinshs.  (Dintisca  3,  185/"),  doch  loeicht  die  glossierung  teil- 
weise ab.  (II) 

Wi,  cod.  Aug.  56.  18  in  quart  zu  Wolfenbüttel,  dem  zehnten 
jh.  angehörend,  stammt  aus  dem  S Michaelskloster  zu  Hildesheim, 
der  rand  der  bll.  82  bis  93  und  104  bis  106  ist  zur  auf- 
zeichnimg  eines  —  teilweise  wider  ausradierten  —  lateinischen 
alphabetisch  geordneten  liflanzenmrzeichnisses  benutzt,  die  wenigen 
deutschen  gll.  zu  Prndentius  hymnen  teilte  zuerst,  aber  unvollstän- 
dig und  fehlerhaft  Obbarius  in'der  vorrede  zu  seiner  ausgäbe  des 
(lichters  s.  XLII  mit.  (XII) 

W2,  cod.  Wissenb.  77  in  öktav  zu  Wolfenbüttel,  aus  dem 
neunten  jh. ,  enthält  auf  52  blättern  die  Äpotheosis  und  Hamarti- 
genie  sowie  Ercanberti  diaconi  uersiis,  die  gll.  stehen  mit  aus- 
nähme der  letzten,  loelche  sich  in  einer  wenige  Zeilen  einnehmenden 
und  dem  scMufse  der  Hamartigenie  angehängten  glosa  vorfindet, 
am  rande  und  rühren  von  derselben  alten  hand  her.  ^    (I) 

Aufserdem  gibt  es  noch  glossen  zur  Psychomachie  in  einer 
Admonter  hs.,  welche  in  den  altd.  bll.  1,  19Q  f  abgedruckt  sind, 
auch  kann  hier  noch  die  glosse  radiorum  der  chipht  (vgl.  Schmeller 
2,  318)  erwähnt  werden,  die  im  dm.  2622,  einer  sammelhs.  des 
12  ^ind  13  jhs.  ivelche  unter  anderm  die  Psychomachie  enthält,  bei 
V.  337  vorkommt. 

Von  ags.  gll.  zum  Prudentius  sind  mir  nur  die  von  Mone  im 
anz.  8,  233 /f.  publicierten  und  die  wenigen  von  Cockayne  in  den 
Heechdoms,  wortcunning  and  starcrafl  of  early  England'  (Rerum 
Britannicarnm  medii  aevi  scriptores)  bd.  2,  London  1865  s.  366 /f 
aus  einem  'glossary  on  Prudentius  printed  but  unpublished'  ange- 
führten bekannt  geworden:  unstreitig  wird  es  aber  mehr  geben. 

'  Im  folgenden  werden  die  bei  Graff  gedruckten  glossen  mit  den 
siglen  bezeichnet  welche  er  ihnen  gegeben  hat.  zu  bemerken  ist  ?iur  dafs 
für  den  codex  aus  SPelcr  im  schwarzwalde  (S)  noch  Mo?ics  collalion 
(ans.  5,  230),  für  die  SGaller  hss.  Haltemers  abdrücke  und  für  die  Wiener 
hs.  (ÜB)  eine  abschrift  JGrimms  benutzt  wtirde. 


8  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

Wie  nahe  B^  und  B2  mit  einander  verwandt  sind  wird  erst 
durch  die  vergleichung  von  C  recM  einleuchtend,  diese  letztere  hs. 
hat  mit  B-  den  grösten  teil  des  Wortschatzes  gemein:  und  für  das 
enge  Verhältnis  in  dem  beide  zu  einander  stehen  bürgt  gleiche  ge- 
heimschrift  in  kfbnfxbrtpt  448  und  besonders  in  klfini  251  — 
beide  hss.  ersetzen  also  nur  den  ersten  vokal  durch  f,  wahrend  sie 
den  beiden  anderen  keine  consonanten  substituieren  — ,  sodann  die 
gleiche  trenmmg  in  fer  uual  chenemo  442.  weyin  in  hss.  zusam- 
mengehörige elemente  eitles  wortes  getrennt  erscheinen,  so  kann  die 
Ursache  davon  eine  doppelte  sein,  entweder  bedingen  lang  herab- 
reichende Unterschäfte  von  Worten  der  darüberstehenden  zeile  die 
trennung  oder  der  ungewöhnliche  Zwischenraum  ist  durch  die  aus- 
radierung  eines  buchstaben  entstanden,  loo  aber  keine  dieser  beiden 
Ursachen  die  erklärung  für  das  willkürliche  auseinanderreifsen  eines 
Wortes  an  die  hand  gibt,  da  mufs  man  annehmen  dafs  in  der  vor- 
läge eine  derselben  obgewaltet  hat.  denn  wie  sklavisch  die  abschrei- 
ber  ihrer  vorläge  folgten  wird  recht  durch  448  und  anm.  illustriert. 
an  der  stelle  stand  in  der  abzuschreibenden  hs.  ein  wort  in  geheim- 
schrift:  der  kopist  löste  sie  während  des  Schreibens  in  gedanken  auf 
und  so  kam  es  dafs  er  einen  vokal  den  die  vorläge  mit  geheimschrift 
gab  mit  seiner  gewöhnlichen  bezeichnung  niderschrieb.  kaum  aber 
hatte  er  seine  abweichung  erkannt  als  er  das  e  wider  ausradierte 
und  durch  den  consonanten  ersetzte,  und  dieser  selben  abhängigkeit 
ist  es  zuzurechnen  wenn  die  abschreiber  jene  abstände  innerhalb 
eines  wortes  zuweilen  getreulich  conser vierten:  insofern  sind  gleiche 
spatien  bei  denselben  worten  in  verschiedenen  hss.  Zeugnisse  für 
deren  nähere  Verwandtschaft,  man  vergleiche  auch  die  anm.  zu  9 
und  140.  für  den  nahen  Zusammenhang  von  ßi  und  C  spricht 
die  gleiche  trennung  in  ftf  chf  thp  6^66  C197,  gleiche  geheimschrift 
in  man)r  ßi  47  C  164,  gkri  zot  ßi  18  gkrizih  C  153,  heithfniffe 
B^SS  C  187,  vor  allem  aber  die  tatsache  dafs  zum  teil  die  glossen 
welche  in  der  einen  hs.  am  rande  stehen  denselben  platz  auch  in 
der  andern  einnehmen,  ich  meine  selbstverständlich  damit  nicht 
diejenigen  welche  in  längeren  anmerkungen  vorkommen  und  daher 
überall  am  rande  verzeichnet  sein  würden,  sondern  solche  welche 
mit  demselben  oder  gröfserem  rechte  interlinear  über  dem  lateini- 
schen texte  angetroffen  werden  könnten,  so  B^SO  C  137  ßi32 
C  108  B'6G  C  197.  dagegen  wüste  ich  für  ein  engeres  Verhältnis 
von  ßi  zu  ß2  nur  die  gleiche  abkürzung  holant  ßi  72  ß^  250  bei- 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  9 

zubringen,  die  eben  angeführte  distanz  bei  ftf  chf  Ihp  beweist  aber 
nicht  nur  für  die  nahe  verwandschaft  von  B^C  sondern  auch  dafür 
dafs  die  gemeinsame  vorläge  —  die  wir  uns  durch  einige  mittel- 
glieder  von  beiden  erhaltenen  hss.  bereits  getrennt  denken  müfsen  — 
wenigstens  stellenweise  tli  statt  d  kannte  und  dafs  dies  und  andere 
tli  nicht  von  jeder  hs.  selbständig  eingeführt  sind. 

Ich  habe  oben  ein  Verzeichnis  von  städtenamen  aus  C  mitge- 
teilt, zweierlei  ist  daran  klar,  einmal  müste  das  doch  ein  sonder- 
bar organisierter  mensch  gewesen  sein  der  die  beiden  stücke  welche 
in  der  hs.  von  derselben  hand  und  ohne  absatz  unmittelbar  sich 
folgen,  nämlich  die  aufzählung  symbolischer  handlungen  Christi  und 
die  Städtenamen,  in  einem  atem  eingetragen  hätte.  vilm,ehr  zeich- 
nete jemand  auf  einem  leeren  blatte  einer  hs.  die  erste  partie  auf 
und  ein  anderer  benutzte  dann  den  gebliebenen  freien  räum  zur 
eintragung  des  Städtekatalogs:  und  in  C  haben  wir  nur  eine  ab- 
Schrift  beider  notizen  vor  uns.  andererseits  aber  ist  deutlich  dafs 
das  Verzeichnis  nicht  von  einem  geistlichen  der  Cölner  diöcese  ab- 
gefafst  sein  kann:  denn  wie  sollte  dann  wol  der  kleine  ort  Zurzach 
im  Aargau  dicht  an  der  mündung  der  Aar  in  den  Rhein  belegen 
der  aufnähme  für  -wert  erachtet  sein,  ganz  abgesehen  davon  ob  er 
überhaupt  im  norden  Deutschlands  bekannt  war?  nun  findet  sich 
der  katalog  aber  auch  in  3-  ^war  in  der  Diutiska  hat  ihn  Graff 
nicht  erwähnt,  aber  im  Sprachschatze  bezeichnet  er  mit  Z  ''gesam- 
melte ahd.  glossen  auf  den  letzten  seilen  des  carm.  Prudentii  ent- 
haltenden cod.  C.  164  der  Stiftsbibliothek  zu  Zürich';  und  wenn 
man  die  in  C  überlieferten  städtenamen  im  Sprachschätze  nachschlägt, 
so  finden  sie  sich  dort  sämmtlich  (aufser  iiiiafigo  und  pauiia  deren 
fehlen  zufällig  sein  kann)  aus  Z  mit  nur  einer  abweichung  (bafala 
statt  bafila)  belegt,  und  in  einer  schweizerischen  aufzeichnung  ist 
das  vorkommen  von  Zurzach  völlig  gerechtfertigt,  mit  3  ^^ifß  S2 
die  nächste  Verwandtschaft,  nur  weist  es  bedeutend  jüngere  formen 
auf:  und  beide  hss.  stimmen  an  zahlreichen  stellen  mit  B^B-C 
überein.  es  wird  also  hierdurch  sicher  dafs  eine  Prudentiushs.  eines 
alemannischen  klosters,  deren  glossen  denen  von  ^(E'2  nahe  standen, 
nach  dem  Mittel-  oder  Niderrhein  gelangte:  dies  geschah,  wie  die 
in  B  ^  erhaltenen  \\  bezeugen ,  entweder  noch  im  neunten  jh.  oder 
wenigstens  datierte  die  vermittelnde  hs.  aus  diesem  Zeiträume,  so 
vil  sich  erkennen  lä/'st  pflanzte  sie  sich  in  zivei  recensionen  fort: 
zur  einen,  mehr  niederdeutschen,  gehören  B^C,  zur  anderen  B'^  und 


10  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

W.  die  letztere  hs.  enthält  mir  den  an  fang  der'  glossen,  später 
toar  der  Schreiber  zu  träge  seine  arbeit  fortzuführen,  von  D  wird 
nachher  die  rede  sein,  zur  genaueren  erkenntnis  dieser  reihe  wäre 
es  iDünschenswert  dafs  jemand  die  Egmonder  Prudentiush^.  zu  Ley- 
defi  auf  gll.  hin  ansähe. 

Dafs  den  hss.  B-C  und  somit  auch  B^  eine  oberdeutsche  auf- 
zeichnung  zu  gründe  ligt  würde  allerdings  auch  ohne  die  verglei- 
chung  mit  anderen  Prudentiusglossen  und  ohne  jenen  Städtekatalog 
sich  ergeben,  denn  in  C  und  noch  mehr  in  B-  finden  sich  zahl- 
reiche reste  oberdeutscher  lautbezeichnung :  nicht  nur  sehr  häufig  ch 
für  k  im  an-  und  inlaut;  sondern  auch  vile  p  für  b  und  sogar  k 
für  g  in  crioz  B2  290  und  vorzüglich  in  der  vorsatzpartikel  ki, 
ke  (keliubit  B2  303,  kefuntero  B2  C350,  kifläfen  B2  424,  kitruchnaz 
C  432).  es  ist  dies  eine  neue  bestätigung  einer  beobachtung  die  wir 
oft  zu  machen  gelegenheit  haben,  der  nämlich  dafs  alle  uns  erhal- 
tenen glossen ,  soweit  sie  eine  ihnen  vorangehende  historische  ent- 
wickelung  voraussetzen  —  und  das  ist  bei  den  allermeisten  der  fall 
—  oder  was  dasselbe  sagt  soweit  sie  abgeschrieben  und  erweitert 
sind,  nicht  eine  würklich  gesprochene  mundart  vertreten  sondern 
elemente  verschiedener  vereinigen,  sie  sind  daher  für  dialektunter- 
suchungen  nur  mit  vorsieht  zu  verwerten  und  die  forschnng  kann 
als  festen  boden  blofs  die  ältesten  denkmale  etwa  bis  zur  mitte  des 
neunten  jhs.  betrachten,  weil  bei  diesen  teils  wegen  der  volleren 
formen,  teils  wegen  des  kürzeren  Zeitraumes  der  seit  ihrer  ent- 
stehung  verflofsen  ist,  jede  mischung  ungleich  schärfer  in  die 
äugen  fällt. 

/;t  M*  ligt  uns  ein  auszug  von  M^  vor;  nur  die  gll.  32.  38. 
40.  44.  47.  48.  49.  55  sind  nicht  daher  genommen  und  werden 
von  dem  Schreiber  selbst  oder  einem  leser  zugesetzt  sein,  aber  auch 
andere  hss.  zeigen  nahe  Verwandtschaft,  von  diesen  hat  P  mit  M^ 
einen  speciellen  dialekt  gemein,  einen  dialekt  der  den  a-laut  in  den 
end-  und  bildungssilben  von  Substantiven,  adjektiven,  verben  bevor- 
zugt und  der  bei  den  schwachen  verben  auf  o  dem  u  gleiche  gel- 
tung  einräumt,  so  hat  M'  36  nom.  sg.  mask.  adj.  auf  ar  und  eben- 
sovil  auf  er,  36  dat.  pl.  adj.  auf  an  tiebeti  23  auf  en,  24  dative 
mask.  {und  neutr.)  starker  Substantive  der  a-  und  i-deklination  auf 
a,  8  auf  e,  2  auf  o.  bei  den  verbis  auf  o  iveist  das  praeter itum. 
diesen  vokal  in  allen  formen  auf  (aufser  gimarhtvft  1147),  ebenso 
der  conj.  und  überwiegend  der  indikativ  praes.  {doch  die  dritte  p. 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  11 

pl.  mir  u),  dagegeji  der  inßmtiv  meist,  das  part.  praes.  immer 
{m(fser  hizzontero  89)  u.  dies  u  hat  auch  zuweilen  für  andere  o 
eingang  gefunden,  so  im  Superlativ  oparufto  207  {dagegen  entroftiin 
1090),  im  Substantiv  chlagvt  424.  ich  stelle  hier  die  übrigen  vo- 
kalischen abtoeichungen  von  dem  durchgehenden  lautbestande  zusam- 
men: e  für  ei  begegnet  m  trukihetin  27,  viiegiri  273,  iinrcnnuffi- 
duii  751,  viiedispioze  1690,  pachvueguu  1829,  ledezeuliu  1967, 
chleni  2100,  hedinifchi  2117;  i  /Vir  ie  in  fridilo  2095;  o  für  oii 
in  ungichoftiu  102,  togantem  457,  gitogini  553,  afcloh  2331; 
ou  für  HO  in  altoum  446;  n  für  uo  in  mudiu  154,  crupim  464, 
viiranter  1334,  dingftul  2141,  plumun2310;  u  für  in  in  turida 
1198;  iia  für  uo  in  chuano  1154;  uo  für  u  in  halftruohin  467 
(halftrucliin  ?) ,  für  ou  in  cruouuilin  559.  was  die  consonanten 
anlangt  so  ist  der  dialekt  sehr  consequent:  die  dentalen  und  labia- 
len werden  mit  ganz  loenigen  ausnahmen  streng  verschoben,  ebenso 
got.  k  zu  ch  {aufser  in  craphun  466,  cruouuilin  559,  uuarre- 
kinlih  786,  crumba  1375,  crone  1457,  incnehto  1577,  crazzot 
1584,  gikerida  1759,  cleini  1762,  cradamtum  1840,  stacuUa 
2015,  crumpiz  2089),  nicht  aber  got.  g.  dies  finde  ich  nur  in 
trukihetin  27,  crifiga  334,  crupun  464,  fufouca  765,  krintila  834, 
cruft  984,  goucallih  1045,  calftar  1046,  kaliar  1295,  crafun  1492, 
crino  1651,  kifale  1775,  crapent  1899,  crintil  2093,  cota  2118, 
vuickarivvi  2160,  cruopa  2187  und  crozza  2210  verschoben,  dem- 
gemäfs  lautet  auch  die  vorsatzpartikel  gi:  daneben  erscheint  fünf- 
mal ge  und  vierzehnmal  ga,  aber  auch  dreiundzwanzigmal  ki,  drei- 
mal ke,  zweimal  k  und  zweimal  ka.  in  betreff  der  übrigen  Par- 
tikeln ist  endlich  noch  die  gleichberechtigung  von  ar  und  ir  neben 
einzelnen  er  und  die  von  far  und  fir  neben  fünf  fer  und  je  einem 
uor  (1432)  und  uur  (1940)  anzumerken,  in  P  stellt  sich  das 
Verhältnis  nun  folgendermafsen:  die  dat.  pl.  adj.  enden  sämmtlich 
auf  an,  die  nom.  sg.  mask.  alle  (aufser  paftiner  95)  auf  ar,  die 
dat.  mask.  und  neutr.  sg.  von  Substantiven  immer  auf  a ;  bei  den 
verbis  auf  o  erscheint  dieser  vokal  nur  in  der  zweiten  und  dritten 
person  sg.  praes.  und  im  praeteritum,  sonst  stets  u.  neben  uo  ^re- 
ten  drei  ua  auf.  h  für  p  finde  ich  achtmal,  k  für  cli  einmal 
(crümun  93),  viermal  k  für  g  (ketilofa  2,  kinungan  26,  ratkepo 
186,  lialpkotun  243).  von  den  vorsatzpartikeln  haben  ar  und  far 
keine  neben  formen ;  ki  kommt  einundzwanzigmal  neben  sechszehn  gi 
und  fünf  ga  vor.    man  ersieht  aus  diesen  Zusammenstellungen  dafs 


12  GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 

die  Schreibung  in  P  conseqnenter  und  daher  ursprünglicher  als  die 
in  M^  ist.  dies  hestäligt  sich  noch  loeiter.  M^  loeist  nämlich  in 
seiner  anfangspartie  fast  ausnahmslos  jene  dative  pl.  adj.  auf  an, 
nom.  sg.  auf  ar,  die  vorsatzpartikeln  ar  und  far  auf;  allmälich 
mischen  sich  aber  in  steigendem  mafse  en,  er,  ir  %md  flr  ein  und 
in  dem  zweiten  teile  von  1299  an  kommt  nur  er  als  nom.  mask. 
adj.  vor,  von  1408  an  (aufser  kigrapotan  1502  und  dem  zwischen 
beiden  formen  schwankenden  bifuihlichaen  1760)  nur  en  als  dat. 
pl.  adj.  so  sind  zuerst  far  und  ar  regel,  fir  iind  ir  ausnähme,  in 
der  letzten  partie  herscht  das  umgekehrte  Verhältnis,  es  ergibt  sich 
hieraus  dafs  der  Schreiber  anfangs  sich  bemühte  seiner  vorläge  treu 
zu  folgen,  später  aber  immer  mehr  bei  abnehmender  aufmerksam- 
keit  den  ihm  geläufigen  formen  eingang  gewährte,  zu  ähnlichen 
resultaten  führt  die  betrachtung  anderer  nahe  verwandter  hss.  M^ 
bietet  den  dat.  kirigilotan  3  neben  sonstigem  en,  k  für  g  in  tru- 
kiheitin  13,  gi  aufser  in  kiiimrdirotun  (/.  ka-)  2  und  kirigilotan  3, 
tieben  irgremiter  88  und  irpolgnuffin  121  drei  ar  in  ariiafteta  26, 
alpolganora  (/.  ar-)  55  und  arfceinan  140.  LiS  und  ihr  auszug 
G  {es  ist  bei  diesen  wie  bei  P  fiur  von  den  textglossen,  nicht  von 
der  angehängten  glosa  die  rede)  zeigen  k  für  g  in  kalster  G  5 
L^Sll,  criionant  58,  ketilofi  123,  kiiol  125,  feltcangun  136,  k 
für  eil  in  marcat  17,  maneufa  22,  inknehta  39,  kerrent  85,  caffa 
115,  eil  für  g  in  umbihancha  20.  neben  gi  kommt  kiheiztin  78, 
kilazzen  98,  kidanc  156  S  und  keluppotem  88  S  vor.  endlich 
herscht  ar  aufser  irlitinen  61  S.  33  kennt  k  für  g  in  kalfter, 
caffa,  erimmin,  für  ch  in  furcnufitemo,  marcat,  knehta,  incnehta, 
nebe7i  gi  und  gii  {einmal  ge)  ein  ka  (kacliranztaz),  zivei  ki  (kiliei- 
zent,  kifcallita),  ein  ga  (anagatana),  neben  ir  drei  ar  (armezzana, 
arfleiznan  verschrieben  für  arfkeinan,  arnuortana).  bei  E  kommt 
hier  nur  die  Schreibung  umbanclia  115  in  betracht.  je  jünger  die 
aufzeichnung  war  —  und  die  jüngste  dieser  reihe  ligt  wol  in  2B 
vor  vgl.  den  nmlaut  in  cliefiluppa  und  chefichar  —  desto  mehr 
war  der  Schreiber  bemüht  die  allen  formen  zu  verdrängen:  trotz- 
dem erhielten  sie  sich  stellenweise  durch  die  Unaufmerksamkeit  oder 
die  mechanische  treue  des  kopisten.  und  ihre  widerkehr  in  ver- 
schiedenen hss.  bei  denselben  worten,  loie  sich  aus  obigen  auf- 
zählungen  ergibt,  bezeugt  ihre  ursprünglichkeit:  aus  P  ist  ersichtlich 
dafs  es  würklich  eine  gestalt  der  Überlieferung  gab  welche  diesen  schlufs 
rechtfertigt,     aber  auch   P   ist  eine   ziemlich  späte  redaktion   und 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  13 

manche  jungen  von  den  durchgehenden  regeln  abweichenden  formen 
dieser  hs.  sind  in  andern  hss.  in  älterer  geslalt  überliefert,  so  bie- 
tet M^  paftinar  647,  während  das  paftiner  von  P  die  einzige  aus- 
nähme unter  den  nom.  sg.  auf  ar  bildet,  ferner  erscheinen  die 
Worte  loelche  in  P  ein  h  aufxoeisen  in  M^  soweit  sie  dort  vorhanden 
sitid  immer  mit  p;  und  für  eins  der  in  P  vorkommenden  gi  we- 
nigstens zeigt  Ml  ga  (324).  dann  folgt  aber  auch  dafs  der  eintritt 
von  a  in  den  flexionssilben  und  von  u  bei  den  schivachen  verbis 
auf  0  gar  nicht  so  jung  ist  wie  man  gewöhnlich  anzunehmen  ge- 
neigt ist. 

P  ioelches  mehr  als  die  hälfte  seines  Wortschatzes  mit  M^  ge- 
meinsam  hat,  ist  also  mit  dieser  hs.  aufs  nächste  verwandt:  darauf 
weist  auch  hin  der  beiden  gemeinsame  fehler  arlöftar  revulsä  P  52 
Ml  309  —  es  ist  dort  übersetzt  als  stände  im  lateinischen  ein  no- 
minativ  seil,  fil^iila  nulcil  —  und  die  glossierung  von  thymus  durch 
pinipliiomo  P22M163,  während  alle  andern  hss.  pinefiiga  getoäh- 
ren.  sodann  ist  mit  M^  eng  verwandt  M^:  ein  äufseres  zeugnis 
dafür  ist  die  gleiche  abkürzung  unpilid  Mi592  M^  98.  doch  ent- 
hält M2  auch  eine  reihe  worte  die  in  M^  sich  nicht  finden  (1.  3*. 
5.  6.  8.  15*.  18.  20—22.  23*.  25.  26.  29—35.  50.  51.  77.  82. 
88*.  101.  104.  106.  115.  116.  123  —  125.  127*.  129.  (132). 
137.  139.  141),  aber  zum  teile  in  anderen  hss.  dieser  reihe  — 
und  dann  ist  ihnen  ein  stern  beigesetzt  —  vorkommen,  mit  3B 
zeigt  Ml  besonders  in  der  zweiten  hälfte  der  p.  Romani  große 
Übereinstimmung;  doch  ist  an  direkte  kopie  auf  keiner  seite  zu 
denken,  mit  3B  stehen  dann  L^S  und  G  in  naher  Verbindung. 
E  nimmt  dagegen  seinen  platz  näher  bei  M-  ein:  mit  dieser  hs. 
teilt  es  gleiche  abkürzung  in  den  Worten  irgremil  und  gicriniiot 
(E  102.  103  M2  88.  90). 

In  GL  ISP  ist  dem  texte  eine  glosa  super  Prudentium  angehängt, 
es  ist  dies  der  commentar  der  unter  dem  namen  des  Iso  magister 
geht  und  dessen  erklärungen  sowol  in  denjenigen  hss.  welche  die 
glosa  enthalten  als  in  denen  die  derselben  entbehren,  ihren  stellen 
über-  und  bei  geschrieben  sind,  leider  habe  ich  nur  P  selbst  ein- 
sehen könnot :  und  gerade  diese  hs.  zeichnet  sich  durch  grofse  flüch- 
tigkeit  aus;  im  übrigen  weifs  ich  nur  dafs  L^  nicht  ganz  bis  zum 
schlufse  reicht,  solidem  bereits  mit  clientes  ainicos  a  coleii  dicunt 
Symm.  2,  117  abschliefst,  doch  kann  dieser  umstand  durch  verlast 
eines  blattes  verschuldet  sein,    ob  die  in  der  glosa  zusammengestell- 


14  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

ten  erkläningen  die  übrigens  soweit  ick  urteilen  kann  grofsenteils 
dem  Festus  und  anderen  lexikalischen  hilfsmitteln  alter  zeit  ent- 
nommen sind,  aus  einer  Sammlung  von  niarginalglossen  entstanden 
sind  oder  ob  die  entgegengesetzte  entioickelung  stattgefunden  hat, 
dies  zu  entscheiden  ist  nicht  meines  amtes:  persönlich  neige  ich  mich 
der  ersten  annähme  zu.  überhaupt  interessirt  uns  die  glosa  hier 
nur  deshalb,  weil  sie  eine  reihe  deutscher  Übersetzungen  auftoeist. 
diese  letzteren  kehren  mehr  oder  minder  vollständig  in  allen  — 
über  einige  unsichere  fälle  ist  nachher  zu  handeln  —  glossierten 
hss.  des  Prudentius  wider  und  in  Urnen  haben  wir  den  grundstock 
der  deutschen  erklärungen  zu  diesem  Schriftsteller  anzuerkennen, 
hier  müfsen  ivir  die  frage  ividerholen  die  loir  soeben  für  den  haupt- 
teil der  glosa  von  uns  abgewandt  haben:  sind  die  deutschen  loorte 
in  der  glosa  genuin  oder  aus  interlinear-  und  marginalglossen  her- 
übergenommen? zu  ihrer  entscheidung  finde  ich  mir  einen  anhalts- 
punkt:  GL^S  setzen  zu  der  auch  in  P  vorhandenen  lateinischen  er- 
klärung  teretem  .i.  rotundum  das  deutsche  loort  chnopf.  teretem 
steht  Ps.  187  und  chnopf  glossiert  nodum  in  demselben  verse. 
nodum  jedoch  kommt  in  der  glosa  nicht  vor.  dieser  letzte  satz  ist 
freilich  nur  auf  P  gebaut:  doch  scheint  mir  diese  hs.  hier  eine 
zuverläfsige  Vertreterin  der  andern  nicht  eingesehenen  zu  sein,  sonst 
darf  man  allerdings  P  nicht  allzuvil  glauben  beimefsen:  so  setzt  es 
gilubbiv  369  zu  medicato,  lüährend  es  zu  medicata  (in  der  vorher- 
gehenden zeile)  gehört  und  auch  von  W^L^S  dazu  richtig  gestellt 
wird,  aber  medicata  fehlt  überhaupt  in  P.  kein  gewicht  wird  da- 
gegen auf  den  gemeinsamen  fehler  der  glosa  P  und  der  textglosse 
von  LI  (380  und  114)  quafi  labaref  und  nuafi  labaref  für  quec- 
filabaref  zu  legen  sein,  da  sich  derselbe  auch  ohne  die  annähme 
direkter  Übernahme  graphisch  leicht  erklärt  und  d^  (S®3  das  rich- 
tige bieten. 

Die  hss.  der  glosa  weichen  in  der  anzahl  der  deutschen  worte 
von  einander  ab.  es  fragt  sich  was  als  der  älteste  bestand  anzu- 
sehen ist.  unbedenklich  werden  wir  dazu  die  allen  gemeinsamen 
Worte  rechnen,  sodann  begegnen  einige  glossen  mit  dem  zusatze  f 
dh.  fraiicice.  dieses  praedikat  hat  nur  in  dem  falle  einen  sinn, 
wenn  entweder  die  so  bezeichneten  worte  andern  aus  einer  fremden 
spräche,  also  angelsächsischen  (f)  und  irischen  (fcot.)  loürklich  gegen- 
übergestellt werden  oder  wenn  der  Schreiber  ein  ausländer  loar  und 
wenigstens  stillschweigend  dieses  gegensatzes  sich  bewust  blieb,     mm 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  15 

Icommen  auch  in  der  glosa  zwei  irische  Übersetzungen  vor:  villeicht 
waren  es  ursprünglich  mehr ,  loenigstens  kennt  ®  2  noch  fcot.  ne- 
.  mau  (Hattemer  1,  272').  es  ist  erklärlich  dafs  sie  bald  schwanden 
und  dafs  daher  die  hs.  W'^  deren  gll.  der  schrift  nach  gewis  noch 
dem  9  jh.  angehören  und  die  Jiur  loorte  der  glosa  —  darunter  be- 
reits eins  (10)  falsch  bezogen  —  enthält,  keine  der  irischen  Über- 
setzungen mehr  aufführt,  die  einzige  hs.  welche  aufser  @  2  eine 
irische  vokabel  unter  die  int  erlinear  glossen  aufgenommen  hat,  ist 
M^  1892.  waren  aber  die  irischen  loorte  geschwunden .,  so  verlor 
auch  die  bezeichnung  t'rancice  ihren  sinn,  daher  erscheint  denn 
diese  angäbe  nur  noch  ganz  sporadisch  in  dieser  oder  jener  hs.  der 
glosa  (in  G  sogar  das  eine  mal  misverständlich  als  f);  und  allein 
dem  conservativismus  oder  der  Stupidität  der  Schreiber  ist  es  zu 
danken  wenn  das  f  noch  in  C  329  über  rihlichen,  wo  es  in  seiner 
Vereinsamung  sich  sonderbar  genug  ausnimmt,  uns  erhalten  ist. 
aufser  den  beiden  hier  aufgeführten  momenten  sehe  ich  aber  keinen 
anhaltspunkt  zur  aufhellnng  der  geschichte  der  deutschen  worte  in 
der  glosa. 

Aber  noch  eine  frage  erwartet  uns:  nach  welchem  lokale  müfsen 
wir  die  entstekung  des  deutschen  teiles  der  glosa  verlegen?  leider 
haben  wir  es  mit  verhältnismä/'sig  sehr  jungen  auf  Zeichnungen  zu 
tun:  dies  beweist  zb.  das  fehlen  des  h  vor  viierbo,  viierbile  (L^S 
177  P382),  ivährend  doch  ßi  das  ja  eine  lange  entwickelung  zwi- 
schen sich  und  der  glosa  vorausetzt,  noch  zwei  li  kennt,  zu  einer 
sicheren  entscheidung  läfst  sich  daher  auch  diese  frage  nicht  führen 
und  ich  kann  nur  einige  momente  namhaft  machen  welchen  zusam- 
mengenommen eine  relative  beweiskraft  nicht  abgesprochen  werden 
kann,  nicht  mir  die  deutschen  worte  der  glosa  sind  nämlich  den 
uns  erhaltenen  Prudentiusglossen  gemeinsam,  sondern  noch  eine  zahl- 
reiche menge  anderer,  wir  werden  letztere  also  einer  entwickelung 
zuerteilen  welche  sich  an  eine  hs.  die  den  deutschen  teil  der  glosa 
enthielt,  anlehnte,  und  von  dieser  zweiten  stufe  zweigten  sich  einer- 
seits die  bairischen  hss.  ab,  andererseits  die  alemanischen  und  nider- 
rheinischen  die  %oir  teils  oben  besprochen  haben  teils  noch  erwähnen 
werden,  beide  klassen  unterscheiden  sich  sowol  durch  grofse  partien 
von  einer  jeden  eigentümlichen  Worten  als  auch  zuweilen  durch  ver- 
schiedene glossierung  derselben  stellen,  da  aber  glossen  in  ungleich 
höherem  grade  als  fortlaufende  texte  Schädigungen  durch  ausla/'sung, 
änderung  oder  vertauschung  mit  anderen  Worten  preisgegeben  sind, 


16  GLOSSEN  Zu  PRUDENTIUS 

ja  gerade  recht  alter  bestand  am  ersten  späteren  Schreibern  zum 
Opfer  fiel,  so  darf  weder  die  tatsache  dafs  eine  zweite  gemeinsame 
stufe  der  späteren  entwickelung  voransgieng,  so  aufgefafst  werden- 
als  ob  alle  tcorte  derselben  in  allen  hss.  erhalten  seien,  noch  auch 
ist  es  angesichts  der  Kärglichen  reste  die  den  verlorenen  reichtum 
wol  ahnen  laßen,  nimmer  aber  ihn  ersetzen  können,  möglich  die 
geschichte  der  überlief erung  mit  annähernd  so  scharfen  zu  gen  zu 
zeichnen,  wie  dies  methodischer  forschung  für  schriftstellerische  er- 
zeugnisse  gelingt,  es  wird  somit  nicht  wunder  nehmen  wenn  durch 
die  auffindung  weiterer  glossierter  hss.  die  zahl  jener  sonderausdrücke 
hin  und  wider  abnimmt,  so  zb.  hat  D  einige  worte  mit  M^  oder 
andern  bairischen  hss.  gemein  die  sich  in  keiner  alemannischen  hs. 
vorfinden,  nichtsdestoweniger  nötigt  aber  eine  reihe  anderer  glossen 
die  sonst  nur  alemannischen  hss.  angehören,  sie  diesen  zuzurechnen. 
Die  alten  formen  auf  die  D  und  zum  teile  ßi  schließen  laßen 
zwingen  uns  die  glosa  und  die  sich  an  sie  anreihende  zweite  stufe 
in  die  erste  hälfte  des  neunten  jhs.  zu  verlegen,  wir  stehen  also  vor 
der  frage:  ist  die  glosa  in  Baiem  entstanden  und  ist  von  dort  aus 
eine  hs.  in  sehr  früher  zeit  nach  Alemannien  gekommen  oder  ist 
die  entwickelung  umgekeLrt?  nun  deutet  alles  darauf  hin  dafs  die 
ursprüngliche  form  der  vorsatzparlikel  in  der  glosa  ki  toar.  da- 
gegen sahen  wir  daß  in  den  bairischen  hss.  die  sämmtlich  auf  ein 
gar  nicht  loeit  zurückligendes  original  wiesen,  neben  vielen  ki  auch 
eine  reihe  ga  auftraten,  und  nur  in  bairischen:  denn  auf  das  eine 
anagatau  in  (52  zu  Laur.  290  ist  bei  dem  sehr  jungen  charakter 
dieser  hs.  kein  gewicht  zu  legen,  zwar  sind  bisher  die  gesetze  des 
wechseis  zwischen  ka  ki  ke  ga  gi  ge  nicht  untersucht  loorden,  aber 
(las  ist  sicher  dafs  in  Ba'ern  die  älteste  form  der  partikel  ka  und 
ga  lautete,  wäre  also  die  glosa  in  Baiern  ursprünglich,  so  hätte 
sie  in  der  frühen  zeit  in  die  wir  ihre  entstehung  zu  setzen  haben, 
die  Partikeln  ka  und  ga  führen  müfsen:  und  da  loäre  es  gewis 
höchst  sonderbar,  wenn  nicht  nur  sonst  überall  wo  die  vorsatzpar- 
tikel  der  glosa  in  ungeschoächter  gestalt  erscheint,  sondern  selbst  in 
den  bairischen  hss.  der  glosa  ki  steht,  während  doch  ka  ga  auch  in 
alten  alemannischen  quellen  häufig  genug  ist.  wir  finden  aber  ka 
ga  nur  bei  solchen  worten  in  den  bairischen  hss.,  die  sich  aus  an- 
dern Prudentiusgll.  nicht  nachweisen  lafsen.  hiernach  würden  diese 
loorte  der  speciell  bairischen  entwickelung  zuzuschreiben  rmd  die 
entstehung    der   glosa   aufserhalb  Baierns,    dh.   in  Alemannien  zu 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  17 

suchen  sein,  diese  annähme  dürfte  durch  den  umstand  bestätigt 
werden  dafs  wir  in  Baiern  nur  einer  reihe  ganz  nahe  verwandter 
hss.  begegnen,  ivdhrend  in  Älemannien  die  differenzen  zwischen  den 
einzelnen  vil  bedeutender  sitid  und  dadurch  eine  ungleich  geglieder- 
tere entwickelung  vorausgesetzt  toird.  als  ausgangspunkt  wird  am 
ersten  SGallen  in  betracht  kommen:  dort  war  die  bezeichnung  mit 
f  und  fcot.  besonders  beliebt  und  in  ®  2  fanden  wir  noch  ein 
drittes  irisches  wort,  sollte  so  die  tradition  der  zufolge  Iso  die  glosa 
abgefafst  hat,  ein  körnchen  Wahrheit  enthalten  ?  für  sie  scheinen  frei- 
lich Weitz,  der  im  indiculus  inlerpretum  {band  2)  die  erklärungen 
als  Isoüis  magistri,  vt  creditur,  giossse  bezeichnet,  und  Goldast  in 
der  vorrede  zum  manuale  biblicum  (Frankfurt  1610)  die  ersten 
zeugen  zu  sein. 

Noch  auf  einen  umstand  möchte  ich  hinweisen,  die  der  glosa 
zu  gründe  ligende  hs.  bot  Hamartig.  401  die  falsche  lesart  inde 
cameiia  foro  lalrat  facuiidia  loto  und  glossierte  dies  camena  durch 
poetica  1  canina.  1  canina  ist  aber  keine  erklärung  sondern  die 
lesart  welche  sämmtliche  bei  Dressel  aufgeführte  hss.  und  auch 
sämmtliche  die  ich  gesehen  habe  im  texte  geben,  so  auch  P:  trotz- 
dem glossiert  es  canina  durch  poetica  -1  canina.  dies  war  doch  zu 
unsinnig  als  dafs  es  alle  andern  hss.  hätten  beihehalten  sollen:  aber 
poetica  das  zu  canina  gar  nicht,  nur  zu  camena  passt,  blieb,  so 
lautet  die  gl.  in  E  und  D  (vgl.  s.  18);  bei  den  andern  hss.  habe 
ich  versäumt  mir  die  erklärung  zu  notieren,  es  gab  also  genug 
Prudentiushss.  in  Deutschland  die  aus  andern  quellen  abgeleitet  loa- 
ren  als  die  hs.  welche  der  glosa  voilag;  aber  die  glosa  selbst  wurde 
überallhin  aus  dieser  einen  hs.  direkt  oder  indirekt  übernommen, 
diese  tatsache  wirft  denn  auch  ein  licht  auf  die  geiois  höchst  merk- 
würdige zusamtnenh äugende  entwickelung  welche  loir  in  allen  deut- 
schen Prudentiusglossen  wahrnehmen,  nicht  nach  ihnen  war  das 
verlangen  so  gro/'s  dafs  man  sie  wider  und  wider  abschrieb,  sondern 
nach  dem  lateinischen  kommentar  welcher  rasch  zu  ansehen  gekom- 
men und  in  vilen  klöstern  den  wünsch,  ihn  abschriftlich  zu  be- 
sitzen, erregt  zu  haben  scheint,  aber  schon  damals  als  die  erste 
kopie  genommen  wurde,  war  die  anzahl  der  deutschen  glossen  eine 
bedeutende :  als  integrierender  ^  bestandteil  der  lateinischen  erklärun- 

'  So  fehlen  in  B'  «?//'  öl.  4"  bis  28"  Ufid  in  P  att/'  Ol.  57//'  die  deut- 
schen gll.,    weil   an  diesen  sielten  die  laleinischen  erklärungen  mangehi. 
Z.  f.  D.  A.  neue  folse  IV.  2 


18  GLOSSEN  ZU  PRUDEPsTIUS 

gen  mit  diesen  zusammen  abgeschrieben  louchsen  sie  weiter  unter 
der  hand  eifriger  leser. 

Von  den  bisher  noch  nicht  besprochenen  hss.  ist  nur  D  eticas 
eingehender  zu  behandeln,  auf  den  ersten  blick  fällt  der  unter- 
schied zwischen  den  fränkischen  bestandteilen  im  anfange  und  den 
sächsischen  im  späteren  verlaufe  der  gll.  in  die  äugen,  und  diese 
differenz  tiHtt  auch  in  der  schrift  hervor,  mit  ausnähme  ganz 
weniger  woi^te  sind  die  gll.  1  bis  90  von  einer  feinen  hand  ge- 
schrieben, ebenso  J78  bis  190;  von  anderer  aber  auch  zierlicher 
rühren  eine  reihe  glossen  zwischen  diesen  beiden  komplexen  her,  der 
ganze  rest  dagegen  von  mehreren  kräftigen,  jedoch  unschönen  händen. 
die  fränkische  partie  kennt  fast  kein  t  statt  z  U7id  hat  noch  eine 
reihe  ch  aus  der  oberdeutschen  urquelle  geivahrt,  ja  sogar  ein  ki 
der  glosa  (kifcalcten  81).  h  im  anlaute  vor  konsonanten  ist  bereits 
abgefallen  (uuaffero  56,  denn  hriitan  6  und  hripo  73  sind  von 
andern  händen).  dafs  dieser  teil  abgeschrieben  ist  beweisen  mis- 
versiändliche  beziehungen  sowol  deutscher  loorte  wie  adüzufti  52  auf 
Spiritus  statt  auf  Üain,  harun  62  auf  setas  statt  auf  villis  v.  153, 
fcuzilon  166  auf  fercula  statt  auf  lancibus,  als  lateinischer  —  zb, 
steht  bl.  23*  fraus  coniugii  über  obtrectatio  statt  über  adulterium 
und  poelica  über  facundia  statt  über  canina  {Hamartigenie  397  und 
401)  — ,  ferner  unsinnige  fehler  wie  def&mo  184  und  endlich  das 
krasse  verkennen  eines  dem  Schreiber  wol  ungeläufigen  weil  ober- 
deutschen Wortes,  es  findet  sich  nämlich  bl.  17''  (Apoth.  817)  über 
taljentibus  zuerst  die  glosse  putrescentib ;  und  darüber  .i.  male- 
uiuentib;  1  deficientibus.  dies  wunderbare  maleuiuentibus  ist  aus 
moleimenten  entstellt,  der  eine  der  Schreiber  dieses  fränkischen  teils 
hat  endlich  auf  bl.  15''  wo  hinter  Finit  apotheosis  contra  Judaeos 
(v.  551)  einiger  räum  geblieben  war,  eine  reihe  lateinischer  worte 
verzeichnet,  deren  15  erste  den  hymnen  und  der  Apotheosis  bis  v.  472 
angehören  und  die  ich  hier  genau  nach  der  hs.  mitteilen  will  weil 
mir  princip  und  zweck  ihrer  answahl  nicht  verständlich  ist. 


Mcsalia 

afflare 

cymbia 

eboimm 

lanugo 

actutum 

slrofium 

chelis 

sichofaiita 

confestim 

gnosium 

energima 

dia 

mcandrum 

chyllenius 

marcida 

gelonus 

qualis 

hecaten 

GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS  19 

Die  hanptpar^ti'e  der  glossen  von  D  ist  aber  altsächstsch.  wir 
finden  dort  h  vor  konsonanten  bis  auf  ivenige  fälle  (214.  395.  400. 
425.  461.  486.  578)  noch  erhalten,  zuweilen  auch  unorganisch  vor- 
geschlagen (135  neben  753  und  liimari?  146).  für  die  genauere 
feststellimg  des  dialektes  kommen  hauptsächlich  die  formen  des  diph- 
thongen  iu  in  betracht,  in  entspricht  dem  gleichen  gotischen  laute, 
seine  brechung  ist  ia  (87.  137.  148.  300.  330.  342.  394.  510.  514. 
749).  aber  noch  andere  ia  kommen  vor:  1)  für  e  in  loorten  die 
aus  dem  lateinischen  entlehnt  sind:  fpiagal  725 :  daneben  ist  jedoch 
6  geblieben  in  preftera  685,  gibreuid  798.  826.  2)  =  ahd.  ei 
as.  6:  kiafiir,  kiafarlicara,  iiiiaganliafa  299.  492.  708:  dafür  findet 
sich  ie  in  fkiethiinga  700  und  hierher  gehört  das  ie  das  für  e  in 
kierta  657,  bikiert  666  auftritt.  3)  doch  nicht  nur  für  langes  e 
sondern  auch  für  kurzes  gebrochenes  erscheint  ia:  giliaha  695  und 
für  umgelautetes  ie:  kieuil'  210,  kierzivn  566.  —  dagegen  begegnet 
e  in  den  praeteritis  reduplicierender  verba  (347.  661)  iind  für  iu 
in  vuemanthivn  324.  371  sowie  in  dem  zweifelliaflen  gemcddan 
377  ==  gimietteii.  loenn  somit  der  dialekt  gestattete  lange  und 
kurze  e  dergestalt  zu  diphthongisieren  dafs  bei  folgendem  a  ia,  bei 
folgendem  i  oder  u  ie  eintrat,  so  müste  bei  kiafur  ein  fehler  für 
kiafai-  oder  kiefiir  vorliegen,  völlige  konsequenz  herscht  nicht  und 
es  ist  nicht  einzusehen,  tveshalb  nicht  auch  priaftera  und  vuiaman- 
Ihiiin  geschrieben  wurde,  wenn  dies  nicht  seinen  grund  in  der  ver- 
schiedenen person  des  glossators  hatte,  von  sonstigen  dialektischen 
besonderheiten  wären  noch  g  für  w  (363.  524.  692) ,  h  für  f 
(krahl  113.  556,  tbrubtigcno  610),  ?i  für  gebrochenes  e  (411.  576) 
und  e  für  a  (geuuede  655)  hervorzuheben,  am  nächsten  steht  der 
mundart  nach  die  homilie  Bedas  {MSD  LXX),  und  ivenn  diese  nach 
Essen  gehört  so  ivird  unser  denkmal  aus  dem  nahen  Werden  stammen. 
(las  hd.  original  klingt  übrigens  noch  durch  in  liicik  375 ,  flacun 
822;  und  so  ist  wol  der  fehler  rokagun  261  aus  rocaguii  für 
rozagun  .zu  erklären  [wäre  vielleicht  auch  kip  549  aus  dem  an- 
fange des  lateinischen  cippus  ähnlich  entstellt?),  darauf  tveisen  femer 
das  cb  in  facberi  651,  das  u  für  uo  in  tanrtutblia  373  ^rnd  der 
nom.  pl.  preftera  685  Am. 

P2  und  F  stehen  unter  einander  in  näherer  Verbindung,  sie 
gehören  zwar  im  allgemeinen  der  alemannischen  klasse  an,  scheinen 
aber  xoenigstens  in  der  p.  Vincendi  und  Laurentii  auch  eine  hs.  der 
bairischen  reihe  benutzt  zu  haben,    die  glosa  hat  nämlich  im  laufe 

2* 


20  GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 

der  zeit  znsätze  erhalten,  während  also  die  ursprüngliche  fa/sung 
auleis  Vinc.  366  nur  durch  cortinis  übersetzte,  ist  später  dafür 
eine  anmerkung  folgendes  Inhaltes  eingetreten:  aiilea  proprie  ab 
aula  attali  regis  dicta.  ich  erinnere  mich  nun  zwar  nicht  ob  diese 
noie  nur  in  bairischen  hss.  sich  befindet,  das  aber  ist  sicher  daß 
nur  in  diesen  die  Übersetzung  umbihancha  (fast  immer  mit  ch) 
und  zwar  hinter  dem  worte  proprie  —  D  mit  seiner  glosse  iimbi- 
liaugon  512  ist  daher  unabhängig  —  widerkehrt,  so  begegnet  umbi- 
hancha, umbihanga  auch  in  FP^  und  dieser  umstand  sowie  die 
Wahrnehmung  zahlreicher  sonst  nur  in  den  bairischen  hss.  auftreten- 
der gll.  dürften  die  vorhin  ausgesprochene  Vermutung  rechtfertigen, 
von  den  andern  hss.  gehört  nur  9?  2  zur  bairischen  Masse ,  zur 
alemannischen  dagegen  Q.  1  welches  zwar  vil  ihm  eigentümliche 
Worte  aufweist,  im  ganzen  aber  zu  (5  2  stimmt,  ähnlich  verhält  es 
sich  mit  dl^.  (5  und  (B  2  sind  abschriften  eines  Originals :  in  jeder 
wurden  worte  des  alten  beslandes  ausgelafsen  —  so  fehlen  zb.  in 
®  2  oblita  biklenan,  lolio  raden,  mento  chinne,  vitricus  ftiffader, 
in  (5  calculus  merigrioz,  scutulis  fkibabten,  baga  rahchinza,  cou- 
lus  flanga  —  und  Jede  ist  sehr  fehlerhaft,  auch  sie  sind  zur 
(demannischen  reihe  zu  rechnen,  ö  dagegen  enthält  neben  zahl- 
reichen ihm  eigentümlichen  glossen  kaum  andere  als  welche  in  der 
glosa  oder  der  zweiten  stufe  vorkommen:  und  aus  dieser  letzteren 
möchte  ich  es  direkt  ableiten,  allein  mit  S  teilt  (S  4  die  glosse 
uuildero  ingangida  und  beide  werden  daher  wol  in  einem  engeren 
verbände  stehen,  doch  läfst  sich,  da  (54  nur  9  gll.  enthält,  genaueres 
nicht  feststellen,  auch  (5  3  und  ®  3  toerden  dieser  stufe  zuzurechnen 
sein ;  dagegen  ist  ®  1  durchaus  nicht,  wie  Hattemer  meint,  eine  ab- 
schrift  von  ®  2  mit  vermehrten  glossen,  sondern  nur  verwandt. 

"^  ist  die  einzige,  wie  es  scheint  von  der  alten  tradition  un- 
abhängige hs.  L2M''9?1  aber  vermag  ich  nicht  zu  fixieren,  teils 
ihres  geringen  umfangs  teils  ihrer  späten  zeit  halber,  sie  gehören 
jedoch  auch  in  die  ganze  entwickelungsreihe  und  setzen  die  glosa 
voraus.  äP  ist  aus  einer  andern  hs.  abgeschrieben,  denn  die  über 
nuntia  latititia  übergeschriebene  glosse  encrgia  i.  vvotu  27  gehört 
nicht  zu  diesem  worte  sondern  zu  energima  der  nächsten  zeile. 
übrigens  scheinen  die  gll.  von  M^  einige  Verwandtschaft  mit  ^l^  zu 
verraten. 

Die  reihenfolge  der  glossen  in  dieser  ausgäbe  entspricht  ihrer 
Zusammengehörigkeit,      auf    die   hss.    ivelche   die    glosa    enthalten 


I.  II.  AUS  WOLFENBÜTTEL,  LONDON  UND  SALZBURG     21 

(I — IV)  folgt  zuerst  die  bairische  (V — VIII),  sodann  die  alemannische 
(IX — XII)  Masse,  endlich  die  beiden  nicht  fest  bestimmbaren  L-M^ 
(SAU.  XIV).  im  übrigen  habe  ich  nur  noch  zu  bemerken  dafs  runde 
einklammerung  eines  lateinischen  ivortes  anzeigt  dafs  die  dazu  ge- 
hörige glosse  am  rande  steht:  in  W2  ivo  dies  bei  allen  der  fall  ist, 
wurde  denen  welchen  das  verweisungszeichen  fehlte  noch  ein  stern 
beigefügt,  steht  hei  einer  glosse  ein  wort  übergeschrieben,  eins  am 
rande,  so  ist  dies  durch  klammern  vor  dem  zweiten  angedeutet, 
bei  M^  ist  Graff  in  dem  falle  citiert  worden  wenn  entweder  die 
glosse  ziemlich  selten  oder  von  ihm  verbefsert  war. 

Ich  hoffe  die  Untersuchung  so  weit  geführt  zu  haben  als  es  mit 
einiger  Sicherheit  bei  dem  mangelhaften  materiale  das  ich  benutzen 
konnte  möglich  war.  abgeschlofsen  und  nach  allen  Seiten  hin  gleich- 
mäfsig  sicher  ist  sie  nicht  und  kann  sie  nicht  sein  so  lange  nicht 
sämmtliche  hss.  ausgebeutet  werden,  es  ivürde  mir  aber  lieb  sein 
wenn  ich  gezeigt  hätte  dafs  auch  das  geringfügige  der  beachtung 
wert  ist  und  wenn  ich  dadurch  erreichte  dafs  künftig  glossen  nicht 
mehr  mit  der  üblichen  leichtfertigkeit  veröffentlicht  ivürden. 

ST. 

L    WOLFENBÜTTELER  GLOSSEN. 

APOTHEOSIS.  140.  (plagis)   maculis.    mafcon. 

609.  [lö**]  (lancibus)  fcuzilon.*  t^^"^ 

Mgai  216.  (lappas)  clethon.  [35^] 

725.  (rudere)  mina.i.ari.z.  [20^]      ^^^'  (sutilibus)  giriganeii. 
817.  (tabentibiis)  molouuenten.        ^71.  (concariim)merigreoz.  [Sö"^]  10 
822.  (oblita)  bicienan.  [21']  ^^^-  (scutulis)  scutulatis  uestibus 

5  860.  (uola)  fuft.*  [32'"]  •*•  fci^aliten. 

297.  (piiluere)miiscus  .i.  bifanio. 
HAMARTIGENIA.  [40''] 

114.  (medicans)  infundeiis.  lub-      539.  (medicata)  gihibbiv.  [49"] 
bonti.  [32'^]  phasides  aues  .i.  felihuanir. 


IL  LONDONER  UND  SALZBURGER  GLOSSEN. 

PRAEFATIO.  H.  A.  CIHUM. 

8.  [3'']toga,indetügalusrprah-        18.  seria  ornunbaniii.  [8'] 
man.  L  [T]  29.  strophio  houpilpant. 


^2 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


42.  pedicis  ftricli. 
5  maculis  mafcun.^  [9"] 

74.  thimo  binifuga.  [10"] 
148.  discidiiim  zurfliz.  [13'] 

H.  P.  CIBUM. 
30.  congeriem      uberchollun. 
[151 
H.  A.  INC.  LUCERNAE. 
20.  stuppa,  fimale  täht.  [16'] 
10   52.  calamis  ceiuiin.  [20''] 
H.  A.  SOMNUM. 

140.  (prestigiator)       prestigium 

kalfter. 

H.  JEJUNANTIUM. 
9.  aruina  fpint.^  [23"] 

119.  oftam  pifcun.^  L 

120.  palatiim  chiimu.^  [28"] 

H.  0.  HORAE. 
15      1.  clioreis  chorrangun.  [32"] 
H.  AD  EXEQLIAS  DEF. 

141.  cariosa  uurmalig.  [37"] 

P.  CALAGURR. 
47.  forum  marcat.  S 
P.  VINCENTII. 
1 1 6.  palpitet  fprat.  [39^] 
230.  chauterem  polz.  prant.  [40"] 
20  366.  (aiileis)  aulea  urabihancha. 
[431 
552.  stipitcm  Itoch.  [44"] 

P.  LAURENTU. 
101.  aureos  mancufa.  I  [451 
140.  lucri  fkazzef.  [45"] 


208. 

insolescat  miffeimon&.[46"] 

282. 

(mucculentis)  muccus  roz.  25 

[491 

480. 

pessulos  floz.  [49"] 

550. 

civicam  leibfl.  L  [55"] 

P.  HIPPOLYTI. 
218.  maiestate  heri.  [661 

P.  AGNETIS. 
42.  uerendiim[locum]  fcamilina. 

[671 
76.  calentia  [uota]  heiza.  [78"]    30 

P.  CASSIANI. 
46.  feile  abii°fte.  L  abunfte.  S 
48.  relisÄ  [fronte]  ferch°ufite- 
mo.  L  ferdmufitemo.  S 
[801 
101.  perceuseo  zalta. 
105.  successibus  thiefmon.  [80"] 

P.  ROMANI. 

10.  palpitet  zabat.  [811  35 

28.  immoratur  [dentibus]  zanot. 

[81"] 
52.  heros  gomo.  [82"] 
94.  Inas  tholef.  [831 
111.  (apparitores)    inknehta.    L 
inkuetha.  S 
(snggernnt)  unterzalton.       40 
114.  noxialem  marterlicben. 
117.  (exlnberet)  tuber mafar,[841 
156.  (essedo)  bastcrnuni  fampoh. 

[84"] 
166.  miseret  arparmet.  S 
\11.  supinns  ufcbaffenter.  [851  45 


4  dh.  ftiicheii  13  =  pifzun,  pizzun  18  dli.  fpratalo  27  auf 
einer  grüfseren  rasuv.  das  wort  ist  wol  ein  zusammengez,ogenes  adj.  zu 
leigo  vgl.  leiihhiu  Gr.  2,  152        35  dh.  zabalo 


IL  AUS  LONDON  UND  SALZBURG 


23 


190. 
212. 
221. 
239. 
50    242. 

253. 

264. 
266. 

284. 


55    303. 

333. 

334. 

335. 

356. 
60    383. 

407. 

467. 

490. 

495. 
65    499. 

500. 

553. 

557. 

582. 
'0    606. 

810. 

846. 

863. 

918. 

75    993. 

1058. 


licentiä  urloube.  [85''] 
indigiiabitur  zuriiit.  [86^] 
pulpita  lectar.  S 
fusos  fpinilum.  L 
fistularum    fuegolouo.    L 

[86"]  fuegulono.  S 
promiscue  gilicho. 
sarculatis  gihouuuoten. 
forma  pilidi.  [87"] 
liquore  crispo  reidemo  gi- 

giizze.   L  [87'']   reidemo 

gigozze.  S 

circulator  rizari.  [88''] 
subiugales  zamiu. 
frutecta  chrutir. 
uernaut  cruonant.  [89^] 
pudorem  cliufki.  [89''] 
offellis  praton.  [91"] 
[post]  euolutos  irliteneu.  S 
catasta  harfa.  [92"] 
cauteribus  polziin. 
artbesis  balfuth.  [92''] 
uisciis  platra. 
scalpella  fcrotifarn.  [93"] 
follibus  uiiangun. 
cliaraxat  chrazzot.  [94''] 
occalkiit  arharl&a.  [95^] 
congressa  est   iugagangi- 

giench.  [99"] 
edacitas  azzilini.  [100"] 
pyram  roft.  [lOr] 
torres  prcnti.  [102"] 
abdomina  anpanta.  [104^] 
strepat  cberre.  (105"] 
crudüs  zabe.  [106'] 


1067.  inguine  gimabhe. 

1078.  igniueriut  kibeiztin.[108''] 

H.  Vlll.  KAL.  JAN. 
67.  syrtium  faiito.  [112^] 

EPILOGUS. 
18.  parapsis  fulzuaz.  [119']     SO 

APOTHEOSEOS  PRAEF. 
7.  competa  auvicki.  [119"] 
27.  tenaces  zacha.  [134"] 

APOTHEOSIS. 
579.  coruscantisci^rif.-I[135"] 
635.  specimeii  fimtrunga.[136'] 
663.  uerrunt  kerrent.  [137"]      85 
720.  gemit  quirit.  L  [146"] 

HAMARTIGENIAE  PRAEF. 
6.  certante  ilegomo.  [153"] 

HAMARTIGENIA. 
230.  medicante  keluppotem.  S 
233.  cicutas  fcerilinga.  [154'] 
268.  sutilibus  giriganeii.[155']  90 
296.  peregrino  puluere,  miscus 

bifamo.  L  [156''] 
368.  0  pbasidcs  au  es  .i.  fefi  ho- 
ner. L  [158"] 
442.  frangere  arfkeiiian.^[159''l 
501.  statione  heripgo.^Z  [160"] 

heripergo.  S 
533.  noii  eqiie  nobfama.''  95 

541.  excussa    uzulazzaniu.^    L 

[163"]  uzulozzaniu.  S 
666.  resoluit  inbintit.  (166'] 
771.  remissum  kilazzen.  [166''] 


83  das  geschwäazle  e  scheint  gesetzt  zu  sein  damit  das  worl  nicht 
zierif  gelesen  loürde.  es  ist  mir  ztueifelhaft  wovon  ich  es  ableiten  soll,  oh 
von  er  erz  oder  era.  Jedes/ulls  ivird  c  als  k  zu  fafsen  sein 


24 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIÜS 


796.  ditibiis  rihlihen.  [168"] 
100  853.  oblectat  locliot.  [168"^] 
874.  pupula  affol.  [173^] 

PSYCHOMACHIAE  PRAEF. 
33.  boiis    lialft..ihin.  L   [178'^] 
halftruliin.  S 


237. 

254. 

105  312 
314. 

316. 
324. 


110 


325 
335. 
339. 


115  358, 

359. 

367. 

370. 

377. 
120  414 

426. 

433. 

435. 
125  439, 


PSYCHOMAGHFA. 
tepefacta  vualacbin.  L  [\  79'] 

ATialacbiu.  S 
temeraria,  uelox  alfraualii. 

L  [180'']  fraiialiu.  S 
languida  zartoutiv. 
petulanter  g&ilofo. 
amoenas  wnnifama. 
mai'cida  uvaragiv.  [IST] 
nemo  feiiimn.  S 
stridula  ruzente.  S 
ammento  lazze.  S 
bratteolis  blecbiin. 
flexura  felga. 
electri    ..nnafi    laboref.    L 

[181"] 
mitra  caffa. 

religamine  gibente.  [182'] 
cantharus  fcala. 
thoreumata  fcafreita.  S 
crapula  viiorac.  [183'] 
uertigo  [rotai'um]  felga. 
offas  ballun.  [183"] 
nugatrix  ni\T. 
petulaiUia  k&iL 
sistro  fuegalon. 
pompa  kuol. 


441.  iienustatis  fconi. 
444.  uoluptatem  zart. 

448.  crinalis  acus  fpinula. 
redimicula  iieftila. 

449.  fibiila  nufea.  [187']  130 
468.  persultant  mancblotun.  5 
594.  palpitat  zabulot.  [188'] 

633.  exfibulat  ingurta.  S 

635.  priuata  fimtr.  S 

636.  coniicinum     bcritrumpun.  135 

[190"] 
722.  cloacis  feltcangun.  [191'] 
744.  carbasa  plabun.  [193"] 
852.  pai'ietibus  vuentin. 
854.  natiiio  fippemo.  L  [197'] 

CONTRA  SYM.M.  I.  PRAEF. 
68.  adolent  zuntun.  [226"]         140 

CONTRA  SYMMACHUM  II. 
456.  tigillis   fparriin.   raiion.   L 
[228"]  fparroii  l  rauon.  S 
519.  petaso,  iiirga  clmlbif.  L 
534.  axe  cluioli.  [229"] 
564.  successustbieffemon.  [232"] 
675.  ludere  fpiL  [235"]  145 

808.  dana  dacbna;  den^  vocan- 

tiir  nobiles  nordnianni. 
viiaiidaliis  vvinit. 
bunus  Imni.  L 

809.  alamanmis  fuab.  [238'] 
pr^rogatiua    fürdrunga.    L 150 

[238"] 
aiiena  turd.  [239"] 


122  gemeint  ist  iiimiilif  =  m\gü  ode?'  eine  komposition  dieses  Wortes 
123  rf//.  kctilofi  131  iiiandilotun?  134  rf//.  funlrigiu  142  cm  cholpo? 
145  d/i.  fpilon.  dai'or  steht  in  S  zrc  v.  614  per  vadimouia  .i.  vuadia,  ^-e- 
wis  lateinisck  148  oder  lateinischer  plural  150, 1    m  der  prosa 

vor  V.  910. 


IL  AUS  LONDON  UND  SALZBURG 


25 


943.  granaria  meifa.  [24r] 
1 002.  improba  vngimachigiv. 
1008.  fasciolis  neftilim.  [241'^] 
155  1043.  sentix  dornahi.  [253''] 
1051.  sollertia  kida.  S 

GLOSA. 
H.  JEJUNANTIUM. 
165.  Papilla  tuttili.  [254'] 

P.  LÄLRENTII. 

254.  prurit  iuchit. 

255.  scalpit  fcebit. 

160    282.  miicculentus  a   miicca  .i. 
roz.  [255*'] 

P.  ROMANI. 
156.  essedo.  famboli.  [256'J 

APOTHEOSIS. 
609.  lancibiis  fcuzzilun. 
725.  rudere,  stercore.  al  minia 

.i.  aruz.  [256'^] 
817.  tabentibus  moluvuenten. 
165    822.  oblita  bichlenaii.  [256""] 

HAMARTIGENIA. 
230.  medicans.  infundens.  liip- 

ponti.  i[257'] 
233.  cicutas  scot.  bind,  fcerniinc. 

L 
271.  calculus  albens.  vnio.  me- 

rigreoz. 
274.  fuco.  colore.  kaiiikc. 
170    289.  scutulis.  scululatis  fcibali- 

ten  uestibus.  [257*^] 
539.  medicata  gilupbiv.  [257"^] 
796.  ditibus  ribliben.  [258''] 


PSYCHOMACHIAE  PRAEF. 
31.  greges  equariini  ftuot.  S 
46.  magalia  loiiba  1  hulta.  [259'J 


11, 

45 

95 
^16 

138 
151 
187 

188 
191. 

237. 
254 
260, 

312, 
314, 


316. 
318. 
324 

325. 
331. 
335. 
339. 
358, 


PSYCHOMACHIA. 
meliore    manu     kifuntero  175 

benti.  [260^] 
suffundere    [fumo]    irdem- 

phen.  S 
uortex  vueruo.  [260'*] 
conto    petit    mit    ftangun 

gifuohta  IIa. 
conisa  zilenti.  [260^ 
missile  fpirilin.  180 

teretem.       rotundum.      i. 

chnopf.  [260'] 
limbus.  i.  foum. 
madidis     lupatis     fuohlen 

mindilon. 
tepefacta  vualacbiu,  [261'] 
temeraria.  uelox.  al  fraualiu.  185 
uersuta   opifex.    i.   abahiu 

ftriunera. 
languida.  zardontiu. 
petulanter.  instabiliter  ge- 

tilofo. 
amoenas  vunnefama. 
marcida  uuaragiu.  f.  [261'']  190 
lituos.  i.  lieridrumbun. 
nemo  fenuun.  5 
stridula  ruzente. 
amento  .i.  lazze. 
obliso.  i.  fuperato.  al  lebeia.  195 
bratteolis  pleclum. 
nexura.  i.  felga.  [261'] 
mitra  cafplia. 


156  l.  kidaiic  vgl.  Diul.  2,354« 
teretem  in  folge  eines  ivurinloches 


181  in  L  feiilt  die  silbe  ere  von 
195  zum  folgenden  bratteolis 


26 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


359.  religamiue  gibeute. 
200  367.  cantliai-Qs.  i.  fcala.  S 

370.  tore^mata  fcafreita. 

377.  crapula  vuorac.  f. 

414.  uertigo.  i.  felga.  [261''] 

426.  ofas  ballun. 
205  435.  sistro  fuegalou. 

444.  uoluptateni  zart. 

448.  crinalis  acus  fpinula.  5 
rcdimicula  neftila. 


449.  fibula  nufca. 

monile  geftile.  f.  [262']        210 
594.  palpitat.  zabulot. 
633.  exfibulat.  ingurta.  S 
636.  corüiciiium.  i.  heritrunbun. 

I  [262''] 
722.  cloaca  feldganc.  [263^] 
CONTRA  SYMMACHÜM  I. 
65.  pessulus  plochili.  [263'']      215 
259.  uitricus  ftiiifater. 


III.    GÖTTWEIHER  GLOSSEN. 


H.  A.  CIBUM. 

29.  [3'']  strophio  höbitpaut.  [4"] 
74.  thimo  binifuga.  [4''] 

148.  discidium  zurfliz.  [5"] 

H.  P.  CIBUM. 

30.  congeriem  vberchoUen.  [8^] 

H.  A.  SOMNUM. 
5  140.  (praestigiator)  praestigiura 
kalfter.  [1  r] 

H.  0.  HORAE. 
1.  choreis  chorfangun.  [14*] 

H.  A.  EXEQUIAS  DEF. 
141.  cariosa  vurmazig.  [21''] 

P.  LAURENTII. 
140.  lucri  fcazzef.  [22"] 
258.  (struinas)  tumores  chelch. 
10  282.  (mucculentis)  muccus  roz. 
[24*] 
480.  pessulos  floz. 


GLOSULE. 

H.  JEJÜNANTIÜM. 
165.  papilla  tuttili. 

P.  LAURENTII. 
255.  scalpit  fkebit. 
282.  mucculentis  a  muca  rotze. 

P.  ROMANI. 
156.  essedo.   vehiculum  gallica-  15 

num  .i.  fambuh. 
280.  tirso  ftanga. 
906.  rictu.    ringo  .i.  zäunen  ut 

canis  et  grino. 

H.  VIII.  KAL.  JAN. 
39.  mancipatam   .i.   kifcalchta, 
nianceps  .i.  fcalchmacho. 

APOTHEOSIS. 
343.  surculus  zuio. 
725.  rudere,  stercore.  aL  mina.  20 
.i.  aruz. 


210  f'ü7'  gefteine 


III.  IV.  AUS  GÖTTWEIII  UND  PRAG 


27 


817.  tabentibus  mohi  uuenden. 
822.  oblita  biclcnaii. 

HAftlARTIGENIA. 
140.  plagis  mafcüu. 
233.  cicutas  scöt  bind  fkerninc. 
25  271.  calculus  albens.  vnio  meri- 
greoz. 
274.  fuco.  colore.  keinke. 
796.  ditibus  rihbben. 

PSYCHOMACHIAE  PRAEF. 
46.  magalia  hutta  louba. 

PSYCHOMACHIA. 
95.  vortex  werbo. 
30  151.  missile  a  mittendo  dicitur. 
al.  fpirilin. 
187.  teretem  chnopf. 
191.  raadidis  lupatis  .i,  fuohten 

mindilon. 
237.  tepefacta  viiala  cbiii. 
254.  temeraria  al  fraualiu. 
35  314.  petulanter.  instabiliter.  ge- 
lilolo. 


314.  am(,'nas  vunnefama. 
318.  lituos  borindruiibun. 

324.  stridula  ruzente. 

325.  amento  ,i.  lazze. 

335.  brateolis  plechun.  40 

339.  flexura  .i.  flegai. 

358.  mitra  cafla. 

359.  religamiue  gllx-nti. 
367.  cantarus  .i.  fcala. 

370.  toreumata  fcaffreta.  45 

377.  crapula  vuorac.  f. 
414.  uertigo  felga. 
435.  sistro  fiiegalon. 
444.  uoluptatem  zart. 

448.  crinalis  acus  fpinula.  50 
redimicula  neftila. 

449.  libula  niifca. 
594.  palpitat  zabulot. 

636.  cornicinum  beritrimbun. 
722.  cbloaca  feldgaiic.  55 

CONTRA  SYMMACHUM  I. 
65.  pessulus  plocbili. 


IV.    PRAGER  GLOSSEN. 


PRAEFATIO. 
7.  [1']  crepitantibus   preftan- 
tan. 
10.  lasciua  ketilofiu. 
44.  emicem  vzuare.  [l''J 

H.  AD  GALLI  CANTÜM. 
28.  stertere  ruzan. 
41.  inuisa  diu  b'ida. 
85.  conuokilis  kirigilolaii.  [2^] 


H.  MATUTINUS. 
6.  percussa     [solis     spiculo] 
pifcinaniu. 
44.  suspiraut  agaleizunt.  [2''] 
71.  ibeno  baganpuocba. 
75.  eo  usqiie  iinzan  an  daz.       10 
81.  iuguen  lancbo. 

II.  A.  CIBUM. 
10.  capere  niozan. 


5  die  gl.  sieht  übir  uicinitas 


28 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


14. 
42 


15 


43. 

48. 

67. 

70. 

20    74 

80. 
107. 
134. 

25    22 
51. 

77. 
102, 

17. 

30    18. 
2t. 

85. 

89. 

94. 

35  101, 

118, 

123. 
143 


41 


fauor  fegan.  [3^] 
pedicis  mit  iiualzun. 
maculis  mit  feitun,  nezzun. 
illita  pifmizzaniu. 
calamiim  angiil. 
latices  lid. 
calatho  chasichara. 
liquat  kiulozit. 
thymo  pinipluoma.  [3"^] 
puniceos  rota. 
dedo  argipo. 
nefas  fint.  [4'] 

H.  P.  CIBUM. 
tetrum  chiirugo.  [4*^] 
rictibus  mitkinungau. 
inpotentis  uilomahtigero. 
constanter  paldlicho.  [5*] 

H.  A.  INC.  LLCERNAE. 
testula  chachala  l  fcripbi. 
linteolo  charza. 
liquido    [uertice]   fmelzan- 

tero.  [5'^] 
rapidis   estibus  mitrazalan 

eppiingun. 
loquacibus  mit  diozzantan. 
uenia  guoti. 
uentiis  kiuiiaido. 
cinnama,  cinuamomum  cy- 

nimin. 
modulis  iiuifan. 
iiatatibus  mit  nidarfeigigan. 

m 

H.  A.  SOMNUM. 
(sensus)  finiia. 


51.  uibrans  [lux]  pifcinanti.  [6*"]  40 
94.  recondit    1    tundit    [iram] 
authabat.  [7"] 

H.  JEJUNANTIÜM. 

93.  motibus  arpolganuffiu. 

94.  fragosos  diozzanta. 

95.  tonantum  donaruntero. 

99.  suspendit    iram    inthäbata  45 
droa. 
112.  unia  loz. 
114.  beluinis  uifclihan. 
119.  offampallun.  [8^ 
125.  anbelus  unehantai*. 

estuantibus     uuilluntan    1 50 
undultantan. 
133.  inputans  itauuizzantar. 

157.  reuulsä  arloftar. 
fibula  nufkil. 

158.  sutiles  kirigana. 

160.  inpeditus  kihontar.  55 

163.  uagientium  fcriantono. 
167.  sollers  kiuuara. 
173.  sinistrum  [oraculum]   die- 

apanun. 
190.  appetendis    zi    gigerunna. 

[8"] 

H.  P.  JE.TUNIUM. 

8.  palpas  locchoft.  60 

9.  summissum  [solem]  nidar- 

gachertiu. 
rotat  uuaripit. 
42.  inpexis  mit  ftrupantan.  [9"] 
5 1 .  conpcnsant  uuidir  mezzunt. 


24  aus  iirti  oder  fiiiiia  entstellt?  vgl.  M»  75  27  am  rande  ualde 

potentis  35  gehUrl  zu  anlielitu         49  Pellers  koiijekliir  uuehantar  \st 

falsch        55  gl.  fcdalus         58  /.  apahuii         61  wo/  zu  hora  konstruiert 


IV.  AUS  PRAG 


29 


H.  0.  HORAE. 
65    15.  globo  kifemina.  [10*] 
64.  [aiirium]   meatus    lofunga. 
[10"] 

101.  tepescere  uuaraman. 

102.  glutino  zahi. 

H.  A.  EXEQUIAS  DEF. 
10.  ortiis  iiffaniTinft.  [W] 
70    26.  graue  fcadou.  [11"] 
118.  suspendite  authabat.  [12"] 

P.  CALAGURR. 
86.  orarium  oucfanun. 
89.  sequacem  uolgalina.  [13^] 

P.  VINCENTII. 
41.  commotior  arpolganora. 
75    60.  extorque  iizariuiint. 
79.  aucupes  [salutis]  uarara. 
95.  obtriidite  piuuerafat. 
98.  lictores  miizanara. 
122.  euiscerando  Icurphaiito. 
80  124.  [lacertorum]  toros  dichi. 
142.  cicatrix  mala.  [14'] 
177.  callum  giruuil. 
201.  saucius  argremitar. 
217.  serrata  regula  kkchrknnp- 
Ibr  rtbp. 
85  230.  cauterem  lauit  poIz  nazta. 
[14"] 
252.  diuaricatis  kifcrettan. 
259.  acuminata  kifpiztiu. 


259.  informia  unimatlihiu. 
271.  stipitis  dnibi. 
280.  nectar  svzzi.  90 

283.  augustior  herlihora.  [15'] 
316.  concauum  cbemiiiatun. 
377.  coquebant  crnmun.  [15"] 
446.  niurices  tupflcina.  [16"] 
457.  sparteus  pal'tiner.  95 

(sparteus  culleus)  pale.  päft. 
[16"] 
540.  laureas  figinOpfti. 
560.  nee  inputet  niuuiza.  [18^] 

P.  LAURENTII. 
190.  rudera,  hoe  rudus.  ris.  i. 

molt. 
219.  fragmenta  pruhhi.  loo 

231.  maneum  iiuanheilo. 
244.  ()  dominum  bertuom.  [18"] 

253.  intemperans     ungifluoma- 

ger. 

254.  prurit  iuebit,  ()  Gniffit. 
258.  strumas  eböluebö.  105 

(strumas)  tumores  puilla. 
264.  [morl)o]     regio    gelaguut. 

[19^] 
325.  austeritas  larpbi.  [20'] 
493.  repens  gabiu. 

indoles  ana  uuan.  [20"]     110 
571.  laetantelokebuntemo.  [25"] 
P.  AGNETIS. 
71.  tener  zartbbar.  [27"] 


86   oder  kifcreitan  90   v    hl   in   o    hincinkon-i^-iert  96    die 

glosse  sieht  am  rande ,  darüber  Puluiiiiar  und  darunter  De  sparto.  die 
sodann  von  Petlcrs  aufgeführte  gl.  culleus  fac  steht  nicht  in  der  hs. 
102  am  rnnde  bei  diesem  verse.  dicht  darunter  steht  ardens  desidero 
das  sich  auf  feruens  ambitu  v.  249  auf  der  folgenden  seile  bezieht,  viel- 
leicht ist  hertuom  eine  erklürung  zu  Hunc  237  oder  Isluui  245  112  die 
dann  von  Pellers  aufgeführte  glosse  carpit  rupil  (P.  Eulaliae  45  :  iude 
per  inuia  caipit  itui)  ist  gewis  lateinisch 


30 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


P.  FRUGTUOSI. 
39.  relinquant  pigepan.  [28''] 
125.  [sceleris]  notam  fiinta. 

P.  QUIRINI. 
115      7.  Illiricos  macediifca.  [30''] 
P.  ROMANI. 

127.  Stemmatis  chunnizalo. 

132.  magistratus  hertuom. 

139.  ampliatus  kiu^'erdatar. 

143.  toge  portun.  [3r] 
120  172.  rigens  parrantar. 

182.  amasioinim  freidiio.  [31^] 

235.  leno  machari. 

239.  fusos  fpinnila. 

242.  faunos  alp. 
125  243.  aquatiles  uuazzarlicha. 

249.  ineptias  ratifciint. 

253.  promiscue  zafamana. 

258.  ibis  fcariia. 

267.  officinis  fmittun. 
130  274.  limat  [capillos]  kiflihtit. 

275.  asperat  ftrupit. 

280.  thyrso  ftanga.  [3 2'] 

295.  conflatilis  kigozzanar. 

299.  trulla  chella. 
135  beluis  lapel. 

315.  superfluit  iibar  uuirdit. 

324.  pollet  uualtifuot. 

333.  iumenta  grozziu.  [36^] 

918.  abdomina  anbana.  [39''] 
H.  EPIPHANIAE. 
140  145.  cautum    [et   statutum  ius] 
uafto.  [40''] 


PRAEF.  PERIST. 
26.  obsoletum  aruuortanaz. 

ADAM  ET  EUA. 

2.  fraude  imtriuo. 

3.  tinxit  pifmeiz. 

ABEL  ET  GAIN. 
5.  distante  untarfceidimtemo. 

[AV] 

EX  AQUA  VINUM. 

127.  [iiasa]  aqiiaria  iiiiazzarlihiu.  145 

128.  defunditur  kifcenchituuart. 

APOTHEOSEOS  PRAEF.  I. 
1.  tria  summa  driu  uuriftöm. 
3.  subsistit  kiftet.  [41*=] 

APOTHEOSEOS  PRAEF.  II. 
9.  diuorcia  duerahiu. 

23.  questionum  ftrito.  150 

24.  syllogismos  uarlpracha. 
plectiles  kiuuntana. 

26.  uersipelli  astncie  uuiluuar- 

pigun  hintarfkrenchi. 
34.  impingat  anoftoza. 
46.  auenas  tiirdi.  155 

54.  recrementum  unchrut. 

APOTHEOSIS. 
1.  relatii  infago. 

11.  uiolenta  tuendo  [acies]  har- 

te fehantiu. 

12.  acumine  feha.  [42"] 

94.  [non]  secant  uirizant.  160 

95.  alapis  orllegun. 


135  das  hinter  lapel  von  Petters  aufgeführte  ?i^ti\t  scheint  allerdings 
so  in  der  hs.  zu  stehen :  es  ist  aber  darin  nur  Schreibfehler  für  a  pede 
vgl.    gll.    Isonis   beluis   uas   pedium  137  der  Schreiber  wollte  zuerst 

uualtil'ut  setzen         151  vor  u  ist  eine  rasur.    vgl.  244.  uuahfpracha  würde 
man  erioarlcn         155  tiiidi  steht  über  eiiuilas 


IV.  AUS  PRAG 


31 


106.  iierecunde  fcamalinero=  464. 

114.  conspicuum   oucfihanlihaz.  476. 

134.  intersecat  untarfceidat.  480. 

165  149.  siipersticio  gimeilheit.  [42'']  481. 

175.  compendia  gimachiu.  482. 

198.  acerram  uuirouhfaz.  495. 

216.  cane  rudo  1  fiuf.  520. 

223.  abiurare  anfagan.  521. 

170  236.  orsa  diefagun.  [43^]  533. 

243.  diictii  anzogan.  537. 

260.  tendere  [gressiis]  anacher-  548. 

ran.  551. 

272.  decisus  pifnitanar.  561. 

280.  (proditus  [ignisj)  dispensus  586. 

kifpentotaz.  592. 

175  293.  [deiiotHs]   cippo  zemo  fto-  594. 

cha.  [43'']  611. 

315.  genealogus  chunnizalari.  617. 

321.  intellecta  iiarnomaniu.  622. 

322.  fibras  herzadra.  631. 
333.  (presso  [amictii])  uurihan- 

geiiemo.  652. 

180  343.  siirculiis  zuuio.  666. 

355.  non  sapis  ni  iiueftu.  [44'] 

400.  (energia)  illusioneni,  ima-  714. 
ginationem  topazunga. 

407.  spiras  ringa.  720. 

414.  mit  pifouita.  725. 

185  439.  Iripodas  drilpici.  735. 

452.  consultor  ratkepo.  756. 

456.  plantis  lolun.  [44"]  761. 

464.  insertato  ingiftactcmo.  765. 


reserabat  fcrfta. 

tracto  uar  ractemo.  190 

pigrescat  [pruna]  pitrehana. 

pateram  partun. 

elisa  [dexträ]   pipanantero. 

flaiiiconiantiim  ualafahfono. 

(dolata)  doIo...unde  pari.     195 

exciso  kif'niteniii. 

munimine  uuarnungo.  [45^] 

tiimulant  pigrabant. 

captiua  iingaiuialtigiu. 

sortita  antphalmntiu.  200 

senesciint  araltiint. 

concretus  kirunnanar. 

uagire  zuafpilun. 

fastus  iartati.  [45''] 

austro  fundariuiint.  205 

diriguit  arftabata. 

labitiir  uuancta. 

non  cumulem  [muneribus] 

niera. 
tendi  kiepanad  uerdon. 
submersus      ympafoiphit.  210 

[461 
inrundnnt   [agmina  se]    fi- 

daltun. 
gemit  qxbr. 
rudere  aruzi. 

consummata  uolauuahfaniv. 
exequias  uzleiti.  [46'']         215 
in  speculum  inl'couunga. 
ßleba  fcorna. 


170  ^1.  uciba  171  vcrinutlich  f^ehört  anzogan  nl.i  pari,  praet.  zum 
vorhergehciidm  separe.  wpgcn  an  für  ant  i^gl  1(59,  226  178  gl.  uenas 
cordis  180  über  oliiii  184  pifoufta  steht  allerdings  über  effera,  aber 
mir  weil  über  xmi  bereits  obruit  geschriebenwar  192  zu  feirum  i'.  484? 
193  gl.  tremula  195  das  lat.  wort  zu  part ,  nämlich  dolatura,  fehlt 
214  i  ist  inileii  an  das  n  angehängt 


32 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


7S2. 

dissertator  redinari. 

87. 

spicula  corta. 

240 

801. 

simulatio  pilidunga. 

88. 

mentitos  armezzana. 

220    812. 

(incomprensa)    inconpre- 

97. 

examiua  fuarama. 

hensus  uuito  fili. 

99. 

semideis   halpkotun.   [50^ 

817. 

tabeutibus  molauautan. 

124. 

dialectica  imarfpracha. 

822. 

oblita  pichlenan.  [47^] 

137. 

reuocat  [laqiieos  in  üodum] 

245 

848. 

sublidit  [murmur]  drultit. 

af  tarridat. 

[481 

144. 

amfractibus  cherun. 

976. 

mendum  iugi,  urdancha. 

156. 

infecit  iiarata. 

225    981. 

refellit  falfkat. 

181. 

inflrmare  giuiiseihan.  [50"] 

1021. 

adire  anpbaban. 

201. 

micat  lechazzat. 

1034. 

fabro,  fabrili  meiftarlihhe- 

mo.  [48"] 

206. 

siibuerso  preside  pifturzte- 
mo  heiriin. 

250 

1083. 

inflictos  anagatana. 

218. 

auenis  turduii. 

HAMARTIGENIAE  PRAEF. 
3.  sistiint  kant  uurtunt. 
230      14.  parricidalem  priiodarflec- 

228. 
242. 
260. 
271. 

gemmantia  pmahlichiu. 
repagula  pachefleda. 
eliquat  iilozit.  [öV] 
concharum  merifcalano. 

255 

CU.     [1i7  J 

calculus  perala. 

HAMARTIGENIA. 

277. 

fortis  agit  uuechiu  gipurt. 

4. 

insincera    acies    uiilutriu 
feua. 

289. 

scutulis  mit  fkipun. 
perfundere  piuahan. 

19. 

dicione  heirtuomo.   [49''] 

291. 

stamine  mit  imarfa. 

260 

50. 

distaus  [niimen]  kifceidan- 
lihan. 

294. 

uersicoloriim       miffauara- 
uuero. 

54. 

coniurata  fides  gifuorauiu 

302. 

fotibus  iiafcun. 

triua. 

315. 

pigmeutato    mit    kipimim- 

235       74. 

agitiir  gatripaii  iiurdit. 

totemo. 

77. 

ductu  uarti. 

316. 

liric(^  fpilalihero. 

82. 

coniectare  ratifcun. 

324. 

lass&  gimouit.  [51"] 

265 

83. 

non  intellecta  unuar  no- 
mana. 

368. 

proscenia  loupa. 
(proscenia)   atria  fpilofteti. 

85. 

glaucomate  prehau   ougi. 

[52-1 

218  (he  darauf  von  Peilers  angefülirle  gl.  ulut;  liiiii  ist  in  ilireji 
beiden  teilen  lateinisch  220  zu  spatiuni  v.  813  vgl.  Gr.  I.  71  226 
über  iledigiialur  231  feha?  232  zu  apicum  252  zu  prom  Gra/f 
3,300?  253  das  ist  pachef  l'leda,  rivi  ripae.     das  a  in  fteda  darf  bei 

einem  bairisvlien  de/ikmale  nicht  wunder  nehmen,  es  ist  für  i  eingetreten 
vgl.  M'  Apolli.  710  conciliabula  diiiclifleta 


IV.  AUS  PRAG 


33 


426.  rüdes  unchunftiga. 

428.  mammoncam  otaga. 
270  433.  limite  reina. 

439.  ambitionis  rihtuomaf. 

442.  frangere  ärfkenan. 

444.  limat  gnitifot. 

463.  penitusqiie  ioh  mittalo. 
275  477.  botrionis  trupun.  [52''] 

488.  arietat  torrazzat. 

492.  per  propugnaciila  af  tarden 
pruftireirun. 

501.  stacione  heripergo. 

539.  medicata  giluppota.  [53'] 
280  581.  praesumere  uzneman. 

589.  coitu  mitsamautuuifti.[53''] 

637.  pellatia  iugi,  eloquentia. 

669.  iniiito  undanchaf. 

699.  in  subiecta   indeii   un   tar 
tanan. 
285  702.  nee  exigo  noh  na  iiergun. 
[541 

714.  male  fabris  mit  iibil  liftigan. 

715.  illectam  uarfcunta. 
774.  renutat  uuidarota.  [54''] 
796.  ditibus  ribliban. 

290  806.  (auceps)  uogalari. 
836.  fouentque  iohfparant. 
844.  properanda  zurganclicha. 
852.  postliminio  beulen  tuama. 

[551 
862.  [flammarum]  apices  beizi. 
295  892.  expertüs  anocbimdiga. 
915.  procinctum,  paratum  inga- 
rauui.  [55''] 


300 


305 


951.  damnos^    [uitae]    funtigaf. 
1611 

PSYCHOMACHIA. 
714.  plaga  marcha.  [631 
CONTRA  SYMM.  I.  PRAEF. 
19.  luxuriam  geili. 
49.  afflictos  fiiara. 
68.  senio  muodi.  [63''] 
CONTRA  SYMMACHUM  I. 
1.  egram  aruuortana. 
49.  putandis  zi  fnidanda. 
61.  amatam  m'iudila. 
65.  pessulus  leichilo. 
82.  fidem  [nebulonis]   trugina. 
88.  experientia  chleini. 
117.  transtris      direrahpauc    1 
duuerahftuolon. 
efferbuit  luialzta. 
119.  celebs  iiuituo.  [64''] 
123.  lasciuit  fpilota. 
125.  defluit  uloz. 
130.  chelindros  hafala. 
160.  deprensa  ariiaraniu.  [ph"] 
234.  picus  agalaftara.  315 

258.  pactam  gimaliala. 

259.  vitricus  ftiulTatar. 

260.  priuigni  ftiuffun.  [65"] 
269.  in  anioribus  in  giluftun. 
276.  lieum  lid.  320 
331.  ad  Signa   trionum   za  den 

nordzeicbanun.  [661 
ii39.  contiuuare  [laborem]  gafa- 
mantfatun. 


310 


282  lu^i?  292  ^'Z.  ccleritcr  fugicuda  305  verschrieben  für 

plocchilo?  322  die  belrachkung  des  Zusammenhanges ,   welcher  dem 

coiitinuare  Ial)orem  das  sumcrc  rcquiem  gegcnübersiellt  und  ßr  den  erslcrcn 
ausdruck   die   bedculung  'weiter  fortschreilen'  verlangt,    /ührt   zu    der 

Z.  f.  D.  A.  neue  fokc  IV.  3 


34 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


354. 

385. 

325  387. 
436. 

482. 
485. 
490. 

330  568. 

578. 

605. 
608. 


utcunque  ettiuilo. 
amphithoatralis  dero   fpili- 

chiiii. 
inferias  ophar.  [66''] 
brattea  pedalun.  [67^] 
exceptum  hintarfkiftan. 
pila  tarti. 
concreto    mit  giuiiahfene- 

mo.  [67'] 
emersisse  iizzan  pftan. 
(quota    pars)     quaiita    ut 

uuia  luzzic  teil  ift. 
sensisse  [inuniim]  gaeinun. 
siibsellia  dincftiiala.  [68''] 


CONTRA  SYMM.  II.  PRAEF. 
36.  pessum  mergere  nahpifou- 
fan. 

CONTRA  SYMMAGHUM  II. 
335  pliira  menagera. 

24.  aspera  hantigi.  [69'] 
31.  diffisus  miffitrimunter. 
42.  imitata  [pictiira]  piliduntaz. 
*        [69''] 
120.  conicit  ratifcot. 
340  157.  addicat  untar  toa. 

165.  distantia  untarfkeit.  [70'] 
180.  corrnmpitiir  [aiiro]  gim'etit 

iiuirdit. 
221.  ortas  anapurtiga. 
231.  ministeriis  dionoft.  [IV] 
345  333.  uiuacius  giuuarar. 

385.  componere  uiiidar  mezzan. 
[72"] 


479.  prescripto  uarmeinido.  [72''] 
603.  rhenus  rin.  [74'] 
800.  liquitur  fpringit. 

iniindat  rinnit.  [77']  350 

GLOSA. 
H.  JEJUNANTIUM. 
165.  Papilla,  tuttila.  [77''] 

P.  VINCENTII. 
396.  carix.  fahar. 

P.  LAÜRENTII. 

254.  prnrit  .i.  iiichit. 

255.  scalpit  .i.  fkebit. 

258.  striimas  .i.  tumores.  puilla.  355 
288.  muciilentis  a  raucca  .i.  roz- 
ze.  [78"] 

P.  ROMANI. 
280.  tyrso.  ftanga.  [79'] 
906.  rictu.  ringo  .i.  zannen.  ut 
canis  &  ring. 

H.  VIII.  KAL.  JAN. 
39.  mancipatam     .i.     kifcarta. 
manceps    .i.    fcalniacho. 

[79"] 

APOTHEOSIS. 
343.  surculus  .i.  zuiiio.  [80']     360 
609.  lancibus  fkuzzilon. 
725.  rudere,   stercore  afenama. 

aruz. 
817.  tabentibus.  molimenden. 
822.  oblita  bidenan.  [80''] 


annähme  da/s  das  deutsche  v>ort  die  beiden  lateinischen  loidergibt  und 
zusammengesetzt  ist  mit  phadöa  {Gr.  3,  326)  335  in  der  in  den  hss. 

zwischen  v.  6  und  7  eingeschobenen ^  prosa  aus  Synwiachus  briefen 
368  dahinter  steht  Abdomen,  iiuenem  de  folliculo  suis,  ist  das  uuenefl? 
362  /.  al  (dh.  alii)  miiiia        364  /.  biclenan  Petters 


IV.  V.  AUS  PRAG  UND  MÜNCHEN 


35 


HAMARTIGENIA. 
365  140.  plagis  .i.  mafcon.  [81"] 
233.  cicutas.   scot.   bynd,   fker- 

ninc. 
271.  calculis.  albens  uiiio  meri- 

greoz. 
274.  fiico,  colore.  kainke. 
538-  medicato.  toxato.  gilubbiv. 
[81"] 
370  796.  ditibus  richlichen.  f. 

CONTRA  SYMMACHUM.  I. 

65.  pessuliis  .i.  pPchili.   ser§. 

[82"] 


PSYCHOMACHIAE  PRAEF. 
31.  greges   a^quarum  .i.  ftuot. 
33.  bagis.  baga  halftuuinc.  [83'] 
46.  mappalia.loubatbutta.[83'] 

PSYGHOMAGHIA. 
95.  uortex.  uuereuo. 
116.  conto  .i.  ftanga.  [84^] 
325.  amento.  lazze. 
335.  bratteolis.  lebeleia. 
339.  flexura  felga. 

eloclri.  qua(i  labaref. 
359.  religamine  .i.  gibenti.  [84''] 
435.  sistro.  fuegalon  1  uuerbile. 
449.  moiiile.  mlleiiie.  f. 


375 


380 


V.    MÜNCHENER  GLOSSEN. 


10 


PRAEFATIO. 

3.  [l''j  rotat  uuarbolot. 

4.  terminus  umbiuare. 

7.  crepantibus  praltantan. 

10.  lasciva  proteruitas  diu  g&i- 

lofa  razaheit. 

11.  petulans  [luxus]  birtilofa. 

12.  IVdauit  güionta. 

14.  pertinax  eiiiftritigaz. 

Studium  ilunga. 
20.  euectum  kafurdiroten.  [2' 
37.  continuet  geemmizzigoge. 
42.  deuoueat  geheize. 
44.  emicem  vzfare.  [2''] 

H.  A.  GALLI  GANTUM. 
18.  segnibus  tragan. 
28.  stertere  rüzzan.  [3"] 


41.  inuisa  leidiu.  15 

58.  prolapsum  [nefas]   in  fluf- 

tiu.  [3"] 
89.  friuola  gebofiu. 

H.  A.  MATUTINUM. 
6.  percussa  [solis  spiculo]  pi- 
fkinaniv,  zatripaniv. 
21.  versuta  liftiga,  uuitheruuer- 
diga. 
callida  uizufa,  tumiga  ()  bin-  20 
tarfcrencha. 

31.  temperans  mezigiu. 

32.  nugator  gipofa. 
34.  ludicrum  fpöt.  [4'] 

39.  miles  togatus  fprahman. 
41.  forensis  dinlicb.  25 

45.  fenoris  lehnes. 


367  /.  calculus.  vo7i  Peilers  ist  die  gl.  falsch  bezogen  worden  370 
das  von  Petlers  anfgepilirle  fiilclira  booz  ist  lat.  vgl.  den  text  v.  7SG  20 
die  drei  glossen  von  ebensovil   händen  22  /.  gipofari  ?nit  Gr.  3,  216 

3* 


36 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


59. 
71. 
75. 
30  81. 
86. 
94. 
95. 


35      8. 

10. 

14. 

16. 

18. 
40    25, 


45 


32. 
41. 

42. 


43. 
44. 

45. 

46 
47, 


55  48, 
49, 
51, 


50 


fucis  trukihetin. 
ebeno  haganpuocha. 
eo  usque  unzin  auandaz. 
nutabat  viuhta.  [4''] 
obsitum  pifanganen. 
in  praeceps  in  gab  tiuphi. 
sinistris  gressibus  mit  apa- 
hen  gengin. 
H.  A.  CIBUM. 
omniparens  alfordoro. 
irradia  brichn. 
capere  [epulas]  niozzan.  [5'] 
fauor  fegan,  foUeift. 
sapiant  gi  fmechan. 
seria  gibepi,  gidiginiu. 
fusus  [liquor]  quemana. 
indigena  bnbpxrtkgkv. 
callidus  [dolus]  Ikftkgb. 
inlaqueat  pkfxkchkt. 
pedicis  mit  uualzun. 
dolus  xnqxxft. 
maculis  ftricbint  fnarchun. 
illita  pifmizziu. 
glutine  Ikmb. 
vimina  uuidabi. 
seriem  dkcbk. 
impediunt  pkhfftbnt. 
fluctiuagos  undirrigvn. 
texta  deigkprpltbuxn. 
sinuosa  nfzzk. 
calamum  angol  1  hfgknb. 
acumine  xxbffk. 
ingenuas  [opes]  bdkllkchkx. 


52.  aristifer^   [segetis]    cbprn- 

fuorigef.  [b^] 
63.  [holeris]  coma  giuafoti. 
67.  latices  lid.  60 

70.  calatho  chafichar. 
74.  liquat  kivlozit. 
tbimo  pinipluomin. 

78.  tremefacta  [arbor]  gifcuttar. 

79.  deciduo  dkchfmp.  65 
pluit  trprkt. 

80.  puniceos  rptbn. 
92.  tremit  fprbngxt. 
97.  cespite  Ikmp. 

107.  dedo  argipo.  [6*]  70 

112.  illicit  uarfcunta. 

125.  foedera  gizumfti. 

130.  suspicit  intl'izzit. 

132.  posteritas  bftfr  cbxmft. 

135.  crimina  uirina.  75 

143.  jure  fktp. 

144.  nee  genialibus  nph  fpnnb 

gkpxrtkgbn. 
148.  digladiabile  discidium  t'reif- 

Ikb  ..k...fcbft. 
151.  merita  urebtigiu.  [6""] 
176.  baustus  unc.  80 

amarus  [baustus]  du  pittara. 
178.  vetitum  [quid]  fbrpptfnff. 
182.  liba  impiz. 

195.  situ  unnuatiibi,  gilegini.  [7'] 
H.  P.  CIBÜM. 
13.  vigemus  fteromef.  85 

22.  tetrum  chürugo. 


30  vgl.  350  tmd  D  11  35  die  gl.  ist  sehr  uiideutlicli.  etwa  \m\i{\'* 
47  /.  piCniizzaniii  56  hs.  acumina  58  hs.  aiistisen;  69  vielleicht 
lateinisch  70  das  o  ist  erloscheti  78  die  punkte  bezeichnen  ve?'- 

blastes.    Gr.  3,  383  las  noch  fiantfcaft  80  die  ersten  buchstaben  sind 

erloschen,    l.  tiuiic         85  o  ka7in  auch  e  sein,    das  wort  ist  mir  iinver- 
stündlich 


V.  AUS  MÜNCHEN 


37 


22. 

23. 
90    27. 

30. 
31. 

34. 

95    37. 


41. 

45. 

51. 

56. 

100    57. 

58. 


105 


61. 
62. 


65. 

77. 

93. 

94. 

110    96. 

98. 

102. 


flagrat  ftfnchkt.  5. 

horror  egkfp.  9. 

estuante  izzontero. 
siiiu  in  varti,  in  dfrp  kn-        12. 

xxfrtkgk.  13. 

ad  congeriem  zafeti.  14, 

parcis  fpnnb  gklk^flkchbn. 
expedita  gklkhtkx.  15. 

fouens  ziohenter.  17. 

tua  praecluens  potestas  diu 

din    viloveritnv    fturrin.        18. 

f7"] 
sub   expolitä   vntar  vuaho 

gipilidoteio.  19. 

liaustibus  lluntun. 
rictibus  mit  ginungvn. 
pastum  fuöra.  20. 

raptim  gizalo. 

forte  oduüila.  21. 

inemptas     [dapes]     iingk- 

chpftku. 
cesarie  fable.  22. 

grauem  gkubzzptbn.  27. 

canistris  zeinun. 

sensim  fnkump.  28. 

impotentis ,  ualde  potentis       29. 

dero  uilomabtigun.  [8'] 
metunt  brnxnt.  32. 

magis  saporum  gifmachera.        33. 
orsa  fagun.  37. 

irroget  irbiote. 

constanter  paldliho.  40. 

H.  A.  INC.  LUCERiNAE.  42. 

borridum  [cbaos]  diudkcbb.        44. 


innumero  xnzblbbbftfmp. 
ne  nesciret   daz   ni   uuiffi  115 

funtar  unolauifli. 
genus  gkflbbtk. 
rore  nbzzk. 
pascimus  nerin. 
(facibus)  maceriam  nazzi. 
scirpea  pinizziniv.  120 

viuax  [flanima]  qxfccbbr. 
testula  chacbala,  fcirpi. 
linteolo  täbtb,  charzae. 
suggerit  intbapat. 
ebrio  ginaztfmp.  125 

piceam  alimoniam  pebbina 

fuora. 
fert  pringkt. 
stuppa  vvericb. 
calens  \'uaramanta. 
nectar  vuabf.  130 

liquido   [uertice]   fmelzan- 

tero. 
lacrimis  trouf  vuabfun.  [8''] 
agit  faruabit,  antrot. 
emula  [hix]  daz  pilidara. 
lacero  durcbklfmp.  135 

arduam  [originem]  daz  pe- 

rabta. 
conspicuo  zorftcnio. 
sentibus  ftvdun. 
sanguinis  flbbtff. 
inclyli  dlTxrmbrkn.  140 

[per|  auia  bxxkkkn. 
mouerant  furd;u'  fbztxn. 
micantior  bfktbrfrl). 


89  Graff"  4,\01i  hat  befscr  hizzontoro  90  invvarti?  95  Graff 
H,  20!)  xüol  aus  richtiger  konjectur  viloberahtiu  110  es  steht  orsiis  und 
daneben  a  119  in  einer  längeren  anmerkung         132  trouf  wird  wol 

verbal  zu  fafsen  und  zu  slillal  zu  ziehen  sein 


38 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


145 

50 

51 

52. 

55 

150 

56 

58. 

60 

155 

61 

64. 

68. 

48.  clangere  classicum  plbfbn 
hfrkhprn. 
tuba  hörn, 
hie  l'umiHhar. 
spicula  kifcoz. 
gnosiis  cr&tifcaii. 
celeres  hprfcb. 
pr^tendunt  vfrbhtxn. 
tumidis  giplatan. 
draconibus  fbnxn. 
pelusiacis  egyptiifcim. 
fessa  miidiu. 
hostis      dirus     hfrb      daz 

grkmmb. 
constans  pirnantar.  [9'] 
bifido  zuifpaltigemo. 
permeat  durahfuori. 
^quore  vuazzari. 
160   69.  pubes  menkgk. 

decolor      diumbffbvbrxxb, 
fvarta. 
73.  turbine  ...frf. 

percita  [agmina]  klbgb, 
75.  confusa    zafamanagiganga- 
niu. 
165    76.  confluo  fluzzigemo. 

78.  vaga  fiümmantin. 

79.  nare   fveparun. 
satellitum  rätgepano. 

80.  iustitium  triste  unfrolih  för. 
170    83.  multimodis  manacfaltigeu. 

86.  refluo  in  demo  fluz. 
89.  jejuna  [saxa]  truchina. 


89.  loquacibus  dkpzbntbn. 

90.  exundant  vzquxUxn. 
scatebris  xxkxmkzzxngxn.  175 

93.  tristifico  in  [lacu]   indfrp- 

pkttbrxn. 
95.  sapiunt  fmfcchbnt. 

aspera  dfk  hbntbgxu. 
98.  illabens  nkdarqufmbutk. 

gelidä      grandine      fpnnb  180 

chxplfmp  gkxxktkrb. 
densius  dkcchpr. 

101.  ventus  gkxxbkdb. 
anhelitu  zifamanaprungida, 

givuagidi. 

102.  crassä  [nube]  dichfmp. 

1 03.  difflata  gk.  185 

104.  Üuxerint  gkfkldliltkn. 
non  reuolant  dbnbnkflxgxn. 

108.  pascentes  fxorxntb.  [9*"] 
111.  mille  [laboribus]  fonua  uu- 

zblbhbftfn. 
114.  pinguia  fxlitb.  190 

(caltha)  chle. 

116.  fonticulis  fugacibus  quec- 

chbn    vrfpringkn ,    fliv- 
zante. 

117.  gracili  chleinemo. 
surculo  zuokin,  Initilinga. 

118.  cinnama  cinnamin.  195 

119.  fönte  vrfprkngb. 
124.  candidis  reinan. 
126.  celebres  vkik  bgb. 

feri^  fira. 


161  /.  rnkflb-.    Gr.  (i,  900  liest  fuarza         162  der  an  fang  des  Wortes 
ist  erloschen,    etwa  unfte?  171    das  weitere  ist  nnleserlich.     e?itweder 

fluzzigemo  oder  zu  refluo  in  salo  fluzze  185  die  folgenden  buchstaben 
nicht  lesbar,  etwa  gifamanota  186  /.  gifidaltin  198  zwischen  k  und 
k  ist  nur  ein  strich  tmd  zwischen  k  und  b  eine  leere  stelle.  Graff  liest 
5,360  virataga 


V.  AUS  MÜNCHEN 


39 


200  130.  imbuit  arfrencliit. 

142.  subfixa  xntbrhbngbnb. 
per  laquearia  aftbr  dfngk- 

mblkn. 

143.  de  languidulis  uonnaforgli- 

chen,  0  mit  nidarfeigan. 
natatibiis  gifuumfftin.  [10*] 
205  156.  vnguine  nbzzk. 
164.  texens  fxprxntbr. 

H.  A.  SOMNUM. 

1.  supreme  ppbrxftp. 
9.  fluxit  irgiencli. 
10.  quietis  rfftk. 
210    19.  miseris  dfnxxfnbgxn. 
doloris  Ifkdff. 
25.  pererrat  arferit. 

27.  feriatuni  [pectus]   firvntvn, 

rbftbntxn. 

28.  rigante  fxpzbntfmp.  [lO*"] 
215    42.  horror  ftropalöt. 

48.  ambage  racba. 

51.  uibrans,  uuennentiu,  pifci- 

nanti. 
66.  perplexa  xnffftkx. 
72.  resedit  mfkftrotb. 
220    73.  [profunda]  dknc.  [11'] 

86.  anceps  [gladius]   zuivaltaz, 

zuiuuaffaz. 

87.  \1rimque  iouuedarhalp. 

88.  ictum  flbc. 

94.  retundit  vuidarhap&. 
225  102.  extiiictor   farniderari ,    ar- 
dempfari,  xpbrcbpparari. 
103.  furente  xxinnkntkn. 
110.  prf;ferre  gkxblgbii. 
118.  error  krrbbfkt. 


122.  foiiere  gkrkgklxn. 

123.  sinistrum  [nihil]  egi'lihef.  230 

124.  van^  die  trxgklihxn. 

128.  (chrismate  innouatum)   gi- 

firn.  [11"] 
136.  fluctuare  vuadalun. 

138.  portenta  dfkxkrkxxkzzk,  ui- 

rivuizzi. 

139.  peruicaci  xrchxftkgfrp.       235 

140.  astii  xkzxfhfktk. 
142.  meandros  chrQpi. 
144.  agitas  gimuift. 

149.  fatiscens  miiida. 

150.  recline  gkrkgkiptbz.  240 

H.  JEJUNANTIUM. 

8.  domantur  [uiscera]  gylutrit 
vuirdit. 
aruina  fpint. 

obstrangulat^   [mentis]   ir- 
uurchtef. 


9. 
10. 

11. 
12. 
13. 

15, 
19. 
20. 
22. 
23. 
24. 
26. 
28. 
29. 
34. 
41. 
43. 


gula  gitigi. 


245 


250 


degener  zagilicha. 
sordens  fxflchbntkv.  [12 
lepos  gifprahhi. 
disciplinani  kiduinc. 
tepescat  flfxxb. 
stertat  ruzza. 
detersa  gifuparun. 
excitato  gkmxntkrbtfrp. 
flatv  atbmxngb. 
observantia  iaftun. 
fragore  chradama ,  prahle.  255 
frequentiam  emizigunga. 
afflarct  anagipliefi.  [12''] 
victus  lipnara. 
pressit  nov. 


218  /.  unfeinftiu        232  gifirmotan?        248  hs.  disciplina 


40 


GLOSSEN  ZU  PRUÜENTIUS 


260 

43. 

cennio  mit  nidarfihtigeino. 

125. 

estuantibus  uuilleiiten,  un- 

44. 

perstrictiis  gigruozter. 

dultentan. 

49. 

flexiiosa  mauacflahtig\ii. 

126. 

intactus  ganzar. 

dispendia  pftunga. 

127. 

singultibiis  vuorgahm. 

53. 

cliuosa  die  talafeigvn. 

129. 

pumices  fteina.  [14'] 

265 

7S. 

recocta  aruuntaniii. 

133. 

imputans  itauuizzentan. 

295 

79. 

nietalli  aruzzef. 

134. 

impendet  analigit. 

lux  gliz. 

138. 

struem  daz  gihufodi. 

80. 

purgamine  fintara. 

139. 

flagellis  zuogilun. 

81. 

stemraa  zierda. 

mullinodi  manac    chnorz- 

270 

84. 

fulmen  droa. 

zigef. 

86. 

insolenti  iactantia  unftftmi- 

143. 

heiu lautes  uueuerhentiu. 

300 

gere  rumifala. 

148. 

claucos  fmaha. 

pollebat  guotifüta. 

amictös  garavui. 

89. 

bruto    fastidio    unfruotero 

150. 

fluentem  [crinem]  zotaranta. 

vuegir.,  Mieigiri. 

151. 

recincta  [veste]  in  curterao. 

93. 

rompheali  [inceiidio]   vua- 

152. 

textiles  gavuepana. 

305 

fanlihhero. 

153. 

impexa  ftrubentiu. 

275 

(inceudio)  arpolganuffi. 

154. 

velamine  hullitvocha. 

94. 

fragosas  diozantim. 

156. 

aestuantem  [laenam]  flidan- 

95. 

tonantium  tonareutero. 

taz,  lohazautaz. 

96. 

diecula  tagadinc. 

157. 

reuulsa  arlöftar.  [\A^] 

98. 

condomare  givueichau. 

fd)ula  uufkil. 

310 

280 

99. 

svspendit  inthapata. 

158. 

sutiles  girigina. 

ictiiin  droa. 

160. 

impeditus  kihaftar. 

100. 

siibstitit  iiihapata. 

163. 

vagientium  fcriantero. 

112. 

vrna  löz. 

165. 

papille  tultili,   tilli. 

114. 

beluinis  vifclichan. 

167. 

sollers  [curaj  diu  giuuara, 

315 

285  117. 

ictiis  chiiivnga. 

giuuariv. 

119. 

offam  palluu. 

169. 

stropeutis  fpringentef. 

123. 

per  latel)ras  aftar  den  in- 

170. 

personaut  pxllptxn. 

vuertigun. 

172. 

oraculum  pimeinida. 

124. 

recessus  varti. 
tortiles  die  giridanun. 

173. 

sinistrum  [oraculum]  apaha, 
die  freillicbun. 

290  125. 

anhelus  fnehantar,  imchant. 

prona  giuuiligiu. 

320 

273  l.  uuegiri         284  vifclichan  sieht  ayfserdein  noch  einmal  etwas 
weiter  unten  am  rande  290    /.  uiiehanter  295  /.  itauuizzentar 

314  /.  (iittili         318  i  i^t  an  n  an^ehänst 


V.  AUS  MÜNCHEN 


41 


174, 

183 

188. 

190 

325  193 

203, 

204, 
205. 

330  207, 
211 
214 
215 
217, 

335  218 

2, 

7. 


9, 

340    13, 

17, 

19. 

23, 

27 

345    28 

31 
33 


haud    difficulter   nalf   uii- 

gerno. 
arta  mit  chreftiero. 
vendicauit  kivalcta.  [15'] 
appetendis  zigagerunna. 
explorat  brfpflipta. 
aram  dke  invuertigi. 
(aram)  planiciem  epanot. 
excitat  brmxntrkt. 
egram  [rubiginem]  daz  iin- 

fiipara. 
tabescunt  fmelzant. 
virtutis  tvgundi. 
sortis  gipurti. 
ducere  machvn. 
rapacem  [dextram]  girniga, 

crifiga.  [15"] 
dulce  factum  guotat. 

H.  P.  JEJUNIUM. 
habenis  zu  km. 
remisso  dogmate  mit  antlaz- 

gero  lera. 
palpas  flihtift,  ginerift,  loc- 

choft. 
rotat  \'uaripit. 
vendicatä[dape]  giualctamo. 
fauor  volluft. 
lactat  gifpana. 
pexum    [capitis    lionorem] 

die  giflih...tv.  [16"] 
luteus  [color]  diu  leitlicha. 
pailor  pleichi. 
latentem  farhelante. 
residem  [ovem]  arzibvta. 


38, 
39, 
42. 


43, 


46. 
47. 
51. 

54 
63. 
74, 


9, 
14, 
29, 
31, 


33 

34, 

36, 
37 

38, 


exclusis  giuzzotan. 

aprico  apirin. 

vibrat  viugit.  350 

impexis  vngiflihtan,   stru- 

pentaii,  ()  strupantan. 
germen  vuahfunga. 
sudibus  mit  vuaffm. 
perarmat  gitapffarit. 
coma  vuiphil.  355 

gurgitem  .rnol.. 
compensant     uuirdarmez- 

zunt. . 
confectos  gapalagatvn.  [16"] 

dominetur  kium 

vultu  anafiuni.  360 

H.  0.  HORAE. 
plectrum  citerpfm. 
(uelocitatem  gizeli.) 
per  medullas  altar  den  in- 

mertigvn. 
comminus  giuuorramo.[17'] 
fossa  [ponti]  diu  tiuphi.      365 
[ex]  ydria  vuazzirfazin. 
[membra]  die. 
ulcerosa  miffamahchotvn. 
putredines  die  villi, 
turgidam  die  ziplaitvn.       370 
sepulta     lumina    deiplitvn 

ougvn. 
orbibus  oucringin.  [17''] 
tristibus  freillichan. 
vertat  vmpicli6rta. 
fundo   ab   imo   fonna  tiu-375 

femo  grvnla. 


336  zwischen  u  vnd  1  sind  melirerc  hiichslahen  verbhist.  l.  zugilun 
343  Gl',  gidilitv  356  das  wort  ist  verwischt  358  nur  ki  ist  sicher, 
um  undeutlich  und  das  folgende  ganz  verblast  362  in  einer  längeren 
anvierhung  zu  v.  1         371  G/-a/7"  3,251 


42 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


40. 
42. 
49. 
51. 
380  53. 
55. 
57. 
63. 
64. 


385    65. 
72. 


73. 

390    74. 

75. 

76. 

77. 

78. 

395    79. 

82. 

89. 

92. 

95 

98 

100 


400 


extimum  [uestis]  lecifti. 
sistitur  varftredit  vuard. 
summa  dia  opanentigi. 
fatiscit  [unda]  zifloz. 
efleratis  griman. 
milleformis  manacflahtic. 
lymphaticum  vuotic.  [18'] 
lacunam  grvoba. 
[aurium]   meatus   diu  lofa. 

t   die    lofunga ,    durah- 

vartiga. 
crassa  obstacula  die  dicchi, 

gaganftentida. 
cadit  ziviel. 
cardo  fcerdar. 
cardo  dissolubilis  daz  vn- 

uuerfliha  fkerdar. 
tenax  argiu. 
obice  pifparrida. 
atrum  fmftara. 
antra  dei  hol. 
stupentibus  arquemantan. 
tristia  dia  tvnchalun. 
sordidus  finftarar. 
mens  sonora  du  frvota  gi- 

vuizzi. 
mobilem  [linguam]  chofili- 

nun.  [18"J 
perusti   [fellis]    dero   han- 

tagvn. 
versipelli  mitbön  chuftigero. 
hortamine  fpanunga. 
insuesceret  giuueniti. 
demum  zalazzuft. 
fauillis  moltvn. 


101.  frigidum      pulverem      die 

chaltvn  erda. 

102.  glutino  vmpivengida.  t  mit  405 

dero  zahi.  zahl. 

103.  post  aftardef. 

107.  cluis  vualtifoft.  [19*] 
112.  lapsus  [fluminum]  runfti. 

litorum  ftedo, 

crepidines  vohaldi.  410 

H.  A.  EXEQUIAS  DEF. 

11.  feruens  der  heizo. 

12.  liquorem  dia  gifluzzida. 

14.  labefacta  garpeitiv. 
senescere  arvuefanan. 

15.  compacta  dei  gizumftun.    415 

16.  dissona  texta  die  vngilichvn 

vuiftvnga.  [19''] 
26.  graue  captat  fkadun  gerot. 
36.  coUegia  dia  ginoz  femi. 

42.  putrefacta  [cadavera]  arvu- 

lata. 

43.  volucres   in   auras   in   dei  420 

heitarun  vuetar. 
45.  hinc  danna. 
49.  nitentia  chleiniu. 
62.  aggere  huffin. 
66.  gemitum  chlagvt.  [20'] 
74.  ciatos  ftöphi.  425 

83.  mordax  hantigaz. 

amara  medela  diu   hantigi 
fellis,  diu  pittiri  fellis. 

94.  redeunt  irstent. 

95.  recalescens  vuarmanta. 

96.  tabo  vuarahga.  430 


377  Graff  6,  742      405  das  zweite  zahi  rührt  von  anderer  hajid  her 
417  die  beiden   worle   sitid   von  verschiedenen  händen  427  fellis  ist 

lateinisch 


V.  AUS  MÜNCHEN 


43 


97.  color  albidus  vnfupara  va- 

rauua. 

98.  flore  pliiomin. 
100.  tinguet  fariuuit. 

cute    amoena    mit    uuola- 
varauuero  Iiilti. 
435  102.  carpet  gizohcharut. 

106.  populatur  gapalagal. 
*  anhelos  fnehantvn. 

108.  luet  arftvit. 
111.  gementem  chlaguntaii. 
440  1 12.  mouerat  machota. 
dolores  dei  fer. 
114.  ululamina  vuebrunga. 
118.  suspendite  inthapet.  [20''] 
123.  reddita  gifkozzaniu. 
445  141.  cariosa  vurmpeizigiu. 
vetustas  altoiim. 
149.  dum  iinzi. 

resolubile  [corpus]  den  var- 
uuortanun. 
167.  genitali  gipurdihemo.  [21'] 

P.  GALA  GURR. 

450      6.  hospes  vuirht. 

sanguinem  pluoht. 
7.  tinctus  ginaztar. 
10.  colonus  lantfidilo. 
12.  patronos  vpiUkftbrk.  [21''] 
455    23.  dispendio  ungiuuore. 

25.  decorum  fconi. 
probis  toganlem, 

26.  languidis  vueihhun. 

30.  scde  [cordis]  uon  dero  iu- 
uucrtigi. 
460  exilit  uzuerit. 


31.  crudi  hbrtkn. 

32.  [ad  perenne]  cingulum  ra- 

uui. 
35.  palliis  vainin,  luolihun. 
38.  fossis  crupuii.  [22^] 
40.  p  oster  OS  bflfrcbpmkn.         465 
44.  bisulcas   ungulas   die   zui- 

vurhigun  clu'ovuila,  zui- 

uuaffi  craphun,  zuiuuri- 

cba. 

46.  bogishblftrxohkn,  bougum, 

halfdrucb. 

47.  exercet  vuantalota. 
56.  [post]  uim  chrepbti. 

[post]  catastas  röftan.         470 
61.  cyrographo  gifcripe.  [22''] 

65.  torques  balfpouga. 

66.  stipendia  vuora,  heriftiura, 

Ion. 

68.  infames  zurliumuntigun. 

69.  ridenda     die     fpothaftun,  475 

huonlihiu. 
monstra  trugidinc. 
73.  obsoleta  arfcimpalatiu. 
75.  cartulas  puoh. 
86.  orarium  oucfanun.  [23*] 

88.  liquentis  lutrif.  480 

89.  sequacem  volgalina. 

92.  obpalluit  arpleicbata. 

93.  ictum  flac. 

96.  relatos  prungana. 

98.  rictu  ginunga.  485 

99.  strangulant  arvurigant. 
101.  spumoas  die  veimantun. 

el'ilans  uzplafantar. 
saliuas  fpeichellun. 


449  Gr.  gipuitlihemo 
sein       467  /.  lialf- 


451  wh'd  eine  f(l.  zu  calentes  iindas  v.  7 


44 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


490  101.  torquens  uuentantar. 

102.  expiandiis  der  dar  ift  ziga- 

hitaranna. 
questione  url'uoche. 

103.  heiulatus    flebiles    chlaga- 

licha  \iieverimga. 

104.  flagra  xkllbtb. 

495  106.  spurcum  xnrfknkn. 
110.  imgue  nagala.  [23''] 
113.  algidiis  chalto. 

decoloros  diemiffaiiarauun. 
horror  fcvtilöt. 
500117.  sospitant  gigenzent. 
alluit  pifliuzit,  nezit. 
P.  VINCENTII. 
16.  ferro  mit  vuaffi. 

19.  captator  varari. 

20.  alludit  mendilut. 
505   25.  as[sistile]  zuo.  [24'] 

33.  praesint  meiftrogen. 
41.  commotior  arpolganora. 

48.  permouet  viiigit,  arplödit. 

49.  decretiim  pimeinida. 
510    56.  exere  giurumi. 

60.  extorque  iizaruuint, 

62.  Stridens  fulanta. 
lammina  bleh. 

69.  fabrili  mann  mit  meiftar- 

lichero,  fmidihbero  henti. 

515    73.  snmptuosa  dei  giziuchaftvn. 

74.  delnbra  trvgidinc.  [24''] 

79.  aucnpes  piheftara,  värara. 

81.  incitos  gigruozta. 

95.  obtrndite  pinncrfat. 
520    96.  iactet  uuit  nnerl'o. 

98.  raptim  horfco. 


98. 
101. 
102. 

105. 

107. 
111. 
112. 


113. 

116. 
120. 
122. 

123. 


124. 
126. 
131. 
132. 
138. 
139. 
140. 
141. 


142. 


lictores  vuizzinara. 
pretorium  phalanza. 
connitiator  challari,    fcel- 

tari. 
contnmax  zanuara  hohvar-  525 

tigar. 
obteras  varfmabist. 
compago  din  givögida. 
diuulsa  zilochaniv.'  * 

membratim  gilidilazlicho. 
crepet  ziprefta.  530 

liinlcis  vüitan,  ginentem. 
ictibns  ftihin. 
palpitet  flagaza,  fpratala. 
ungula  craffo. 

eniscerando       fknrphanto,  535 
,  [251 
(nisnsqne  anhelus)  iob  din 

fnebanta   einftritigi  tor- 

tornm.  iob  der  ätamanto 

fliz  nincentii. 
nisns  cilnnga. 
solnerat  zilöfta. 
toros  dichi. 

nnbilo  vnvremi.  540 

renidet  lahhat. 
tortore  vnizinare. 
par  ginofapbt. 
cobibete  intliab&. 
respiret  gipolezze.  545 

pre^sicca    die    pifangauun, 

piraita. 
ulcera  vuntvn. 
cicatrix  mäfa. 
coUigit  giraphit,  zifamana- 

fahit. 


514   fmidilihero?  525   isl  das  erslere  wort  als  za  uuara  und  als 

verstärkunif  des  zweiten  oder  Übersetzung  von  ergo  zu  fafsen? 


V.  AUS  MÜNCHEN 


45 


650  144. 

diruet  ziprehcha,  ziftorre. 

148. 

age  uuola. 

carnifex  uuizinari. 

220. 

150. 

imos  recessiis  dei  tiuphun 

invuertigun,  gitogini. 

225. 

151. 

intersere  instecchi. 

555  152. 

feruentes  vzquellantiin. 

226. 

163. 

fictile  erdinaz. 

227. 

169. 

lacesse  gigruohi.  [25''] 

173. 

stridentibus  fufantan,    ril- 

228. 

z  im  tan. 

230. 

174. 

uncis  cruoimilin. 

560  177. 

calliim  fvil. 

231. 

178. 

obstinatio  hartifraza,    ein- 
ftritigi. 

232. 

179. 

puhiinar  gotopeiti. 

243. 

183. 

praiium  seminans  unrehto 

244. 

rabchutiv. 

249. 

191. 

interpretem  [bnguam]  döz- 
zunta. 

252. 

565  198. 

fuligo  ruoz. 

258. 

199. 

bitumen    et   mixtum    pice 

259. 

vnta  daz  kimifta  hon  lim. 

203.  torquens    [lumina]    upiro- 

her ront. 

204.  spunias  feiuara. 

spumas     egerit     vzveimti, 
uzuuarf. 
570  210.  proripit  furinam. 

213.  ad  palestram  za  dero  l'pili- 
fteti. 

217.  serrata  regula  kkcbkrnnp- 

tbr  ftbp. 

218.  dente  infrequenti  mit  ma- 


2«1. 

263, 
264, 
270 
271, 

280, 
283, 
284, 
291 


nagemo,  fobemo  zanda. 

[261 
uaporat  doumta. 
halitum  ftanc.  575 

crepante  chrabbuntero. 
aspergine  gifprengida. 
scintillat  vfgneifta. 
punctis  tophin. 
stridulis  fufantan.  580 

sparsim  vparal. 
cauterem  polz,  praut. 
lauit  nazta,  tvpfta. 
roris  nazi. 

immersa  ingidübtiu.  585 

liquitur  ziflöz. 
fornicis  fuipogou. 
clausuni  invart. 

baratrum  belliloh. 

it 

diuaricatis    zifcretan ,    ki-  590 

fcranctan. 
vngulis  vuaffin. 
acuminata  kifpiztiu. 
informia  vnuuiUlichiu,  un- 

pilirt. 
cubjle  legar. 

spiculis  vuaffin.  595 

insomne  flaflofiz. 
mucrone  vuaffi.  [26''] 
fulgurat  feein. 
stipitis  drübi. 

nectar  IVozi.  600 

augustior  berbch. 
conpellat  gigruozta. 
exitv  binauarti. 


557  Gr.  gigruozi  562  Gr.  gotopetti  563  rahchütiv?  567  mit 
Graff  4 ,  986  das  wort  zu  harjan  zu  bringen  erlaubt  der  Zusammenhang 
nicht;  doch  auch  iipircherronter  befriedigt  nicht  völlig  572  /.  kkchrkn- 
nptbr 


46 


GLOSSEN  ZU  PRUDEIVTIUS 


303. 

dissipatum  ziviiorfanaz.[27''] 

446. 

scabri  Ikivarobtun. 

605  316. 

conclaue  chainara,  daz  pi- 

murices  tüpfteina. 

640 

lohchana. 

447. 

[inter]    recessus    scrupeos 

concauiiui  cheminatun,hol. 

unfemftMi  vartin. 

319. 

acies  feha. 

scrupeos  fcarfa. 

331. 

pastum  fuora. 

448. 

(viscera)  gitougani. 

338. 

siilcos  rizzi. 

449. 

strenue  eruofthafto. 

610  343. 

tutamen  pifcirmidi. 

450. 

pellere  tripan. 

645 

348. 

ianitor  hiiotari. 

453. 

palustri  e  cespite  von  demo 

356. 

siti  giridi. 

mofalichin  vuefin. 

362. 

lauacris  padun.  [27'] 

457. 

sparteus  paftinar.  [28''] 

366. 

(aulaeis)  aulea  umbihanc. 

459. 

conuexus  lapis  zuogicbnuf- 

615  368. 

capessit  ganavartota. 

tar  ftein. 

378. 

coquebant  chrOmun. 

460. 

preceps  gahar. 

383. 

euasit  intran. 

in  altum  tiuphi. 

650 

388. 

[canibus]  carpendum  ciza- 
nunni. 

462. 

rorante  fprengantemo,  na- 
zemo. 

396. 

carices  faharahi,  femidahi. 

palmulä  ruodara. 

620  401. 

clangens  ziiiziruntaz. 
improbe  vngainezzigo. 

469. 

funale  textum  feillicha  gi- 
chnuffida. 

407. 

sediilo  agaleizo. 

consent  zafamanahafta,  gi- 

410. 

infestus  fariger.  [28'] 

faminota. 

415. 

congredi  giveblan. 

471. 

emeusus  vilo  arvaranar. 

655 

625  417. 

malignum  murmurans  vue- 

475. 

que  diu. 

liho  Aiiinfuntar.          • 

482. 

dehiscere  zigepan. 

423. 

spiculis  uuaffin. 

487. 

quietis  lapsibus  ftillan  var- 

424. 

figebat  ftab. 

tin,  ruuftin. 

428. 

minor  hintarero. 

488. 

ad  curua  litora  za  den  ga- 

430. 

spiritum  uuillim. 

piugotan  ftedin. 

630  432. 

frangit  giuueichit. 

489. 

molaris      ponderis      dero  660 

434. 

immanitas  hantigi. 

cburnlicbun  fuari. 

438. 

insana  diu  ungihepiga. 

490. 

spuma  candens  vuizo  veim. 

441. 

aut  semper  iob  iomcr. 

innatat  fueparo. 

442. 

incerta  per  ludibria   aftar 

494. 

remeuso   vuidarüuzzigemo. 

vngauuiffan  vartin. 

498. 

faselo  fkiphil. 

635  443. 

feretur  zivuorit  uuirdit. 

499. 

preuolant  vorafuumun. 

665- 

flatibus  vuintin. 

500. 

sinum  piugun. 

445. 

fragosis  diozantvn. 

503. 

nisibus  ilungun. 

rupibus  rdifvi). 

506. 

successus  zuovard.  [29"] 

V.  AUS  MÜNCHEN 


47 


507.  foiiens  girigiluntar. 
670  510.  aggerem  leo. 

515.  quietem    debitain   fculdiga 
refti. 

518.  condita  [ossa]  pifolhana. 

520.  hauriunt  nemunt. 

524.  proximum  nahan. 
675  529.  sector  fagari. 

531.  segmenta  ftuchi. 

535.  raptam    pellem    apagivilta 
hüt. 

543.  proteris  uurtrati, 

547.  efficax  frumiger. 
680  552.  stipitem  fuozdruh.  [29"] 

560.  nee  imputet  ni  vuize,  gi- 
vuizza. 

566.  fauorem  foUeift. 

P.  LAURENTII. 

19.  diruit  zauuarf.  [30'] 
40.  pr^stantior    herero,     for- 
droro. 
685    41.  claiistris  flozun. 

42.  archanum  die  gitougini. 
45.  versat  fordarota. 

famem  [peciiniae]  gltigi. 
48.  exactor  fuochari,  ()  duen- 
gil. 
690   49.  eruat  üzarvunti. 
54.  exquirit  eifcota. 

57.  conqueri  ftouuan. 

58.  seuire  vuotan. 
60.  cruente  grimliclio. 

695    62.  motibus  irpolgnuffifin. 
63.  afllagito  llehon. 


64 
65 
69, 

77. 
84, 
86. 

89. 

90. 

91. 

94. 
100. 
104. 

110. 
112. 
117. 
126. 
127. 

131. 
132. 
134. 
137. 
140. 
143. 
150. 
159. 
162. 
163. 
165. 

178. 


obire  ingantan. 
orgiis  ubtifangan. 
scyfls  chelichiin.  [30'"] 
predia  eigen.  700 

duices  [liberos]  livpiu. 
malis  prestigiis  mit  vpilan 

goucalheitin. 
usus    publicus    diu    frona 

giuuonaheit. 
fiscus  vronogeld,  fonagafte. 
aerarium  trifachamara.        705 
slipendiis  herifturan. 
suum  daz  iro. 
(signatj  vendicauit  giualgit. 
inanis  italer. 

marsupio  fechili.  710 

[nil]  turbidum  zorulichef. 
annuit  giiäzta,  gihan'^ta. 
tantum  ebanlih.  [31'] 
induciarum  tagadingo. 
quo  fungar  daz  nioze.        715 
efficatiös  frador. 
calculanda  zigicellanne. 
summula  fcaz. 
deuorat  uirterchinet. 


pepigere  kidiggotun. 


720 


lucri  fcazef. 

stipem  lipnara. 

crure  fcincbun. 

penu  cbellari. 

uiritim  cinbertvn,  einazin.  725 

locatos  gillalta. 

pr(;scriptus  dies  der  fora- 

gilegitotac.  [31''] 
sacratam  ianuam  vronotvri. 


697  vgl.  Schynellei'^  926       704  die  beziehung  des  zweiten  worles  das 
von  anderer  hand  herrührt  ist  mir  nicht  klar       719  Gr.  uirtercliiueta 


48 


GLOSSEN  Zu  PRUDENTIUS 


180. 

inciilta  [examina]  vnvunni- 

danfari. 

fama,  vnfanui. 

254. 

prurit  chuzilot,  iucchit. 

730  181. 

fragor  der  Pyföt. 

255. 

scalpit     chrazzot,     fkepit, 

182. 

horrescit  arquani. 

gnifit. 

189. 

ardenter  gerohafto. 

258. 

striimas  chelcha,  putila. 

190. 

rudera  molta,  arizin. 

259. 

purulenta  eitriga.  [32''] 

191. 

metallis   squalidis   vnfupa- 

264. 

regio  morbo  gelafuhti,  ge-  760 

ran  aruzzin. 

laguud. 

735  208. 

insolescat  turgida  ungiftuo- 

277. 

suppetat  gilagi. 

migo  arvueigara. 

281. 

pannis  hadarun. 

209. 

disicit  gapalagat.  [32'] 

obsitos  pachuzta. 

215. 

effectus  erfcaffaner. 

282. 

muculentis  rozzegen  amuc- 

216. 

elumbe  uirus  viieihaz  eitar. 

ca  roz. 

217. 

optio  vueli. 

284. 

lippos  fufouca.                    765 

740  219. 

fragmenta  pruhhi. 

putri  frat^ro. 

221. 

committe  gaganmezzo. 

299. 

[gemmas]  corusci  [luminis] 

pestium  palavuo. 

glizinuntaz. 

222. 

confer  gaganmezzo. 

301. 

Sacra tas  virgines   nunnun. 

227. 

uenusti  fconna. 

305. 

monile  gifteini. 

745  231. 

mancum  hantalamon,  uuan- 

309. 

eccum  fih  nu.  [33']            770 

heilo  0  uuanheilo. 

317. 

furcifer  tv  virfcurgo. 

234. 

iieste  pulcha. 

318. 

strofas  fkerna,  chera. 

239. 

lucido   ueneno  mit  offaii- 

cauillo  ganauinzode. 

parero  gitigi. 

mimico  mit  fcernlihamo. 

240. 

tendit  zidenit. 

320. 

saltas  [fabulam]  vvihbuft.    775 

242. 

in  volam  invüft. 

fabulam  fpel. 

750  243 

plicans  faltenti. 

321. 

concinna  gihelanu. 

245. 

foetida  ftinchantiu. 

urbanitas  gizungali. 

247. 

cloacis  mit  unrennuffidun, 

322. 

[tractare  nosmet]  ludicris  zi 

fol'fatun. 

fpilun. 

248. 

dum  spurca  mendicat  [stu- 

324. 

acroama  festiuum  liutparaz  780 

pra]  in  den  /.•vnfuparvn 

fkimpl',  cilimpflih  gichofi. 

vitavuchut/;  varleganin. 

325. 

austeritas  farpbi,  arendi. 

249 

ambilum  rihtuom. 

328 

retundit  nivuit. 

755  253 

intemperans  ungiriuomiger, 

329 

oppetam  gentvn. 

729  />V/' vnvunniranui?  733  die  zweite  gl.  wird  5;<  metallis  in  dem 
folg.  V.  gehören  736  von  balawjan  vgl.  358  und  -130  758  l.  puilla 
765  /.  furouca        781  Gr.  1,  427 


V.  AUS  MÜNCHEN 


49 


330.  uotiua  [mors]  pilipo. 
785  335.  compeudiosus  exitus  giuar- 
famer  enti. 
339.  inextricabilis  unarrekinlih. 

341.  tepentes  rehananta. 
sternite  fcuttet. 

342.  feriior    ignitus    nimis   der 

vparheizo  prädain,  ()  fili- 
heizer. 
790  343.  contumacis  honchuftigef. 
occupet  pitemma. 
345.  senescens    [vapor]    dreha- 

iient. 
348.  semiustulati   halp  pruiina- 

nef. 
358.  parant  flizzun.  [33''] 
795  361.  decore  fcoiio. 
362.  fulgor  fchimo. 
366.  decolor  [plebs]   aiitadaltaz, 
miffigengigaz,  vngilihhiu. 
368.  detorsit  cherta. 
378.  situ  unvuathlihi. 
800  380.  obducta  farhelitiv. 
darum  zorfti. 
381.  plagp  cheftigo. 

in  modum  ziuvuif. 
389.  sensus  inphuntnuffi. 
805  390.  aurä  ftancha. 
afticit  pittarata. 
392.  mulcet  gifuozta. 

oblectamine  lufüfunga. 
399.  catasta  barapba  1  rici  pou- 
me,  fcreiatun. 
810  400.  compellat  gigruozta. 
affatu   "icbofe. 


402.  iugiter  famathaftiv. 

403.  perichnii  vrluüh.  [34'] 

408.  an  vuedar. 

409.  ludibundus  frolichar.  815 
419.  togp  berfkefti. 

426.  concessit  gig&. 

429.  magis  ftüran. 

430.  ins  givuald. 

432.  illigares  piviengift.  820 

437.  coufoederentur     gizura'ftit 
vuerdan. 

445.  confuudit  gifkentit,  gitriio- 

pit. 

446.  curiam  dinchuf. 
450.  horreo  irgruvuife. 

452.  senis  def  gizobbarotiu.  [34'']  825 
463.  recludit  infparrit. 
466.  oblite  pifcizzano. 

469.  exterminat  iago,  farra'cba. 

470.  exturbat  vzftöza,  giltoiipit. 
475.  tetris  den  fcantlicban.         830 

478.  obstruat  pivuirüt. 

479.  damnet  pifparri. 

480.  obdens  furiftozzantar. 
pessulos  floz,  krintila. 

487.  erupit  uzuor.  835 

493.  repens  gaba. 

medullas  invuertigi. 

indoles  anavvani,  anauani. 

496.  nugas  gipofbeiti. 

497.  refrixit  cbuobHa.  [35']        840 
514.  sinpiibium  daz  partobta. 
523.  pignera  pfant. 

526.  adscitur  giuuifit  vuirdit. 
531.  comminus  Camabaft. 


787   /.   drehaiiaiita  809   ritipoume?  818   u  atis  o  korrigiert 

824  Gr.  irgiuvuifu        838  anauani  von  anderer  hand 

Z.  f.  D.  A.  neue  folse  IV.  4 


50 


GLOSSEN  ZU  PRÜDENTILS 


845  533.  licet  muozauuifit. 
537.  Hiberiis  fpanifka. 

539.  cotianorum  gvdo. 
iuga  die  hohimverri. 

540.  Pyrenas  ningiiidos  fnelihe, 

verfniegun  perga. 
850  543.  urbanum    [soliim]    piirch- 

liher.  [35"] 
557.  videor  pidunchet. 
564.  adnuis  hilfift. 
567.  iocanter  fröliho. 
571.  lactante  sin«  hapaluntemo 

parma. 
855  572.  nutrias  locchiift. 

576.  prodentem  goffineutem. 

578.  quem  vuielihhen. 

579.  patronos  viiegara. 

P.  HIPPOLYTI. 

4.  replicare  gicellan.  [36^] 
860    17.  siciibi  fuarfofa. 

18.  apices  puochftapa. 

19.  scisma  d'e  irratvoma. 
23.  mirere  vimtaro.  [36''] 

30.  scismata  irratuoma,  dia  zi- 
riizzida,  laftar. 
865  reddite  vos  argepat  iu  mih. 

40.  [per]  Ostia  gimundin. 
42.  quateret  miioti. 
45.  rostra  fcefftefti. 
47.  protiilerat  fräprahta. 
870  rabiem  hantigi. 

oram  ort. 
52.  idolii  apgothufif. 

perfidiae    dero  vngalonpa. 
[371 


53.  crinita  [agmina]  lancfahfün.  875 
situ   fmftri,   vnfupri,    vn- 
uuatlichi. 

55.  [catenarum]   tractus  chlaf- 

foda. 
flagra  geiflun. 

56.  stridere  uuifpilun. 
virgarum  pefamono.  880 
concrepitare  praftun. 
fragor  döz, '  praftod. 

57.  ungula  chrovuil,  chrovul. 
fixa  ingiflaganar. 

58.  secessus  gitougini.  885 
60.  cognitione  vrcha'da. 

62.  uitiare  irvuartin. 
64.  questio  \Tiizi. 
agito  gifrumi. 

69.  rimosae   [cjmbae]   durchi-890 

lemo,  fcruntiuef. 

70.  pellere  farfcuzzan. 

71.  suta  [cymba]  gifuoctaz. 

72.  labarit  farfoupha. 

73.  dissociata  cifuocta. 

laxent  flazan.  895 

tabulata     gitavili ,     vuenti, 

mantaln. 
putrem    carinam    den   gi- 

durchilatun  podam. 

74.  bibant  [naufragium]  infin- 

cban. 

76.  consumptis  frezzanan. 
cruda  [bellua]  fatan.   [37'']  900 

77.  persultanti       cballontemo, 

cbozzuntemo. 
83.  insolitum    genus     feldfani 
giflahti. 


846  gl.  fluiiius  liispanifus  und  demgemäfs  alia  zu  ergänzen  868 
/.  fceffteti  886  Gr.  vrchnaida  890  Gr.  fcnintine  891  farftozzan? 
900  fatar? 


V.  AUS  MÜNCHEN 


51 


85. 

supinatä  [cervice]  parran- 
temo. 

87. 

fiat  viierda. 

905 

agilet  iago. 
liirbet  ftoiipa. 

89. 

cogunt  ziramauahaplitun. 
animalia  rof. 

91. 

palpata  gitallaztiu. 

910 

92. 

iniperiuin    den     giduuinc, 

die  ziiht. 
eqiiitis  reitmannef. 
subacta  gizamata. 

93. 

campestre  [pecus]  vuildim. 
grege  ftiioti. 

915 

94. 

agit  iagota,  nmota. 

95. 

sociariint      ziramanagiuua- 
lun. 

96. 

nexuerant  zifamanehaftun. 

97. 

lemonis  dihfilo. 

98. 

diiiidit  gifki&. 

920 

tangit  zilta. 

99. 

retro  aftar. 

100. 

protendeus[fimis]  gilanctaz. 
transit  IVritraf.  [38'] 

101. 

piiluere  summo   in  michi- 
lero  nioltvn. 

925 

102 

refugas  [vias]  die  fluhligun. 
orbita  uuaganleifa. 
Irita  firnozaniu. 
uias  varli. 

104 

cumque   rudente  vnta  mit 
leila. 

930  105 

composito  girihtemo. 

satis  instruxere  vuola  gi- 

mahcliotvn. 
paralii  giziuga. 


107.  instigant  fcractim. 
clamoribus  gifcreigin. 

108.  infestis  ana  feigin.  935 
perfodiunt  gartotvn. 
stimulis  ftvphin. 

111.  prorunipunt  nah  liiifun. 

1 1 2.  exagitanl  iagatun. 

113.  incendit  cherta.  940 
impetus  praht. 

vrget  notta. 

114.  ciirsus  volucer   diu  horfca 

vart. 
mobile  sentit  onus  die  luzzi- 
lun  inpbant  pvrdi. 

115.  ruunt  ftruchatvn.  945 
retardat  lazta. 

116.  torrens  drati. 
cohibet  piduanch. 

117.  prosternunt  nidar  duhtun. 

118.  prona  nidiriu,  epaniu.        950 
fragosa  ftechaliu. 

119.  scissa  arl^ftiv. 
minutalini     lidilicho,     ei- 

nezen. 
labefacto  corpore  von  demo 

zidenitin  lichamin. 
frusta  dei  ftucchi.  955 

120.  carpit  apaprah. 
spinigeris     slirpibus     mit 

dorn  fuorigan  ftocchun. 
liyrtus  [ager]  vngiriuttar. 

122.  frondes  vuippliila. 

123.  inlitus  [paries]  gimalotiv.    geo 

124.  fucus  malizzi. 


digeril  läget.  [38''] 
126.  el'ügians  pilidunti. 


913  ver/nulliv/i   gehört  vuiUlim    zu   dein   hinter  campesire  stehenden 

UagO    [fcMTgc] 

4* 


52 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


127 

apices  fpizzi. 

167 

subter  terranea   unt  erdi- 

965  128 

.  uotas  tophun. 

fcuD.  [39"] 

130 

Inserat  malota,  truginota. 

182 

adnuere  gilazaii. 

131 

ordine  nullo  mit  nihheiui- 

185 

leui  Oehtemo. 

gero  famanthafti. 

186 

recauum  speculum  fiiivuer- 

132. 

[per]  Situs  legarvn. 

palaz  gifteini. 

135. 

attouiti  arquemana. 

187 

aditus  iuvarti. 

1000 

970 

rimantibus  fpiirilinten. 

obducere  pifezzan. 

136. 

siuus  dei  fcozzvn. 

191 

cuneum  folcli. 

138. 

gremio  fkozin. 

Latios  laucbpartifcin. 

139. 

ulnas  ellinpogvn. 

192. 

permixtum   drato  gimifkit. 

140. 

legit  vflaf. 

[W] 

975  141. 

siccantur  fvurpvn. 

200. 

patricios  furiftun. 

1005 

142. 

ros  nazi. 

201. 

pbalanx  fcara. 

144. 

rapit       [spongia]      vuidar 
trviiclii. 

plebeia    phalaux   folclicha 
fcara. 

146. 

fraudat  piteilta,  uirhintreta. 
exsequiis  retuldin.  [39'] 

umbonibus  aequis  mit  ftarc- 
licban  draugodiu. 

980  149. 

piirgata  arlefaniv. 

202. 

discrimeu  vntar  fkeitvnga. 

151. 

metando  mezzanto. 
Ostia  dei  gimimdi. 

204. 

explicat    vzginimit ,     furi- 
priugit. 

1010 

154. 

mersa  tiuphiu. 

207. 

atrox  chuonna. 

crypta  cruft,  ()  gruft. 

212. 

heret  heripergot. 

985  155. 

[uia]  prona  inhaldar. 
reflexis  uuidrauimtanuii. 

214. 

(amplä  fauce)  vuitero  eugi, 
uuitovuli. 

157. 

summotenus  zuobaroft. 

218. 

maiestate  hßri. 

159. 

nigrescere  finftran. 

potens  herlichaz. 

1015 

161. 

iuniissa  forainina   ingimei- 

(opulens)  ehtigaz. 

zaniu  fenftar. 

219. 

laquearia  dei  gimali.   [40''] 

990  162. 

iaciunt  gipreitant. 

221. 

graciles  engo. 

163. 

texant  hapaii. 

recessus  umpihufi,  varti. 

hiuc  iude  iouuedarhalp. 

222. 

exsiuuent  gipiugunt. 

1020 

ancipiles  recessus  vufeinfta 

223. 

medios  tractus  inhufi. 

varti. 

aperit  intluchit. 

165. 

[subter]     viscera     [moutis] 

tractus  gengi. 

givurhtin. 

224. 

editiore  roftirin. 

995  166. 

terebrato  fornice  durabpil- 

225. 

fronte  fcioze. 

1025 

loteino,    giporlemo   l'ui- 

229. 

gremium  fedal. 

pogin. 

cüudat  kilidilla. 

V.  AUS  MÜNCHEN 


53 


234.  (linumerare  prievan. 
236.  restituens  ürgellent. 
1030241.  excludatiir  vzpilohhan  viier- 
(la.  [4r] 

P.  CYPRIANI. 

1.  tiilit  prahta. 

2.  inde  domo  fonniro  he'mi. 
4.  (pollet)  giiotlihot. 

12.  liqiior  lid. 
1035    13.  pererrat  iruerit. 

16.  exsecutor  rechari  0  gifprah- 

haler. 

17.  locuples  diu  ginuhtfama. 
doceret  gilerti. 

18.  dispntaret  redinoti. 

1040    19.  perpolita  gihafanotiu.  [41''] 

21.  sinistris  vnrehtan. 

22.  fraude  zovpara. 
periringere  girran. 
piitare  ahton. 

1045    23.  magicmn  govcallih. 

cantamen  germinot,  calftar. 
24.  genitale  thori  ins   daz   gi- 
flvaftlicha  reht  hileichef. 
solueret  girti. 
§stiiante  niipta  vuotantero 
quenun. 
1050    29.  exiiitur  pinoman  viiart. 
tenui  dero  vnchvcvn. 

29.  Iransit  deh  do. 

in  seuerum  inchulki. 

30.  deflua  c(jsaries  daz  zotaran- 

ta,  niderhangagiu  falif. 
1055  compescilurgil'coran  uiiard. 

31.  modcsta  clmfchiu. 

34.  prouehitiir  gichoran  viiart. 


40. 
41. 
42. 
44. 

45. 
48. 
52. 
57. 
62. 


67. 

68. 

70. 

77. 

78. 


79 
81. 

85. 
86. 

87, 

93. 

94. 
100. 
101. 

104. 
106. 


degener  plödar. 

conferat  prahti. 

intermina  ungentotiiu  [42"]  1060 

transuolare  firuaran. 

CHi'sim  gizalo. 

graue  hebic. 

ut  comes  dar  ergiverto. 

abdicata  firziganiu.  1065 

oblitum  pifmizzanan. 

vise  gifebano. 

libens  gernvuilligo. 

ergastula  charchara. 

caeca  finftri.  1070 

iners  vuanchalar.  [42''] 

cadat  uvancbo,  vuicha. 

titubet  vuancbo. 

permouerat  gigruozta. 

calce  clialche.  1075 

saxa   recocta   die   gluintvn 

fleina. 
uomunt  vzlovgaztvn. 
ardet  gluita. 
flatus  prädä. 

micam  [salis]  fprät.  1080 

suis  fuinef. 

fundo  tenus  unzi  zigrunte. 
habet  buit. 
Candida  niassa  vuiz  in   lä- 

mantliaftigi.  [43'] 
l'ulmen  dia  Itvri.  1085 

luat  [poenam]  gelta. 
minus  feltanör. 
disserit  rcdinot. 
instruit  vuarnot. 
ultimis  entroftun.  1090 

patronus  vuegara.  [43''] 


1036  executor  wird  dui'ch   praedicator  glossiert  1051  Graff  hat 

unchufcun      1070  6>«/7"  finCtra       1085  g/.  potesialem      1091  G/-.  viiegari 


54 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


P.  PETRI  ET  PAULI. 
7.  paliis  niof,  nmft. 

labitur  vliuzit. 
11.  sententia  urteila. 
1095    13.  emulando  leifaiuinto. 

14.  ambire  anagigean. 

15.  imprimant  iiagaltin. 

16.  stipitem  ftoc. 

17.  figitur  ginegilit  vuard. 
1100    18.  minor  [figura]  fmahera. 

21.  ut    teres    rota    iofofa    diu 
liiivuerbili. 
(teres)  fiiiauueller. 
perciiciirrit  arviior,  arliuf. 
29.  sacer    [Tibris]     giuuihtah. 
[441 
1105    31.  regio  halpa. 
33.  liquor  nazzi. 

35.  lubricat  tluzzit. 

36.  colymbo  gicuinfti. 

37.  lapsibus  sonoris  mit  lutaii 

runftin. 
1110   38.  stagniim    niiiale    fniovara- 
uiiar  feo. 

39.  omnicoior   pictura  alvara- 

vuaz   gimali. 
superne  üfviiertigo. 
tinguit  kivehit. 

40.  musci  dei  gimufi,  miofa. 
1115  vircscit  [aurum]  lohazat. 

41.  cyaueus  blauaruer  giifa. 

42.  lacunar  himilezzi. 

43.  rigore  nazzi. 
46.  stringit  pivahit. 

1120    48.  ambitum  rihtuom. 


49.  aurulenta  [lux]   esset   golt 

varauuaz  vuari. 

50.  iubar  l'tri^un. 

51.  laquearibus  gimälin. 

52.  distinguit  gvntarfiieitvt. 

53.  camiros  crumpa.  1125 
varie  meiftai'licho. 
percucurrit  argruop. 

arcus  fuipogen.  [44''] 
61.  ulterius  enont. 

63.  transtyberina  sacra  dei  en-  1130 

trigvn  opphar. 

64.  recurrit  vuidiri  verit.  [45^] 

P.  XVm.  MARTT.  CAESARAUG. 

21.  diadema    pulchrum    fconi 
gifteini. 

23.  intexit  ingiflaht. 

24.  sutile    vinclum   fcono    ga- 

flobtanan  rinc. 

25.  stropbio  gipente.  1135 
35.  (praepoUens)  frapara.  [45'*] 

50.  forsan  6t  vuan. 

51.  hostiarum  frifkin. 

52.  piguore  denio  pbanta. 

55.  flauis  oleis  mit  feimfuori-  luo 
gan  olun. 

reuincta     [uerticem]    zifa- 
managiflihtantiu. 
57.  numerosiores  zalahafta. 
75.  togate  giciertun.  [46'] 
78.  hie  dar. 

peperit  giuuan.  1145 

82.  tremeiecit  giprutta. 
90.  notasti  gimarhtvft. 


1104  6;/-.  giuuihta  1108  Gr.  4,  675  vermulet  gifuumfti  1116  Gr. 
4,  293.  aber  vielleicht  lateinisch  anaglifa,  zur  bezeichiiung  dafs  das  ganze 
mir  ein  bild  vorstellt        1138  fiil'kinc? 


Y.  AUS  MÜNCHEN 


55 


101. 

paiesträ  fpilifteta.  [46''] 

47 

117. 

retexis  zelift,  giuiiilt. 

48 

1150  122, 

,  impensus  irpotun  uuard. 

129. 

cicatrix  mafa. 

49. 

132. 

labiiUis  humor  gund. 

137. 

reuulsam     aljagaprocliaua. 

50. 

[47»J 

51. 

155. 

acer  cliuano. 

56. 

1155  164. 

prisca    vetustas    diu    alta 

59. 

entifki. 

65. 

169. 

adnotatas  gizeihneta.  [47^] 

66. 

173. 

recolet  zelit. 

70. 

178. 

specimeii  gilihiiuffi. 

71. 

182. 

incruentum  inpluotagaz. 

1160  183. 

ferre  uuoriaii. 
prouenit  caohahc. 

72. 

193. 

nos  vuir. 
perluamus  nezimef. 

75. 

198. 

deinde  daranah.  [48'] 
P.  AGNETIS. 

76. 

1165      8. 

[virginal]  virginitas  heit. 

85. 

10. 

habitam  gimacha. 

87. 

13. 

renisam  uuidarftritan. 

90. 

14. 

addicta  piineintiv,  geicho- 
tiu. 

98. 

16. 

blandi  ilitarazzantiii. 

101. 

1170    18. 

feroci  lianligi. 

pertinax  einftritigiu.  [48''] 

105. 

25. 

truderc  ftozan. 

39. 

flexu  indiechera,  vuikki. 

110. 

41. 

petulautius       getiluHiho, 

116. 

huorlicho. 

117. 

1175    45.  Uiiniiic    lubiico    mit    luo- 
galinemo  ougin. 


121. 


t'erit  vzftiez. 

corusco  lumiiie  von  demo 

hanlagiii  pliccha.  [49'] 
puluere  dero  vnfüpri. 
palpitat  zapalota. 
semiiiecem  halptoten.  1180 

deflent  piruzzun. 
experta  arfindeiitiu. 
alitum  atazuht. 
exere  giurumi,  givrumi. 
sumnü  heroftin.  1185 

tiu'bidus  zoruager. 
laiiguidiis  huorlichar. 
teuer  zartlichar. 
moUis  zagiliher. 
tiuctus  pifmizaner.  [49'']     1190 
iiTiientis  ziohantef,  zuoil- 

laiitef. 
demorabor  gitvello. 
Vota  caleiitia  diiia  vuotanta 

vuillvii. 
cernuo  mit  nidarfihtigemo. 
paratius  givuilligo.  1195 

sensum  inphiintnvffid.  [50"] 
atro  lurbine  mit  dero  iiiif- 

favaruuu  flelTiri. 
pompas  turida. 
inlusa  die  giprortotun. 
pietae  [uestis]  givehtel.       1200 
inania  vnpiderpi. 
tetrius  uuirferi. 
(solo)  plantä  trenun, 
crislas  dei  porst  ( )  champa. 

[50"] 
edita  [merces]  arractar.       1205 


1149  Gr.  1,1066  verbefscrt  giuuifift  1150  incruentum  scheint  der 
glossator  als  zwei  worle  gefafst  zu  haben  1161  cafchahc?  1165  dh. 
magatheit  1167  uuidarftritan  ist  verbtwi,  nicht  adj.  1170  ^vol  Sub- 
stantiv zu  feroci  robore  gehörig      1173  von  Graff  ah  ein  wort  betrachtet 


56 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


122.  conficit  gituot. 

127.  gemello  diademate  zuifkero 

zierida. 
129.  vel  oiih. 
1 32.  iiil  non  pudiciim  nupa  rei- 

nez.  [5P] 

VERSUS  CONSTA^TINE. 
1210    10.  referens  auarent. 

ITEM  DAMASI. 
10.  faiieas  folleiftef. 

PASSIO  EULALIAE. 
4.  ciiius  ab  ubere   von   dero 
gipurcfkefti.  [öP] 
15.  rata  ahto. 
18.  dicare  pimeinnen. 
1215    19.  crepundia  chintlicliiv  fpil. 

22.  monilia  gifteini. 

23.  seiiera  gidiganiii. 

24.  moribiis    teneris     in    den 

chindifcan  fitvn. 
26.  furiata  vnotigiu. 
1220    27.  excitat  arpiirita. 

30.  adolere  prennan. 

31.  infremiiit  argremizota. 

32.  ferox  hantager. 

33.  frangere  givueihun. 

1225    34.  rüde  [pectus  anhela]  cbin- 
difkero. 
anhela  iligiv. 
35.  femina  fi  vuipihha. 

37.  animosa   niuothafta,   mihil 

inuoligiu. 

38.  rure  iizze. 

1230    41.  perosa  leiduntiv. 

42.  degeneri  mit  zagilichero. 


44.  septaque   claiistra   ioh  die 

pifpartvn  pilohchida. 
47.  per  loca  senta  situ  in  dero 
vnuuatlichi. 
situ  giligido. 
51.  sie  fofo.  [52^]  1235 

55.  chao  gimifchid. 
62.  milia  milla,  mila. 

prius  peragit  er  arvuor. 
64.  superba  herlichiu. 
68.  prodiga  Ipentigiu.  1240 

sui  iro  felpero. 
83.  prostituat  varfezza  fih. 
85.  quatit  muoit.  [52''] 
95.  exagitante  muogentemo. 

dolore  fverin.  1245 

101.  quam  uuimichilicho. 
109.  flore    in    tenero    in    dero 

chindifcvn  fconi. 
113.  temeraria  vueigiriv. 

debilitas  honift,  giferif. 
119.  ululanda  za  chlagvnna.       1250 
122.  modicum  [salis]*  fprät. 
eminulis  chleinan. 

129.  dissipat  zavuarf. 
molam  chorin. 

130.  prosubigit  fpurnta.  1255 
132.  iuncea  [pectora]   die  chin- 
difcvn. 

134.  pulsat  durahfluoc.  [53^] 

135.  notas  rizzi,  tophun. 
137.  apices  puohftapa. 

144.  picta  gimalota.  1260 

145.  lauant  padunt,  naztun. 
148.  crate  tenus  unzazen  rippun. 
151.  criuis  odorus  fahf  ftinchili, 

fkiero  silanctaz  fahf. 


1213  ahtonti? 


V.  AUS  MÜNCHEN 


57 


153.  piulibunda     pudicitia     diu  5 

fcamiliolin  chvfki.  19 

1265  154.  lateret  farhulan  viiari.  20 

155.  tegmine  techi. 

156.  crepans  [llamma]   praftun-  33 

tar.  35. 
iiolat  [flamma]  dahhazta. 

157.  uegetata  gichreftetiv. 
1270  161.  repens  flogarazzantiu. 

165.  lacteoliis  vuizer. 

166.  fliuint  figun.  40. 

167.  emoritnr  [rogus]  aiiaf'c.  50. 
171.  satelles  feffo.  55. 

1275  172.  femine  viiipihhiin.  [53'"] 

180.  pallioli  tuochef.  61. 

iiice  in  ftalle.  62. 
liiiteoli  linanef. 
182.  suprema  iiingiftiin. 

1280  185.  exequias  retvocha.  64. 

188.  meniorabilisamnisliiimunt-  66. 

mara  aha. 

189.  iiiridante  giluchemo.  73. 
rapax  dratiu.  75. 

190.  luit  piflivzit.  88. 
1285  197.  de     laqiiearibiis     gimalin,  90. 

himilez.  95. 

203.  genialis  lufüiher.  99. 

204.  teperis  glacies  doantahif.  115. 

205.  calathos  zeinniin,  fv  piri. 

206.  cornantibus  foliis  vuifülun.  118. 
1290  210.  niarcida  arfuelchatiu ,   fle-  135. 

viiiv. 

festa  niizzifamiv.  [54^]  141. 

145. 

P.  FRUCTÜOSI.  J49 

2.  ignibus  hertvomin.  150. 


quando  uuanla. 

timor  untroft. 

vehemens     kabar,     drato.  1295 

[541 
catast(^  fcreiata. 
atrox  grimmar. 
turbidiis  zornagar. 
insolens    vnzuhtiger,    un- 

giftuomer. 
profanus  feruiiazaner.         1300 
sapias  uuizi'.  [55'] 
destinat  pimeinta. 
[nondiim]  resignat  ninfpar- 

rit. 
rotunda  finvuerbalero. 
conclusum  [lociini]  pifanga.  1305 
caueä  gruopvn,  holi,  che- 

vina. 
perstrepunt  pralitvn. 
fremit  fpilota,  prabta,  chra- 

demta,  chradampta.  [55**] 
ofticiis  dionoft. 

detrahere  apaneman.  1310 

creäniationem  higizziinga. 
pura  pariii.  [56'] 
citata  [poena]  kihurlltaz. 
olim  noli  vuenna. 
uaporus  ardor  diu  unmez-  1315 

hafta  hizza.  [56''] 
oljirc  genton. 
Iklele  piguus  daz  tiura  her- 

tuom. 
(mixtum)  famabaft.  [57'] 
patronis  muntportun. 
anula  alticcha.  1320 

rite  fitibbo. 


1268   lohhazta? 
1305  dh.  pifaiigana 


1269   Gr.   ^chrefteliu 


1285    /.  Iiiiiiiiezziii 


58 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


152.  modis  leichin, 
162.  reuoluens  redinont,  [57''] 
P.  OUIRIxNI. 
5.  complexu  pifengida. 
1325  fouent  pihaltant. 

11.  rigor  vuaffi. 

14.  lympliis   tluuialibus   giflvz- 

ziduii. 

15.  abliiit  padota,  gireiiita. 

16.  aequore  vuäga. 
1330    18.  tinguat  iieze. 

19.  proueiiit  gipurit. 
23.  in  praeceps  tiuffi. 

29.  natatibiis  gifvvmt'tin. 

30.  sustinens  vuranter. 
1335    34.  siuuainiua  piugvn. 

35.  sepserat  pifienc.  [58'] 
44.  constaus  faftmuottiu. 

46.  fluitantibus  fliozantan. 

47.  uadis  rvnltin. 

1340   50.  dehiscerezigepan,zaluchun. 

53.  exitus  hinauarti. 

54.  negarier  arzigan  vuerdan. 

59.  fremitum  den  phehvn. 

60.  prona  [tlumina]  runltiguu, 

rinnento. 
1345  sistere  giftellan. 

67.  tortis  uorticibus  vuidarfual- 
tan  vuervun. 
uaguni  ftelligan. 
69.  ad  lontem  zem  urfpringa, 
vrfpringe. 


69.  retro  vuidar. 

70-  confugisse  tliozan.  1350 

meatibus  fartin. 
73.  suspeudar  enthapat  ^'uirdo. 

leue  lilito. 

prenalans  opalueparunti. 

76.  titulus  tui  kihiict  din  felpef.  1355 

77.  prodita  golTanotiu. 

78.  hebet  irquimit. 
82.  liquor  vuäc.  [58''] 

89.  fit  graue  vuart  fär  fväri. 
P.  CASSIANI. 
8.  acumina  yuaffi.  1360 

12.  minutis  chleinan. 
punctis  ftophvn. 
15.  piigillares  [ceras]  tauallahiv. 

Geras  vualif. 
19.  hystoriam  tatraliha.  [59"]    1365 
26.  inpube   vulgus   die   chint- 
lichun  menigi. 
mouerant  arpalctvn. 

31.  extrahitur  erdenchit  uart. 
akunni  tief  chintlichin. 

32.  quod  pediv.  [59"]  1370 

46.  ardens  zurnanter. 

47.  fragiles  die  dunnun. 

48.  relisa  [fronte]   vuidarpolla. 
dissilit  zipraft. 

50.  curva  di"ki  crumba.  1375 

51.  acumina  vuaffi. 

uibrant  uuenzentin,  uueni- 
tun. 


1334  tis.  sustines  1348  die  beiden  gll.  rühren  von  verschiedenen 
häiiden  her  1368  Graff  5,  145  vei'jnutet  erdeiiit.  doch  scheint  mir  da- 
bei dem  lal.  worle  nicht  genüge  zu  geschehefi.  eher  möchte  ich  an 
erdenCit  denken,  wenn  auch  das  schwache  verb  nicht  ?iachweisbar  ist 
1373  die  gl.  ist  wol  nicht  zu  ende  geschrieben  und  vuidarpollauemo  zu 
lesen  1377  da  die  erste  gl.  verschrieben  war,  so  unirde  die  richtige 

Übersetzung;  durch  ein  ztveites  wort  gegeben 


V.  AUS  MÜNCHEN 


59 


53. 

secti  girizona,  giftrichaiia. 

12. 

balbutut  ftämalul. 

aequoris  hyrti  riihef ' 

k'elde*. 

absouis  iingililihen. 

1380 

54. 

nitesceiis  gliziiiuuta. 

15. 

impeditos  gimai'ta. 

area,  plaiiicies  ep. 

20. 

imparalis  ungaravun. 

56. 

sciiidit  fiieit,  reiz. 

22. 

dissei-et  rodiiiot.  [62'] 

57. 

duceutae  zueihunt. 

44. 

maucipaiidain  zipiheftonna. 

59. 

pupugerat    rizzota , 

riahc, 

49. 

aram  die  epiiii. 

rizta. 

52. 

acris  [excelientiae]  vuifero. 

1385 

61. 

ille  leuis  vuaiita  der 

liizi- 

56. 

conspirat  geinidota.  [62''] 

loftih. 

64. 

obstinate   eiuftritigo ,   ein- 

62. 

seuire  farphiluu. 

chrigilichü. 

spiculis  vuafrin. 

65. 

oppetant  daz  figentotin. 

63. 

piilsat  traf. 

67. 

fax  [omiiium]  anazari. 

64. 

applicat  zuogit&a. 

73. 

bisulcis  ungulis  zuiuuaffen 

1390 

67. 

conatus  teuer  flizzigi 

iu  iu- 

chrophun. 

gvut.  [601 

77. 

infame  honlib. 

68. 

fatiscit  muodeta. 

intestabilis  ieidfamer. 

77. 

pingere  malon. 

78. 

Ventilator  girrari. 

puncta  ftopfphvn. 

81. 

populäre    [quiddam]     li\l- 

übet  muoza  ift. 

lihef. 

1395 

78. 

impedire  zifamanaheftan. 

84. 

gigantes  rifen.  [63'] 

79. 

emendas  kibuozift. 

88. 

profanos  uertanen. 

84. 

soluebat  irlofta. 

94. 

luas  firgelteft. 

87. 

retinacula  piheftida. 

95. 

feras  diiltef. 

91. 

loraniinibiis  lohhvn. 

[60"1 

96. 

libero  mit  fiheremo. 

1400 

96. 

aestuas  foragef. 

97. 

amplector  ih  peuao. 

101. 

percenseo  zalta.  [61'] 

98. 

immoler  gioftirot  vuirdo. 

1410 


1415 


1420 


1425 


1430 


1405 


P.  ROMANI. 

1.  assertor  redinari. 

2.  elinguis  [oris]  fprahhalofef. 
Organum  [oris]  gibelnuffida. 

3.  infantissimo    ungifprahlih- 

Inftemo. 
6.  palati  huriuun.  [61''] 


108 
109 


111, 
114 
115 


incensus  unzunter.  [63''] 
cuiscerandum   zi  uorfcuri- 

fanne,  zi  brehanne. 
equuleo  galgin. 
apparitores  inchnehta. 
noxialem  martarlilien. 
l)lebeia  poena   daz  folcliha 

uuizzi. 


1435 


1381    drei   hiichslabcn    liabcn    hinter   ep    noch  gestanden.      I.    epaiii 
1419    /.    chrapliuii  1429   so    liest  Graff.     in  der  hs.  sind  aber  noch 

mehrere  unleserliche  buchstahen  dahinter        1430  i  aus  e  korrigiert,    es 
sollte  also  der  konj'uncliv  ursprünglich  geschrieben  werden 


60 


GLOSSEN  ZU  PRüDEMIUS 


116 

tiindalur  kennen  iiiierda. 

165. 

verbere  uillan. 

117. 

plumbo  mit  plian. 

ludicro  fpililihhemo. 

extuberet   fiielle.  ()   tuber 

166. 

niiseret  irparmit. 

.i.  mafer  l  fiiä. 

172. 

vultuosus  grozlut. 

1440  121 

grandine  hagala. 

rigeus  parrent. 

124. 

prest&  gitiie. 

179. 

abnepotes  ferneuuon.  [65^] 

curie  phalanza. 

182. 

amasionuni  IViudilo. 

127. 

(stemmatis)  chunnizale. 

183. 

incesta  höra,  huor. 

132. 

ut  io.  [64^] 

moechorum  huoraro. 

1445  134. 

iniista     [uulnera]      anagi- 

187. 

vervece  uuida. 

pranta. 

188. 

palestrici  fpililibif. 

136. 

peruersibilis   pefturzlihcer. 

190. 

effeminauit    kehonta ,    pi- 

137. 

remissus  antlaziger. 

huorta,  pilacb. 

139. 

ampliatiis  geuuodereter. 

gjiiinadis  fpilef. 

siiccessibns  framdihtin. 

191. 

impuratus    kihonter,   piu- 

1450  140. 

flocci  fecero  pilmaho. 

reinter. 

141. 

dignitatiim  erono. 

192. 

disco  p.hueigo. 

142. 

ciirsim  gizalo. 

cucubam  cuprefpoum. 

143. 

(praefextt^)  portim. 

193. 

Conductus  gimiet. 

145. 

quibus    tumetis    von    den 

195. 

bubulcus  fueigari. 

irfuellat. 

201. 

aniplector  pifaho.  [65'] 

1455 

detiunescitis  infvellat. 

211. 

dissidentum     miffabel.     l 

146. 

uern(^  inchnebta. 

lern. 

148. 

arrogantiam  crone. 

221. 

[inter]  pulpita  reftin. 

152. 

[infra]  sectilem   [quercum] 

222. 

tauricornem       farhurnun. 

gifneitotero. 

[661 

siti  iierlegena. 

235. 

leno  zibuore. 

1460  155. 

togatos  fprab. 

exoletum  giuuafbfinen. 

156. 

lapis  nigellus  agatftein. 

239. 

fusos  fpinilun. 

(essedä)  fäbocha.  [64"] 

rotantem  draenter. 

157. 

clausus  gichaftot. 

244. 

more  ziuuif. 

160. 

riuuluni  runfa. 

245. 

algis  reiethcrafun. 

1465 


1470 


H75 


1480 


1485 


1490 


1448  Grayf  3,  G35.  doch  vgl.  P  l\S  1460  /«;•  fprahman  1472 
von  verschiedenen  händen  1474  7iicht  zu  ende  geschrieben,  l.  uuidare 
1477  gl.  ludi         1478  /.  piQrcinter  1479  /.  pahiieigo         1484  das  i 

bedeutet  Ion.  das  dann  folgende  lern  gehörte  villeicht  zu  Lemnius  (vgl. 
?>.  213),  indem  über  (lissidentiini  niiminura  geschrieben  ivurde  oder  werden 
sollte  lemnii  et  marlis 


V.  AUS  MÜNCHEN 


61 


245. 

(gragen.)  [66"j 

315 

256. 

simiam  athin. 

324 

1495  258. 

(crocodrillus)    iiihluif,    ni- 

331 

chiif. 

334 

ibis  fcariua  1  fteingeiz. 

345 

260. 

cepe  furio,  afcloiih. 

348 

mordax  hantaga. 

349 

allium  clüoiialovhc. 

356. 

1500  261. 

fuliginosi  ruozaga. 

359 

lares  luifgota. 

373 

264. 

sai'culatis  kigrapotan. 

374 

267. 

officinis  fmiddon,  fmittin. 

269. 

forceps  zanga. 

381 

1505 

malleus  liamar  1  flaga. 

383 

272. 

rigentem  ftapantan. 

396 

274. 

limat  riihttit. 

399 

coryml)OS  drupun. 

400 

liberi  hachcufef.  [67°] 

402 

1510  280. 

thyrso  rtanga'"''maldn  ruo- 
pitqrfin. 

419. 

281. 

molle  f.  affo. 

424 

succinctam  nidargazogana. 

433 

284. 

liquore  fmelzi. 

crispo  mit  giridinemo. 

441 

1515  285. 

clauä  mit  cholpin. 

452 

290. 

seuerä  [fronte]  fchiemo. 

295. 

conflatilis  kigozzaner. 

460 

299. 

trulla  chella. 

peluis  label. 

407 

1520 

sartagines  phannun.  [67"*] 

303. 

circulator  rizzari,  malari. 

472 

307. 

perpensa  uparuueganiu. 

477 

superfluit  uparuuirdit. 

pollet  dihit.  [6S°] 

prorupta  Itechaliu.  1525 

frutecta  fpreidalii. 

quod  [nectar]  vuelih. 

incapacem  Tiunuuflic.  [68''] 

veniistam  hafna. 

pudorem  reini.  1530 

parcitatem  mazigi.  [69'] 

spissus  dicher. 

[geniis]  deditum  [cadaueri] 

frahhun. 
(deasciato)  ascia  dehfala. 
offellis  ballun,  pratuu.        1535 
pro!  hui,  ah.  [69"^] 
perorat  redinil. 
foedans  [ore]  pifceltaiiter, 
inuenta  pifuntinuffidi. 
procinctiis      vuicgaravui.    1540 

[70°] 
solve  firgilt. 
suculentis  rinnenten. 
imperator  cheifar,  herifari. 

170"] 
mucrone  iiiiaff. 

hiiilco  zuiviiaflemo.  1545 

laucinamur  giiuiizinun. 
dolet  gilcartit  luierd,  fuirit. 
catastä    roftun ,    fcreiatun. 
_    [711 
iuge  iomer. 
oHm  noln-ueiini.  1550 


1403  Gr.  4,310  vermutet  grafeu.  icli  glaube,  es  ist  graben  zu  lesen 
t/nd  die  gl.  gehört  zu  dem  unmittelbar  darüber  steheude7i  lacu  1510 
sollte  mit  niatdü  ctjva  niittilun  gemeint  sei?i,  da  in  liss.  eine  gl.  zu  lyrso 
lautet  tyrsus  est  mediiis  frulex?  1511  /.  flaflu  1516  es  ivird  flelilemo 
zu  lesen  sein  1528  /.  uiiiuuiftic  1544  /.  nualli  1547  gifcartil 

uuerd  (rfA.  uueiden)  gehört  zu  laucinamur;  die  über  das  letztere  geschrie- 
bene gl.  wird  dem  entsprechend  giuuiziiiut  zu  lesen  sein 


62 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


481. 

485. 

488. 

489. 

1560  490. 

492. 

495. 

1565  498. 
499. 
500. 


501. 

1570  508. 

511. 

512. 


514. 
1575 
518. 
524. 
526. 
536. 


1580  550. 
551. 
552. 
553. 


557. 


1585 


fidiciile  feiton.  559. 

pleurisis  fitafuht.  566. 
summa  fornahtigi. 

papnlas  eiza,  ancgiieiza.  567. 

stridulis  füfenten.  581. 

caiiteribiis  polzun.  582. 

reiielluntur  zilohhan  viier-  588. 

dint.  [71^'] 

Podagra  fuozfiiht.  596. 

arthesis  chelafuht.  614. 

läna    accensa    fnitkmfzrgf.  615. 

viscus  innadri.  618. 
scalpella      mezeref,     fnita 

mezrehf.  623. 

abraditur  gifcapan  viiirt.  625. 

ferriim  ramphun,  lii^ovuilla.  627. 

dolet  fiiirit.  633. 
regestiim  giporginaz. 

illusa  [vestis]  giprortotaz.  656. 

bombix     böbari,      poum-  664. 

imolla.  667. 

luxiis  giliift.  677. 

aruinam  fpint.  [72^]  690. 
situ  unvuathlihi. 

uernularum  incnehto.  692. 

iactura  pivuirfida.  705. 
plicabitur    zuotan    vuirdit. 

[72'']  709. 

fidiculas  feitin.  733. 

verbositatis  gizungili.  744. 

scaturrientes  vuamecenten.  747. 
follibus   palgun,   vuangon, 

igiplaftin.  757. 

charaxat  reiz,  crazzot.  758. 

scribenlil)us  rizintun.  759. 


carptim  einazin.  [73'] 

rimas  fcruntun. 

edita  uzqueminiu. 

rictibus  ginungun. 

rigorem  giftapidi.  1590 

obcalhiit  erfvilleta. 

incapacem    uufirnunftigin. 

[73"] 
protulit  pralita.  [74"] 
fastis  iarzalun. 

augure  heilifare.  1595 

gnosiam  gr&igifca. 
(capellam)  egidam  geiziuel. 
expedita  irractiu. 
consono  ore  gihellanlihi. 
stilo  fcriphti.  1600 

conspicabili  ovchfvinigemo. 

[74-^] 
circiter  famahaphto.  [75^] 
roga  frage, 
indolem  anavuani. 
decebat  gizam.  [75'']  1605 

orba  piftiuphtiu. 
corrupit  iruuar. 
quantulus  [dolor]  luzilaz. 
roscidis     liuoribus     nazen 

vuntun.  [76"] 
scribas  puobmeiftra.  [76'']  1610 
affatim  follichlicbo,gimiocb. 
exepit  vznä. 
garrulorum  chronlih,  chri- 

gilon.  [77"] 
mouebatur   gigruozit  uuat. 
stridula  fufentiu.  1615 

frixum  girovpten. 


1565  villcic/it  kein  Schreibfehler,  sondern  g  steht  nach  anderer  Ge- 
heimschrift für  e  1569  Gra/f  las  noch  (hiamphuii  und  tiirovuilla 
1582  .9.  Gr.  1,852  1583  i.  giplaftin?  1613  Gr.  4,584  liest  chragilon 
1614  /.  uuart 


V.  AUS  MÜNCHEN 


63 


761.  reimlserat  fcinta. 

762.  testa  gepol. 

763.  dehonestaret  gihonti.  [77''] 
1620  784.  cropiiiulia  lochunga. 

789.  impeiulere  irpotan  vuird. 

797.  tlenuo  itnivuef. 

798.  reciiidescentibusraphentin. 
800.  ignavos  zipiin.  [78'] 

1625  809.  fatiscitis  irviierdet. 

814.  conburere  ürprenit  vuirt. 

818.  appello  gidingo.  [78''] 

831.  poposcit  eifcota. 

841.  retexens  redinintiv. 
1630  844.  palpitantis  Jpratalon. 

848.  sarmenta  fpaicli. 

849.  liqiiato  rore  zirantero  nazi. 
852.  actus  giflozaner.  [79'] 
863.  torres  prenti. 

1635  884.  maniplis  vuicchiliniin. 
stuppeis  ziinterinun. 

868.  quousque     tandem     niie 

laiichfamo. 

869.  thesaloriim  garminaro. 
874.  reglutinahitur  chlepit.  [79"] 

1G40  887.  confinia  gimarhidi, 

889.  reiuilsis  appaiiirprohhenen. 

890.  sarcieiis  beillent. 
conipaginat  givuogi. 

893.  procaci  frapaldero. 
1645  894.  prolanauit  firviiiez. 

899.  tractat  hantalot. 

900.  explorat  irgreiffota.  [80'] 

902.  scalpelluni  niezref. 

903.  üla  adra. 

1650  906.  rictii  ginunga. 


906.  (rictii)   a  ringo  a  zannen 

iit  canis  &  crino. 
909.  fert  fiiorta. 
913.  oblatraret  ingaganpiilli. 
916.  deniio  itniiiuef. 
918.  exta  inobli.  1655 

abdomina  ampana. 
924.  edissere  redino.  [80''] 
932.  testudine  fiiipogun. 
934.  pectine  ziterphinne,  chä- 

pe. 
940.  parce  mezigo.  1660 

948.  coit  igiran.  [81'] 
972.  ictibiis  viiaffin.  [8P] 

980.  echo  galim. 

981.  refiitat  rennit. 

988.  plectro  hiirivun.  1665 

991.  pericliim  vrfiioh. 

ciiius  vuelib. 
993.  porca  fmi. 

grunnitiim   kherrin ,    ro- 

hunga. 
strepat  chirrit.  1670 

995.  stridiilum  [uilj  cherrentif. 
[82"] 

1000.  disertus  gifpraher. 

1001.  piirgat  ficbirota. 

1007.  biibnlus  [sanguis]  rindri- 
naz. 

1014.  repexns  giftralt.  1675 

1015.  sericam  gota. 
fultus  gigurt. 

1016.  superne  opana. 

1017.  rari  pegmatis  unmanegero 

decbi. 


1630  das  wort  ist  wol  nicht  atisgeschriebcn ,  vgl.  Ipratalontef  in  der 
Wiener  hs.        1661  dh.  i.  giran        1676  dh.  golanneppina 


64 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


1680  1017.  compagibus  zifamana  vuo- 
gida. 

(fcitirero.) 

1018.  terebraut  poruiit. 
areain  dillun. 

1019.  perforant  holant.  [82*^] 
1685  1022.  armos  puogi. 

floreis  pluomlihen. 

1025.  setas  har. 

brattealis  plechilinin,pleh- 
liher. 

1026.  hie  dar. 

1690  1027.  uenabulo   fpiozza,  vuedi- 
fpioze. 

1030.  aestuat  rivcbat. 

1038.  perluit  durahuezit. 

1041.  egesto  vzkruunemo.  [83^] 

1047.  piaculi  puozzi. 
1695  1050.  lauerint  naztin. 

1056.  macelhunfleifcbmarcliath. 
(puluinarium)  opphertifca, 

gota  p&ta. 

1057.  lancinatores  flalitari. 

1058.  euisceratA  [carne]  gfcurph- 

tema ,      fonnagifcriph- 
temo. 
1700  1061.  exerit  givopit. 

1063.  rotari  tümun,  uuiutan. 
1066.  dedicat  pimeinit. 

genitalia  gimahti.  [83''] 
1076.  fragitidas    preccun,    ana- 
mali,  zeichan. 
1705  1077.  minutas  cleina. 


1078.  igniverint      gluant,      gi- 

heizent. 
1080.  stigmarit  rizzit. 

(stigmarit)   notarit   gana- 

malit. 

1082.  pomi)a  tiurida. 

1083.  bracteae  pleh.  [84']  1710 
1098.  (modo)  ninnidduut. 

1103.  straugulatrix   irimrigariu. 

1104.  garruli  chroulihef. 

1 105.  tubam  drozun. 

1108.  elidit  iruvrcta.  1715 

1113.  (tragoediae)  fcophfangef. 

1114.  fasces  iarpuohc.  [84''J 
1117.  uligo  uvhti,  ruoz. 

fuscat  pifuarzit. 
situ  unuvatlihi.  1720 

1120.  obsolescit,     irfchimpalat, 

iruuirdit, 
1122.  pertulit  dulta. 
1127.  ut     quanique     vuieinaie- 

uvelihha. 
1129.  qu^,  fuelib. 
1133.  olim  vuenna.  [85']  1725 

H.  VIII.  KAL.  JAN. 

11.  denuo  itniuvef. 

12.  lineas  zila. 

26.  digesto  irractemo. 

29.  rotata  givuarpto. 
aunalium  iarzalano.  1730 

30.  transuoluerentur    irgien- 

gin. 


1681  das  von  Graff  6,  537  zweifelnd  ah  fcitirero  oder  fciurero  com- 
paginatio  an'^cführle  wort  wird  zu  rari  v.  1017  als  zweite  gl.  gehöreti. 
vgl.  Graff'  6, 540  s.  v.  Cketer.  conipaginatio  ist  gl.  zu  pegmatis  1688 
es  ist  möglich  dafs  plechiliniii  nicht  adj.,  sonderti  dat.  pl.  ist,  iyidem 
brattealis  als  bratteolis  aufgefafst  tvurde        1690  hs.  uenabulum 


V.  AUS  MÜNCHEN 


65 


35.  algida  [saxa]  clialta. 

39.  mancipatam  [uitain]   pihaf- 

ten,  gifchali.  [85"] 
55.  [per]  fastidia  peitun. 
1735   62.  prodidit  offanota. 

67.  arenas  syrtium  grioza. 

80.  credita  giloup. 

83.  excors  unfrovtiu.  [86"] 
112.  tartarum  helliuiiir.  [86''] 
H.  EPIPHANIAE. 
1740    55.  qua  dara.  [87"] 

81.  altrice  zuhtari. 

101.  mas  [infans]  deganchind. 
105.  suspecta    zuruvariv,     ant- 

fazzic. 
108.  indolis  anuvaiii.  [87''] 
1745124.  singultat  raCkezta. 
139.  uurus  fnuron.  [88''] 

174.  dispendia  ung'uuori. 

175.  tribulibus  gipur. 
178.  aliieo  tivffi. 

1750  199.  rasiim  gifcapanuu.  [89''] 

EPILOGUS. 
26.  obsoletum  iruvortanaz.  [90"] 
CAIN  ET  ABEL. 
6.  aestimat  chof.  [93'] 
PISCINA  SILOA. 
129.  horis  fluntun.  [94"] 

DOMUS  CAIPHAE. 
159.  hie  luflih.  [95"] 

APOTHEOSEOS  PRAEF.  I. 
1755      1.  specimen  funtrigi.  [95''] 


APOTHEOSEOS  PRAEF.  II. 
9.  diuortia  chcra. 
10.  orbitis  uuaganleiron. 
18.  pruriat  fcape. 

24.  sillogismos    plectiles  uuah 

Iprebigun  gikerida. 

25.  captiosis  bifuihliehaen.        1760 
strophis  eher,  tumiin. 

26.  versipelli      astutie      uii'lli 

rbiero  eleini.  [96"] 
49.  culmiim  lialm. 
52.  coquat  girife. 
54.  recrementum  vnchrut,  an-  1765 

vahft.  [96''] 


11. 

20. 

69. 

99. 
126. 
143. 
145. 
149. 
160. 
162. 
167. 
175. 
179. 
182. 
193. 
198. 
200. 
201. 


APOTHEOSIS. 

acies  vuaffiv.  [97"] 
glaiico  plauvemo.  [98"] 
quandoquidem  vuanla.  [98''] 
haiirit  trancli.  [99"] 
loquor  heizo  ili.  [99''] 
[non]  iussa  [aura]  firpotanaz. 
[per]  tiaras  huotiin,  gapha. 
superstitio  gimcilheit. 
mutaret  mvozoli. 
obsidc  kifale.  (100"] 
intercute  inuartigemo. 
compeiidia  churzi. 
insane  urfinno. 
fraudas  piteilif.  [100''] 
instrueta  [ratio]  giviiar. 
acerram  morihi,  cherolun. 
doliramenta  topazunga. 
quos  vuelihiia. 


1770 


1775 


1780 


1733  //»■  giCcIialliteii  oder  ü/mtiches  1762  zioisclien  i  und  r  ist 

ei?ie  rasvr.      l.    uuilliuu;ulneio.     ei   in   cleiiii   ist   durch    teibmg   ei?ies    o 
gejnaclU  worden         1765 /.  auvahlt         1766  vuaffiv  {Gr.  ^,\2\1  vermutet 
vuafriii)  gekört  villeic/il  nicht  zu  acies  so?idern  ztim  nächsten  wortc    vio- 
lenta  (tuendo)         1780  nicht  ausgeschricbejies  givuarnotiu 
Z.  f.  D.  A.  neue  folge  IV.  5 


66 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


202.  torta  vertigine  gmintinemo 
ferli. 
1785  210.  spera  l'cipa.  [iOr] 

212.  non  recipit  nigidenchit. 

216.  semifer  halptioro. 

223.  abiurare  feii'agen.  [10 1*"] 

249.  (ridiculum)  hüi.  [102^] 
1790  265.  cui  vuemo. 

272.  decisus  pifcrotaner,  [10.3'] 

315.  genealogus  chunnizalari. 

325.  coctile  gigozana.  [103'] 

341.  cortice  rinto. 
1795  libri  faphef. 

343.  surculiis  fnitilinch. 

353.  lasciuire  fpilon. 

similaginis  fimile.  [104''] 

380.  ausoniae  lanch. 
1800  388.  testudo  haraüa. 

392.  fidibus  feitun. 

400.  inerginia  topazunga,  vrfin- 
nigi.  [105^] 

407.  spiras  ringa. 

416.  griinnitibus  cherun. 
1805  424.  biberi  [solis]  fpanifce.[106'] 

458.  gypso  hovare. 

459.  siifire  rovhan. 
463.  vmbrabat  pivienc. 

472.  cymbia  napha,  fcala.  [106^'] 
1810  477.  thessala  [camiina]  zovpar. 

479.  frigentibus  fufenten. 

480.  pigrescat  dreba. 

481.  pateram  fcala. 
490.  exerto  irzoganemo. 


495.  flauicomaiitum    falaloh.      1815 

[1071 
509.  quo  demo. 
511.  cuius  vuef. 

proterat  tirtritit. 

515.  cementum  phlafter. 

516.  politum  gitilotaz.  1820 

519.  fabriliter  fmidilibo. 

520.  dolata  gibaliietiv,  gifnitiniv. 

[107''] 
528.  esto  daz  finvfo. 

533.  seruor  pibaltan  pin. 

534.  suspendunt  intbapent.         1S25 
546.  dilapsa  piflifTaniv. 

551.  sortita  louzentiv.  [108'] 

594.  fastos  iartärin. 

609.  lancibus   pacbvueg.   [108^'] 

617.  diriguit  arftapata.  1830 

619.  manco  [ordine]  lamero. 

621.  villis  zotan. 

630.  orbe  ringe. 

635.  specimen  funtrigi.  [109''] 

663.  ridenti  lacban.  [110']  1835 

685.  roranti     pumice     nazemo 

tupbfteine. 

686.  scatebras  vuimezunga. 
705.  summatim  enezin.  [110''] 
710.  conciliabula  dinchfteta. 

712.  feruent  cradamtuni.  1840 

717.  ambesis  halpezonen. 

cumulatim  huflibo. 

aggesta  gifamanota. 

redundant  knuhten. 


1786  hei  v.  212  steht  am  runde  tagef  das  ich  nicht  unlerzubringeii 
weifs.  villeicht  ist  das  wort  verstümmelt  oder  gar  nicht  deutsch 
1799  abgekürzt  ßi'  lanchpartifcun  1805  fpanifcero?  1828  die 

letzten  buchsfaben  des  Wortes  sind  uns^her.  wol  iäitati.  dahinter  steht 
zu  V.  597  notis  jsrerif.  ich  glaube  gerif  ist  lateinisch  und  =  gifis  1835 
abgekürzt  für  lacliantemo 


V.  AUS  MÜNCHEN 


67 


1845 

718, 

720. 

725. 

734. 

1850 

74J, 

744. 

747. 

753. 

1855 

766. 

769. 

812. 

817. 

822. 

1860 

844. 

848. 

860. 

861. 

906. 

1865 

907. 

935. 

977. 

983. 

18701036. 

,  niollibiis  mitter  mchala. 
gemit  chiurit, 
siib  fasce  iintar  der  purda. 
rudere  arize,  molto. 
primum  ift.  [111"] 
retexo  cello. 
penetrauit  verit. 
caribdis  nemo, 
obice  grintile. 
substricta    unfzimptiv. 

[111^] 
infecto  iriiiiartemo. 
cui  viiemo.  [1 12'] 
linea  zila. 

tabentibiis  molaviienten. 
(oblita)  sordidata  pichlenta. 

[113^] 
parcus  meziger, 
siiblidit  firchnufit.   [113'] 
vola  füft. 
patulam  [palmam]  gifprei- 

tan.  [114"] 
illecebris  luft. 
nimiiim  ziiiilo. 
vohitabris  folagiin.  [115^] 
expositam  furgifazta.[l  1 6^] 
mendum  vrdancha. 
notat  celit.  [117'] 
quorsum  vvbrftfp.  [118''] 

HAMARTIGENIAE  PRAEF. 

14.  parricidalem  pruodar. 
16.  sarculo  iatifarne. 
23.  quod  pidiv.  [119"] 
59.  lympbaüco  vuotigemo. 

ii2n 


HAMARTIGENIA. 


[122"] 


1875 


[122"] 


1880 


1885 


1890 


56.  damnat  fciltit 
120.  alii  andremo. 
125.  attoniti  irfcaltel'. 

frenesis  topaziinga 
138.  pedicas  Yualza. 
140.  inretire  inpeheftaü. 

plagis  mafcon.  [123^] 
160.  creaiiit  ardahta. 
168.  (ferox)  haiitagef. 
170.  ostentat  ruomta. 

licito  vrlovpe.  [123"] 
188.  zeli  zornef.  [124"] 

201.  micat  lechezta. 

202.  trisiilco  trifurihemo, 
207.  siipellex  giziugi.     [124" 
226.  ambiat  piuabe. 

232.  frutectis  fpreidahin, 

233.  cicutas   fco!    pint    fcarnin 

herba  fcerelinc. 
238.  legiriipis  eciflizen. 
242.  repagula  floz.  [125^] 
247.  rotantur  giviiarpit  vuerdint.  1895 
257.  parto  givunnancmo. 

259.  scatebras  viiimi. 

260.  eliquat  farfmalzit. 

262.  scalpens  crapeiü.  [125"] 
271.  concbarmii  peralono. 

calculus  meregrioz. 
273.  tedct  pidrioz. 
285.  viros  gommana. 
289.  (sciitulis)   scutulalis   uesti 
bus   fcopobteu  givvaten 

291.  stamine  viiarfa. 

292.  lanngo  uvolla.  [126'] 


1900 


1905 


1845  niüUibiis  für  molibus  1848  molto  auf  rasur  1849  dk 

eriCl         1871  /.  pruodarCleccun  ähnlich  P        1883  lianlagcr?         1904  /. 
(cipohten 


68 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


294.  veuantem  [tunicas]  ziohan-  461. 

tcn,  plagenten. 

295.  plumea  giarahotiu.  477. 

296.  peregriuo  puluere  pifamun.  478. 
1910  297.  aiiras  ftanche.  485. 

303.  lotibus  tolungiin.  521. 

308.  pupiila  felia,  apfol.  525. 

310.  theatrali  fpililihemo.  538. 
uertigiiie  liimodi. 

1915  316.  lirice  fpilililiero.  540. 

317.  neruorum  feitouo.  [126"^]  610. 

322.  ganeonis  filafrezin.  615. 

iuescent  inpefcen.  649. 

327.  sensu  pifuntnulTidi.  652. 
1920  329.  fulchro  fedarpetc. 

334.  necaddicitnpimeiiiat.[127"]  680. 

361.  drei  ringef.  [127"]  696. 

372.  consessus  gifidili.  707. 

(renale)  vuedanlihi.  759. 

1925  382.  stertere  ruzan.  760. 

386.  commendat  giluipat.  [128']  762. 

395.  superstitio  zuruuari. 

400.  personal  chronit.  796- 

402.  clauam  cholpun.  797. 
1930  403.  gymnosophystas  fpilivuifun, 

iiuerolt  uvif.  807. 

408.  triumpliat  gidoupot.  810. 

410.  casside  helme.  [128"]  813. 

414.  volitantia  rennenliu.  814. 

421.  insultat  Ipiloit.  822. 

1935  434.  manicis  liantdruhun.  [129']  844. 

441.  exanimare  [reos]  irteilan.  848. 
i'asces  l)cfemon.  851. 

442.  frangere  [fasces]  irfceiuan.  852. 
444.  limat  snit.  853. 


anathemata     furvuazana.      1940 

[129"] 
botrionis  drupin. 
vcrsare  [solum]  arton. 
nimbos  tunfti.  [130"] 
conliictamur  ingaganin. 
affectus  lultunga.  [131']      1945 
medicato    [vulnere]    giliip- 

pero. 
iacit  gifcoz.  [132"] 
haustu  filmte, 
pensare  fergeltan.  [133'] 
grassarier  viiotiu.  1950 

concipiat  [sonos]  ferneme. 

[134'] 
preficeret  furigiftati. 
emicet  dauafcriche.  [134"] 
licentia  muoza.  [135"] 
perustuni  pizufcten.  1955 

tabularia  prieiiida. 
popinas  tranhc   liuf,   chu- 

hina.  [136'] 
ditilius  rihhiin. 
stjnalentibus     ftiuchenten. 

[136"] 
illeuit  piftreih.  1960 

retinacula  fnarachun. 
spatiantur  l'perzipeinant. 
suspectam  zuruuare. 
iiiscosiis  cldeip.  [137'] 
properanda  horfco.   [137"]  1965 
compes  fuozdruh. 
exosa  lodezentiu. 
postliminio  ellentuomo. 
oblectat  lochot. 


1921  di-r  ernte  buchstabc  ist  forlgesclniitlcii.     l.  nipimeiiial  1939 

wahrsc/ieinlich  nicht  ausgeschriebenes  giiilifot  wie  P  1964  clileip  ist 

subsl. ,    entweder  zu    viscosus  paslus  oder  zu  einem  aus   viscosus  zu  ent- 
nehmenden viscus  gehöriir        1965  gl.  cita 


V.  AUS  MÜNCHEN 


69 


1970  854.  deliciis  zarton. 

857.  libat  chorot.  [138"] 

868.  lucida  telia. 

882.  transadigit  ratifcot.   [139^] 

917.  mugitiis  [tilbarum]  doza. 
1975  921.  iimolucris  piuimtiiurfuu. 

926.  chao  [dirimeute]  gimifcido. 
[139"] 

929.  proditur  gioll'aii. 

935.  iienialjüe  antlazlih.  [140'] 

957.  castrata  pilieriontiv. 
1980  recisiim    [animuin]     pilhi- 

tanaz, 

964.  tepescat  flevve.  [UV] 

PSYCHOMAGHIAE  PRAEF. 
5.  senile  altlihaz. 
12.  uirtute  tugindi.  [141''] 
31.  greges  equarum  ftuot. 
1985    33.  (l)acis)  baga  halfduinc,  bac(? 
gemme    .  i .     halfpouga. 
[142^' 
46.  magalia  loupa,  hutta,  [142''] 

PSYCHOMACHIA. 
5.  milite  chempbin. 
9.  libertate  ftate. 
11.  meliore     manu     kifuntcro 
henti.  [143"] 
1990    31.  labelactat  piualta.  [143"] 
45.  subliindere    fumo    pideni- 

plieu.  [144"] 
95.  uortex  vuerauo.  [145'] 
116.  conto  ftango.  [145''] 
122.  crispata  fuacliazcnti. 
1995  127.  neruos  cnopf. 


137.  capuluni  helza. 
139.  cerebiuni  hirni. 
141.  tinnitum  galm.  [146'] 
ISl.missile     gilcefti,     fpirilin. 
[146"] 

180.  arnios  puoc.  2000 

181.  iubis  zatun. 

184.  ciiTos  cranza.  [147'] 
191.  madidis  nazzen. 

lupatis  gipizz, 
195.  faleratum  fatalgereiti.  [148']  2005 
234.  desidiam  zagahcit.  [148"] 
255.  umbonis  rantboug.  [149''] 
314.  amoenas  uvnnifama.  [150'] 
316.  marcida  vuaragiu. 
324.  lancea  tart.  2010 

328.  eblanditis  lochotun.  [150"] 
337.  inhiant  Itornetun. 

339.  electri  fmelzif. 

340.  deditionis  zurgüti. 

348.  cuspide  ftaculla.  [151']       2015 

358.  mitra  gapfa. 

367.  cantharus  channala. 

370.  toreuniata  travaz. 

371.  excidit  untluor. 

373.  clicuit  furiprahta.  2020 

374.  prima  forncnligiv. 

376.  vespertiniis  i'pater. 

377.  crapula  uberazi.  [151"] 
390.  incircumcisuni  [regem]  hei- 

dinilcun. 
396.  proditione  zurgüti.  2025 

398.  sceptri  garti.  [152'] 
406.  legionc  meniga. 
414.  uertigo  felga.  [152"] 


1077  d/i.  gioflänot  uuirdil  1988  oder  lateinisch?  in  der  i^losa  zu 
diesem  v.  kommt  state  vor  1999  G/v///' 0,461  gifcefti  2004  /lintcr 
z  )'asia:     Gr.  gipizzun         2005  ///.  zu  lalera 


70 


GLOSSEIN  ZU  PRUDENTIUS 


426.  frustis  fclierrun. 
2030  430.  lasciuas  huorino. 

431.  asperet  inplanta. 

435.  sistro  fuegalon. 

441.  uenustatis  erlihi.  [153^] 

448.  redimicula  neftilun. 
2035  451.  miles  heri. 

453.  coniuente  palantemo. 

466.  comitatus  gl  [153''] 

472.  exerei'e  arlofau. 

475.  biillis  pulchunim.  [155^] 
2040  540.  anathema     firmeinramida. 
[155"] 

570.  portenti  pitrogif.  [156'] 

594.  palpitat  zapalota.  [156"] 

600.  marsuppia   fecchili.    [157'] 

633.  exliljiilat  iingurta. 
2015  636.  corniciniim  heritrfipan. 
aera  horii.  [158"] 

704.  deprensa  ferrtantiniv.[159'] 

722.  clacis  xfltgaiigan.  [159"] 

726.  composito  giftatiten. 
2050  737.  carum  gkinfkn. 

738.  aggere  hohpuri. 

743.  languore  flali.  [160'] 

755.  rure  heime.  [160*^] 

777.  bile  galla. 
2055  o])liqu;i  fcflblierp.  [16  P] 

795.  feritate  lärphi.  [161"] 

820.  comminiis  ('l)ml)nlibftp. 

829.  argutam  ganziin. 


829.  ne  mutilet  nigirri.  [162'] 

837.  vestibulumuvrichelli.[162'']  2060 

872.  conco  fcalae. 

877.  retractat  trahtot.  [163'] 

883.  colio  rtiii.' 

890.  stercore  mifta. 

894.  couÜictibus  ftritun.  2065 

898.  ferre  lidiui.  [163''] 

908.  lux  guoattat. 

teiiebr^  vpiltat.  [164'] 
CONTRA  SYmiACHüM  I.  PRAEF. 

10.  praelia  liinfti. 

13.  ex[ponitj  uz.  2070 

16.  palmitum  zuogun. 

18.  congerit  zuotruoc.  [164''] 

31.  liuidä    plauuero,   gifuolle- 
nero. 

40.  sanies  eittai\ 

43.  rotat  hinafuanch.  [165']      2075 

49.  (turbine)  alitungo. 

54.  (inuolucris)  implicitis  nexi- 
bus  piuuntinuff  dun. 

65.  condiderat  giftatota.  [165''] 

68.  senio  niuodi. 

71.  concreta     zifamenagiuuah- 2080 

faue. 

72.  illuviem  upbruuafhfkni. 
74.  spcs  vuan.  [166'] 

88.  citus  [Impetus]  gahia. 
CONTRA  SYMMACHUM  1. 
1.  aeijram  aruuortana. 


2029  vgl.  Hier  ?n/id.  wb.  22,399  2036  =pilazzenteino?    pa  für 

pi  kommt  vor  (paclmzta  763);  die  ahd.  beispicle  von  läii  für  läzan  sind 
allerdini^s  selten,  bei  Graff  habe  ich  la ,  lat  und  lie  belegt  gefunden 
2037  dahinter  raszir  mehrerer  biichstaben  und  dann  schatten  eines  n. 
etzva  yiuertun  wie  P-  2039  zuerst  sta?id  plechun   das   atisradiert  ist 

2050  gehört  villeicht  zu  par  2063  dh.  ftiuri.  gl.  summitati  2075 
Graff'  zieht  die  gl.  z7i  inipotus  2077  zzvischefi  C  und  d  ist  ein  i  7iicht 
?iichr  sichtbar        2083  schwanken  zioischen  eahiu  und  gaha 


V.  AUS  MÜNCHEN 


71 


2085 


5. 
15. 
16. 
17. 

49. 


2090 


50. 

58. 
65. 
66. 
2095  68. 
70. 


71. 
73. 

2100   88. 
97. 

109. 

117. 

119. 
2105  12.3. 

130. 

1,32. 

137. 

147. 
2110156. 

160. 

175. 

182. 

183. 
2115  188. 

195. 


turbare  girran.  198. 

clausam  pirafla.  204. 

tabentis  i'uleutero.  211. 

pure  gunde.  [167^] 

incurMim  crumpiz.  216. 

putaiidis  zifnidana.  228. 

calybem  fichilan. 

adhinniiiit  vuegota.    [167'']      230. 

pessulus  plochili,  criutil.  234. 

cuueis  vuecgun. 

amicae  fridilo.  249. 

compressu    afficiens  pilic-     256. 

kint. 
catamitiim    kiflafun,     dio-     258. 

chuii.  259. 

pelice  chepilliiige.  260. 

fiiixit  ratifcota.  [1681  263. 

experientia  chleui.  269, 
incantare     pigerminon. 

[168"^]  276. 

intendens  auacherent.  289. 

efferbuit  vualzota.  322. 

celeps  vuituo.  [169^  324, 

lasciuit  fpilola.  331 
chelindris  hafala. 

satyrorum  fpilara.  335. 

scortum  bupr.  [169"^]  345. 

induperator  huorari.  349. 

quae  diu.  353. 
deprensa  aruaraniv.   [170"]      354, 

lusa  pitroganiu.  383 

capitolia  liobkizimpiri.  385, 
titulo  cro.  [170''J 

orgia  nabtranc.  386 

penatum  beimgoto.  387 


superstitio  hedinifcbi. 
lares  liufcota.  [17r] 
pcrsuasum   [babiiit]    gifpa- 

nun. 
capitolia  bobzimpri. 


2120 


It^deia      proles      zuitarna. 

[171"] 
verii  fpiz. 
picus  Iptlit. 
(picus)  pica  agalftra. 
consulta  fraga.  [172^  2125 

prouuba  likpbrkgkx. 
geniale  gibiUbaz, 
pactam  gimabaita. 
vitricus  ftivffaler. 
priuigni  ftuuffuii.  2130 

tedas  bileib. 
ciaras  mara. 

amoribus  giluftin.  [172''] 
lyeum  lid. 

ducta  gileittu.  [173"]  2135 

coiitractior  eiigiro. 
circinus  rizza. 
ad  sigiia   trionuni   za   den 

nord  zeichanun.  [174^ 
(deditus)  gigifler. 
commenti  ardencbenti.        2140 
sellam  curulem  dingftul. 
vaporat  rpxbbkt.  [174"] 
utciunque  &tauuie.    [175"] 
pasta  gifrovuitiv. 
ampbiteatralis    dero    fpili-  2145 

cliun. 
iuguUs  riablun. 
inferias  oppbar. 


2116  vofi  anderer  liand 
nothi        2130  Gr.  fluulTun 
dies  splendef? 


2121  die  gl.  gehört  zum  vorhergehenden 
2135  über  omicat  v.  317  sieht  fpcldet.   ist 


72 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


397. 

421. 
2150422. 

434. 

436. 

437. 

439. 
2155 

444. 

447. 

455. 

460. 
2160  461. 


472. 

485. 

2165  488. 

490. 

525. 
532. 
2170  536. 
545. 
569. 

575. 

578. 

2175  579. 

584. 

588. 


soluat  firgelte.  [176^] 
ob  iimpa. 
retimdit  gifaluvit. 
cariosorum   vurimpizigero. 
bractea  pedahin,  pleh. 
rarescit  dünnet,  t'oliet.  [1 76''} 
lima  fila. 
terens  filontiv. 
damnata  pimeintiu. 
genius  ftetigot. 
iura  giviialta. 

rüdes   iinchunftiga.   [177^] 
prociüctus  vuickariwi. 
pace  frid. 
quietas  [leges]  rau. 
intercepta   iinterviiangane- 

ro.  [177"J 
pila,  pilus  har. 
cristis  champun. 
concreto    mit  gavuaffemo, 

[178"] 
numidam  numediifcen. 
interno  innartigi. 
serpente  chrefintemo. 
lumina  hertuom.  [179''] 
[si  Status  urbis]  in  Ins  est 

famahafti  ift. 
aegre  chumo. 
quota  vuelih. 
despuit  pkfmkz. 
obses  gifai. 
volentem  vuilligi.  [180^] 


599.  curia  dinchuf. 

608.  subseilia  dincltuola. 

609.  infame  bonlih.  2180 
pulvinar   gotapelti.    [180''] 

610.  idolum  abgot  ftuol. 
612.  pedibus  vuendun. 

614.  probatum  daz  pivuarta,  un- 

gipotane. 

615.  ratioue  vuillun. 

630.  mimica  fcernlibiv.  [181']    2185 
638.  (eburnis)  eleplias  belfant. 
641.  scrobis  cruopa. 
653.  petita     est     anapichit    ift. 

[181"] 
655.  ventosas  [sagittas]  gizala. 
657.  ferat  pere.  [182'']  2190 

CONTRA  SYMMACHUiM  II.   PRAEF. 
31.  desiliat  uzftafti. 
36.  pessum     mergere     nahpi- 
foufan.  [182"] 

57.  exultat  cballoto. 
fremit  pralitoto. 

intonat  dozzoth.  2195 

58.  ventis  eloquii  giredin.  [183^] 

CONTRA  SYMMACHUM  II. 
2.  error  hebes  gipofi. 
multa  managiu. 
debebit  danccbön.  [183''] 
9.  calentes  gilerneten.  2200 

10.  classica  borntrumbun. 
ll.iactat  uvitvuerftbta. 


2157  gl.  dcus  loci  2162  das  wort  ist  villeic/it  nicht  zu  ende  ge- 
schrieben 2163  die  deutsclie  Übersetzung  gibt  einen  abl.  sg.  f.  loider; 
an  der  stelle  des  I'rud.  sieht  aber  ein  acc.  pl.  2166  /.  gavuaffenenio 

2175  zu  despuit  gehört  die  gl.  sicher  nickt,  villeicht  zu  saiiie  ivie  Graff 
will  oder  axicU,  unvollständig,  zu  infectam  2183  die  zweite  gl.  gehört 
zu  non  iussum  der  folgenden   zeile  2198  9  in  der  prosa  nach  v.  6 

2200  gehört  zu  dem  vorhergehenden  congesla  oder  edoctos 


V.  AUS  MÜNCHEN 


73 


23. 

(mardvr,  eichorn.) 

154 

(farre)  far  genus   frumeuti 

157, 

qiiod     proprie    triticum 

177, 

est  qiiod   galli    emerum 

180, 

(licunt. 

2205 

24. 

,  aspera  hantagiu. 

181 

25. 

(vis  animi)  paldi. 

ardor  girida.  [184'] 

196, 

29. 

explicet  fpreite. 

198, 

38. 

(tumidas)  crozza. 

2210 

vestita  untaruahentiu. 

217, 

41. 

lepida  liiiplihhiu. 

225, 

46. 

concipiiint     gidenchenth. 

226, 

[184^'] 

227, 

50. 

praestet  faraftet. 

231, 

52. 

poesis  fcopffanc. 

245. 

2215 

(poesis  castrauerit)  daz  me- 

262. 

ter  diochint. 

271. 

53. 

lucis  lohim. 

273. 

54. 

miisa  daz  fanhc. 

276. 

66. 

aede  gizimpre. 

277. 

68. 

concentibus  liUin. 

284. 

2220 

69. 

allegat  redinota.  [ISS''] 

286. 

72. 

contingunt  vuerdenta. 

287, 

75. 

latebras  livfi. 

300. 

78. 

cessisselingan()  vuolagigan. 

307. 

84. 

reprehenderit  gilal'trot. 

309. 

2225 

91. 

magnificis  ftiiirren.   [185''] 

310. 

93. 

vestibuluin  pforzih. 

318. 

99. 

acicm  fehiin. 

331. 

103. 

(hebetem)  hebes  Ileviier. 

352. 

107. 

inane  [resolutus]  in  italaz. 

[1861 ' 

378. 

2230  120. 

conicit  ratifkota.  [186''] 

410. 

148. 

captina  iinginialtigiv. 

419. 

^18" 


2240 


.  ostent&  ruomme. 

,  addical  untartua. 

,  aniis  Itiiif. 

.  corrvimpitiir  gimietit  vuir-  2235 

dit. 
.  percellit    triphit,     haram- 

fcarot. 
.  riuirescere  gruonam.. 
.  vixere  impbfun. 

mortiia  fuliv.  [188'] 
.  (faiTajlarragineazza.  [188''] 
,  lasciuis  biiorilinen. 
.  pretexitis  firterchinet. 
.  mole  [laboris]  unfemfti. 
.  luinisteriis  dionurtun. 

cementa  phalfter.  [189' 

celso  iVapari.  [189''] 

accipias  üriiemift. 

dici  giheizan. 

iides  triviia. 

nascentis  vuerdantero. 
rglandibus  druof.  [190'] 

strictura  herda,  effa. 
,  restillet  tropheze. 

fulchra  ftuola. 

uariare  niuzon.  [190''] 

Senator  herro. 

scita  gifezzida. 

repit  afolb.  [191'] 

decocto  [robore]  irvuenero- 


2245 


2250 


2255 


hoc  fumvuelili. 
bimaris  zvimerilib.  [192'] 
species  funtringi.  [192''] 
captiua  unguvaltigiu.  [193' 
clauuni  l'tivra. 


2260 


2203  vermöge  welclier  gcdankeyiverbindung   diese   beiden  worle  am 
rande  beigefügt  sind  weifs  ich  nicht  2221  vuerdant?  2234  dh. 

rtiufmuoter  vgl.  gl.  uetula  mater         2246  /.  i'iTipari  2258  lir.   1,470 

2250  von  Gr.  1,  944  in  irviiorencro  gebefserl 


74 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIÜS 


2265  423. 

fastigia  hohi. 

604. 

liyster  tvonouva.  [197"] 

424. 

(fasces)  fascia  iieftila. 

614. 

vadimonia  vuette. 

(fasces)  alligatura  gipimtini. 

625. 

tuentibus  pifcirminten. 

430. 

deprendere  iruaran.  [193*^] 

626. 

iucompositos     uugirihti. 

2300 

443. 

nientem  rihtunga. 

[1981 

2270  454. 

male  fortia  [fila]  viieicha. 

646. 

persona  fcemim.  [199'] 

455. 

trabes  kehret. 

669. 

instinctu  anazunga. 

pendere  hangaii. 

671. 

inussit    anagiteta ,     anagi- 

457. 

fraxinus  afc.  [194'] 

pranta. 

464. 

inevitabile  iinvirmitanlicho. 

681. 

placidiim     [quid]     femftif 

2275  466. 

retimdite  irvuentet. 

[199"] 

468. 

meritos  fculdiga. 

693. 

claustra  floz. 

2305 

471. 

ac  fit  ioh  mirth. 

699. 

mastrugis  badaf. 

480. 

spirat    [maiora]    gidenchit. 

703. 

nimbos  dichi.  [200^] 

[194"^] 

716. 

rependit  firgalt. 

487. 

uanescunt  zigent. 

723. 

reuidenti  lachautemo. 

2280  495. 

dedidit  gigifti.  [195''] 

724. 

sertis  plumun. 

2310 

523. 

qui  uuie. 

728. 

pallia  phellola.  [200"] 

531. 

[iiiter]  turritas  liburnas  gi- 

739. 

petitae  anagiftozauiiii. 

turrotiin  chiolin. 

740. 

tremefacta  iruueigitiv. 

537. 

exterris     [ordo]     recchun. 

repagiüa  floz. 

[196^] 

747. 

acrem  chuonen. 

2315 

544. 

acris  [Ulixi]  vizifigef. 

755. 

situ  gilegidi.  [20  T] 

22S5  553. 

dethrahit  giprichit. 

761. 

qvi  der. 

554. 

fortiter  chn&hliho. 

763. 

nee  \idet  ananifihit. 

555. 

adscribit  pizelit. 

770. 

admittenda     zilazzanne. 

559. 

captivos  haphta.  [196''] 

[201"] 

566. 

coruiniim  fogalrarta. 

780. 

tabida  pluotiga. 

2320 

2290  571. 

osciuc  fangai',  fogalrarte. 

789. 

furis  divpef.  [202^ 

partha  partifcemo. 

808. 

uuandakis  uiuid. 

577. 

limbum  foiim. 

814. 

[sues  pmne]   uatat   fih   fo 

582. 

fercula  difci.  [197^] 

lagat.  [202"] 

595. 

prosperat  gihvildit. 

828. 

sordesceret  ftiilTitati. 

2295  596 
604. 

exasperat  irgremit. 
rheiius  rin. 

836. 
840. 

t'ornice  fuipogin.  [203*] 
laruas  Icraton. 

2325 

2289  die  jjfl.  gekört  wol  zu  alcs  am  ende  des  vorige. i  v.  2290 
faiigar  zieht  Gra/f  zu  cornice  2297  dat  erste  v  ist  aus  o  gcnacht 
3206  Gr.  4,S12  bcfser  hadaruii 


V.  AUS  MÜNCHEN 


75 


847. 

longe  filo. 

974. 

848. 

perplexius  tovganori.  [203^'] 

976. 

862. 

ferulee  feralun. 

979. 

2330  863. 

magalesius  perezintifcer. 

985, 

867. 

cope  afcloh. 

987, 

879. 

distat  mimiiillit.  [204=] 

988, 

885. 

facies  anafiht.  [204''] 

prerogatiua  fpenta,  forda- 

991, 

runga. 

995, 

2335 

parcissimi  argiftun. 

stipendio  fuora. 

1002, 

priuilegiis  funtrigin. 

1008, 

trapezitas  meziaruu. 

1009, 

aegra  aruuortaniv. 

1015, 

2340 

nee  neeuil  iiirdäphta. 

1036 

913. 

fraiidentur    firhiiitrit    iiur- 

tun.  [205"] 

1037, 

918. 

iiiuidiosa  leidfamiv. 

1041. 

922. 

stagnare  fevuaziii. 

923. 

siceo  [flumine]   pifiganero. 

2345  925. 

sudare  nazaii. 

927. 

aruit  pifeli. 

1044, 

932. 

arida  [per]  plana  erdun. 

1054. 

933. 

glebas  fculpun. 

1076. 

9.34. 

[ad]   pingue   [lutuui]   piri- 
gero. 

1080. 

2350  935. 

crinitis  giliarelon. 

1082. 

fluctuet  hehif.  [205'] 

1084. 

947. 

corna  quirnperi. 

1086. 

952. 

opimus      [orbis]      pirigiv. 

1089. 

[206'^] 

1091, 

963. 

tiilit  par. 

1094, 

2355  967. 

reposto     [igne]     pitrohlia- 
nemo. 

1106, 

discussa  girtiu. 
rubigo  miltiv. 
Caput  [ciümi]  ahir.  [206''] 
ancipites  maffa. 
temperies  givuitiri. 
morbos  irvuartnulTida. 
vulnerat  givuirfirot. 
excessu  upfengidi. 
senescunt     irvuerdent. 

[2071 

gignitur  irrinnit, 
fasciolis  vuitton. 
terminus  marchftein, 
friigi  mezigi.  [207''] 
siunniä     [aure]    fornenti- 

ffemo. 


2360 


2365 


2370 


upviiah- 


[2081 
[208"]  2375 


disponil  giribta. 
uitiosa   [flagella] 
fina. 

necent  irdemfen. 
flagella  vuipbila. 
glarea  ftein,   fant. 
giirgulio  engirinc. 
quandoque  nobvueuni. 
uigor  ftarchi. 

(unfibc.) 
perliincta  lirnozaniu. 
riigas  zuhbun. 
infiila  vuiüa. 

retecto  intactemo.   [209^ 
caue^  ringif. 
(pbaleris)  gipentin. 
licia  rablretla,  ridila.         23S5 


2380 


2334  —  40    in   der  prosa  vor  v.    910  2351   wol  zu   aristis   der 

folgendan   zelte         2368   inozis;!   sieht  für   niczigo  2374  ^'7.  glarea 

terra  petrosa  vel  harenosa        2378  wohin  unfihc  zu  ziehen  ist  toei/s   ich 
nicht        2382  hs.  rectecto        2384  gl.  phaleiis  imiliebrilnis  oniamentis 


76 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


VI.     MCNCHENER  GLOSSEN. 


HAMARTIGENIA. 
120.  [6^]  alii  andremo. 
125.  attoniti  irfcalte. 

frenesis  topaziinga.  [6''] 
138.  pedicas  uiialza. 
5  140.  irretire   plagis  inpeheftant 
mafcon.  [7^] 
167.  ferox,  tumidus  hantagef. 
170.  ostentat  ruomta.  [7"^"] 
188.  zeli  zornef. 
202.  trisiilco  trifurihemo.  [8^] 
10  226.  ambiat  piuahe. 
233.  cicutas  fcarniu  herba,  fce- 

relinc.  [S''j 
247.  rotantiir    giimarpit    iiuer- 

dit.  [9"] 
271.  calculus  meregrioz. 
291.  stamine  uiiarfa. 
15  292.  laniigo  vvolla. 

294.  venantem  [tunicas]  ziohan- 

ten,  plagenten. 

295.  pluniea  giaraiiotiu. 

297.  aiiras  ftanche,  pifamiin.  [9^] 

308.  pupula  apfol. 
20  310.  vertigine  tumod. 

316.  liricae  fpililibero. 

322.  ganeonis  filafrezin.  [10'] 

327.  sensu  pifuntnnfl'idi. 

329.  lulchro  fedarpete.  [10"] 
25  361.  circi  ringef. 

372.  consessus  giffidili. 

venale  vucdanlibi.  [ll'j 

382.  sterterc  nizan. 

386.  commendat  giliupat. 


395.  superstitio  zuriiuari.   [12']  30 

441.  fasces  befemon. 

443.  compede  druhe.  [15'] 

610.  haustu  flunte.  [17"] 

762.  propinas  tranhchuf,    chii- 

hina.  [19'] 
844.  properanda  horfco.  35 

848.  compes  fuozdrnh. 
853.  oblectat  lochot.  [22'] 

CONTRA  SYMM.  I.  PRAEF. 

39.  acumina  angula.  [22"] 
54.  inuohicris  piuimtinuffidun. 

cubilibus  legariin.  40 

65.  condiderat  giftatota. 
68.  senio  muodi. 

71.  concreta  zifaniena  giimah- 

lane. 

72.  siluosi  [idoli]  leidholz. 

74.  spes  uuan.  [23"]  45 

CONTRA  SYMMACHUM  I. 

17.  pure  gunde. 

24.  rebus  facha. 
curam  ruh. 
futuris  cufting.  [24'] 

68.  amicae  fridilo.  [24"]  50 

71.  pelice  chepiflinge.  [27'] 
211.  persuasum  gifpanun. 
230.  veru  fpiz.  [29'] 
324.  circinus  rizza.  [35'] 
640.  uluas  riotgraf.  [54']  55 

CONTRA  SYMMACHUM  II. 
925.  sudare  nazan. 


18  s.  M'  1909/'       34  /.  popinas        49  /.  ciinftig 


VI.  VII.  AUS  MÜNCHEN 


77 


VII.    MCNCHENER  GLOSSEN. 


PRAEFATIÜ. 

8.'  [2"]  toga  dincuuati.  [3'J 
20.  euectum  kuuurdirotun.  [4'] 

H.  A.  GALLI  CANTUM. 

85.  conuolulis  kirigilütan.  [S"*] 

H.  A.  INCENSUM  LUCERNAE. 
114.  calta  chlfp.  [9M 
5  147.  temo  dkfblb.  [W] 

H.  A.  SOMNÜM. 
48.  ambage  xmbkffgk.  [IT] 
138.  portenta  uiriuizci. 
140.  praestigiator      gbiftbrbrk. 
[131 

H.  MATUTINUS. 
6.  percussa   pifcinaniii.    [IS''] 
10    39.  togatus  fprachman. 
41.  forensis  dinclicli. 
45.  fenoris  lechner. 
59.  fucis  trukiheitin. 
71.  ebeno  haganpuocha.    [14'] 
15    81.  inguen  laiicho.  [\A^] 

H.  A.  CIBLM. 
10.  capere  niozan. 
14.  favor  fegaii,  folleift. 
26.  hederas  fbp^mb.  [15"] 
48.  calamiim  angol. 
20    53.  pampiiieo  iiuinblatiHchen. 

55.  ahimna  zuitarin. 

56.  opulenlia  gniUfama. 
74.  (thmio)  pinefuga.  [15''] 

104.  latex  uuazzar.  [17'] 

H.  JEJUNANTIUM. 
25  119.  olTam  ftxcchk.  |19'1 


H.  P.  JEJLNIÜM. 
54.  confectos  aruafteta.  [22^] 
H.  0.  HORAE. 
112.  crepidines  phbldk.  [23'] 
H.  A.  EXEQÜIAS  DEF. 
26.  graue  Icbdpn.  [25'] 
P.  CALAGURR. 
3.  notis  gimarhten. 

15.  impetratum  gitVumitaz. 

16.  suftVagantum  de  lielfautauo.  30 

23.  dispendio   dero  praftimga. 

[25"] 

24.  rependit  virgillit. 

25.  decorum  zirida. 

probis  dengoteu.  35 

32.  [ad     perenne]      cingulum 

raiiui.  [26'] 
56.  [post]  uim  crhephti. 
66.  stipeiidia  Ion. 
69.  ridenda  honUhiu.  [26"] 
75.  cartulas  puoh.  40 

86.  orariiun  ougiuanun. 
89.  sequacem  uolgalina.  [27'] 
96.  relatos  prungana. 
98.  rictu  ginunga. 
102.  questione  urfuoche.  45 

104.  [per]  flagra  fiUado. 
110.  iingue  nagahi. 
117.  sospitant  gigenzent. 

alluit  nezit. 
119.  coniugum  charolo.  [27"]     50 
P.  VINCEXTII. 
1.  prospera  girilili. 
19.  captator  uarari. 
25.  as[sistile]  zuo. 


21  Gr.  6,619    liesl,    viUeicht   atts   richtiger  konjeclitr    zulilaiiii         31 
dero"?        32  ti  aus  a  geynaclit        42  lis.  seqnaco         48  hs.  sospilat 


78 


GLOSSEN  ZU  PRUDEiMlUS 


■33.  praesint  meiftrogen.  [28']       204. 

55    41.  commotior  alpolganora.  217. 
49.  decretum  pimeinida. 

60.  extorque  uzariiuint,  220 
62.  strideiis  fufentaz. 

lammina  blehc.  227. 
60    69.  fabrili  fmidilihero. 

73.  sumptuosa  ziiichartiu.  243. 

79.  auciipes  uarari.  [28'']  249. 

98.  lictores  iiiiizinara.  259. 

101.  pr^toriiim  phalaiiza. 

65  102.  conuiciator  fceltari.  261. 

112.  diimlsa  intlochaniii.  263. 

113.  liiulcis  ginenten.  266. 
116.  palpitet  fpratalo.  343. 
120.  iingula  cräfFo.  396. 

70  122.  euiscerando  fciiriphento. 

123.  nisus  cilunga.  409. 

131.  reiiidet  lahhet.  410. 

132.  tortore  imizinare.  416. 
138.  par  gnozfcaphat.  505. 

75  140.  respiret  gipolezze.  518. 

141.  presicca  pirafta.  520. 

142.  colligit  gifamanot.  529. 
144.  diriiet  ziftorre.  531. 
148.  age  ipse  vuola  du.  547. 

80          carnifex  viiizinari.  560. 

1 50.  recessiis  gitougini.  566. 

167.  perstat  iiuifit, 

169.  lacesce  gichruoni.  7. 

173.  stridentibus  ruzintim.  36. 

85  1 74.  uncis  crouuihin.  40. 

179.  piiluinar  gotopetti.  [29^]  41. 

198.  iuligo  riioz.  48. 

201.  saucius  irgreniil.  57. 


egerit  iiziuirf. 

serrata    regiila    gichrinnot  90 

ftap. 
iiaporat  diiomta. 
halitum  ftanc. 
punctis  trophiin. 
stridulis  fiifenten.  [30^] 
fornicis  fui  pogin.  95 

baratriim  helliloh. 
accuminata  gifpizzitv. 
informia  unpilid. 
spiciilis  ^Taffin. 
iusomne  flaflofiz.  lOO 

meditator  deinchar.  [31"] 
tutamen  pifkirmida.  [3P] 
inter  carices  imter  den  fa- 

hahin. 
friitectis  fpraidahin. 
infestus  giiiarrer.  105 

pliimis  iiedarun.  [32''] 
amoeni  def  heirin.  [33*] 
condita  [ossa]  pifolahna. 
haiiriuDt  nemint. 
sector  fegari.  110 

segmenta  ftuccbi. 
efficax  frumiger. 
nee  imputet  niuuize.  [33''] 
fauorem  folleift. 

P.  LAUREXTII. 
monstruosis  trogalihen.[34']  115 
retexens  zellent. 
praestantior  fordroro. 
claustris  flozun. 
exaetor  nrfuocbari. 
conqueri  ftouuuan.  120 


61  /.  ziuchaftiu  70  i  scheint  der  rest  ehies  a  zu  seht  83  /. 
gichiuozi  89  /.  uzuuarf  93  Gr.  5.384  hat  doplmn  103  Gr.  6,148 
vermutet  faharahin 


VII.  VIII.  AUS  MÜNCHEN  UND  KIEL 


79 


62.  motibus  irpolgnuffin. 
65.  orgiis  iihtifangan.  [34''] 
76.  sestertiorum  dero  mezza. 
78.  aiictionibus  merungan. 
125   86.  praestigiis  zouprungä. 
91.  stipendiis  heriftuirin. 
102.  pliilippos  mancula. 
104.  marsupio  fechili. 
112.  obtemperanter    giborfamo. 
[351 
130  126.  induciarum  tagidinga. 
127.  fiingar  niezza. 
132.  summula  fcazalanga. 
143.  stipem  lipnara. 
150.  criire  fcincbun. 
135  159.  peini  cbellara.  [37'j 


318.  caiiillo  mimico  f lichon 

Ip....  [50"'] 
P.  XVm.  MARTT.  CAESARAUG. 
79.  infulata  ginuenteta.   [86*] 

P.  ROMANI. 
1078.  igniuerint  giheizent.[131'] 

HAMARTIGExMA. 
238.  legirupis       bebrucbcban. 

[135"] 
442.  (frangere)  arfceinan.[170''] 

CONTRA  SYMM.  I.  PRAEF. 
68.  sohiendis  zinfroranne. 
senio  muodi.  [174^ 

CONTRA  SYMMACHUM  I. 
123.  lasciiiit  fpilota. 


140 


VIII.     KIELER  GLOSSEN. 


H.  MATUTINUS.      ' 

32.  [5']  niigator  triigenari. 
34.  (hidicriini)  fpil.  l  fpöt.* 
39.  togatiis  fpracb  man.* 
45.  ff-noris,  vsurse.  l  analeb  nef.* 

m 

H.  A.  CIBUM. 
5  12.  appetere  gegeron.* 

14.  imbuerit  nezen.*  [6''] 

18.  seria  erneft.* 

24.  nectaream  femigun.* 


27.  tempora  .i.  tu  uuinga.  * 

28.  serta  böbet  gebente.  *  lo 

29.  stropbio  gurtele.* 
31.  generosa  du  edebu.* 
34.  [si]  recinat  biten.* 

44.  umiina  uuidabc.* 

45.  impediunt  merrent.  *  [7^      15 

52.  aristifere    [segetis]    abertra- 

gigef.* 

53.  panpineo  rcbeplatinemo.  * 
55.  pacca  pere.  * 


122  davor  viUeicht  ein  z  erloschen  135  das  letzte  a  köjmte  auch 
i  sein  136  verblast.  Gr.  6,550  las  noch  mit  fciinlihon  fpoltum  137 
das  wort  ist  ganz  verblast  und  wisiclier.  gimiittcta?  139  dahinter  rioch 
ein  strich  und  dann  eii  141  zirftoranne?  11  wenn  hinter  dieser  gl. 
von  Eckhard  ornata  conias  habensa  aufgeführt  wird,  so  hat  er  eine  lat. 
erklärung  falsch  gelesen,  in  der  hs.  steht  liabens  .i.  per  (sc.  comas) 
12  zuerst  stand  diu,  der  letzte  strich  ist  ausradiert  13  Infinitiv  18 
vor  p  ein  neumejistrich,  kein  C 


80 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


63. 

coma  giuafota.* 

113. 

rosariis    rofgarten.  * 

20 

siliqua  fceliiia.* 

117. 

gracili  deinen.* 

68. 

coit  zefameneferit.  * 

surculo  fcuzelinc.  * 

74. 

(thimo)  pinefug.  * 

122. 

concentu  gehellin.  * 

'    77. 

mitia  rifin.* 

126. 

sub  stige  hello.*  [13''] 

82. 

fidibus  feitoii.*  [7"] 

143. 

languidulis  feigiren. 

25  101. 

virecta  gruoni.* 

148. 

hesperos  fternen. 

112. 

(illicit)  infpuon.  [8^] 

149. 

roscid^  touuegun.  [14"*] 

127. 

plectitur  ingeltit  uuart. 

H.  A.  SOMNUM. 

148. 

discidium  gifcliz.*  [8"^] 

66. 

perplexa  ziuuiuiligiu.  [15^ 

163. 

exagitans  iagonte.  *  [9''] 

110. 

preferre  biualgen.*  [15"] 

H.  P.  CIBUM. 

138. 

portenta  getroc. 

30    14. 

regnat  rihifocht. 

140. 

prestigiator  galfterare. 

21. 

sacellum  betebura.  [10^] 

149. 

fatiscens  mudente.  [16^] 

49. 

iiibas  zaten.* 

H.  JEJUNÄNTIUM. 

69. 

liba  celten.*  [10"] 

12. 

degener  unedeliu.  * 

86. 

trucis  grimmin.*  [11^] 

socordia  Ilaffi.  * 

H.  A.  INC.  LUC. 

13. 

(lepos)  fuzzi. 

35    16. 

collita[fila]birmizena.*[ll"] 

20. 

Stert at  riuze.  [17"] 

27. 

agit  [emula]  aiitrot.*  [12^] 

53. 

cliuosa  uhalden.  * 

68. 

(sub    bifido)    vndiir    demo 

63. 

(lanugine)      bartfprungeli 

zirfpaltenemo. 

[17"] 

69. 

decolor  miffeiiarua. 

81. 

stemma  geflahte.* 

78. 

proceres  hereii. 

92. 

censura  urtelda.  [18'] 

40    80. 

iustitium  fer.*  [12''] 

98. 

nugas  gebole.*  [18"] 

89. 

loquacibus  clingelonten. 

129. 

pumices  tubfteina.  * 

93. 

instar  [fellis  aqua]  daz  uaf 

138. 

struem  dehufen.  * 

zere  uif. 

139. 

flagellis  gertuu.*  [19'] 

94 

lignum  est  deiftaz  holz. [13^] 

148. 

claucos  plauue. 

45 


50 


55 


60 


65 


20  da/imter  v.  66  ist  über  nuilclia  eine  rasitr:  villeic/U  stand  dort 
chubeliu  22  hinter  g  ein  buchstabe  erloschen:  es  scheint  eher  e  als  a 
getücseri  zu  sei?i  24  oa  sehr  undeutlich,  limo  bei  cespite  v.  97  7oird 
wol  laleiriisch  sein  28  davor  ist  gifliz  ausi>etvischi  30  c  katm  auch 
t  sein  37  vndiir  demo  tmter  ziifpalteuenio  von  anderer  hand;  dahinter 
wie  es  scheifit  ein  zioeites  ziifpalteiiemo,  vo7i  der  hand  des  vndur  demo, 
atisradiert  49  teilweise  auf  rasur  52  das  letzte  in  hier  und  so?ist 
zuweilen  sieht  %vie  ui  aus  56  in  fatiscens  i  aus  e  gemacht  65  atif 
bl.  18  zahlreiche  rasuren  67  de"  von  anderer  hand  69  ein  accent- 
strich  unter  e  hat  Eckhard  zur  annähme  eines  ii  verleitet 


VIII.  AUS  KIEL 


81 


70  153 

168 
172 
184 

75  185 

188 
192 

42 

44 
80  51 


1 

51 
70 

45 

85  46 


.  47 
56 
62 
67 
90  68 
77 
86. 

62 

79 


,  inpexa  diuingaftiita.  * 

luillis  zaton.* 
,  rorulenta  touiiegen.  [19''] 

oraculum  imbot. 

emaiicipator  beualgore. 
,  cupidinis  gegirdo. 

gratiam  liubi.* 

perpeti  tulten.  [21'] 

H.  P.  JEJUNIUM. 
.lappis  clibon.* 
Carduus  tiftil.* 
,  compeusaut      uergeltent.* 

[21''] 

H.  0.  HORAE. 
plectrum  .i.  citerpfiu.*  [23'] 
fatiscit  intueihc*  [23^'] 
expertes  ateile.  [2S'j 

P.  CALAGURR. 
ultro  eginif  tauche!', 
bogis  .i.  bovga.*  ()  Boia.  & 
baga.  vnum  sunt,    half- 
druch.  * 
(forum)  mercat.*  [28''] 
,  [post]  catastas  roft  ifeueii. 
functa  nizen. 
pr^sidet  meftrot.  [29'] 
,  infames  unliuminthaftigen. 
proditum  fernieldet. 
orarium  ovgivanvn.  [31"] 

P.  VIXCEMII. 
lammina  blelic* 
.  aucupes  heilifarc.  * 


80.  sordidi  varara.*  [31'']  95 

94.  profanus  firuuazeno. 

98.  lictores  uvizinara.  * 
102.  conuitiator  fceltari.  * 
124.  thoros  dicchi.  *  [32'] 
140.  respiret  gipolezze.*  [32'']    100 
179.  puluinar  gotopeti.* 
201.  saucius  irgremit.*  [33"] 
217.  serrata     regula     gicrinnot 

ftap.* 
230.  cauterem  lauit  polz  naztta.* 
241.  ergastulo  carcare.*  [33'']    105 
249.  (baratrum)  helliloch.* 
252.  diuaricatis  gifcreitteu.  * 

258.  ungulis  uuaffiu.* 

259.  accuminata  gifpizhtiv.  * 

271.  stipitis  druhi.*  HO 

282.  comminus  gifurfamo. 

283.  augustior  herlihora.*  [34'] 
290.  (munia)  ambaht. 

316.  concauum    chemi    natvn.* 

[35'] 
366.  (auleis)  aulea  proprie  um-  115 

bancha.  * 
373.  (stipant)  unil)edrangout. 
394.  profanus  firuuazeno. 
396.  carices  faharahi.*  [35''] 
407.  sedulo  flizigo, 
410.  iufestus  farare.  120 

420.  imbellis  pofe. 
430.  spiritum  vvillvn.*  [36'] 
446.  murices  tvfftein.* 
457.  (sparteus)  Sparteus  culueus 

(/.  culleus)    .i.   desparto 


70  Ubei'  r  eiti  a  und  da  es  wideiiüick  geworden,  noch  höher  ein 
zweites  71  z  uOcr  ta  der  vorigen  glosse  87  zivei  warte  92  vor- 
her ein  wort  ausradiert  95  zum  vorigen  aucupes  97  das  letzte  a 
aus  e      107  über  crucis  v.  254  steht  p?eni,  u<ol  für  pociie      108  l.  uuaffin 

Z.  f.  D.  A.  neue  folge  IV.  6 


82 


GLOSSEIN  ZU  PRUDENTIUS 


.i.  pal  (7.  pale)  foliis  {l. 
follis).*  [371 
125  531.  segnienta  fegunga.*  [38'] 
P.  LAURENTIJ. 
57.  conqiieri  Ctovvuan.*  [38''] 
90.  iisciis  fronakelt.  * 

erariumtrifa  chamari.*  [39^ 
102.  (philippos)  .i.  manciifa.* 
130  104.  inanis  italer.*  [40'] 

190.  (riulera)  hoc  riis.  ruris  .i. 
molt.  * 

215.  effetus  irfcafTauer.  * 

216.  elumbe  viiechi.  * 
iiiriis  eittir.*  [40^] 

135  254.  (prurit)  .i.  ivchit  t  chuci- 
lot.* 
255.  scalpit  fokalbit.  * 

258.  (striimas)  chelcha  *  .i.  tu- 

mores.  [4r] 

259.  purulenta  eittriga.* 
(piirulenta)  saniosa.  tri'ba. 

140  264.  morbo  regio  gelakunt.  * 
282.  miicculentis      rozzeger.    * 
mucculentis,  muccus  roz.  * 
[41"] 
324.  (acroma)  fpot.*  [43^ 
449.  (sterciilum)     i.     clo^cinvm 
delangenna.  *  [43''] 
145  480.  pessulos  floz.*  [51''] 
P.  HIPPOLYTI. 
244.  sedulus  agaleizer.  *  [55^"] 


P.  PETRI  ET  PAULI. 

40.  miisci  miofe.  *  [56''] 

P.  XVIII.  MARTT.  CAESARAUG. 
24.  siitile  kiriginlich.  [61''] 

P.  AGNETIS. 
76.  (calentia)  heiza.*  [67'] 

P.  EULALIAE. 
137.  (iuuat)  i.  iociindum.    t  lu- 150 

rtit.*  [68''] 
203.  (genialis)  luftlicher. 
205.  (galathos)  Ceiniin.  [72''] 

P.  OUIRINI. 
20.  quolibet  mit  iouvederemo.  * 

[741 

P.  CASSIANI. 
15.  (piigillares)    .i.   haut  tava- 
la.*  [75''] 

76.  (ferias)  .i.  iiirra.  [77'']         155 

P.  ROMAM. 

41.  negotiis  äbachtin.  [78'] 
53.  (perduelles)  mitainuigen. 
73.  (bisulcis)    mit    cüibizikeu. 

[78"] 

77.  intestabilis  .i.  laidaz. 

78.  iientilator  Mierrari.  *  [79'']  160 
156.  lapis  nigellus  agath.*  [81'] 
222.  tanricornem  farhunuin.* 


124  das  c  von  pale  ist    abgeschnitten         131  It   durch   ein    loch    ijn 
pefga?nent   teilweise   verletzt  136  /.  fkabit  138   man   kann  auch 

eitiriga  lesen  139  zwischen  i  und  b  rasur  144  wo!  lateinisch  vgl. 
Dicfenbach  317.     das  zweite  a  ist  unten   angehängt  148    durch    den 

oöerscha/t  voti  h  scheijit  ein  strich  zu  gehen,  also  kiiiginlicliez  153  t 
erloschen  154  wenTi  darauf  öl.  74"  über  frangiint  v.  4^  iiilidiiint  steht, 
so  ivird  das  nur  ein  Schreibfehler  für  inlidunt  sein  160  selir  zweifel- 
haft ist  V  und  rar         162  ganz  verblast 


yil.  AUS  KIEL 


83 


222.  lidiiis,  tonus  miisicusleih.* 

[82''] 

260.  cvpe  fnitelouc* 
165  alliiim  clobeloiic.  * 

261.  lares  fiurgota.* 

262.  holuscula  gartgota.  * 
269.  forceps  zanga.* 
274.  limat  uigelot.*  [82"J 

170    280.  tyrso  torfin.* 
294.  camiiiis  deeffon.* 
299.  trulla  .i.  chella.* 

peluis  labal.*  [Sd'] 
302.  lana  iiolla.*  [86'] 
175    489.  papulas  bvllon.* 

490.  cauteribus  pol  zoii.*[90'] 
697.  nates  arfbelli. 
699.  secent  fnitin.  [92^] 
798.  recrudescentibus     luiider 
rciiuuian'dan.  * 
180    805.  inertiiim  deretrago. 

807.  uulturiim   deregiro.  [93'] 
848.  struem  luiifc.  [94'] 
918.  abdomina  äpan.  imenfth.* 

[951 
980.  ecbo  gale.  [96^] 
185  1017.  (compagibiis)  dilon,  legi. 
1018.  terebrant   durecboront.  * 
1025.  brattealis  bleccina.*  [97'] 
1057.  (lancinatores)  lidare.  [99'] 
H.  VIII.  KAL.  JAN. 
39.  (emancipatam)      manceps 
.i.  fcakb.*  [1031 


EPILOGUS. 
18.  olla  laiila.  rina.*  [105^    190 

HELIM  LUCUS. 
56.  libris  rintvii.*  [105''] 

KAVlIt. 
76.  fiinda  fliugun.  [110"] 

APOTHEOSEOS  PRAEF.  II. 
22.  nequior  areger.*  [110''j 

54.  recrementum     fpriv  *  vn- 

chrut.  [112"] 

APOTHEOSIS. 

55.  excita  tlamma  lado'Hoc.        195 
59.  siidibus  diftilin. 

61.  frutex  fprad.  [114"] 
148.  sambiicasharephan.*[115"] 
167.  solidata  gafta'tter.  [115"] 
185.  adimas  danaginimift.  [1171200 
249.  ridiciilum  huobc.  *  [1191 
341.  libri  faphef.  [1201 
380.  testudo  cyttbara.*  [1211 
431.  miscet  cbt^nchit.* 
433.  mauri  fercin.  [1221  205 

473.  uerbena  ifarna.*  [1231 
515.  cementiim  mortare.*  ()  ce- 
mentuni  dicitur  a  ceden- 
do .i.  fcutenne.*  [1281 
681.  [fluclum]      anbelat     flöz.* 

[12S''l 
718.  fercula  fcvzel  vn.  * 
720.  gemit  ercrahcbota.*  [1291210 
725.  rudere  .i.  arvzze.  * 


169  ziveifelhaft         176  das  danach  von  Eckhard  aufgeführte  obcal- 
luit    diiiuii  5S2    ist   duiuit  170  /.  raphantan.      der  sclireiher   verstand 

seine  vorläge  nicht         180/"  diese  beiden  gU.  scheinen  von  dem  Schreiber 
des  tat.  textes  Iterzin  Uhren  183  zioischen  beiden  warten  scheint  ein 

s  zu  stehen  195    beide   warte    von   derselben    hand  über  est  ex((ifa) 

203  über  clielis  in  demselben  verse   scheint  harplia  *  gestanden  zu  haben. 

204  /.  fclieiiiliit         207  in  ftulenne  ist  ein  zweites  t  ausradiert 

6* 


84 


GLOSSEN  ZU  PRUDJINTIUS 


727.  [nil]  daz.*  [135''] 

987.  conficit  gifrumit.*  [138"] 

HAMARTIGEMAE  PRAEF. 

16.  samilo  hovgvn.*  [142''] 

HAMARTIGEMA. 

215   97.  examina  fvarama.*  [142''] 
114.  medicans  fvndens,  Ivppon- 

ti.*  [144"'] 
197.  corde  kuoti.  * 
200.  spiris  rigiii.  [144"'] 
233.  cicutas  Hemara.  [145'] 
220  260.  eliquat  fmelzit.*  [146'] 
289.  scutulis      fcyphoteiigeuua- 

ten.  * 
292.  laniigo  vuolla.*  [147'] 
362.  leuitatis  getilofi.*  [148''] 
402.  clauam  cholpun.*  [149'] 
225  403.  (gymnosophistas)   fpilouvi- 
fvn.*  [149'^] 
428.  mammoneam  otaga.  * 
442.  frangere  erfceinnen.*  [150'] 
457.  degenerant      vuarpent.  * 

[150''] 
467.  quo  dara.*  [151'] 
230  485.  iiimbos  vnfti.  * 

488.  ari&af  torrezit.*  [152'] 
525.  pulsus  lurtunga.* 
538.  medicato  [iiulnere]  toxicalo. 
venenato.    gilvppotero.  * 
[157"] 


762.  popinas  .i.traiiclmf.*[158''] 
789.  [ad]  hiulcum  cuifpaltigemo.  235 
795.  iiirecta  gruni. 
801.  (paliides)  priic.  [159'] 
809.  illiciunt  iiiicint.  [162'] 
924.  (loiigum  per  inane)  durich 
lange  uuiti.  [166"] 


PSYCHOMACHIA. 

68.  quilnis  uufder.*  [172''] 
314.  (amoenas)      imnnifama.* 

[173'] 
329.  inspirat  anigiteta. 
337.  (radiorum)  fpaiclione.[173"] 
349.  alam  kirit. 

358.  mitra  liuot. 

359.  (nardumj  gefelbe.  [175"] 
436.  lita  giluppotaii.  * 

439.  (ponipa)  Cuolichi.  * 

444.  (uoluptatem)  zarth.*  [176'] 

448.  aciis  fpenela.  * 
redimicula  neftila.  * 

449.  fdnila  imfca.  * 
flammeolum  orck*  [176"] 

465.  corniptela  mita. 

466.  emiienides  hazafa. 
475.  bullis  mitpalzon.  [177"] 
507.  prestringens  ritzinte.  [178"] 
554.  Irugi  nuzza.  [179'] 

566.  erynis  hazafa.* 


2i0 


245 


250 


255 


219  H  xvie  CS  sc/iehit  aus  h.     vgl.  zs.  5,  326,  90  221  das  letzte 

n    dw-c/i    rasur   aus    m  235    bei  bifido  v.  791    sla7id  am  ra7ide   ein 

deiilSL'hes  jetzt   ansi'adiertes  2voi't  von    dem   noch  z"in   zu    erkenneji  ist. 
viUeicht  zuuirkcino   wie   (£23  257   über    eml)lemafa  i-.  527    {bl.  178") 

scheint  plcc  ausradiert  und  über  aiiallicina  v.  540  dürfte  ucruuazana  fast 
sra?iz  erloschen  sein 


IX.  AUS  PRESSBURG 


85 


IX.    PRESSBURGER  GLOSSEN. 


H.  JEJUNANTIUM. 


133. 

[18']  impiitans  cellente. 

37, 

146. 

frementem  gremizonf.  [18'] 

47, 

165. 

parca  argiu. 

56, 

172. 

oraculiim  bimeinida.  [19^] 

66. 

5  205. 

limat  chihafinot. 

73, 

rubiginem  roft.  [19''] 

76. 

210. 

blanda  miltiu. 

41. 

H.  P.  JEJUNIUM. 

79. 

10. 

vixdiim  nobiii.  [20*] 

88. 

15. 

imbuatur  kilabot. 

116. 

10    24. 

comat  chiCiibere. 

124. 

25. 

terge  bifih. 

141, 

42. 

impexis  ftrul)ent. 

lappis  cleddon. 

174. 

43. 

germen  fmenvTaffenom. 

177. 

15    44. 

Carduus  diftil.  [20''] 

198. 

64. 

euervans  kivueihhende. 

204. 

73. 

annuit  kifolleftit.  [22*] 

217. 
226. 

H.  0.  HORAE. 

227. 

90. 

sibila  lofa. 

228. 

95. 

iusvesceret  geuuenide. 

229. 

20  101. 

tepescere  lauuen.  [23''] 

230. 

H.  A.  EXEQUIAS  DEF. 

70.  lieros  gomo.  [24''] 
169.  fouebimus  bifeiinef.  [25'' 


271 


P.  CALAGURR. 
spicula  tarta. 
forum  markit.  [26'] 
catastas  ritebouma.  25 

stipendia  heriftiura.  [26''] 
obsoleta  irfcimbclegatiu. 
tenacibus  feften.  [28'] 

P.  VINCENTII. 
commotiorirbolginoro.[28''] 
aucupes  neniare,  farare.      30 
tremendum  antfazichif.[29*] 
palpitet  zabalo. 
toros  dikki. 
prfesicca  [uulnera]  birafta- 

ta.  [29"] 
uncis  clauuii.  35 

clauum  luil. 
fuligo  ruoz.  [30'] 
frendens  gremizonter. 
regula  ftap. 

scintillat  rafkizta.  40 

stridulis  fufiuten. 
sparsim  vuar  unteuuar. 
ariiina  feizti  fuialz. 
cauterem  polz,  prant.  cau- 

terium  i.  e.  douil. 
lauit  nazta.  [30'']  45 

morsus   slipitis   locli  Itoc- 

chif. 


14  die  gl.  gehört  wol  zu  sudibus  und  ist  finen  vvaffen  zu  lesen, 
mit  om  weiß  ich  nichts  anzufangen  22  zu  fouebimus  passt  die  glosse 
nicht,  denn  selbst  toenn  man  Itifezimef  das  schon  durch  seilte  volle  form 
hier  auffallen  würde,  lesen  xvollte,  würde  ein  schiefer  sinn  enlsteheri; 
auch  bifeimeC  ist  nicht  angcmefsen  27  hinter  u  steht  7toch  ein  m; 
dies  dürfte  die  silbc  in  der  lat.  gl.  inuetcrata  sein    46  gl.  foramina  uerui 


86 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


289.  decursa   irlilina.  [ZV] 

311.  nianserat  vuaf. 

315.  aemule  pilidliclioro. 
50  318.  postibus  turiftodilin.  [31"^] 

342.  tingunt  iiazton. 

355.  aeger  cluimiger. 

366.  auleis  fiiliiviiin.   aulea  pro- 
prie  iimbihancha. 

378.  coqiiebant  cbrummin.  [32"] 
55  380.  efferata  irgremitiu. 
exusserant  pranton. 

403.  tmcis  gremizer.  [32''] 

436.  voraces  kitiga. 

446.  murices  tubftein. 
60  451.  remo  rvodere. 
rudente  feile, 
carbaso  fekile.  133"] 

492.  üscella  cburbili. 

495.  labi  fleozzen.  [33''] 
65  506.  secessus  kifuafi.  [34''] 

P.  LAURENTII. 

40.  praestaiitior  furiro, 
48.  exactor  urfuocbare. 

56.  monet»  muniza. 

57.  conqueri  ftoiivuon.  [db^] 
70  125.  flagito  fergoii. 

126.  iiiduciarum  tagidingo. 
140.  lucri  fkazzes.  [36"] 
208.  insolescat  miffeuuonet, 
217.  optio  Mieli. 
75  231.  manciim  vuanbeilo.  [37"] 
242.  volain  liilt. 


85 


90 


253.  intemperans  iinkiftomer. 

255.  scalpit  cbiniffit. 

258.  strumas  cbelc. 

264.  morbo  regio  kelofuhete.      80 

282.  (iimciüeiitis)     muciis    roz. 

[37"] 
284.  lippos  fiirougen. 
294.  proxime  ininabun.  [38''] 
407.  experimentum  cbuft.  [42"] 

P.  HIPPOLYTl. 
94.  agit  tril)it. 

102.  [orl)ita]  trita  kiiioziniu. 

103.  loqueus  ftrictio. 
111.  prorumpunt  uzpraftin.  [43 
186.  speculum  Ipiegil. 
201.  couiundit  kimilcit.  [46''] 

P.  PETRI  ET  PAULI. 
40.  musci  miof.  [48"] 
:  P.  XVIII.  MARTT.  CAESAR  AUG. 

101.  palestra  fpilehus.  [48"] 
132.  tabidus  [bunior]   guntigiu. 

[50"] 

P.  AGNETIS. 

129.  fornicem  buorhuf.  [53"] 

P.  EULALIAE. 
151.  odoriis  fpradelendo.  95 

in  iugulos  in  de  brufti.  [55"] 

P.  FRUCTUOSI. 
91.  calce  mera  pararo  l'uozaro. 

[57"] 


48  die  wähl  der  deulsclien  Übersetzung  wird  durch  den  ztisainmen- 
hang  erklärt,  quem  cura  pernox  manseral  seruare  feialem  domum  ist 
identisch  mit  cuius  erat  cura  87  ftrictio  gehört  e?itweder,    da  bei  der 

annähme  von  laqueus  ftric  die  buchstaben  tio  unerklärt  bleiben  als  ftricla 
SM  innectit  oder  ist  für  das  lat.  subst.  zu  erklären :  die  glosa  erklärt  la- 
qiieus  durch  coiislruclio  für  constrictio 


IX.  AUS  PRESSBURG 


87 


P.  CASSIAM. 

572. 

17. 

aeditiius  figirifto.  [57''] 

586. 

68. 

fatiscit  irmuodet.  [60''] 

P.  ROMANI. 

589. 

100  156. 

lapis     nigelliis     agatlftein. 

[621 

592. 
603. 

267. 

L  "          .1 

ofücinis  fmiddon. 

609. 

280. 

thyrsus  rebetorfo.  [84''] 
APOTHEOSEOS  PRAEF. 

621. 
630. 

27. 

tenaces  zaha. 

635. 

45. 

interpolat  unterkernit.  [88^"] 
APOTHEOSIS. 

652. 

105  145. 

tiaras  huota.  [88''] 

663. 

161. 

adsvesceret  kiiioneti.  [89''] 

681. 

198. 

acerram  uuirochfaf.  [90^ 

685. 

223. 

abiiirare  firneinnen.  [91"] 

709. 

293. 

cippo  ftocche.  [92''] 

718. 

110341. 

libri  rinto. 

720. 

343. 

surculus  zuig.  [93"] 

725. 

354. 

turgescaut  fuellent. 

368. 

posteritas  hinderdicuf.  [93^*] 

747. 

388. 

testudo  barafFa. 

764. 

115  389. 

calaniis  l'uegilon. 

818. 

390. 

aemula  pildlicbu.  [94^ 

847. 

413. 

suspirat  sufzota. 

884. 

416. 

gruniiitibus      grunizoton. 

[94"] 

923. 

431. 

miscet  fcencbit.  [95''] 

953. 

120  472. 

cymbia  nappba. 

1067. 

480. 

canis  grauuen.  [96"] 

1068. 

500. 

saceUum  opt'erbur.  [96''] 

528. 

csto  dazigilo.  [97"] 

H. 

533. 

munimine  uuarnaga.  [98"] 

1. 

.  aiiioris  giliifte.  125 

.  coiicretus  [auditus]  fergan- 

geniii. 
.  anili  altero. 
.  piisio  bizilo.  [98"] 
,  pacti[pudoris]  gimahiltero. 
.  lancibus  fcuzilon,  obuuei-  130 

gon.  [99"] 
.  viHis  zbtpii. 
.  orbe  ringe. 

specimen  funtrunga.  [99''] 
,  tendi     kedinot     iiuerdin. 

[100"] 
.  verriint   cberrent.  135 

.  lluctus  floz.  [100"] 
.  piimice  tubfteine.  [lOP] 
,  uicos  imicba. 
.  fercula  fcuzzilim. 
.  gemit  cbirrit.  140 

.  rudere  .i.  mina  aruze. 

consvescit  irizzet.    [101"] 
.  cbarybdis  fantvurfi.  [102"] 
.  uluae  imazin.  [103"] 
.  faece  iinrubiri.  [104"]        145 
.  exile  cleino.  [105"| 
.  absurde       unredehafto. 

[105''] 
,  concretagiuuafiniu.  [106"J 
.  atomi  Itupili.  [109"] 
.  ungue  nagale.  150 

.  fraudatuni       ferhintirtin. 

[109''] 
AMARTIGENIAE  PRAEF. 
.  fossor  acbiriiian.  [111*] 


104  unlerlernit?    vgl.  die  erkläriing  der  glosa  iiUcrpolat  intermiscet, 
iiitercelat  110  odei'  zu  cortice?  113  hiiiderclififf?  123  für  daz 

figiro?        130  /.  bahuueii2:oii        134  /.  kebinol         136  villeicld  zu  aulie- 
lal         142  der  glossalor  scheint  an  uosci  ^cdac/il  zu  haben 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIÜS 


HAMARTIGENIA. 
13.  coniicit  ratiffet.  [112''] 
65.  fore  iiuerdin. 
155    70.  caveam  viiiti.  [113'] 
82.  coniectare  ratifcon. 
85.  glaucomate       plehiuouki. 

[113"] 
97.  examina  fuarama. 
106.  sordet  bifmahat.  [114'] 
160  125.  attoniti    cerebri    irfcaltero 
hirnibollun, 
136.  [per]  lubrica  balen. 
140.  plagis  nezzin.  [115''] 
216.  lolium  ratiii. 
lappas  cletten. 
165  21S.  aveuis  habiron.  [116''] 
233.  cicutas  fcerelinga.  [117"] 
289.  (scutulis)   scutulatis   vesti- 

bus  fcibohteu.  [118'] 
296.  pigmentis  bifimo.  [120'] 
383.  pronus  imiliger.  [120'] 
170  410.  mento  chinne.  [121'] 
433.  limite  marchftein.  [121"] 
467.  prodigialia  feltfäniu.  [122'] 
477.  bothonis  drubiii. 
483.  dimensa  [iiigera]  gimenfo- 
ta.  [123"] 
175  492.  propugnacula  pruftvveri. 
539.  medicata  giluppiu. 
541.  exciissa  urfarlatiniu.  [125'] 
605.  exciilpens  grabinti. 
615.  pensare  firgeltin.  [128''] 
180  702.  popinas  tranchuf.  [129'] 
796.  ditibus  rilicbeu.  [131'] 
868.  palla  hell. 
881.  Tbulae  ifilo.  [134''] 


PSYCHOMACHIAE  PRAEF. 
46.  mapalia  huttun. 
48.  exsanguis  afeliu.  [136']       185 

PSYCHOMACHIA. 
48.  taedas  facala.  [136*^] 
62.  aspera  hantiguu. 
79.  glutinat  cleipta.  [137"] 
106.  scabrosä  [sorde]  roftegemo. 

uitorem  gliz.  190 

1 12.  leuta  lindiu. 

116.  conto  ftango,  colbin. 

117.  birsutas  ruho. 

122.  crispata  [pinus]  kiuueniter. 

124.  repulsu  uuidirftozze.  195 

125.  prouida  kiuuariu. 
conserto  kihaftemo.  [138'] 

130.  monstri  unaholdun. 

146.  minutas     [partes]     cleniu. 

[138"] 
153.  rasile  fcabilicb.  200 

165.  severus  ruiber.  [139'] 
172.  referre  priugin. 
181.  iultis  manon. 

184.  cirros  ftragun  t  cranza. 

185.  congerios  huffo.  [140"]        205 
236.  truci  bantigemo. 

253.  calcaribus  fporon. 

255.  umbonis     equini     ruffinef 

rantbogen.  [141'] 
264.  deprendere  firmidin. 

270.  eques  uuefkinara.  210 

271.  biatum  ginunga. 
273.  impressu  ftozze. 
276.  parce  mezzigo.  [141"] 
285.  grande     loqui      guotlicho 

fprechiii,  kbozzon. 


197  kihaCanio  210  feminimini  214  kliozzon  steht  bei   diesem 

V.  am  rapide;  ein  worl  zu  dem  es  befscr  passte  als  zu  ^Maiule  loqui  liabe 
ick  in  der  nähe  nickt  (gefunden,     vgl.  M'  901   pcisiiltauti  chozzunlemo. 


IX.  AUS  PRESSßURG 


89 


215  298. 

expertus  ernindinter. 

397. 

ludicra  fpil. 

400. 

300. 

ille  [puer]  daz. 

408. 

virtutis  piibe    granifprun- 

413. 

giger.  [142'] 

308. 

duces  leitare. 

220  312. 

langiiida  zartliliiu. 

416. 

314. 

petulanter  girigo. 

418. 

316. 

marcida  imoriigiii.  [142''] 

419. 

324. 

stridula  ruzo. 

424. 

325. 

amento  lezze. 

425. 

225  327. 

calathos  ceiiinim. 

426. 

328. 

inlex  fkuntar»  I  fpenftiger. 

331. 

thoros    mulcet   dikchi    gi- 

444. 

flilita. 

448. 

335. 

crepitantia    lora    claftbnta 
zuhila. 

449. 

337. 

radionim  fpeichono. 

230  339. 

electri  fmelzi. 

orbe  felgo. 

451 

340. 

deditionis  firrachini. 

343. 

ganearum  liazefo.  [143'] 

454. 

347. 

qiiod  [uexillum]  den. 

459. 

235  348. 

cuspide   ftacchilo. 

349. 

alain  kirit. 

462 

358. 

mitra  huot. 

463 

caesariem  falif. 

466 

359. 

crocco    [rcligaminc]    gele- 
luiero. 

240  362. 

syrmate  verrat  zagele  che- 
ric.  [143"] 

468. 

373. 

salientem  fpringenten. 

476. 

382. 

quis  Uli  er. 

479. 

384. 

germen  kniuie.  [144'] 

480. 

387. 

exercita  giioptiu. 

485. 

poenituit  rou.  245 

iiirata  sacra  ei  da. 

quadrigis  reitmannin.[144''] 

nequiquam  niippun. 

loris  zuhilin. 

aiiriga  reitrihtara.  250 

sufflamine  gurgulun. 

rupis  fcollin. 

ictiim  iiiirf. 

frustis  Ituccliin. 

crudescit  liarteta,  255 

hauserat  flant. 

oflas  pallun.  [145"] 

uoluptatem  zart. 

crinalis  aciis  fpinilun. 

libiila  niifkil.  260 

flammeolum  rifil. 

strofium  hoiipitpant. 

moiiile  kifteine. 

ferfprochina 
gidiiiiu.  [145"] 
capaci  criffigimo.  265 

iiifarcire  inftoiichcn. 
crumenis  feccbilin,  fecchila. 
celat  hellit. 
abradit  crazota. 
eiimenides  bazufa.  270 

monstri  unaholdun. 
comitatus  giuertun. 
criinina  bazel'a. 
grassantia  uuotinta.  [146^] 
cingula  fezzila.  275 

famis  girida. 
cdebat  giliuniila. 
temptare  greifoii. 


248   in  uiipun?  264   am   rande.      ferCpiocliina    bezieht  sich    auf 

daniiiata  und  gidiiiiu  loird  ah  gidiginin  zu  castis  gchUren        267  leccliila 
loird  zzi  fiscos  am  eude  des  folgenden  v,  gehören         277  gil'umila 


90 


GLOSSEN  ZU  PRUDErsTIUS 


486. 
2S0 
487, 
496, 
507, 


285  515, 

524. 

534. 

535. 

537. 
290  538, 

547. 

551. 

553. 

295  554, 

556. 
564. 
566. 
300 

572. 

574. 

575. 

576. 
305  578 

582. 

583. 

592, 

593, 
310  594 

601. 


fallil  pitriugit.  604. 

videntem  zuefehenten.  608. 

petit  gerot.  [146'J  620. 
(lamuet  kimeine. 

prestringeus  rizzonte.  626. 

ledit  reizze.  636. 
aera  fcacza.  [147^] 

qui  fit  uuio  gipurit.  653. 

infamem  honlichin.  661. 
luiturus  firgcltin  fculinter. 

cum  do.  662. 
superbus  frambarer.  [147''] 

populäres  cbunnelinga.  665. 
toruam  [faciem]  gremizzez. 

virtus  tugind.  670. 

seuera  refkiu.  672. 

frugi  furiburtiga.  674. 

parce  mezzigo.  677. 

sedula  agalezziu.  [148^]  678. 

illudens  huohonte.  680. 

dum  unzife.  685. 

impia  erynis  topontiu  ha-  686. 

zez.  692. 

lubricat  biualta.  693. 

capessit  peuiench.  697. 

duello  einuuig.  698. 

[superjsit  uuare.  717. 

leuarat  kelihta.  733. 
inanes  fkarca.  [148'] 

summam  zala.  738. 

mentum  chinnc.  739. 

extorquent  uziruuntin.  742. 
intercepto  [aditu]  untiruo- 

meuero.  744. 

exesa  [marsupia]  irezzena.  745. 

aerugine  fcimbile.  747. 


315 


coronam  riuc.  [149^] 
licet  nuiazza  ift. 
venalibus  feilen, 
asse  fenninge. 
alat  nerit.  [149''] 
cornicinum     horinplafono. 

[1501 
calcis  ferfinno. 

incisis  erhouueneu.  320 

subsistente  giftullintero. 
suspensos  globos  erhabena 

dicki. 
castrensis       heriberclichQ. 

[150"] 
[iuter]  confertos    huffoten. 
ictu  ftiche.^  325 

texta  giuuifte. 
impactum  anigiftoziniz. 
puncto  ftopbe. 
squama  rinc. 
flagellum  geifila. 
strage  flahto.  [151"] 
summotenus  zuzzeroilt. 
riuum  pach. 
iuuat  half. 

sanctum  heiligi.  [151'' 
impedit  marta.  [152^ 
inoffenso  aere  unuuidirpol- 

'inero  liufte. 
aggere  grabin. 
conspicue  zohrato. 
sinu  piugin.  340 

[per]  conceptacula  felidon. 
carbasa  l'egila. 
stertens  ruzzenti. 
vocet  holoti. 


330 


335 


285  fcacka         299  fe  ist  pronomen  306  ^vol  fkacca  zu  loculos 

336  niafta        339  Gr.  5,  705 


IX.  AUS  PRESSBURG 


91 


345  748.  quam  mieliclia. 

753.  circumsepserat unibiuiench. 

[154^] 
826.  harundo  mezruota.  [157''] 

CONTRA  SYMM.  I.  PRAEF. 
60.  nasse  fuimmen.  [159'] 

CONTRA  SYM.MACHUM  I. 
49.  incuruum  i'afiliun.  [159''] 
350    63.  immorienlis  neccliiiizint. 
65.  pessulus  plocliili. 
70.  catamitum  kifliUun.   [160''] 
97.  incantare  begalon.  [164"] 
259.  vitricus  ftiulTun.  [165^] 
355  288.  scissent  vvizfiu.  [166''] 
349.  seUam  faltftiiol.  [168"] 
censeo  irteilo.   [176'] 


425. 

29 

50 
360  135 
286 
311 
347 
367 
365  402 
416 
427 
456 
473 

370  523 


CONTRA  SYMMACHUM  II. 
.  explicet  fpreite.  [176''] 
praestet  foreftante.  [178''] 
parcis  meHihen.  [182"] 
strictura  effa.  [182''] 
placiti  dingif.  [183"] 
.  deiude  bidef  fram.  [184"] 
.  exulat  vuallota.  [184''] 
.  lituis  trumbon.  [185"] 
.  Status  giftifta.  [185''] 
.  fastos  iarbuocb.  [  1 86"] 
tigillis  fpaiTou.  [186''] 
alterutium       biouuederez. 

[187"] 
qui  vuif. 


531, 

553. 
561. 
574. 
577. 
595. 
604, 
607. 
675. 
690. 
699. 
764, 
791 
808, 
809, 


839, 
865, 
913, 


927, 

943, 

946, 

963 
967. 
977. 
983, 


375 


3S0 


385 


rostra  granfa. 

[inter]  liburnas  bielen. 

detraliil  laftrot.  [ISS"*] 

trunco  ftucke. 

noctua  u\uila.  [189"] 

limbum  foum. 

consensus  einnuffida.  [189 

rbenus  rin. 

Ostia  kimuudi.  [191"] 

ludere  fpil.  [191"] 

qui  vueli. 

mastrugis  badrou.  [193"] 

cui  bi  dir.  [194"] 

piratis  fcefbcrgin.  [194''] 

vandalus  uuiiiida. 

getulus  gotb. 

alamannus  fuab. 

saxo  labfo.  [195"] 

urnis  lozfazzen.  [195"] 

quadriviis  kiuuickin.  [196"]  390 

fraudentur  firbintirit  vurtin. 

sumptilnis  kicuikin,  kicui- 

giu.  [197"] 
aruit  irfeb. 

liquorem  nazzi.  [197''] 
classis  fcefuienibi. 
quornas  eicbiua. 
glandos  eicbilla.  [198"] 
calaniüs  balma. 
reposto  biti'oldiencmo. 
culpam  fculd.  [198''] 
residente  kifincbintemo. 


395 


400 


349  vei'sclirieben  für  falifiliii,  falilin  zu  cli;^lyl)cni?  350  /.  iiecchi- 
ziiiten,  wol  zu  nafizaii  Gr.  2,  1053  354  gehört  zu  iiiiiiigiii  am  anfange 
der  7iächsten  zcile.      die  gl.  ivird  am  rande  stehen  363  vgl.  hinuaii 

bi  def  Gr.  5,  2S  366    das    deutsche    wort  gehört  wol  zu  exortam  im 

selben  verse         369  stand  in  der  mir  vorliegeiiden  abschrift  bei  rcatuni, 
171  der  hs.  also  am  rande  370  d/i.  iiuclicliero  vuif  372  /.  ciiielcn 

380  2Vol  fpil  d/i.  fpiloii         392  zu  zwic         401  kifiuliinttiiio 


92 

986, 
998. 

999, 
405  1002 

1008. 

1009. 

1015. 

1041. 
410  1043 

1044, 

1046 

1047, 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIIS 


sicca  triichiniu,  durri. 
flueiites  [annos]  irfchiez- 

zintiu. 

iniquis  imebinen.  [199"] 
gignitur  irrinnit. 
fasciolis  neftilon. 
terminus  marcftein. 
frugi  mezziga,  [199''] 
flagella  uuiflili. 
sentis  fpreid. 
glarea  greiz.  [200^] 
effetis  irrfcaffenen. 
detritä    [parte]    fernozge- 

iiemo. 


1054.  curculio  hamftero. 

1057.  priuatiis   [bonos]   fiintiri-415 

giu. 
1063.  volvitur  vualgot.  [200''] 
1070.  ingratis  leiden. 

1074.  viüniis  luft. 
suspirat  fufftit. 

tedas  kihileicha.  420 

1075.  ignem  luft. 

1076.  resides  irloffcan. 
faces  lüfte. 

1080.  habilis     uigor     kimachiu 
craft. 


1 


Auf  bl.  202  stehen  noch  folgeyide  glossen  die  aber  nicht  zu  Pniden- 
tins  gehören  loerden:  aruina  iinflit.  —  dextralia  riftilla. —  feminalia  braga 
(lateinisch). 


X.   BRÜSSELER  GLOSSEN. 


10 


H.  A.  GALLI  CANTÜM. 

13.  [1^]  strepunt  cra  gent.    1. 

14.  culmine  fireft.  2.  [2^] 

H.  MATUTINUS. 
21.  nersuta    liinder    fcrenki^s 
[2"] 

H.  A.  CIBüM. 
18.  seria  gethegenhet.  3. 
hidicra  fpil.  4. 
uerba  fpraca.  5. 
iocus  lahter.  [3^] 
42.  pedicis  clouon.  6.  [3''] 

69.  coil  gerinn&.  7. 

70.  calatlio  Riefe  uath.  8. 


82.  flatibus  balgiin.  9. 
fidibus  fnarin.   10.  [3"=] 
120.  dedecus  ho  nitba.  11.  [28''] 

P.  CASSIANI. 
15.  pugillares    [ceras]     handta 
flicon.  14. 
(pugillares)  Pugnus.  pugil-  15 

kempio  masculinum 

lus.pugil.  pugna.pugillar. 
■laris.  bandtbflb.  12.  13. 
[29^] 

49.  (inpacta)  anagf  ftp  tf  nb.42. 

50.  (curla  tumens)  vvfr  pandi. 

kfrindi.  43. 


413  /.  fernozzenemo  13  das  erste  h  siebt  einem  b  leuscherid  ähn- 
lich, hinter  diesem  blatte  hören  die  glosse?i ,  auch  die  lateinischen, 
gänzlich  auf  und  beginnen  erst  wider  auf  bl.  28  in  der  passio  Cassiani 


X.  AUS  BRÜSSEL 


93 


55.  secatur   gkri   zot    thuruftf 

can.  Uli :  rd.  44. 

56.  uiscus  inathiri.  [29''] 
20    76.  ferias  fpil.   15. 

77.  p'angere  anaftotau.  16. 

78.  catenis  rei  zen.  [30'] 
104.  (nutautem)     uuiii     cpiuli. 

tili  ulig.  17.  [31"] 

P.  HIPPOLYTl. 
63.  iiiio  crap  pon.  [31''] 
25  107.  instigantftp'ftxn.  18.  [32"] 
153.  (pomena)pomanum.  pome- 
rium  bpm  gard.  19.  [33^] 
186.  speciilum  fpe  g:l.  [33"] 
225.  tribiinal  lector.  [34^] 

P.  PETRI  ET  PAULI. 
17.  siibter  nither.  [34''] 
30    32.  (caiiens)  hiiuitpn.  graiiupn. 
20. 
42.  lacimar  him  .I.e.  21 .  [39''] 

P.  LAüRENTII. 

55.  (massis)  gfgptpn. 

56.  monete  mxniton.  [39'^] 
77.  predia  eg:  ii. 

35    79.  exheres  .i.  ^nerkup. 

84.  imdare  gearmen. 

89.  piiblicus  frpiip.  22.  [40''] 

190.  riidera  arvt.  [41'] 

282.  maciilentis  rottp  gpn. 

40  283.  mentum  ciuni.  [41''] 


324.  acroma  fppt.  [43'] 
533.  ciii  thfmp.  [44'] 

P.  EULALIAE. 

80.  friuula  gfbpll.  23.  [44"''] 

P.  ROMANI. 

26.  ictii  ftikf.  [45'J 
53.  perduelles,  milites  githicni.  45 
79.  procella  iiTari.  [46'] 
117.  extiiber&,  tumeat.  tiiber.  i. 

mafbr.  |46''] 
156.  lapis  nigellus  agaht. 
essedo  famboc.   31. 
172.  siipinus  calTent.  [47']  50 

182.  (amasioiiiim)        amatorum 

frxthklp.  [47"] 
240.  0  textrina  .i.  diincb.  24.[48'] 
245.  (algis)  alga  .i.  I'emib.  25. 
258.  ybis,     genus     auis.     ibix 

Itlnbybd.  27. 
261.  (fuliginosi)  Fiibgo.  brpt.26.  55 
264.  sarculatis  gegedenen.  32. 
269.  forceps  tbngb.  28.  [48*'] 
291.  mentorem     Bilid:ri.      qui 

coli] tu  fecit  illis.  37. 
294.  caminis  l'.mitbou. 
296.  pago,pagauismohoillit'nirfe.  60 
35. 
(pago)    Pagus   dicitur   gp. 
Pgum.  bf  tbk  nkff :  .  36. 
301.  ignosco  nixxitx.  [50'] 


18  dh.  girizot.    falsch  erklärt  im  DIFB  5,  2344         25  das  zeichen  ' 
soll  wol  die   stelle    eines   circumflcxes   vertreten  30   vgl.  nr  XI.   137 

35  dh.  vncriuo  47   das  a  in  mafbr   ist  tmtcn    an    das  m  angehängt 

52  in  einer  aninerkung  zu  diesem  versc  54  die  zweite  silbe,    beson- 

ders das  y,    ist  nicht  ganz  sicher,     es  scheint  eine  nnorga?iische  dentale 
an  ftc(i)nl)uc  angefügt  zu  sein  (vgl.  zs.  15,28)         61  /.  I'aijum 


94 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


383. 
436 

65  467 
485. 
495. 


500. 

70    745 
1080. 


148. 
293. 
344, 
75  473. 
537. 


offellis  braton.  [5P] 
(pupilla)  puppa  fkp.  30. 
catasta  hbr  php.  [51"] 
(pleurisis)  ftf  chf  thp.  38. 
podagra  fiiot  fuh.  39. 
(arthesis)  articiiloriim  do- 
lor .i.  cräpp.  40.  [52'] 
(scalpella)    scalpriim    .i. 
fcrohifar.  [55"] 
uagitibus  xxeiii:n.  [6V] 
(stigmar&)  Stigma,  hant- 
mali.  [68^] 
AP0THE0S1S._ 
sambucas  holant.  [69'] 
cippo  ftoche.  [70'] 
ungiiine  falba.  [72'] 
uerbena  .i.  fenina.  [73'] 
tumulant  bigrauant.  [76'] 


725.  rudere,  mina  dicitur.  arize. 
738.  muribus  miifin.  [76"] 
765.  gleba  fcorfo.  [79'] 
917.  uena  ida.  [80']  SO 

984.  uenam  iduii.  [86'] 
HAMARTIGENIA. 
242.  repagiila  lloz.  [87'] 
289.  (scutulis)  scutulatis  iiesti- 

bus  fck  fbt  tkn.  41. 
296.  [piiluere]  peregrino  bifamo. 
[98'] 
PSYCHOMAGHIAE  PRAEF. 
31.  [greges]  equarum  ftptk.  29.  85 
buculas  läbala.  coi. 
(biiculas)    genus   iiasorum 
t   rantboga    t    geuuaigi. 
33. 
33.  bacis  rakinzun.  34. 


XI.  BRÜSSELER  UND  CÖLNER  GLOSSEN. 


PRAEFATIO. 

10.  [l**]  lasciua  Getelofa.  [2'] 

getdelofa. 

proteruitas  fra fer- 

zartheit. 

11.  petiilans  ungeftiioma.  [2"] 

mujeftuoma. 
14.  male  pertinax  ein  ftridigo. 
einftridigo. 


15.  Studium  iiuillo.  1.  [2']  uuillo.  5 

H.  A.  GALLI  C.\NTUM. 

13.  strepuiit  cradement.   [S'^Q 

chruthement. 

14.  cubiiine  firfle.  [2*=] 

43.  [tenebrarum]     situ     thichi. 

131 


64  fkp  m  fip  mit  Betlimann  ai/fz-i/lüsen  geht  nicht  an;  es  mu/'s  I'io 
verstanden  xverden.  dies  würde  dem  im  mhd.  wb.  2-,  2S1  beigebrachten 
schw.  mask.    der    felie    der  Windberger  ysabnen    entsprechen  1    in  C 

sieht  das  t  einem  i  seiir  ähnlich  2  es  habeJi  in  B  hinter  fra  7ioch  eine 
ganze  reihe  buchstaben  gestandeyi ;  sie  sind  aber  so  verblast  dafs  ihre 
enlzifferung  mir  nicitt  gelungen  ist.  der  vergleich  viit  G  aber  macht 
wahrscheinlich  dafs  in  B  l'razarlieit  wird  anzunehmen  sein  5  o  m  G 

fast  erloschen 


XI.  AUS  BRÜSSEL  UND  CÖLN 


95 


H.  MATLTINUS. 
21.  uersuta  hin  tertfcrenchiga. 
2.  [3'^]()  Hinter  fcrenckiga. 
10    32.  niigator  pofare.  hpffri. 

33.  seuerimi,  grauiter gedigeno. 

26.  0  gethigem.  [3''] 

34.  liulicrum  ziio  zekengb.- 

42.  classicum  lieriboiichen.  27. 

[4*]  heriboiichan.  [4^] 
74.  liictator   geringo.   28.  [4''] 
geringo.  [V] 

H.  A."  CIBÜM. 
15    18.  seria  gedigeni  3.  gethigem. 
(seria)  gflhigenhfkdi.  seriiis 
gethigfnfr.    serium  g\th. 
g:nh-.Jit. 
liulicra  fpil.  3.  fpil. 
iierba  iechofe.  3.  gecofi. 
iocos  Iaht.  3.    [5']   lahter. 

20    42.  pedicis   luozdroh.  29.  [5''] 
fnoz  trohin. 

43.  (ghitline)  Um.  [b'] 

63.  (holeris  coma)  zeuiielega.- 

69.  coit  gerinnit.  30.  gerinnit. 

70.  calatho  chafecbar.  31.  mfi- 

car. 
25    72.  faiiiis  luiaba."-  32. 
74.  liqu&  fliiizit.-  33. 

thymo  pinefuga.  34.  bini- 
fnga. 
SO.  cumulos  hufon.-  35. 
82.  llatibiis  palgeii.  36.  balgen. 


82.  fidibus  fetton.  37.  [5^]  fei-  30 

(Ion.  [5"] 
97.  madido    fuhtemo.    [5'']  ßt 

temo. 
112.  illicit    befuech.   38.0    ^ß- 

fneih.  [5^] 
120.  dedecus  honida.  ^9.honitha. 
130.  suspiciat  uui  der  fehe.  41. 
[6^]  0  uui  therfehe.  [b^] 

152.  domat  thoubot.  42.  thoubot.iö 

153.  inexplicitis  uner  ftrahten.  4. 

[6']  uner  ftrahten.  [6^] 
180.  iecur  lfu\rb.  [6''] 
203.  sarcofago     Hh  char.    43. 

[6'']  0  lihc}'ar. 

H.  P.  CIBUM. 

12.  perdoniitor  doiibare.  thito- 

nare.  [6*^] 
22.  uapore    thoiime.    44.    [7"]  40 

thoume. 
39.  illapsis  choraenen.  45.  cho- 

menen. 
41.  expoHtä  fiole  ten.  46.  [7*^] 

flehten.  [T] 
94.  (saporum)    saporus  gffxbh 

haftfr. 
97.  insolens    iingeftiioma.    [7**] 

ungeftuoma.  [1^] 

H.  A.  LNC.  LUCERNAE. 

3.  ingruit  aneualHt.  ananaUit.  45 
15.  cirpea  pinez.  biniz. 
18.  linteolo  kerzftbllf. 


9  in  B  sieht    das  zweite  r  übe?'  e.      ?iach  Hinter  ist  in  G  eine  rasier 
22  die  glosse  ist  sehr  undeutlich.  =  ziielga  30  in  fetton  liönnle  das 

ci 

erste  t  auch  i  sein         34  in  B  suscrpiat         36  in  beiden  hss.  ist  in  so- 
wie 1  in  inexplicitis  nachgetragen         43  /.  gffnilililiaflfr 


96 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


20.  stuppa  chariz.   [8''J  ckariz. 

[V] 
59.  hospita  gaft.  [8^  gaft. 
50    73.  precipite  turbine  gae  uerte. 
[S"*]  ga  erouerdi.  [S^] 
IIB.  desudata  iizfloz  zeiita.  47. 

[9']  uzßoz  zenda. 
123.  modulisleih.  5.  leikchm.  [8'] 
147.  temo     thihfila.    48.    [10^] 
ththfla.  [9"] 
H.  A.  SOMNUM. 
140.  prestrigiator  Terato,  fcrafo. 
55  146.  liquesce   linilz.-  49.  [10"] 
ffrf.x.nt.  [9'^] 
H.  JEJUNANTIUM. 
15.  disciplinam  lera.- 
20.  stertat  ruzot.^  [10'] 

62.  hirtis  ruen.  51.  rmn.  [10'] 

63.  setis  purfta.  50.  [W]  bur- 

fton. 
60    86.  insolentimigeftiiomene.  52. 
0  ungeftuo  mero.  [10''] 
98.  nugas.  gebof.  54.  gehofe. 
100.  substitit  geftul  ta.  53.  [11''] 

0  geftulta.  [W] 
119.  offam  balla.  [\V]  balla. 
129.  pumices  feima.  [lO**] 
65  138.  t'umum  rohe.   55. 

139.  flagellis,    sureulis    imiphi- 
len.  56.  [11'] 

152.  setas  raginna.  57.  t^aginna. 

153.  impexa  ungortralit.  58.  nn- 

geftralü. 


158.  sutiles  thxrgbprbdnn. 

164.  cunul^,   eunabule.    iiuaga.  70 

59.  uuagun. 

165.  papill»,',  uberis  tut  tili.  60. 

166.  [greges]  armentaliumSueia. 

[12'']  0  fueik''"-  [11"] 

H.  P.  JEJUNIUM. 
39.  aprico  aber.  [14'']  funne'"""- 
42.  lappis  deühon. 
59.  (cratem)  crates  hurt.   [13^]  75 

H.  0.  HORAE. 
95.  insueseeret  geuueniti.  61. 
[15'']  geuuenidi.  [14'] 

H.  A.  EXEOUIAS  DEF. 
102.  earpit  zuchot.  ()  znchot. 
108.  luet  ingiltit.  [15']  mgüdü. 

[141 
141.  cariosa  uuur   mazzig.    62. 
[18^]  unrmazzic.  [14'] 

H.  VIII.  KAL.  JAN. 
34.  (nenias)  fkffxn.  [16'']  80 

H.  EPIPHANIAE. 
199.  (rasum)  gffcbxbn,  gfflkftlL 
(dolatum)   dolatura   .i.  bbr 
do.   inde    iierbum   dolo. 
dolas.  i.  Icchx.  [16''] 

P.  CALAGÜRR. 
55.  bipennembartuD.63.  brmlb. 

[171 
74.  inuidentur  erbunnen  iiur- 
tun.  [19']  erbunnen.  [17''] 


54  gl.  nionstruiu  55    m  C  ist  hhiler  f  7Uir  ein  ptmkt  zu  erke?i- 

71671;  villeicltt  ist  derselbe  rest  eines  \.  —  ^7.  euanesce        65  r  ist  kaum 
zu  erkennen  69  dfi.  tliiugboradim  73    dh.  funneliumen  =  funna- 

luoincii.     fumic  auf  rasur  77  in  C  carp(k  80  fkffxn?    oder   ßr 

fkffpklxn?  81  in  gfflkfllli  ist  das  erste  1  diwch  rasur  aus  1)  geviacht. 

etwa  gfflkCtlkh  zu  seclik?        82  Ikchu? 


XI.  AUS  BRÜSSEL  UND  CÖLN 


97 


P.  VINCENTII. 

85    61.  unguis  cj'hmppn. 

7ü.  lollibus    balgin.    64.   [19"=] 

bßgkn.   [18''] 
177.  callum  luil.  [19-^]  /ml 
199.  bitiimen  clßf.  [181 
217.  regula  c'fin. 
90  224.  rogum  laccare.  facclieri. 
Tll.  punctis  plalera.  ( )  hlaterqn. 
230.  chauterem  lauit  bolz  uazta. 
6.  polz  nazta. 
(cbaiiterem)  chauter  bpUp. 
252.  diuaricatis  zefcranc  ten.  65. 
[20"]  0  zefcranten.  [18"] 
95  258.  impolitis    angulis    xngeef- 
npten  eindkn. 
271.  stipitis    ftochef.    66.    [20"] 

fto  che/:  [19^] 
316.  conclaue   cbaimenata.     ke- 
tninadn. 
(conclaue).  i.  gkxxelni.ll^"] 
328.  dedecus  honitba.  40.  [21^] 
100  457.  sparteus  fuer  telliii.    167. 
fuertellin. 
culleus  cborp.  177.  chorp. 

[m 

funale    feillib.    168.    [21''] 

feilin. 
auram  cbiioli.  178.  chuoli. 


458 
469 
519 
531.  s(!iTam  rcgun.  187.  /'egnn 


551.  ungulas  craphen.  188.  crS- 105 

fon. 

552.  stipitem,   cippum  .i.   ftoc. 

[21']  /toh.  [20"] 
P.  LAURENTII. 
14.  (Cossi)   Cossus.  affricorum 

lingua  rugosus  a  ruga  .i. 

fcrxntiflp.  [20"] 
55.  massis    gegozzon.    186.  () 

56. 


77. 
84. 

89. 

122. 
190. 

230. 
231. 

254. 
255. 
258. 
264. 


282. 


gegozzan. 
monet(,'  munizza.  185.  mu- 

niza. 
predia  gen.  [22']  eigant.     HO 
nudare  gearmen.  166.  gear- 

man. 
publicLis  frouo.  176.  frono. 

[211  ^ 
minis  p  undun,  [221 
riidera  arizze,    175.    [22''] 

arizK  [21"J 
lepra  mi/hl/xh.  115 

Claudicat  liinchit.    172.  () 

henchit. 
pruritchitilot.  174.  ckuzilot. 
scalpit  fcebit.  173.    /^kebit. 
strumas  chelca.  165.  chelca. 
morbo  regio  Keleliiht.  184. 120 

[231  kele/ut  ( )  gvlpnbfxt. 

[211 
mucculentis  rozzegen.  183. 

0  ruzzegen. 


85  r  ist  aus  1  gemacht  91  o  Jmd   der   pimht    in  C  mit  anderer 

dinle  93  der  untere  schaß  des  ersten  p  in  lipllp  ist  bedeutend  kürzer 
als  der  des  zweiten  107  fcrxntif  ist  dmtllich,  I  ziemlich  sicher,  p  aber 
ist  fast  ganz  verblast  und  zwei/'elhaft.  dann  folgt  dr  ==  dicilur.  wol 
fc-rxiitiflp  110  vor  tjen  ist  ein  huchstabe ,  wahrscheinlich  e,  erloschen 
114    das   zweite  i  in  aiiz'    über   einer   rasur  116    in  C  ist   das  c  von 

hciicliit  aus  i  gemacht  121  es  ist  zweifelhaft  ob  ruzzegen  oder  rozzege» 
dasteht 

Z.  f.  D,  A.  neue  folge  IV.  ' 


98 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


282.  naribus  naruii.-  [25"] 

283.  mentiim  chinni. 

317.  fiircifer  fuorfcbltfrk.[2\^] 
125  324.  acroma  fppt.  [22''] 

474.  quandoqiie     npc    uubnne. 

[22''] 
557.  iiideor  mihün  kit.  [23"] 

P.  HIPPOLYTI. 
57.  ungiila  aafo. 
63.  imco  mif.  [23"] 
130 107.  instigant    ftoupton.     [26'] 
ftouptnn.  [24''] 
153.  (pomeria)   pomarium.  po- 

iiieriiim.  i.  bpxngbr. 
167.  subterranea  erd  huf.  171. 

[27"]  erd  huf.  [2¥] 
186.  speculiim  fpkfgal  [24"] 
225.  tribunal  lector.  [25"j 

P.  CYPRIANI. 
135    77.  calce    cbalcke.    170.   [28'] 
calc.  [26^] 

P.  PETRI  ET  PAULI. 
7.  paliis  ftrxph.  [26''] 
32.  (canens)     caneo     xxkzpn. 

grbxxpn. 
36.  tluctuet  fneno. 
40.  miisci  mief.  mief. 
140   42.  lacunar  bimilicin.()Ami7?c«. 
[261 
Ol.  pontis  brucca.    169.  [29^] 
brxccx.  [26"] 


P.  XVIII.  MARTT.  CAESARAUG. 
42.  ferculum  fuora.  164.  [31^] 
fuora.  [29^1 

P.  AGNETIS. 
117.  cristas  chäba.  ['dl%)cambb. 

[29"] 

P.  EULALIAE. 
23.  ore  seiiera,   sobria.    fiieri. 

[351 
62.  milia  mkl'.xn.  145 

80.  friuola  gßpff.  [31"] 

P.  FRUCTUOSI. 
33.  tergeminos  thr'ifcxn.  [ST] 
65.  gladiator  keimpp.  [32"] 
132.  uindicabat  gkfg  «orf&.[32"] 

P.  (JLIRINI. 
20.  quolibet  mit  einimederemo.  150 
163.  [3S']0  mit  eimme- 
theremo,  mit  iegimifremo. 

[41"] 

P.  CASSIANI. 
15.  (piigillares)  piigillar.  i.  hbnt 
taflb.  [411 

n 

50.  curiia  tiimens  ceuuerfente. 
55.  secatur  gkrizih.   [42''] 

P.  ROMANI. 
1.  (adseilor)monomociis  kfim- 

php.  [42"J 
53.  (perduolles)     milites.     ^e- 155 
hkni. 


124  sehr  undimlliclt  geschrieben,  ob  tiiir  oder  t'urka  darin  steckt 
weif's  ich  7iicht  127  das  \\  hat  am  oberen  ende  seines  scliaf'les  links 
ei?ieti  starken  (leck,  welchen  villeicht  ein  nachgetragenes  t  verschuldet 
129  dh.  ciafen  =  crapfcn  140  hinter  hiniilici  rasur  144  ist  fuiiari 
oder  fiibari  gemeint?  150  l.  iegiuufthfremo  152  a  und  der  punkt  mit 
anderer  dinte         153  vgl.  136.  155.  200.  (204  =  X.  69).  214 


XL  AUS  BRÜSSEL  U.>D  COLN 


99 


53, 

56. 
64. 

78. 

160    79, 

90. 

IM. 


117. 

165  120, 

127. 

143. 

156. 

170 

172. 


182. 
187. 

175  228. 
239. 

240. 
245. 


(perdiielles)  diielluiii   fhi- 

xxtgk. 
conspirat  gf  einetafkh. 
obstinate  em/'trkdfgp.  [43"] 
uentilator  imifgelare.  162. 

[38"!  zeuui/gelari. 
procella  irrari. 
signifer  zekhfneri.  [43''] 
apparitores    inknehta.    tn- 

knehta. 
suggei'iiiit     linder    zalton. 

161.  [38"]  0  under  zal- 

tun. 
(extiiberet)  tulier  .i.  mafbr. 
gradu  hertuomf. 
(textu   stemmatis)  chxnnk- 

zalx.  [43*^] 
(togae)  tremhila. 
(pretexte)  gebrprtptf. 
lapis  nigelhis  agalit.  181. 

agaht. 
essedo    irdjoc.    1 82. 

fambuc.  [43''] 
siippinus    caffenter. 

caffenter. 
rigens  parrenl.  180. 

bareuiler. 
amasionnm  frxthklp. 
ucruece  uuidere.  [39'']  uui- 

thare.  [44''] 
scenica  fpih'ch. 
fusos   Ipinnila.  [40']  /pin- 

nilxn. 
(textrina)  dun. 
(algis)  alga  .  i.  femih,  [44'] 


[39"] 
180. 
[39"] 


260.  ct;pe  fxirrpn. 

264.  sarculatis   gegetenen.  198. 180 

gegedenen. 
267.  oflicinis  ant  iiucrchun.  22. 

0  fmihthpn. 
269.  forceps  tbngb. 
271.  (ei'licax)  frxmerkn.  [44''] 
280.  tyrso     ftange.     23.     [40"] 

ftange. 
284.  crispo  [liquore]  ftrxvfra.    185 
294.  caminis  fmitlmn.  24.  ßni- 

tlion. 
296.  pago,    paganismo.    heithf- 

niffe.  0  pagus  .i.  gpkxxi. 

pagum .  i.  heitliknkffk. 
299.  triilla   chella.    1 59.   chella- 

trxflb. 
303.  circulator  rizzare.  160.  riz- 

zari.  [45"] 
305.  ( edentiilarum )     anularum  190 

acendero.  179.  [42"] 
329.  hesperos       b  nbnt  fterren. 

[45^] 
383.  (offellis)  bratou. 

(bubulis)  biibulus  p  finfr. 

bul)alus  .  i.  xxk/'xnt. 
385.  (urnas)  Ikkcbr.  [46"] 
436.  (piipilla)   puppa  /kp.  195 

467.  (cataslä)  hb'r  phb.  [W] 
485.  pleiiresis  ftecbedo.  194.  () 

ftf  chf  thp. 

488.  coquit  bldlrkt. 

489.  i)apulas  blateriin.  195.  bla- 

drnu. 
excitat  fr  hexkh.  200 


I 


177  (/er  oder  die   huchstahen  hinter  dun  xind  gänzlich  erloschen 
184  der  Schreiber  von  ftaiigc  in  B  fügte  auch  das  0  in  lyrso  zu        187 
die  zweite  und  drille  glosse  auf  bl.  44'  am  rande         188  vgl.  D  273 


100 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


490.  cauteribus     bolzon.      196.        848. 

bolzon.  864. 

495.  potlagra  fiiczfuht.  ()  fiiot- 

siih,  fx  in  (xh.  890. 

arthesis  .  i.  cramfo.  ()  cram- 

pho. 
500.  scalpella,  scalprum.     fcrot 

ifaii.  197.  [42'']  ()  fcroh-       905. 

ifar.  [47'] 
205  557.  caraxat  chraz  zot.  193.  [44']        918. 

rizza.  [48^] 
715.  indulgentiae  zartunga.  191. 

0  zardungx.  932. 

721.  toriia  erbolgeua.  192.  [44''] 

0  erholgena.  [48'']  981. 

738.  papillarum  tut  ti. 
745.  iiagitibus  xxeinin.  988. 

210  746.  saepe  öfdi.  993. 

alliuleres  zuo  zechotilt.207. 
747.  gaiTulorumuerborum chro- 

nelinero  imorto.  [45']  ()      1016. 

chronelinero  uuordo.  [33'] 
762.  testa  gebel.  205.  [45'']^eie/      1018. 

0  gkuklla.  [33*^]  1025. 

793.  actum  gebph.  1027. 

215  798.  recrudescentibus   bera"fiu-      1029. 

ten.  berafinten. 
800.  ignauos  zagun.  206.   [45*^]      1076. 

zagun.  1080. 

812.  concitat  behiez.  204.  behiez. 
818.  appello    ibferdingo.     [45']      1103. 

ihfertkmgo.  [33*^] 
848.  sarmenta     fpachun.     203.      1104. 

I'pac}i07i. 


foeui  ftro.[46']  Aroe/:[33'']  220 
maniplis  uuicheliuen.200. 

[46'']  miichelinen. 
nodis  geleicheu.  201.  ge- 

leichen. 
sarciens  zelgenti,201.  zel- 

genle  gefcknenti.  [34'] 
[dentibus]  artis  geclaucten. 

2U2.  [46^]  gecm  ten. 
abdomina   ambon   1  uue-  225 

neft.  199.  [47']  abam.  l 

nnaneftb.  [34"] 
([oris  tortä]  testudine)  gf- 

xxbrnkthb.  [W] 
calumniam    leidun.    216. 

[47'']  leithun.  [34''] 
plectro  citherepiime. 
porca  fu. 
grunnitum  gra  noth.  [47*^]  230 

granoth. 
tabulis  bit   thiliii.    thilon. 

[35'] 

aream  i.deni. 
setas  zaton.  ()  zaten. 
uenabula  fpiezi. 
pontis  prucca.  [48']  brnc23b 

cxn.  [35*^] 
(fragitidas)  thruofe.j3recÄj)f . 
(stigniarit)  Stigma  auimale. 

[48'']  "antmali.  [35'=] 
(strangulatrix)     straugui- 

rium  xxriftfklli. 
gaiTuli    kroneuten.    215. 

[52']  krön  nen  den.  [36'] 


205  /.  rizln         217  in  B  ist  i  verblast        223  zu  fkina  Gr.  6.499 
224  zwischen  a   2ni(l  I  rasur        225  a  in  uuaneftb  aus  e         228  citlie- 
repiiiiie   auf  rasur         237  in  C  h  wid  i  von  anderer  hajid  auf  rasur 
238  stranguirium  in  der  bedeutwig  '■tvursthülse   finde  ich  sonst  flicht 


XI.  AUS  BRÜSSEL  LIND  CÖLN 


101 


240     17 

130 
193. 

19. 

30. 

245    46. 

54. 

4. 

33. 

95. 

250  148. 

209. 

216. 
293. 

340. 
255  343. 


344. 
353. 


EPILOGUS. 
[olla]  fictilis  thbknb.  [37"] 

PISCINA  SILOA. 
.  (eructat)  erxxfgit.  [38^] 

APOCALYPSIS  JOHANNIS. 
.  pateris  fcblpn.  [38"] 

APOTHEOSEOS  PRAEF. 
.  lacessunt  irrent.  214.  [52"] 

irrent. 
.  sophystica  xxkßichxn.lZ^"] 
.  auenas   tard.  212.  durthb. 
(recrementum)   xiigf  nubf, 

fprin. 

APOTHEOSIS. 
gestamen  fuora.  213.  [52*^] 

fuora.  [3S''] 
amicitic,^   Imldi.   211.  [53"] 

hui  dt.  [39"J 
relisis  Icellenten.  210.  [53"] 

0  Icellenten.  [39''J 
sambiicas  holant.  [54"J  ho- 

lanter.  [40'] 
argumenta  kltini.  209. [55"] 

klfini.  [40"] 
fcane)  h'pue  xxhrtf.  [40''] 
cippo  ftoche.  [55'']  fto  che- 

[49'] 
'\w&Q\'ioanegimbitote'mo.['W'] 
surciilus  zuic.   189.  znic. 
iactat  geilit.  nee  niiiiomit. 

190.  0  geile. 
unguine  I'alba.  [56"J  falba. 
similaginis  fimula. 


360.  plaga  harx  fcb.  [W] 

388.  clielys  harfa.  208.  harfb.    260 

407.  spiras  geuiiel.  [57"]  geuuel. 

sohle  enuuint.  [49''J 
431.  miscet  fcenchü.  [50'] 
.  467.  (anim(^)  xxeref. 
473.  uerbena  ifenina.  [50"J         265 
501.domini  herren.    158.  [59'] 

he'rren.  [50'] 
515.  cementum  mprtbii.  [51"] 
619.  cancrum  crfukz. 
621.  iiillis  ftrddpn.  [52'] 
718.  fercula    fcuzilun.    157.    ()  270 

fcuzilxn. 
725.  rudere,  mina  dicitur  arize. 

[60']  0  arize.  [52"] 
765.  (gleba)  terra  fcorfo.  [52"] 
817.  tal)entibus  moluente.  [61'] 

mol'.'nenten. 
822.  oblita  biclenan.  [53'] 
917.  uena  ida.  275 

923.  concreta  geuuahfaniu.  156. 

[62'']  gfxxbffbnkx.   [53"] 
953.  atomi  gebofk.  [54'] 
984.  uenam    idun.    155.    [65'J 

idnn.  [54"J 
1002.  (sursum)  upp  port.  [54''] 

HAMARTIGENIAE  PRAEF. 
6.  certante  iligimo.  [55"] 

HAMARTIGENIA. 
4.  (diuortia)   diuoreium  xxf-  280 

gffci.t.  [55'1 
13.  coniicit  rdli/'cöt.  [55''] 
50.  inducere  mächon.  [56"] 


259  /u'?i(e7'  X  u?id  h  sind  noch  einige  spuren  von  buchstahcji  zu  er- 
keiinen.  I.  haixmfcbra  262  darunter  eine  kleine  rasur  264  ganx, 
deullich.     für  xeief  dh.  forlief? 


102 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTlüS 


125.  attouiti  undfrcopfnff.  [65"]      397, 

138.  pedicas  iiiozthni."  153.  400. 

2S5  140.  plagis  malcon.    154.  [66']     402. 

mdfcon.  [57^]  404. 

216.  lolium  rddo. 

217.  glebis  Icorfo.  [66'']  fcorfon.     424. 
233.  cicutas  Ikereling.  151.  fce-     430. 

reling.  [57^] 
242.  repagula  floz.  152.  [66^]        433. 
290  259.  scatebras  crioz.  150.  yrioz. 

267.  res  fachiin.^  149.  [66^'j  444, 

.271.  conchanim  fcalono.  [57'']        488 
289.  scutulis,    sciitülatis   uesti- 

lius  fkibahten. 
291.  stamiiic  varfe.  146.  xxbrff.     492. 
295  295.  telis   vuebifan.    147.    uue- 

bm.  523, 

296.  (peregrino  piiluere)  miiscus      539. 

bifaino. 
302.  fotibus     vu'nninon.     148.      555. 

[67"]  xxerminon.  [57''] 
317.  neruoruin  feinten.  601. 

322.  ganeonis  urazef.  145.  ura- 

zef.  619. 

300  329.  atteimante  Certentemo.[67''] 

certentemo.  ]58''] 
364.  perfurit  imodit.  650, 

379.  suspiria  liiltunga.  142.  [67'']      658, 

fuftnnga.  663. 

386.  commeiidat     keliubit.     (je-     721, 

liubü.  749. 


(obtrectatio)  hkfprbhnk. 
personal  cliallöt.  callöt.  [58*^]  ^05 
claiiam  kolbon."  143. 
(idololatrix)  abgodlicbo.  1 44. 

[681 
viris  thegenon.  [68''] 
(nebiilonum)        nel)ulonis 

fcrbti).  [58"] 
finitimis  gfmfrklikbfn.  141.310 

[68"] 
limat  figlot.  [59'] 
fragor  cbradem.  140.  chra- 

thü. 
arietis  heühx. 
propugnacula  l)ruft  imeri. 

139.[69']ftrM/"MMen.[59'] 
irri''mina  gremi  fala.  [69'']  315 
medicata    geluppm.     137. 

gflxpplitx. 
concreta  geuualifana.  138. 

[69'']  0  geuuahfana\  [60'] 
n  it  eiitiljus  fpf rdf rfii  df n  .136. 

171'] 
(piierperiis)      hoc      Puer- 
perium    .i.    tuet    gebor. 

160"] 
damna  [aures]  ferftopfo.     320 
taceaui  ferfuige. 
[post]  dixmivdxxeninen.  [61'] 
consistit  gefteit.  133.  [71"] 
litpiitur  zeüuizit.  134. 


289  in  C  ist  über  rcjjagula  ei?ie  rasur ;  man  sieht  tmr  noch  den 
hinter  dem  aiisradierten  woi'te  gesetzten  pnnkt  und  dann  obsiacula.  es 
wird  wo!  ebenfalls  floz  gestanden  haben,  auch  sonst  finden  sich  bei- 
spiele  dafs  in  dieser  hs.  deutsche  glosscn  getilgt  sind  oder  loenigstens 
ci/i  versuch    der   tilgung  untcr7io?n7nen    ist  297  m  G  ist  e  aus  i  ge- 

viacht         300  SM  zaitjan         319  da  tncl  ganz  deutlich  ist,  so  mufs  tvol 
em    Schreibfehler   vorliegen   für   cnetgebor   welches    das   lat.   puerperium 
wörtlich   übersetzen   7vürde.     vgl.    Ra.  269''  puerperium   knelitperandi 
323  dat.  pl.  von  uuaiii,  defectus 


XL  AUS  BRÜSSEL  UND  CÖLN 


103 


325  761.  propolas  fcafreidon.    135. 
[71']  dranchuf, 
(propolas)        propino     .i. 
fcfkncx.  [61"] 
772.  alterutram  [uiam]   einxxf- 

thfrfn. 
IIA.  renutat     uuankalot.     132. 

[71"] 
796.  (ditibus)  rihliclien.  [<6V] 
330  804.  (ac  si  olim)  Ibanne  dir  fii- 
menef.  21.  [73''] 
807.  iiisco  miftil. 
810.  saett?  feiten,  [ei"*] 
853.  leneris  maminden. 

oblectat  lihlochot.  [62'] 
335  868.  palla  tuhil. 
873.  setis  burftxn. 

cibo  flegebraxxb.  [62''] 
910.  (tacitis)  ferfuigelen.  [62'] 
940.  quandoque      meae     noch 
iiiianne  iiiincra.  20.  [74''] 
340  957.  castrata  erfurrentiu.  [66'] 

PSYCHOMAGHIAE  PRAEF. 

11.  coiiiugalem    finbibh.    131. 

[75']  finhilih.  [67'] 
19.  sinistris    niintiis   mit    uii- 

froii"en  bodcrkefin.  130. 

[75"] 
31.  greges     equariim     lluoto. 

129.  ftuoti. 
(biicculas)  gcnus  uasonun. 

\  rantbogen.    19.    rant- 

böga  1  CK  e. 
345    33.  bacis  racbin  zun.  25.  ()  ra 

chin  zun,  halfthru  uukn. 


33.  (bacis)  Baccas  dicimus  uin- 
cula  &  bace  dicuntur 
gemmo  nee  non  &  olei 
fructus&laiiri  baccas  uo- 
camns.  vuiffila  uitiuni. 
vuinirebon.  25.  [77'] 
Baccas   dicimus   ninculas 

n 

.  i.  nniffilxn  et  ba'^cp  di- 
cuntur gemmo  nee  non 
olei  fructus  et  lauri  ba- 
c':as  uocatnus.  [67"'] 

46.  (mappalia)  magalia.  loiiba 
l  butta.  127.  louba  l 
hxttw. 

49.  poenitens  fcamente.  128. 
[77"]  Scamenti.  [68"] 

PSYCHOMACHIA. 

5.  mibte   kempben.   kemphen. 
1 1 .  meliore  mann  keTterobenti.  350 
[78"]  0  kefnntera  henti. 
[69'] 
31.  labefactal  bifleifta.l26.[79"] 

biflifta.  [69''] 
45.  sullnndcre  fumo  erdemieu. 
125.  [82"]  0  er  thfmfbn. 
[72'] 
116.  conto  ftanga.  [84']  ftbngb. 

[72"] 
127.  ([per]  intortos)  gfxxntinfn. 

[73'] 
137.  capnbnn  kilzk.  355 

151.  (missile)  a  mittendo  dicitur 
rpiribn.|86"l/i;/n7m.[74"] 

186.  coibal  nahzo  tela. 

187.  nodum  copf.  123.  chopf. 


351  in  C  das  zweite  i  auf  rastir 


104 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


188.  limbiis   foü  l   linis.    124.      367. 
[87']  foum  1  finis.  370. 

360  191.  liipatis  chamif.  122.  [88'] 
chamif. 
(madidis     lupatis)    fochten     402. 
mindilon.  [75''] 

216.  (ridiculum)  huohlichaz.  407. 

217.  calidos  checha. 

237.  tepefacta  erfleimediii.  121.      414. 

[88"]  erfleunetin.  [IQ'] 
365  254.  temeraria  frabiliu.  1 1 9.  frb-     420. 

nblkx.  426. 

255.  umbonis    rantbogen.    120. 

[90"]  rbntbpgen.  [78"]  431. 

282.  orantis    cronunderu.    118. 

[92']  435. 

312.  (languida)  .i.  zartontiu. 
314.  amoenas  uiinnifamen.  117.      440. 

[92"]  vuxnnffbmfn. 
370  (petulanter)  instabiliter  .i.      444. 

gftklpfo.  [19'] 
318.  (lituos)  heretnmibun.  116.     448. 

[93']  heritrxnbxn. 

323.  rariindo)  ftrala.  ftrblb. 

324.  nemo    (eneuua  t  arcii.  () 

fenua.  l  arm.  449. 

stridiila  ruzondc.  114.  ru- 
zönte. 
375  325.  ameiito  laze.     leze. 

326.  lasciua  gettelofiii.  115.  [94']     453. 

getelofin.  [79"] 

337.  radiorum  fpekhpnp.  463. 

339.  flexiira  felga.  113.  [94"]  ()      471. 

felga.  [80']  472. 

358.  mitra  huot.  ()  hxpt.  475. 

380  359.  religaminc,  alligatione    gi-      476. 

bendi.  HO.  ()  gkbfntk. 

3Ö6  in    C    ixl    das  deutsehe  worl  zum 
ist  hl  G  ein  g  ausradiert 


cantharus  fcala.  111. 
(toreumata)  toregmata  fcaf- 

reita.  112.     [95"]    fcbff- 

rfitbn.  [80"] 
(seciires)    partun.   pbrtxn. 

[811 
feruentibiis        charronten. 

[96']  carronten. 
uertigo    iielga.    18.    fflgb.3Sb 

[81"] 
insigne  iirmari.[96"]Mrman. 
offas.  particulas  .i.  ballun. 

17.  bal  hin. 
liaustiis  .i.  fiipfa.  109.  [97'] 

M  fa.  [82'] 
sistro  fuegelon.  108.  [97"] 

puegelxn. 
peplo,  pallio    tuhil.     107.390 

[98']  ()  tnliil. 
uoluptatem  zart.  106.  zart. 

[82"] 
criualis    acus   ruil    \  fipi- 

nila.  12.  rifil.  \  fpinnla. 
redimicula   rena  \  ueftilo. 

13.  neftüxn. 
fibula  nofca.  14.  nxfcb. 
stropliiuin  tuhil.  15.  tnh'l.S% 
monile     gefteue.    16.     ge- 

fteini. 
conibonteniimenteniü.  |99'] 

ninentemo.  [83'J 
iingues  nagala.  105.n6^&  l:. 
commilito  herig fffkllp. 
(socio)  fbmfnt  ITndl'ndrinp.  400 
buUis  cbaftou.  caftpn. 
cingula,      l)aUeiim      balta. 

[100"]  0  bUz:.  [84'] 
teil  ausradiert         398  vor  1 


XI.  AUS  BRÜSSEL  U^D  CÖLN 


105 


500.  classica  hereboiichen.  104. 

[lOr]  heribo  iichan. 
507.  laedit  rizta.  [84"] 
405  529.  docta  giler  neten.  ()  gelir- 

nctem. 
532.  parapside  fulz  care.  [85''] 

0  fulzchare.  103.  [103"] 
563.  iactet  tiiomla. 
567.  manicis.     alfdruen.      102. 

[105"]  half  tru  en.  [86"] 
594.  palpitat  zabulot.  [106"]  za- 

nelot.  [87"] 
410  633.  exfibulat,  disciugit  .i.  m- 

gurta.   [88*]  ()    Ingurta. 

101.  [107*] 
636.  coiniciDum     heiibouchen. 

100.  [IIO'I  heribonchati. 

[9r] 

731.  (acuto)  alto  hög.  99.  [116"] 

hög.  [93"] 
834.  (striictile)  gkfegpt,   gkhpu- 

ubn.  [96"] 

CONTRA  SYMM.  I.  PRAEF. 
15.  algidi  froftega.    98.   [116^] 
froftega.  [96*^] 
415    39.  aciiniina  chlntnma. 

43.  impeüis    liieil't.  96.  [117"] 

fueift.  197"] 
88.  inipt'tus  l'ucift.  /neift. 

CONTRA  SYMMACHUM  I. 
5.  turbare  gei  rren.  97.[117"'] 
geir  rhu.  [97"] 
49.  [uitibns]  incuriuim  [putan- 
dis  chalybem]  rebe  fabf. 
11.  [11  SM  rehefahf. 


58.  adhinniuit  ziio  er  luie  gota.  420 
94.  zno  eruuegota. 

65.  pessiilus  plochili.  ()  plochil. 

66.  cuiieis  iiuecon.  uufccpn. 

67.  imbricibus  fkintelon.()/"Äm- 

telon. 

70.  catamitum     kifl'afen.     95. 

giflafen. 

71.  sorore   kelhm.   [HS']  /te;-425 

hm.  [98"] 
115,  (ramo)  zgrfg. 
1 17.  transtris  fezzon.  92.  fezzon. 
119.  (concubitns)    uuidillo.   93. 

unidillo. 
126,  prohiit  pegoz.  [119"]  ()  pf- 

gpz.  [98"] 
159,  ludilaia  zuo    zecunga,  91.430 

[119'']  zuozechunga.  [W'] 

234.  (PicHs)  in  aiieni  siii  Homi- 

nis mutatus  est  .  i ,  fpeht, 
[120*]  fpfh. 

235.  (epotum)   küruchmz.  [99'] 
257.  saliente    Tprunge    zentero. 

10.  0  fprnngezentero. 

259.  (vitriciis)  Itiulater.  89.  ftkf- 

fbtfr. 

260.  priiiigni    Itinfcbindef.    90. 435 

0  l't.xf  ch.mlff.   [99"] 
269,  Claras  marra.  [120']  mbrf. 
272.  delicias   Irüt.    [121*]    tn'it. 

[100"| 
345.  conimenli  erdabton.  [121''] 

erdahton. 
366.  succincta  ul'gefcorzotiu,  88. 

[122"|  0  xfgefcor  zpthi. 

[101"] 


422  171    B    ist  c  undeutlich         426  sehv    zweifel/iaft.     mit   anderer 
f;e/iei7nsc/irifl  =  zerfe'l       431  in  C  ist  hinter  fpfh  das  tjlall  ab-^cschnitlen 


106 


GLOSSEN  ZU  PRUDENTIUS 


440  436. 
476. 

490. 


540. 

631. 

445  638 
640 
643. 
653, 

654 


(brattea)  pedela.  [lOr] 
iiulignatio  leid.  87.   [122^ 

leid.  1101"] 
concreto  fer  uiial  chenemo. 

|123']  fer  nual  chenemo. 

tio2r] 

adsuescit  geuuenita.  [123''] 
0  geuuenita.  [103'] 

lariias  fcraten.  [124']  fcra- 
ten. 

rastris  egitha.  egkthpi. 

hgonibus  feclion.  fegxn. 

iie  thaz:  [103"] 

petita  est  kfbnfxbrtpt.  86. 
[124^]  0  kfbnfxhrlpt. 

(siiiiiamine)  MWöM  che.  [103'] 


CONTRA  SYMM.  II.  PRAEF. 

450    57.  intonat  prahtit.  83.  brbhtit. 
58.  turnet  geilifot.  84.  ge'lißt. 

CONTRA  SYMMACHUM  II. 
4.  refellam  ferflaho.  85.  [124"] 

0  ferflaho.  [103"] 
9.  calentes    eruuabfente.    81. 

eruuaffente. 
10.  classica  horntrumbun.  82. 
[125']  hprntrxnbxn. 
455    30.  hastis  fcafto.  [104'] 

37.  stropbio  tiibile.  79.  txhilf 
recincta  zizufotiu. 

38.  papillas  tutteii.  80.  [127'] 

txU[n.  [106'] 
283.  rastri  hacbo.  78.  hdcho. 


286.  strictura    liiii    da.     [129']  460 

fmida.  [107'] 
419.  (clauiim)  floz. 
428.  turbauit  geirta.  [129'']  pe?V- 

ta.  [107"] 

455.  fusis    fpinniliin.    76.    ppi- 

nul. 

456.  tigillis  fparron.  77. ()  fpbr- 

rpn. 
fraxinus    afc.    75.     [130']  465 

bfc.  [108"] 
577.  limbiim   foum.    74.    [131"] 

fpxm.  [109'] 
647.  liguo  cauato  fcema.  [133'] 
698.  (mastriigis)  lüdiron.  [110"] 
808.  Dana  dene.  9.  dene. 

üuandalus  uuinid.  9.  uui-4~tO 

nid. 
Hiinus  liun.  9.  [133']  hun. 

[HO"] 
858.  (tliyrsigeri)    thyrsum    dor- 

Ibn.  [133"]  dorfon. 
868.  serapen    chenela.  73.  che- 

nela. 
870.  crocodrillus     nichuf.     72. 

[134"]  nichuf.  [111'] 
rubigo  uuintprant.  70.       475 
auena    turd  .  1    churfpoto. 

8.  [134"] 
946.  corna     cbnnielbere.     71. 

[135'] 
976.  rubigo     vuint    brant.    69. 

[135"] 


448  dh.  keanefaitot.  m  C  ist  vor  dem  zweiten  f  eine  rastii',  ivie 
es  scheint  von  c  450  in  B  das  i  aus  a  corrigievt  455  dahinter 
ist  ein  buchstabe,  wol  n  erloschen  467  villeicht  hat  auch  in  G  109* 
dies  wort  avi  rande  gestanden,  man  sieht  noch  spuren  von  buchstaben 
469  in  C  ist  aus  dein  ersten  e  von  anderer  liand  a  gemacht  475  6 
in  der  prosa  liinter  v.  910 


XL— XIII.  AUS  BRÜSSEL,  CÖLN,  WOLFENB.  U.  MÜNCHEN  107 

1002.  inproba    ungeiTiahc.  un-  1054.  gurgulio  meftro.  [136^] 

gemach.  1056.  iielamine  xx  l:.  [111'^] 

480  1008.  fasciolisneftilon.eS.  [135"]  1089.  pileutofamlnilic.67.  [136"] 
neftilon.  [\\V]  fübuch.  [11 2'] 

1043.  (sentix)  thornakf.  1106.  litia  neftilun.  7.  neftilon.  4Sb 


XII.  WOLFENBÜTTELER  GLOSSEN. 


PRAEFATIO. 

10.  [l*"]  lasciua  proteruitas  Ge- 
tolofa  frazarheit.  [2''] 

H.  A.  GALLI  CANTUM. 
14.  culmine  frifte.  [3^] 

28.  stertere  .  i .  ruzat.  [4'] 

H.  MATUTINUS. 
32.  migator  pofare. 
5    33.  seucrum,    grauiter    gedi- 
geno.  [6^] 


H.  A.  CIBUM. 

69.  coit  gerimit. 

70.  calatho  gafechar. 
74.  thymo  binifoga. 

82.  fidibus  fegitou.  [10^] 

H.  A.  INC.  LUCERNAE. 

3.  ingruit  ane  uellit.  [10'*]      lo 
15.  scirpea  pinez. 


XIII.    MÜNCHENER  GLOSSEN. 


H.  A.  CIBUM. 

66.  [51  mulctra  chiufehter.  [5'^] 
92.  tremit  fpragunt.  [7''] 

H.  A.  INC.  LUCERNAE. 

14.  lichnis  taht.  [8'^] 

94.  atticum    humbcliiic.    [12''J 

H.  P.  .IE.TUNIUM. 

5    44.  cardiis  diftiila.    [19'] 


P.  CALAGURR. 

55.  bipeiinem  aclicf. 
72.  (calybs)  ochel.  [20''] 

P.  VINCENTII. 

13.  idoli  rhiiic.  [2^] 
70.  follilms  l)laifbalgc. 
79.  aiicui.os  lügclar.  [23"] 
243.  fornicis  fvvibovgö.  [25'' 
492.  fiscclla  zainfaz.  |27"] 


10 


482  der  anfaiig  des  Wortes  ist  ganz  erloschen.  /.  hameflro  483 
zuüsclien  xx  tnid  1  hat  ein  x  oder  o  gestanden  2  /.  fprangul  7 
Gr.  1,  130         8  gehört  wol  zu  satellcs  (iiloli) 


108 


GLOSSEN  ZU  PRUDEMIUS 


P.  LAURENTII. 

76.  sestertiorum  [milia]  fechele. 
[29^]  • 
2S2.  muculentis  rozegeii,  [29''] 
15  318.  cauillo  trugeheit. 
mimico  fpillicher. 
320.  sciirra  fnuiTinch.  [30'] 
399.  catasta  hurd. 
409.  ludibimdus  froiliclier.  [31^] 
20  478.  ualuas   iialdeltivre.  [35"] 
P.  HIPPOLYTI. 
153.  (vallo)  graben.  [52"] 
P.  ROMANI. 

187.  verbece  widere. 
221.  cygnus  elbiz.  [55^] 


467.  catasta  prennif.  [55''] 
490.  cauteribus  prennifen.  25  ] 

511.  [aiiriim]  regestum  gebraute. 
[78^] 
APOTHEOSIS. 

399.  nuntia    laetitia,    energia  i. 

vvotu.  0  energia  .  i  .  wo- 

tunga.  [79"] 
472.  (cymbia)  fcala,  napa.  [107'] 

HAMARTIGENIA. 
761.  propolas  tranchuf.  [151'] 

CONTRA  SYMMACHUM  II. 

285.  cuneis  weken.  30 

286.  strictura  effa. 


XIV.     LONDONER   GLOSSEN. 


H.  MATLTLNUS. 

21.  [4'']  callida  viza. 

32.  castum  chufchi. 

33.  seuerum  kidigini.  [6''] 

H.  A.  CIBÜM. 

63.  coma  imiphila. 
5  siliqua  bala. 

70.  calatho  ceinun. 
74.  thinio  pinfugun. 
79.  deciduo  rifantemo. 
82.  fidibus  fuuegaliin.  [8'] 
10  199.  de  flegetonte  lona  hello. 
203.  sarcofago  licliaro.   [14''] 


H.  A.  SOMNU.M. 
139.  periiicaci  mitchleinero.[17''] 

H.  JEJUXANTIÜM. 

119.  (offam)  palhin.  [18"] 

153.  uillis  zotun.  [19'] 

169.  strepentis  fpringentef.  [22'']  15 

H.  0.  HORAE. 

48.  iecur  lepara.  [23'] 
64.  meatus  [aurium]  lofunga. 
79.  ferrugine  plaiuii.  [23''] 
95.  insuesceret  giuueniti.  [24'] 
112.  lapsus  runle.  [26']  20 


27   das    erste   mal    ist    die   gl.    nicht    zu    ende    geschrieben  21 

zwischen  u  und  ni  rasiir 


XlII.  XIV.  AUS  MÜNCHEN  UND  LONDON 


109 


H.  A.  EXEQUIAS  DEF. 
141.  cariosa  iiu  mazig.  [27*] 

P.  CALAGURR. 

23.  dispendio    hinafpentunga.- 
[27"] 

46.  bogis  halfpant. 

47.  forum  marchat.  [28'] 

25    68.  infames zurlmniimtig. [34''] 

P.  \  INGENTII, 

396.  [inter]     carices     faharen.^ 

[351 
453.  palustri  [cespite]  mofuhin.^ 

[3S1 

P.  LAUREiNTII. 

90.  fiscus  lierf.2  [40^ 
258.  strumas  kelca.. 


282.  (muccilentus)   a  mucca  .i.  30 


[40"] 
[42^ 
[42''] 


roz. 
284.  lippos  plehenoca.^ 
318.  cauillo  liintrehren. 
441.  atuerlat  uuarnem' 

448.  peiiates  liemcote. 

449.  sterculum  miftrol.  35 
457.  obsides  gifala. 

465.  adulter  freien. 

469.  exterminat  uztript. 

472.  officit  tart. 

480.  pessulos  floz.  [45']  40 

P.  HIPPOLYTI. 

41.  secesserat  cleifuh.^ 

45.  fora  fuora.^ 
rostra  marchat.* 
su))ura  ftracha.* 

46.  eluui»^  hunti.^  45 


25   /.    zurliumuutige  28    herftiura     zu    stipendiis    dei'   folgenden 

zeile  32  diese  gl.   und   41    vermag   ick  nicht  zu  deuten  33  dh. 

uuar  uenie        37  zu  sororis  v.  460        44  /.  ftraza 

Einige  kleine  nachtrüge  füge  ich  hier  an  s.  4  es  hätte  bemerkt 
werdeji  sollen  dafsM"^  aus  Tegernsee  stammt,  wo  es  die  Signatur  X.  2b. 2° 
führte,  so  erklärt  sich  auch  das  s.  13  besprochene  nahe  Verhältnis 
zu  E,  denn  die  ?nönche  von  SAfra  loaren  aus  7'egernsee  gekommeii 
(Braun,  geschickte  des  stifts  von  SUlrich  und  Afra  s.  230)  s.  6  hr 
gxjmnasialprofessor  Richter  zu  Salzburg,  den  ich  um  eine  collation  vo?i 
S  ersuchte,  hat  die  gute  gehabt,  mir  zu  berichten  dafs  diese  hs.  (A.  6. 19) 
jnit  mehreren  a?ideren  des  stiftes  das  Schicksal,  verschiounden  zu  sein, 
teilt  5.  11  u  für  uo  m  M'  steht  noch  iii  giniuifl  238  7ind  runiifala  271; 
c  für  ch  m  M'  ferner  cleina  1705 ;  ein  zweiter  nom.  sg.  auf  er  ist  niif- 
fitruuuiiter  P  337  s.  19  als  hd.  spuren  in  D  loaren  vor  allem  die  z  in 
bolzoii  309  und  ciazoda  32ß  anzuführen  s.  24,  144  lautet  in  S  tief- 
fcnion         s.  25,  191  in  S  heriilriinluiii  hinter  s.  30,  14ü  fehlt  [41'] 

s.  37,   137  lautet   zorftemo         hinter   s.  44,  549  fehlt  die  glosse  144.  re- 
siilcans   vuidaicliiazzuiitiu  s.  4t),  ti4S     iti    der   von   mir   benutzten  äb- 

schrift  steht    lapsiis    /'///•   lapis   Jind   ebenso    s.  47,  6b2    faiiorum  7iach 

s.  50,  805  fehlt  37.  anfiactibus  clirumbiii 


HO  ZU  DEN  VIRGILGLOSSEN 

ZU  DEN  VIRGILGLOSSEN. 

Eine  der  oben  für  die  Prudentiusglossen  wahrscheinlich  ge- 
machten analoge  enhvickelung  dürfte  auch  für  die  Virgilglosseu 
anzunehmen  sein,  denn  die  soeben  in  der  Germ.  17  s.  18ff 
verötTentlichten  Melcker  gll.  sind  zwar,  wie  es  scheint,  am  Mittel- 
rhein aufgezeichnet,  weisen  aber  auf  ein  alemannisches  original 
des  10  jhs.  zurück,  der  alemannische  dialekt  dieser  zeit  unter- 
schied die  praeterita  plur.  starker  und  schwacher  konjugation 
durch  die  endungen  -eu  und  -on.  dies  ist  regel  bei  Notker,  im 
Georgsieich,  in  den  Reichenauer  von  Mone  (anz.  4,  82ff)  heraus- 
gegebenen glosseu  und  so  auch  in  den  Melcker,  nur  dafs  einmal 
(316)  ein  a  für  e  eintrat,  eine  derartige  differenzierung  konnte 
aber  nur  stattfinden,  wo  schon  ursprünglich  starke  und  schwache 
konjugation  sich  von  einander  abhoben,  und  war  somit  im  bai- 
rischen  und  fränkischen  nicht  möglich,  wenn  also  in  fränkischen 
glossen  -oti  als  endung  schwacher  verba  in  der  3  p.  pl.  praet. 
auftritt,  so  wird  es  auf  alemannische  grundlage  zurückzuführen 
sein,  beispiele  geben  die  Prudentiusglossen  X.  25.  XI.  130, 
XI.  163,  XI.  438.  an  den  beiden  ersten  stellen  hat  nur  B^  das 
-ön  beibehalten,  während  es  von  B'  uud  C  in  -nn  geändert  wurde, 
an  der  dritten  auch  C.  ferner  die  Xantener  und  Mainzer  gll. 
im  vergleich  zu  den  Reichenauer  aao.  erscheint  aber  -on  (neben 
-im)  als  praeteritalendung  starker  verba  zuweilen  im  fränkischen 
(Xant.  gll.  pnton  166.  anagegiongon  177.  namon  192  Virgilgll. 
III.  2.  574  namon.  zeunron  zs.  15,  539,  9  chuaron),  so  mochte 
ich  auch  darin  eine,  verschieden  erklärbare,  einwürkung  ale- 
mannischer -en  der  vorläge  erkennen. 

Der  herausgeber  der  Melcker  glossen  hat  die  Verwandtschaft 
derselben  mit  den  Pariser  Jiemerkt.  dafs  diese  eine  ziemlich  nahe 
ist,  bezeugt  der  gemeinsame  fehler  bei  Aen.  1,  167  nr  99  und 
344  selpuna  seneino,  wo  ein  h  oder  s  ausgefallen  ist.  denn  mein 
änderungsvorschlag  in  der  anmerkung  war  töricht. 

Ich  benutze  diese  gelegenheit,  um  einige  befserungen  zu 
diesen  und  andern  im  vorigen  ])ande  veröffentlichten  glossen 
nachzutragen,  s.  40,  383  ist  gewis  nicht  so  zu  fafsen,  wie  von 
mir  in  der  note  geschehen,  sondern  als  acc.  sg.  then  leidon, 
wobei  etwa  eid  als  ül)orselzung  von  iura  zu  ergänzen  wäre. 
nr  399  auf  derselben  seile  findet  sich  allerdings  bei  Graff  (1,  796), 


AZZARIA  111 

aber  unter  w,  fälschlich,  wie  sich  aus  nr  450  ergibt,  s.  42,  527 
wird  wohl  drancscif  zu  lesen  sein.  s.  90,  2668  und  bei  Graff 
4,  1167  ist  ama  wahrscheinlich  als  eine  lateinische  glosse  zu 
squama  aufzufafsen,  statt  amo,  hämo.  s.  IIS  ist  die  anmerkung 
zu  2817  zu  streichen,  s.  122,  z.  25  1.  pitulonti*  endlich  fehlt 
auf  s.  538  hinter  nr  30  die  glosse:  63'  Tim.  I.  2,  9  cum  vere- 
cundia  &  sobrietate  .i.  cum  sobrietate  \  fcamu,  und  bei  der  darauf 
folgenden  gl.  mufs  die  blattangabe  63''  lauten. 

STEINMEYER. 
AZZARIA. 

Mime  der  alte,  der  lehrer  des  Schmiedes  Wieland  und  ver- 
fertiger von  drei  berühmten  Schwertern,  wohnte  nach  dem  Biterolf 
in  Azzaria,  zwanzig  meilen  von  Toledo,  diese  form  der  sage  ist 
nicht  alt.  andre  Überlieferungen  verlegen  den  Ursprung  der 
schmiedekunst  nach  osten  zu  mongolischen  stammen,  nach  Sä- 
munds  Edda  ist  Wieland  oder  Volundr  söhn  eines  Finnenkonigs, 
obgleich  die  Finnen  nach  Tacitus  (Germ.  46)  so  arm  waren  dafs 
sie  aus  mangel  an  eisen  ihre  pfeilspitzen  von  knochen  machten, 
was  die  nürdhchen  Lappen  nach  Sven  Nilson  (Steinzeit  s.  142) 
vor  hundert  jähren  noch  thaten.  nach  der  Vilkinasage  aber  wird 
der  neunjährige  Wieland  von  seinem  vater,  dem  riesen  Vadi,  zu 
dem  kunstreichen  schmiede  Mimir  nach  Hunnenland  in  die  lehre 
gebracht  und  später  noch  einmal  durch  den  Grünasund  zu  zwei 
kunstreichen  zwergen  in  dem  berge  Ivallowa  (dem  Kaukasus?) 
getragen,  von  wo  er  <lrei  tage  nordwärts  bis  zur  Weser  reisen 
mufs  um  von  da  auf  einem  von  ihm  selbst  verfertigten  schiffe 
nach  Jütland  zu  gelangen,  gräberfunde  weisen  zu  Skythen,  ver- 
mutlich den  Arimaspen  Herodots,  am  AUai  hin,  wo  die  Rufsen 
alle  bedeutenden  bergwerke  bereits  zehn  bis  fünfzehn  meter  tief 
von  einem  volke  ausgebeutet  fanden  das  sich  dabei  noch  steinerner 
Werkzeuge  bedient  hatte,  die  gräber  am  Altai  und  Jenisei  stehen 
in  unverkennbarer  Verbindung  mit  den  Skythengräbern  die  sich 
von  dort  bis  zum  Dniepr  erstrecken,  enibalten  aber  nur  in  höchst 
seltener  ausnähme  erzcugnisse  griechischer  Industrie ,  die  am 
Dniepr  durchaus  vorhersehen,  dagegen  viele  eigenthümliche  ge- 
räthschaften ,  die  hauptsächlich  aus  kupfer  und  broiize  gegofsen 
sind  und  grofse  ähnlichkeit  mit  den  grälierfunden  in  Peutschland, 


112  AZZARIA 

Skandinavien,  Frankreich  und  England  haben,  namenüich  kom- 
men dort  die  lanzettförmigen  zweisclmeidigen  bronzeschwerter  vor, 
die  man  überall  findet  wo  Indogermanen  sitzen,  in  Griechenland 
wie  diesseits  der  Alpen,  in  Finnland  dagegen  hat  man  nur  stein- 
geräth  und  keine  bronzen  gefunden,  die  darstellung  des  Zu- 
sammenhangs der  Arimaspen,  Skythen  oder  Tschuden  mit  den 
Indogermanen,  der  allerdings  nicht  zu  den  bisherigen  ansichten 
über  das  sogenannte  bronzealter  stimmt,  mufs  einer  andern  ge- 
legenheit  vorbehalten  bleiben. 

Die  sage  von  Minies  sitz  in  Azzaria  ist  aber  nicht  allein  mit 
dem  bisher  erörterten  im  Widerspruch,  sie  kann  auch  nicht  älter 
sein  als  das  zehnte  Jahrhundert.  Wilhelm  Grimm  (Heldens.  s.  148) 
kennt  diese  Stadt  nicht  und  vermutet  dafs  sie  südlich  von  Toledo 
in  der  Sierra  Morena  gelegen  habe,  sie  lag  aber  in  der  nähe  von 
Cordova,  wo  noch  grofse  Schutthaufen  zu  sehen  sind  die  wahr- 
scheinlich ihre  trümmer  bergen,  es  ist  ohne  zweifei  Medinet 
Azzahra,  das  chalif  Abderrahman  III  zu  ehren  seiner  geliebten 
Sklavin  Azzahrä,  d.  i.  die  blühende,  erbaute  und  mit  ihrem  namen 
benannte,  dort  liefs  er  durch  Maslama  ben  Abdallah  ben  Yunus  * 
im  jähre  936  einen  prachtvollen  palast  mit  zauberischen  gärten 
erbauen  und  die  arabischen  dichter  wai*en  unerschöpflich  in  der 
lobpreisenden  beschreibung  dieses  Wunderwerks.  K.  Fr.  von  Schack 
(Poesie  und  kunst  der  Araber  in  Spanien  und  Sicilien  2,  202 
bis  213)  hat  danach  ausführliche  mittheilungen  gegeben. 

Es  leidet  wohl  keinen  zweifei  dafs  die  auffafsung  im  Biterolf 
durch  den  verkehr  der  nordischen  Vikinge  mit  Arabern  ent- 
standen ist.  sie  kannten  einerseits  die  berühmten  klingen  von 
Toledo  und  anderseits  den  vielbesungenen  palast  Azzahrä  mit 
seinen  zaubergärten,  so  konnte  Toledo  nicht  unerwähnt  bleiben, 
aber  Mime  wohnte  doch  befser  an  dem  glänzenden  lieblingssitze 
des  chalifen.  die  entfernung  zwischen  Azzahrä  und  Toledo  ist 
in  dem  gedichte  etwas  zu  kurz  angegeben ;  sie  beträgt  in  würk- 
lichkeit  etwa  dreifsig  meilen.  die  läge  von  Azzahrä  hat  jedoch 
Wilhelm  Grimm  ziemlich  richtig  errathen. 

'  so  sind  die  beiden  vorkommenden  namen,  deren  Schreibart  mein 
freund  und  College  Wüstenfeld  berichtigt  liat,  zu  vereinigen,  vergl.  All- 
gemeines künstlerlexikon  von  Julius  Meyer  bd.  l  (Leipzig  1872)  s.  15  unter 
AüdaUak  ben    Yunus.. 

GÖTTINGEN.  FR.  W.  UNGER. 


METRISCHE  UISTERS.  ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS     113 


METRISCHE    UNTERSUCHUXGEN  ÜBER   DIE 
SPRACHE  OTFRIDS. 

1.    Die   zweisilbigen   en düngen. 

Sehr  viele  verse  Otfrids  scliliefsen  mit  einem  worte,  in  wel- 
chem auf  lange  Stammsilbe  zwei  minder  betonte  silben  folgen. 
Wörter  wie  helfante,  ahtönti,  blklenti,  giemötun,  frdgetun,  gan- 
ganne,  nennenne,  unemönnes,  bösheiti,  umsdnames,  he'röti,  truhtlne, 
seltsdnes,  kraftlicho,  guallkhi,  githningnisses,  mennisgon,  mammunli, 
drutinna,  göringi\  zeihminga,  libhaftaz,  angusti,  heizista,  heroston, 
kastelle,  einizen  w.  ä.  sind  ganz  häutig  im  versschlufs.  aber  je 
gröfser  die  anzahl  solcher  verse  und  je  mannigfaltiger  die  bildung 
der  schliefsenden  Wörter  ist,  um  so  bestimmter  tritt  es  hervor, 
clafs  Otfrid  solche  Wörter  mied,  die  zwischen  der  langen  Stamm- 
silbe und  der  letzten  eine  kurze  silbe  haben,  die  Wörter  der 
ersten  art  tragen  im  versschlufs  ausnahmslos  drei  versaccente 
gangänne:  wenn  er  die  der  andern  nicht  zuläfst,  so  mufs  ihm 
weder  die  betonung  gilöubigün  noch  gilöubigm  statthaft  erschie- 
nen sein. 

Diese  Wahrnehmung  ist  nichts  weniger  als  neu.  Lachmann 
hatte  dies  und  manches  andere  beobachtet,  als  er  vor  vierzig 
Jahren  seine  abhandlung  über  althochdeutsche  betonung  schrieb, 
auch  dafs  ausnahmen  vorkonnnen  war  ihm  nicht  entgangen, 
zusammengestellt  hat  sie  RHügel  in  seiner  abhandlung  über 
Otfrids  versbetonung  (Leipzig  1569)  s.  39f.  es  sind  folgende 
Wörter:  uurzehm  1,  3,  27.  muzagon  1,  3,  37.  zeizero  1,4,  9. 
nugiloubige^  1,4,43.  nnirdige  1,  4,  Aö.  irbolgono  ],  4,bl.  sdligun 
1,  5,  19.  ebaneuui'gan  1,  5,  26.  giburdinot  1,  5,61.*^  Ikhamen  1,  7,4. 

'  Die  adjectiva  auf  -ic  sind  mit  aufgeführt,  weil  nichts  verschwiegen 
"werden  sollte,  was  jemand  als  ausnähme  ansehen  könnte,  es  soll  aber 
damit  keineswegs  ausgesprochen  sein ,  dafs  sie  Wörtern  mit  entschieden 
kurzer  ableitung  gleich  zu  stellen  seien,  denn  daraus  dafs  Otfrid  im 
Aveitern  verlauf  der  arbeit  diese  formen  mied,  geht  nur  hervor,  dafs  iiun 
das  i  nicht  als  volle  länge  galt,  nicht  aber  dafs  die  ursprüngliche  quantitäl 
in  seiner  spraciie  sclion  ^iänzlicli  erloschen  war. 

*  Per  vers  ist  vielleicht  entstellt:  die  Wiener  lis.  hat  eiiio  aus^reslrichene 
correctur  und  der  reim  fehlt. 

Z.  f.  D.  A.   neue  folge  IV.  8 


114  METRISCHE  UMERSÜCHUISGEN 

armem  1,  7,  10.  ölmuatige  1,  7,  16.  itale  1,  7,  18.  sdlidon  1,  7,  24. 
nngiloubige  1,  5,  43.  a/^e/'o  1,  22,  1 .  nuenege  1,  23,  7.  fcerfero  H  50 ; 
denen  sich  noch  ein  viersilbiges  mit  kurzer  Stammsilbe  anreiht 
managero  1,  4,  49.  16,  2.  ob  man  uuolkono  im  reim  auf  frono^ 
(1,5,6)  hierher  ziehen  will,  hängt  davon  ab,  ob  man  es  von 
dem  stn.  wolkmi,  oder  einem  svvm.  wolko  oder  swf.  wolka  her- 
leiten will  (Kelle  2,  164).  für  die  vorliegende  Untersuchung, 
ist  die  entscheiduug  gleichgiltig. 

Nicht  hierher  zu  zahlen  sind  erdbiba  5,  4,  21,  wo  langes  * 
anzunehmen  ist  (Hügel  s.  40)  und  frambari  5,  12,  88,  wo  das- 
zweite  a  lang  ist  (vgl.  Grimm  gr.  2 ,  732  f).  auch  andrema 
(4,11,50.  12,  13.  5,  10,23)  steht  nicht  auf  gleicher  stufe,  weil 
hier  zwischen  d  und  r  ein  vokal  unterdrückt  ist,  den  die  Frei- 
singer hs.  an  allen  drei  stellen  hat;  noch  Aveniger  ältfördorön 
2,  14,  57,  wo  abweichend  von  den  übrigen  beispielen  die  vor- 
letzte silbe  in  die  Senkung  tritt,  wie  schwach  ihr  vokal  war^ 
geht  daraus  hervor,  dafs  er  gelegentlich  gar  nicht  geschrieben 
wird  (s.  Kelle  2,  452  vgl.  436.  Hügel  31f). 

Alle  übrigen  beispiele  gehören,  eins  ausgenommen,  dem  erstea 
buche  an,  und  das  eine  steht  in  dem  widmungsgedicht  an  die 
SGaller  mönche,  welches  Otfrid  bekanntlich  dichtete,  ehe  das 
ganze  werk  fertig  war  (Kelle  1,43  und  Hügel  s.  37  nebst  anm.). 
es  ist  also  einleuchtend,  dafs  wir  es  hier  mit  ausnalunen  von 
einer  regel  zu  tun  haben,  die  der  dichter  mit  bewustsein  oder 
aus  einem  sehr  bestimmten  gefühle  unverbrüchlich  beobachtete,, 
sobald  er  einige  geläufigkeit  im  versbau  erlangt  hatte. 

Wenn  nun  als  gesetz  gilt,  dafs  ein  dreisilbiges  vAort  mit 
langer  Stammsilbe  nur  dann  versschlufs  bildet,  wenn  die  vorletzte 
silbe  lang  ist,  so  wird  man  folgern  dürfen: 

Wenn  eine  bildung,  in  der  auf  lange  Stammsilbe  noch  zwei 
Silben  folgen  im  versschlufs  gemieden  wird,  so  ist  die  vorletzte 
silbe  nicht  lang. 

Dies  gilt  nun  aber  von  den  genetiven  pluralis  auf  -ono.  die 
Wörter,  in  denen  diese  endung  an  lange  Stammsilbe  tritt  sind 
durchaus  nicht  seilen  bei  Otfrid.  er  braucht  gmddono,  minnonOy 
mietono,  palmono,  selono,  sptsotw,  suntotio,  zdlono,  bluomono,  bros- 
mono,  dnbono,  niidono^  sterrono,  nrkundono,  ongono,  aber  nur  im 
innern  verse.  es  ist  wohl  sicher,  dafs  Otfrid  diese  bildungen  vom 
versende  absichtlich  ausschlofs,    denn   zufall  wird  niemand  daria 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS        115 

sehen,  wenn  worlcr  die  im  innern  verse  zwei  rhythmische  accente 
bekommen,  am  versende,  wenn  die  endung  -öno  wäre,  deren  drei 
haben  müsten,  an  dieser  stelle  nie  vorkämen,  da  doch  der  ganze 
vers  nur  vier  hebimgen  hat.  an  zufall  wird  man  um  so  weniger 
denken,  als  die  drei  Wörter,  in  welchen  bei  Otfrid  die  endung 
-ono  an  kurze  Stammsilbe  tritt,  sämmtlich  auch  im  versende  vor- 
kommen, es  folgt  also  dafs  Otfrid  die  langsilbigen  mied  und  in 
ihnen  der  erste  vokal  der  endung  -ono  nicht  mehr  lang  war. 
für  die  kurzsilbigen  ergibt  sich  aus  dem  rhythmus  der  verse 
nichts,  aber  für  sie  mag  man  aus  der  analogie  auf  dieselbe  quan- 
tität  schliefsen,  vielleicht  auch  aus  dem  umstände,  dafs  sie  auf 
Wörter  mit  kurzer  paenultima  reimen :  frumono  :  gebono  3,  22,  30. 
forasagono  :  redino  2,  18,  3.  drütbotono  :  sibino  1,  4,  59. 

Wo  hingegen  die  endung  nicht  unmittelbar  an  die  hoch- 
betonte Stammsilbe  tritt,  hat  sie  den  alten  vokahvert  erhalten, 
oder  wenigstens  noch  nicht  ganz  verloren,  für  solche  Wörter, 
obwohl  lange  nicht  so  zahlreich  wie  die  einfachen,  fehlt  es  an 
belegen  in  den  reimen  nicht:  selidöno :  scöno  4,9,8.  judeöno: 
scöno  5,  6,  30.    judeono  :  offonoro  3,  15,  48.     fordorono  :  giuudro 

3,  20,  10  und  mit  unterdrücktem  o  der  ableitung  fordröno  :  scöno 
1,4,41.^  die  verschiedene  entwickelung  der  endung,  je  nachdem 
zwischen  sie  und  die  hochbetontc  Stammsilbe  eine  minder  betonte 
silbe  tritt  oder  nicht,  kann  nicht  auffallen,  der  ton  der  endung 
trat  neben  der  minder  betonten  nachbarsilbe  mächtiger  hervor, 
als  neben  dem  stamme,  und  unter  dem  schütze  des  starkem 
accentes  erhielt  sich  die  quantität  befser. 

Für  die  genetivendung  -ino  darf  man  wohl  dieselbe  entwicke- 
lung wie  für  -öno  voraussetzen,  aus  dem  rhythmus  läfst  sich 
für  sie  keine  enlscheidung  gewinnen,  sie  ist  nur  einmal  belegt 
und  nicht  im  reim  (Kelle  2,  227). 

Sichere  länge  hat  der  bindevokal  im  praeteritum  der  zweiten 
und  dritten  schwachen  conjugation  bewahrt,  wie  zahlreiche  verse 
beweisen;  auch  wohl  das  flectierte  participium  dieser  conjugatio- 
nen,   das   zweimal   im  reim  vorkommt  gthe'rete  4,5,52.  gibösötes 

4,  28,  7. 

Unentschieden  bleibt  die  quantität  der  endung  -emes  in  der 

'    5,6,30  ist  zu  betonen  iüdeonö;    3,  15,  4b  iiideonö;    3,  20,  10  i'ördö- 
ronö ;  1,  4,  41  f6rdorönö. 

8* 


116  iMETRISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

1  p.  pl.  conj.  daraus  dafs  sie  nicht  im  reim  vorkommt,  darf 
man  nichts  schhefsen,  denn  das  kann  seinen  grund  in  ihrer  syn- 
taktischen Verwendung  haben.  — 

Das  betonungsverhähnis  in  den  endsilben  eines  Wortes  wie 
imuntaron,  welches  nicht  gestattet,  dafs  die  letzte  silbe  sich  über 
die  vorletzte  erhebe,  wenigstens  nicht  an  der  stelle  des  verses, 
die  am  sorgfäUigsten  behandelt  wird,  dünkt  mich  nun  merk- 
würdig genug,  um  bedenken  gegen  die  gangbaren  auslebten  über 
die  quantität  der  endungen  zu  erregen,  denn  quantität  und  be- 
tonung,  obwohl  sehr  verschiedene  dinge,  stehen  doch  in  so  enger 
beziehung  und  häufiger  Wechsel würkung  zu  einander,  dafs  eigen- 
tümliche erscheinungen  in  der  einen  Vermutungen  für  die  andere 
veranlafsen  können ;  und  die  ansichten,  welche  die  grammatik  für 
die  quantität  der  endungen  aufsteht,  scheinen  so  sicher  gegründet 
nicht,  dafs  sie  von  vornherein  jeden  zweifei  zurückdrängen  müsten. 
die  grammatik  kennt  lange  endungen  im  ahd.,  im  mhd.  nur  kurze ; 
der  syllaba  anceps,  welche  die  beiden  enden  der  entwickelung 
\x)raussetzen,  hat  sie  bisher  wenig  aufmersamkeit  geschenkt. 

2.    Die  einsilbigen  endungen. 

Das  mittel  die  quantität  der  endungen  in  Otfrids  spräche 
genauer  zu  bestimmen  als  bisher  geschehen  ist,  bieten  die  asso- 
nanzen.  mancher,  der  den  Otfrid  doch  auch  gelesen  hat,  mag 
die  anwendung  dieses  mittels  sehr  bedenklich  finden;  denn  wer 
liest,  ohne  den  reimen  besondere  aufmerksamkeit  zu  schenken, 
wird  leicht  den  eindruck  gewinnen,  als  wäre  der  einzige  schlufs 
den  man  aus  ihnen  ziehen  könne  der,  dafs  es  mit  der  reimerei 
damals  noch  nicht  zum  l>esten  bestellt  war,  und  dafs  man  auf 
keinen  fall  aus  den  ungenauen  assouanzen  irgend  welche  resultate 
für  die  quantität  der  vocale  gewinnen  könne,  dieser  einthuick 
ist  wenigstens  sehr  natürlich  —  er  ist  bedingt  durch  unsere  aus- 
spräche, die  den  accent  der  Stammsilben  so  übermäfsig  hervor- 
treten läfst,  dafs  wir  in  den  zahlreichen  versen,  deren  gleichklang 
in  der  endung  beruht,  vielmehr  die  Verschiedenheit  der  vokale 
.  in  den  stannnsilben ,  als  ihre  Übereinstimmung  in  den  endungen 
gewahr  werden  —  aber  er  ist  nicht  richtig,  eine  vorsichtige  und 
methodische  Untersuchung  ergibt,  dafs  der  fleifsige  mönch  in  sei- 
ner klosterzelle  durchaus  nicht  das  ürefühl  für  die  sinnliche  seite 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS  117 

der  spräche  verloren  hatte,  einige  hemerkungen,  den  gang  der 
Untersuchung  zu  bezeichnen  und  zu  rechtfertigen,  mögen  vorher 
gestattet  sein. 

Da  in  Otfrids  versen  der  letzte  rhythmische  accent  durchaus 
auf  die  letzte  silbe  fällt,  so  ist  sie  als  der  eigentliche  trager  des 
gleichklangs  anzusehen;  also  mufs  eine  Untersuchung  über  die 
genauigkeit  der  assonauzen  von  den  vokalen  der  letzten  silhen 
ausgehen,  freilich,  wo  der  glcichklang  in  wenig  betonte  endungen 
fällt,  liebt  es  Otfrid  auch  die  vorhergehenden  consonanten  mit 
hineinzuziehen  (unorto  :  harto),  oder  den  reim  auf  die  vorhergehende 
Silbe  auszudehnen  (kieüio  :  reim) ;  aber  das  ist  nicht  ein  notwen- 
diges erfordernis,  sondern  ein  erwünschter  schmuck,  der  nur 
zeigt,  dafs  dem  dichter,  wie  uns,  der  reim  der  endungen  weni- 
ger genügte  als  der  vollbetonter  silben. 

Dafs  Otfrid  den  Vorzug  hochbetonter  silben  für  den  reim 
empfand  geht  aus  der  gesteigerten  anwendung,  die  er  von  ihnen 
macht,  aufs  deutlichste  hervor,  anfang  und  schlufs  dichtete  er 
zuerst,  später  die  mitte:  dem  entspricht  die  anwendung  hoch- 
betonter worter  im  reim,  mindestens  eine  hochbetonte  reimsilbe 
haben 

von  1230  langversen  des  1  buches  251  also  20,4  "'0 
"    1244  „  „    2       „       372     „     29,8  0/0 

''    1576  „  „    3       „       478     „     30,3  0/0 

"    1572  „  „    4       „       454     „     28,90/0 

"    1474  „  „    5        „       396     „     26,8  «/o 

in  allen  fünf  büchern    also   1951    verse,    zu   denen  aus  den  drei 

Widmungsgedichten  noch   114  hinzukommen. 

Da  nun  die  quantität  der  endungen  in  Irage  gezogen  ist,  so 

mufs  die  Untersuchung  zunächst  alle  verse  ausscheiden  deren  reim 

in  den  endungen  liegt,  und  sich  auf  die  bezeichneten  2065  lang- 

verse  beschränken. 

Ferner  wird  es  gestattet  sein  diese  2065  reimpare  in  zwei 
abteilungen  zu  sondern,  in  solche  die  auf  den  assonierenden 
vokal  ausgehen  (132),  und  solche  in  denen  auf  den  assonieren- 
den vokal  noch  ein  consonant  folgt  (1933).  zweckmäfsig  und 
gerechtfertigt  scheint  diese  sonderung  durch  folgende  erwäguiig. 
die  reimgenauigkeit  eines  dichters  bestimmen  heilst  niclits  als 
feststellen,    in    wie   weit  erlaubt  sich  der  dichter  solche  laute  zu 


118  METRISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

binden,  die  in  seiner  spräche  nicht  gleicli  waren.'  die  genauig- 
keit  der  Otfridschen  assonanzen  also  läfst  sich  nur  auf  grundlage 
seiner  spräche  feststellen,  die  spräche  können  wir  bestimmen, 
einmal  aus  seinem  werke  selbst  —  aber  insofern  es  die  quantität 
der  enduugen  betrifft,  soll  das  mittel  sie  zu  bestimmen  erst  als 
anwendbar  erwiesen  werden  — ,  sodann  aus  der  entwickelung 
der  deutschen  spräche  überhaupt  —  aber  schlüfse  über  die  quan- 
tität der  endimgen  können  aus  ihr  nur  mit  grofser  liehutsamkeit 
gezogen  werden,  nun  scheint  die  quantität  des  auslautenden  be- 
tonten vokales  viel  weniger  gesichert,  als  die  des  inlautenden; 
da  und  dU,  ja  und  ja  stehen  wenigstens  nach  unserem  gefühle 
einander  viel  näher  als  stät  und  stät,  lam  und  läm  und  weder 
ahd.  noch  nihd.  haben  auslautenden  betonten  vokal  in  reiner 
kürze  bewahrt,  es  sind  also  durch  die  gemachte  teilung  die  un- 
sicheren fälle  von  den  fester  stehenden  getrennt,  von  den  letztern, 
auch  weit  zahlreicheren  mufs  die  Untersuchung  beginnen. 

Endlich  ist  noch  eine  dritte  aber  selbstverständliche  reduction 
nötig:  es  müfsen  die  92  reimpaare,  in  denen  auf  eine  hochbetonte 
silbe  eine  flexionssilbe  reimt,  welche  die  grammatik  mit  langem 
vokal  ansetzt,  ausgeschieden  werden;  denn  der  angeklagte  kann 
nicht  zeuge  sein. 

So  bleiben  zur  Untersuchung  noch  1841  reimpaare,  von  denen 
alle  die,  welche  nach  den  gangbaren  festsetzungen  der  grammatik 
nicht  genau  sind,  im  folgenden  angeführt  und  geprüft  werden 
sollen. 

Damit  aber  die  prüfung  nicht  von  vornherein  aussichtslos 
unternonunen  scheint,  soll  die  Sorgfalt  des  dichters  an  einem 
speciellen  falle  gezeigt  werden,  von  Stammsilben  auf  ot  kommen 
bei  Otfrid  got,  gibot,  imbot  vor;  6t  haben  not,  bröt,  bot.  not  kommt 
etwa  70  mal  im  reim  vor,  sehr  häufig  nur  als  flickwort,  bot  29 
mal,  got  14  mal,  bröt  5  mal,  gibot  2  mal,  imbot  1  mal,  also  6t 
im  ganzen  etwa  100  mal,  ot  11  mal:  wenn  da  nur  ein  einziges 
mal  die  Vermischung  beider  klassen  vorkommt  (got :  not  4,  30,  31), 
so  mufs  man  doch  wohl  annehmen,  dafs  der  dichter  bestimmte 
empfmdung  der  quantität  hatte  und  sich  mit  ungenauen  assonan- 


'  Das  ist  so  selbslverstiindlicli,  dafs  es  trivial  erscheint,  aber  oft  wird 
die  grenze  zwischen  dialektischen  und  ungenauen  reimen  nicht  gehörig 
beachtet. 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS  119 

zen  nicht  gern  begnügte,    auf  zu  viele  verstofse  gegen  die  qiian- 
tität  darf  man  also  nicht  rechnen. 

Bindung  von  vokalen  verschiedener   quantität  vor  r. 

Otfrid  reimt 

sär  :  unnntar  1,  12,  7.  meistar  4,  16,  51.  wazar  4,33,31. 
Mar  4,  14,  13. 

nudr  :  hungar  2,  4,  4.  5,  20,  73.  105.  dufar  %  22,  31.  altar 
3,  20,  93.  jamar  5,  6,  40.  swangar  1,  5,  37.  nnuntar  4,  1,  30.  sun- 
.?ar4,  6,  41.  hiar  4,2,34.  6,26.  5,4,45.  25,87. 

jdr  :  meistar  4,  1 1,  45.  jamar  5,  23,  1 69. 

giddn :  unnntar  2,9,39. 

thdr  :  nunntar  1,  4,  71.  3,  13,  44.  meistar  2,  14,  95.  4,  6,  37. 
kuphar  1,  1,  69.  wazar  3,  20,  25.  uuachar  4,  7,  66.  67.  jamar  4, 
26,  8.  32,  6.  lastar  A,  30,  23.  hnngar  5,  23,  78.  hiar  5,  21,  13. 

sndr  :  hiar  3,  5,  21. 

er  :  er  1,  27,  55.  muater  3,  20,  5.  sunester  3,  24,  3. 

ser  :  snesfer  3,  24,  7.  bruader  3,  24,  21.  23,  15.  H  34. 

mer  :  snester  3,  23,  13.  bruader  4,  6,  32.  er  5,  6,  15. 
es  ist  bekannt  dafs  in  mittelhochdeutschen  gedichten  und  in  einer 
zeit,  wo  mustergültige  dichter  sich  genauer  reime  beflifsen,  häufig 
vokale  verschiedener  quantität  vor  r  gebunden  werden,  nicht  nur 
im  Wälschen  gast,  im  Wigalois,  der  Krone  u.  a.  die  sich  weit- 
gehende reimfreiheiten  gestatten,  sondern  auch  in  sorgfältigem 
werken.  Gotfrid  von  Strafsburg  reimt  gar  :  gebdr  21,  37,  hdr 
102,  3,  war  484,  5,  Rudolf  von  Ems  hörten  :  worten  Barlaam  253, 
17,  und  selbst  liederdichter  bebon  vor  dergleichen  nicht  zurück. 
Gotfrid  von  INeifen  reimt  gar :  klar,  Jacob  von  Warte  gar :  offen- 
bdr,  Worte :  hörte,  Rudolf  von  Rotenburc  porte :  hörte,  Ulrich  von 
Wintersteten  hörten  :  orten ,  worten  :  störten ,  Ilesso  von  Rinach 
var-.kldr,  der  von  Sahsendorf  dar: jdr,  der  von  Wildonie  vor: 
wdr,  Ulrich  von  Lichtenstein  schar  :  kldr,  gar  :  hdr,  wdr,  jdr,  kldr, 
gewariwdr  und  andere  ähnliches,  daraus  geht  hervor,  dafs  in 
Worten  wie  gar  und  kldr,  worten  und  hörten  die  vokale  wenn 
nicht  gleich  waren,  so  sich  doch  näher  standen  als  in  rdt  und  stat 
oder  got  und  tot,  dh.  dafs  einer  der  beiden  vokale  aufgebort  hatte 
entschiedene  länge  oder  kürze  zu  sein,  also  anceps  geworden  war. 

Welcher  von  den  beiden  vokalen  seine  ursprüngliche  quan- 
tität verändert  hatte,  ist  nicht  zweifelhaft:  der  kurze  vokal  erfuhr 


120  METRISCHE  UMERSLCHU>GEN 

unter  eiüflufs  des  folgenden  r  dehnung,  und  zwar  eine  art  ersatz- 
dehnung.  die  ungenaue  articulation  des  r,  die  heut  zutage  in 
unserer  spräche  den  weitesten  umfang  gewonnen  hat,  mufs  sehr 
früh  schon  begonnen  haben,  indem  nun  das  zeitmafs,  welches 
die  silbe  mit  genau  articuliertem  r  erforderte,  im  sprachbewust- 
sein  haftete,  wurde  dem  vorangehenden  vokale  an  Zeitdauer  zu- 
gelegt, was  dem  consonanten  entzogen  wurde. 

Wenn  nun  bei  Otfrid  dieselbe  bindung  ursprünglich  langer 
und  kurzer  vokale  vor  r  sich  zeigt,  und  diese  reime  einen  nicht 
unerheblichen  teil  aller  ungenauen  reime,  die  bei  ihm  vorkom- 
men, ausmachen,  so  scheint  es  zuläfsig  für  seine  spräche  dieselbe 
ungenaue  articulation  des  r  und  die  ersatzdehnung  des  voran- 
gehenden vokales  anzunehmen,  dann  sind  aber  diese  reime  nicht 
sowohl  ungenauigkeiten  des  dichters,  als  zeichen  seiner  spräche, 
meinetwegen  zeichen  der  unorganischen  entwickelung  oder  des 
Verfalls  seiner  mundart. 

Die  schwache  ausspräche  des  r  hat  auch  andere  spuren  in 
Otfrids  werk  hinterlafsen.  aus  ihr  erklärt  sich  der  abfall  des  r 
in  hia,  der  viermal  in  der  Freisinger,  einmal  auch  in  der  Wiener 
hs.  begegnet,  aber  nur  einmal  der  Sorgfalt  des  correctors  ent- 
gangen ist',  so  der  umstand,  dafs  uuidarort  nur  einmal  auf  wort 
(4,3,5)  reimt,  dagegen  viermal  auf  not  1,  22,  22.  2,  12,23.  3, 
24,99.  4,18,26,  zweimal  aui  gebot  3,8,7.  14,29;  so  auch  die 
Schreibung  uuidorot  statt  nuidorort  die  in  allen  drei  hss.  je  einmal, 
aber  an  verschiedenen  stellen  sich  zeigt-,  so  vielleicht  auch  der 
unorganische  einschub  eines  r  in  uuerdar^  uuirdar,  fordorot  u.  e.  a. 
den  die  hss.  hier  und  da  bieten.^ 

Bindung  von  vokalen  verschiedener  quantität  vorn. 

In  der  mittelhochdeutschen  dichtung  ist  die  bindung  von 
vokalen  verschiedener  quantität  vor  n  noch  häufiger  als  vor  r.  in 
keinem  gedichte  tritt  sie   entschiedner  hervor  als   in    den  >'ibe- 


'   Die  stellen  bei  Kelle  2.  512   und   in  Müllenhoffs  und  Scherers  Denk- 
mälern s.  290. 

2  Kelle  2,511. 

3  \<i\.  auch  die  reime  imLol :  loort  I,  13,  2.   gab  :  loarb  4,  11,  7.  wort  : 
gisamnot  4.  19,  9.    hen'sha/':  Uiarf  4.  5,  42.    anion  :  körn  2,  14,  109. 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS        121 

lungen,  in  denen  -an :  -an  über  400  mal  vorkommt,  da  die  reime 
sonst  doch  sehr  genau  sind,  selbst  der  sorgfältige  Hartmann  hat 
sich  undertdn:  gewan,  manihdn  erlaubt,  der  grund  wird  wie 
beim  r  zunächst  in  der  unvoUkomninen  articulation ,  vielfach  in 
einer  nasaherenden  ausspräche  des  auslautenden  n  zu  suchen  sein, 
wenn  es  ganz  vorzugsweise  das  a  ist,  welches  vor  n  und  r  die 
dehnung  erfährt,  so  liegt  der  grund  wohl  in  der  natur  des  vo- 
kales, der  von  den  kurzen  vokalen  der  gewichtigste  und  quali- 
tativ dem  langen  d  ganz  gleich  ist. 

Dafs  auch  in  Otfrids  spräche  das  n  einen  derartigen  einflufs 
geübt  habe,  kann  man  bei  der  geringeren  zahl  der  fälle,  wo  kurze 
und  lange  vokale  vor  n  reimen ,  nicht  so  sicher  behaupten  wie 
beim  r.     es  finden  sich 

wdn  :  man  4,  17,  31.  niinan  4,  10,  11.  icerdan  5,  20,  89. 

firddn  :  man  4,  22,  6.  bifahan'  2,  1,  48. 

gdn  :  gisprockan  1,  25,  1 1. 

min  :  bin  1,  5,  35.   nudnin  (dat.  pl.  s.  Kelle  2,  144)  2,  14,  89. 

sin :  hilidin  H  52.  seginin  2,  14,  91. 

nbarlüt :  leidunt  4,  24,  26. 
in  dem  letzten  falle,  wo  das  n  durch  den  folgenden  consonanten 
gedeckt  ist,  liegt  sicher  ungenauigkeit  des  reimes  vor,  und  so 
vielleicht  auch  in  den  andern,  dafs  in  den  hss.  vor  t  zuweilen  n 
ausgelafsen  ist,  bietet  nur  eine  scheinbare  analogie  zu  dem  was 
vorhin  über  r  bemerkt  wurde,  es  beschränkt  sich  dies  nämlich 
auf  das  praeteritum  von  statidan  :  gistnat  2,  6,  40  VP.  1,  17,  42  P. 
gistuatun  1,9,23  \ VF.  1,20,  5  V^,  das  auch  häufig  im  reim  auf 
gnat,  muat  erscheint "*,  und  hier  gemahnt  die  erinnerung  an  das 
alts.  stöd  an  eine  andere  auffafsung. 

Nur  bei  einem  worte  auf  n  möchte  ich  einen  schwankenden 
vokalwert  annehmen,  beim  dativ  pluralis  in,  der  an  fünf  stellen 
auf  si7i,  an  dreien  auf  min  reimt.^ 

*  An  bifän  zu  denken   verhindert   der  rhythmus  der  bifähän  verlan^'t. 

2  In  den  Nibelungen  findet  sich  dieser  fall  nur  einmal  gewant :  ergdnt 
1475;  aber  hier  steht  A  allein. 

^  Angeführt  von  Kelle  2,514. 

"  2,6,40.  2,11,54.  3,17,47.52.  24,43.101.  4,15,30.  7,32.  5,  4,  2.  G2. 
6,6S.  9,1.  12,11.61.  14,1. 

M,7,44.  14,15.  5,20,67.  1,28,19.  2,7,16.  —   5,4,61.64.   3,22,24. 


122  METRISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

Bindung  einfacher  vokale  und  diphthongen. 

An  nicht  wenigen  stellen   reimen   einfache  vokale  auf  diph- 
thongen. * 

dnit :  giltit  3,  13,  37.  Hut :  ubarlnt  3,  6,  31.  16,  61.  4, 

(gidue  :  thie  2,  \9,  l^)-  7,89. 

(zua  :  thanana  4,  29,  57.  th'ot :  not  4,  21,  12. 

:  leiba  3,  6,  3).  :  wachorot  1,  12,  31. 

gihiaz  :  allaz  4,  16,  50.  (m  :  nü  %  1 4,  52). 

hiar  :  wachar  4,  7,  83.  Ä/ar  :  ?oar  4,  2,  34.  6,  26.  5,  4, 

5?7?a2  :  mwaz  5,  7,  38.  45.  25,  87. 

:  sdr  4,  14,  13. 

duü  :  slf  4,  7,  61.  :  f/mr  5,  21,  13. 

:  p/f  3,  17,  15.  :s?mV3,  5,21. 

als  diphthonge  sind  auch  die  lautverhindungen  in  duü  und  gidue 
anzusehen,  da  sie  nur  einen  accent  im  verse  haben.  —  Wie  man 
sieht,  kommen  nur  solche  diphthonge  im  reim  auf  eiufache  vo- 
kale vor,  die  mit  i  oder  u  anlauten  dh.  mit  den  vokalen,  welche 
die  fahigkeit  und  oft  die  neigung  haben  in  consonanten  über  zu 
gehen,  der  Übergang  in  /  und  ic,  oder  die  annäherung  an  diese 
consonanten  tritt,  wie  jeder  fühlt,  leicht  ein,  wenn  auf  unbeton- 
tes ^■  und  n  betonter  vokal  folgt:  aus  iacio  wird  leicht  jacio,  aus 
nnas  leicht  was.  dafs  aber  in  den  diphthongen,  welche  hier  in 
betracht  kommen,  der  zweite  laut  der  betonte  war,  sieht  man 
daraus  dafs  auf  ihm  allein  der  gleichklang  beruht,  wie  nahe  fer- 
ner in  Otfrids  spräche  die  vokale  i  und  n  den  entsprechenden 
consonanten  standen,  ersieht  man  aus  seiner  lateinischen  vorrede: 
'Huius  enim  linguae  barbaries,  ut  est  incvUta  et  indisciplinabilis 
atque  insueta  capi  regulari  freno  grammaticae  artis,  sie  etiam  in 
multis  dictis  scriptu  est  propter  litterarum  aut  congeriem  aut  in- 
cognitam  sonoritatem  difficilis.  Nam  interdum  tria  nun,  ut 
puto,  quaerit  in  sono  priores  duo  consonantes,  ut 
mihi  videtur,  tertium  vocali  sono  manente'^  und  vom  ^' 
sagt  er  weiter  unten :  'Hie  sepius  i  et  o  ceteraeque  similiter  cum  illo 


'  duan  :  blgan  kommt  durch  richtige  verseiiileiliuig-  in  vvegfall.  s.  Hügel 
s.  47. 

2  Holtzmann  in  seiner  altdeutsciicn  gramniatik  bemerkt  s.  248  ganz 
richtig:  dM-i7  wird  einsilbig  dtdi,  (asl  dwit  gesprochen,  wie  die  reime  zeigen- 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS  123 

uocales  simul  inveniuntur  inscriptae,  interdum  in  sono  diui- 
sae  uocales  manentes,  interdum  coniunctae,  priore 
transeunte  in  consonantium  potestatem.'  der  annähme, 
dafs  in  den  angeführten  reimen  die  vokale  i  und  n  consonantisch 
ausgesprochen  wurden,  scheint  also  nichts  im  wege  zu  stehen, 
wenn  dies  aber  der  fall  war,  so  tritt  im  wesentlichen  ganz  das- 
selbe ein  wie  beim  unvollkommen  articulierten  r,  eine  minderung 
des  lautgehaltes  der  silbe.  wir  haben  also  auch  dieselbe  beglei- 
tende erscheinung  zu  erwarten,  dh,  ersatzdehnung  des  neben- 
stehenden vokales,  so  erklärt  sich  dann,  dafs  so  oft  der  zweite 
laut  des  diphthongs  auf  langen  vokal  reimt. 

in,  -lieh,  -ic,  les. 

Das  adverbium  in  lautet  wie  später,  auch  schon  bei  Otfrid 
in  und  in.  sehr  häufig  reimt  es  auf  das  pronomen  m,  dessen 
quantität  selbst  als  schwankend  bezeichnet  ist;  auf  min  1,22,  57. 
5,  5,  7.  auf  min  2,  14,  27  :  sin  1,  23,  9.  druhtin  3,  24,  41. 

Auch  die  nachsilbe  -lieh  braucht  Otfrid  schon  mit  kurzem 
vokal,  wie  zahlreiche  reime  beweisen  zb.  m«/« :  sama?/A  3,  16,  48. 
4,  15,  36.  gilumflih  4,  15,  4.  11,  23.  thih  :  missilih  2, 19,  23.  H  58- 
egislih  4,  13,  n.  sih:  e'gislih  2,Q,  A4,  selbst  das  adjectivum  gilih 
neigte  sich,  wenigstens  wo  in  Zusammensetzung  die  letzte  silbe 
an  ton  verlor,  der  kürze  zu:  nngilih:  thih  3,23,  4.  4,7,30.  5, 
12,  3.  mih  5,  7,  25.  leidogilih  :  thih  5,  23,  218. 

Seltner  als  -lieh  konmit  -ic  im  reime  vor:  nur  eimnal  auf  i 
(sdlig  :  ivrg  2,  16,  25 j,  sechsmal  auf  i  githig  :  kreflig  4,  37,  15.  nuir- 
dig  H  36.  56.  sdlic  5,  23,  54.  thing  :  uuirdig  4,  7,  87.  giweltig  4, 
23,  37.  also  auch  hier  war  wohl  die  länge  schon  aufgegeben 
(vgl.  Hügel  s.  40). 

Sicher  ist  dies  bei  der  interjection  les  der  fall,  die  achtmal 
im  reim  vorkommt,  innner  auf  die  genetivendung  -es.  les :  t ödes 
2,  11,  47.  leides  3,  24,  76.  gilhningnisses  4,  7,29.  githigines  4, 16,8. 
halsslagonnes  4,  19,  72.  uuortes  4,  26,  18.  uuerkes  4,  28,  11.  alles 
5,1,43. 

Flexionen  mit  kurzem  vokal  im  reim  auf  lange  silben. 

Dieser  fall  kommt  nur  bei  langsill)igen  verben  <ler  ersten 
schwachen  conjugation  vor  und  nur  wo  i  der  vokal  der  endung 
ist.     irfullit  (prtc.)  :  zU  l,  4,  69.  gihörit  (prtc.)  :  qnit  4,  19,  67. 


124  METRISCHE  liNTERSUCHüNGEN 

gmnahinit  fprtc.)  :  zU  1,  9,  1.  lougnit  (3  ps.  sg.)  :  giqmt  3,  22,  53. 
gilouhis  (2  p.  sg) :  wh  3, 24, 85.  —  Diese  beschränkung  auf  «-stamme 
macht  es  mir  schwer  zu  glauben,  dafs  die  reime  nicht  einen  an- 
lafs  in  der  ausspräche  hatten.  Grimm  (1-,  870)  setzte  für  die 
langsilbigen  verba  der  ersten  schwachen  conjugation  in  der  2  und 
3  p.  sg.  ?s,  it  an  'vorläufig,  wofür  sich  vielleicht  noch  beweise 
entdecken  werden'. 

Als  ungenaue  reime  bleiben  nur  noch  die  folgenden  übrig: 

mäht :  hrdht  3,  23,  19.  scalt :  zigät  4,  7,  8. 

gifnah  :  näh  5,  5,  10.  dinfal :  thdr  4,  11,2. 

wizzod  :  (bof  3,  16,  23.         mmt :  duent  2,  9,  96.* 

binam  :  gdn  4,  3,  1 6.  got :  not  4,  30,  31. 

es  mag  leicht  sein,  dafs  auch  von  ihnen  einer  oder  der  andere 
in  der  ausspräche  des  dichters  rein  erschien,  aber  auch  wenn 
diese  acht  reime  ungenau  sind,  und  wenn  aucli  einige  vorher 
besprochenen  als  ungenau  anzusehen  sind,  so  ist  doch  jedesfalls 
ilire  zahl  im  Verhältnis  aller  die  in  betracht  gezogen  sind,  so  ge- 
ring, dafs  man  getrost  das  urteil  aussprechen  darf: 

Otfrid  beachtet  in  seinen  assonanzen  nicht  nur 
die  qualität  sondern  auch  die  quantität  der  vokale 
mit  nicht  geringer  Sorgfalt.  Endungen  die  häufig 
mit  einander  reimen,  können  in  seiner  spräche 
nicht  als  länge  und  kürze  gegenüber  gestanden 
haben. 

Mit  bilfe  dieses  satzes  wird  es  gelingen  die  quantität  der 
einsilbigen  endungen  fest  zu  stellen. 

A.  Quantität  der  endungen  mit  consonantauslaut. 
a.  Die  verbalendungen  -6t,  -et,  -it. 
Wenn  man  von  einer  endung  erwarten  darf,  dafs  sie  bei 
Otfrid  noch  die  volle  länge  des  vokales  bewahrt  hat,  so  ist  es 
sicher  die  endung  -ot  in  der  zweiten  schwachen  conjugation,  die 
ihren  vollen  wert  länger  behauptet  hat,  als  irgend  eine  andere 
flexion.  sind  doch  die  gewarnöt  und  ermorder öt  noch  in  der  poesie 
des  dreizehnten  Jahrhunderts  nicht  verschollen,  gelingt  es  für  sie 
eine  Schwächung  des  vokales  nachzuweisen,  so  wird  man  von  den 
andern  endungen  nichts  befseres  erwarten,     sie  kommt  vor: 

'  Hier  hat  der  erste  laut  des  diphthongs  den  hauptton. 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIÜS  125 

im  reim  auf  -öt: 

Participium.  not :  biredinot  5,  19,  17.  biseganot  5,  3,  15.  fir- 
damnot  2,  5,  24.  5,  16,  34.  firhuarot  4,  5, 17.  giaforot  1,  3,  10.  gi- 
einot  3,  15,  2.  4,  1,  2.  gimamgfaltot  4,  6,  48.  giredinot  1,  1,7.  g'«- 
zeinot  H 117.  gisamanot  5, 1 1 , 2.  gizeigot  3, 3, 3.  -5o/ :  gifirot  3, 16, 1. 
gimalot  2, 1,  14.  -brot :  giseganot  4,  10,  9. 

3  pers.  sg.  praes.  not'.reinot  1,1,28.  red»«of  4,  6,  46.  min- 
not  2,  2,  36.  firdamnot  3, 13,  34.  ^öjarfo^  2,  16,  19.  s^oso«  3,  7, 18. 
bizeimt  4,  5,  20.  i^«'/*«/  4,  7,  77.  zeinot  4,  23,  23.  scommo?  5,  2,  12. 
w  wisof  5,21,  11. 

2  pers.  plur.  iiul.  n6t:giscouuot'd,%\\.  4,24,29. 

2  pers.  plur.  conj.  noV :  6«7«rfo?  2,  19,  18. 

2  pers.  plur.  imp.  not :  nueinot  4,  26,  32. 
im  reim  auf  -ot: 

Participium.  got :  gibilidot  3,  3,  21.  5,  6,  5.  gireisot  1,  4,  11. 
bimunigot  4,  19,  47.  gilockot  5,  20,  76. 

3  pers.  sing.  iiid.  got :  ginadot  1,  24,  11.  leinot  1,  26,  9.  min- 
not  5,25,41. 

2  pers.  plur.  imp.  got :  minnot  2,  \9,  Ib.  bredigot  b,]Q,  28. 
also  31  mal  kommen  diese  verbaU'ormen  im  reime  auf -d^  10  mal 
im  reim  auf  -ot  vor.  der  zahl  nach  seltner  auf  -ot ,  verhidtnis- 
mäfsig  aber  öfter;  denn  die  würter  auf  -öt  kommen  fünf  bis 
sechsmal  so  oft  vor  als  die  auf  -ot.  wenn  man  sich  nun  er- 
innert, mit  welcher  Sorgfalt  der  dichter  in  Stammsilben  ot  und  öt 
auseinanderhält,  so  wird  man  'den  schlufs  gerechtfertigt  linden, 
dafs  in  seiner  spräche  die  o  in  got  und  in  ginadot  und  in  not 
und  in  ginadot  einander  näher  standen  als  <lie  in  got  und  not, 
dh.  dafs  das  o  in  der  verbalenduug  nicht  mehr  eine  volle  länge 
sondern  anceps  war. 

Für  die  verl)alendungen  -et  (2  p.  plur.  conj.  praes.  aller  verba. 
3  p.  sg.,  2  p.  plur.  ind.  praes.  und  prtc.  der  3  schwachen  conj.) 
und  -it  (2  p.  pl.  conj.  praet.)  läfst  sich  der  schwankende  wert 
nicht  mit  gleicher  evidenz  nachweisen  wie  für  -öt.  die  analogie 
fällt  hier  am  stärksten  ins  gewicht.  -U,  überhaupt  nicht  häufig, 
konnnt  weder  im  reim  auf  zit ,  quit  u.  ä.  noch  auf  nu't,  houbit 
u.  dgl,  vor;  der  reim  eigit :  gimeinit  (prtc.)  spricht  aber  für  Schwä- 
chung des  i.  —  Die  verbalformen,  als  deren  endung  die  grnm- 
matik  -et  ansetzt,  sind  häutig  genug,  aber  es  fehlt  in  OHiids 
spräche  an  hochbetonten  silben  auf  -et  und  et,  daher  auch  hier 


126  METRISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

nicht  so  entscheidende  reime  wie  bei  -öt.  oft  reimen  cüese  for- 
men, namentlich  die  conjunctive  unter  sich,  aber  auch  auf  ent- 
schiedenes-ef.  higinnet  \  ringet  5,16,44.  läzet :  büäzet  2,21,41. 
antmmrtet :  uuuntet  4,  7,  22.  gizellet :  singent  1,17,  28. 

b.    Die    Verbalendungen    -es,  -ös,  -is,    est,  -öst,  -ist. 

-es  wird  angesetzt  für  die  2  p.  sing,  praes.  ind.  und  conj. 
der  dritten  schwachen  conjugation,  und  für  die  2  p.  sing,  praes. 
conj.  der  starken  und  ersten  schwachen  conjugation.  die  ersten 
sind  selten  und  nicht  in  entscheidenden  reimen,  die  andern  sind 
oft  mit  -es  gebunden. 

bietes  :  brötes  2,  22,  32.  bigirme's :  heiminges  1,  19,  6.  situles 
5,  19,  60.  falle's  :  alles  1,  23,  60.  haltes  :  uuortes  1,  2,  27.  gi- 
bietes:  thiotes  2,  14,  18.  sceides:  leides  2,  24,  18.  irscine's :  paradyses 
4,  4,  52.  finde's  :  gisindes  4,  18,  8.  sindes  5,  10,  8.  Idze's:  nrheizes 
4,  24,  8.  mwlle's  :  alles  3,  13,  24.  4,  15,  17.  19, 12. —  bikere's  :  se'res 
4,  13,  19.  irrihtes  :  miihtes  2,  11,  39.  suachesithes  2,  14,  58. 
ginendes  :  sindes  3,  4,  28.  girihtes  :  thes  3,  17,  20.  githenkes  :  skalkes 
4,  31,  22. 

-ÖS  in  der  2  p.  sg.  praes.  ind.  und  conj.  der  zweiten  schwa- 
chen conjugation  und  in  der  2  p.  sg.  ind.  praet.  aller  drei 
schwachen  conjugationen  kommt  in  entscheidendem  reime  nur 
einmal  vor  und  hier  auf  ö:  fergös  :  gilos  3,  24,  18. 

-is  2  p.  sg.  conj.  praet.  ist  selten,  dafs  seine  quantität 
eine  andere  war  als  die  von  -es  und  -ds  wird  man  aus  dem 
einen  reim  ndmis :  wis  5,  7,  49  nicht  folgern. 

Auch  für  die  nebenformen  -est,  -öst  ergeben  die  reime  un- 
mittelbar nichts;  -ist  reimt  einmal  auf  quist  (gitranktist  2,  14,44), 
viermal  auf  ist: 

qndmist :  ist  3,  24,  38.  hortist :  ist  H  39.  uuizzist :  ist  2,  2,  15. 
lezist  4,  13,  33. 

c.  Die  Verbalendungen  -ön,  -en,  -in,  -önt,  ent. 

-ön  die  häufige  endung  im  inf.,  der  1  p.  plur.  ind.  praes. 
und  der  1  und  3.  p.  pl.  conj.  praes.  der  zweiten  schwachen 
conjugation  kommt  oft  im  reim  auf  die  nominalformen  mit  kur- 
zem -on  vor.  dreimal  ist  sie  mit  hochbetonten  silben  gebunden 
ih  fergon:  giuuon  H  149.  ih  redindn  :  Ion  2,  21,  13.  arnon  (inf.): 
körn  2,  14,  109. 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS  127 

Infinitiv,  gimuntön  :  drntou  1,  5,  51.  ginddon  :  allmdgon 
1,7,  20.  10,  11.  xiotÖH  :  drüton  1,28,  15.  samanön  :  drüttheganon 
1,  28,  11.  hhmankön  :  uuerkon  2,  4,  88.  gilhankon  2,  24,  24. 
irrentön  :  nnorton  2,  9,  74.  spentöu  :  imorton  2,  15,  21.  nuankön: 
uuerkon  2,  23,  21.  binuankön  :  stankon  3,  1,  19.  redindn  :  segenon 

3,  1,  1.  thegcmon  3,  12,  1.  thankön  :  githankon  3,  6,  50.  avarön: 
grebiroH  4,  26,  20.  f'azzön:  Iwhtfazzon  4,  16,  15.  gisamanon  :  /a- 
domon   4,  29,  7.     tninndn :  mannon  4,   6,  55.    redindn  :  theganon 

4,  10,  1.  redindn  :  grehiron  4,  34,  5.  spentön  :  nnorton  4,  12,48. 
anafarton  :  nnorton  5,  20,  96.  hinuankön  :  githankon  5,  18,  14. 
19,38.  gilangön  :  thingon  S  14.  irredinön  :  theganon  5,23,  191. 
niotön  :  theganon  5,  9,  39.  hilidon  4,  1,15.  rentön  :  nuorton  3,  20, 
87.  rigilon  :  segonon  5,  2, 1.  thankön  :  uuerkon  L  25.  30.  4,  34,  16. 
H  29.  uneinön  :  inheimon  1,  18,  12.  5,  9,  20.  uuerkon  :  skalkon 
4,  5,  19.    uuidaruuertön :  uuorton  3,  16,  26.  —  scouuön :  ougon 

3,  23,  36.  2,  15,  23.  16,  22.  3,  6,  15.  20,-81  usw.  emo«  (a.  sg.) 

4,  15,  27.  nuankön  :  frankon  (n.  pl.)  1,  1,  33.  merön:  uueuuon 
(a.  sg.)  2,  6,  35.  mdron  (a.  sg.)  3,  7,  86.  rediön  :  evangelion  (a.  pl.) 
3,  20,  143.  scouuön  :  stummon  (a.  sg.)  1,  9,  23.  nuidorön  :  einboro- 
non  (a.  sg.)  2,  12,  86. 

1  p.  sg.  ind.  praes.  redindn :  lantsidilon  (n.  pl.)  2,  2,  23. 
gömmannon  (d.  pl.)  5,  8,  22.  theganon  (d.  pl.)  5,  11,  8.  himilon 
(d.  pl.)  5,  12,  74.  evangelion  (n.  pl.)  5,  13,20.  rediön :  judeon 
(d.  pl.)  2,  14,  66.  euangelion  (n.  pl.)  4,  34,  13.  thankön  :  Muer- 
A'o?i  3,  24,91. 

1  p.  pl.  ind.  praes.  irrön  :  sterron  (a.  sg.)    1,  17,21. 

1  p.  pl.  conj.  praes.  scouuön  :  gounon  (d.  pl.  Kelle  2,  180) 
1,  13,  4.  minnön  :  mannon  (d.  pl.)  3,  5,  22.  5,  12,  78.  thingon 
(d.  pl.)  5,  23,  10.  githankon  (d.  pl.)  2,  24,  35. 

3  p.  pl.  conj.  praes.  niruuanön  :  kornon  (d.  pl.)  1,  28,  10. 
minnön :  mannon  (d.  pl.)  5,12,65.  71.  thankön :  uuerkon  5,25, 
25.  nuankön  -.githankon  2,  24,  15. 

-en  in  der  1  und  3  pl.  conj.  praes.  der  starken  conjugation 
und  der  1  und  3  schwachen,  und  in  der  1  p.  pl.  ind.  praes. 
der  3  schwachen  conjugation,  ist  seltner  als  -6n,  kommt  aber 
doch  im  reim  auf  -en  vor.  so  die  conjunctive  bergen :  argen 
(d.  sg.)  5,  25,  67.  fdhen  :  uudhen  (d.  sg.)  1,  2,  16.  raten  :  guaten 
(g.  sg.)  3,  10,  10.  giuuizzen  :  sizen  (inf.)  3,7,  70  und  die  inlini- 


12S        METRISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

tive   irldren  :  nueuuen   (g.  sg.)    5,  9,  32.    tvdrten  :  garten   (d,  sg. 
4,  18,  24. 

-in  die  endung  der  1  und  3  p.  pl.  conj.  praet.  reimt  häufig 
auf  -in.  bdthi :  gmudtin  3,9,  10.  ddtin:  yirdtin  4,37,  4.  5,9, 
28.  gizitin  4,8,  13.  nötin  3,  19,  26.  25,  19.  eretin :  liutm  3, 
16,  31.  giriatin  :  liutin  4,  22,  5.  giltin  :  gizitin  1,  22,  2.  5,  16,  7. 
gihitin  :  zitin  2,  8,  5.  gihöntin  :  nötin  4,  22,  30.  irkndtin  :  ddtin 
3,  15,  23.  5,  11,  36.  sdzin  :  fnazin  4,  11,  15.  steinötin  :  notin 
3,  22,  34.  uuestin  :  brustin  2,  6,  22.  gilustin  2,  14,  98.  mirtin: 
gizitin  4,  20,  5.  nuarnotin:  nötin  4,  14,  7.  —  Im  reim  auf  hoch- 
betonte Silben  kommt  es  dreimal  vor:  firndminimin  3,  18,38. 
suahtin  :  in  (d.  pl.)  4,  16,  44.  hahetin  :  s?«  S  3. 

-önt  (3  p.  pl.  ind.  praes.  der  2  schw.  conj.)  kommt  nur 
einigemal  im  reim  aufwog  vor:  beitönt  5,  20,  60.  zeinont  2,  3,  21. 
thionont  H  168.  daraus  zu  schliefsen,  dafs  diese  endung  den 
weg  zur  kürze  noch  nicht  eingeschlagen  hal)e,  wiu'de  angesichts 
des  häufigen  gebrauches  von  not  im  reim,  und  des  mangels  an 
geeigneten  Wörtern  mit  8  nicht  gerechtfertigt  sein,  sein  wert 
wird  kein  andrer  gewesen  sein  als  der  von 

-ent  (3  p.  pl.  ind.  praes.  der  3  schw.  conj.)  das  sich  mit 
-ent  unterschiedslos  mischt:  giuuartmt :  gihaltent  2,  19,  10.  fol- 
gent :  mierbent  3,  23,  34.  froiment :  buent  5,  23,  128.  gingent : 
githingent  2,  16,  14.  iruuelkmt  :  thenkent  5,  23,  166.  stinkent  5, 
23,  274.  tharbent :  uuerbent  1,  18,  27.  5,  20,  116. 

d.  Die  nominalen  dun  gen  -öu,  -en,  -in. 

-ön  im  dat.  plur,  der  starken  und  schwachen  feminina  reimt 
häufig  auf  -on: 

riuuön  :  giiiuon  3,  10,7.  euuön  :  gimwn  H  163.  alahalbön: 
selbon  (d.  pl.)  4,  9,  23.  hertön  :  nnorton  (d.  pl.)  2,  12,  6.  9,  86. 
3,  15,  40.  4,  30,  2.  libön:wibon  (d.  pl.)  5,  4,  36.  meinön  : 
steinon  (d.  pl.)  3,  19,  23.  einon  4,  3,  3.  minnön  :  kindon  L  83. 
mannon  3,  12,  2.  5,  15,  6.  4,  11,  52.  5,  23,  74.  mennisgon  5,  11, 
35.  redinön  :  fadnmon  4,  29,  32.  theganon  5,  16,  5.  nrkundon 
(n.  pl.)  5,  17,  11.  —  sorgön  :  bergon  (d.  pl.)  4,  26,  43.  undön  :  kin- 
don 1,  3,  11.  mannon  1,  26,  4.  5, 14, 16.  thiarnön :  liobon  4,  7,  63. 
rnachon:  buachon  2,  9,  18.  3,  1,  25.  4,  1,  33. 

-in  im  dal.  plur.  der   adjectiva    in  allen  drei  geschlechtern. 


ÜBER  DIE  SPRÄCHE  OTFRIDS  129 

allen  :  zellen  (inf.)  5,  23,  15.  1,  3,  45.  5,  9,  50.  20,  11.  wil- 
len (g.  sg.)  1,  12,  24.  (d.  sg.)  3,  10,  21.  26,  70.   zellen  (1  p.  pl.) 

4,  24,  32.   selben  (d.  sg.  m.)  5,  10,  11.   guaten  :  huaten  (inf.)  4,  37, 

2.  thinen  :  heilen  (iul'.j  3,  5,  19.  —  follen  :  uuillen  (d.  sg.)  3,  22,  41. 
Gallen  (d.  sg.)  H  154.  managen  :  gaganen  (inf.)  4,  5,  18.  ginuagen  : 
fuagen  (inf.)  2,  16,  24.  seren :  uueuuen  (d.  sg.)  4,  7,  31.  zeizen: 
ginueizen  (inf.)  5,  20,  46.  —  follen  :  nuillen  (d.  sg.)  3,  22,  41.  freti- 
Idsgen  :  biginnen  (1  p.  pl.)  1,  3,  46.  heizen  :  uueizen  (inf.)  4,  13,  40. 
Inten:  döten  (d.  sg.)  3,  24,  97.  rehten:  gislihten  (inf.)  1,  23,  28. 
bifilten :  antuurten  (inf.)  4,  19,  17. 

-in  im  dat.  pl.  schwacher  feminina. 

eregrehthiiunihtin  (d.  pl.)  2,  20,  1.  mahtin  3,  20,  118.  4,  1, 
52.  5,  23,  290.  tiuzzin  :  nezzin  (d.  pl.)  5,  13,  10.  guatbi :  ara- 
beitin  5,  6,  65.  dafm  5,  12,  42.  unuuirdin :  bin  4,  12,  24. 

e.    Die    adjectivenduug   -6r. 

Befser  als  die  besprochenen  endungen,  welche  insgesammt 
ihren  vollen  vokal  nicht  haben  retten  können,  hat  die  endung 
-er  im  n.  sg.  masc.  der  adjectiva  widerstand  geleistet,  es 
reimen 

mer:  hebiger   1,27,5.   4,  13,  47.   diu f er  2,  14,  29.  siecher 

3,  2,  4.  fremider  3,  18,  14.  heiler  3,  4,  45.  f oller  5,  19,  30. 
siner  3,  13,  50.  unser  3,  18,  43.  iuuer  2,  16,  34.  17,  21.  22,  19. 
39.  4,  24,  12.  einer  3,  6,  27.  5,  22,  15.  ander  4,  7,  69.  4,  31,  5. 

5,  15,  4. 

er :  bilibaner  3,  33,  50.  bigrabaner  3,  24,  2.  84.  giboraner 
3,21,3.  mmder2, 14,7.  M627tV5,25,  78.  s?w^r  1,3,48.  unsei'  H  144. 
manager  5,  23,  151.  niheiner  3,  14,  11.  «ytder  5,  6,  27.  7,  16. 

ser :  manager  2,  16,  10.  ander  4,  32,  4. 

Gegen  so  viele  zeugen  für  §  wollen  zwei  einzelne  mit  -er 
(er :  scanter  2,  5,  14.  ther :  hebiger  4,22,  13)  nicht  viel  sagen, 
aber  die  zahlreichen  reime  auf  -ar  :  dr,  die  oben  besprochen  sind, 
zeigen,  dafs  hier  der  lange  vokal  nicht  aus  eigner  kraft,  sondern 
auf  kosten  seines  nachgiebigen  nachbarn  sich  erhalten  hat. 

B.    Quantität   der    endungen   mit   vokalauslaut. 

Wer  die  Überzeugung  gewonnen  hat,  dafs  in  Otfrids  spräche 
die   endungen,   welche   auf  einen    consonanten   ausgehen,   nicht 
Z.  f.  D.  A.  neue  folge  IV.  9 


130  METRISCHE  l^TERSLCHlj^GEi^ 

mehr  ihren  vollen  vokahvert  behaupteten,  wiixl  nicht  den  beweis 
erwarten,  dafs  die  weniger  geschützten  endungen  mit  voi<alauslaut^ 
denselben  weg  eingeschlagen  haben,  aus  einem  andern  gründe 
aber  ist  es  nötig  auch  auf  sie  einzugehen. 

Die  einsilbigen  Wörter ,  welche  auf  einen  vokal  auslauten, 
sind  bekanntlich  alle  lang,  man  solte  also  nach  dem  was  über 
die  genauigkeit  der  Otfridschen  assonanzen  gesagt  und  gezeigt 
ist  erwarten,  entweder  dafs  der  dichter  diese  Wörter  im  reim  auf 
endungen  überhaupt  meidet  —  daraus  würde  hervorgehen,  dafs- 
alle  vokalischen  endungen  kurz  geworden  sind  —  oder  dafs  er 
sie  nur  auf  solche  endungen  reimt,  die  ursprünglich  langen  vokal 
hatten,  und  daraus  würde  man  folgern  müfseu,  dafs  in  der  spräche 
noch  das  bewustsein  der  alten  vokallänge  erhalten  war.  aber 
■weder  das  eine  noch  das  andere  ist  der  fall,  sondern  Otfrid  braucht, 
wie  das  folgende  Verzeichnis  ersehen  läfst,  die  Wörter  auf  6,  e,  l 
ganz  ebenso  gern  und  noch  häufiger  im  reim  zu  endungen  mit 
entschieden  kurzem  vokal. 

sd:nnasso  (adv.)  1,  1,  84.  giunisso  (adv.)  3,  1,  41.  3,  5,  15. 
6,  13.  10,  35.  18,  47.  24,  23.  4,  19,  33.  29,  2.  5,  9,  31.  egiso 
(n.  sg.)  5,  4,  22. 

:  egiso  (3  p.  sg.)  5,  4,  39. 

ihö  :  irbolgono  (adv.)  J,  4,  57.  gidougno  (adv.)  3,  15,  35.  ferro 
(adv.)  4,  18,  1.  lindo  (adv.)  4,  23,  39.  eino  (nom.  sg.)  2,  14,  13. 
sdho  (n.  sg.)  3,  2,  37.  judono  (g.  pl.)  3,  23,  27.  5,  11,  1. 
:  redino  (1  p.  sg.)  2,  14,  35. 

si-.uuisi  (unfl.  adj.)  1,3,  15.  3,20,51.  4,22,7.  28,21. 
5,  15,  13.  bredtgönti  5,  16,  23. 

:rikti  (sbst.)  2,  9,  7.  3,  26,  13.  ginuissi  (sbst.  Kelle  224 
anm.  6)  3,  19,  6.  4,  20,  19.  4,  26,  37.  5,  6,  11.  23,  37.  siucht 
5,23,  251. 

se:gisfge  (3  p.  sg.  conj.)  1,  11,  12.  sine  (n.  pl.)  3,  6,  5. 
zes^le  5,  13,  15. 

ge'.erdringe  (d.  sg.)  2,  17,  12. 

Um  dies  sonderbare  Verhältnis  zu  erklären,  darf  man  weder 
annehmen  dafs  die  Wörter  so,  thö,  st,  se,  ge  kurz  geworden  seien, 
noch  dafs  die  endungen  sich  in  lange  verwandelt  hätten,  noch 
auch  dafs  Otfrid  zwar  bei  den  consonantisch  auslautenden  reimen 
sich  an  den  brauch  seiner  spräche  gekehrt,  bei  den  vokalischen 
aber  die  lästige  fefsel  gebrochen  habe,     sie  erklärt  sich  durch  die 


ÜBER  DIE  SPRACHE  OTFRIDS  131 

annähme,  dafs  wie  wir  in  unserer  spräche  die  einsilbigen  Wörter 
mit  vokalaiislaut ,  je  nachdem  wir  den  ton  auf  sie  legen  oder  in 
der  rede  schnell  über  sie  hinweggleiten,  bald  mit  längerem  bald 
mit  kürzerem  vokal  aussprechen,  so  in  der  spiache  Otlrids  auch 
die  auslautenden  kurzen  vokale  in  den  endungen,  sobald  der 
accent  auf  ihnen  ruhte  —  und  das  ist  im  versschlufs  ja  immer 
der  fall  —  zu  einer  länge  gedehnt  werden  konnten,  wenn  sie 
auch  an  sich  und  im  Zusammenhang  der  rede  kurz  waren,  die 
möglichkeit  einer  solchen  freiheit  aber  zeigt,  dafs  die  gramma- 
tische Unterscheidung  langer  und  kurzer  vokale  im  auslaut  der 
endungen  aufgegeben  war. 

BERLIN.  W.  WILMANNS. 


ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE. 

Mit  absieht  hal>e  ich  die  Überschrift  für  die  folgenden  Zeilen 
so  allgemein  gewählt,  weil  die  beobachtungen,  die  ich  mitzuteilen 
gedenke,  von  einander  unabhängig  sind  und  ihre  einheit  nur  in 
dem  gemeinsamen  gesichtspunkte  finden,  unter  dem  sie  angestellt 
Avurden;  doch  dürften  für  diesen  selbst  aus  der  summe  der  be- 
obachtungen einige  resultate  sich  ergeben. 

Der  gotischen  vorsatzpartikel  ga  entsprechen  im  ahd,  ka  und 
ga,  daneben  begegnen  und  zwar  überwiegend  ki  und  </?,  ke  und 
ge.  wir  besitzen  zahlreiche  denkmider,  in  denen  mehrere  dieser 
formen  zugleich  und  ohne  unterschied  auftreten,  an  und  für  sich 
ist  es  nicht  undenkbar,  dafs  in  Übergangszeiten  ältere  und  jün- 
gere bildungen  der  partikel  neben  einander  in  gebrauch  waren: 
denn  eine  Umwälzung  kommt  in  der  spräche  nicht  über  nacht, 
diese  annähme  verliert  aber  ihre  Wahrscheinlichkeit,  wenn  wir  es 
mit  denkmälern  zu  tun  haben,  in  denen  nicht  nur  dieselben 
Worte  und  häufig  in  der  gleichen  zeile  bald  die  vollere,  bald  <lie 
geschwiichte  form  aufweisen,  sondern  die  auch  in  ihren  einzelnen 
teilen  eine  starke  differenz  hinsichtlich  des  Verhältnisses  zeigen, 
in  dem  fco,  ki  und  ke  zur  Verwendung  gelangen. 

Bereits  Jakob  Grimm  (gramm.  1,  115)  hatte  das  willkürliche 
schwanken  zwischen  den  formen  dieser  partikel,  welches  in  der 
insgemein  als  werk  des  Kero  bezeichneten  Übersetzung  der  bene- 

9* 


132  ZUR  AHD.  LITTERATÜRGESCHICHTE 

diktinerregel  zu  tage  tritt,  bemerkt  und  Lachmaun  (vgl.  MSD  s. 
459)  einige  andeutungen  über  verschiedene  in  derselben  zu  unter- 
scheidende bände  fallen  lafsen.  es  steht  sich  das  verhähnis  der 
einzelnen  formen  folgendermalseu : 

1.  s.  28—  57     (51)  ke  218  ki  54  ka  ^  ga  i 

1  gi  1 


2. 

58—  79  (79) 

11 

71 

43 

1 

3. 

79—  82  (83) 

23 

4 

4. 

82—  84  (86) 

1 

7 

4 

5. 

84—  87  (91) 

23 

1 

6. 

88—  90  (95) 

3 

5 

2 

7. 

90—  95  (103) 

35 

3 

8. 

96—116  (135) 

34 

76 

43 

1 

9. 

117—125: 

68 

27 

1 

1 

Die  eingeklammerten  zahlen  beziehen  sich  auf  die  selten  der  hs, 
nicht  mitgezählt  wurden,  wie  sich  versteht,  die  k,  welche  für  ke- 
uuisso  oder  kaumsso  geschrieben  sind,  aufserdem  steht  co  (einmal 
s.  57  go)  in  der  Verbindung  eocouuelih  und  eocouuer  durch  die 
ganze  hs.     hierzu  stimmt  folgende  tabelle: 

1.  s.  28—  57  :  ze  ohne  ausnähme 

2.  58—  79:       6  zi  6  za  27 


3. 

81: 

2 

4. 

82—  83: 

2 

5. 

86: 

1 

1 

6. 

89: 

1 

7. 

90—  95: 

8 

8. 

96—116: 

11 

3 

9. 

117—125: 

13 

6 


ferner  ist  h  im  anlaute  vor  konsonanten  in  1.  3.  5.  7.  9  mit  ganz 
wenigen  ausnahmen,  wie  ebanlozzon  s.  29,  laktere  s.  56,  kakan- 
lavhit  für  kakanlavfit  (vgl.  Hatt.  3,  618)  s.  94  und  den  kompo- 
sitionen  von  hwer  und  hwelih  mit  eo  und  so,  bei  denen  schwanken 
statt  findet,  regelmäfsig  erhalten;  dagegen  fehlt  es  in  2.  4.  6.  8 
(aufser  huuassi  s.  77  und  huuaz  s.  99).  nur  in  den  letzteren 
partieu  begegnet  nicht  selten  s  für  z  und  umgekehrt  zb.  kase- 
zamez  s.  Ol,  edezlichera  s.  115,  deolihas  60,  das  108.  in  1.  3. 
5.  7.  9  wird  fiU"  ch  im  inlaute  hh  oder  ch,  auch  einfaches  h  ge- 
schrieben; ausnalunen  bildet  nur  die  dreimal  s.  36.  37.  39.  vor- 
kommende Schreibung  ruahcha,  ferner  kimahchot  s.  55,  uuerahche 
s.  56  und  eruuehchü  s.  123.     in  2.  4.  6.  8.  dagegen  überwiegt 


ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE  133 

dies  hch  tlurcliaiis:  daneben  kommt  ch  vor,  hh  nnd  h  aber  sind 
höchst  selten,  aus  allen  diesen  momenten  würde  sich  zunächst 
der  schlufs  ergeben,  dafs  die  hs.  von  zwei  Schreibern  herrührt; 
da  sie  aber,  wie  mich  Sievers  freundlichst  belehrt,  von  einer  band 
geschrieben  ist,  so  dürfte  man  geneigt  sein,  diese  annähme  auf 
ihre  vorläge  zu  übertragen. 

Ke  kann  an  und  für  sich  sowol  aus  ka  als  aus  ki  henor- 
gehen.  es  fragt  sich,  aus  welchem  dieser  beiden  es  in  unserem 
falle  hervorgegangen  ist.  dafs  man  sich  den  Übergang  von  ha  zu 
kl  nicht  anders  als  durch  vermittelung  eines  ke  erklären  kann, 
beweist  noch  nicht,  dafs  das  in  der  benediktinerregel  auftretende 
ke  würklich  so  aufzufafsen  ist.  ordnet  man  aber  die  sämmtlichen 
darin  vorkommenden  beispiele  der  vorsatzpartikel  nach  dem  fol- 
genden konsonanten,  so  ergibt  sich  diese  tatsache:  vor /"steht  in 
1.  7.  9  nur  ke,  in  2  und  8  nur  ka  und  ki  und  vor  ch  in  1. 
3.  5.  9  mit  einer  ausnähme  s.  55  (kiehunde)  nur  ke,  in  2,  8 
nur  ka  und  ki.  zwei  abweichungen  zeigt  z,  wenige  n,  q,  r,  w. 
phonetische  gründe,  welche  gerade  vor  diesen  konsonanten  eine 
derartige  Verteilung  der  vokale  bei  der  partikel  begünstigt  hätten, 
sind  mir  unerfindlich  und  ich  kann  die  ganze  erscheinung  nur  für 
einen  zufall  ansehen,  dieser  zufall  aber  erweist,  dafs  in  1.  3.  5. 
7.  9  die  partikel  ursprünglich  ke  lautete,  und  die  ki  erst  einer 
späteren  entwickelung  angehören,  dafs  ki  dem  ka  gegenüber  eine 
Schwächung  ist,  versteht  sich:  man  wird  daher  auch  für  2.  4.  6. 
8  ka  als  ursprüngliche  form  ,  ki  als  spätere  einmischung  anzu- 
nehmen haben,  auch  das  ist  klar,  dafs  als  die  spräche  nur  noch 
ki  als  vorsatzpartikel  kannte ,  ein  vil  erheblicherer  unterschied 
zwischen  diesem  letzteren  und  ka  bestand  als  zwischen  ihm  und 
ke:  daher  kann  es  nicht  auffallen,  dafs  wir  ka  verhältnismäfsig  iiäu- 
figer  als  ke  in  ki  verändert  finden,  wenn  aber  ke  für  einige  par- 
tien  die  ursprüngliche  form  war,  die  vor  mehreren  konsonanten 
zufallig  sich  ziemlich  intakt  erhielt,  vor  anderen,  die  häufiger  im 
anlaute  vorkamen,  wie  d,  s,  t  unterschiedslos  mit  ki  wechselte, 
demselben  ki,  welches  auch  für  ka  eintrat,  so  kann  ke  nicht  aus 
ki  geschwächt  sein,  sondern  nur  aus  ka:  denn  wie  hätte  die 
vollere  form  wider  für  ihre  Schwächung  eintreten  sollen?  sobald 
jedoch  feststeht,  dafs  1.  3.  5.  7.  9  ursprünglich  ke,  die  anderen 
partien  ka  hatten,  so  kann  dieser  unlersrhied  nicht  mehr  aus  der 
Verschiedenheit  der  Schreiber  erklärt  werden,   sondern    mufs  zur 


134  ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE 

annalune  zweier  verfafser  führen,  auf  verschiedene  Schreiber  da- 
gegen leite  ich  andere  differenzen  zurück,  während  bis  s.  48 
(Halt.  s.  54  unten)  die  hs.  sowol  ziemlich  vollständig  ül)ersetzt 
als  auch  nur  wenige  abkürzungeu  kennt,  wird  von  da  au  die 
Übersetzung  immer  mehr  zu  einer  glossierung,  in  der  alle  be- 
kannteren Wörter  nicht  übersetzt  erscheinen,  und  immer  mehr 
bricht  sich  die  sitte  bahn,  nur  die  endungen  oder  einzelne  buch- 
staben  der  Vokabeln  überzuschreiben,  dazu  stimmen  folgende  be- 
obachtungen.  bis  s.  54  lautet  die  konjunktion  'und'  mit  ausnähme 
eines  enti  s.  36  indi;  von  s.  55  ab  erscheint  sie  zwar  nur  selten, 
weil  das  lateinische  et  meist  unübersetzt  bleibt  und  wir  sie  ge- 
Avöhnlich  nur  für  que  finden ;  aber  wenn  sie  sich  zeigt,  so  weist 
sie  folgende  formen  auf:  s.  55 — 57  sechs  enti,  ein  inti,  s.  58 — 77 
ein  indi,  ein  inti,  s.  79 — 80  drei  inti,  s.  81 — 82  acht  indi,  s.  88 
ein  enti,  s.  91 — 94  drei  indi,  ein  inti  und  s.  104 — 121  drei  enti, 
zwei  inti.  ferner  begegnet  erst  von  s.  55  an  th  zuweilen  für  d 
sowie  ch  für  qh  vereinzelt,  während  bis  s.  54  der  dat.  pl.  des 
artikels  stets  diem  lautet ,  treffen  wir  zuerst  auf  s.  59  die  form 
dem,  die  dann  auf  s.  65.  82.  87.  100.  101.  105.  109.  110.  122 
widerkehrt,  während  diem  daneben  auf  s.  60.  61.  67.  81  erscheint, 
bis  s.  54  steht  als  nom.  pl.  mask.  des  artikels  die  (dea  s.  51,  dia 
s.  33  je  einmal),  von  da  al)  lautet  er  dea  {die  s.  94.  108).  es 
kann  noch  erwähnt  werden,  dafs  in  der  ersten  partie  weit  sel- 
tener als  in  der  zweiten  die  Verschiebung  von  inlautendem  g  zu 
Ji  stattfindet,  man  ersieht ,  dafs  alle  diese  erscheinungen  durch- 
aus nicht  mit  den  oben  angeführten  abgränzungen ,  die  wir  als 
spuren  zweier  verfafser  auffafsten,  zusammenfallen ;  ich  möchte 
also  vermuten,  dafs  wir  für  die  vorläge  unserer  hs.  zwei  Schreiber, 
den  einen  bis  s.  54,  den  anderen  von  da  ab  anzunehmen  haben. 

Auch  in  Rh  tritt  ein ,  gewisses  Verhältnis  in  der  Verwendung 
von  ka  und  za,  Ici  und  zi  hervor,  die  beiden  formen  verteilen 
sich  folKenderniafsen : 

10 

13 

12 

1 

Leider  fehlen  in  Gralfs  al)drucke  die  ])latlzahlen  der  hs.  und 
es  läfst  sich  dalier  die  notiz  Ihdlzmanns,  Germ.  11,  67,  dafs  von 
bl.  56''  an  das  deutsche  von  einem  anderen  Schreiber  eingetragen 


s.  491—501: 

ki  49 

fra  46    k  \     (ja  h    ge  \    zi  13    za 

502—512: 

89 

29                  2                    12 

513—523: 

89 

27         1          1                     17 

524—533: 

90 

2                                        8 

ZUR  AHD.  LITTERATÜRGESCHICHTE  135 

sei  —  wozu  auch  die  beobachtuiig  Scherers  MSD  s.  483  stimmen 
könnte  —  nicht  genauer  prüfen,  das  aber  erscheint  sicher,  dafs 
die  vorläge  von  Rh  ka  hatte  und  der  oder  die  Schreiber  im  laufe 
der  arbeit  immer  konsequenter  die  ihnen  nicht  mehr  adaequate 
form  entfernten. 

Hier  wie  in  der  bencdiktinerregel  deckt  sich  ziemlich  genau 
das  vorkommen  von  ka  mit  dem  von  za,  das  von  ki  mit  zi  (und 
das  von  ke  mit  ze).  und  sovil  ich  sehe  findet  dieser  aus  der 
gleichen  lautlichen  beschaffenheit  von  ka  und  za  ja  leicht  erklär- 
bare parallelismus  beider  partikeln  in  allen  alemannischen  und 
fränkischen  denkmälern  und  mit  einer  nachher  zu  erwähnenden 
cinschränkung  auch  in  den  bairischen  statt,  eine  ausnähme  bil- 
den nur  die  psalmenbruchstücke  (Sprachproben  -  s.  16  fl),  welche 
in  den  beiden  teilen,  in  die  sie  augenscheinlich  zerfallen  —  der 
erste  kennt  ka,  kt,  der  zweite  ke,  ki  vgl.  auch  hiuimih,  hmuueriu 
s.  16  und  emmih  zweimal  auf  s.  18  —  stets  ze  aufweisen,  nicht 
aber  hält  mit  dieser  Schwächung  die  von  ant,  ar  und  far  gleichen 
schritt,  die  letzteren  partikeln  erscheinen  in  der  benediktiner- 
regel  als  int  oder  ent,  er  (selten  ar)  und  far  (einmal  firlazamie 
s.  109),  in  Rh  als  int,  ar  (aufser  erpristit  s.  497,  erkibis  s.  498), 
far,  und,  um  noch  ein  fränkisches  deukmal  anzuführen,  im  Tatian 
als  int,  ar  (er),  for  und  für  (neben  gi  und  zi). 

Wenn  also,  wo  ka  ursprünglich  stand,  auch  za  herschte,  wo 
ke,  da  ze,  und  wo  ki,  dort  zi,  so  wird  es  wol  erlaubt  sein,  diesen 
satz  umzukehren  und  zu  sagen:  sobald  in  einem  denkmale  za 
ausschlierslich  oder  vorwiegend  erscheint,  so  wird  dasselbe  auch 
ka  aufweisen  oder  wenigstens  früher  beselsen  haben,  ebenso  wenn 
ze  steht,  ke  usw.  die  hynmen  rühren  in  der  Murbacher  hs.  be- 
kanntlich von  zwei  Schreibern  her  (1  bis  21  und  22  bis  zu  ende), 
die  dialektisch  sich  deutlich  unterscheiden,  der  erste  gebraucht 
far,  int  und  ar,  der  zweite  fer,  ant  und  int,  er.  in  dem  ersten 
teile  begegnet  neben  dem  herschenden  ka  auch  zuweilen  ki  in 
nr  1.  5.  7.  8.  12.  16  (gi).  20.  21;  in  dem  andern  dagegen  weist 
nr  22  drei  ka,  ein  ga,  sechs  ki  und  vier  ke,  nr  24  vier  ka,  neun 
ki,  sechs  ke,  nr  25  ein  ka,  fünf  ki,  zwei  ke,  ein  k  (krisit)  und 
nr  26  z>vci  ka,  fünf  ki,  drei  ke  auf.  in  beiden  teilen  aber  steht 
ohne  ausnähme  za  und  es  ist  daher  höchst  wahrscheinlich,  dafs 
auoli  in  dem  zweiten  ka  die  ursprünglich  allein  herschende  form 
gewesen    ist   und    die   anderen    bildunifcn  erst  durch  abschreiber 


136  ZUR  AHD.  LITTER ATURGESCHICHTE 

eingang  gefunden  liaben.  um  noch  ein  beispiel  anzuführen,  so 
haben  die  gll.  Jun.  A,  wie  dies  bereits  Holtzmann  bemerkte,  von 
s.  173  bis  178  ghi  und  ga,  von  179  an  aber  ka  und  ki,  auch 
einzelne  ga,  aber  nur  drei  ghi:  dem  entspricht  im  anfange  s?, 
nachher  za.  die  gll.  zerfallen  also  in  zwei  einander  fremde  teile, 
deren  erster  ghi  und  zi,  deren  anderer  ka  und  za  aufwies. 

Das  aus  ka  geschwächte  ke,  das  wir  in  der  benediktinerregel. 
erkannten  und  von  dem  offenbar  das  spater  allgemein  auftretende 
und  aus  ki,  gi  hervorgegangene  ke,  ge  streng  zu  sondern  isl,  war, 
•wie  es  scheint,  nur  kurze  zeit  lang  in  gebrauch,  und  es  bleibt 
zweifelhaft,  ob  diese  mittelstufe  überall  zur  schriftlichen  fixierung 
gelangte,  die  einzigen  mir  bekannten  denkmäler,  in  denen  aus- 
nahmslos dies  ke  erscheint,  sind  die  alten  SPauler  gll.  (zs.  3,  461  ff> 
und  die  aus  dem  spicilegium  Romanum  in  der  Germ.  11 ,  63  ab- 
gedruckten gll.  zu  Sedulius  Scotus.  Avie  bald  aber  ki  den  sieg 
davon  trug,  zeigen  recht  deutlich  die  Pariser  gll.  in  ihrem  Ver- 
hältnis zu  Ra  und  den  Keronischen.  bekanntlich  gehören  diese 
drei  Sammlungen  aufs  nächste  zusammen :  mit  ihren  gemeinsamen 
fehlem  weisen  sie  auf  ein  original,  jede  derselben  hat  aber  eigen- 
tümliche fehler  sodafs  keine  die  direkte  vorläge  der  andern  ge- 
wesen sein  kann,  am  meisten  hat  Pa  die  ursprüngliche  gestalt 
des  ganzen  gewahrt,  da  der  Schreiber  sich  bemühte,  seiner  vor- 
läge getreu  zu  folgen,  wir  finden  dort  fraundsa,  natürlich  auch 
ar  und  far.  ebenso  auf  den  ersten  32  seiten  der  Keronischen 
gll.  (s.  139  bis  149  bei  Hattemerj.  der  ganze  rest  der  letzteren 
aber  ist  ebenso  wie  Ra  aus  einer  planmäfsigen,  jedoch  in  beiden 
fällen  selbstständigen  Umarbeitung  hervorgegangen,  planmäfsig 
nenne  ich  dieselbe,  weil  in  beiden  hss.  das  bestreben  der  bear- 
beiter  dahin  gieng,  alle  ka  zu  entfernen:  wie  sollten  anders  die 
Worte  kithiha  für  kihitha  Ker.  gll,  s.  169  und  kihazan  Ra  176 
erklärt  werden,  als  dafs  die  übcrarbeiter  das  ka  der  ersten  silbe 
fälschlich  als  vorsatzpartikel  auffafsten?  sehr  mechanisch,  um  so 
mehr  aber  beabsichtigt  erscheint  diese  tätigkeit.  daneben  wur- 
den immer  noch,  besonders  im  anfange,  eine  reihe  ka  übersehen 
und  blieben  bestehen :  dafs  dieselben  aber  bei  verschiedenen  Wor- 
ten sich  finden,  bezeugt  die  Unabhängigkeit  beider  bearbeitungen 
von  einander,  und  während  in  Ra  principiell  nur  ka  und  za  in 
ki  und  zi  verändert  werden,  ar  und  far  dagegen  mit  ganz  ge- 
ringen ausnahmen  sich  behaupten,  dehnt  sich  in  den  Keronischen 


ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE  137 

gll.  die  schwäcliimg  durchgängig  auch  auf  diese  letzteren  partikeln 
aus.  wie  früh  übrigens  ki  sich  geltend  machte,  bezeugt  die  der 
Sammlung  Pa  und  dem  nicht  umgearbeiteten  stücke  der  Kero- 
nischen  glossen  gemeinsame  form  gihangendo  (Pa  153  K  148), 
welche  bereits  in  die  vorläge  beider  durch  einen  Schreiber  ein- 
gang  gefunden  hatte,  es  läge  die  folgerung  nahe,  dafs  die  chro- 
nologische reihenfolge  der  drei  hss.  hiernach  so  zu  bestimmen 
wäre:  Pa,  Ra,  K.  der  Schreiber  von  Pa  konnte  sich  noch  mit 
einer  einfachen  kopie  begnügen,  der  von  Ra  änderte  nur  ka  und 
za,  in  den  Keronischen  gll.  ergriff  die  Schwächung  bereits  ar  und 
far.  aber  man  ersieht  leicht,  dafs  auch  innerhalb  des  alemanni- 
schen gebietes  an  verschiedenen  orten  die  Schwächung  sich  ver- 
schieden, bald  langsamer,  bald  schneller  entwickelte,  so  hat  zb. 
das  SGaller  paternoster  und  credo,  das  nach  Scherers  ansieht 
(MSD  s.  459)  ungefähr  13  jähre  älter  ist  als  die  benediktinerregel, 
ki,  einmal  ke,  fir  und  er.  nur,  wenn  wir  wüsten,  dafs  alle  drei 
abschriften  an  einem  orte  genommen  wären,  hätte  jener  schlufs 
volle  berechtigung. 

Wenn  wir  zu  den  resultaten  obiger  betrachtungen  die  gleich- 
mäfsigkeit  in  werken,  wie  der  Übersetzung  des  Isidor,  des  Tatian, 
dem  Otfridischen  evangelienbuche  und  den  Notkerschen  arbeiten 
oder  in  den  SPauler  gll.  und  dem  Germ.  8,  11  ff  abgedruckten 
fragmente  von  Reichenauer  gll.  halten,  so  wird  der  allgemeine 
satz  wol  nicht  kühn  erscheinen,  dafs  vokahsche  differenzen  in 
den  Vorsatzpartikeln  entweder  auf  verschiedene  verfafser  einzelner 
teile  oder  auf  mehrfache  abschrift  hindeuten,  und  einen  recht 
instruktiven  beleg  für  die  letzte  behauptung  kann  ich  mir  nicht 
versagen  hier  anzuführen,  das  Emmeramer  gebet  (MSD  nrLXXvn) 
liefert  eine  wahre  musterkarte  sämmtlicher  formen  der  vorsatz- 
partikel :  neben  einander  treten  auf  ganz  geringem  räume  ka  ki  ke 
ga  gi  ge  auf.  der  ältere  text  desselben  denkmals  dagegen  den 
PleilVer  aus  einer  Tepeler  hs.  bekannt  gemacht  hat  (sitzungsber. 
der  Wiener  ak.  bd.  52  (1866)  s.  25)  kennt  neben  drei  ki  nur  ka 
und  ga.    auch  diese  ki  werden  nicht  ursprünglich  sein. 

Alte  bairische  denkmäler  sind  nur  in  geringer  zahl  uns  er- 
halten, dieser  umstand  wird  seinen  grund  haben  in  den  Ver- 
wüstungen, welche  im  zehnten  jb.  das  land  durch  die  einfalle 
der  Ungarn  erlitt,  den  wertvollsten  rest  bilden  die  fragmenta 
theotisca.     da  dieselben  bekanntlich  Umschriften  fränkischer  ori- 


138  ZUR  AHD.  LITTER ATURGESCHICHTE 

ginale  sind,  so  ist  es  erklärlich,  dafs  der  konsonantismus  uns 
nicht  in  derjenigen  reinheit  entgegentritt,  wie  sie  andere  bairische 
quellen  zeigen,  als  vorsatzpartikeln  finden  sich  ka  und  ga.  es 
scheint  aber  noch  nicht  bemerkt  zu  sein,  dafs  in  ihrer  Verwen- 
dung zwischen  den  einzelnen  partien  ein  unterschied  obwaltet, 
von  anfang  an  bis  nr  xn.  26  (s.  7)  steht  nur  ga,  ebenso  in  der 
homiUe  des  Augustin,  in  den  stücken  xxiv  und  xxvn  —  xxix  des 
traktats  de  vocatione  gentium  und  in  dem  kleinen  fragmente  s.  v; 
im  reste  des  Matthaeus  dagegen,  dem  Isidor  und  den  stücken  xxv 
und  XXVI  de  vocatione  ka  und  ga  untermischt:  daneben  sind  in 
beiden  teilen  einige  ghi  aus  dem  fränkischen  texte  stehen  ge- 
blieben, dem  entspricht,  dafs  nur  in  den  abschnitten,  die  auch 
ka  kennen,  nicht  selten  die  media  zur  teuuis  verschoben  ist,  th. 
kenc,  keltan  s.  8,  kengun,  kebem,  keha  s.  9  usw.,  keist,  kihn,  kel- 
tanteo  im  Isidor.  abweichungen  von  diesen  regeln  finden  nur 
statt  in  den  von  Mafsmann  (zs.  1,  567)  als  'typographische  lückeu- 
büfser'  bezeichneten  ausfüllungen ,  die  überhaupt  manches  zu 
wünschen  übrig  lafsen:  sie  sind  natürlich  philologisch  wertlos, 
nach  den  beschreibungen  der  hs.  gewinnt  es  den  anscheiu,  dafs 
sie  von  einer  band  geschrieben  ist.^  es  ist  nicht  gerade  sehr 
glaublich,  dafs  diese  Übertragung  ins  bairische  öfter  abgeschrieben 
wurde:  aber  setzen  wir  auch  diesen  fall,  so  ist  es  wol  leicht 
erklärlich,  dafs  die  bairischen  tenues  in  der  zweiten  partie  durch 
einen  kopisten  hereinkamen,  nicht  aber,  dafs  in  der  ersten  die 
media  ganz  intakt  geblieben  sei.  man  wird  daher  vil  eher  an 
zwei  verschiedene  libersetzer  als  Schreiber  denken  dürfen,  ist 
dies  aber  richtig,  so  mufs  die  lateinische  Subskription  bereits  aus 
dem  fränkischen  originale  herübergenommen  sein. 

In  der  ahd.  grammatik  spielt  der  sogenannte  'kanon  des 
Notker'  eine  rolle,  was  ist  er  aber  anders  als  die  Übertragung 
der  für  den  inlaut  geltenden  konsonantregel  auf  den  anlaut,  wo 
dieser  schwankend  geworden  war.  es  versteht  sich,  dafs,  wenn 
eini'  solche  Übertragung  durchgeführt  werden  sollte,  die  Verschie- 
bung nicht  oder  nicht  mehr  in  voller  strenge  bestehen  durfte. 
])ei  Notker  war  sie  auch  nur  bei  den  dentalen  genau:  daher 
widerspricht   deren   Wechsel   im   anlaute    dem    der    labialen    und 

'  Inzwisclicu  liat  jnof.  Sclierer  die  gute  gehabt  die  hs.  einzuselien  und 
mir  mitzuteilen  dafs  alle  stücke  derselben  mit  ausnaiune  des  Isidor  von 
oincni  Schreiber  herrühren. 


i 


ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE  139 

gntturalon  und  kann  seinen  grund  nur  in  dem  streben  nach 
gleichförniigkeit  für  alle  drei  lautgruppen  haben,  jener  gedanke, 
den  anlaut  durch  den  inlaut  zu  regehi,  lag  aber  nahe  genug,  um 
sich  überall  dort  bahn  zu  brechen,  wo  eine  schule  bestand  und 
eine  IVststellung  der  Orthographie  ein  notwendiges  erfordernis 
war.  in  Baiern  waren  b  und  d  inlautend  durchgängig  zu  p  und  l 
verschoben :  sie  blieben  daher  im  anlaute,  nicht  so  g.  dies  linden 
wir  fridi  im  inlaute  allein  herschen  und  daher  im  anlaute  oft  für 
k  eintreten,  demgemäfs  zeigt  sich  für  diesen  konsonanten  in 
einigen  bairischen  denkmälern  eine  regelung  ganz  der  Notke- 
rischen  gleich,  man  schrieb  also  karistlkho  aber  migaristlih 
und  krimmer,  muotkrimmi  aber  teoro  grimmero.^  diese  regel  ist 
durchgeführt  in  den  bei  Pez,  thes.  anecd.  1,  401  ff  abgedruckten 
SEmmeramer  glossen,  doch  nur  in  den  nrn  1 — 20  (nach  Graffs 
«inteilung).  denn  21  ff  (aao.  412  ff)  weisen  nicht  mehr  ka  und 
ga,  sondern  neben  ganz  vereinzeltem  ga  nur  hi  und  ke  auf.  und 
ich  mufs  dieselben  wegen  des  im  inlaute  herschenden  b,  das,  wie 
ich  an  einem  andern  orte  (zs.  für  deutsche  philologie  bd.  4  s.  88  f) 
<les  weitern  nachgewiesen  zu  haben  hoffe,  in  älteren  bairischen 
denkmälern  nicht  auftritt,  sowie  W(>gen  der  praeteritalformen 
faruuanton  und  prastoton  gegenüber  dem  regelmäfsigen  -mw  der 
vorhergehenden  nrn  für  alemannisch  halten,  aber  auch  nr  1  bis  21 
sind  nicht  in  d<'m  originale  des  9  jhs.  sondern  in  einer  kopie  des 
10  odei'  11  auf  uns  gekommen,  wie  dies  das  vorkommen  von 
unte  neben  dem  gewöhnlichem  enti  und  die  einmischung  von  je 
3  ki  und  gi  beweist,  unter  diesen  umständen  ist  es  nicht  auf- 
fallend, wenn  einzelne  ausnahmen  von  der  oben  angegebenen 
regt'l  vorkommen,  ich  bemerke,  dafs  diejenigen  in  der  folgenden 
aufzählung  eingeklannnert  sind,  welche  auch  durch  die  annähme 
zweier  selbstständiger  glossen  erklärt  werden  können:  odo  kaei- 
scotern,  (flinssleina  kaeinot),  nnsnprista  ka)iozscaf,  {kadaxpote  vel 
katripane),  hnupitpantu  kachionot ,  {aere  kameizan),  {kamarchnn, 
kapurun),  nparkahnktida,  so  kaclmelan^  sippia  kalangero,  odo  cruo- 
zisal,   gazinsit  id  est  gazogan,  gaprante,   inkagan  diu,   {leopartun 

*  Da  sidi  so  eine  ciiili("iüiclu'  crkläruiig  fiii  den  Notkeiisclien  kanon 
und  das  anlautsgesetz  einzelner  l)airischen  denkmaler  ergibt ,  so  bevorzuge 
ich  die  obige  art  der  deulung  vor  einer  rein  phonetischen ;  denn  die  letztere 
würde  nicht  erklären,  weshalb  man  zwar  A:  in  g  veränderte,  p  aber  stets 
beibehielt. 


140  ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE 

crimmistun).  weiter  zeigt  sicli  dieselbe  regel  in  den  Freisinger 
gll.  zum  Isidor  (Roths  denkm.  s.  xviiff);  ausnahmen  biklen  nur 
zasamane  kamiskit,  hantgascrip  (situ,  kaparidn).  endhch  in  den 
von  Diemer  (Germ.  3,  352)  herausgegebenen  alten  Melcker  gll. 
wenige  abweichungen  würde  auch  bei  einer  konibination  beider 
hss.  die  exhortatio  aufweisen,  nicht  aber  herscht  diese  regel  in 
der  Freisinger  auslegung  des  paternoster  und  den  Hrabanischen 
gll.,  da  dieselben  die  Verschiebung  des  g  zu  k  im  inlaute  lieben : 
darf  man  darauf  den  schlufs  bauen,  dafs  dieselben  älter  sind? 

Das  älteste  bairische  denkmal,  in  welchem  ki  auftritt,  ist  das 
Muspilli.  wenn  es  auch  Avahrscheinlichkeit  hat,  dafs  die  Über- 
reichung des  buches,  in  welches  es  eingetragen  wurde,  mit  Dümm- 
1er  (Ostfr.  reich  1,  34  anm.)  um  819  zu  setzen  ist,  so  beweist 
dies  noch  nichts  für  die  zeit  der  eintragung  selbst;  und  da  es 
andererseits  nicht  gut  denkbar  ist,  dafs  ein  anderer  als  Ludwig 
es  nidergeschrieben  habe,  so  ligt  die  Vermutung  nahe,  dafs  die 
ki  aus  fränkischem  einflufse  zu  erklären  sind,  in  den  späteren 
glossen  steht  gi  durch  entsprechend  der  erweichung  der  tenuis 
im  anlaut  zur  media:  aber  auch  dafür,  wann  diese  erweichung 
durchgedrungen  sei,  fehlt  jeder  anhält :  denn  das  geliet  des  Sigi- 
hart  in  der  Freisinger  hs.  des  Otfrid  bietet  zu  wenig  signifikante 
lautverhältnisse,  als  dafs  sich  daraus  etwas  erschliefsen  liefse. 

Ich  habe  schon  oben  angedeutet,  dafs  im  bairischen  nicht, 
wie  im  alemannischen  ein  parallelismus  zwischen  ka  und  za  be- 
steht, wenigstens  in  sofern  nicht,  als  za  sich  dort  früher  zu  ze 
geschwächt  hat,  als  ka  zu  ke,  wenn  dies  letztere  überhaupt  bai- 
risch  in  gebrauch  war.  denn  das  Freisinger  paternoster,  die 
Freisinger  Isidorgll.,  die  oben  l)esproclienen  Emmeramer  und  das 
Muspilli  kennen  beide  formen. 

Derselbe  itacismus,  der  den  Übergang  aus  ke  in  ki  bewürkte, 
scheint  auch  den  von  etiti  in  inti  hervorgebracht  zu  haben,  im 
fränkischen  steht  gi  und  i7iti  aufser  im  Isidor,  wo  ganz  wie  in 
den  sächsischen  denkmälern  endi  neben  gi  beibehalten  wird,  ebenso 
wie  in  den  letzteren  auch  te,  nicht  ti  auftritt,  eine  andere  aus- 
nähme Itilden  die  Wirzburger  denkmäler,  sowol  die  beichte  (MSD 
Lxxv)  und  die  Aldhelmgll.  als  auch  gll.  bei  Eckhard,  Fr.  or.  2,' 978  f: 
sie  zeigen  gi  und  unzweifelhaft  hochfränkische  lautverhältnisse, 
daneben  etiti.  diese  letzteren  gll.  können  freihch  ebenso  aus  einer 
ursprünglich  bairischen  quelle  entlehnt  sein,  wie  die  am  ende  der- 


ZUR  AHD.  LITTERATURGESCHICHTE  141 

selben  hs.  aufgezeichneten,  mit  denen  sie  Verwandtschaft  verraten, 
es  würklich  sind,  in  Aleniannien  finden  wir  enti  dem  ke  entspre- 
chend in  den  SPaiiler  gll.;  in  den  übrigen  denkmalern  herscht 
■intt,  je  nachdem  Ki  mehr  oder  weniger  durchgedrungen  ist,  vor 
oder  allein:  so  ist  es  zb.  in  den  Keron.  gll.  aus  der  vorläge 
stehen  geblieben,  s.  168  a])er  doch  zu  indi  geändert,  ausnähme 
bildet,  so  vil  ich  sehe,  nur  das  SGaller  paternoster.  es  ist  daher 
erklärlich,  dafs  in  Baiern,  in  dessen  altern  denkmälern  wir  nur 
ga  fanden,  auch  enti  harschen  muste;  darum  darf  man  aber  dem 
späteren  bairisch  intt  nicht  absprechen,  wie  dies  Scherer  in  den 
Denkm.  s.  294  tut.  denn  wenn  die  spätere  form  unte  im  ale- 
mannischen und  fränkischen  durch  vermittelung  des  inti  aus  enti 
entstand,  so  wird  dies  auch  im  bairischen  geschehen  sein,  zumal 
der  lautwechsel  zwischen  e  und  tt  sich  nicht  gut  anders  als  durch 
die  Zwischenstufe  eines  wie  y  ausgesprochenen  i  erklären  läfst. 
auffallend  bleibt  allerdings,  dafs  der  schreiber  der  Freisinger 
Otfridhs.  sich  noch  dreimal  veranlafst  sah,  das  inti  seiner  vorläge 
in  enti  zu  ändern. 

Es  ist  eine  merkwürdige  erscheinung,  dafs,  je  weiter  nach 
Westen  und  norden,  um  so  früher  die  alte  form  der  vorsatzpar- 
tikel  ga  geschwunden  ist.  während  sie  in  Baiern  noch  weit  ins 
neunte  jh,  hinein  fortlebt,  dürfte  sie  in  Alemannien  über  die 
ersten  jähre  dieses  Jahrhunderts  sicher  nicht  mehr  üblich  gewesen 
sein,  im  fränkischen  gebiete  treffen  wir  sie  nur  in  den  alten 
glossen  der  gesetze  an.  ags.  und  alts.  quellen  kennen  sie  nir- 
gends mehr   und  dem  altn.  ist  die  ganze  partikel  entschwunden. 

STEINMEYER. 


VITTEA. 

In  der  prosaischen  vorrede  zum  Heliand  heifst  es  (Schmeller 
2,  13):  Qnod  opus  tarn  lucide  tamque  elegnnter  fuxta  idioma  illins 
linguae  cotnposuit,  ut  audientibus  ac  inlelliyentihus  non  minimam 
sui  decoris  dnlcedinem  praestet.  jiixta  morem  vero  illius  poematis 
omne  opus  per  vitteas  distinxit,  quas  ttos  lectiones  vel  sententias 
possumus  appellare,  und  mit  hinsieht  hierauf  wird  am  schlufse 
hinzugefügt  capitula  annotaia  sunt. 


142  VITTEA 

Diese  kapitelzählung  findet  sich  bekanntlich  nur  im  Cottoni- 
aniis,  während  der  Monacensis  eine  andere  einteihmg  befolgt. 
da  die  einteihmg  ^er  vitteas  vom  dichter  selbst  herrühren  und 
er  dabei  juxta  morem  ilUus  poematis  verfahren  sein  soll,  so  kann 
man  diesen  ausdruck  nur  von  einem  herkommen  in  der  alts, 
poesie  verstehen,  wie  juxta  idioma  illius  linguae  von  der  alts. 
spräche,  und  in  per  vitteas  mufs  ein  terminus  der  alts.  poetik 
stecken,  nun  findet  man  freilich  v  für  /  im  anlaut  so  gut  wie 
nie  in  den  hss.  des  gedichtes  (Schm.  2,  185'),  wohl  alier  regel- 
mäfsig  in  der  Essener  heberolle  und  (aufser  ßöt)  in  dem  alts. 
segen  (Denkm.  iv,  4),  sehr  gewöhnlich  auch  in  der  Freckenhorster 
rolle,  überwiegend  im  Trierer  kapitulare  (Denkm.  lxvi)  und 
mehrere  mal  in  den  psalmen:  ich  führe  diese  an,  weil  der  ver- 
fafser,  der  den  dichter  einen  apud  suos  non  tgnobilem  vatem 
nennt,  nicht  ein  Sachse,  sondern  wohl  ein  Franke  war.  es  ist 
demnach  ohne  bedenken  alts.  vittea  für  ags.  fit,  cantilena  zu 
nehmen;  und  das  wort  kann  in  der  lebendigen  volkspoesie,  ehe 
man  alts.  und  ags.  gedichte  aufschrieb,  nur  ein  einzelnes  lied 
bezeichnet  haben,  mag  dies  für  sich  bestanden,  oder  seinen  Stoff 
einem  grofseren  zusammenhange  entnommen  oder  mit  melu'eren 
einen  cyklus  gebildet  haben,  so  zerfällt  zb,  die  lytell  geste  of 
Robyn  Hode  in  acht  fyttes  und  der  gebrauch  des  Wortes  hat  sich 
ja  auch  sonst  im  englischen  erhalten,  im  Beovulf  finden  wir 
dieseDie  Zählung  von  abschnitten  wie  im  Cottonianus,  die  Kemble 
richtig  als  fittes  auffafste,  die  aber,  wie  die  distinctiones  des  Her- 
bort von  Fritzlar  und  die  äventiuren  der  Nibelungen,  Rudrun, 
des  Biterolf  usw.  nach  der  erklärung  der  vorrede  zum  Heliand 
nur  lectiones  oder  leseabschnitte  bedeuten. 

Sprachlich  hindert  weder  form  noch  bedeutung,  alts.  vittea, 
ags.  fit  mit  ahd.  vizza,  mhd.  vitze,  viz,  nhd.  fitze  zusammen- 
zustellen, und  dies  ist  auch  von  JGrimm  (DWB  3,  1695)  ge- 
schehen, altn.  J)dttr,  das  buchstäblich  ahd.  mhd.  ddht,  nhd.  docht 
ist,  bezeichnet  zunächst  die  einzelnen  stränge,  aus  denen  ein  tau 
gedreht  ist  (dän.  tot)^  dann  einen  abschnitt,  ein  kurzes  stück 
einer  erzäldung,  eines  buches;  auf  den  Fieröern  und  vielleicht 
auch  anderswo  heifsen  dann  auch  die  einzelnen  lieder  eines 
kvaedis  pattir.  es  ist  im  gründe  derselbe  alte  tropus,  der,  wenn 
auch  nicht  in  lat.  carmen  noch  audi  in  griech.  ujLivog  (Cm'tius 
nr  406') ,    doch   in    vq}og   und   textiis   und  viel  früher  in   dem 


MENNOR  UND  WIPPEON  143 

QaTCTetv  doidijv  und  dem  ^aipfodslv  hervortritt,  vfivog  wird 
eher  zu  vöeiv  als  zu  vcfaiveiv  gehören,  weil  es  zuerst  die  prei- 
sende annifung  der  götter  bedeutete,  mit  der  der  aoede  oder 
rhapsode  seinen  Vortrag  einleitete.  —  aber  leider  fehlt,  soviel 
ich  sehe,  die  bedeutung  von  nhd.  fitze  dem  ags.  und  engl,  fit, 
in  wie  mannigfacher  anwendung  auch  dies  wort  und  das  ihm 
gleichlautende  verbum  und  adjelvliv  noch  im  englichen  vorkommt, 
doch  igt  hier  wol  mancherlei  zusanimengeflofsen:  ich  erinnere 
nur  an  ags.  fit  streit,  fettian  streiten  (zs.  11,421),  alid.  fezan 
faz  (Graff  3,  727)  herausspringen  (vom  lofse).  die  liicke,  die 
das  ags.  läfst,  wird  jedoch  durch  die  nordischen  sprachen  genü- 
gend, wie  es  scheint,  ausgefüllt,  zwar  ist  fit  im  sinne  von  fitze 
in  der  altern  nordischen  litteratur  bisher  nicht  aufgefunden :  aber 
dän.  fed  entspricht  unserm  worte,  fedde  unserm  fit%en  (vgl.  fidde 
Molbech  dial.  109),  und  Aasen  (1871)  s.  154  und  158  f  nebst 
Biöru  Haldorson  s.  207  und  220  ergänzen  glücklich  die  lücken 
die  die  alte  litteratur  läfst.  wie  im  nordischen,  kommt  fitt  auch 
ip  Ditmarschen  im  kirchspiel  Marne  für  einen  feuchten,  schmalen 
lc\ndstrich  vor.  niederdeutsch  fisse  aber,  obgleich  in  der  form 
von  fit,  fitze  abweichend,  stimmt  doch  in  der  bedeutung  gänzlich, 
sogar  in  der  von  'falte,  runzel'  (BWB  1,  398),  wie  man  engl. 
fit  of  the  face  und  isl.  filja  gebraucht;  wegen  des  Verhältnisses 
der  konsonanten  vgl.  fiseln,  fisseln  BWB  1,  396.  398  und  nord. 
fitla  Fritzner  146"",  Biorn  Haldorson  220,  Aasen  159  und  den- 
selben 154  unter  fetla. 

K.  M. 


MENNOR  UND  WIPPEON. 

Herr  dr  HKern  in  Leyden ,  der  sich  den  deutschen  philo- 
logen  bereits  durch  seine  gelehrte  und  scharfsinnige  behandlung 
der  Malbergischen  glosse  empfohlen,  hat  kürzlich  im  Neder- 
landschen  Spectator  1872  den  mythus  von  Tuisto  und  Mannus 
mit  dem  indischen  oder  arischen  von  Yama  und  Manu  verglichen 
und  namentlich  hervorgehoben,  dafs  Yama,  der  bruder  des  Manu, 
wie  Tuisto  der  zwilling  oder  zwiefache,  gemiims  (vgl.  Bugge  in 
Kuhns   zs.  19,  423  f)   bedeutet,     dafs   er  an   der   lesart    TuiscOy 


144  MENNOR  UND  WIPPEON 

You  der  Lachmaiius  schone  deutung  ausgieng,  festhält  und  dafs 
ihm  die  befsere  Überlieferung  und  deren  rechtfertigung  (zs.  9,  259) 
unbekannt  blieb,  ist  für  die  sache  von  keinem  belange,  nur 
Aväre  es  befser  gewesen,  wenn  er  den  indischen  mythus,  soweit 
er  an  die  zeitmefsung  und  Zeiteinteilung  anknüpft,  nicht  heran- 
gezogen hätte,  der  Mennor  Frauenlobs  aber  sollte  längst  bei 
allen  deutschen  mythologen  aufser  curs  gesetzt  sein. 

In  dem  Streitgedichte  mit  Regenbogen  und  Rumezlant,  in 
dem  Frauenlob  vrouwe  gegen  wip  verficht,  hat  er  nr  157,  7  ff 
zuerst  die  geistreichen  verse: 

got  sprach  ze  siner  muoter  jüdisch,  latin  niht; 

dm  Schrift  des  giht. 

nant  er  si  nach  der  vrühte 

{daz  zam  wol  der  zUhtel), 

so  sprach  er  'vrowe'  nnt  niht  'wip';       vrö,  ice  hernder  suhte; 

vro  von  der  last,  we  durch  die  hurt:  daz  we  natüren  sioeiget. 
dann   kommt   er   nr  159  auf  Adam,   aus  dessen  rippe  gott 
ein   Sie    erzielte,   die  Männin   nach  ihm,   dem  manne  hiefs.     er 
legt   ihm  darauf  die  frage  vor,  wie  er,  der  allen  dingen  namen 
verlieh,  sie  genannt  habe: 

sprich  ja,   ich  nantes  Weichelmuot' ;      der  was  dö  din  sippe; 

'Sit  nante  ich  si  gebercerin:    der  man  sin  schate  erkenne.' 
darauf  folgt  nun: 

Mennor  der  erste  loas  genant, 

dem  tiutisch  rede  got  tet  hekant. 

er  sprach  zehant 

'ürö,  we,  din  baut 

manlicher  wirde  ein  vollez  laut, 

diu  we  uns  hie  heil,  sjilde  vant. 

wä  durch,  von  wem  wip  wart  genant,  daz  wetz  ich  wol,  wä,  wenne. 
nr  160: 

Francrich,  ich  nenne  dich  durch  Wippeön  den  künec, 

des  muot  was  rünec: 

er  hiez  der  kindel  vären, 

diu  da  meidet  wären, 

unz  si  verlurn  der  blnomen  tust      mit  der  meide  jären; 

so  icas  im  liep  ir  stolzer  lip,      unz  daz  si  wurden  swanger. 

san  muosten  si  daz  laut  im  rümen  immer  me. 

diu  sunder e 


MENNOR  UND  WIPPEON  145 

tet  manege  vrönden  dünne. 

merket,  welch  ein  iciinne! 

der  bluomen  tust,  der  vrühte  bar,       seht  daz  mittenkunne 

daz  loas  sin  tröst,  sin  heil,  sin  hört,      al  siner  vrönden  anger. 

daz  mittelst  dem  kitnege  zam. 

sns  wip  von  Wippt^'üne  kam, 

kurteis  der  nam, 

har  bilcher  schäm ! 

nr   161   heilst  es  noch  einmal: 

Wippeöne  loart 
din  mittel. 

ich  mochte  annehmen  dals  diejenigen,  die  gehranch  von  dieser 
stelle  gemacht ,  sie  nicht  im  zusammenhange  gelesen  und  sich 
mit  dem  citate  in  Grimms  Myth.  s.  319  begnügt  haben,  ohne 
s.  277  gebärend  zu  beriuksichtigen. 

Mennor  und  Wippeön  dürfen  nicht  getrennt  werden,  die 
beiden  sprüche  stehen  in  genauer  beziehung  zu  einander  und 
die  letzte  zeile  des  ersten  leitet  den  folgenden  ein.  woher 
Frauenlob  den  Mennor  hat,  ebendaher  hat  er  auch  den  Wippeön. 
deswegen  ist  an  Tacitus  Germania  nicht  zu  denken,  auch  wenn 
diese  im  mittelalter  bekannter  gewesen  wäre  als  sie  es  war. 
einer  gelehrten  oder  hailtgelehrten  tradition  kann  Frauenlob  auch 
nicht  gefolgt  sein,  weil  die  ganze  erfindung  auf  eine  etymo- 
logische Spielerei  mit  deutschen  worten  hinausläuft.  Mennor  der 
deutsclie  hat  das  wort  vrouwe  erfunden,  wip  ward  benannt  nach 
dem  bösen  Franzosen  Wippeon .  und  Mennor  ist  der  erste  dem 
tintisch  rede  yot  tet  hekant ,  weil  Frauenlob  von  Adam  auf  ihn 
kommt,  wie  jemand  hiebei  eine  volksmäfsige  Überlieferung  an- 
nehmen kann,  verstehe  ich  nicht,  die  vergleichende  grammatik 
und  mythologie  (Kuhns  zs.  4,  94  f)  findet  Frauenlobs  Mennor 
mit  der  ururform  von  Manns  und  Mivcog  in  iUiereinstimmung; 
aber  dals  eine  solche  form  'sich  vereinzelt  in  deutschen  dialecten 
erhalten  habe',  kann  man  nur  annehmen  im  Widerspruch  mit 
allen  tatsachen  der  historischen  grammatik  und  der  gcschichte 
unserer  spräche,  mit  demselben  recht  könnte  man  behaupten  dals 
auf  «lieselbe  weise  auch  in  Wippeön  die  urform  der  schwachen 
luaskulina  auf  ja  ahd.  eo,  die  weder  im  ahd.  noch  im  gotischen 
bleibt  noch  auch  zur  zeit  des  Vangio  und  Sido  bei  Taoitus  vorhanden 
war,  erhalten  sei,  und  diese  bemerkung  noch  dadurch  verstärken 

Z.  f.  T».  A.    neue  folge  IV.  tO 


146  UM  RAG-N'ARÖCKR 

dals  Frauenlobs  Schilderung  des  Franzosen  die  etymologische 
bedeutung  von  wip,  das  ohne  zweifei  mit  ollcpetv  zusammenhängt, 
voraussetzt,  wenn  man  nemlich  davon  absieht  dafs  dieselbe  auch 
noch  im  mhd.  (Haupt  zu  MSF  3,  20),  ja  sogar  im  nhd.  lebendig 
ist.  augenscheinlich  ist  die  geschichte  des  Mennor  und  Wippeön 
nebst  den  namen  nichts  anderes  als  eine  elende  erfindung  des 
poeten,  den  Docen  alles  ernstes  für  einen  verrückten  hielt. 

K.  M. 


UM  RAGNARÖCKR. 

Altn,  röckr  ist  got.  riqis  wie  altn.  söckva  got.  siggqan,  altn. 
döckr  (flektiert  döckvar)  ags.  deorc.  statt  des  reinen  got.  vokals 
hatte  das  altn.  den  gelu'ochenen  e,  der  durch  das  nachfolgende 
V  in  ö  verwandelt  wurde,  das  wort  kommt  zweimal  in  den 
alten  liedern  vor,  einmal  im  Hyndlul.  1  nu  er  röckr  röckra  und 
nicht,  wie  Egilsson  las,  rök  rökra,  und  das  andere  mal  Lokas. 
39  von  Fenrir  er  i  böndum  skal  bida  ragnaröckrs,  wie  es  in  der 
Snorra  Edda  immer  heifst:  Gylfag.  26.  34  til  ragnaröckrs,  51 
um  ragna  röckr,  Skald.  50  svä  er  sagt  i  kviednm  at  Hiadningar 
skulu  svä  bida  ragnaröckrs,  also  gerade  wie  in  der  Lokas.  damit 
ist  freilich  für  das  alter  des  ausdrucks  nicht  mehr  bewiesen  als 
durch  Lokas.,  die,  lückenlos  und  unverworren  überliefert,  gewis 
zu  den  jüngeren  gedichten  der  Sammlung  gehört. 

Man  versteht  darunter  bekanntlich  den  Untergang  der  weit 
und  der  götter,  und  gewis  kann  'gOtterfinsternis,  gütterdunkel' 
eine  zeit  bedeuten,  wo  die  götter  nicht  mehr  sind,  ich  bezweifle 
aber  dafs  durch  irgend  welche  analoga  der  tropische  ausdruck 
als  der  alten  anschauungs-  und  redeweise  entsprechend  erwiesen 
werden  kann,  in  dem  mythus  wird  die  Verdunkelung  nie  als 
ein  wesentliches  moment  hervorgehoben,  allerdings  heifst  es  in 
der  Völuspa,  die  hier  unsere  einzige  quelle  ist,  str.  57  Sol  ler 
sortna,  sigr  fold  1  mar,  hverfa  af  himni  heidar  stiörnur,  aber  zu 
gleicher  zeit  dauert  der  weUlirand  fort  und  die  erde  taucht  da- 
nach   verjüngt   empor,     die   str.  40  fl"  kommen   nicht   anders  als 


UM  RAGNARÖCKB  147 

die  nächstfolgenden  und  nur  in  sofern  in  betraclit,  als  sonnen- 
und  mondfinsternisse  droliende  anzeichen  des  nahenden  weitendes 
sind,  man  kann  höchstens  sagen,  dafs  für  die  Vorstellung  des 
ragna  röckrs  gewisse  praemissen  gegeben  waren :  ahei-  davon  aus 
hat,  wie  mir  scheint  unläughar,  der  ausdruck  sich  nur  wie  ein 
krankhai'ter  auswuchs  an  den  alteren  Sprachgebrauch  angesetzt, 
es  konnte  genügen  für  denselben  auf  Egilsson  s.  669  f  zu  ver- 
weisen, wenn  dieser  nicht  noch  selbst  über  das  Verhältnis  von 
rök  und  röckr  schwankte,  seine  erklärung  des  ersten  wortes  zu- 
träfe, uncFwenn  nicht  die  sinnlose  'götterdämmerung'  noch  immer 
den  blick  unserer  mylhologen  verschleierte. 

Ahn.  rök,  tenebrae,  gibt  es  ebensowenig  als  ags.  racu  in 
diesem  sinne,  das  Mytb.  774  angenommen  wird,  wie  es  sich 
damit  verhält  sehe  man  bei  Grein  im  wb.  2,  488.  die  einzige 
stelle,  die  für  altn.  rök  =  röckr  in  frage  kommen  kann,  ist  At- 
lam.  22 :  aber  wenn  auch  altn.  regin  in  der  komposition  den 
begrilf  des  zweiten  teils  steigert  wie  im  ags.  alts.  und  in  ahd. 
eigennamen,  so  kann  doch  gördiz  rök  ragna  gewis  nie  bedeuten 
bedeuten  'exoriebantur  tenebrae  densissimae'.  man  uuils  bei  der 
anslegung  der  stelle  von  der  gewöhnlichen  bedeutung  ausgehen. 
Glaumvör  sieht  im  träume  den  Gunnar  gehängt  und  schlangen 
an  ihm  nagen,  sie  findet  ihn  noch  leidend,  aber  plötzlich  ist 
alles  aus:  gördiz  rök  ragna,  die  weit  stürzt  ihr  zusanmien. 

Altn.  rök  ist  gleich  ags.  racu,  alts.  raka,  ahd.  rahha,  nur 
dafs  die  spräche,  durch  die  form  verführt,  aus  <lem  femininum 
ein  neutrum  pl.  gemacht  hat  und  auch  in  der  entwickehuig  der 
bedeutung  ihren  eigenen  weg  gegangen  ist.  das  hierher  gehö- 
rige schwache  verbum  heifst  eigentlich  'rak,  gestreckt  machen', 
über  rakr,  gestreckt,  gerade  vgl.  Fritzner  s.  5()5\  daher  got. 
rakjan,  ahd.  recchan  recken,  strecken,  aber  altn.  rekja  evolvere, 
explicare.  es  ergibt  sich  daraus  die  dopi)elte  bedeutung,  entweder 
(hircli  suchen  oder  nachdenken  eines  dinges  an  ein  ende  komen, 
oder  aber  eine  sache  andern  darlegen  und  entwickeln,  an  die 
erste  bedeutung  schliefst  sich  das  nomen  in  altn.  rökstolar  (rat- 
stühle  der  götter)  und  in  röksamligr,  röksemd.  die  zweite  be- 
deutung aber,  im  ahd.  alts.  ags.  stark  entwickelt,  tritt  im  nor- 
dischen nomen  nicht  hervor:  denn  Lokas.  25  firriz  w  f'orn  rök 
firar,  'alte  geschichten  sollen  die  männer  ruhen  lafsen',  wird 
von  Egilsson  s.  669  falsch  gelesen  und  erklärl.     dem  ahd.  rahha 

Kl- 


148  UUÄRA  IPsD  UUARA 

ist  mit  dem  ags.  und  nord.  die  auch  von  7uoh  und  rnohhan  vor- 
ausgesetzte bedeutung  causa  gemein ;  und  wir  sehen  deutUch  wie 
rahha  zu  derselben  kommt,  da  recdian ,  extendere,  porrigere  auf 
suscitare,  incitare  führte,  damit  in  Übereinstimmung  finden  wir 
rök  als  anfang  und  Ursprung ,  fyr  jnoda  rök  Hav,  145.  weiter 
aber  sind  rÖk  die  einzelnen  momente  einer  reihe  von  begeben- 
heiten,  oder  das  einzelne  eräugnis,  auch  einzelne  erscheinungen, 
ursächlich  gefafst.  so  sind  üva  rök  Vall^r.  38.  42  ganz  allge- 
mein die  begebenheiten  aus  dem  leben  der  götter,  die  unüber- 
setzbaren rök  fira  Alv.  9.  11.  13  usw.  alle  gegenstände,  die  in 
den  kreil's  der  beobachtung  der  denkenden  wesen  fallen,  während 
Vaf|)r,  55  ragna  rök,  von  forua  stoß  unterschieden,  wohl  schon 
von  dem  in  den  vorhergehenden  Strophen  behandelten  ende  der 
götter  und  ebenso  aldar  rök  Vafpr.  39  vom  weltende  zu  ver- 
stehen ist.  diesem  aldar  rök  steht  nach  Bugges  einleuchtender 
konjektur  ragna  rök  Vegt.  14  gleich,  so  werden  auch  in  der 
Helgakv.  Hund.  n.  40  f  ragna  rök  und  aldar  rof  gleich  gesetzt, 
und  in  diesem  sinne  geliraucht  auch  Völ.  44  den  ausdruck.  die 
bedeutung  von  rÖk  geht  im  altn.  aus  von  einem  punkte,  von  dem 
sich  weiter  die  von  'l)egebenheit,  Schickung,  Schicksal,  was  einem 
überhaupt  widerfährt'  leicht  ergibt,  und  diese  erfährt  in  der 
letzten  anwendung  nur  eine  Steigerung  und  zugleich  eine  ein- 
schränkung  auf  eine  bestimmte  begebenheit,  sodafs  der  ausdruck 
fast  zu  einem  namen  dalur  wird,  und  hieran  knüpft  misver- 
ständlich  das  jüngere  ragna  röckr  an. 

K.  M. 


UUARA  UND  UUARA. 

Die  Schreibung  ags.  Wörter  bedarf  vielfach  noch  einer  schär- 
fei-en  pnd'ung  und  l»erichtigung.  von  JGrimm  geht  der  zweifei 
aus,  ob  tU'V  dat.  sg.  mask.  und  neutr.  des  artikels  /mm  oder 
/fum,  /jäm  oder  pam  zu  schreiben  sei:  in  Andreas  und  Elene 
schreiltt  er  /xim ,  pam.  die  neuesten  herausgeljer  ags.  gedichte 
haben  sich  für  pam,  pam  entschieden,  aber  wäre  das  a  kurz, 
so  würde  es  nach  einem  bekannten  lautgesetze  vor  m  wohl  zu  o, 


UUARA  UND  UUARA  149 

nie  aber  zu  ä  werden,  folglich  mülsen  die  vokale  in  den  beiden 
neben  einander  bestehenden  formen  lang  sein  und  es  ist  pivm 
und  päm  zu  schreiiten.  das  ags.  hat  also  wie  das  altn.  die  form 
des  dat.  pl.  in  den  sing,  übertragen,  und  ebenso  hat  sich  der 
gen.  dat.  sg.  fem.  pa're  an  den  gen.  pl.  poira,  pura  angeschlofsen. 
denn  wenn  Scherer  zGDS  s.  390  anm.  sich  diese  Schreibung 
nicht  zu  erklären  weil's,  so  vergifst  er  dafs  pära  statt  para 
ebenso  unmöglich  ist  als  dägas^  dnga  statt  dagas^  daya.  ich  würde 
mich  auch  gegen  pur  und  iüv  par  sowie  für  alts.  thär  ==  ahd.  dar 
entscheiden,  ein  anderer  fall  verlangt  ausführlichere  erorterung. 
Der  eine  der  neuesten  herausgeber  des  Beovulfs  unter- 
scheidet in  seinem  glossar  ücpr  (ahd.  wtira)^  bimdnis,  foedus, 
pactum  und  varu  (ahd.  icaro),  im  casus  obliquus  väre,  hut,  schütz ; 
der  andere  begnügt  sich  mit  varu,  dat.  acc.  väre,  acht,  aufmerk- 
samkeit,  hut,  schütz,  man  kann,  ja  mufs  wohl  von  jedem,  der 
sich  unter  uns  mit  dem  ags.  oder  auch  dem  altn.  bcfalst,  eine 
unmittelbare,  genaue  bekanntschaft  mit  Otfrid  und  idjerhaupt 
unserer  älteren  spräche  und  poesie  verlangen,  aber  auch  wer 
sie  nicht  besitzt,  konnte  sich  in  diesem  falle  schon  mit  hilfe 
Grafts  (1,  907  und  920  f)  zurechtfinden,  die  bedeutung  pro- 
tectio,  die  er  für  ahd.  vuara  angibt,  ist  durch  kein  beispiel  und 
kein  'zeugnis  belegt  noch  zu  belegen;  in  unarn  neman,  uuara 
tnon  ist  uuara  attentio  und  uuarön  ist  =  ogäv.  uuara  aber  ist 
zunächst  wohl  Wahrheit,  nach  den  adverbialen  formein :  in  uuuru, 
zi  nuäru,  in  unära,  in  uuärdn,  zi  uuarön,  dann  treueversprechen, 
Versicherung  liljerhaupl,  treue  (insofern  einer  bei  seiner  Ver- 
sicherung bleibt),  daher  die  beteuerung  in  uuara  mina  ().  3,  18,  48, 
und  nun,  idinlich  wie  triuua  im  mit.  trem/a,  vertrag,  friede, 
woraus  sich  endlich  für  <las  verhiütnis  desjenigen,  der  die  uuara 
des  andern  hat  oder  erhält,  noch  die  bedeutung  friede  als  Sicher- 
heit, schütz,  vielleicht  auch  Imld  ergibt.  Reich,  gl.  Diul.  1,  503'' 
federis  dera  uuara,  532''  fedus  nouum  nuara  niaua,  pactum  emia; 
Hrab.  gl.  s.  950  absque  federe  anu  triuua  \  uuara,  absque  ami- 
citia  anu  ftinnlsmf  ^-  Diut.  2,  273"  anu  uara  \  triuua;  s.  904 
fedus  uuara  I  triuua,  pactum  uuara;  gl.  .Tun.  C  233  absque  fe- 
dere ana  uuara.  die  beiden  am  weitesten  auseinanderliegenden 
bedeutungen  lindel  man  beisannnen  an  einer  schon  aus  Wjicker- 
nagels  lesebuche  bekannten  stelle  Olfrids.  die  weisen  ans  dem 
Morgenlande  bringen   1,  17,  t>6  dem  Christuskinde 


150  UUARA  und  UUARA 

geba  lilu  iiiära:       sie  suahtun  sine  uuära. 
Ih  sagen    thir   thaz    in  miura,       sie  mohtuu  bringen  niera: 
thiz  luias  sus  gibäri,       theiz  geistlichaz  iiuäri. 
und  die  sechste  bitte  umschreibt  er  2,  21,  37 
Ni  iirläze   unsih   thin   imära       in   thes  uuidaruuerten  iära, 
Ihaz  uuir  ni  missigangen,       thara  ana  ni  gifallen. 

Ül)er  die  qnantität  des  ersten  vokals  in  nnüra  lafsen  diese 
verse,  wie  schon  Graff  bemerkte,  keinen  zweifei.  den  angegebe- 
nen bedeutnngen  aber  aufscr  dei"  ersten  'Wahrheit',  die  dem  ags. 
fehlt,  entspricht  im  Beovulf 

|)a  hie  getriivedon  on  tva  healfa 

faste  frioduvcere:  Fin  Hengeste 

adum  benemde  .  .  .  1095 — 97 

jjät  ])jer  senig  mon 
vordum  ne  veorcum  vcere  ne  l)r«ce  1100 

friodoviere  bäd 
hläford  sinne  2282 

Scild  gevat  feran  on  freän  vcere  27 

JDser  he  (Beovulfs  leiche)  longe  sceal 
on  |)äs  valdendes  vwre  gel)olian.  3109 

Man  vergleiche  die  Otfridischen  und  übrigen  ahd.  stellen, 
und  man  wird  einsehen  wie  verkehrt  es  ist,  väre  und  vcere  und 
gar  frioduväre  und  friodovme  zu  sondern:  ist  doch  unter  den 
von  Grein  im  sprachsch.  2,  040  f  unter  varn  ahd.  icara  aus  andern 
ags.  gedichten  gesammelten  belegen  einer  Exod.  307 

viere  hie  ]>;er  fundon,  vuldor  gesävon 

hAlige  heAhtreöve, 
wo  genau  so,   wie  mehrmals  s.  ()49  unter  den  belegen  für  vcer 
ahd.  würa,   das   wort  ganz  wie  in  den  ahd.  gU.  als  synonymum 
von  treöv  gebraucht  wird,    nur  einmal  finde  ich  in  Greins  Sprach- 
schatz varn  =  ahd.  wara,  acht,  obacht,  belegt   durch  Ps.   118,  17 

ic  on  lifdagnm  lustum  healdc 

l)inra  vorda  varu  mid  visdöme. 

überdies  ist  aus  den  von  EttmüUer  s.  95  beigebrachten  formein 
on  vare,  butun  vare  abzunehmen  und  ohnehin  gewis,  dafs  dies 
femininum  der  ersten  dckliualion  ebensowenig  als  andsvaru, 
cearn,   dam,   farn,    hurhvnru,    landvarn  in  einer  seiner  formen 


UUARA  UND  UUARA  151 

jemals  die  tonerliohuug  des  a  zu  ä  gehabt  haben  kann,  und  dafs 
väre  ein  Sprachfehler  ist  (gramni.  f.'  328). 

Dem  ahd.  wära,  ags.  var  entspräche  ahn.  vär  und  Munch 
erklärte  daraus  Vceringjar  als  eidgenofsen,  eidlich  verbundene; 
vielleicht  ist  es  eine  Übersetzung  von  Foederati.  sonst  kommt 
nur  noch  der  plur.  vurar  ein  par  mal  von  feierlichen,  eidlichen 
gelöbnissen  vor:  pau  Helgi  ok  Svdva  veittnz  värar  ok  nnnoz 
fiirdo  mikit  heilst  es  in  der  prosa  zu  H.  Hiörv.  30,  nachdem 
Svavas  vater  in  das  verlobnis  eingewilligt  hat;  dann  zweimal  in 
dem  letzten  teile  von  Sigrdrifumäl ,  einmal  noch  in  einer  str. 
des  Regius,  23 

grimmar  limar  ganga  at  trygdrofi, 

armr  er  vara  vargr; 
das  andere  mal  in  str.  35,  die  nur  in  einer  papierhs.  erhalten  ist, 

at  jjil  trüir  aldregi  värom  vargdropa, 

hverstu  crt  brödurbani; 
endlich  noch  einmal  in  der  Sn.  Edda  und  nach  Egilsson  in  einer 
sicherlich  im  1 3  jh.  entstandenen  str.  der  Hakonarsaga  Häkonar- 
sonar.  sonst  aber  scheint  nach  Egilsson  und  Fritzner  das  appel- 
lativ  weder  in  der  skaldischeu  poesie  noch  in  der  prosa  wider- 
zukehren, aber  eine  asynja,  ohne  zweifei  wie  die  meisten  übrigen 
von  Snorri  Gylfag.  c.  35  aufgezählten  nur  eine  hypostase  der 
Frigg,  hiefs  Vär,  die  freilich  nach  Rasks  von  Finn  Magnusen 
(lex.  rayth.  s.  358)  und  auch  von  Grimm  (>Iyth.  286  f)  gebilligter 
Vermutung  vielmehr  Vor  sein  soll,  so  erwacht  der  kaum  für  das 
ags.  geschlichtete  streit  in  der  nord.  mythologie  aufs  neue,  ob- 
gleich das  altn.  gar  kein  appellativ  vor  ==  ahd.  wara,  ags.  varu, 
sondern  nur  ein  adjektiv  varr  (fem.  vor)  cautus,  providus  und 
vor  als  zweiten  teil  weiblicher  eigennamen  kennt,  glücklicher- 
weise hält  die  entscheidung  auch  hier  nicht  schwer. 

Im  cod.  Worm.  und  Reg.  werden  Gylf.  c.  35  aufgezählt: 
IX  Vär:  hon  hlydir  ü  eida  manna  ok  einkamfd,  er  veita  s/n  i 
{fi  R)  milli  konur  ok  karlar;  Jm  lieita  /mn  mal  värar.  hon  hefnir 
ok  peim  er  briyda.  x  Vor :  hon  er  ihon  er  ök  R)  vilr  ok  spu- 
rul,  svd  at  engi  lut  nid  hana  leyna.  Pat  er  ordlak  at  köna  verdi 
vor  pess  er  hon  verdr  vis.  ebenso  unterscheidet  das  Ileilatal 
des  Regius  und  der  Eddubrots  (SE  1,  556.  2,  473.  557.  617) 
Sigyn  ok  Vor,  pä  er  Vär  ok  Syn.     Rask  aber  bemerkte  dafs  bei 


152  UUARA  und  UÜARA 

dieser  Zählung  den  dreizehn  Äsen  gegenüber  vierzehn  asynjen 
herauskämen;  er  fafste  also  vdr  und  vor  unter  vor  zusammen 
und  konnte  sich  dafür  auf  die  üppsaler  hs.  berufen,  wo  die  an- 
geführten Sätze  lauten  (SE  2,  274):  Vavr  (d.  i.  Vor):  hon  hl^dir 
u  eida  manna  ok  einkamal,  er  menn  veita  sin  i  millnm,  karlar 
ok  konr :  Pvi  heita  pau  mal  värar.  Vavr  er  vür  ok  spurul,  svü 
at  ecki  md  liana  leyna.  Pat  er  ordtak  at  kona  verdi  vavr,  wo- 
mit die  Svefneyer  hss.  im  Heitatal  stimmen,  die  nach  SE  1,556 
anm.  zwischen  Sigyn  und  Syu  nur  von  einer  Vor  wifsen.  ich 
mufs  es  mir  freilich  vorbehalten  einmal  nachzuweisen  dals  die 
Gylfagiuning  allein  in  der  Üppsaler  hs.  in  ihrer  ursprünglichen 
von  Snorri  herrührenden  gestalt  vorliegt,  dagegen  im  Regius  und 
den  dazu  gehörigen  hss.  in  einer  gestalt  die  mit  der  redaklion 
der  ganzen  Edda  durch  eine  andere  band,  vielleicht  den  Olaf 
tordarson  zusammenhängt,  das  Verhältnis  der  hss.  kann  an 
unserer  stelle  kein  anderes  sein  als  in  der  ganzen  übrigen  schrift 
und  die  vergleichung  bestätigt  es  auch  hier,  dafs  die  Üppsaler 
hs.  den  älteren  text  hat.  denn  man  begreift  wohl  dafs  jemand 
anstofs  daran  nahm,  dafs  die  värar  der  obhut  der  Vor  anvertraut 
sein  sollen,  und  dafs  er  deshalb  vcir  und  vor  unterschied;  aber 
nicht  umgekehrt,  dafs  einer,  der  die  asynjen  nicht  zählte,  das 
kritische  bedenken  Rasks  gehabt  und  darum  (he  triftige  und  ein- 
leuchtende Unterscheidung,  die  er  vorfand,  wider  beseitigt  hätte, 
selbst  aus  dem  texte  des  Reg.  und  Worm.  erhellt  noch,  dafs 
Snorri  die  Unterscheidung  von  Vdr  und  Vor  nicht  gehabt  hat, 
weil  er  sie  dann,  jedesfalls  bei  der  erwähnung  des  zweiten  na- 
mens etwa  mit  Vor  heitir  önnur  :  hon  er  —  schärfer  hervorgehoben 
und  bestimmter  angedeutet  hätte,  es  ist  deshalb  auch  nicht  an 
einen  blofsen  Schreibfehler  in  der  Upps.  zu  denken,  auch  darin 
zeigt  sich  noch  das  Verhältnis  der  hss.,  dafs  die  beiden  anhängsei 
hon  hefnir  ok  /mm  er  brigda  und  pess  er  hon.  verdr  vis  in  RW 
eher  erweiterungen  und  erklärende  Zusätze  als  in  U  ohne  gruntl 
ausgelafsen  sind. 

Nun  weifs  aber  die  ältere  poesie  nur  von  einer  Vdr.  ^rym 
will  nach  Prymskv.  30  sich  Vdrar  hendi  mit  Thor  zusammen 
trauen  lafsen ;  denn  dals  hier  nur  eine  Vdr  als  göttin  des  bundes 
und  nicht  eine  Vor  gemeinl  sein  kann,  ergibt  sich  aus  dem  zu- 
sammenlian^e  lunl  dem  appellativisclien  gebrauche  des  Wortes, 
so   ist   auch   llelr.  Br.  2   vdr  gnlls,    nicht    vor   überliefert    und 


UÜARA  UND  UUARA  153 

viermal  belegt  Egilssoii  s.  851  älnilicli  geltiklete  kenningar  aus 
der  skaldischeii  poesie,  wo  vär  für  dts  oder  kona  steht,  nach  der 
regel  des  Skahlskaparmals  c.  31:  kona  er  kend  vid  allar  äsyn- 
jnr  eda  valkyrjur  eda  normr  eda  disir.  es  kommt  nocli  hinzu 
vdr  Unna  bliks  s.  af  K'»rdi  Hredu  1848  s.  30  bei  Egilsson  s.  846 
fälschlich  unter  vor  =  vär  örbords  bliks  s.  851,  vielleicht  auch 
die  wie  es  scheint  schwach  geformte  Svölnis  vura  Egilsson  s. 
851.  754.  804.*  es  bleibt  nur  (Egilsson  s.  896)  die  vor  banda 
der  Gisla  s.  Surss.  1849  s.  42.  173,  vaur  banda  nach  der  hs. 
s.  163.  und  leicht  hätte  sich  schon  deswegen  eine  Vor  neben 
der  Vdr  einfinden  können,  weil  das  appellativ  vdr  nicht  mehr 
im  sing,  gebräuchlich  war;  wozu  bei  schriftlicher  Überlieferung 
zumal  noch  die  leichtigkeif  dei-  Verwechselung  von  vaar  und 
vavr  kommt,  wie  in  der  Nornagest  s.  c.  9  aus  vdr  yulls  vör- 
ynm  (vaurgum)  gemacht  ist.  ohne  Zweifel  aber  ist  jene  kenning 
als  eine  auflosung  eines  kompositums  zu  betrachten,  sodafs  vor 
banda  eigentlich  für  bandvör  steht,  wie  man  nach  analogie  der 
weiblichen  eigennamen  auf  vor  im  Sölarliod  Bjuyvör  (Vfgvör?) 
Listvör  (Baugvör?)  Kreppvör,  in  der  jungem  Edda  Dranmvör 
Fiölvör  Leirvör  Svlvör  fingiert  findet  zur  bezeichmuig  weiblicher, 
meist  dämonischer  und  riesischer  wesen.  so  hat  auch  Snorri 
die  Vor  nicht  erdichtet,  sondern  die  Verwendung  von  vor  zur 
bildung  weiblicher  eigennamen  und  der  ihnen  analogen  kenningar 
verleitete  ihn  zu  dem  glauben  dafs  Vor  eine  asynja  sei  und 
liefs  ihn  über  die  sprachlichen  bedenken  hinwegsehen,  ihr  die 
vdrur  zu  untergeben,  gleichwohl  beruht  die  meiming  augen- 
scheiidich  auf  einem  irrtum  und  (he  gottin  der  vdra  kann  nie 
Vor  geheifsen  haben,  der  verbefscrer  Snorris,  der  Vdr  und  Vor 
unterschied,  hätte  daher  noch  einen  schritt  weiter  gehen,  seinen 
ganzen  letzten  passus  idjer  die  Vor  —  Vor  er  vür  usw.  — 
streichen  und  sie  gänzlich  aus  der  reihe  der  asynjen  beseitigen 
sollen. 

Was  die  eigennamen  betrifft,  so  habe  ich  sehr  mit  unrecht 
in  der  ersten  ausgäbe  dei'  Sprachi)roben  s.  20  f  Theolnndr  üodil- 
vndr  Hilli-HiUnnur  Adal- Adilundr  angesetzt,     die  quantität  des 


'  Egilsson  setzt  s.  S97  iiocli  c-iiic  /'ö;v  ycii.  Varniv  =•=  Tör,  alier  schon 
darnacli  ist  seine  auslegiing  der  liallislropiie  der  Vigaghinis  s.  c.  "iG  sehr 
unsicher,  vgl.  s.  46  und  Vigagliims  s.   1780  s.  159.   175. 


154  UUÄRA  UINÜ  UUARA 

letzten  vokals  steht,  abgesehen  von  anderen  belegen,  fest  durch 
Hildeuuara  bei  Marini  pap.  dipl.  nr  85  a.  523,  die  man  nach  ort 
und  zeit  dei-  Urkunde  für  eine  Gotin  halten  mufs;  ferner  durch 
ags.  Bryhtvaru,  dreimal  im  genetiv  Bryhtvara,  merkwiu'digerweise 
wie  sunu,  suna,  bei  Kemble  cod.  dipl.  nr  492  a.  962,  Hrotvari, 
Hrodvare  abbatissae  (dativ),  Hrodunara  abbatissa  (latinisierter  no- 
minativ)  nr  82  c.  735  nr  124  a.  774,  Leösvare  (dat.  gen.)  nr  932, 
Cynevara  abbatissa  nr  1043  a.  835,  Vnlfvare  (acc.)  nr  1290  c. 
995,  Leöfvare  (dat.)  nr  1293  a.  993  und  Freävare  (acc.)  Beov. 
2u22;  dann  durch  die  nordischen  -varar:  Alvör  Alfvör  Asvör 
Eyvör  Geirvör  Glaunivör  Gunnvör  Haihör  Hervor  Hnnvör  Kiölvör 
Salvör  Stemvör  Pörvör.  in  diesen  namen  ist  nicht  das  sonst  dem 
nordischen  fehlende  Substantiv  vor  enthalten:  denn  da  alle  per- 
sonennamen  starker  deklination  der  form  und  bedeutung  nach 
ursprünglich  adjektiva  sind,  die  nur  nicht  wie  die  übrigen  adjektiva 
pronominale  deklination  angenommen,  sondern  die  alte  nominale 
behalten  haben,  so  kann  die  bildung  jener  nur  unmittelbar  von 
dem  vorhandenen  alten  adjektiv,  got.  vars,  vara  ausgegangen  und 
nicht  erst  aus  dem  Substantiv  ein  adjektiv  gemacht  sein,  volle 
bestätignng  gewährt  dafs  ganz  gleichgebildete  maskulina  (mhd. 
Liutwar  :  schar,  Linlwar  :  gar  Biter.  5677.  6374.  7759.  9779)  neben 
den  femininis  vorkommen,  sodal's,  wenn  diese  die  weise  frau  be- 
zeichnen, jene  den  weisen  vorsichtigen  führer  und  beiden  an- 
zeigen. 

Mit  diesen  maskulinis  hat  es  übrigens  noch  seine  besondere 
bewantnis.  sie  sind  im  ahd.  unläugbar  vorhanden,  aber  bei  wei- 
tem nicht  so  häutig  als  die  unverständige  Zählung  im  altd.  namen- 
buch  1,  1258  glauben  macht,  unter  den  neun  -uuar  von  Dronkes 
nr  137  sind  die  sechs  ersten  unzweifelhaft  feminina,  der  letzte 
Theötuuar  ein  maskulinum,  die  beiden  andern  zweifelhaft,  aber 
wahrscheinlicher  feminina.  aus  dem  bereiche  des  ndd.  kenne  ich 
keine,  bei  den  Angelsachsen  nur  wenige  beispiele,  Kemble  nr 
1290  c.  995  Vulfvares  svystor,  append.  nr  253  Vinvares  vik,  so 
dafs  in  der  zuerst  angefidu-ten  Urkunde  nr  1290  derselbe  name 
wie  bei  Drouke  nr  137  Theötuuar  als  maskulinum  und  femi- 
ninum  vorkommt,  für  das  altnordische  kann  man  sich  nicht 
auf  den  zwerg  Andvari  noch  auf  namen  wie  Bödvar  Ingvar  oder 
^var  Hdvar  Snwvar  berufen,  weil  jene  den  ahd.  Batnheri,  Ingu- 
hcri  wi(;  Bödvildr,  Ingvüdr  dem  ahd.  Batuhilt,  Inguhilt  entsprechen 


ÜUARA  UND  UUARA  155 

und  bei  diesen  ebenso  das  v  aus  der  ersten  worlbälfte  stammt. 
Ivar  könnte  allerdings  wie  altn.  igiarn  ags.  infrod  inflede  ndd. 
ingüd  iiifett  gemeint  sein,  al)er  sonst  scheinen  die  maskulina  nur 
<ler  mythologischen  dichtung  anzugehören :  Fiölvar  im  Harbardsl.  16 
ist  nicht  etwa  ahd.  Fihiheri  sondern  das  adj.  fiolvarr  Sölarl.  5 
lind  nach  dem  fem,  Fiölvör  (Heitat.  14.  SE  1,552)  wohl  ein  riesen- 
name  wie  Glaimwarr  (Heitat.  19  SE  1,  554),  wenn  dies  neben 
Glaumarr  in  betracht  konnnt;  Alvarr  endlich  steht  unter  den 
hestaheiti  des  Eddubrots  748,  SE  2,487  vgl.  571,  dem  der  IVauen- 
name  Alvör  entspricht. 

Auch  die  Goten  kannten  das  maskulinum,  wenn  Thurovarus 
l)ei  Jordanes  c.  2Ö  die  richtige  lesart  ist.  ^y.i7covaQ  aber  bei 
Procop  BG  4,  23.  32  ist  unläugbar  gleich  altn.  Skipveri,  schiffs- 
niann,  skipoerjoi',  schiüsleute  und  nur  regelwidrig  abgekürzt  aus 
2i:/.i7COvc(Qiog,  daher  eigentlich  ein  appellativ,  das  nur  wie  andere 
als  nanie  verwendet  wurde,  deshalb  kann  man  auch  ^yurcovag 
nicht  als  beleg  dafür  gel)rauchen,  dafs  die  maskulina  auf  var  auf 
ahnliche  weise  entstanden  sind,  vielmehr  ist  der  quadische  Vidua- 
rius  bei  Ammian  17,  12,  21  eher  ahd.  Witnheri  ■=  Waldheri  als 
ein  Viduvarius,  holzsafse,  holzmann  und  Tmnsuarins ,  der  cubi- 
cularius  Chlodowechs  in  der  vita  SSeverini  abbatis  Agaunensis  in 
<len  AASS  Febr.  tom.  ii  s.  548%  Audovarins  Itei  Gregor  von  Tours 
4,  30,  dann  der  westgotische  Aloario  vom  j.  666  bei  Florez  14,  48, 
aus  dem  das  altd.  namenbuch  1,71  einen  Alvar  macht ,  uam. 
halten  eine  falsche  latiuisierung  nach  analogie  der  vOlkernamen 
auf  -varms  erfahren,  wie  die  [»eispiele  Amjrivarii  Engern,  Baiu- 
varii  Baiern  lehren,  ist  das  er  unserer  Völkernamen  aus  altem 
vari  abgeschliffen  und  ahd.  Rnmari,  Romanus  urs])rünglich  ebenso 
gebildet  wie  ags.  Runware,  altn.  Rnmveri  und  nur  misversliiud- 
lich  vermengt  mit  den  derivaten  auf  -an',  lerari,  skribari  usw., 
die  in  der  bedeutung  gänzlich  verschieden  sind,  wenn  also  ahd. 
})('rsonennamen  wie  Angrivarii,  Bainarü  gebildet  wären,  so  müsten 
sie  auch  auf  -ari  -eri  oder  auf  veri  ausgehen,  da  heti  dregi  -uni 
-im  (Denkm.  s.  329)  regelmäfsig,  sehr  gewöhnlich  auch  uniui  niuui 
m  guten  alten  (piellen  ilir  /  behalten,  wii'  linden  aber  nur  den 
ganz  vereinzelt  dastehenden  namen  Atisner,  den  nicht  zuerst  der 
Ratzeburger  heilige  Ansuerus  a.  1066  fAdam.  l»rein.  3,  49  c.  schol.) 
sondern  schon  ein  abbas  in  der  Fuldaer  Urkunde  nr  216  a.  804 
führt,  und  in  der  ags.  iirknude  nrl290  das  wie  icli  glaube  nicht 


156  UUARA  und  UÜARA 

minder  singulare  Älfveres  doktor,  Älfferes  dohtor.  der  Asver  des 
altd.  namenbuches  1,  111  ist  zwar  im  Fuldaer  necrologium  bei 
Dronke  nicht  zu  entdecken,  doch  würde  er  und  wird  jener  Ansuer 
mit  befserem  rechte  den  folgenden  namen  beigezählt  werden. 

Bei  Gregor  von  Tours  trifft  man  zuerst  die  namen  Andovera^ 
Leubovera  oder  Leobovera  und  später  in  westfränkischen  Urkunden 
einzelne  ähnliche  (altd.  namenb.  1,  1258),  daneben  auch  ein  par 
masculina,  im  polyptychon  von  Reims  Erleverins,  Leudoer  und  in 
Beyers  Trierischen  Urkunden  den  abt  von  Prüm  (762  —  804) 
Asuerns  nr  14.  19.  21.  23.  25.  30.  34  Asuarius  13.  14.  18.  33. 
37.  39.  41.  42.  wie  in  dem  letzten  namen  steht  den  Gregori- 
schen -verae  die  Berthoara,  die  tochter  Theodeberts  bei  Venant. 
Fortun.  2, 15,  den  spätem  ebenso  andere  -oarae  -varae  in  denselben 
Urkunden  gegenüber,  da  die  auffafsung  und  bezeichnung  deut- 
scher laute,  wie  die  Römer  sie  von  den  Galliern  empfangen  hat- 
ten, sich  lange  in  Gallien  erhielt,  so  müsten  jene  -verae  nach  aher 
regel  ein  langes  e  =  ahd.  u  haben,  aber  wahrscheinlich  sind 
es  nach  den  Trierischen  namen  nur  Schwächungen  oder  vielmehr 
hybride  Umbildungen  der  deutschen  auf  -var  und  vara,  wie  wir 
sie  sonst  in  neustrischen  quelh-n  und  schon  bei  den  alten  linden, 
sodafs  ein  ähnlich  lautendes  in  der  bedeutung  aber  ganz  ver- 
schiedenes gallisches  wort  an  die  stelle  des  deutschen  gesetzt  wird, 
vgl.  Zeuss  gramm.  cell.  -  857,  Glück  kelt.  namen  s.  53.  76  tf  und 
zs.  7,  528.  9,  224.  vielleicht  verhält  es  sich  so  schon  mit  dem 
Freioverus  Yeransati  f.  der  Mainzer  Inschrift  bei  Brambach  nr  1231, 
wenn  nicht  der  erste  name  völlig  wie  der  zweite  gallisch  ist.  was 
von  der  Sisivera  {^LOißsga)  oder  Sisevera  Sisevira  Sesivira  der 
Ravennatischen  Urkunde  des  6  jhs.  bei  Marini  nr  93  zu  halten 
ist,  mögen  andere  entscheiden,  deutsch  kann  dies  -vera  und  -ver 
nicht  sein,  weil  es  nirgend  in  rein  deutschen  Urkunden  erscheint 
aufser  den  wenigen  vorhin  angefidn'ten  fidlen,  wo  bei  dem  Ful- 
daer Ansuer  wie  bei  dem  Trierer  Asuerns  westfränkisch-roma- 
nischer einflufs  anzuerkennen  ist.  erwähnt  sei  nur  noch  dafs 
Wackernagel  bei  Binding  s.  394  ein  femininum  -vera  zu  ahd. 
wer  got.  vair,  mann,  erfhidet.  keltische  namen  sind  Se7iovir,  Sa- 
crovir,  Kuhns  beilr.  3,  358.  vgl.  Glück  s.  184—187. 

K.  M. 


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IST  HARTMANN  D.  A.  DEH  VERF.  D.  LINZER  ENTECRIST    157 


IST  HARTMANN  DER  ALTE  DER  VERFASSER 
DES  LINZER  ENTECRIST? 

Hartmann  in  seiner  paraphrase  des  nicaeno-constantinopoli- 
tanischen  glaubensbekenntnisses  sagt  v.  1622  ff 

CuiHS  regni  non  erit  finis. 

tk  saguh  daz  dar  war  ist. 

sin  liehe  also  ebene  stet 

daz  is  ntemer  ne  zeget. 

nune  wolle  wir  nuwit  langer 

an  dirre  rede  hangen, 

wände  wir  hie  nore  haben  geredet, 

vil  bescheidenliche  gesagit, 

alse  wir  uon  den  wtsen  hän  vernomen, 

wi  iz  dan  alliz  sal  comen 

z6  deme  grözem  vrteile 

der  werelt  al  gemeine. 

daz  ne  habe  wir  njwit  nermiden. 

iz  ist  alliz  gescriben 

ze  gehörenne  vnde  ze  gesihte 

in  dntischer  scrifte. 

sver  daz  buch  wille  lesen, 

der  mach  iz  alliz  da  nernemen 

so  wirz  mit  unsen  sinnen 

aller  best  niohten  vinden. 
Ebenso  heifst  es  v.  3702  ff,  nachdem  über  die  worte  et  vitam 
venturi  saeculi  nur  acht  vcrse  zur  erklärung  vorgetragen  sind: 

dise  rede  wil  ih  ende 

alsns  zuirliche.  (zouliche?) 

sweme  daz  missellche 

der  bedenke  sich  sdn 

warumhe  ih  daz  habe  getan: 

dl  rede  in  des  da  uor  innet, 

wil  er  sih  des  nersinne. 
Auf  diese  aufserungen  Hartmanus  gründete  Wackernagel  (Ba- 
seler hss.  s.  21   anni.)    die    Vermutung   dafs  uns  das  gedieht  auf 


158       IST  II ARTMANN  DER  ALTE  DER  VERFASSER 

welches  Hartniann  hier  l)ezug  niniint  in  jenem  anhange  zum  'lehen 
Jesu'  erhalten  sei  der  in  Hoffmanns  fundgruben  i  s.  193,41  bis 
204,  46  mitgeteilt  worden  war.  HolTmann,  Gervinus,  Koberstein 
schlofseu  sich  dieser  ansieht  an;  sie  muste  aufgegeben  werden 
als  Diemer  das  leben  Jesu  aus  der  Vorauer  hs.  herausgab,  in 
welcher  am  schlufse  des  anhanges  vom  antichrist  und  dem  welt- 
ende eine  frau  Ava  sich  als  verfafserin  bezeichnet,  indem  nun 
Wackernagel  in  seiner  gesch.  d.  d.  litteratur  s.  160  der  dichterin 
Ava  sowohl  das  leben  Jesu  als  auch  jenen  anhang  zuschreibt 
(während  WGrimm  zur  gesch,  d.  reims  s.  38  dies  nur  von  dem 
letzteren  gelten  lafsen  will),  fügt  er  hinzu :  'Hartmanns  rede  vom 
jüngsten  tage  ist,  wir  dürfen  es  beklagen,  verloren  gegangen.' 
aber  selbst  wenn  die  Vorauer  hs.  nicht  entdeckt  worden  wäre, 
hätte  sich  aut  dem  wege  einer  sprachlichen  und  stilistischen 
Untersuchung  bis  zur  evidenz  erweisen  lafsen  dafs  Hartmann 
unmöglich  der  verfafser  jenes  gedichtes  vom  antichrist  und  den 
dem  weltende  vorangeiienden  zeichen  sein  konnte. 

Gervinus  bemerkt  in  seiner  gesch.  der  deutschen  dichtung  ^ 
s.  1S6,  schwerlich  sei  wohl  der  aus  einer  Linzer  handschrift  von 
Hoffmann  (fundgr.  u  106 — 134)  edierte  Entecrist  als  jenes  von 
Hartmann  verfafste  gedieht  zu  betrachten,  in  der  tat  ist  dies 
das  einzige  der  heute  bekannten  gedichte  welches  durch  Inhalt 
und  alter  auf  eine  berücksichtigung  in  dieser  frage  anspruch 
machen  darf,  ich  habe  Hartmanns  rede  vom  glauben  und  den 
Linzer  Entecrist  in  sprachlicher  und  stilistischer  hinsieht  mit  ein- 
ander verglichen,  und  liin  zu  dem  resultate  gekommen,  dafs  der 
Entecrist  unserm  Hartmann  nicht  zugehört. 

Beide  gedieht  scheinen  um  die  mitte  des  12  jhs.  entstanden 
zu  sein,  ich  zweifle  ob  sich  aus  der  relativen  genauigkeit  der 
reime  die  priorität  des  einen  oder  andern  mit  bestimmtheit  fest- 
stellen läfst. 

Beide  gedichte  sind  mitteldeutsch,  fin-  den  glauben  ist  dies 
jüngst  eingehend  nachgewiesen  worden  in  einer  Leipziger  disser- 
tation  von  Karl  Reifsenberger  'über  Hartmanns  rede  vom  glauben' 
1871.  die  md.  herkunft  des  Entecrist  aber  wird  hier  s.  17  anm. 
bezweifelt,  es  ist  nicht  zu  läugncn  dafs  die  charakteristischen 
kennzeichen  des  nid.,  hcsonders  die  rein  lautlichen,  bei  H.  mit 
gröfserer  consequenz  (hirchgefidnl  sind  als  im  E.,  und  dafs  die 
sprachliche  form   des    letzteren    sich    dem   oberd.   mehr  nähert. 


DES  LINZER  ENTECRIST  159 

allein  weil  diese  verschifdeuheit  erst  durch  die  abschreibe!"  für 
uns  herbeigeführt  sein  kann,  so  möchte  dieses  krilerium  nicht 
hinreichen  zur  annähme  zweier  verfafser. 

Ganz  verschieden  aber  ist  in  beiden  gedichten  die  art  der 
darstellung,  wie  auch  Reifsenberger  richtig  hervorhebt.  H.  ent- 
wickelt einen  erstaunlichen  reichtum  an  gedanken  und  immer 
neuen  auffafsuugen,  dazu  eine  von  der  innigsten  empfindung  ge- 
tragene rt'dseligkeit  die  oft  gar  kein  ende  zu  finden  weifs.  von 
diesem  lebensvollen  tlufse  begeisterter  rede  ist  im  E.  fast  gar 
nichts  zu  merken,  man  wrnde  nicht  ein  dafs  der  verfafser  des 
E.  einer  solchen  überstrümenden  fülle  der  worte  und  gedanken 
notwendig  deshalb  entljehre,  weil  er  nur  eine  deutsche  bearbei- 
tung  des  tractates  von  Adso  gegeben  habe:  denn  auch  in  den- 
jenigen teilen  seines  gedichtes,  wo  er  jene  (juelle  aller  mittelalter- 
lichen darstellungen  vom  antichrist  durch  eigene  betrachtungen, 
ausführuiigen  und  erzählungen  erweitert,  ist  Hartmanns  stil  nicht 
zu  erkennen,  das  gesagte  wird  vielleicht  noch  anschaulicher 
durch  die  vergleichung  folgender  stellen,  die  ungefähr  denselben 
Inhalt  haben:  H.  1561—1621  mit  E.  130,  37—134,  42;  II.  24 10 ff 
mit  E.  114,33—37;  11.2114-2145  mit  E.  117,31—118,2. 

Ich  wende  mich  zur  sprachlichen  und  grammatischen  ver- 
gleichung der  beiden  vorliegenden  gedichte. 

I.  Alles  was  als  gemeinsame  eigentümlichkeit  etwa  bezeichnet 
werden  konnte,  ist  doch  bei  weitem  nicht  so  charakteristisch  um 
die  identitiit  der  verfafser  zu  beweisen: 

daz  cruce  vröne  H.  1071.  1121.  3040.  E.  110,27.  131,3. 
die  engele  fröne  H.  1502.  daz  fröne  paradis  878.  1894. 

brehten  und  yebrechten  H.  653.  1494.  1561.  nbtrhracht  670. 
daz  (jebrehte  E.  119,34. 

dingen  und  gedingen  II.  26.  1068.  1511.  1966.  3731.  E. 
126,25. 

der  gute  sanchis  Paulus  II.  2881.  Paulus  der  gute  man  E. 
109,24.  der  gute  Enoch  119,29. 

di  helle  buwen  II.  2835.  E.  115,  19. 

din,  s/n  :  dir  {=  der)  din  gedanc  II.  2469.  der  dm  mnt  2545. 
der  sin  gwalt  98.  di  sin  gedult  99.  di  sin  list  104.  1665.  der  sin 
gedanc  d [2.  daz  sin  hantgebere  1466.  zö  der  diner  icirtsca f  3l\S. 
mit  der  siner  gvalt  305.  durh  di  sine  gute  853.  1723.  di  sine 
bösen  netzen  945.    mit  der  siner  haut  1694.    der  sinen  mancrefte 


160   IST  HARTMANN  DER  ALTE  DER  VERFASSER 

1562.  mü  goteUchen  stnen  ongen  135.  mit  grözen  stnen  guten  1426. 
mit  beiden  sinen  ougen  1765.  mit  tiefen  im  siiinendbl.  der  sin 
anhlich  E.   132,37.  der  ir  munt  115,14. 

II.  Folgende  verschiedenlieiten  können  durch  die  abschreiber 
liinein  geliracbt  sein: 

di  für  der  nom.  sing.  masc.  findet  sich  im  E.  nicht,  bei  H. 
oft  41.  68.  71.  104.  216.  223.  247.  882.  895.  1067.  1075.  1077. 
1080.  1085.  1115.  1174.  1525.  1770.  2748.  2846.  di  im  dat. 
sing.  fem.  1484  ist  wohl  nur  ein  Schreibfehler. 

ici  für  iver  H.  1494.  1597.  2629.   vgl.  Reifsenberger  s.  13. 

dir  (iürdie?)  bei  H.  1)  nom.  sing.  fem.  300.  552.  749.  1427. 
2)  nom.  pl.  masc.  409.  vgl.  478. 

des  possessivs  des  fem.  und  der  2  pers.  plur.  bedient  sich 
E.  nicht,  H.  dagegen  hat  ire  (n.  s.  f.,  n.  p.  f.),  irre  (d.  s.  f.),  irme 
(d.  s.  m.),  im  (a.  s.  m.,  d.  p.  mn.). 

apocope  des  n  im  infinitiv  kennt  der  E.  nicht.  l)ei  H.  da- 
gegen steht  es  so:  1)  81  mal  reimt  der  apocopierte  inf.  mit  einem 
auf  e  ausgehenden  worte;  doch  gibt  es  sehr  viele  fälle  in  wel- 
chen die  apocope,  ungeachtet  des  bezeichneten  reimes,  unter- 
blieben ist.  2)  34  mal  erscheint  die  apocope  ohne  äufseren  an- 
lafs,  indem  entweder  der  inf.  mitten  im  verse  steht  oder  zwei 
durch  den  reim  gel)undene  infinitive  beide  apocopieren. 

is  für  ist  erscheint  l)ei  H.  sehr  häufig,  im  E  nie. 

II.  hat  nur  wir  wollen  und  si  wollent,  E.  dagegen  nur  %oir 
wellen  und  si  wellint. 

genus  einiger  substantiva:  H.  der  leben  784.  1186.  1729. 
1745.  3213.  3728.  daz  leben  2381.  2615.  das  masc.  erklärt  sich 
aus  der  inerwaniUschaft  mit  Hb,  welches  liier  oft  geradezu  für 
leben  steht:  54.  93.  177.  lo63.  1346.  1906.  2019.  2227.  2511. 
3049.  3105.  3691.  3696.  E.  daz  leben  126,20.  H.  der  gewalt 
98.  513.  die  {di)  gewalt  120.  230.  305.  672.  763.  1483.  1802. 
E.  det^  gewall  112,26.  118,32.  126,39.  H.  der  Inf t  2305.  die 
lufl  1986.  E.  der  luft  116,42.  H.  dielist  43.  104.  625.  639. 
1665.  2055.  2594.  E.  der  list  109,  35.  112,  30.  118,  10.  119,  20. 
124,  16.  II.  die  zit  377.  3003.  E.  daz  zit  106,  1.  107,  17. 
110,20.40.  113,15.   118,44.  119,40.   121,19.  126,7.15. 

III.  S<'br  walnscliciiüicb  wird  die  annähme  zweier  verfafser 
durch  folgende  bemerkuiigt'ii : 

charakteristische  Wörter  und  redensarfen  bei  H.  sind:  ernte 


DES  LINZER  ENTECRIST  161 

17.  570.  681.  2935.  genste  565.  591.  2193.  3739.  3797.  gespenste 
682.  1669.  2934.  öthmnt  (vgl.  Reifsenberger  s.  33 1  84.  1675. 
1945.  2090.  2357.  a'de  (Reifsenb.  s.  37)  2526.  nbirbraht  670. 
uhirhür  1785.  uhirdze  1789.  ubirtrank  1790.  bescheidenlich  20. 
826.  1274.  1629.  2322.  reclmi  (erzälilen)  20.  32.  3736.  zellm 
2684.  2765.  verseilen  {verzalt,  si  verzalten)  11.  229.  1445.  1573. 
2836.  sih  mendeu  909.  1621.  3167.  3193.  toen  (=  ntsi  quod)  218. 
256.  323.  389.  550.  661.  666.  2392.  2806.  rfa?t  o6e  319.  341. 
426.  2120.  2396.  2545.  2880.  sdn  (Reifsenb.  s.  38)  429.  2015. 
2254.  2519.  2735.  3705.  di  rede  ist  uns  wole  chunt  1096.  1104. 
1845.  geware  werden  eines  dinges  2291.  2302.  2634.  wäre  nemen 
eines  dinges  2943.  ivär  läzen  ein  dinc  (sein  versprechen  erfüllen) 
980.  1794.  1889.  herre  'als  herr'  468.  580.  928.  980.  magit  reine 
'als  jungtrau' 719.  kint  'als  kind' 2270.  im  E.  sind  anzumerken: 
drum  (ende)  126,8.  134,38.  daz  mort  112,16.  116,20.  125,6. 
betalle  112,  32.39.  126,  1.  ze  iungist  (endlich,  schliefslich)  108,  13. 
110,10.22.  133,38.  douwen  [döuwen)  120,38.  125,35.  gähen 
113,  19.  120, 17.  123,  31.  in  allen  gähen  {gehen)  115,  34.  125,  37. 
Paulus  der  gute  man  109,24.  Jeronimus  der  scribere  110,2.  Apo- 
calypsis  daz  buoh  111,38.  Jesiis  der  heilant  132,  15.  mich  nimit 
untür  eines  dinges  114,  19.  133,  18.     anderes  bringe  ich  unter  IV. 

H.  sagt  nur  begunde  oder  begonde;  im  E.  heifst  es  nur  began. 

H.  weder  —  ioh  112;  sonst  steht  ioh  stets  zwischen  zwei 
begriffen  die  lateinisch  durch  et — et  zu  verbinden  wären:  308. 
311.  452.  963.  2621.  genau  so  auch  E.  123,27.  125,32.  132,38. 
eigentümlich  aber  ist  hier  die  bedeutung  'sogar,  selbst':  107,  4. 
114,29.  124,20. 

IV.  Folgende  vergleichungen ,  vielleicht  eine  jede  für  sich, 
gewis  aber  alle  zusammen  genommen ,  beweisen  unwiderleglich 
dals  Hartmann  nicht  der  verfafser  unseres  Entecrist   sein  kann: 

1.  H.  bekundet  eine  grofse  Vorliebe  für  composita  mit  ge, 
die  im  E.  viel  weniger  auffällt,  ich  gebe  hier  ein  vollständiges 
Verzeichnis  aller  mit  ge  zusammen  gesetzten  Wörter  die  von  ihren 
einfachen  nicht  wesentlich  in  der  bedeutung  verschieden  sind : 
a.  H.  gedingen  26.  gefromen  38.  1901.  1932  (gefremen).  1955  [ge- 
frnnien).  3116.  gekeren  46.  gewerdenlX.  151.  232.  451.  455.  456. 
1341.  1486.  2309.  2714.  2746.  3672.  getan  82.  101.  1977.  20-52. 
2373.  2533.  3687.  geduten  143.  1354.  1378.  3149.  getrachten 
146.  gereden  341.  gesngen  342.  gesprochen  2636.  gebinden  551. 
Z.  f.  D.  A.    neue  folge  IV.  11 


162   IST  HARTMANN  DER  ALTE  DER  VERFASSER 

gedarben  578.  gemachen  730.  getragen  745.  gesügen  810.  getrüwen 
823.  835.  1898.  2197.  2231.  3723.  geruwen  2232.  2732.  gene- 
mm  866.  2604.  geezzen  903.  2694.  getrinken  2162.  gewerren  905. 
geicern  978.  1976.  geverren  1295.  ^ener?t  935.  1490.  1997.  2002. 
geschaden  958.  geheiligen  961.  1660.  gedoln  974.  gesegenen  988. 
gelönen  1122.  geirren  1296.  gescheiden  1372.  ^-e/erm  1406.  1418. 
getrösten  1423.  geleisten  1529.  ^eseAm  1575.  2302.  2321.  2732. 
gelougen  1571.  gewenden  1607.  2001.  2113.  2237.  2353.  3692. 
gehören  1636.  gereinen  1660.  2120.  3001  {gereinigen),  geniden 
1685.  ^e?o6en  1792.  gebüzen  1831.  ^e^eftm  2039.  2808.  geliegen 
2596.  ^e%e;t  2612.  gestedigen  2975.  gerüchen  3114.  3730.  (/e- 
wichen  3125.  gemeren  3203.  E.  gesüchin  110,5.  gebinmäzen 
111,39.  gelezzen  113,  12.  116,20.  (/e/tdre/i  113,  17.  ^eye//en  119, 
27.  5e%eM  123,16.  gedingen  126,25.  ^eseÄew  127,14.  133.3. 
^esfan  128,14.  132,16.  133,1.  ^e(/ä»  128,15.  ^^erfa^m  129,14. 
gedienen  133,2.  gedursten  134,11.  b.  H.  daz  gedüte  860.  t/as 
5e6?7erfe  962.  1085.  2229.  die  gesculde  1773.  1812.  daz  gerete  (rat) 
1991.  2053.  (/eiüar  (^w^är,  gwerlkhe)  260.  261.  717.  765.  824. 
1131.  1296.  1304. 

2.  U.  bekundet  eine  grofse  verliebe  für  da  (dar)  in  relativ- 
sätzen ;  auch  diese  tritt  im  E.  viel  mehr  zurück.  H.  bietet  52 
solcher  fälle  (7  mit  dar),  E.  nur  10. 

3.  Folgt  dem  subject  oder  object  ein  relativsatz,  so  M'ird 
dasselbe,  und  zwar  in  beiden  gedichten,  nach  diesem  relativsatze 
i-egelmäfsig  durch  der  diu  daz  wider  aufgenommen,  in  gleicher 
weise  aber,  und  dies  ist  charakteristisch,  liebt  H.  diese  wider- 
aufuahme  auch  dann  wenn  kein  relativsatz  vorangegangen  ist  zb. 
got  der  ist  wunderlich,  auf  56  belege  bei  H.  finden  sich  im  E. 
nur  drei,  für  E.  dagegen  ist  charakteristisch  der  gebrauch  von 
ersiuez  in  denselben  fällen:  108,43,  109,1.  110,33.  115,13. 
119,18.  127,23.  129,16.  130,15.  131,11.15.17.43.  133,21, 
wozu  sich  bei  H.  keine  beispiele  finden. 

4.  H.  hat  keine  spur  eines  demonstrativen  gebrauches  von 
ersiuez,  wie  er  im  E.  in  folgenden  beispielen  sich  zeigt:  keinin 
frumin  ernist  megin  sie  ze  gote  hän  die  des  niut  wellint  abegän 
107,  6.  den  bitirn  smerze  müzin  sie  von  in  hän  die  mite  wellent 
gän  111,35.  ze  sagin  ist  iz  im  gut  der  wol  geloubet  115,38. 
owe  in  die  zu  der  helle  sint  ircorn  133,  26. 

5.  Der  verfafser  des  E.  hat  eine  besondere  Vorliebe  für  das 


DES  LINZER  ENTECRIST  163 

formelhafte  ich  weiz,  welches  eine  parenthetische  und  wahrschein- 
lich altepische  hekräftigung  des  erzählten  bezeichnet:  107, 32. 
111,  14.  120,  38.  130,  21.  133,  16.  38.  Haupt  hat  zs.  3,  187 
auch  aus  anderen  gedichten  viele  belege  gesammelt. 

6.  Ein  charakteristisches  lieblingswort  llartmanns  ist  al  ge- 
meine: 269.290.  326.  331,  572.  590.  991.  1009.  1118.  1385. 
1441.  1570.  1587.  1633.  2067.  2626.  im  E.  erscheint  al  ge- 
meine gar  nicht,  dagegen  in  ganz  gleicher  bedeutung  al  gelicke 
107,  18.  117,  7.  118,  39.  119,  12.  121,  6.  8.  122,  1.  123,  20. 
126,36.  130,2.32,  welches  sich  bei  H.  nur  1299.1503.2781  findet 

7.  Ein  charakteristisches  liebhngswort  Hartmanns  ist  beginnen, 
welches  nicht  weniger  als  60  mal  sich  findet,  und  zwar  ist  dar- 
auf hinzuweisen  dafs  unter  diesen  60  fällen  kaum  ein  halbes 
dutzend  mit  der  eigentlichen  bedeutung  von  incipere  angetroffen 
werden,  in  allen  übrigen  dient  beginnen  nur  dazu  den  begriff 
der  tätigkeit  welcher  im  folgenden  infiuitiv  liegt  anschaulicher 
hervorzuheben,  und  ist  dann  nhd.  gar  nicht  entsprechend  wider- 
zugeben, zb.  ich  hegunde  dicke  neisen  widven  unde  weisen,  unter 
den  fällen  wo  beginnest  im  E.  überhaupt  vorkommt  (109,25.  113, 
19.  114,2.  119,36.43.  120,2.  123,30.  124,7.  129,36.  130,7), 
zeigen  sich  nur  schwache  spuren  jener  bezeichneten  Verwendung. 

8.  Formelhaft  und  deshalb  charakteristisch  ist  bei  H.  der 
reim  äne  veichen  (betrug;  vgl.  Reifsenberger  s.  Ib):  zeichen  351. 
369.  1421.  2105.  3146.  keines  dieser  beiden  Wörter  erscheint 
in  einem  anderen  reim,  im  E.  dagegen,  wo  veichen  unbekannt 
ist,  findet  sich  zeichen  :  weichen  120,  4.  z. :  bochin  127,  6.  z.:  lei- 
chen  128,  1. 

9.  Formelhaft  und  dtishalb  charakteristisch  sind  bei  H.  fol- 
gende reime:  alleji  sinen  holden  die  ime  dienen  wolden  1184.  1478. 
3073.  Crist  sine  holden  die  ime  dienen  wolden  1380.  2092.  sunder 
sinen  holden  die  ime  dienen  wolden  1432.  die  da  wären  gotis  holden 
unde  ime  dienen  wolden  1971.  den  dinen  Üben  holden  die  dir  die- 
nen wolden  2221.  3717.  allir  diner  holden  dt  dir  dienen  wolden 
3123.  Wide  andre  sine  holden  di  an  in  glouben  wolden  874.  1271. 
den  wären  goles  holden  die  daz  tun  wolden  3155.  dafs  wir  es 
hier  in  der  tat  mit  einer  formel  zu  tun  haben,  geht  auch  daraus 
hervor  1.  dafs  holde  in  keiner  anderen  reimverbindung  vorkonunt, 
2.  dafs  v.  1478  und  3123  blofs  dieser  formel  zu  liebe  wolden 
gesetzt  ist,    während    der  sinn  das  präscns  verlangt,     im  E.  ei-^ 

11* 


164  IST  HARTMANNfD.  A.  DER  VERF.  D.  LINZER  ENTECRIST 

scheint  holde  nicht  nur  aufserhalb  des  reimes  (was  bei  H.  nicht 
der  fall  ist),  sondern  es  sind  auch  seine  reimbindungen  denen  bei 
H.  ungleich,  nämlich  holdinivolgin  113,33.  h.iirbolgin  119,21. 
125,  27. 

10.  H.  kennt  nur  die  partikel  biz  (890.  2288.  3166.  3192. 
biz  daz  1831),  E.  nur  unz  (112,27.  118,24.  119,40.  121,28. 
130,  28). 

11.  Zur  hervorhebung  eines  adjectivs  oder  adverbs,  dasselbe 
gleichsam  in  den  Superlativ  setzend,  dient  bei  H.  also:  (die  fölle 
wo  ein  satz  mit  daz  folgt  schliefse  ich  hier  aus)  12.  471.  480. 
481.  514.  526.  532.  542.  726.  1010.  1117.  1390.  1488.  1492. 
1663.  1767.  2141.  2899.  genau  in  derselben  Verwendung  steht 
im  E.  stets  sd:  109,  22.  110,  9.  112,  36.  115,  10.28.  118,34. 
119,31.  122,37.  123,25. 

12.  H.  sver  so  1681.  1719.  1742.  1753.  2371.  2865.  2965. 
2989.  3141.  3169.  swaz  so  1141.  svelehe  —  sd  2283.3079.  svä 
sd  1254.  1377.  1661.  svi  so  735.  E.  sver  oiih  115,  18.  123,34. 
svaz  onh  119,  17.  128,  44.  svelher  ouh  124,  19.  131,  40.  svd  otih 
116,45.  svi—  och  112,  15. 

DR  MARTIN  SCHEINS. 

DAS  SOGEN.  NAMENRÄTSEL  DES  PRIMAS. 

Littera  bis  bina  me  dat  vel  syllaba  Irina. 

si  mihi  dematur  caput,  ex  reliquo  geiieratur 

bestia,  si  venter,  pennis  ero  tecta  decenter. 

nil,  si  verlor.,  ero,  nil  snm  laico  neque  clero.  (carm.  Rur.  1 83") 
an  dem  rätsei  haben  in  jüngster  zeit  verschiedene  mitarbeiter  der 
zs.  für  deutsche  philologie  (2,412)  und  der  Germania  (16,306. 
17,  39)  ihren  Scharfsinn  versucht,  damit  nicht  noch  andere  zeit 
und  mühe  verheren,  sei  hier  auf  die  richtige  auflösung  alea  hin- 
gewiesen, die  weder  erst  jetzt  noch  von  mir  gefunden  ist.  sie 
liegt  nicht  eben  fern,  denn  unter  dem  rätsei  ist  ein  puffspiel  ab- 
gebildet, und  voran  gehen  folgende  verse  auf  die  drei  würfelt 

Hi  tres  ecce  canes  segnes,  celeres  et  inanes 

sunt  mea  spes,  quin  dant  mihi  res  et  multiplicant  fs. 

pignora  cum  nnmmis.,  cum  castris  pn^dia  summis 

venantur,  te  prf'danlnr,  mihi  sie  famulantur. 
RERLIN.  W.  WILMANNS. 


SANT  CECILIA. 

[41']  Hie  vor  do  got  vf  ertrich  gie, 

eines  tages  er  predion  an  vie 

vnde  Seite  sinen  lieben  ivngern 

ein  bischaft  von  zelien  megeden, 

den  glichte  er  daz  himelrich.  5 

der  waren  fvnfe  alse  sinnerieb 

daz  SV  ir  liebtvas  wol  bereiten 

da  mit  sv  des  brvtegomes  wolton  beiton, 

swenne  er  kerne  gegangen 

daz  er  von  inen  sbone  wrde  enphangen.  10 

do  waren  die  andern  fvnfe  megede 

so  tvmbe  vnde  also  trege 

daz  ir  lichter  waren  vnbereit. 

do  in  des  brvtegomes  zvkvnft  wart  geseit, 

sv  begondon  vil  balde  lofen  15 

vnde  6l  in  irii  glazvaz  kofen; 

vnde  e  daz  sv  daz  6l  von  dem  kofman  hetin  genomen, 

do  was  der  brv[41'']tegom  inkomen 

vnde  wart  in  dv  tvrc  beslozen  vor. 

SV  klophoton  vaste  an  daz  tor,  20 

wan  SV  batton  sich  verslafen; 

darvmbe  begonde  sv  der  brvtegon  strafen, 

er  wolte  in  nibt  gvnnen  siner  angesiht 

vnde  spracb  'gant,  ich  enweis  iuwer  nibt.' 

disc  rede  laze  icb  beliben  25 

von  disen  tvmben  wiben 

2   eniiies  t.         zu   predion   vgl.  gr.  x^  188.      Weink.  §56  13  iiu- 

beiret        24  vgl.  v.  1773 

Z.  f.  D.  A.   neue  fol^e  IV.  12 


166  SANT  CECILIA 

vnde  wil  der  wisen  nemen  eine 

der  leben  was  vil  reine. 

si  hatte  wol  gewachet 
30  vnde   ir   liethvaz   mit  6l  gemachet, 

damit  si  ir  herren  wolte  engegen  gan, 

do  von  wart  si  zu  dem  br^llofe  in  gelan. 

si  hatte  vier  shoni  lichter  in  ir  glazvas  wol  bereit, 

da  von  si  vier  hande  kröne  treit. 
35  dv  erste  ist  ir  dar  vmbe  geben 

daz  si  hatte  ein  rein  kvsches  leben, 

dv  ander  daz  si  cristen  globen  lerte 

da  mit  si  menigen  menschen  ze  gote  bekerte, 

dv  drite  vmbe  ir  vrigen  mut 
40  daz  si  dvr  got  gab  alles  ir  gut, 

dv  vierde  vmbe  die  grosvn  not 

die  si  an  ir  ende  leit  vnde  den  grimen  tot 

dvr  ir  lieben  herren  Jesum  Crist. 

nv  horent  wie  si  geheizen  ist: 
45  Cecilia,  ein  maget  von  Rome  geborn. 

got  hatte  si  im  selben  erkorn, 

sin  zeichen  hatte  er  an  si  geleit, 

den  tof  der  heiligen  cristenheit. 

gar  vesteklich  hatte  si  den  globen 
50  vnde  trvg  och  an  dem  herzen  togen 

die  lere  die  des  heiligen  ewangelium  git, 

[42"']  da  mit  vertreibe  si  tag  vnde  naht  ir  zit. 

von  den  hohsten  Romern  si  geborn  was; 

vil  wol  ir  gewant  erzeigete  daz, 
55  mit  golde  vnde  mit  silber  was  es  wol  durslagen, 

doch  wolte  si  darvnder  an  dem  libe  tragen 

ein  herin  hemede  verborgen, 

wan  si  was  in  grozen  sorgen 

wie  si  blibe  kvsche  vnde  reine. 
60  ir  vasten  vnde  ir  weinon 

vor  gotte  so  grose  kraft  hatte 

35  geben  für  gegeben  noch  479.  660.  884.  920.  969.  991.  1054.  1081. 
1091.  1617.  1678.  kofet  ßr  gekofet  1467.  vgl.  Jänicke  zu  Biterolf  1026 
45  die  einleitung  fehlt  in  der  quelle 


SAINT  CECILU  167 

daz  si  die  engel  steteklich  zv  ir  latte. 

ir  gebet  in  gottes  oreo  drang 

alse  ein  süzes  orgenen  sanch. 

vnde  do  si  gar  vlizich  was  aller  guten  dinge,  65 

do  wart  si  gemehelt  einem  edeln  ivngelinge; 

swie  es  niht  ir  wille  was, 

do  forhte  si  doch  [43']  ir  frvnde  has. 

Valerianus  was  der  ivngelincli  genant, 

cristen  globe  was  im  vnerkant.  7ft 

vnde  zehant  do  der  tag  was  komen 

daz  der  ivngelincli  die  maget  solle  ban  genomen, 

ir  beder  frvnde  kamen  dar; 

mit  vroden  wart  der  tag  vertriben  gar, 

alse  rebt  was  vnde  billicb,  75 

wan  ir  beder  frunde  waren  edel  vnde  rieb. 

vnde  do  dv  nabt  anviench, 

Valerianus  mit  siner  gemahelen  giench 

in  eine  sbone  kemenaten; 

daz  bete  was  bekleidet  mit  edelcr  wate  80 

von  sidun  vnde  von  phellor. 

man  vnde  vrowe  bliben  da  vor, 

SV  zwei  bliben  alleine  do. 

Cecilia  bat  got  mit  andaht  vnde  sprach  also 

'gnade,  herre  von  himelrich,  85 

ich  bitte  dvr  [43']  alle  dine  guti  dich 

daz  dv  mich  behvtest  mit  diner  gotlichen   ki'aft 

daz  du  weit  iht  werde  an  mir  sigehaft.' 

dar  nach  den  ivngclinch  si  an  sähe, 

gar  lieblich  si  also  zim  sprach  90 

'o  minneklicher  ivngelinch, 


66  G.  Valerianunv  quemdam  iuvenem  habebat  sponsum,  qui  in  amorc 
virginis  perurgens  animum,  diem  coiistituit  nuptiarum.  venit  dies  in  quo 
tlialamus  collocatus  est.    venit  et  nox  usw.  70  kemenAten   noch  317. 

kemenäte  259.  vgl.  Sommer  zu  Flore  513.  Jänicke  zu  Bitei'olf  439 
82  sonst  vjowen  unde  man  628.  1371.  1500.  I()ti4.  1671.  vrowan  unde 
man  1366.  1432.  1458  im  dat.  und  acc.  dieselben  Verschiedenheiten  Q\ff 
0  dulcissime  atque  amantissime  iuvenis,  est  mysterium,  quod  tibi  confitear: 
si  modo  tu  iuratus  asseras,  tota  te  illud  observantia  custodire.  jurat  Val. 
sponsus   se  Ulud  omnino  nulla  prodere  ratione,  nulla  necessitate  dctegeie 

12* 


168  SANT  CECILIA 

ich  seiti  dir  gar  gerne  ein  heinlicli  dinch, 
woltistu  den  heinlich  also  heinlich  tragen 
daz  du  in  nieman  woltist  sagen.' 
^5  Valerianus  sprach  'waz  mach  daz  sin? 
ich  gelohe  dir  hi  der  triwe  min 
daz  es  niemer  kvTiiet  fvr  minen  mvnt 

vnde  do  si  sin  herze  geneigich  sach, 
100  vil  minneklicher  si  aber  zu  im  sprach 

'o  Valeriane,  gemahel  min, 

ich  fürhte  gar  sere  des  libes  din, 

wau  ich  han  einen  engel  heinlich, 

der  phliget  mines  libes  [44*]  steteklich 
105  vnde  kvmet  tag  noch  naht  niemer  von  mir. 

swie  der  wirt  gewar  von  dir 

daz  dv  mich  minnost  zu  vnkvshekeit, 

da  von  gewinnet  er  also  groses  leit 

daz  dv  mvst  liden  sinen  zorn 
110  vnde  wirt  din  ivnger  lip  vil  balde  verlorn. 

sihet  er  aber  an  dir  ein  gute  menunge 

daz  dv  mich  wilt  lazen  beliben  kvsche  vnde  reine, 

so  wirt  er  dich  minnende  alse  mich 

vnde  erwirbet  dir  gnade  vmbe  got  von  himelrich.' 
115  des  antwrte  Valerianus  do 

gar  ershrokenlich  vnde  sprach  also 

'Cecilia,  molite  daz  beshehen 

daz  dv  mich  den  engel  liezist  sehen, 

so  wolti  ich  dir  min  triwe  geben 
120  daz  ich  nahe  sinem  rate  wolti  leben; 

[44'']  rainnostv  aber  deheinen  andern  man  fvr  mich, 

ich  Stiche  ein  swert  dur  in  vnde  dvr  dich.' 

vnde  do  Valerianus  geredde  also, 

Cecilia  sprach  aber  zv  im  do 
125  'Valeriane,  dv  mvst  e  erwerben  gotes  hvlde 

daz  er  dir  vergebe  dine  shulde, 

03  d.  heiliiicli  a.        111//'  si  aiitem  cogiioverit,  quod  me  sincero  corde 
immaculato  amore   diligas  cl    viiginitatem  meam   integram  illibatamque 
»dias  —  112  unbetwungeii  erg.  Greith  116  nutu  dei  coneplus 

'  ait:  — 


SANT  CECILIA  169 

dv  mvst  och  die  abgote  versmahen 

vnde  den  heiligen  tof  enphahen, 

wan  dv  mäht  e  den  engel  niht  gesehen. 

ich  wil  och  heinhch  dir  veriehen  13q 

daz  ich  hin  heinhch  cristen 

vnde  mit  dem  tofe  worden  reine.' 

Valerianus  sprach  'wer  mach  daz  sin 

der  mich  kvnne  gereinen  von  den  svnden  min?' 

Ceciha  sprach  'es  ist  ein  vil  alter  man  135 

der  dich  von  allen  dineu  svnden  gereinen  kan, 

Vrbanus  so  ist  er  genant; 

ich  bin  im  och  vil  [45*J  wol  erkant. 

er   ist   der   cristenlvte  bapest  vnde  herre 

vnde  och  vns  niht  gar  verre,  j4q 

ist  in  einem  hvse  verborgen. 

da  soltv  morne  frvge  hin  gan  an  dem  morgen 

in  eine  gassun,  dv  ist  Apia  genant. 

der  wech  ist  mir  och  vil  wol  erkant. 

da  sizet  an  der  straze  arme  Ivte.  I45 

din    almusen  dv  in  bvte 

vnde  gib  inen  einen  grvz  von  mir 

vnde  bite  sü  daz  sv  zeigen  dir, 

wa  Vrbanus  si  der  gvte  man, 

dv  siilist  in  ze  heinlichen  dingen  han.  [50 

ich  bin  den  selben  armen  vil  wol  erkant, 

wan  ich  han  in  vil  dike  geboten  mine  hant.' 

vnde  do  Cecilia  geredde  daz, 

Valerianus  gar  sere  ershroken  was. 

an  dem  bette  er  mit  grozen  vorh[45''jten  lag  155 

127  d.  mich  0.   die   befserung  von  Grcith         abgötte  auch  212.  303. 
abgölte   215.   287.  375.     die,    diu  abgot  432.   400   mxo.  143   Surhis 

p.  506:  vade  ad  tertium  lapideni  a  civilate  via  qua  usw.  das  Pass.  631, 
28/"  ganz  farblos:  und  wandere  liin  so  drüte  an  die  stat  und  vräge, 
dagegen  Hermann  v.  Frilslar  s.  247:  sali  gen  zu  der  pforten  fiz  zwischen 
dem  berge  di  da  Iieizet  Zabina,  da  sanchis  Alexius  üffe  lit,  und  zwischen 
der  Tibren,  dö  man  iiz  gel  zu  sancto  Pauweis,  da  isl  eine  gazze,  do 
silzet  usw.  150  hier  fehlt  im  gedichle  ei?ie  gröfscre  stelle  der  quelle 

(auch  bei  Surius),  in  welcher  die  nachfolgende  erzülung  vom  zusamtnen- 
tre/fen    F.s   mit    Vrbanus    anticipiert   wird  153 — 164   fohlen  in  der 

quelle 


170  SANT  CECILIA 

ane  slaf  die  naht  vnz  an  den  tag. 

sin  herze  hate  erfindet  sich 

alse  ein  frvhtber  ertrich 

dem  der  same  shiere  entrinnet 
160  vude  dar  nach  die  edelvn  früht  bringet. 

Cecilia  lag  vor  dem  bette  an  der  erde 

vnde  bat  got  mit  andehtiger  geberde 

in  ir  herzen  gar  stille 

daz  an  im  ergienge  sin  heiliger  wille. 
165  vnde  do  mornvnt  frv  der  tag  vf  gie, 

Valerianus  des  niht  enlie, 

swaz  im  Cecilia  des  nahtes  seite 

daz  voUefvrte  er  gar  gereite. 

in  die  gassun  giench  er  sa  zehant, 
170  du  da  Apia  was  genant, 

vnde  do  er  die  armen  liite  ersah, 

vil  gütlich  er  zu  inen   sprach 

'Cecilia  hat  mich  zv  iu  gesant 

daz  ir  tvent  mir  erkant, 
175  wa  Vrbanus  si  der  gut  man, 

ich  solte  in  vm[46*]be  heinliche  sache  han.' 

vnde  do  er  mit  in  geredde  daz, 

sin  almosen  in  wol  beretet  was 

da  mit  er  in  den  hvnger  bvzte, 
180  von  Cecilivn  er  sü  gruzte. 

des  almusens  waren  si  gar  vro, 

SV  wizton  in  vil  heinlich  do 

zu  den  huse,  da  der  bapest  inne  was 

vnde  bi  den    cristenen  lüten  sas. 
185  vnde  do  Valerianus  in  daz  hvz  giench, 

Vrbanus  in  gar  gütlich  enphiench. 

do  Seite  Valerianus  im  dii  mere 

daz  er  Cecilivn  gemahel  were, 

du  bette  in  zu  im  gesant 
190  daz  er  im  cristen  globen  tete  erkant 

vnde  im  abe  neme  sine  schvlde, 

daz  er  im  erwrbe  gotes  hvlde. 

165  mornuul  auch  1522         180  Ceciliiui  hmal  Cecilien  S/wai 


SANT  CECILIA  171 

vnde  do  Vrbanus  erhörte  daz, 

er  von  herzen  gar  vro  was. 

vf  hvb  er  sine  hende  do  195 

vnde  sprach  gar  vrolich  zv  gote  also 

*gnade  [46''],  herre  Jesv  Crist, 

ein  seiger  dv  des  kvschen  samen  bist. 

enphahe  hvte  des  samen  frvht 

dvr  dine  gotUchen  zvht,  200 

den  dv  an  Cecihun  geseiget  hest, 

du  ZV  mir  gesendet  het  disen  vromeden  gast; 

den  si  nehte  als  einen  grimen  lowen  hatte  enphangen, 

der  komet  hvte  zu  mir  alse  ein  senftes  lamp  gegangen. 

Ceciüa  din  dienerin  205 

du  dienot  dir  alse  ein  nvzes  shefeli.' 

vnde  do  Vrbanus  got  gelobete  also, 

Valerianum  nam  er  zv  im  vil  heinlich  do, 

er  lerte  in  cristenen  geloben 

vnde  Seite  im  och  von  den  toben,  210 

wie  reht  vbel  es  den  an  sele  vnde  an  libe  solti  ergan, 

swel  die  abgotte  niht  woltin  abe  lan. 

Valeriauus  vil  gerne  horte  das 

vnde  doch  sin  herze  in  grozem  [47']  zwivel  was, 

wan  er  hatte  die  abgotte  gar  lieb  gehebt  215 

alle  die  wile  er  was  gelebt. 

vnde  do  er  also  zwivelon  began, 

ein  alter  herre  zv  inen  gegangen  kam, 

der  trug  an  ein  snewizes  gewant 

vnde  hatte  einen  brief  in  siner  hant,  220 

den  bot  er  Valeriano  dar 

vnde  hiez  in  der  shrift  nemen  war, 

ob  er  die  shrift  lesen  kondi, 

da  er  die  warheit  an  fundi. 

von  siner  gesiht  Valerianus  ershrak,  225 

\QQ  ff  die  rede  des  U.  fehlt  in  der  quelle  203  nahtes  419.     des 

nahtes  167.  1172.  1721.  dis  nahtes  1266  206  diese  deminulivfonn  Jiur 
hier.  vgl.  Weinh.  §  270  209  criiieii.  befsertmg  von  Greith  213  hole 
215  gehebt  im  reim  7ioch  1357.  1541,  aufser  dem  reim  1212.  1718.  vgl. 
ff^einh.  §  374.  —  gehän  :  kan  623.  4.     ff^einh.  §  373  220    titulum    ia 

manibus        223  shrief 


172  SANT  CECILIA 

mit  vorhten  er  an  der  erde  lag. 
do  hvb  in  vf  der  alte  man 
vnd  sprach  'dv  solt  dich  wol  gehaii.' 
vnde  do  Valeriauus  den  brief  gelas, 
230  alsvs  der  shrieft  betvtunge  was 

'ein  got  ein  globe  ein  tof  der  gewere  ist, 
des  vater  svn  von  himel  Jesv  Crist, 
der  gesegnot  ist  iemer  ewikUch 
vf  [47'']  ertrich  vnde  in  himehich.' 
235  do  Valerianus  die  shrift  gelaz, 

der  alte  herre  vraget  in  aber  fürbas 
'globstv  daz  es  also  mvge  sin 
.aide  zwivelt  noch  daz  herze  din?' 
'ja,  herre'  sprach  Valerianus 
240  'ich  globe  daz  es  si  alsus 

daz  enhein  ander  got  si,  wan  got  alleine  in  himelrich, 
von  dem  Vrbanus  hat  geleret  mich.' 
vnde  do  Valerianus  daz  gesprach, 
den  alten  herren  er  do  nüme  sach; 
245  mit  im  aber  redon  do  began 
Vrbanus  der  gute  man 
von  gotte  vnd  von  cristenen  globen. 
er  sprach,  er  wolti  gerne  der  abgote  verlogen 
vnde  nach  sinem  rate  leben, 
250  den  toi"  bat  er  im  geben, 
do  Vrbanus  erhörte  daz, 
wie  enheine  vnglobe  an  im  was, 
den  heiligen  tof  gab  er  im  ze[48*]haut 
vnde  leite  im  an  ein  shnewizes  gewant 
255  ze  einem  zeichen  daz  er  were  von  allen  snndeu  reine 
vnde  hiez  in  gan  zv  sant  Cecilivn  wider  hein. 
mit  vroden  shiet  Valerianus  von  dan, 
wider  hein  er  in  sin  huz  kam. 
vnde  do  er  die  kemenate  vf  tet, 
260  do  lag  sant  Cecilia  an  ir  gebet; 

228  Z2isanmiensclzu7}gen  einfacher  verba  mit  ge-  sehr  häufig. 
IVeinh.  §  298  (16J,  —  des  alten  rede  in  der  quelle  weitläuftiger  238 
aide  (vgl.  fVeinh.  §  317)  scheint  besonders  in  der  Schweiz  verwendet 
worden  zu  sei?i.    vgl.  Kopp,  Urkunden  i  bes.  s.  19 /f  36/^  63/f  ?«w. 


SANT  CECILIA  173 

der  engel  stvnt  bi  ir  gar  slione 

vnde  hatte  in.  ietweder  hant  von  lylien  vnde  von  rosen  ein  kröne, 

von  den  giench  ein  also  suzer  smak 

daz  Valerianus  da  von  gar  sere  ershrak 

vnde  och  von  des  engeis  gesiht.  265 

do  sprach  er  'Valerianus,  enfurhte  dir  niht, 

wan  dir  got  worden  ist  erkant, 

davon  het  er  iv  dise  zwo  krönen  [48'']  gesant, 

die  svnt  ir  in  sinem  namen  tragen 

unde  wil  ich  iv  och  daz  beden  sagen:  270 

ist  daz  ir  ivwer  leben  mit  eine  ander  vertribent 

daz  ir  rene  vnde  kvsche  belibent, 

so  verlvrent  die  blumen  nienier  ir  shmak, 

ir  varwe  ist  stete  naht  vnde  tag 

vnde  mag  si  nieman  gesehen  wan  ir.  275 

ich  kimde  och,  Valeriane,  von  gotte  dir 

daz  dv  von  im  einer  bette  solt  begern, 

swas  daz  ist  des  wil  er  dich  gewern, 

wan  din  herze  so  shiere  was  bereit, 

do  dir  Cecilie  seile  von  küshekeit,'  "  280 

des  antwrte  Valerianus  balde  do 

dem  engel  vnde  sprach  also 

'sit  mich  got  einer  bette  wil  gewern, 

so  wil  ich  vf  ertrich  niht  anders  begern 

wan  Mnbe  Tyburtium  den  bruder  min  285 

daz  im  got  [49']  sende  die  gnade  sin 

daz  er  och  die  abgote  versmahe 

vnde  cristenen  globen  enphahe; 

wan  es  were  gar  vnbrvderlich, 

mehte  ich  im  erwerben  daz  himmelrich  290 

vnde  lieze  ich  in  denne  werden  verlorn, 

die  von  einer  miiter  sint  geborn.' 

der  engel  in  gar  vrolich  ansähe, 

vil  gütlich  er  zv  im  sprach 

'Valeriane,  wizist  daz  von  mir  295 


270  icli  ßhll  290  ich  mir?   vgl.  granun.  iv  327.     Rückert  zum 

Wälschen  gast  12541.   —   ut  fratrem  meum   Tiburtium   sicut   me  liberale 
dignetur  et  faciat  nos  ambos  in  sui  nominis  confessione  perfectos 


174  SANT  CECILIA 

daz  din  bette  gölte  lieber  ist  deniie  dir, 

wan  es  vrowet  sich  alles  daz  in  himelrich 

ist,  swenne  ein  simder  bekeret  sich. 

vnde  sit  dv  anders  niht  liest  begert, 
300  so  bistu  der  bette  von  gotte  gewert, 

vnde  alse  dv  von  Cecilien  wortenn  wrde  bekeret 

also  wirt  er  och  von  iv  beden  geleret 

daz  er  die  ab[49'']g6tte  versmahet 

vnde  den  heiligen  tof  enphahet. 
305  dar  nach  koment  ir  bede  vrolich 

mit  grozer  niarter  in  daz  himelrich.' 

vnde  do  der  engel  geredde  daz, 

vil  shiere  er  do  vor  in  verswnden  was. 

Valerianus  vnde  Cecilia 
310  dv  zwei  bliben  alleine  da. 

sü  lobten  got  vmbe  die   gnade   dv  in  was  beshehen 

daz  SV  den  engel  hatton  gesehen 

vnde  vTTibe  daz  gut  mere 

daz  er  in  seile  daz  er  vmbe  sinen  bruder  erhöret  were. 
315  do  dis  ergangen  was  alsus, 

do  kam  sin  bruder  Tyburcius, 

in  die  kemenaten  er  zu  in  gie, 

Cecilivn  er  gutlich  vmbe  vie, 

er  tructe  si  zu  im  an  sinen  lip, 
320  wan  er  wände  si  were  sines  bruder  wib. 

mit  den  ogen  er  [50']  vaste  vmbe  sähe, 

alsus  er  zu  in  beden  sprach 

'o  wannan  kvment  dirre  suzen  rosen  smak? 

es  ist  doch  ein  kalter  wintertag. 
325  min  lip  so  suzes  smakes  nie  bevant, 

so  ich  doch  rosen  hatte  in  miner  haut.' 

des  antvvrte  im  sin  bruder  do 

Valerianus  vnde  sprach  also 

'daz  du  des  suzen  smakes  so  shiere  enphunde, 
330  des  liet  mich  got  gewert  an  dirre  stunde, 

308  in  der  quelle  wird  erzält  wie  der  oigel  wider   in    den  tiimmel 
zurückgekehrt  sei  i/tid   was   er  dort  getan  322  baden  324  hoc 

tempore      7iach  326  confiteor  vobis,  ita  suni  refectus,  ut  putem  me  totum 
subito  renovatum 


,  SANT  CECILIA  175 

wiltu  aber  aa  in  globen, 

so  wirstv  die  blimien  gebende  mit  dinen  ogen, 

von  den  der  suze  smak  da  gat. 

vnser  ieweders  ein  schapel  \(  sinem  bopte  hat, 

von  lylien  vnde  von  rosen  rot,  335 

ein  engel  uns  si  mit  siner  hende  bot, 

der  brahte   sv  von  dem  paradyse 

vnde  [50'']  ist  vf  ertrich  nie  man  so  wise       • 

der  die  blumen  kvnne  geseben,  wan  wir, 

ich  wil   ir  betütunge  och  sagen  dir:  340 

es  betütent  die  rosen  rot 

daz  man  dür  got  sol  williklich  liden  den  tot; 

so  betütet  der  wizen  lyhen  shin 

daz  der  menshe  an  übe  vnd  an  herzen  kvshe  sol  sin.1 

do  Valerianus  geredde  daz,  345 

Tiburcius  gar  sere  ershroken  was; 

doch  antwrte  er  gar  vorhtekhch  do 

sinem  brüder,  er  sprach  also 

'der  redde  ich  dir  nicht   geantwrten  kan, 

ich  wil  si  rehte  für  einen  trome  han.'  350 

Valerianus  begonde  aber  iehen 

'wir  sin  vnz  her  in  einem  trome  gelegen, 

der  trom  ist  aber  nv  benomen, 

wan  du  warheit  ist  ze  liebte  komen. 

ich  wil  dir  in  Ijrvderlicher  triwe  [51*]  sagen  355 

daz  ich  bewiset  bin  in  kvrzen  tagen, 

die  gotte,  die  wir  haben  geeret  vil, 

daz  die  sint  alles  des  tyevels  spil. 

es  ist  enbein  ander  got  vC  ertrich, 

wan  der  och  gewere  got  ist  in  himelrich  36o 

den  die  cristenlvte  betont  an, 

des  soltv  enheinen  zvvievel  han.' 

Tyburcius  sprach  'bewise  mich  iias, 

wer  dich  habe  geleret  daz.' 

Valerianus  sprach  'es  hat  geleret  mich  365 

gottes  engel  von  himelrich. 


334  V.  262  ielweder         340—347  fe/il(  in  der  quelle  353  liuii 

358  daemonia        3e3/'unde  lioc  nosti? 


176  SANT  CECILIA 

vnde  willil  minv  woit  meinen 

daz  dv  dich  mit  dem  tofe  lazest  reinen 

vnde  wilt  an  got  globen, 
370  so  mahtv  den  engel  gesehen  mit  dinen  ogen.' 

Tyburcius  sprach  'vnde  kan  daz  l>eshehen 

daz  mich  sich  der  engel  laze  sehen, 

so  wil  ich  mich  lazen  reinen; 

doch  mag  ich  niht  [51'']  von  herzen  meinen 
375  daz  ich  die  abgote  laze  varn, 

die  in  aller  der  weite  anbettont  rieh  vnde  arme, 

wan  daz  da  heizet  dv  cristenheit: 

da  von  sii  och  lident  not  vnde  erbeit.' 

des  antwrte  sant  Cecilia  gar  wislich  do 
380  Tyburcio  vnde  sprach  also 

'owe  lieber  bruder  min, 

wie  kan  ein  solich  bilde  din  got  gesin, 

daz  man  von  steine  aide  von  holze  machont, 

es  weinot  noch  enlachet; 
385  swie  im  sint  gemachot  du  ogen  vnde  der  munt, 

so  ist  im  doch  sehen  vnde  reden  vnkvnt, 

sine  füze  kvnnen  niene  gan, 

die  hende  mvgen  niht  enphane, 

sinü  hder  hant  enheine  kraft. 
390  nv  wil  ich  dir  ein  bishaft 

geben :  sihe  an  einen  toten  lip, 

es  si  man  [52"]  aide  wib, 

swenne  du  sele  k\Tnet  hin, 

so  het  er  fürbas  enheinen  sin, 
395  swie  er  doch  habe  ellii  lider  vnde  dv  ogen, 

so  ist  es  doch  an  alles  logen 

daz  er  mit  den  ogen  mugen  sehen, 

aide  mit  dem  mvnde  klafen, 
400  also  sint  och  du  abgot  geshafeu. 
du  liest  och  wol  geboret  daz, 

369  will  fehlt         372  (•-/.  §•;■.  iv  630  380—422  miror  ul  non 

intelligas,  figuias  fictiles,  gypseas,  ligneas,  aereas  atqiie  lapidcas  vel  cuius- 
cunique  metalli  deos  esse  non  posse,  quas  araneae  texunt  et  aves  stercorant, 
in  quoium  capitibus  solent  sibi  ciconiae  nidos  construere.  — 


SANT  CECILIA  177 

wel  böser  Diensche  Satvnuis  was, 

iuwer  got  \i  ertlich  an  dem  ir  so  veste  sint, 

der  selbe  gaz  sinu  eigenen  kint; 

Jovis,  den  ir  och  bettont  an,  405 

der  was  och  ein  verthichter  man, 

sin  swester  kvnde  vor  im  niht  genesen, 

si  muze  och  sin  wib  wesen, 

Apollo  vnde  3Iercurius,  Jupiter  vnde  ander  gotte, 

der  ir  gar  vil  heint  .  .  .  410 

der  ich  aller  niht  nemmen  wil. 

ir   hant    och   gottennau  vil, 

[52'']  daz  waren  versmehte  vrowen, 

Juno  vnde  Diana,  V'enus  vnde  Festa, 

vnkushekeit  sü  nie  verniilten.  415 

nach.disen  lüten  sint  iuwer  gbtte  gesniteu, 

mit  Silber  aide  mit  golde  vberzogen. 


si  tragent  wol  diebe  nahles  hin. 

wie  kan  daz  iemer  komen  in  deheines  menshen  sin  420 

daz  er  ein  solich  bilde  bitet  vmbe  helfe  vnde  vrabe  rat, 

daz  im  selbe  weder  selde  noch  ere  hat?' 

des  antwrte  ir  Tyburcius  do 

gar  balde  vnde  sprach  also 

'of  mine  warheit  ich  des  gihe:  425 

swer  des  niht  gelobet  der  ist  ein  vihe.' 

Ceciha  aber  zv  im  sprach 

do  si  sin  geueigetes  herze  sah 

'nv  wil  ich  din  ze  mage  veriehen, 

wan  ich  geboret  hau  vnde  gesehen  43O 

[53'J  daz  (Iv  gotlich  minne 

die  abgot  hat  vertriben  vs  dinem  sinne.' 

sant  Cecilia  vil  balde  zv  im  giench, 

gar  gütlich  si  in  vmbeviench 

410  elwa  zo  spolo  zu  ergänzen,     vgl.  1612  413  ist  vrowan  zu 

schreiben  oder  unordtiung  in  der  überlieferwig  anzu?iehme7i  ?  421  es 
ein  423/7"  lunc  cum  oimii  alaciitate  T.  ait:  qui  ita  iiou  credit  pecus  est. 
Pass.  634,  24/7"  swer  "iht  der  edeln  wAiheit  geloubet,  als  du  spricliest  hie, 
der  ist  genzlich  ein  vie.  fehlt  bei  Surius ,  in  der  leg.  aiirea  und  bei 
Hermann  von  Fritslar         428  =  v.  99.  1142 


178  SANT  CECILIA  , 

i 

435  vnde  sprach    'dv  solt  bi  nvte  lan, 

du  sülist  beide  mit  dinein  bruder  gan 

vnde  dich  reinen  von  dinen  shulden 

daz  du  mugist  komen  zu  gottes  hulden, 

Avan  swenne  dir  daz  ist  beschehen, 
440  so  mahtv  engelshlichv  antlvte  gesehen.' 

Tyburcius  Valerianus  an  sähe, 

vil  giitUch  er  aber  zu  im  sprach 

'bruder  min,  ich  beswere  dich 

daz  dv  mir  sagest,  war  dv  wellest  füren  mich.' 
445  'bruder  min,  daz  sage  ich  dir, 

ich  wil  dich  füren  zv  einem  man,  der  het  och  den  tof  geben  mir, 

[öS"*]  Vrbanus  so  ist  er  genant. 

heiliger  man  wart  mir  nie  erkant 

an  Worten  noch  an  geberden, 
450  sin  genoz  lebet  niene  vf  der  erde.' 

des  antwrte  Tiburcius  do 

Valerianus  vnde  sprach  also 

'owe  bruder,  meinest  dv  den  man, 

den  die  cristenlüte  für  einen  habest  wen  han? 
455  io  bore  ich  von  dem  selben  sagen 

daz  er  zwein  malon  si  gevangen  vnde  geslagen 

umbe  cristen  globen 

vnde  ist  nu  vil  togen 

mit  vil  grosen  sorgen 
460  bi  den   cristenen  lüten  verborgen. 

wan  swa  er  dem  keiser  wrde  erkant, 

in  einem  füre  wrde  er  verbrant 

vnde  swie  man  uns  bi  im  fünde, 

nieman  [54"]  vns  beshirmen  kondi, 
465  swie  wol   man  uns  erkennet, 

wir  wrdin  mit  im  verbrennet, 

vnde  so  wir  wandin  suchen  got  von  himelrich, 

so  verlorin  wir  vnser  iunges  leben  vf  ertrich.' 

des  antwrte  saut  Cecilia  balde  do 
470    Tyburcius  vnde  sprach  also 

434  SCaecilia  osculata  est  pectus  ejus  467  f  et   dum   quaerimus 

divinitatem  in  coelis  latentem ,  incuriimus  furorem  in  terris  exurentem 


SANT  CECILIA  179 

'bruder,  werin  wir  niht  gewiz 

daz  ein  ander  leben  nacb  disem  were  bezir  denne  dis, 

so  soltin  wir  mit  allen  vnseren  listen 

disen  lip  vf  langes  leben  vristen. 

so  sigen  wir  von  got  sicher,  475 

swenne  der  mensche  mit  rehte  kvmet  dar 

daz  er  dvr  got  sol  liden  den  tot, 

so  mag  der  lip  wol  liden  hie  eine  kleine  [54'']  not; 

swenne  aber  dem  libe  hie  ein  ende  wirt  geben, 

so  enphahet  dii  sele  ein  vil  bezer  leben.'  480 

des  antwrte  Tyburcius 

sant  Ceciliun  alsiis 

'vnde  ist  ein  ander  leben  nach  disem  libe, 

daz  horte  ich  nie  gesagen  von  mannen  noch  von  wiben. 

ich  wände  swenne  der  mensche  erstürbe  485 

vnde  der  lip  begraben  .... 

daz  er  niemer  gewnne  weder  leit  noch  vrode  me 

vnde  daz  im  were  weder  wol  noch  we.' 

des  antwrte  sant  Cecilia  Tyburcio 

gar  balde  vnde  sprach  also  490 

'daz  leben  damit  der  mensche  vf  ertrich  lebet, 

daz  den  lip  vf  enthebet, 

des  nimestv  selbe  gute  war 

daz  es  ist  vnsicher  gar. 

dem  menschen  mach  vil  lihte  an  den  ogen  [55*]  geschehen  495 

daz  er  furbas  niht  me  kan  gesehen, 

gar  lihte  es  sich  och  gefügen  kan 

daz  er  wirt  an  henden  vnde  an  füzen  lan 

vnde  so  er  di  spise  wil  niezen  vmbe  des  hungers  not, 

so  mag  er  vil  lihte  daran  gessen  den  tot,  500 

vil  dike  ist  och  daz  geshehen 

daz  man  von  wazer  aide  von  füre  tote  lüt  hat  gesehen 

vnde  von  meniger  bände  dinge 

kvmet  daz  der  mensche  den  lip  vcrlnret  gar  geringe; 


485—88  fehlen  in  der  quelle  486  wurde  ergänzt  Greilh  495 
die  beispiele  in  der  quelle:  vila,  quam  humores  tumidant,  dolores  exte- 
nuant,  ardores  exsiccant,  aeres  morbidaut,  escae  inflant,  ieiunia  macerant 
501  gesehen 


180  SANT  CECILIA 

505  aber  daz  leben  daz  nach  disem  libe  gat 

iemer  ewiklich  daz  bestat. 

niemer  me  gewinnet  er  einhein  leit, 

an  libe  noch  an  sele  enhein  erbeit 

swer  hie  mit  gote  sin  leben  vertribet 
510  vnde  steteklich  an  im  belibet 

dem  git  er  an  sele  [55'']  vnde  an  libe  in  himelrich 

die  vrode  daz  nie  menshe  wart  so  kvnsterich, 

daz  von  den  vroden  kundi  gesagen  ze  vollem  werde 

vnder  allen  lüten  die  ie  gelebten  vf  der  erde. 
515  swer  aber  den  tof  niht  enphahet  swenne   der  mensche  erstirbet, 

dii  sele  dar  ewiklich  verdirbet: 

vnde  alse  nie  einhein  mensche  vf  der  erde 

von  dem  himelrich  konde  gesagen  ze  vollem  werde, 

also  wart  och  nie  enhein  mensche  geborn, 
520  der  kondi  gesagen  von  dien  die  da  vershuldent  gotes  zorn 

wie  grose  not  sü  gewinnet, 

wan  si  ewikhch  in  der  helle  brinnet,' 

do  sant  Cecilia  geredde  daz 

Tyburcins  vragete  si  aber  forbas. 
525  er  sprach  'sage  [56']  mir,  Cecilia, 

wer  mach  gesprechen  daz  er  were  da 

der  die  vrode  habe  gesehen, 

von  der  ich  dich  hie  bore  gehen, 

aide  wer  hat  ze  der  helle  gesehen  die  grozen  not, 
530  der  her  wider  sige  komeu  der  e  was  tot?' 

vnde  do  Tyburcins  geredde  daz, 

sant  Cecilia  zu  im  nider  sas, 

si  sprach  'briider,  diu  vrage  gevallet  mir  von  herzen  wol, 

vil  gerne  icli  dich  bewisen  sol 
535  wer  der  ist  der  da  ze  gegeni  was. 

nu  merke  wie  sich  fugete 

der  got,  dem  wir  cristenen  liite  dienen  mit  vorhte, 

daz  ist  der  got  der  elli  dinch  geshuf  mit  einem  worte 

520  dien  IFeinh.  §  419  533—676    hat    die  quelle  ganz  anders 

und  ungleich  weiiläufliger ,  indem  zuerst  die  dreieinigkeit  besprochen^ 
dann  die  Lebens-  und  leidensgeschichte  Christi  detailliert  erzält  wird, 
noch  stärker  hat  Snrius  bOC->  ff  das  gespräch  erweitert,  im  Passional 
grösten teils  aufgenommen         536  daz  ergänzt  Greith 


SAINT  CECILIA  181 

vnde  die  erstvn  creature  geshut  er  in  dem  himelrich. 

daz  waren  nun  köre  der  engel,  die  wai'en  alse  [56'']  wunneklich  540 

daz  sich  eine  vnder  in  gottc  wolte  geliehen. 

davon  er  vnde  die  in  sineni  köre  muzen  entwichen, 

wan  got  SU  von  dem  himel  in  die  helle  treib. 

da  von  der  selbe  köre  lere  bleib.  , 

den  kor  wolte  got  orlullen  wider  545 

vnde  geschvf  Adam  vnde  Evam  hie  nider. 

daz  er  den  köre  erfulti  mit  der  mensheit 

daz  was  dem  tyevel  also  leit, 

wan  er  von  den  vroden  verstozen  was, 

vnde  warf  an  den  menshen  sinen  has.  550 

mit  sinem  valshen  rate  er  in  gevie 

vnde  geschvf  daz  er  gotes  gebot  vber  gie. 

davon  er  vershulte  sinen  zorn, 

daz  allen  die  von  im  wrden  geborn 

daz  himelrich  wart  [57*]  vor  verspart  555 

unz  daz  got  selbe  mensche  wart. 

do  er  sich  wolte  erbarmen 

vber  Adam  vnde  vns  armen, 

daz  er  der  mensheit  hülfe  wider, 

do  neigete  er  sich  von  dem  himel  hernider  560 

vnde  wolte  abe  lazen  sinen  zorn. 

von  einer  megede  wart  er  geborn, 

vf  ertrich  er  alse  ein  ander  mensche  gie 

an  siinde  die  er  nie  begie. 

gar  verborgen  was  sin  gotheit,  565 

alse  uns  du  heilige  slirift  seit, 

unz  er  uf  drizich  iar  kam. 

do  wart  er  getofet  in  dem  Jordan. 

sine  gotlichun  kraft  er  do  sehen  lie 

an  menigen  zeichen  dv  er  begie :  570 

wazer  machot  er  zc  wine 

(daz  sahen  die  iunger  sine), 

blinden  toben  vnde  lam 

aide  swaz  siechen  [57 ''J  zv  im  kam, 

die  machot  er  gesunt  mit  einem  worte.  575 

554  alle        573  todeii 

Z.  f.  D.  A.    neue  fok-e  IV.  13 


182  SANT  CECILIA 

die  tyefel  hatton  och  zv  im  groze  vorhte, 
swa  Sil  waren,     so  er  in  wolte  gebieten 

es  werin  vrowen  aide  man, 
580  so  waren  sii  im  gehorsam. 

die  toten  hiez  er  vf  stau. 

wan  sähe  in  vf  dem  mere  gan. 

die  lange  veitsiech  waren  gewesen, 

der  ist  vil  von  im  genesen, 
585  vnde  meniger  hande  zeichen  von  im  geshach 

dii  vf  ertrich  nie  menshe  gesach. 

dis  was  den  luden  also  swere 

daz  Sil  sprachen  er  were  ein  zoberere. 

Sil  shufen  daz  er  wart  gevangen 
590  vnde  geslagen  an   sinii  wan  gen; 

er  leit  vil  meniger  hande  not 

vnde  darnach  den  grimen  tot. 

dis  [58*]  tet  er  alles  willeklich 

wan  er  wize  daz  wol  sicherlich 
595  daz  du  meusheit  iemer  müze  sin  des  tyevels  gevangen, 

er  hette   si   denne  erloset  mit  sinen  banden. 

er  wart  gevangen  von  rehter  urbunst 


vnde  wart  im  in  spotwiz  ein  phellor  angeleit 
600  daz  er  uns  vazati  mit  dem  ewigen  kleit. 

er  wart  och  mit  geselan  vil  sere  geslagen 

vnde  muze  selbe  vf  sinem  ruggen  daz  cruce  tragen.3 

daz  tet  er  vmbe  die  si'inde 

die  wider  hatte  getan  alles  menshelich  künne. 
605  an  dem  cruce  leit  er  für  vns  vil  grose  not, 

da  mit   uberwant  er  den  ewigen  tot. 

da  von  verlor  dv  sunne  vnde  der  mane  ir  liebten  shin, 

wan  SU  muzen  [58''J  von  sinem  tode  trvrich  sin. 

daz  ertrich  wart  sines  todes  wol  gewar, 
610  wan  es  ershule  sich  so  gar 

daz  die  steine  zerspielten  sich, 

wan  ir  shepher  von  himelrich 

600  vazati  isl  den  helspielen  bei  Weinh.  §  10  zuzufügen 


SANT  CECILIA  183 

vnibe  vnshvlde  leit  so  grose  not 

vnde  darzu  den  grimcn  tot. 

sines  todes  wart  och  du  helle  gewar,  615 

wan  sin  heilige  scle  für  mit  gewalt  dar 

vnde  lozle  da  alle  die  sinen  willen  hatton  getan, 

wan  die  wolte  er  niht  nie  in  erlteiten  lan. 

des  sie  selbe  gezuge  waren: 

wan  die  e  lange  in  der  erde  begraben  waren  620 

die  erstunden  mit  im  an  dem  dritten  tag 

unde  seiton  von  grosen  klage 

die  si  lange  hat[59^]ten  gehan, 

vnde  wie  er  zu  in  ze  der  helle  kan, 

do  er  an  dem  cruce  erleit  den  tot,  625 

vnde  SV  erlozte  von  aller  not. 

sin  urstende  ist  ane  alles  logen, 

wan  in  sahen  man  vnde  vrowen  mit  ir  ogen 

vierzich  tage  nach  siner  urstende. 

er  bot  in  dar  die  situn  vnde  sine  hende  630 

vnde  liez  sv  sines  todes  zeichen  sehen 

du  im  an  dem  cruce  waren  beshehen, 

Avan  etlich  wolten  sin  urstende  niht  geloben: 

du  bervrtin  denne  sine  wundan  vnde  sehin  sü   mit  ir  ogen. 

vnde  do  er  nach  siner  vrstende  vierzich  tage  vf  ertrich  was,         635 

vnde  bi  sinen  lieben  iungeren  stvnt  vnde  saz, 

er  zeigete  in  (59'']  vil    menig  gut  werch. 

an  dem  vierzegosten  tag  l'vrte  er  su  vi"  einen  berch 

vnde  hies  sü  predion  erislen  globen 

öffentlich  vnde  niht  togen,  640 

er  hies  sü  och  in  alle  die  weit  lollen 

vnde  die  lüte  in  sinem  namen  tofen, 

wan  swie  vil  guter  wercli  tvnt  die  lute 

du  helfent  si  ane  den  lof  zc  nvte. 

er  gab  inen  sinen  gewalt  645 

daz  SU  tetin  zeichen  menigvalt, 

wan  swas  von  im  vf  ertrich  zeichen  wart  gesehen 

du  sint  och  von  den  heiligen  zwelfbotten  geshehen, 

viide  swa  man  noch  vindent    ir   genos 


619  (uifser  diesem  rührenden  reim  noch    vol  :  vol  927.  8 

13* 


184  SANT  CECILIA 

650  ilie  tviit  noch  hvte  zeichen  gros. 

vnde  do  er  vil  mit  inen  geredde, 

do  Seite  er  [60^]  in  daz  er  zit  hette 

daz  er  zv  sinem  vater  wolti  varn, 
•  die  cristenheit  soltin  si  hie  wol  liewarn. 
655  do  er  du  wort  geret  mit  in, 

vor  ir  angesiht  fvr  er  in  den  himel  hin; 

daunan  kvmet  er  an  dem  ivngesten  tag 

vnde  het  vf  die  vil  grossen  klage 

die  hie  niht  nach  sinem  willen  wolten  lehen; 
660  du  ewige  helle  wirt  in  ze  teile  geben 

die  er  dem  tyevel  bereit  hat, 

vber  Sil  hilfet  forbas  einhein  gebet. 

die  aber  hie  in  sinem  willen  sint, 

zu  den  sprichet  er  'koment  zv  mir,  minii  gesegneten  kint, 
665  besizet  mines  vater  rieh 

vnde  haut  iemer  vrode  mit  mir  ewiklich.' 

du  vrode  wirt  da  also  grosse, 

wan  SV  werdent  [60'']  da  gottes  genoz, 

daz  nie  mensche  geborn  wart  vf  der  erde 
670  der  von  der  vrode  gesagen  kondi  ze  vollem  werde 

ane  got  alleine,    vnde  wan  er  viis   die   vrode  hat  bereit 

mit  sinem  tode  vnde  mit  sin  er  erbeit 

die  er  hie  leit  vf  ertrich, 

da  von  liden  och  wir  so  willeklich 
675  den  tot  vnde   swas  uns  arbeit  mag  angan, 

wan  er  es  e  dvr  vnsern  willen  het  getan.' 

vnde  do  D^cilia  geredde  daz, 

Tyburcius  also  sere  ershroken  was 

daz  im  erziteroten  elli  sinii  lider. 
6S0  für  sinen   brüder  viel  er  nider 

vf  die  erde  vnde  gewan  vil   grose  riiwe. 

er  sprach  ']}rüder,  ich  ermaue  dich  briiderlicher  triwe 

daz  dv  mich  |6r]  fürest  zv  Urbano   dem  guten  man 

der  die  liUe  von  ir  svnden  vereinen  kan. 


670  das  hiei-  besonders  auf/allende  enjambement,  welches  oft  ähn- 
lich vorkomml ,  gehört  zu  den  zeichen  besoiidever  formlosigkeit  und  U)l- 
hlarheil  des  denkens 


SAM  CECILIA  1S5 

sit  ich  der  bewiset  bin  685 

(daz  e  nie  komen  was  in  niineu  sin) 

von  dem  lebenne  daz  nach  diseni  libe  gat, 

daz  ietweder  ewige  leit  aide  ewig  vrode  hat, 

vnde  globe  och  daz  sicheilich 

daz  Ceciha  niht  sie  so  kvnsterich  690 

daz  si  du  wort  von  ir  herzen  erdenken  kvnne, 

wan  daz  si  ein  engel  gesprochen  het  vzer  ir  munde. 

ich  sagen  in  och  beden  daz 

das  min  hp  niemer  enphahet  einhein  mas 

e  daz  ich  vor  Vrbano  hge  an  der  erde,  695 

wan   ich  fiirhte  daz  mir   dv  stvnde  ze  kvrze  werde.' 

vnde  do  Tyburcivs  geredde  [61'']  also, 

Valerianns  vnde  Cecilia  waren  von  herzen  vro. 

Valerianus  uam  Tyburcius  an  sine  hant 

vnde  fürte  in  da  er  den  guten  Vrbanum  vant.  700 

si  wrden   von   im  gutlich  enphangen. 

do  Seite  im  Valerianus  wie  es  was  ergangen. 

Tyburcius  viel  für  Vrbanum  an  die  erde 

vnde  hat  gar  klagelich  gelterde, 

er  bat  im  den  heiligen  tof  geben  ■  705 

vnde  sprach,  er  wolti  gerne  nahe  cristen  gioben  leben. 

do  der  gut  Vrbanus  erhörte  daz 

wie  gar  vol  sine  herzerüwe  was, 

er  hvbc  uf  die  hende  vnde  lobte  got  von  himclrich 

daz  Valerianus  vnde  Cecilia  waren  so  gnadenrich  710 

daz  Sil   got  so  gutlich  hatte  geret 

vnde  Tybur[62']cius  Avas  von  inen  bekeret. 

darnach  sprach  er  im  vor  cristen  globcn 

vnde  toftc  in  do  vor  sines  brüder  ogen 

nah  rehte  der  heiligen  cristenheit  715 

vnde  leite  im  do  an  ein  wizes  kleit 

daz  man  da  heiset  den  wcsterhiit, 

als  man  noch    den    kindcn    tiit. 

vnde  do  er  wart  von  sinen  siindcn  reine. 


688  einwcdcr  vgl.  v.  262.  334  715//"  vi  l)aptizans  eum  sccum  esse 
piaecepit,  quoad  usqne  albas  dciKnicrct:  (jik'ih  porfoctiiiii  doctriiia  siia  per 
Septem  dies,  Christo  niilitcin  ciiuscnavit 


186  SANT  CECILIA 

720  ilo  gieiicli  Valerianus  wider  heiii 

viule  Seite  mit  worten  Cecilieu  daz 

mit  wie   groser  riiwe  sin  hruder  getofet  was. 

Tyburcius  bi  Vrbano  bleip  siben  nabt, 

die  vertreib  er  lii  im  mit  gebette  viule  mit  aiidaht. 
725  vnde    do   ein    ende  namen    die    siben    nabt  vnde    der   acbtot   tag 

was  komen, 

do  wart  im  daz  tofgewant  abe  [62'']  genomen, 

wart  im  ein  ander  wizes  gewant  angeleit 

ze  einem  zeicben  der  niiwen  cristenbeit. 

von  ^'rbano  den  segen  er  enpbie. 
730  wider  hein  er  zv  sinem  briuler  gie. 

vnde  do  er  in  daz  bvs  kam  gegangen, 

do  wart  er  von  sant  CeciHen  gar  vrolich  enpbangen 

vnde  von  sinem  bruder; 

SV  bliben  da  bi  einander 
735  vnde  wart  alse  vollekomen  ir  drier  leben 

daz  sich  die  engel  sv  ze  allen  ziten  liezen  sehen; 

vnde  swes  ir  herze  von  gote  begert 

des  wrdeu  sii  von  im  gewert. 

vil  edelr  megede  wrden  von  sant  Cecilien  bekeret 
740  vnde  von  Tybnrcio  vnde  Valeriano  vil  edeler   iuugeliuge   geleret 

daz  SV  cristen  gioben  enphiengen. 

zv  saut  Ur[63^]bano  si'i  denne  giengen, 

der  tet  in  cristen  gioben  wol  erkant 

vnde   tofte   si'i  denne  mit  siner  hant. 
745  vnde  swaz  armer  cristener  liite  was, 

den    gaben   si'i  heinlich  gewant  vnde  ir  maz, 

wan  dii  cristenbeit  hatte  vil  grose  not, 

daz  man  ze  Ronie  liberal  gebot: 

sna  man  decheinen  cristen  menshen  fvndi, 
750  daz  man   im  des   lebennes  niime  gondi, 

vnde  swenne  dencheine  vmbe  cristen  gioben  wrde  erslagen, 

daz  in  denne  nieman  solti  begra])en. 

vnde  do  daz  gebot  ze  Ilomc  beshaeb, 

vil  menigen  marterer  man  da  vnbegraben  ligen  sah, 
755  wan  daz  Valerianus  vnde  Tylnircius 

723  Weit        740  v.  <\»  T. 


SAM  CECILIA  187 

SV  trvgen  iiahtes  [63''J  in  ir  huz 

vnde  begrvben  si  vil  lieinlich, 

die  selan  bevalen   sü  gote  von  hinielrich. 

gar   vlizeklich   taten  sv  bede  daz, 

ir  livs  niht  anders  wan  als  ein  kilkof  was.  760 

nv  wil  ich  der  rede  ein  ende  geben. 

von  ir  menigvaltigen  guten  leben 

vnde  wie  menich  zeichen  got  dvr  ir  willen  tet 

vmbe  ir  almvsen  vnde  vmbe  ir  gebet, 

daz  wrde  ze  sagenne  gar  ze  vil,  765 

wan  ich  iv  hie  nahe  kvnden  wil, 

wie  SU  ZV  der  niarter  kamen  vrolich 

vnde  enphiengen  von  got  von  hinielrich 

den  Ion  der  in  von  im  bereitet  was. 

nv  horent  wie  sich  fvgete  daz.  770 

es  was  do  bi  der  selben  zit, 

alse  uns  [64']  dv  shrift  vrkvnde  git, 

ze  Ronie  gesezzet  ein  rihter 

von  Dyocletiano  dem  keiser, 

Almachius  was  er  genant.  775 

swa  er  deheinen  cristen  menshen  vant, 

der  mvze  die  marter  vnde  den  tot  liden 

vnde  darnah  vnbegraben  bliben, 

nv  fugete  es  sich  do,  als  noch  dike  beshihet 

swa  man  gvte  lüte  sihet,  780 

daz  die  die  hosen  hazent  sere 

\nde  versmahent  och  ir  lere. 

alsvs  beschach  och  in  der  selben  zit. 

es   giengen   liue  dvr  ir  hosen  nit 

ZV  dem  rihter  Almachio  785 

vnde  seiton  im  daz  Valeriano  vnde  sin  brvder  Tyburcio 

nahtes  die  marteren  hein  trugin 

vnde  SV  mit  eran  begrvbin. 

im  wart  och  tVrbas  |64''|  nie  geseit, 

daz  SV  armen  cristen  gebin  spise  vnde  kleit  790 

vnde  ir  phelegin  alse  ir  selbes  lip, 

es  were  man  aide  wip. 

772  shiif        781  eine  ergünzjmg  ivird  kaum  nötig  sein.   vgl.  v.  932 


188  SAM  CECILIA 

do  im  daz  alles  wart  kvnt  getan, 

vil  balde  liiez  er  nach  inen  gan, 
795  daz  Sil  soltin  zu  im  komen 

Milbe  du  mere  dv  er  von  in  hatte  vernomen. 

vnde  do  sü  die  botshaft  von  dem  riliter  enphiengen, 

gar  vrolich  sv  do  zv  im  giengen, 

rehte  als  do  ein  keiser  einen  vromeden  gast 
800  geladot  vf  sinen  palast. 

vnde  do  der  rihter  sv  ersach, 

alsvs  er  zv  in  beden  sprach 

'ir  herren,  ich  han  vch  darvmbe  zv  mir  besant: 

mir  ist  ein  dinch  von  iv  worden  erkant 
805  daz  ivwern  adel  vnde  iuwer  [65"]  ere 

verswechet  harte  sere. 

wan  alle  Romer  hant  vernomen 

daz  ir  von  hoher  gehurt  vnz  her  sint  komen; 

nv  seit  man  daz  ir  heinlich  sigent  den  eristenen  luten, 
810  die  wir  vmbe  ir  vngloben  gar  verniiten, 

wan  sü  in  allen  romeshem  rieh  verholten  sint 

vnde  sint  och  worden  alle  vngemint. 

swa  man  deheiuen  vinden  kan, 

der  mvz  sterben,  es  si  wib  aide  man. 
815  mir  ist  och  von  iv  geseit, 

ir  gebeut  in  spise  vnde  kleit. 

wan  seit  och  von  iv  eine  grose  vnmaze, 

ir  gangent  nahtes  vs  an  die  straze, 

vnde  die  wir  ertötet  haben  vmbe  ir  vngloben 
820  die  svchent  ir  nah[65'']tes  vil  togen 

vnde  werden  gar  erberlich  von  iu  begraben, 

swie  oflenlich  wir  es  verboten  haben. 

IQQ  f  l'ehlt  in  de?-  quelle,  überhattpt  geben  die  nächsteyi  fünfzig  verse 
eine  misfUlirlicIiere  darstellnng  als  die  lat.  erzäbing.  dagegen  fehlt  in 
der  Unterredung  zivischeu  Ahn.  u.  Tib.  dem  gedichte  ein  gi'o/ses  stück 
der  lat.  quelle,  in  welchem  sich  der  heilige,  durch  den  richter  gedrängt, 
über  die  frage  von  quid  esse  videtur  et  noii  est  U7id  quid  iioii  esse  videlur 
et  est,  das  ist  zeitliches  und  eiviges  leben,  ausspricht  und  überdies  die 
wichtigsten  sätzc  des  Christenglaubens  darlegt,  bis  ihn  piaefectiis  jussit 
amoveri  et  applicari  Va  .  dies  stück  ist  bei  Surius  in  isolier  breite  ge- 
geben, in  der  legenda  aurea  etwas  gekürzt,  auch  das  Pass.  hat  es  636, 
10 /f,  bei  Nenn.  v.  Fritstar  aber  fehlt  es 


SA^T  CECILIA  189 

ist  daz  war  daz  ist  ein  wnder  groz 

vnde  ist  dem  glich  daz  ir  sigent  ir  genoz.' 

des  antwrte  Tyburcius  825 

dem  rihter  vnde  sprach  alsvs 

'von  den  dv  seist  daz  wir  sien  ir  genoz, 

daz  dvnhte  vns  von  got  ein  gnade  groz, 

daz  wir  mehtin  gesprechen  mit  rehte, 

daz  Avir  kondin  gesin  iro  knohte.  830 

SV  sint  hie  gar  ivwer  spot, 

daz  SV  den  tot  lident  vor  got 

vnde  vf  ertrich  hant  versmehtes  leben. 

darvmbe  in  got  ze  lone  wil  geben, 

so  er  sich  an  iv  wil  rechen,  S35 

daz  SV  vrteilde  über  [66'']  iv  svn  sprechen 

vnde  lip  vnde  sele  verdampnon  in  den  tot, 

da  niemer  ende  genimet  inwer  not.' 

des  antwrte  der  rihter  Almachius 

Tybiircio  vnde  sprach  alsvs  840 

'ich  han  von  dineu  worten  enheinen  zoru, 

wan  mich  dvnket  dv  halfest  dinen  sin  verlorn, 

vnde  swa  disii  rede  wrde  von  dir  geseit 

wan  spreche  du  retist  es  von  einer  topheit.' 

des  antwrte  Tyburcius  aber  do  845 

dem  rihter  vnde  sprach  also 

'ich  lian  vil  rechte  sinne. 

disu  Wort  lerent  mich  des  ewigen  gotes  minne 

den  ich  in  minem  herzen  trage 


850 


dv  wort  din  herze  niht  gemerken  kan, 

wan  dv  bist  ein  vihelicher  man.' 

do  [66'*1  Tyburcius  daz  gesprach, 

der  rihter  in  gar  spotlich  ansach. 

vor  den  lüten  er  sin  spoten  began  855 

vnde  liiez  in  dannan  füren  aise  einen  toben  man. 

für  in  wart  gefvret  sin  brüder  Valerianus. 

ZV  dem  sprach  der  rihter  alsns 


823  ist  (P  wor  852  Pass.  G36,  h2f  waml   vor   dir  vcrlärget  sich 

die  reclite  wisheit  zaller  vrist 


190  SAM  CECILIA 

'diu  briider  ist  worden  ein  tvniber  man, 
860  sin  rede  ich  niht  gemerken  kan, 

mich  dvnket  er  habe  sine  sinne  verlorn. 

nv  wil  ich  es  lazen  ane  zorn, 

daz  dv  mir  sagest  die  warheit, 

ob  es  war  si  daz  mir  von  dir  ist  geseit.' 
865  des  antwrte  im  Valerianus 

vnde  sprach  

'min  bruder  het  vil  rehte  sinne, 

wan  sin  herze  ist  vol  gotes  minne; 

dv  bist  ein  sinueloser  man, 
870  ^van  din  [67']  herze  niht  gemerken  kan 

dii  wort  du  dir  ze  uuzzen  mehtin  komen: 

da  von  ist  dir  din  rehter  sin  benomen.' 

der  rihter  aber  sprach 

'so  tobe  hlte  ich  nie  gesahe 
875  als  iu  cristen  lüte, 

die  weltlicher  ere  ahtont  ze  nvte 

vnde  für  vrode  minnont  trvrekeit 

vnde  für  edel  gewant  swachv  kleit. 

swaz  dem  libe  ze  vroden  komen  sol 
880  da  mit  ist  iv  bi  niite  wol, 

ir   hant  über  iv  selbe  enheinen  rvch, 

iv  ist  ein  lop  alse  ein  flvch, 

mit  trurekeit  vertribent  ir  iiiwer  leben, 

vnde  swaz  dem  libe  vf  ertrich  ze  vrode  ist  geben 
885  des  ahtont  ir  ze  mite: 

da  von  het   man   iv  fvr  tobe  lüte.' 

des  167'']  antwrte  Valerianus  aber  do 

dem  rihter  vnde  sprach  also 

'rihter,  ich  wil  dir  sagen  ein  mere 
890  des  bishaft  ist  vil  gewere. 

ich  gieng  in  eines  winters  zit 

vber  ein  velt  daz  was  vil  wit. 

da  sach  ich  menigen  armen  man, 

de  bvton  aker  vnde  wisan, 


890  ff  die  ganze  parabel  ixt  in  der  quelle  ivenig  schlagend,  weil  es 
sich  da  um  rosen  und  blumen  handelt,  höchstens  tan  melliflua  poma 


SANT  CECILIA  191 

in  die  wiiigarteii  sii  mist  trugen,  895 

daz  ertrich  si  vnibe  gruben, 

die  reban  su  vf  banden, 

vnde  swaz  si  vnkrvtes  funden 

daz  rvton  si  vz  vil  el^en, 

si  ahtoton  niht  weder  vf  wint  nocb  vf  regen.  900 

ir  erbeit  wagen  su  gar  geringe, 

Avan  SU  haton  gvt  gedinge, 

swenne  inen  kerne  daz  nuwe, 

daz  Sil  ir  erbeit  nibt  geruwe, 

SO  SV  daz  [68'J  körn  vnde  den  win  905 

ze  bvse  mit  vroden  brebtin  in. 

do  kamen  gegangen  dert  ber 

li'ite  die  biezen  miizeger, 

wan  sv  erl)eit  wolton  lian  bi  nvte. 

die  spototon   der   armen  Ivte  910 

do   sü  an  dem  kalten  weter  stvnden 


si  spracben  'wes  stant  ir  armen  toren  hie? 

iuwers  libes   mahtont  ir  icb  gevrowen  nie, 

daz  ir  an  disen  kalten  weter  stant  915 

vnde  nilit  mit  vns  milzicb  gant. 

wie  vertribent  ir  iuwer  zit  so  iemerlicb, 

ir  soltent  dem    libe   leben    vrolich 

die  wil  ir  mebtint  ban  das  ]el)en, 

daz  iv  an  dirre  weite  ist  geben.'  920 

also  spototen  sü  der  armen 

vnde  wolten  sich   nibt  vber  sv  [68'']  erbarmen, 

ir  erbeit  sii  nieman  geniezen  lie. 

nv  merke,  wie  es  dar  nach  ergie: 

do  dii  sumerzit  kam,  925 

du  friiht  vf  dem  velde  zilcn  l)egan, 

die  bome  wvhsen  ohses  vol 

vnde  die  reban  stvnden  mit  trvban  vol, 

daz  körn  begonde  rifen, 

wan  begonde  es  in  den  ehern  grifen,  930 

die  wisan  wrden  abe  gemet 

916  saii 


192  SAM  CECILIA 

vnde  die  die  akor  haton  se&et  ^ 

an  dem  regen  vnde  an  dem  winde,  \ 

die  giengen  vz  mit  ir  gesinde 
935  vnde  shniton  ir  körn  abe  vnde  ir  win 

vnde  fvrton  es  mit  vroden  in, 

ir  obs  vnde  swaz  sv  liaton  gesät, 

vnde  gewnnen  do   vil  guten  rat. 

SV  gi[69']engen  heim  vnder  ir  lach 
940  vnde  haton   da  vil  gut  gemach. 

do  daz   die  muzeger  sahen, 
'  die  in  e  da  toren  iahen, 

daz  sü  rieh  waren  in   dem  nüwen, 

sü  begonde  ir  muzekeit  vil  sere  ruwen, 
945  daz   SV  tag  vnde  naht  wolten  mvzich  gan 

vnde  enheine  erbeit  wolten  han. 

SV  begondon  sich  selber  klagon  do 

vnde  sprachen  zv  ein  anderen  also 

'owe  dis  sint  die  armen, 
950  vber   die  wir  vns  niht  wolton  erbarmen, 

do  wir  sü  vaste  erbeiten  sahen 

vnde  wir  in  do  toren  iahen. 

nv  ist  in  nv  ze  nvzze  komen  ir  erbeit, 

so  muzen  wir  han  iamer  vnde  leit; 
955  daz  wir  do  niht  wol[69'']ten   vmbe  gut  werben, 

da  von  muzen  wir  verderben. 

wir  wolten    sv  versmahen 

vnde  swa  wir  ir  deheinen  sahen 

so  spototen  wir  ir  armut. 
960  s\vas  si  taten   daz  dvnhte  uns  ze  nvte   gut. 

nv  sint  sv  uns  worden  vngelich, 

wir  sin  arme  so  sint  si  rieh. 

nv  sehen  wir  wo!  mit  den  ogen, 

daz  sv  die  wisen  waren  vnd  wir  die  toben, 
965  wan  SU  niht  nuizich  sint  gegangen; 

da  von    haut   sü  grosen  Ion  enphangen.' 

der  rihter  sprach  'waz  gat  mich  des  an? 

des  ich  vragcn  dich  Ix.'gan, 

des   hestu    enheine  antVvrte  mir  geben, 
970  wie  sich  [70*]  habe  gefüget  iuwer  tobes  leben.' 


SANT  CECILIA  193 

Valerianus  sprach  'daz  mcre  hau  ich  dir  geseit 

viide  allen  den  die  da  spotent  der  cristenlieit. 

des  meres  betütunge  sagen  ich  dir: 

die  armen  liite  daz  sien  Avir. 

alle  die  da  cristen  gioben  tragent  975 

vnde  an  gole  niht  verzagent, 

die  sint  hie  gar  iuwer  spot. 

daz  SV   ir  gut  gebeut  willcklich  dur  got 

vnde  swaches  gewant  iVr  gvtes  tragent 

vnde  die  marterer  begrabent,  980 

daz  SV  trvrekeit  ivr  vrode  minnot 

vnde  niemer  gute  zit  gewinnet, 

da  von  hant  si  von  in  vil  grozen  nyt. 

so   wizen   sü  wol  daz  es  nv  ist  [70'']  du  zit, 

die  wile  der  mensche  mach  daz  leben  han,  935 

daz  er  niemer  sol  muzich  gan. 

wan   so   dem    menshen   entwichet   du  zit, 

nieman  im  si  dar  nach  wider  git. 

wan  swaz  der  menshe  mit  trvrekeit  vnde  mit  iamer  seiget, 

mit  vroden  er  daz  shnidet  vnde  meit.  990 

swenne  dem  libe  wirt  ein  ende  geben, 

so  enphahet  du  sele  ein  ewich  leben 

vnde  so  ir  mvzeger  daz  denne  sehent, 

ZV  ein  anderen  ir  denne  sprechenl: 

owe   dis   sint  arme  cristen  lute,  995 

der  wir  ahtoton  ze   nute 

do  sü  arbeit  haton 

vnde  versmaheton   su  vnde  spototon 

ir  armvt  so  wir  muzich  giengen, 

gar  [IV]  vnwertlich  wir  sü  enphiengen.  lOoo 

nv  hant  sv  die  ewigvn  vrode  besezen, 

so  ist  vnser  ze  allem  gut  vergezen; 

wir  müzen  iemer  han  trurekeil, 

so  gesehent  ir  ogen  niemer  leit.' 

des  antwrte  der  riliter  aber  do  1005 


971//'  die  direcle  amoendting  der  parahd  auf  die  Christen  fehlt  in 
de}'  quelle  994  icliciit?  Greith  vor  1005  hat  die  quelle  nach,  einer 
dispulalion  über  die  bedeutung  der  priiicipcs,  die  von    l'al,    lioinuacioiies 


194  SAM  CECILIA 

Valeriano  vnde  sprach  also 

'ir  cristen  kviiuet  rede  vil. 

diner  tegdinge  ich  nvme  hören  Avil, 

Avan  tv  nach  minem  gehot 
1010  vnde  opher  Jovis  dem  hohen  got.' 

Valerianus  sprach  'des  beshihet  niht. 

Jovis  din  got   Avas   ein  hose  Aviht, 

er  Avas  vor  allen  menshen  vnreine 

von  morde  vnde  von  meine 
1015  von  liegen  vnde  von  triegen  — 

daz  Avil  ich  mit  iuweren  buchen  bcAveren.' 

do  Valerianus  ge[71'']redde  daz, 

der  rihter  gar  sere  erzvrnet  was 

daz  er  sinen  got  hatte  besholten. 
1020  er  sprach   'daz  miiz  dir  Averden  vergolten.' 

sinen  knehten  er  gebot 

daz  man  in  sliige  vnz  vf  den  tot. 

grose  steken  AA'rdeu  dar  getragen 

vnde  Avart  aiiz  vf  den  tot  geslagen 
1025  daz  im  daz  vleische  von  dem  gebeine  brach. 

in  sinen  erbeiten  er  also  sprach 

'Jesus,  lieber  herre  min, 

ich  loben  den  namen  din 

daz  dv  mich  miner  begirde  best  gcAvert, 
1030  des  ich  dike  von  dir  han  begert, 

daz  ich  dur  din  Avillen  lide  erbeit  vnde  not 

vnde  darzv  den  bitern  tot.' 

vnde  do  der  rihter  daz  erhörte 

Avie   lüzel  er  die  siege  vorhte 
1035  vnde  Avie  er  [72"]  got  lobte  in  siner  not, 

sinen  knehten  er  gebot 

daz  SV  in  vnde  sinen  l>ruder  nemin 

vnde  sü  in  ein  kerker  sliizin, 


genannt  werden,  eine  große  erörlening  über  die  geivallen  Jupiters  und 
des  Christengottes  1014  ntoiti  swcni  erg.  Greith.  vielleic/it  besteht  auch 
hier   der   reim    nur   in   der  gleich heit   der  flexionen  1022   fiistibus 

cacdi.      hier    ist   die    quelle    stark    gekürzt  worden  1033 — 1040 

fehlen  in  der  quelle 


SAM  CECILIA  195 

vnz  daz  ein  rat  wrde  geben, 

mit  weler  niarter  er  in  benenie  daz  leben.  1040 

vnde  do  der  rihter  gebot  daz, 

ein  böser  ratgebe  nach  bi  im  saz, 

gebeizen  was  er  Tranquillinus, 

der  stvnt  ^1'  vnde  sprach  alsvs 

Mierre  rihter,  es  ist  niht  wol  getan  1045 

daz  ir  si  deheine  vrist  lant  han, 

Avan  SAvie  ir  deheine  vrist  gebeut, 

alles  ir  giit  si'i  denne  nement 

vnde  gebent  es  der  cristenheit: 

daz  ist  ir  gewonheit.  1050 

vnde  so  ir  es  nach  ir  tode  Avent  vinden, 

so  ist  es  worden  armen   liiten  vnde  ir  [72']  kinden.' 

do  der  rat  was  geben, 

der  rihter  sprach  'daz  sol  beshehen.' 

ein  vrteile  galt  er  vnde  alsvs  1055 

'wan    sol  SU    tVren  zv   dem    abgothiis 

vnde  wen  si  im  niht  bringen  daz  opher, 

so  sol  man  sii  enthobten  mit  einander.' 

vnde  do  der  rihter  geredde  daz, 

sin  gesinde  vil  shiere  bereitet  was.  1060 

Sil  fvrton  SV  hin  nach  siuem  geböte 

gegen  dem  tempel  zv  dem  abgot. 

vnde  do   man  sii  fürte  von  dem  ribthus, 

do  rvfter  der  rihter  einen,  der  hiez  Maximus. 

er  hiez  in  gan  mit  innen  dar  1065 

daz  er  selbe  neme  war, 

ob  SV  dem  gote  woltin  opheron, 

so  solti  er  gewalt  han 

daz   er  su  ledig  lieze 

vnde  in  alles  ir  [73']  gvt  wider  geben  bieze.  1070 

woltin  su  aber  niht  opheron  dem  got, 


1056  iit  all  eis  ducerentiir  ad  agriim  Paguiii,  iibi  erat  statua  Jovis 
1064  .MaxiiiKi  iiiniiculaiiii  prat'fi'cti.  bei  Suvius  cubitularius.  Pass.  638, 
46:  tili  ritler,  .Maxiinns  fjrt'iiant.  Henn.  v.  Fi-itslar  24'>,  36:  M.  der  voil 
de),  si  bevolheii  wurden  in  deine  kerkere,  ebenso  leg.  aar.  \v^A\m\.m'v^\[\\r 
sancti  in  custodiam  .Maximi         1070  hiez 


196  SANT  CECILIA 

so  solti  man  sv  euthobten  nach  sineni  gebot. 

Maximus  des  do  niht  enliez, 

er  let  daz  in  der  rihter  hiez. 
1075  er  begonde  sere  dingen 

daz  er  sv  von  ir  globen  mehte  bringen. 

vnde  do  Maximus  mit  in  gie, 

alsvs  er  redon  an  vie 

'owe  wimneklichv   edelü  iugent, 
1080  du  noch  menich  iar  mehte  leben  mit  gvter  mugende, 

wer  hat  iv  disen  bösen  rat  geben 

daz  ir  dvr  iuweren  mutwillen  went  verUeren  iuwer  leben? 

sehent  au  iuweren  iungen  lip 


10S5  an  iuwer  frvnde  vnde  an  iuwer  gut 

vnde  kerent  wider  iuweren  mvt. 

[TS"*]  wie  sint  ir  worden  so  torhaft, 

daz  ir  gant  zv  dem  tode  alse  ze  einer  wirtshaft 

mit  vroden  vnde  mit  lachendem  munde, 
1090  so  ir  hie  sehent  weinon  alle  iuwer  kvude. 

warvmbe  ist  iu  lip  vnde  gut  geben, 

wan    daz   ir   soltint  vrolich  vnz  an  ivwer  ende  leb^n?' 

des  antwrte  Tyburcius 

Maximo  vnde  sprach  alsus 
1095  '0  Maxime,  ich  wil  dir  sagen, 

es  were  billich  daz  man  vnser  libe  solti  klagen, 

werin  wir  des  niht  gewiz 

daz  wir  ein  liezer  leben  fundin  denne  dis. 

wan  swenne   der  totslag   an  iins  wirt  begangen, 
1100  so  werden  wir  in  ein  ewich  leben  [74']  euphangeu 

daz  disem  lebenne  ist  vnglich 

daz  der  menshe  hie  hat  vf  ertrich.' 

^laximus  do  aber  sprach 

'so  tobe  lüte  ich  nie  gesach, 
1105  daz  ir  wenent  daz  ir  werdent  wider  lebende 

vnd<*  iu  selber  den  trost  gebeut. 


1083  sohent  a.  i.  iugen  1.  1088  writshaft  —  ad  iiiteritum  vestrum 
quasi  ad  epulas  festiaatis  1093  das  gespräch  zivische?i  Tib.  Fal.  tind 
Max.  wird  in  der  quelle  in  anderer  Ordnung  geführt 


SANT  CECILIA  197 

ich  sol  noch  den  ersten  sehen, 
der  von  warheit  mehte  iehen 
daz  er  wider  lebende  were  worden, 

der  hie  was  erstorben.'  lUO 

Valerianus  antvvrte  fvrbas, 
er  sprach  'Maxime,  dv  soll  wizen  daz, 
als  daz  gewant  bekleidet  den  lip, 
es  si  man  aide  wip, 

also  sol  och  dir  sin  erkant  1115 

daz  der  lip  ist  der  sele  gewant. 
vnde  alse  der  lip  nakent  blibent, 
swenne  man  im  daz  gewant  [74''J  ab  gezvhet, 
ze  glicher  wis  der  sele  beshihet, 

swenne  mau  den  lip  toten  sihet.  1120 

doch  wisist  daz  du  sele  niemer  erstirbet. 
wan  swie  der  lip  hie  vf  ertrich  wifbet, 
hat  er   gutü  werch  begangen, 
so  wirt  du  sele  in  daz  himelrich  emphangen. 

da  lebet  si  iemer  ewiklich,  1125 

wan  ez  w^art  nie  mensbe  so  kvnsterich, 
daz  mit  herzen  aide  mit  munde 
von  den  vroden  volleklich  gesagen  kvndi. 
vnde  swie  aber  der  menshe  hie  also  ^virbet 

daz  er  ane  gutu  werch  erstirbet,  1130 

so  enphahet  dv  sele  einen  flvch 
daz  got  vber  in  niemer  gewinnet  einheine  rvch 
vnde  ZV  der  ewigen  helle  sendent 
da  ir  arbeit  niemer  [75"]  volendot.' 

Maximus  davon  vil  sere  ershrach.  1135 

owe,  ich  gelebti   gerne  den  lag 
daz  ich  mehte  dis  kurze  leben 
vmbe  die  ewigvn  vrode  geben, 
wer  daz  ich  mehte  sicher  sin 

diiz  war  were  du  rede  diu.'  1140 

Valerianus  aber  zu  im  sprach, 
do  er  sin  genegetes  herze  sach 
'ich  wil  dir  geben  eine  gute  Sicherheit 

1107  selieiit         1124  ciiipliangen  fehlt         1132  in]  si? 
Z.  f.  D.  A.  neue  M-st  IV.  14 


198  SAM  CECILIA 

(laz  ich  dir  han  geseit  die  warhoit. 
1145  dv  solt  des  bi  nute  lan, 

dn  svlist  selbe  ze  gegeni  stan, 

so  du  marter  sol  an  vns  besheben. 

so  lat  dich  got  mit  dinen  ogen  sehen 

daz  unser  seien  vrolich 
1150  die  engel  fiirent  in  daz  himelrich. 

doch  must  dv  got  e  von  herzen  meinen 

vnde  dich  [TS""]  lazen  von  dinen  siinden  reinen.' 

Maximus  sprach  'wer  mag  daz  sin, 

der  mich  reine  von  den  sunden  min, 
1155  daz  ich  iuwer  selan  muge  gesehen?' 

Valerianus  begonde  aber  zu  im  sprechen 

'ich  han  erdaht  einen  list. 

da  gewinne  uns  disen  tag  eine  Vrist, 

wir  wen  darnnlie  der  marter  entrinnen, 
1160  so  wil  ich  die  liite  zv  dir  bringen, 

die  dich  von  dinen  sünden  künnen  gereinen, 

wiltu  got  von  herzen  meinen.' 

ein  vrist  gewan  in  do  Maximus 

unde  fvrte  si  bede  in  sin  huz. 
1165  Maximus  zu  inen  saz 

vnde  alles  daz  in  sinem  huse  was, 

si  horten  daz  gotes  wort  von  in 

vnde  gab  in  got  so  guten  sin 

daz  Maximus  mit  si[76'']nem  hvsgesinde  wart  bekeret 
1170  vnde  cristen  globe  vollekhch  geleret. 

vnde  do  der  tag  ein  ende  nam, 

sant  Ceciha  des  nahtes  gegangen  kam, 

si  brahte  mit  ir  priester  dar. 

do   wrden  sü  getofet  gar, 
1175  Maximus  vnde  alles  sin  gesinde 

mit  wibe  vnde  mit  kinde. 

die  naht  su  da  bi  einander  bliben, 

mit  gütlicher  rede  si  wart  vertriben. 

von  dem  abende  vnz  an  des  tages  zil 
1180  wart  da  nilit  geslafen  vil. 

1156  ielieii?  Greilh 


SAM  CECILIA  199 

vnde  do  frv  der  morgenrot  vfbrach, 

sant  Cecilia  stvnt  für  si  bede  vnde  sprach 

'eya,  gotes  riter  von  himclrich, 

stant  vf  in   gottes    namen  frolich, 

werfent  [76'']  von  iv  diu  werchder  vinstrun  naht  1185 

vn(Je  wefennet  iich  mit  ganzer  mäht 

mit  des  ewigen  lichtes  kleit 

vnde  enphahent  die  kröne  die  iv  ist  bereit. 

ir  hant  ervohten  der  weite  strit, 

der  vigent  vnder  iuweren  füzen  lit.  1190 

vergiezent  iiiwer  reines  blüt 

vrolich  vmbe  daz  ewig  gut, 

daz  da  niemer  zergat 


vliehent  der  weite  trurekeit  1195 

an  die  stat  da  ir  niemer  sehent  einhein  leit.' 

vnde  do  sant  Cecilia  geredde  also, 

SU  shieden  von  ein  ander  do. 

sant  Cecilia  gienk  wider  dannan  si  was  komen, 

Valerianus  vnde  Tyburcius  wrden  bede  genomen,  1200 

wan  fürte  su  hein  zu  dem  abgote  [77"]  hus. 

mit  in  gienk  och  Maximus. 

vnde  do  sü  in  daz  tempel  giengen, 

des  abgotes  ewarten  sü  enphiengen. 

do  SU  gehorten  warvnibe  si'i  dar  waren  komen,  1205 

sü  wolten  daz  si  wirocli  vnde  opher  hetin  genomen 

vnde  den  al)goten  hetin  braht. 

do  in  daz  erst  wart  zugedaht, 

do  sprach  Valerianus  vnde  Tyburcius: 


1210 


wir  wen  uns  dem  ze  opher  geben, 

von  dem  wir  vf  ertrich  gehebt  haben  unser  leben, 

der  sich  selbe  für  vns  ze  opher  bot. 

do  er  dur  uns  leit  den  tot, 

wir  kvnnen  im  bezers  niht  geben,  1215 


1183  da  luilitts  Christi  1184  stände  1189  strili  WQO  ff  fehlen 
in  der  quelle  1201  m  der  quelle  genaue  lokalangaben  1210  —  26, 
1228—42  feltlen  in  der  quelle 

W 


200  SAM  CECILIA 

deiine  misern  lip  vnde  vnser  leben: 

daz  wellen  wir  im  ze  opher  bringen, 

wan  [TT**]  wir  wellen  des  wol  gedingen 

daz  es  im  von  uns  si  werel, 
1220  wan  er  och  des  todes  diir  uns  hatte  begert.' 

vnde  do  Valerianus  geredde  alsus 

vude  sin  brvder  Tyburcius, 

do  was  der  weibel  balde  bereit 

vnde  zoh  in  beden  ab  ir  kleit 
1225  vnde  enthobtet  die  lieben  gebruder 

bede  mit  einander. 

vnde  do  der  totslag  da  beshach, 

do  shrei  Maximus  vnde  sprach 

'owe  daz  ich  ie  geliorn   wart, 
1230  daz  ich  so  lange  hau  gespart 

daz  ich  cristen  geloben  niht  enphie 

vnde  so  lange  in  der  tumpheit  gie! 

wan  daz  ich  wolte  globen  nie, 

des  bin  ich  bewiset  hie, 
1235  daz  du  sele  habe  nach  des  libes  tot 

[78']  ewige  vrode  aide  ewige  not. 

ich  wil  einhein  zwivel  han, 

wir  sülin  mit  libe  vnd  mit  sele  erstan.' 

do  Maximus  geredde  daz, 
1240  die  lüte  vrageton  in  furbas, 

wa  von  er  du  wort  heti  geiehen 

aide  waz  er  da  heti  gesehen. 

do  veriahe  er  den  liiten  offenlich 

vnde  sprach  'ich  sach  die  engel  von  himelrich, 
1245  die  waren  shoner  denne  du  sunne 

vnde  me  denne  ieman  gesagen  kunne. 

daz  gewant  daz  ich  sii  sach  antragen, 

von  dem  kau  ich  ze  vollem  werde  niht  gesagen. 

sü  kamen  an  der  stunde, 
1250  do  ir  selan  shieden  von  ir  munde 

unilc  enplii<'ug('n  die  seien,  die  waren  so  klar, 

daz  ich  |78''J  daz  wol  mach  gesprechen  furwar, 

1224  kiel         1236  habe  e.  vr. 


SAINT  CECILIA  201 

alse  reinii  liiteru  iiingil  kint, 

daz  wol  gezierte  mcgcde  sint. 

SV  enphiengeii  sü  in  ir  hcnde  bloz  1255 

vnde  was  ir  vrode  mit  in  so  groz 

das  ich  es  volleklich  nilit  kan  gesagen.' 

dis  Seite  er  mit  menigen  heizen  trehen. 

do  Maximus  geredde  daz, 

vil  beiden  da  ze  gegeni  was,  1260 

die  euphiengen  alle  cristen  globen, 

do  er  Seite  waz  er  sah  mit  sinen  ogen. 

vnde  dar  nach  do  dis  ergie 

vnde  dii  himelsche  vrode  die  selan  enphie, 

sant  Cecilia  gegangen  kan  1265 

dis  nahtes  vnde  brahte  mit  ir  priester  vnde  gute  man. 

si  na[79^]men  die  heiligen  marterer, 

Valerianum  vnde  sinen  bruder,  , 

vnde  begruben  si  mit  vrolichem  mute 

vf  sant  Cecihen  eigen  gute  1270 

vnde  begiengen  da  ir  marter  alle  die  naht 

mit  gebete  vnde  mit  andaht. 

nv  fugte  es  sich  in  denselben  tagen 

daz  Almachius  der  rihter  horte  sagen, 

wie  Maximus  offenlich  bette  veriehen  1275 

daz  er  ir  selan  hatte  gesehen 

mit  sinen  liplichen  ogen, 

vnde  daz  er  och  enphangen  bette  cristen  globen. 

sine  boten  santc  er  dar 

das  SU  der  warbeit  nemin  war.  1280 

die  boten  taten  balde  das. 

SU  iVnden  in  getofet  vnde  swer  in  sinem  huze  was. 

vnde  [79']  da  sü  dem  rihter  des  veriahen, 

vil  balde  Ines  er  in  vahen 

Maximum  den  getriwen  man  1285 

vnde  hies  in  slahen  mit  bliginen  geselan. 

daz  vleische  wart  im  von  dem  libe  gezart 

biz  daz  <lii  sele  t(ote  bevoln  wart. 


1257   veriehen?    vgl.    1275.  l>.    1363.  4.    1567.  8         1261    eniphienge 
1270  gCite  von  Greltk  ergänzt       1286  iussit  cum  tamdiu  plinnbatis  caedi 


202  SANT  CECILIA 

dar  nach  iu  der  nehstun  naht 
1290  sant  Cecilia  hatte  vil  gut  aht, 

wa  der  heiUge  marterer  lag. 

do  ein  ende  nam  der  tag 

vnde  dii  naht  hatte  anegevangen, 

do  kam  sant  CeciUa  gegangen, 
1295  do  ir  nieman  ahtote  ze  nute, 

vnde  l)raht  mit  ir  gute  hite. 

sü  namen  den  heiUgen   marterer 

vnde  begruben  in  bi  Valeri?nus  vnde  bi  siuem  bruder. 

sant  CeciHa  [80^]  des  do  niht  enüez, 
1300  einen  sarch  si  im  bereiten  hies 

unde  erdahte  do  einen  list. 

ein  vogel  ein  Fenix  geheizen  ist, 

des  bilde  hiez  si  an  dem  sarch  \vrkeu 

zu  einem  zeichen 

1305  wan  der  vogel  het  die  natvre 

daz  er  sich  selbuu  verbrennet  in  einem  füre 

vnde  kvmet  denne  von  sinem  bulver  wider 

daz  er  gewinnet  gevider  vnde  sini'i  lider. 

vnde  von  den  selben  sachen 
1310  hiez  in  sant  Cecilia  an  den  sarg  machon, 

Avan  Maximus  des  niht  globen  wolle 

daz  er  von  dem  tode  erstan  solte, 

e  daz  er  die  selan  sach 

vnde  do  der  gewervu  vrstende  verlach. 
1315  nv  were   noch  [80*"]  hie  ze  sagenue  gut, 

waz  got  dur  ir  willen  zeichen  tut, 

die  alle  Romer  wol  wizen  vnde  daz  laut, 

wan  sii  sint  in  dike  worden  erkant. 

von  riehen  vnde  von  armen, 
1320  über  die  su  sich  wol  kondon  erbarmen, 

swer  ir  helfe  da  ])egert, 

der  wirt  ir  von  gote  schiere  gewert. 

IUI  wilich  in  fürbaz  tun  erkant 

1289  nähr  1293  aiic  fehlt  1304/f  ad  indiciuni  fidei  ejus,  qui, 
lesiinectiiiiioni  sc  iiivciitnniin,  phoenicis  oxomplu,  ex  toto  corpore  suscepit. 
—    hier  lafsen    die  Bollaiidisien    die   legende   abbrechen  1323 /f  der 

Ifang   der  erzähmg  von  Cäcilien   ?narler   bei  Surins  stifrimt   im    ganzen 


SANT  CECILIA  203 

von  der  megede,  du  dise  marterer  ze  himel  hat  gesant 

vnde  got  och  mcuige  sele  gewan.  1325 

nu  horent  we\  heiUch  ende  si  nam. 

do  Almachius  der  velsche  rihter 

ertodet  hatte  die  heiligen  marterer, 

er  weite  ir  l)eder  gut  hesezen  han, 

swaz  Valerianus  [SV]  vnde  Tyburcius  hatten  Verlan.  1330 

sine  ratgeben  zu  im  sprachen 

daz  er  sant  Cecihen  hieze  vahen, 

si  were  Valerianus  vro^AC  gewesen, 

vnde  daz  er  si  och  bi  mite  lieze  genesen 

vnde  daz  er  an  si  hette  ze  worte  cristen  globen;  1335 

wmi  daz  were  an  alles  logen, 

si  hette  si  bede  bekeret 

vnde  cristen  globen  geleret. 

des  rates  was  der  rihter  vro. 

sine  knehte  hiez  er  Ijalde  du  1340 

daz  man  si  vienge  vnde  si  fiirti  für  den  abgot, 

ob  si  wolti  behalten  sin  gebot; 

vnde  ob  si  des  niht  tiin  wolti, 

daz  man  si  denne  ze  gerihte  füren  solti. 

vnde  do  man  in  der  stat  erhörte  daz,  1345 

wie  [SI']  sant  Cecilia  vmbe  cristen  globen  gevangen  was, 

SU  kamen  gelofen  arme  vnde  rieh 

vnde  sprachen  zu  ir  gemeinlich 

'o  Cecilia,  edel  wib, 

warvmbe  willu  verlieren  dineii  iungen  lip?  1350 

sih  an  <line  t'ninde  vnde  an  diu  ere 

vnde  kere  dich  von  dirre  toben  lere. 

es  tut  dir  einhein  not 

daz  dv  willeklich  will  liden   den  tot, 

des  sich  alle  dinc  fri'inde  müzcn  shamen,  1355 

daz  dv  dich  last  toten  vmbe  cristen  namen. 

die  gote  die  alle  diu  l'n'inde  vnz  bei-  haut  gehebt 

vnde  in  ir  willen  sint  gelcbl, 


mil  dem  ^ediehie,  fiiir  siipra  pctrüin  s/eigl  sie  erst  nach  der  großen  rede 
als  sie  fragt  cicditis  ca  (iiiai'  dixi  vol»is?  1331  iälieii?  Greilh  1341 
vgl.  zu  i>,  127 


204  SAxM  CECILIA 

war  vmbe  versmahestv  der  gebot 
1360  vnde  kerest  dich  an  [82"]  ein  anderen  got? 

edelü  vrowe,  kere  wider  dinen  mvt 

vnde  lebe  wol  vnde  habe  ere  vnde  gut. 

nv  mahtv  daz  wol  selbe  sehen 

das  wir  lazen  dur  dinen  willen  menigen  trehen 
1365  vnde  grozer  erbermede  die  wir  vber  dich  han 

bedii  vrowan  vnde  man.' 

do  sant  Cecilia  erhörte  daz, 

wie  grozer  iamer  von  den  lüten  vber  si  was, 

si  stvnt  enbor  vf  einen  grozen  stein 
1370  vnde  sprach  zv  den  lüten  allen  gemein 

'ir  lieben  Romer,  bedü  vrowen  vnde  man, 

ir  svnt  vber  mich  enheine  klage  han. 

ich  enwil  niht  verlieren  min  ivnges  leben, 

wan  daz  ich  es  [S2'']  wil  vmbe  ein  besers  geben. 
1375  ich  wil  ein  ewich  leben  kofen 

mit  disem  daz  doch  müs  zerlofen, 

ich  wil  ein  hvs  geben  daz  ist  gemachot  mit  horwe 

MTibe  eines  daz  ist  gemachot  mit  silber  vnde  mit  golde, 

ich  wil  einen  dorren  aker  geben  vnde  einen  bösen 
1380  vmbe  einen  der  ist  gezieret  mit  lylien  vnde  mit  rosen, 

ich  wil  einen  swachen  stein  den  man  hie  zertritet 

geben  vmbe  einen  den  von  edeli  nieman  kan  vergelten 

mit  allem  dem  gut  daz  \f  ertrich  ist, 

ich  meine  minen  herren  Jesv  Crist. 
1385  nv  merkent  iiirbas,  lieben  li'ite: 

ob  ein  rieh  kofman  ke[83^]me  gegangen  hüte 

vnde  der  in  dirre  stat  hieze  shrien, 

swer  im  brehte  phenninge  kupherin  aide  bligin, 

daz  er  die  gerne  von  im  woUi  nemen 
1390  vnde  im  alse  manigen  gvldin  wider  wolti  geben, 

der  wehsei  geviele  in  allen  wol, 

wan  das  bezer  nieman  versprechen  sol. 

alsvs  ist  mir  och  ze  mute. 

ich  wil  daz  hose  geben  vmbe  daz  gute, 
1395  ich  wil  einen  kot  mit  disem  libe  hebelten, 

1365  halten         1394  giit 


SANT  CECILIA  205 

den  elli  disi'i  Avelt  mit  ir  gut  vnde  mit  ir  kreften 

niemer  vergelten  kan, 

da  han  ich  enheinen  zwivel  an. 

da  von  erbarment  vch  über  iu  selber  vnde  vber  iuwer  [83'']  kint, 

wan  ir  des  ewigen  todes  eigen  sint,  140Ö 

iu  ist  offen  der  helle  grvnt. 

vnde  alse  ein  starche  Avint  an  einen  bon  kvnt, 

der  vol  zitiges  obses  stat, 

vnde  da  vf  niht  bliben  lat, 

also  tut  och  iu  der  tot,  1405 

er  sendent  iu  zu  der  ewigen  not. 

imver  vorderen  nement  iuwer  alle  tag  war, 

wenne  ir  koment  zu  in  dar. 

davon  rate  ich  iu 

an  guter  triuwe  14io 

wan  ir  so  lange  iuwer  shepher  haut  übersehen 

vnde  so  böser  lüte  ze  goten  hant  veriehen, 

die  vf  ertrich  lebton  so  böslich 

daz  do  an  bosheit  nieman  was  ir  glich. 

swie  wol  ir  bilde  nach  in  gezieret  sint,  1415 

so  sint  sü  doch  des  ewigen  todes  kint 

[84']  vnde  alle  die  sü  ze  gote  hant  erkorn 

die  sint  ewiklich  mit  in  verlorn. 

wie  ist  ein  menshe  so  berlich  ertoret, 

der  von  ir  hosen  leben  sagen  boret,  1420 

nach  den  man  disü  bilde  geshniten  sihet, 

daz  er  ir  iemer  ze  goten  vergihct!" 

vnde  do  sant  Cecilia  du  wort  hatte  für  geleit 

vnde  me  denne  ich  hie  habe  geseit, 

do  shrei  daz  volk  gemeinlich  1425 

'wir  gioben  an  got  von  himelriche, 

von   dem  dv  uns  hie  hast  geseit 

vnde  der  sine  grozen  wisheit 

so  volleklich  an  dich  het  geleit. 


vnde  do  sant  Cecilia  daz  veruam 

daz  got  da  lobton  vrowan  vnde  man 

vnde  sines  namcn  |S4'']  veriahen  so  offenlich, 

si  sprach  zv  in  allen  gemeinlich 


1430 


206  SAM  CECILIA 

1435  'went  ir  der  eAvigen  vrode  begern, 

so  bittent  den  rihter  einer  bete  mich  gewern 

daz  er  miuer  niarter  gel)e  eine  vrist. 

vnde  wil  daz  tun  vmbe  einen  list 

daz  ir  in  min  hus  koment  elli  noch  hüte. 
1440  da  wil  ich  zu  in  fvren  gute  lute, 

die  iu  von  allen  sünden  reinen, 

went  ir  got  von  herzen  meinen.' 

die  lüte  taten  gerne  das, 

si  giengen  da  der  rihter  was, 
1445  SV  baten  der  megede  ein  vrist  geben 

daz  er  si  langer  lieze  leiten. 

der  rihter  was  der  bet  vro, 

er  gab  ir  eine  vrist  do, 

Avan  er  begonde  gedenken 
1450  daz  si  au  cristene  globen  wolti  [85*]  weuken. 

vnde  do  sant  Cecilia  erhörte  das 

daz  ir  ein  vrist  gewunen  was, 

in  ir  hvs  si  wider  kam 

vnde  besaut  heinlich  Vrbanum  den  guten  man. 
1455  vnde  alle  die  der  abgote  wolton  verlogen, 

den  prediot  er  cristen  globen, 

vil  selan  er  da  gote  gewan, 

er  tofte  me  denne  vierhvndert  vrowan  vnde  man. 

vnde  in  derselben  heiligen  schar 
14G0  kam  och  ein  hoher  mau  zv  dem  hofe  dar, 

Gordianus  was  er  genant, 

ein  bvrger  von  Rome  wol  erkant. 

do  der  enpliie  den  heiligen  toi", 

do  leit  er  an  ein  heinlichen  kot' 
14G5  mit  sant  Cecilien  vnde  mit  Vrbano 

vnde  sprach  zv  in  bei[85'']deu  also 

'ich  wil  sprechen,  ich  liabe  dis  hvs  kol'et, 

wan  so  menich  menshe  hie  iune  ist  getofet, 

vn(l(!  wil  daz  tiin  %mbe  einen  list, 
1470  wan  och  der  heilige  tot  hie  iune  gesegnot  ist, 

daz  es  der  rihter  in  sine  gewalt  iht  zihe 

1436  rilitrr  ft-kU        1458  die  zul  üt  in  allen  darstelliifige?i  dieselbe 


SANT  CECILIA  207 

vnde  es  bösen  lülen  lihe, 

von  den  bosi  dinch  hie  inne  melitin  geschehen. 

da  von  wil  ich  es  otrenhcli  sprechen.' 

der  rat  geviel  sant  Cecilien  wol  vnde  dem  heiUgen  Vrbano  U75 

vnde  allen  den  die  da  waren  do. 

vnde  do  Gordianus  den  kof  getet  oll'eubar, 

do  giench  alle  naht  sant  Vrbano  dar 

vnde  alle  die  cristen  globen  haton  enphangen, 

die  kamen  och  in  das  [86']  hvs  gegangen.  1480 

da  tet  er  in  cristen  globen  wol  erkant 

vnde  gab  in  den  heiligen  vron  lichamen  mit  siner  hant. 

vnde  swenne  frv  der  tag  vf  brach, 

so  giench  iegehch  mensche  wider  liein  an  sin  gemach. 

nv  wart  sin  lere  also  breit  1485 

daz  gar  sere  sich  begonde  meron  die  cristenheit, 

wan  die  vngloubigen  beiden 

begonden  sich  ze  gute  von  siner  lere  neigen 

vnde  sich  vnder  cristen  globen  binden, 

SU  toften  sich  mit  wibe  vnde  mit  kinden.  1490 

kristen  lute  giengin  da  vs  vnde  in, 

alse  ie  ein  kilche  da  were  gesin. 

der  toi  da  alle  tage  was  bereit, 

vnde  |86''J  swer  wolte  komen  zv  der  cristenheit, 

iler  wart  gar  vrolich  enphangen  1495 

von  vrowen  vnde  mannen. 

nv  lugete  es  sich  in  denselben  lagen 

das  Almachius  der  riliter  horte  sagen, 

wie  es  in  dem  livse  was  gevarn, 

daz  man  vnde  vrowen,  rieh  vnde  arme  1500 

in  daz  hvs  hetin  ein  lot 

vnde  were  da  inne  gesegnot  ein  toi' 

nach  cristenL'in  rehte 

vnde  tofte  man  da  die  li'ile  alle  neble; 

es  were  och  vil  von  der  heidenshall  ze  gote  gegangen,  1505 

von  vrowan  vnde  von  mannen, 

vnde  betin  enphangen  cristen  lere. 

er  wart  da  von  erzürnet  gar  sere, 

1474  iehfii?  Grell h         1476  do  fehll        1486  daz]  da 


208  SAM  CECILIA 

wan  er  wände  si  heti  damnbe  ein  vrist  [87*]  genomen 
1510  daz  si  wider  zv  der  heidenshafte  wolti  konien. 

er  besanienot  allen  sinen   rat, 

was  er  solti  tvn  vber  die  selben  getat. 

do  riet  im  alle  sin  rat  gemeinlicb, 

daz  er  besanti  sant  Cecilien  für  sich 
1515  vnde  si  ATagen,  weler  bände  globen  si  bette; 

vnde  swie  si  denne  von  cristenem  globen  reddi, 

so  solti  er  si  vmbe  cristen  globen  ansprecben: 

so  getorsti  si  einbeine  ir  frvnt  gereeben, 

wan  si  were  so  wol  erborn 
1520  daz  er  miize  fnrhten  ir  friinde  zorn. 

do  si  dem  rihter  gerieten 

daz,  er  liies  ir  mornvnt  frv  ze  gerillte  gebieten, 

wan  der  rat  geviel  im  [ST""]  vil  wol. 

daz  ribtebvs  wart  do  lute  vol. 
1525  sant  Cecilia  wart  vil  balde  besant. 

do  segnot  si  sich  mit  ir  heiliger  bant, 

si  beval  sich  in  gotes  gewalt. 

alsvs  wart  si  für  gerillte   gestalt. 

vnde  do  si  der  rihter  ansähe, 
1530  gar  gntlicb  er  zu  ir  sprach 

'Cecilia,  ich  ban  dich  damnbe  besant 

daz  dv  lugest  mir  erkant, 

wie  dv  vnz  her  siest  komen, 

daz  bette  ich  gerne  von  dir  vernomen.' 
1535  des  antwrte  sant  Cecilia  do 

dem  richter  vnde  sprach  also 

'ich  bin  vnz  her  vri  vnde  edel  gesin, 

daz  erzilge  ich  mit  den  friinden  min.' 

der  rihter  sprach  'ich  habe  dich  nibt  vm[88']be  din  edelkeit  besant, 
1540  wan  daz  ist  mir  selbe  avoI  erkant, 

ich  vragen  dicli  welen  got  dv  vnz  her  habest  gehebt 

vnde  wie  dv  in  ir  Avillen  sigest  gelebt.' 

sant  Cecilia  spracb  'diu  vrage  het  ein  bösen  anvank 

daz  es  ie  kam  in  din  gedank 
1545  daz  ibt  nie  were  denne  ein  got, 

dem  sol  man  och  allein«'  boballen  sin  gebot.' 

der  rihler  sprach  'welen  besin  dir  denne  vzerkorn. 


SAM  CECILIA  209 

(laz  es  die  andern  lant  ane  zorn? 

ist  CS  Jovis  aide  Mecurius, 

Jvpiter  aide  Satunius?'  1550 

sant  Cecilia  sprach  'die  mir  da  nemmet  din  mvnt, 

die  sint  alle  in  der  helle  grvnt, 

waii  do  SV  lebten  [8S'']  vf  ertricli, 

do  was  an  bosheit  nieman  ir  glich. 

vnde  s^vie  vnwiidich  dv  mines  gotes  namen  ze  horenne  bist,         1555 

so  wil  ich  in  doch  nenien:  es  ist  min  herre  Jesv  Crist, 

der  geschaffen  hat  himel  vnde  ertrich 

vnde  dar  nach  zv  der  megede  kam , 

die  er  im  selben  hate  vz  erkorn, 

daz  er  gewere  got  vnde  gewere  menshe  von  ir  wolle  werden  geborn.  15G0 

vnde  darnach  erlozte  er  alle  die  mensheit 

mit  dem  todc  den  er  willeldich  leit.' 

der  rihter  sprach  'ist  dir  daz  noch  niht  erkant 

daz  derselbe  gote  ze  Ronie  verholten  ist  vnde  vber  ellü  lant? 

vnde  hant  die  fürsten  geholten  bi  ir  hnlden,  1565 

swen  [89^*]  man  vinde  an  denselben  shulden, 

der  des  seihen  gotes  veriehe, 

swa  man  den  vf  ertrich  sehe, 

da  sol  man  im  enheinen  vrist  geben, 

wan  sol  im  benemen  daz  leben.'  1570 

sant  Cecilia  sprach  'dv  vnde  dine  t'vrsten  sint 

mit  gesehenden  ogen  blint,  alse  och  iuwer  gote  sint.' 

der  rihter  sprach  'wie  getarstu  mir  so  hoverteklich  geautwrten, 

alse  dv  mich  ze  mite  sulist  fiirliten? 

weistv  niht,  waz  gewaltes  stat  in  miner  hant  1575 

ze  Rome  vnde  iber  elh'i  lant?' 

sant  Cecilia  antwrte  do 

dem  rihter  vnde  sprach  also 

'ez  heizet  nilil  hovarl  noch  ein  baltheit, 

swa  man  die  warheit  vmbe  rehl  [89'']  notdurfte  seit,  1580 

wan  von  hovart  elli  bösen  dinch  anvant, 

da  von  si  alle  cristen  liile  versmahent. 

so  hestv  mir  von  dinem  gewalt  gesell, 

den  din  hershaft  an  dich  het  gelcit: 

1572   alse  ocli  iuncr  irote  mit  "reseheiidea  osca  bliiit? 


210  SAM  CECILIA 

1585  wiltv,  ich  sagen  dir  wie  din  gewalt  geshafen  ist 

vnde  wie  och  dv  dar  nahe  hist.' 

'ia'  sprach  der  rihter  'hewise  mich, 

sit  dv  es  bas  Avilt  wissen  denne  ich.' 

sant  Ceciha  sprach  'da  ist  din  gewaU  anders  niht  getan 
1590  wan  als  ein  hlater,  (h'i  vast  ist  zerblan: 

vnde  als  shiere  ir  kraft  zerbrichet, 

so  man  mit  einer  kleiner  nadelvn  dar  in  stichet, 

als  shiere  ist  och  din  gewalt  zergan[90']gen, 

den  dv  von  dinen  herren  best  enphangen.' 
1595  der  rihter  sprach  'ich  wil  dir  ein  geteiltes  spil  geben. 

dv  nivst  vnder  zwein  eines  nemen: 

opher  Jovis  dem  edelen  got 

vnde  lebe  nach  sinem  geböte, 

aide  wiltu  dich  niht  bekeren, 
1600  so  wil  ich  noch  hüte  alle  din  fründe  an  dir  entteren.' 

sant  Cecilia  antwrte  mit  gar  luten  worten, 

daz  es  .die  lüte  alle  horten, 

dem  rihter  Almachio 

vnde  sprach  zv  im  also 
1605  'o  ^^^lbe  einen  valshen  rihter, 

hat  er  mich  darvmbe  besendet  her 

daz  ich  valle  in  grose  shnlde 

vnde  her  behalde  sines  herren  hulde. 

sigestv  an  dem  herzen  vnde  [90*^]  an  den  ogen  blint, 
1610  so  grife  doch  mit  den  banden  daz  es  steine  sint, 

des  dv  hie  vergihest  ze  gote 

vnde  machost  dich  selben  ze  einem  spote.' 

der  rihter  antwrte  do 

sant  Cecilien  vnde  sprach  also 
1615  'wie  ist  din  rede  gegen  mir  so  vrevel  vnde  so  halt. 

weistu  niht,  daz  ich  habe  den  gewalt, 

der  Tnir  von  den  fnrsten  ist  geben, 

daz  ich  den  luten  gib  den  tot  aide  daz  leben?' 


1590  zerMaiie  1595    spil   fehlt.  —    füge    nunc    unum   c   duobus. 

Sur.  p.  514  1605/7'  o   iiuliceni  pudore   necessario   afTcctum.     vult   nie 

negare  et  esse  me  innocenteni ,  ut  ipse  me  faciat  criminis  obnoxiam.     Sur. 
p.  514. 


SANT  CECILIA  211 

sant  Cecilia  sprach  zv  dem  rihter  do 

vil  kechlich  also  1620 

'rihter,  dv  hist  gar  betrogen 

viide  hest  es  oiTeiiHch  erlogen, 

dv  mäht  dem  menshen  wol  daz  leben  benemen, 

<lv  mäht  im  aber  das  leben  [9V]  niemer  geben.' 

der  rihter  begonde  gar  sere  shamen  sich  1625 

daz  si  in  shant  so  offenlich 

vnde  spräche  mit  grosem  zorne  do 

zu  ir  offenlich  also 

'swaz  berlicher  rede  dv  mir  hest  getan 

die  Avil  ich  alle  varn  lan,  1630 

aber  die  hohe  gote  die  wil  ich  an  dir  rechen, 

daz  dn  ie  getorstost   gesprechen 

daz  steine  werin  in  glich, 

die  doch  gewalteklich  hant  daz  romeshe  rieh.' 

vil  balde  begonde  er  vf  stan,  1635 

die  lüte  hies  er  alle  gan 

gemeinlich  mit  einander  vs 

vnde  hies  si  füren  hein  in  sin  hvs. 

da  hies  er  si  in  eine  batstuben  sliezen 

vnde  wazer  vaste  an  den  oven  gie[9l'^]zen,  1640 

füre  wart  ingezvndet  mit  grozer  mahl 

einen  ganzen  tag  vnde  ein  naht. 

einen  berlichen  tot  wolle  er  '<•  han  angetan, 

wan  er  wolle  si  ersteket  han. 

vnde  do  das  füre  ein  tag  vnde  eine  naht  gebrunnen  was,  1645 

du  heilige  maget  so  vrolich  in  der  Stuben  saz, 

alse  si  an  einem  shatten  seze  vnder  einem  grvnen  bome, 

daz  si  nie  sweize  trophen  geliez  von  hizze  tome. 

vnde  do  der  rihter  daz  vernomen  hatte 

daz  ir  du  hizze  niht  anders  were  wan  alse  ein  shatte  1650 

\nde  swaz  man  dar  ingefureti  daz  das  niht  für  trüge, 

er  hiese  daz  man  [92' |  ir  <laz  höbet  in  der  Stuben  abe  sliige. 

1630  warn  1647/'  taii(|ii;uii  in  loco  rcfViyriato  illcsa  perinansit  et 
salva  dorn,  giatia  adeo,  iit  nulla  pars  omiiino  ex  eins  membris  vel  minimo 
sudoris  signo  fuerit  hunu-ctata.  Sur.j?.bli.  ihique  tota  noctc  et  die  iiissit 
eam  in  biillicnti'  l)aln»Mi  concremari.  ijuae  quasi  in  loco  frigido  mansit  nee 
modicvim  saltoni  sndoris  persensit.  leg.  aur.  p.  776 


212  SAM  CECILIA 

vil  balde  der  kneth  wolle  vollefuren  das, 

dem  das  mortampt  bevolhen  was. 
1655  vz  der  stuben  uam  er  si  do, 

sin  swert  er  blozes  vber  si  zohe, 

SU  bot  dar  ir  snewisen  kelen  bloz, 

do  slug  er  drie  wiidaii  groz. 

daz  hobt  er  ir  abe  uiht  geslageu  kvude, 
1660  er  giench  von  dannan  vnde  lieze  si  ligeu  also  wude. 

vnde  do  daz  die  liite  erhörten, 

die  da  bekeret  waren  von  ir  worten, 

SU  kamen  gemeinlich  gegangen  dar, 

man  vnde  vrowen  ein  grosv  sliar, 
1665  sü  wollen  ir  heiügen  mvter  svchen. 

sü  uamen  daz  [92'']  blut  vf  mit  edelen  tüchen, 

daz  ir  von  den  wndan  ran. 

vil  groz  vrode  daz  cristen   volk  gewan, 

daz  si  noch  do  lebende  was. 
1670  ir  lip  was  alle  von  blute  naz. 

man  vnde  vrowen  trugen  si  dannan  vz 

wider  hein  in  ir  luiz. 

do  das  sant  Vrbanus  horte  sagen, 

er  kam  gegangen  vnde  wolle  sin  lieben  tohter  klagen. 
1675  \uide  do  in  sant  Cecilia  gesach, 

gar  vroHch  si  zv  im  sprach 

'ich  hau  erworben  vmbe  minen  herren  Jesu  Crist 

daz  er  mir  hat  geben  drie  tag  ein  vrist, 

daz  alle  die  den  cristen  globe  ist  erkant, 
1680  die  bevil  ich  hiite  in  diu  haut 

vnde  och  hie  min  eigen  huz: 

da  sol[93'jtv  ein  kilchen  wihen  vz, 

daz  es  belibe  der  heihgen  cristenheit. 

vnde  swas  gutes  ich  hau  in  dine  gewalt  geleit, 
16S5  damit  soltv  spisen  die  iunchvrowen  mini  kint, 

die  von  miner  lere  cristen  worden  sint.' 

vnde  do  si  ir  linz  mit  aUem  ir  gut 

beval  in  sant  \'rbanus  hüte, 

do  shied  er  von  ir  vnde  liez  vil  menigen  trehen 

1653  spitulutor  Sur.  und  leg.  aur.         1657  so 


SAMT  CECILIA  213 

vntle  gab  ir  sin  heiligen  segen.  1690 

do  sant  Vrbanus  von  ir  gie, 

die  drie  tag  si  niht  abe  lie, 

swie  si  also  sere  ^vudv  lag, 

do  lerte  si  cristen  globen  naht  vnde  tag. 

vnde  die  e  von  ir  bekeret  waren,  1695 

die  wizte  si  wie  si  sich  sollen  cristenlich  gabaren 

vnde  Avie  [93'']  man  sich  nach  dem  globen  solti  halten, 

daz  prediote  si  iungen  vnde  alten. 

vnde  do  ein  ende  nam  der  drite  tag, 

vor  ir  iunchvrowen  si  do  lag  1700 

vnde  vor  anderen  vrowen  vnde  mannen  beiden, 

si  künt  in  daz  si  wolti  hin  ze  got  sheiden. 

vnde  do  si  daz  den  luten  kuut  getet, 

do  hub  si  an  ir  reines  gebet. 

si  vergaz  alles  ir  liplichen  smerzen  1705 

vnde  lobte  got  von  ganzem  herzen 

vmbe  alle  die  gnade  die  er  an  si  hatte  geleit 

vnde  beval  got  getrvlich  die  heiligen  cristenheit. 

vnde  do  si  in  groser  begirde  nach  got  was, 

do  rumde  du  sele  daz  rei[94'']ne  vas,  1710 

von  got  wart  si  gar  vrolich  enphangen. 

do  hvb  sich  groze  iamer  von  vrowen  vnd  von  mannen, 

die  megede  weinoton  gar  sere^ 

daz  si  ir  lieben  muter  verlorn  hatten  vnde  ir  heiligen  lere. 

vnde  do  sanl  Vrbanus  erhörte  daz,  1715 

wie  heileklich  si  von  dirre  weite  gesheiden  was, 

er  lobte  got  mit  gar  vrolichem  mvte, 

daz  er  si  hatte  gehebte  vnz  an  ir  ende  in  siner  hvte 

vnde  daz  si  dem  tyevel  so  menige  sele  hatte  genomen 

vnde  daz  si  dar  nach  zv  den  ewigen  vroden  were  komen.  1720 

des  nahtes  er  do  gegangen  kan, 

er  brahte  mit  im  priester  vnde  ander  gute  man 

[94"]  vnde  nam  siner  lieben  tohter  lip. 

er  wolle  si  nihl  begraben  da  lag  dehein  ander  wib, 

er  hies  si  in  der  bestou  kilkof  tragen,  1725 

1694  tag  unde  naht  vgl.  v.  274        1699  trite        1710  runde 
Z.  r.  D.  A.  neue  folge  IV.  15 


214  SANT  CECILIA 

da  menig  marterer  vnde  bihter  was  begraben. 

eine  svnderere  er  ir  bieten  wolte, 

daz  si  bi  den  hosten  marterern  rvwen  s^lte. 

vnde  do  er  ir  marter  tag  wol  begie, 
1730  vil  balde  er  des  niht  enlie, 

mit  siner  phafheit  giench  er  vz, 

vnde  wihte  ze  einer  kilchen  ir  eigen  hvz, 

die  mau  noch  hüt  wol  da  sihet 

vnde  menich  groze  zeichen  da  beshihet. 
1735  vnde  niht  da  alleine 

wan  da  ruwet  ir  heiliges  gebeine, 

da  ist  och  menig  groz  zeichen  beshehen, 

die  armen  [95"]  unde  rieh  dike  wol  hant  gesehen. 

da  mit  si  got  vf  erlrich  wolte  eren 
17-40  vnde  ir  lop  in  der  cristenheit  wolte  meren, 

wan  ir  des  guten  ols  nie  in  ir  glasvas  gebrast. 

davon  hatte  ir  lieht  vil  shonen  glast, 

wan  si  hate  es  mit  menigen  guten  wercheu  gemachot 

unde  in  der  rehten  zit  vlizeklich  gewachet. 
1745  da  von  si  der  briitegvn  vil  shone  enphie, 

do  si  im  mit  ir  liehtvas  engegen  gie, 

mit  dem  briutegvn  wart  si  in  Verlan, 

vor  dem  tor  lies  man  si  vnlange  stan. 

si  wart  zu  der  Wirtschaft  gelat, 
1750  der  ewigen  svzekeit  wart  si  sat, 

wan  si  mit  dem  brütigem  saz  ze  tische. 

doch  was  da  niht  vleische  noch  vishe 

vnde  och  [95'']  weder  brot  noch  win, 

wan  daz  si  da  spiset  sin  lichter  shin, 
1755  daz  ir  herze  nüme  begert, 

wan  si  ist  so  grozer  vrode  gewert, 

die  einhein  herze  nie  bedenken  konde, 

von  angenge  vnz  an  die  stunde. 

der  vrode  svn  wir  si  ermanon  vnde  biten 

1726  matercr  1733/"  schlufs  bei  Surius  p.  ölb:  et  illic  perpetuo 
peraguntiir  sancta  domini  mysteria  usqiie  in  hodiernum  dieni.  —  die  leg. 
mir.  hat  p.  111  eine  zeitatigabe :  passa  est  autem  circa  annos  domini  cc 
et  xxiii  tempore  Alexandri  imperatoris.  alibi  autem  legitur,  quod  passa  sit 
tempore  Marci  Aurelii,  qui  imperavit  circa  annos  domini  ccxx 


SAINT  CECILIA  215 

vnde  (liir  alle  die  not  so  si  diir  got  hat  erliten,  1760 

daz  si  unser  fiirsproch  si  ze  got 

daz  wir  hie  vf  crtrich  leben  nach  sinem  gebot 

vnde  in  diser  kürzen  zit  also  gewachen 

daz   wir  unser  liehtvas  wol  bereiten  vnde  gemachen, 

swenne  uns  des  brvtegvmes  zvkvnfte  werde  geseit,  1T65 

daz  wir  imserü  liehtvas  also  wol  haben  bereit 

vnde  mit  guten  werchen  daz  ol  ingegozen 

daz  lins  das  [96^]  tor  nit  werde  vor  beslozen 

vnde  vns  der  ingank  niht  werde  verzigen, 

daz  wir  von  dem  tor  niht  werden  vertriben,  1770 

als  den  tvmben  megedeu  beschach, 

do  der  briitegvn  so  zornelich  zv  inen  sprach 

'gant,  ich  enweiz  uwer  nit, 

ir  komeut  niemer  an  min  gesiht.' 

deis  vluhes  vberhebe  uns  des  ewigen  vater  gewalt  1775 

unde  sines  einbornes  sunes  wisheit  menichvalt 

vnde  des  heiligen  geistes  minne, 

daz  wir  niemer  geboren  die  biterlichen  stimme,  1778 

so  er  ZV  den  iibelen  sprichet   'gant   ihr  verüuchten  in  daz  ewig 

fvre  daz  da  bereit  ist  dem  tyevel  vnde  allen  den  sinen.' 

vor  dem  behüte  vns  got.     Amen. 

1770  v<i[i  feldt        1779  Matlh.  25,  41 

Das  auf  den  vorhergehenden  blättern  zum  ersten  male  gedruckte 
gedieht  steht  in  einer  pergamenths.  des  14, /Äs.,  welche  in  der  fiirstl. 
Fürstenbergischen  bibliolhek  zu  Donaueschingen  aus  dem  nachlafse 
des  freiherrn  von  Laßberg  sich  befindet  und  in  Baracks  kataloge 
s.  IIb  f  näher  beschrieben  ist.  die  hs.  hat  164  blätter  8*^.  auf  bl. 
41 — ^dQ  steht  unser  gedieht.  Greith.,  nach  dessen  ]S'i8  genommener 
sorgfältiger  abschrift,  die  aus  dem  nachlafse  JDiemms  in  den  besitz 
der  k.  k.  hoßibliothek  in  Wien  übergegangen  und  daselbst  unter 
suppl.  2770  aufgestellt  ist,  ich  das  gedieht  herausgebe,  hielt  die  hs. 
für  ans  dem  13  j7«.  stammend  und  setzte  das  gedieht  ins  12  jh.^ 

'  Der  irrtum  Greillis  ist  wol  7iic/i(  allzusehr  zu  tadeln  ,  wenn  man 
erwägt,  wie  starke  älmlich keilen  die  alem.  dialeclformen  des  Wjlts.  mit 
den  lioclid.  des  12  liaben.  man  lese  zb.  neben  nnserm  gedieht  die  von 
Haupt  herausgegebene  bekehrung  des  heil.  Paulus  zs.  3,318/7". 

15* 


216  SANT  CECILIA 

die  nachfolgende  zusanmmistellung  soll  meine  behauptung,  -dafs  das 
gedieht  in  groh  alemannischem  dialecte  in  der  ersten  hälfte  des  iijhs. 
abgefafst  sei,  erweisen. 

Das  gedieht  liegt  in  'dbschrift  vor.  dafür  sprechen  anfser  zal- 
reichen  Schreibfehlern  die  atislafsungen  von  Worten  wie  zb.  v.  9S- 
112.  410.  866.  1304,  von  ganzen  Zeilen  398.  418.  598.  850.  912. 
10S4.  1194.  1210.  1430.  auch  der  Schreiber  ist  ein  Alemanne,  da 
irgend  ein  anhält  für  die  kritik  einzelner  formen  am  metrum  bei 
der  beschaff enheit  der  verse  nicht  gegeben  ist,  so  war  auch  kaum 
möglich  zu  unterscheiden,  loas  dem  dichter  oder  dem  Schreiber  eigen- 
tümlich zugehöre,  meine  Zusammenstellung  mufs  eben  für  beide 
beweisen,  ich  hebe  nur  die  icichtigsten  für  dialect  und  zeit  cha- 
rakteristischen erscJieinungen  hervor. 

a  drängt  sich  in  die  flexionssilben:  subst.  nom.  plur.  rebau 
928.  wisan  931.  selan  1250.  vrowan  1366.  1432.  1458.  dat.  ge- 
selan  601,  im  reim  auf  man  1286.  eran  788.  truban  928.  vrowan 
1506.  Avundan  1667.  acc.  götteitan  412.  Avuudaii  634.  selan  758. 
1155.  1264.  1313.  1457.  wisau  894  im  reim  auf  man.  rebau  897. 
vgl.  Weinhold  AG  §  10.'  —  in  die  bildungssilben:  wannan  323. 
danuau  657.  856.  1199.  1660.  1671.  (sidier  :  dar  475.  6)  und 
sonst  Weinh.  aao.  -  zu  den  vocalen  überhaupt  vgl.  Wackernagel  Sechs 
bruchstücke  einer  Nibelungenhs.  s.  40/.  assimilation :  vazati  600. 
gabareu  1696.  —  bar  für  her  Weinhold  §  11. 

ä  und  a  zu  e  geschwächt:  fnihtber  158.  erbeit  durchstehend, 
Öfteres  des  für  daz  Weinh.  §  17. 

0  steht  durch  für  ou  zb.  15.  16.  17.  32.  48.  49.  50  usw. 
Weinh.  §  24.  Wackern.  s.  41.  o  für  öu  in  vroden  74  usw. 

ö  für  a  in  dd  für  da  oftmals. 

0  im  sitffix  phellor  :  vor  81.  2.  —  in  der  declination  dat.  plur. 
malon  456  auch  adj.  gen.  beston  1725.  Weinh.  §26.  in  der  conjugation 
überaus  häufig,  zum  teil  mit  assimilation  verbunden,  inf.  predion 
2.  639.  beiton  8.  weinon  60.  1090.  zwivelon  217.  verdampnon 
837.  klagen  947.  redon  245.  107S.  opheron  :  hau  1067.8.  1071. 
machon  1310.  nieron  1486.  ennanon  1759.  —  pi^aes.  minnost 
107.  121.   machost  1612.  —  dienot  206.    weinot  384.   volendot 

'  Jf^alther  von  Rlieinau  107  53.4  wan ;  arebeistan  beweist  wenigste)is^ 
dafs  der  Schreiber  der  Stuttgarter  hs.  an  diesen  reim  glaubte. 

2  Dieses  a  haben  die  Schweizer  Urkunden  12'JO — 1310  bei  Kopp  i  be- 
itändiff. 


SANT  CECILIA  217 

1134.  segnot  1526.  (machont  3S3).  —  hettont  405.  ahtont  S85. 
mahtont  914.  —  betont  361.  anbettont  376.  ahtont  876.  mm- 
nont  877.  (minnot  981).  —  praet.  getorstost  1632.  —  ahtote  1295. 
prediote  1698.  —  machot  571.  5.  geladot  SOO.  prediot  1456.  be- 
samenot  1511.  segnot  1526.*  —  bereiton  7.  wolton  8.  909. 1455. 
begondon  15.  947.  klophoton  20.  wizton  182.  seiton  622.  786. 
beiton  894.  ruton  899.  ahtoton  900.  996.  spototon  910.  spototen 
921.  959.  shniton  935.  furton  936.  1061.  versmaheton  998.  vra- 
geton  1240.  kondon  1320.  lebton  1413.  1553.  lobton  1432.  wei- 
noton  1713.  hatton  21.  312.  576.  617.  902.  932.  1330.  1479.  — 
part.  gesegnot  233.  1470.  gemachot  385.  1377.  8.  —  Weinh.  §§ 
26.  357. 

o  für  e  vromeden  202.  799.  Weinh.  §  25.  Wackern.  s.  39. 

e  steht  für  ei  bede  11  mal  gegen  2  beiden  1466  und  1701: 
sheiden.  (l)aden  322).  meniinge  111.  beretet  178.  rene  272.  gene- 
getes  1142.  Weinh.  §  17.  e  für  se  steht  durch,  ei  für  e  nur  in 
einhein.  Weinh.  §  58,  2.  ei  für  pe  seiger  198.  geseiget201.  seiget: 
meit  989.  90.  dagegen  gemet  :  geset  931.  2.  gesät :  rat  937.  8. 
Weinh.  §  58,  5. 

unechte  anfügung  des  e  fimfe  6.  11.  eine  271.  köre  544. 
vleische  1287.  1752.  gote  1564.  füre  1641  und  im  prosaischen 
schlnfs.  Weinh.  §  20.  andere  heispiele  bei  der  conjug.  —  daselbst 
und  bei  der  declination  noch  über  apokope  des  e.  —  anlehnung 
zim  90.     e  eingeschoben  phelegin  791. 

Verschmelzung  von  age  :  ei  seite  13  mal  im  innern  des 
verses,  im  reim  : bereit  14.  1765.  :  gereite  167.  :  -heit  566.  843. 
864.  971.  1427.  1580.  :  kleit  815.  —  treit  im  reim:  bereit  34. 
—  von  ege  :  leite  3  mal  im  verse,  dann  im  reim  auf:  -heit  47 
727. :  kleit  599  :  geseit  1423.  4. :  ?  1429.  —  abe  :  heint  410.  — 
Weinh.  §  56. 

i  für  e  in  endungen  shoni  33.  guoti  86.  Weinh.  §  23. 

n  für  no  fast  immer,  in  den  ersten  200  versen  1 2  mal.  auch 
für  in  häufig  genug,  obschon  meist  ü  geschrieben  wird,  der  umlant 
von  u  wird  nur  in  den  seltensten  fällen  bezeichnet.  —  u  in  flexionen 

'  An  flas  hier  gegebene  Verzeichnis  apokopiertev  (o)  formen  der 
3.  pe}'s.  ind.  sg.  praet.  schwacher  verba  knüpfe  ich  eine  beobachluiig, 
die  mir  noch  riicht  gemacht  scheint:  dafs  die  apokope  dieses  -e  7iur 
vor  vocal  oder  dentalis  in  den  hss.  des  bair.  und  alem.  dialec/es  an- 
gezeigt wird. 


218  SANT  CECILIA 

Ceciliuu  180.  201.  256.  318.  482.  gassuu  143.  169.  sidun  ;81. 
situu  630.  nadelun  1592;  grosun  41.  edelun  160.  erstun  539. 
gotlichun  569.  ewigiiu  1138.  viustrun  1185.  nehstim  1289.  selbuu 
1306.  gewerun  1314.  Weinh.  §  30. 

Ungleich  weniger  ist  über  den  consonantismiis  zu  bemerken, 
n  für  m  nicht  blofs  im  reim  {vgl.  weiter  unten)  sondern  auch 
sehr  häufig  im  innern  des  verses  zb.  brutegou  22.  1772.  1745. 
bou  1402.  heiii  1201  usw.  Weinh.  §  203.  —  1  für  r  kilche  1492. 
1682.  1732.  kilkof  760.  1725.  Weinh.  §  194.  —  g  öfters  für  j 
zb.  frigeu  39.  früge  142.  bligin  1388.  vigent  1190;  in  verschie- 
denen formen  des  verb.  subst.  zb.  sigestu  1609.  wir  sigeu  475. 
ir  sigent  809.  824  {sogar  tugest  1532)  —  gehen  528.  Weinh. 
§  215.  —  ch  für  k  im  auslaut  sehr  oft,  in  den  ersten  200  versen 
15  mal,  auch  im  inlaut:  starche  1402.  kechlich  1620.  werchen 
1767  usw.  —  b  für  p  im  auslaut  Öfters  wib  :  lip  319.  20.  391.  2. 
1349.  50.  1723.  4  uam.  Weinh.  §  150.  —  b  für  p  im  anlaut 
aufser  dem  gewöhnlichen  bavest  139  usw.  bulver  1307  {wozu  man 
vergl.  Martina  171ioo.  17346).  —  berlich  1419.  1629.  1643.  — 
th  für  ht  lieth  30.  kneth  1653.  Weinh.  §  173  und  Kopp  urk.  i  be- 
sonders s.  63  a.  1303 — 5.  —  s  und  z  ivechseln  nicht  blofs  im  reim 
sondern  auch  im  innern  des  verses  im  in-  und  auslaut  ganz  ohne 
princip.  —  sh  meist  für  seh. 

Conjugation.  Praes.  ind.  sing.  1.  ich  sagen  693.  973.  1585. 
loben  1028.  vragen  1541.  —  ich  han  430.  803.  841.  847.  1030. 
1531.  1677.  1684.  —  2.  meist  -est,  aber  auch  -ist  zb.  sulist  150. 
436.  1146.  1574.  wizist  295.  1121.  mugist  438.  —  best  10  wa?, 
da  es  aber  201.  2  auf  gast  reimt  und  gast  wider  auf  palast  799. 
800,  so  scheint  es  blofs  dem  Schreiber  anzugehören.  —  3.  -et  steht 
durch  in  starken  und  schwachen  verbis.  eigentümlich  ist  -ent,  icelches 
sich  nicht  entfernen  läfst,  denn  es  steht  kument  323  (machont  383) 
vindent649.  bhbent  1117.  sendont  1133.  1406.  —  er  mugen  397. 
somit  scheint  die  nasalierte  form  sogar  hier  eingedrungen,  nachdem 
sie  fast  den  ganzen  plural  beherscht.  Wackern.  s.  47.  Scherer  zur 
geschichte  der  deutschen  spräche  s.  211.  —  10  bot,  1  mal  im  reim 
auf  gebet  661.  2  gegen  6  hat.  —  plur.  1.  diese  form  hat  das  ge- 
dieht äufserst  selten,  da  es  fast  nur  aus  erzälung  und  dialogen 
besteht,  -nt  haben  blofs  die  contrahierten  formen.  —  2.  -nt  steht 
durch,  nur  kunnct  1007  und  ein  par  imperative  665.  1186.  usw. 
3.  -nt  steht  durch,   abfall  des  t  zb.  vvizen  984.  reinen  1441.  — 


SANT  CECILIA  2^19 

sind  die  formen  sizet  145.  minnot  :  gewinnet  981.  2  zn  hefsern 
oder  schon  Schweizer  mundart  zuzurechnen?  vgl.Weinh.  §  342.  hes. 
s.  338.  9. 

Praet.  ind.  sing.  3.  die  starken  verha  fügen  nicht  sehen  -e  an 
zb.  vertreibe  52.  hübe  709.  veriahe  1243.  spräche  1627.  hiese 
1652.  lieze  1660.  —  hei  den  schwachen  verhis  loerden  nicht  hJofs 
die  oben  erwähnten  formen  mit  -o  opokopiert,  sondern  auch 
vragel  236.  enthobtet  1225,  die  nichtapokoinerten  formen  aber 
überwiegen.  —  bei  schwachen  verb.  mit  dentalstämmen  findet  aus- 
faJI  des  e,  in  folge  dessen  zweisilbigkeit  der  forin  statt :  latte  :  hatte 
61.2.  und  geredde  16  mal,  bis  zu  geret  655  verkürzt,  so  in  der 
gewohnheit  des  Schreibers,  daß  er  349  das  dd  sogar  in  das  Sub- 
stantiv brachte. 

Part,  als  charakteristisch  sind  anzuführen  gehebt  1212.  1718. 
im  reim:  gelebt  215.6.  1357.8.  1541.  2.  —  gehan  :  kan  623.  4. 
Weinh.  §  373.  374.  —  erwähnen  loill  ich  auch  die  durch  ausfall 
des  e  zwischen  dentalen  verkürzten  formen  bereit:  treit  33.4.  671.2. 
aufserdem  im  prosaschlufs.    gclat  (=  geladet) :  sat  1 749.  50. 

Zur  declination  führe  ich  aufser  den  oben  bereits  erwähnten 
Suffixen  mit  unechten  vocalen  als  bezeicJmend  hier  an,  dafs  unter 
ungefähr  120  fällen  des  dat.  sg.  starker  subst.  41  apokojmrte  formen 
in  und  aufser  dem  reim  sich  finden.     Weinh.  %  18. 

Reime,  im  folgenden  zäle  ich  die  ungenauen  reime  des  ge- 
dichtes  auf  und  füge  heispiele  aus  alemannischen  gedichten  meist 
des  14  jhs.  hinzu,  diese  gedichte  sind:  Virginal ,  der  ritter  von 
Staufenberg,  Wolfdietrich  D  \  Martina,  Walther  von  Rheinaus  Ma- 
rienleben, Bonerius^,  Reinhart  Fuclis,  des  teufeis  netz,  vom  jüngsten 
gericht^,  der  geistliche  streit.'' 

a  :  a  vor  n:  man  :  lian  149.  175.  227.  453.  1365.  1371.  kan: 
lian  349.  an  :  han  361.  —  vor  r:  dar:  offenbar  1477.  vor  h:  naht: 

'  i^ac/i  dem  im  drucke  Ocfindlic/tcfi  tc.rie  mir  von  Jä?iicke  freund- 
liclist  mitgeteiÜ. 

*  Bis  jelzl  yiicltt  bemerkt  scheint  mir,  dafs  des  BoJierivs  reime  in  den 
lelzteJi  fünfzig-  fabeln  7mgleic/i  befser  sind,  als  in  den  ersten,  auch 
setzen  einzelne  dialectische  formen  wie  zb.  die  deniinutiva  axif  -i  (eselli :  bi 
Lxxxilis.  G)  sich  erst  i?i  den  letzten  fabeln  fest,  dies  deutet  wol  auf  all- 
mähliche ausarbeitung  in  der  durch  die  hss.  gegebenen  folge. 

^  Ms.  gcrm.  Bcrol.  fol.  20  ans  dem  Xhjh.  nach  der  abschrift  mei- 
nes freundes  Sleinmeyer. 

^  Pfeiffer,  Übungsbuch  s.  141 — 152. 


220  SANT  CECILIA 

andäht  723.  1271.  —  i:i  vor  n:  in  :  win  905.935.  iu :  gesin 
1491.  —  vor  ch:  mich  :  himelrich  113.  241.  365.  dich  :  himel- 
rich  S5.  sich  :  himebich  297.  611.  sich  :  ertrich  157.  sich:  ge- 
meinhch  1513.  sich  :  offenhch  1625.  —  e:e  her :  müzezeger  (= 
müezegeer)  907.  —  ii  :  ü:  alsus  :  hüs  1055.  Maximus  :  hiis  1063. 
1163.  1201.  Tyburcius  :  hüs  755.  —  alle  diese  reime  kommen  in 
allen  oben  verzeichneten  gedickten  sehr  zahlreich  vo; . 

verschiedene  vocale:  opherön  :  hän  1067.  —  Virg.  wä  :  vrö 
3337.9.  röt  :  durchnät  557,  4.  5.  Stauf.  schön  :  getan  217. 
Wolfd.  not:  rät  6,  \S1  f  —  natüre  :  fmre  1305.  —  W.  v.  Rh. 
cröatüre  :  stiure  I231.  d.  t.  n.  siir :  tiur  333.  d.  g.  str.  süre  :  tuire 
387.  —  ziehe  :  hhe  1471.  —  Wolfd.  fnehche  :  Kriechen  5,  115  ac. 
riche  :  Kriechen  5,  220.  —  erde  :  gebferde  161.  449.  703.  megede  : 
trsege  11.  megede  wurde  wol  1  silbig  ausgesprochen.  —  Virg. 
ezzen :  seezen  lOOSs.c  W.  v.  Rh.  mankere  :  16re  33-29.^  —  er- 
hörten :  Worten  1601.  1661.  —  Wolfd.  werten  :  hörten  9,  54.  verte: 
körte  7,  1^7.  6,  180.  ifö.  —  zertritet :  vergelten  1381.  —  Wolfd. 
wilde  :  velde  5,  217.  Mart.  dirnen  :  lernen  557.  —  cöntractionen 
strit :  lit  1189.  zit :  git  771.  987.  —  Mart.  git :  bit  (=bitet)  I847. 
Kellers  zälung  ist  falsch,  zit  :  git  279i7.  W.  v.  Rh.  David  :  lit 
6I48.    d.  g.  Str.  zwic  :  git  665.  —  sendent :  endöt  1133. 

Verschiedene  schlufsconsonanten :  n  :  m.  mau  :  kam  1265.  1453. 
1721.  dan  :  kam  257.  begau  :  kam  217.  925.  man  :  gehorsam  579. 
man  :  vernam  1431.  gewau  :  nam  1325.  —  gevaru:  arm  375.  1499. 
—  kam  :  JordAu  567.  kam  :  gehän  623.  Weinh.  §  203.  die  bei- 
spiele  für  diese  reimungenauigkeit  sind  in  allen  gedichten  überaus 
häufig,  vgl.  Zupitza  zur  Virg.  s.  xxi.  W.  v.  Rh.  im  1  buche  14 
mal,  -am:  au  356o,  -imrin  4  mal.  Bon.  34  mal.  Reinh.  vrei- 
sam  :  sAn  1 1 89.  d.  g.  str.  nur  4  mal.  auch  im  innern  des  Wortes : 
grünt :  kumt  1401.  vgl.  Jänicke  aao.  Wolfd.  825  ac.  Holtzm.  7, 
138.  Mart.  237-  uö.  d.  g.  str.  343.  989.  —  g  :  ch.  tag  :  ershrach 
1135.  drang :  sanch  63.  — hiezu  habe  ich  aufser  W.  v.  Rh.  27i3i 
kawn  ein  beispiel  anzuführen,  da  teils  die  hss.  die  starke  aspiration 
des  schliefsenden  gutturals  selten  bezeichnen,  teils  die  herausgeber 
die  Schreibung  geändert  haben.  —  s  :  z  37  mal.  Weinh.  §  188.  Zu- 
pitza aao.  Jänicke  Alld.  Studien  s.  59.  Steimneyer  daselbst  s.  83. 
in  allen  übrigen,  besonders  Wolfd.  nach  a  i  o  i\. 

'  Fgl.  auch  Müllenlioff  z.  Lanrin  s.  xxxviii. 


SANT  CECILIA  221 

der  schlufsconsonaiH  fehlt  in  einem  reimworte:  reine :  weinon 
50.  1117.  wate  :  kenienäten  79.  übe  :  wiben  483.  dienerhi  :  she- 
f'eli  205.  meuuuge  :  iinbetAvungea  {ergänzunxj)  111.  —  do  :  zöbe 
1655.  —  alle  gedickte  haben  dies.  W.  v.  Rh.  im  2  buch  5  mal, 
Reinh.  6  mal,  v.j.g.  1  mal.,  d.  g.  str.  20  mal,  dann  zöch :  sü 
W.  V.  Rh.  2S58,  hucb :  also  d.  g.  str.  627. 

verschiedene  consonanten  im  inneren  der  reimworte:  b  :  g. 
globen:togen49.  639.  819.  :  logen  1247.  1335.  1455.  :  ogen  331. 
369.633.  713.  1261.  1277.  toben  :  ogen  963.  —  begraben  :  er- 
slagen  751  :  tragen  1725.  begrabent :  tragent  979.  —  eben  :  regen 
899.  —  vertriben :  verzigen  1769.  begruoben  :  trnogen  787.  895. 

—  Bon.  Ilö3.  87:  AC  befsern.  d.  t.  n.  541.  567.  793.  805.  915 
usw.  d.j.g.  1  mal.  d.  g.  str.  279.  325.  513.  835,  899.  949.— 
ob  :  h.  sprechen  :  geschehen  1473.  :  sehen  993.  1155.  sprächen: 
vähen  1331.  —  vgl.  Zupitza  aao.  W.  v.  Rh.  1937.  243i.  553S.  65ii. 
92-20  usw.  d.  t.  n.  72! .  1190  usw.  —  g :  h.  gelegen  :  iehen  351.  Se- 
gen :  trehen  1690.  —  b :  h.  leben :  sehen  735.  geben :  beschehen  1054. 
blibet :  geznhet  1117.  —  cl:g.  beiden  :  neigen  1487.* —  d:b777.  — 
Wolfd.  764  ef.  Holtzm.  Bon  2I53.  d.  g.  str.  39.  345.  533.  675. 
947.  —  b:m.  gebent :  nement  1047.  1389.  1595.  1623.  —  Jä- 
nicke  aao.  s.  59.    Bon.  2723.  AC  befsern  lOOoo.    d.  g.  str.  721. 

bei  doppelconsonanz.  nn  :  ng:  mannen :  empfangen  1495. 1711. 
:  gegangen  1505.  entrinnet :  bringet  159.  1159.  nn:nd:  kunne: 
sunde  603.  :  munde  691.  ng:nd:  gevangen :  banden  595.  nn: 
mm:  minne  :  stimme  1777.  rd:rb:  erstorben  :  worden  1109.  er- 
stürbe :  wurde  {ergänzmig)  485.  rw  :  Id:  horwe  :  golde  1377. 
Worte  :  vorhte  537.   antwurten  :  furhten  1573.  bt'irte  :  vorhte  1033. 

—  Bon.  3637.  I615.  Reinh.  955.  975.  d.  t.  n.  970.  d.  g.  str.  693. 
837.  971. 

in  klingenden  reimen  sind  blofs  die  endsilben  gleich :  hatten : 
spotfoton  997.  nemin  :  sluzin  1037.  cristen  :  reine  131.  iungern: 
megede  3.  bruoder  :  einander  733.  1225.  bruoder  :  opher  1057. 
bruoder  :  marterer  1267.  1297.  rihter  :  keiser  773.  rihter:mar- 
lerer  1327  {vorbereitet  sind  diese  reime  durch  solche  wie  rihter: 
her  1605).  —  W.  v.  Rh.  halter  :  wazer  40i5.  heinlicher  :  be- 
halter 463.  pfleger:  gemeinder  5930.  zerstoerer:zoubrer  97oo.  (Bon. 
45iö  D  befsert).  Reinh.  bäte  :  me  1207.  u.  anm. 

Schon  eingangs  habe  ich  erwähnt ,  dafs  keinerlei  anhält  für 
die  kritik  am  metrum  geboten  sei.    der  verfafser  hat  keine  ahmmg 


222  SANT  CECILIÄ 

von  irgend  einem  metrischen  gesetze,  von  hebnng  nnd  Senkung  oder 
auch  vom  silbenzälen.  die  verse  schivanken  zwischen  fünf  nnd 
zwanzig  silben ,  mehrmals  werden  derart  verschiedene  zeilen  durch 
den  reim  gebunden,  dies  ist  in  rücksicht  auf  die  zeit,  welcher  das 
gedieht  ziiznweisen  sprachliche  gründe  nötigen,  sehr  merkwürdig, 
ich  möchte  glauben,  dafs  sonst  im  lijh.  kein  beispiel  solcher  echter 
reimprosa  vorkäme. 

Die  quelle  des  gedichtes  ist  unzweifelhaft  die  von  der  kirche 
recipierte  Cdcilienlegende,  es  fragt  sich  nur  in  welcher  bearbeitung. 
dafs  es  die  von  Surins  zum  22  novemher  gegebene,  nach  seiner 
gewohnheit  einesteils  stark  gekürzte,  andersteils  mit  breiten  theolo- 
gischen erörternngen  erweiterte  nicht  sein  könne,  ist  von  vornherein 
sicher;  eine  vergleichung  lehrt,  dafs  auch  die  erzähhmg  der  legenda 
anrea  des  Jacobus  de  Voragine  {Girisses  ausgäbe  1843  fasc.  i  771 
— 777)  nicht  nnserem  gedichte  zu  gründe  liege,  da  sie  erhebliche 
kürznngen  enthält,  aber  auch  genauere  daten  gibt,  welche  der  ver- 
fafser  des  vorliegenden  gedichtes,  wenn  ich  ihn  recht  kenne ,  sich 
kaum  würde  haben  entgehen  lafsen.  dagegen  ist  bald  klar,  dafs  die 
in  den  AASS  zum  14  april,  dem  gedächtnistage  der  märlyrer  Va- 
lerianus,  Tiburtius,  Jlfaximus  usw.  abgedruckte  legende  bei  der  ab- 
fafsung  des  gedichtes  benutzt  worden  ist.  leider  bricht  der  abdruck 
dieser  legende  beim  beginn  der  marter  der  Cäcilia  selbst  ab,  da  die 
Bollandisten  sich  dieses  stück  bis  zum  22  nov.  —  so  weit  aber 
reichen  die  Acta  noch  nicht  —  aufsparten. '  doch  genügt  das  vor- 
handene, dem  unser  gedieht  bis  1315  folgt,  vollständig,  um  erkennen 
zu  lafsen,  dafs  wir  nur  eine  freie  Übersetzung  der  legende  vor  uns 
haben,  allerdings  sehr  frei,  der  verfafser  scheut  sich  nicht,  mit 
gutem  tacte  weitläufige  erzälungen  nach  den  evangelien,  subtile  theo- 
logische erörteiungen  einfach  icegzulafsen  und  dafür  einzelne  in- 
teressantere momente  der  erzälung  sorgfältig  und  detailliert  zu 
behandeln  oder  in  den  wenigen  vorhandenen  gleichnissen  und  be- 
schreibnngen  sich  mit  behagen  zu  ergehen,  belege  geben  die  an- 
merkungen.  —  Es  läfst  sich  überhaupt  nicht  läugnen,  dafs  unser 
gedieht  dem  entsprechenden  abschnitte  des  Passionais'-  (Köpke  629i 

'  Vorrede:  cxlnnt  oa  {sc.  membraiia)  passim  ad  xxii  nov. 

^  Die  erzälung  des  Pass.  folgt  der  gleichen  quelle  wie  unser  gedieht, 
doch  geht  die  hcarheiiung  von  einem  anderen  standpuncle  mis.  Hermann 
von  Fritzlar  Ijei  Pfeiffer  Mifstiker  i  240—249  hat  gemeinsame  quelle  mit 


SANT  CECILIA  223 

— 642-4)  an  naivetät  und  frische  trotz  seiner  äußeren  formlosig- 
keit  weitaus  überlegen  ist. 

Und  dies  ermutigt  mich.,  eine  hypothese  über  die  entstehung  des 
gedicktes  vorzulegen,  loelche  die  sonderbare  rohheit  der  form  mit  er- 
klären soll,    stringente  beweise  vermag  ich  allerdings  nicht  zu  geben. 

Erwägt  man  nämlich  daß  schon  die  einleitung,  welche  das 
gleichnis  von  den  törichten  Jungfrauen  behandelt  und  in  der  quelle 
nicht  vorkommt,  auf  die  erbauung  als  zweck  der  arbeit  deutlich 
hinweist,  dafs  ferner  der  ganze  schlufs  des  gedichtes  von  v.  1739 
an,  der  zuerst  eine  moralische  nutzamoendung  gibt,  eine  ermahnung 
anschließt,  sodann  ein  mit  den  lesern  (?)  gemeinsam  zu  sprechendes 
gebet  enthält ,  um  endlich  in  ein  prosaisches  evangeliencitat  auszu- 
laufen, ganz  sichtbar  in  kirchlicher  form  gehalten  ist  und  nicht 
leicht  für  den  ergufs  eines  privatim  frommen  angesehen  loerden 
kann,  hält  trän  dazu  die  überaus  unbehilfliche  form  nicht  blofs  im 
versbau,  auch  in  den  reimen  und  ganz  insbesondere  in  der  syntax\ 
so  liegt  es  nahe  anzunehmen,  wir  haben  es  mit  einer  zuerst  ge- 
sprochenen rede  oder  mit  einer  gereimten  predigt'^  zu  tun.  in  der  hs. 
überdies  befindet  sich  das  gedieht  zwischen  predigten  vgl.  Barock  aao. 

Nur  erwähnen  will  ich  dafs  das  gleichnis  von  deti  törichten 
Jungfrauen  früher  als  adventevangelium  in  der  katholischen  kirche 
verwendet  wurde  und  Cäcilia  am  22  november  im   kalender   steht. 

Berlin  juni  1872. 

ANT.  SCHÖNBACH. 

der  legenda  mirea,  kürzt  aber  stark  in  der  erzälung;  ivä/irend  er  eigeiie, 
freilich  interessante,  zusälze  reichlich  a^ibringt.  vgl.  Pfeiffer  eint.  s.  xv. 
die  hymnen  auf  SCäcilia  zb.  bei  Mo?ie  Lai.  hymne7i  m  nr  862  aus  dem 
b  {'f)Jh.,'7irSGi  aus  de?n  \5,  in  den  Cambridger  liedorn  ?ir  \\u  zs.  14,484 
ergeben  tiichls  für  die  geschichte  des  Stoffes,  die  legetiden  vo7i  STibur- 
iius  tind  SCäcilia ,  dere?i  JHaupt  in  deti  Sitzungsberichten  der  Wiener 
akademie  bd.  Lxxii  (1872)  s.  121  und  129  erwälimmg  tut,  sind  nach  der 
legoida  aurea  gearbeitet.  —  toelcher  quelle  die  erzälung  folgt  die  virs. 
Frances  Elliot  in  ihrem  liebenswürdigen  btiche  Diary  of  a?i  idle  woman 
in  Italy  Tauchn.  edit.  i  200 /f  gibt,  weifs  ich  bis  jetzt  nicht  zu  bestimmen. 

'  Überaus  zalreiche  beispiele  von  satz  dno  xoivov  —  wie  sie  sonst 
in  dieser  metige  kaum  beisatnmen  zu  finden  sein  werden  — ,  datvi  eine 
massenhafte  vcmoendimg  von  undc,  waii,  vermittelst  deren  die  sülze  eine 
bandwurmartige  länge  erhallen  und  welche  diesen  co/ijunctionen  aufser 
der  relativen,  coJiditionalen,  causalen  auch  ?ioch  a7idcre  kaum  miiglichc 
bedeutufigen  beilegt,  liefsoi  sich  aufzälen. 

•  Noch  im  vorigen  jli.  gab  es  in  Niederosterrcich  gereimte  predigten. 


224  HOHENFÜRTER  BENEDICTINERREGEL 


HOHENFURTER  BENEDICTINERREOEL. 

Die  nachfolgende  mitteldeutsche  Benedictinerregel  ist  einer  hs. 
de)'  abtei  Hohen  fürt  in  Böhmen  aus  dem  xin  jh.  entnommen,  die 
Benedictinerregel  steht  auf  drei  unbezeichneten  lagen  zu  acht  blättern; 
eine  genauere  beschreibung  der  Handschrift  zu  machen  habe  ich  leider 
versäumt,  deutsches  enthielt  sie  sonst  nicht,  ich  habe  sie  im  som- 
mer  1868  auf  veranlaßung  Diemers,  der  sie  mir  lieh,  abgeschrieben 
und  zwar  gleich  für  den  druck  mit  beständiger  rücksicht  auf  das 
lateinische  original:  nur  dafs  einige  stellen  unentschieden  blieben, 
bei  denen  die  verbefserung  oder  die  wähl  der  richtigsten  Schreibung 
sich  nicht  sofort  mit  leichtigkeit  ergab,  die  letzte  hand  jetzt  selbst 
anzulegen  war  mir  nicht  möglich,  das  hat  auf  meine  bitte  hr 
dr  Steinmeyer  übernommen,  der  sich  auch  der  leitung  des  druckes 
freu ndlichst  unterzog. 

Wien  11  juli  1872.  W.  SCHERER. 


INCIPIT   PROLOGUS  REGULE  SAIVCTl  BENEDICTI  .\BBATIS. 

Lose,  siiii  min,  spiichit  siute  Benedicte,  an  diu  gebot  dinis 
mistris  und  neige  daz  ore  dinis  hercen  und  inphäch  vil  gerne 
dinis  mildin  vater  manunge  und  irvuUe  si  vrumicliche  den 
wortin  daz  du  mit   der   erbeite    der    gehörsame    wider    züz    ime 

5  kumis  von  deme  du  inturnin  bist  mit  der  slapbicheite  der  un- 
gehorsame. Swer  SU  nu  da  bist  der  da  inphage  wilt  daz  starke 
und  daz  schin])erge  gewt'fene  und  wilt  widersagen  dinineigenin 
wollustin  und  wilt  di  rittirschaft  der  gehörsame  tribe  under  un- 
sirme  herrin  Jesu  Christo  deme  wärin  kunige,  vernim  min  wort. 

10  daz  ist  zallir  erist,  swas  so  du  gütis  beginnis,  daz  du  mit  in- 
nicliche  gebete  in  bitis  irvuUe,  daz  er  uit  geumvrowit  werde  von 
unserin  ubelin  werkin,  der  unsich  gerüchte  achte  in  der  zale 
siner  kinde.  von  sinin  giUin  sule  wir  ime  alle  cit  also  gehör- 
sam si,    daz  er  nit  al  eine  als  ein  zorniger  vater  erbclös  mache 

15  sine  kint,  sunderin  ouh  daz  er  von  unserin  ubelin  werkin 
nimmer  so  gereizt  werde  als  ein  vorhtsamigir  herre,    daz   er   di 

2  vn  immer  wenn  nichts  anderes  angegeben  ist         16  er]  ir 


HOHENFüRTER  BENEDICTINERREGEL  225 

allir    ergisten    schalke    läze    zu    den   ewigiu   wizzin   di   ime   nit 
folge  woldin  zu  den  erin. 


EXSURGAMUS  TANDEM. 

StAu  wir  üf  ettewenne,  sprich  Sente  Benedicte,  diu  heilige  20 
scrift  wekit  iinsich  und  sprichit   'Ez  ist  cit  daz  wir  üf  stau  von 
unsenne    släphc.'     Mit  offui   ougin   zu  deine  gotenhchen  hechte 
und    mit    underkumin    urin    höre    wir    alle   tage,  wi   diu  heilige 
stimme   ruophit   und   unsih   manit   und  sprichit  'Gehörit  ir  hüte 
shie   stimme,    so   enverhertit  niwit  iwer  herze.'     und  aber  'Der  25 
di    örin    hat   ze   hörne,    der  höre  waz  der  geist  spreche  zu  der 
hiligen  cristenheite.'     Waz  spricht  er?    'Kumit   her,   mine   kint, 
fernemit   mich,   ich  wil  üch   diu   gotis  forchte  l^re.'     Loufit  di 
]'  wilf    ir  hat  daz  |  liecht  dissis  libes,    daz  üch  der  tot  mit  sinem 
vinsternisse   nit  begrife.      Und    als    unser    herre    suchet    sinen  30 
werkman  in  der  menige  sinis  folkis  zu  deme  er  also   ruofit,    so 
sprichit  er  aber  'Wer  ist   der  mensche,    der  daz  lebin  wil  und 
gert   der   gütin  tage?'     Firnimis  du  daz  und  gentwurtis  du  'daz 
wil    ich',    so    sprichit    dir   got   zu   'Wil  du  haben  daz  wäre  und 
daz  ewige  leben,    so   swige   dine  zungin    von    ubile,    und    dine  35 
lephese   ensprechen    nit  dechein  veichin  (unchust).     Bekere  dich 
von  ubele  und  tuo  daz  guot,  vorsehe  nach  dem  vride  und  volge 
ouch    dem    vride.     Als   ir   daz   getuot,    so   sint  min  ougen  ubir 
üch    und    min    ören    zu   iwerimme  gebete.     Und  e  dan  ir  mich 
in  ladit,  so  sprochin  ich:  hie  bin  ich.'    Waz  ist  uns  süzir,  liebiu  40 
brüdere,    der    stimme    unsirs    herrin    diu    unsich    so    in    ladit? 
Sinu    wä    unser    herre  mit   siuer   mildicheit  ceigit  uns  den  wec 
des  öwigen  libes. 

SUCCINCTIS  ERGO. 

Mit  under  gegurlin  gelendin  und  mit  dem  beheltuisse  guter  45 
werke  und  mit  der  bM'uunge  des  heiligen  ewangelii  sule  wir  vare 
an  unsers  herren  wegin,  daz  wir  wert  wej'din  in  ce  sehenne  in 
sime    rieh    der    unsich    geladet    h.1t.     In    des  riches  hüs  ob  wir 

17  crgcistcri       20  Bcned'      21   siift      24  rvphit       31   w'imaii       rüfit 

vnchust 

33  vnd        36  weicJiiri        37  vnd  luo        3S  daz]  dach         47  ceschenne 


226  HOHENFURTER  BENEDICTLNERREGEL 

binve  und  wese  \vollin,  so  eukiime  wir  dar  niht  weiie  mit  gütiu 

50  werkiu.  Nu  vrege  wir  iinsern  herriii  mit  deme  heiligen  wis- 
sagin  und  sprechin  'Herre,  wer  sal  wesin  in  dem  hüs  oder 
wer  sal  ruowe  üfe  dime  heiligen  berge?'  Nach  der  vreguuge, 
so  höre  wir  unser  herrin  wi  er  uns  ant^^^lrtit  und  eeigit 
uns  den  wec  des  seibin  hüsis  und  sprichit    'Der  da  in   gät  äne 

55  A  leckin  der  sunde  und  tuot  daz  guote  werc,  der  diu  wArheit 
sprichit  in  sinem  herceu,  der  in  slner  zuongin  hat  diu  wärheit, 
der  sinem  neliistin  nechein  ubil  gelAn  hat  und  im  niht  geite- 
wizzet  hat,  der  den  ubilin  tiuvil  mit  sinin  ubelin  retin  von  sime 
hercen    widerspiit    hat    und    in    ce   nichte    hat   bracht  und  sine 

60  deine    gedanke  behabit  hat  und  si  unsirme  herrin  J.  Christo  zu 

gestözin  hat.'    Di  da  got  forchtiut  und  sich  der  guten 

%erche  niht  von  in  seibin ,  sunderin  von  gote  getan  weredin 
und  in  dar  umme  erint  und  |  sprechint  mit  dem  wissagen 
'Niwit,    herre,    niwit  uns,    sunderin    dime   namen  gib  diu  ere.' 

65  Und  als  sanctus  Paulus  üf  sein  selbes  lerunge  niht  achtit  und 
sprichet  'Ich  pin  von  gotis  gnaden  daz  ich  da  l»in'  und  aber 
'Der  da  geerit  wolle  werde,  der  werde  von  gote  geerit.'  Und 
unsir  herre  sprichit  in  dem  ewangelio  'Der  dise  mine  worth 
hörit   und    irvuUit   si,    den    wil    ich  glich  mache  ein  wisen  man 

70  der  sin  hus  gecimert  hat  ilfe  den  stain.  Die  vluote  quämen, 
die  Aviende  wetin  und  sturminetin  an  daz  hus  und  iz  enviel  nit, 
wände  iz  was  gegruntfestenit  üfe  den  stein.'  Alse  diz  unsir 
herre  irvuollit,  so  bettit  er  alle  tage  mit  siner  heiligen  mauunge, 
wi  wir   im    antwuortin   mit   den  werken.     Durch    daz    wirt    uns 

75  der  lib  von  gote  gevristet  zu  einer  bezerunge,  als  der  apostolus 
da  sprichit  'Enweist  duo  nit  daz  diu  gedult  minis  trechtinis 
dich  leitit  zii  der  riwe?'  Und  milder  herre  sprichit  'Ich  enwil 
nit  des  sunderis  tdt,  sunderin  daz  er  sich  bekere  und  lebe.' 

CUM  IMTERROGASSEMUS. 

80  Do  wir  unsirn  herrin  gevrägetin  von  dem  human  sinis  hüs, 

do  iiörte  wir  daz    crebot   dez   büwenis.     Sunderin    ouch    ob    wir 


49  büwe]  bvvie  51  wesin  53  "uns  "er  antwrtit  58  simen 

61  keine  lücke  in  der  hs.        62  ge  tan  were  din        64  niwt  uns        dine 
65  "paulus  "als  "scs  paulus     '  70  staein         77  riwe        81  bvvuenis 


nOHENFÜRTER  BEiNEDICTINERREGEL  I  227 

irvullin  des  büniannis  anibiclit,  wir  werdin  erbiu  des  hiniilricliis. 
Durcli  daz  sint  unsir  lierce  und  unser  lichauien  ze  breitene,  diu 
riftirscbalf  co  ti'iliene  uiidir  den  gebotin  der  heiligen  gehorsam, 
und  daz  da  ist  ummugchch  co  ti'inne  unser  näti'ire,  so  suHn  wir  85 
unsirn  herren  bite  daz  er  siner  gnade  helfe  uns  zi\  biete.  Und 
ob  wir  die  hellewize  vlihe  Avollin  und  zu  denie  ewigin  lebene 
kume,  die  wile  wir  in  disinie  lichnamen  sin  und  irvulle  niugin 
gotis  geboth  in  dem  Hechte  dissis  liebes,  so  ist  uns  nuo  ce 
loufene  und  ce  tünne  daz  uns  immer  mer  nuzze  si.  Nuo  ist  90 
uns  ze  sezzen  eine  schule  des  goteUchin  dinistis:  in  der  sezzunge 
so  hoffe  wir  daz  wir  nit  hertir  oder  swörir  sache  sezzin.  ledoch 
wirt  von  redelichin  sachin  durch  die  laster  ce  midene  und  durch 
die  bekerde  der  heiligin  minne  lichte  ein  teil  der  strenge  ge- 
sezzet,  sO>  ensalt  du  cehant  so  nit  underkume,  daz  du  vlihis  95 
'  den  wec  des  heilis  |  dez  man  nit  beginne  enmac  wene  mit 
engeme  anegenge.  Aber  dar  nach  mit  der  bekerde  und  mit  dem 
vurgange  des  geloubin  und  mit  enstigime  hercen  so  loufit  man 
di  wege  minis  trehtinis  an  sinen  gebotin.  und  daz  tuot  man 
mit  der  uncellichir  siioze  der  heiligen  minne  alsögetän  wis  daz  loo 
wir  nimer  von  siner  meisterschafte  kumen  und  beliben  in  siner 
lerunge  in  dem  clöster  biz  an  den  tot  und  mit  unser  gedulth 
teil  haben  mit  unsirs  herrin  Martyre  und  wert  werdin  gelözit 
in  sinem  riebe. 

VON  DEN  VIERIN  GESL.  DER  MO.  l 

Ez  ist  oflinlich  daz  vir  gesiechte  sint  der  muneche.  Daz 
eriste  sint  clösterliute  di  ir  ceche  hiint  under  der  regelin  und 
under  dem  abbate.  Daz  ander  gesiechte  sint  einsideler;  daz  sint 
di  di  da  niwit  von  der  ni'iwicheite  dar  zuo  kumint,  sunderin  di 
da  lange  ce  clöstre  mit  maniger  helfe  gelernit  hänt  wider  den  5 
tiuvel  vechte  und  sint  wol  gerustit  mit  der  bri'iderlicher  schare 
und  an  der  liute  trOst  mach  sich  an  dem  enzelin  kamf  dez 
einotis  und  mit  gotis  helfe  mit  banden  und  mit  armin  nnigin 
vehte  wider  dez  vleiskes  laster  und  wider  die  bösin  gedanke. 
Daz  dritte  ist  daz  allir  swerciste  gesiechte  sarabäite  di  enweder  lo 
mit    regelin    noch   mit   mistirschefte   siiit   bewert  als  daz  golt  in 

90  lovfcne       91  gotclicliiiu        92  swcir  102  an  ileni        i  4  nviivi- 

clieite       7  niaclitich?        8  handem 


228         HOHEINFURTER  BE^ED1CTI^ERREGEL  I.  II 

dem  ovene,  suiidir  sint  irweichit  iu  di  nätüre  dez  plus:  waude 
si  der  werlde  ienoch  triwe  belialdiut  mit  den  werkiu  so  wer- 
diut    si    bekaiit    unsirme    trechline    liege    mit    der  schare.     Der 

15  zvene  und  dri  oder  bi  eincelin  niwt  in  unsers  herrin  suuderiu 
in  ir  selber  schäfstingeu  sint  beslossen,  und  vur  ein  6  hänt  si 
der  girde  woUuste.  swenne  so  si  wenneut  odir  icht  irwelint, 
daz  sprechent  si  .  .  .  iz  si  ummuozlich.  Daz  virde  gesiechte  sint 
weller  di  aliiz  ir  leben  durch  di  misliche  laut  variut  und  gastis- 

20  wiz  sint  drie  tage  oder  vire  in  den  misUcheu  cellen  und  sint 
alle  cit  wadilnde  und  unstete  und  sint  dinende  irm  vräze  und 
irin  wollustiu  und  sint  noch  erger  dan  di  sarabäyte.  Der  aller 
jämerliche  bekerde  so  ist  bezzer  daz  wir  swigin  dan  icht  sprechin. 
Durch  daz  läzze  wir  di  und  |  kumen   mit   gotis    helfe    zuo    dem  3' 

25  aller  sterkisten  gesiechte  der  clösterliute. 

11  QÜALIS  DEBEAT  ESSE  AREAS. 

Der  abbit  der  des  wert  ist  daz  er  deme  clöster  vor  sie,  der 
sal  alle  cit  gehuge  wi  er  genamit  wirt  und  vlize  sich  dez,  daz 
er  des  merin  namen  mit  den  werkin  irvuUe.  Man  geloubit  daz 
er  in  dem  clöster  des  heiligin  Crist  stat  besizzit,  swenne  er  in 
5  sine  namen  genamit  wirt  alse  der  apostolus  da  sprichit  'Ir  habet 
phannen  den  geist  kint  wunschunge  in  dem  wiie  da  ruoiin:  abbit, 
vater.'  Durch  daz  ensal  der  abbit  niht  wider  deme  geböte  unsirs 
herren,  daz  nimmer  geschehen  möze,  ich  l^re  oder  sezze  oder 
heizze:    sunderin   alle   sin  lerunge  si  ein  deisme  dez  gotelinchen 

10  rechtis,  der  in  siner  jüngere  gemuote  gesprennet  werde.  Der 
abbit  sol  sich  iemmer  gehuge  daz  von  siner  lere  oder  der 
jungerin  gehörsam  beidir  sache  rede  wirt  gebin  in  dem  vortsamen 
urteile  unsirs  herren.  Er  sol  wize  daz  iz  des  hirten  schult  ist, 
swaz  so  der  wirt  minner   nuzzis   mac   vinden   in   sinen    schäfm. 

15  Alse  vil  wirt  er  aber  vri,  ob  dem  ungerö wegin  und  dem  unge- 
horsamen herte  michil  vliz  wirt  zö  irboten  und  zu  den  suchti- 
lichen  werken  wirt  aller  slachte  sorge  gehabit ,  daz  der  hirte  in 
dem  urteile  unsirs  herren   ledic   werde   und    spreche    mit    deme 


13  dem       14  trelhtinc       IS  keine  liicke  in  der  hs.      geschlete      20  wez 
22  voilastin  23  dan]   daz   hs.  ii    3   geloubit   corr.    aus   gelaubit 

12  vor'sameri         14  sinem         16  dem 


HOHENFÜRTER  BEKEDICTINERREGEL  II  229 

wissagcn    'Din    rechte,    herre,    enverbarc    ich   niht  in    miiiem 
hercen:   diiie  wärheit  und  din  heil  sprach   ich.      Aber  si   ver-  20 
smehetin   und    verschowetin    mich.'      So  ce  jungest  si  den  un- 
gehorsam schÄfin  diu  wize  der  starc  tot. 

ERGO  QUI  NOMEN  ABBAUS. 

Swer  einis  abbetis  namen   phehit,    der  sol   mit  zwivaldiger 
lere  sinen   jungerin  vor  sie,  daz   ist   daz   er   daz    gute    und    alle  25 
heilicheit    mer    mit   den   wirkin   dan   mit    den  Worten  wisen  sol 
und  den   verstentdilichen  junger  sol  er  vur  legen  unsirs  herren 
gebot  mit  den  werten ,   aber  den  herten  und  den  einveldigen  s6 
wise  er  mit  sinin  tetin  di  gotelichen  gebot.     AUiz    daz    er    lerit 
3'  sinin  jungerin  widercem  si ,  daz  wise  |  an  sinem  werken  nit   ce  30 
tünne   si,    daz   er   nit  untiure  funden  wert  der  den  andern  vor 
predigit,    und    daz    ime    von   gote  zu   gesprochen   werde    'War 
umme   sagis    du    min    recht    und    war    umme    nimis    du    min 
Urkunde  durch  dinen  munt?     Abir  duo  azzis  diu  zucht  und  ver- 
wirfez  hinder  dich  mine  rede.     Dir  in  dines  brüder  ougen  söhe  35 
diu    agenin,    in    din    selbes   ougin   sehe   du  nith  den  träm.     Ez 
enwerde    uechin   persona  von  dem  abbate  in  dem  clöstre  undir- 
schidin.     Einer  werde  nit  m6r  geminnet  den    der  ander,    wene 
den  er  mit  den  gütin  werken  oder  in  der  gehörsam  bezzer  vint. 
Der  edel  enwerde  den  anderin  nith  vurgesezzit,    ez   ensi   daz  iz  40 
ettislich    redeliche    sache    undirvAhe.     Ist  iz   also    daz    redeliche 
Sache  recht  tichtit  und  den  abbet  also  gut  dunkit,  so  til  er  daz 
von    eines    iechches    ordine.     Abir  andirs  so  haben  ein  ieslichc 
sine    stat:    wände,    er    si    eigen    oder    vri,    so  sin  wir  in  dem 
heiligen  Christo  alle  ein,  und  under  einime  herren  s6  trage  wir  45 
eine  gliche  ritterschaft  des  dinistis,  wände  er  undernimeth  nechein 
adil    an    den    pers6nin.     AI    eine  in  disime  teile  werde  wir  von 
ime    underschedin,    ob   wir   bezzir   und  dinultigir  vor  ein  ander 
in   den   gütin  werken    fundin    werdin.     Durch    daz    werde    ein 
gliche     minnen    in    allen    zu    irboten    und    nAch    den    werdin  50 
ein  zucht. 

21  vchowetiu       dem  25  sinem       sie  i7if.  nach  falscher  atialogic 

27  viir  2^  eiiiiivekligen  oder  einnvcldigen  35  Dir]  Du  dir?  36  den 
37  3S  undircliidin  40  oder  41  =:  iustitia  dictante  43  liaben  sc.  si 
46  rihterschaft      47  disimen  urtelei      50  zvvirboten     =  secundum  mcrita 

Z.  f.  D.  A.  neue  folse  IV.  16 


23(1  IIOHE-NFLRTEK  BEAEDICTINERREGEL  II 

IN  DOCTRINA  SUA. 

Der  abbit  sol  in  siner  Uve  seilte  Paulis  bilide  behalde,  da 
er  von  spricbit  'Straf  und  bite  und    schilt',    daz    ist:    mische    di 

55  cit  den  citen,  mit  der  verunge  di  semfticheit.  Er  mrtzze  habin 
eine  grimme  dez  mäistris  und  ein  milde  enszte  des  vaters.  daz 
ist:  er  niuoz  di  unzuchtigin  und  di  unerwegin  hertiliche  sträphe 
und  sol  bitin  di  gehörsamin  und  di  milden  und  die  dultigen, 
daz  si  sich  bezzerin.     und    wir    nianin    daz    er    die    versumegin 

60  und  die  smehere  scheide  und  sträphe.  Er  ensol  nit  verswigen 
der  misseteten  sunde,  sunderin  alse  schire  so  sie  beginnent 
wachsen,  sc»  snide  er  si  abe  an  der  wurcelin  alse  vil  so  er  mac, 
und  gehuge  sich  der  vreise  Heli  dez  pristris  von  Sylö.  Und  di 
ßrsamen  brüder  und  die  |  verstentliche  gemuote,  nu  mite  einer,  4* 

65  nu  mit  der  andern  manunge,  s6  sträphe  er  si  mite  wortin. 
aber  di  hertin  und  di  vohnütigin  und  di  ungehorsam,  di  be- 
Ivvinge  er  an  deine  selben  anegenge  der  sundin  mit  siegin  und 
mit  der  kestigäte  dez  lichamen  und  wizze  daz  daz  gescriben  ist 
daz  der  tumnie  mit  den   Worten   nit    gerihtit    wirt.      Und    aber 

70  'Slach  dnien  sun  mit  der  gertin,  so  lösist  du  sine  sile  von 
dem  töde.' 

MEMINISSE  DEBET  SEMPER. 

Der  abbit  sol  alle  cit  gehuge  waz  er  ist  und  gedenke  wi  er 
genannt    werde   und    er   sol  wizzen  daz  mer  von  ime  wider  ge- 

75  vodert  wirt  deine  da  m^r  bevolhin  wirth.  Und  er  sol  wizzen 
wi  unsemfte  und  wi  höhe  sacbe  er  enphannen  hat  di  s6le  be- 
richtene  und  maniger  site  lere  und  bewaren.  und  ein  mit 
seinften  wortcn,  einen  andern  mit  scheldene,  einem  andern  mit 
schundunge  und  nach  eines  ieslichen  wale  oder  vernumft  so  sol 

80  er  sich  zCi  erbeiten  und  zu  vögen ,  daz  er  alle  eine  nit  dulde 
den  schaden  sfnis  hertis  der  ime  bevolhin  ist,  sunder  ouch  er 
sol  sich  vrögen  in  der  merunge  dez  gutin  hertes.  Vor  allen 
dingen    daz  er  icht  lucil  achte  üfe  daz  liele  der  s6le  di  ime  be- 


54  miclie  50  tP  vaters  61  misseten  62  waschen         65  nia- 

nvnge  66  67  bctiiigwe  daz]  da?  69  tvinine  70  livsist  dv 

73  gehvge        82  hertes]  heroen 


HOHENFLRTER  BENEDICTINERREGEL  11.  111        231 

volliin  sint,  so  enliabo  er  nith  mOr  sorge  von  den  cegenclichen, 
von  den  irdischin,  von  den  hröden  scliazzeu,  siinderin  er  ge-  85 
denke  alle  cit  daz  er  plianen  hat  die  S(?le  berichteiie,  i'ur  di  er 
oucli  rede  sol  gejjin.  Und  daz  er  von  den  minnerin  irdischen 
schazen  icht  dürfe  clagen ,  so  gedenke  er  daz  da  gescri])en  ist 
'Silchet  gotez  riche  zerist  und  sin  rechte,  krtt  unsir  herre,  und  daz 
cegencliche  guot  wirt  iu  allez  zu  irhoten.'  Und  abir  'Nitli  ge-  90 
brist  den  di  da  got  vorthtint.'  Der  abbit  sol  wizzen  daz  er  da 
phannen  hat  di«  s61e  berichtine:  daz  er  sich  berichte  gote  vur 
si  ce  entwurtene.  Und  alse  vil  so  er  der  brüdere  zale  hat 
under  sinir  sorge,  s6  wiize  er  vur  war  daz  er  an  deme 
tage  dez  urteliz  vur  alle  di  sele  muoze  got  rede  geben,  und  95 
ubir  daz  äne  zvivil  für  sin  selbes  s6le.  Und  alse  er  alle  cit 
■1'  also  vurthit  vur  sine  schäf  daz  kumftige  |  gotis  urteile,  so  er 
behuottit  vur  die  .  .  .  vortsam  für  sich  seibin.  Und  so  er  mit 
siner  manunge  bezerunge  den  andern  zuo  dinit,  so  wirt  er  selbe 
von  den  lastrin  gebezzert.  100 

DE  ADHIBENDIS  AD  CONSILIUM  FRATRIBUS.  III 

Swenne  so  man  grözze  sache  hat  ce  schaffen  in  deme 
clöster,  so  lade  der  abbit  alle  diu  sammenuuge  und  sager  in 
diu  Sache  diu  da  ce  tünne  ist.  Alse  er  dan  vernimit  der  brüder 
rat,  so  betrahte  er  den  rät  von  selben  me  und  swaz  so  er  aller 
nuzzis  ertaile,  daz  duo  er.  Durch  daz  hAn  wir  gesprochen  daz  5 
man  sie  alle  ce  rate  neme,  wände  dicke  wirt  deme  junger  ge- 
offnit  daz  da  bezzer  ist.  Aber  die  bruodere  gebin  also  den  rät 
mit  der  undertenicheite  und  mit  dem  muote,  daz  si  nihte  er- 
balden  vreveliche  beschirme  daz  si  bezzer  dunkit.  sundern  der 
rät  hange  aller  meist  in  dez  abbitz  willecure,  und  svaz  s(*»  er  lo 
heilsamer  irteile,  des  sin  ime  die  bruoder  alle  geht'krst'ftuen.  Als 
oucli  den  junger  wol  gecimit  daz  sie  gehOrsanuni  sin  dem 
meister,  also  gecimit  dem  meistre  wol  daz  er  vursichteliche  und 

84  (In         S5   (lein         scliazheri  86  fvr  er  di  87  irdiscliahon  = 

sulistanlia         8S  gebrisrilien  92  beicilitc  i  in  c  corr.  es  soUle  also  be- 

reite geschrieben  werden  94  vur  95  vrlelich  96  zwivel  vil  fvr 

97  vvrlhit  vur  scliak  kviiiftige  urtelei  98  vur  vorlsamf,  da- 
vor keine  l'dcke  in  hs.  fvr  100  dem  \\i  4  von  inio  selben?  5 
nvzzis  und  so  hüiißg  v  für  u  bis  v  21  erfale  10  der  aus  den  abbizt 
12  d.Mi 

16  • 


232       HOIIENFÜRTER  BENEDICTINERREGEL  III.  IV 

rechte  alle  diiic  schaffe.     In  allen  dingen  so  volgin  si  der  regele 

15  ir    meistre,    und    von   ir   enäwike   nieman   vreveliche.     In    dem 

clöslre  so  envolge  nieman  sines  eigen  hercen    muotwillen,    und 

nieman    erbalde    mit    sinem   abbath   vrevelich   stritin  iunewendic 

oder  üzewendic  des  closters.     Swer  dar  zuo  erbaldet,  der  under- 

lige   der   regelichen   zucht.     Aber    der   abbet  sol  selbe  tuon  alle 

20  dinc  mit  gotiz  vorthe  und  mit   beheltdenuzze    der    regelin,    und 

wizze   äne  zwivil  daz  er  von  allen  sinen  urteilen  gote  dem  aller 

rehtisten  rihter  red  muoz   gebin.      Sint   aber    minner   sache    ce 

tuonne  in  dez  clöstris  nuzzin,  so  habe  er  der  altherrin  rät,  alse 

da   geschriben    ist     'Tue  alle  dinc  mit  rate,  so  enreuhet  iz  dich 

25*niht  nach  der  täte.' 

IV  QUE  SUNT  INSTRUMENTA  BONORUM  OPERUM. 

Man  schol  zallir  erest  got  minne  mit  allime  herein,  mit 
aller  sele,  mit  allen  creftin,  dar  nach  den  nehistin  alse  sich 
selben.  Dar  nach  nieman  töte,  nith  huore,  nit  stele,  nit  girze, 
nit  lugelich  Urkunde  sagen.  |  Man  sol  alle  Hute  ere,  und  daz  ein  5* 
5  iesliche  nit  wil  daz  man  ime  tue,  daz  tue  er  einem  ander  nit. 
Man  sol  sin  selbis  verloukene,  daz  man  deme  heilige  Christo 
gevolge  muge.  Man  sol  den  libe  kestige,  tiuer  ezzen  nit  helse, 
di  vastin  minne,  di  armen  laben,  den  nacketin  bewcHe,  din 
sieben  gewise,  den  toten  begraben,  den  notin  helfen,  den  irs(^ritiu 

10  trösten,  von  wertlichen  Sachen  sich  fremede  machen,  Cristis 
minne  nit  fursezze.  Man  sol  den  zorn  nit  irvulie,  dez  zoruez 
cit  nit  behalden,  in  dem  hercen  nechein  veichin  habe,  velsUchen 
vride  nit  geben,  din  minne  nith  verläzzen.  Man  sol  nit  svere, 
diu  wärit  von  dem  hercen  und  von  dem  munde  vur  bringe,  ubil 

15  wider  ubile  nit  vergelden,  nieman  nech^n  unreht  tuon,  sunderu 
ouch  wirt  iz  ime  getan,  daz  sol  er  duldiclichen  liden.  er  sol 
di  viinde  minne.  er  ensol  nit  wider  vluochen  den  di  ime  da 
vluochint,  sundern  er  sol  si  siene.  er  sol  di  echte  durch  daz 
rehte  liden.     Er  sol  nit  vohnuotic  sin,  nit  trunken  sin,  nit  frecic, 

14  Schafe  17  stielin  18  zve  20  beheldel  nvzze  vgl.  verstentdi- 
iichen  3'  21  sieht  ivie  zwilul  aus  22  relitis  lihleren  vg^/.  ni  5  23  alsfe 
24  Tue  aus  Due        en  revliet  iv  1  gote  allimen  2  neiliistin 

3  girclie        4  ein        7  dem       12  iieciiein       17  vüliclion  18  das  zweite 

er]  der       19  rette  (rccte?)        volnivlinc 


HOHEISFURTER  BENEDICTINERREGEL  IV  233 

nit  släphic,    nit  trege,  nit  murmiilere .    iiit  hiiulerküser.     Er  sol  20 
gote  alle  sine  zuoversichit  bevelhe.     Swaz  so  giU  an  im  ist,  daz 
sol  er  gote  züvüge,  nit  im  selben,    er  sol  wizzen  daz  daz  ubile 
von    ime   selben   getan   wirt   und  sol  iz  ime  selben  wizzen.     Er 
sol  den  tac  dez  urteilez  und  die  helle  vurhte.     er  sol  daz  ewige 
leben  mit  geistelicher  girde  wunzen.  er  sol  den  tot  alle  tage  vor  25 
den   ougeu   wänsaiii  haben.     Er  sol  alle  cit  behuoten  die  werch 
sines  libes.  er  sol  wizzen  vur  war  daz  in  got  in  allen  stetin  ane 
schouhet.     Die  bOsen  gedancke  di  zu  sinime  herce  kumint,    sol 
er   cehant  unsirm  herren  J.  Christo  zuo  stöze  und  sol  si  offene 
dem   geistlichen   altherren.     Er   sol  sinen  munt  von  ubelir  rede  30 
behuoten.     Vil   sprechen   ensol  er  nit  minne.     er  sol  di  upigen 
worth  nit  sprechen  di  &a  lachende  machint.   vil   lachen    oder  üz 
geschutit  lachen  sal  er  nit  minne.   er  sol  di  heiligen  leccen  gern 
hören,     er  sol   dike   und  ofte  zuo  dem  gebete  lige.     er  sol  alle 
tage  in  sime  gebeth  sine  missetät  mit  süffecene  gote  begihe  und  35 
von  den  selben  ubelin  teten    sich   dar   nach   bezere.     er    sol    di 
girde   sinez  vleizez   nit    ervuUen.    er    sol    sinen  j  eigenin    willen 
hazzen.     Den  gebotin  dez  abbetes  sol  er  gehörsam  sin,  ob  ouch 
der  abbet   anders   tuot,    daz  nimmer  geschehen  müze,    und  sol 
gehuge  unsirs  herren  wortin  da  er  da  sprichet  'Daz  si  iu  sagint,  40 
daz  tut:  daz  si  da  ti'int,  daz   entüt  ir  nit.'     Er    sol    nit    wollen 
daz  er  heilic  werde  gesagit,  <i  dan  daz  er  heilic  sie  ....  daz  iz 
wörhche    gesaget    wert.      Er   sol   gotis   gebot  alle  tage  mit  den 
werken    irvullin.     er   sol    di   kiizzeith  minnen.     er    sol    nimmen 
hazzen.     er   ensol   den   ubelin   vliz  und  den  nith  nit  haben,     er  45 
sol  den  strit  nit  minne.     hertuom    und    vermezzinicheit    sol    er 
vlihen.     er  sol  di  balleren  eren ,   di   jungerin   minne,   in  Cristis 
minne  vur  di  vient  biten,  mit  den  missehellerin  sol  er  wider  ce 
fride  kume  e  danne   der   sunne    under    kume.     er   sol    an    den 
gotis  gnAden  nimmer  verzwivele.     Sinuwa  diz  sint  di  gezüge  der  50 
geistelichen    hste.     swenne   di  tac  und  nacht  von  uns  steticliche 
werdint  irvuUit  und  in   deme   tage   des   urteliz    gote    gentwurtit, 
so  wirth  uns  von  unserme  herren  daz  lönen  wider  gewegen  daz 

22  zwuge         24   iirteleiz         25   gestciliihor        tag"  28  schoehet 

kumit  30  alter  herren  sinem  33  sar  34  hvreii  zuo  35 
svHecehene  behige  36  dem  tet  39  gesche''en  42  keine  Uicke 
in  fis.  43  den    undeutlich  45   niht  nit  46  vgl.  vergessinicheit 

VII  27        52  irwilllit        vrtelichez         53  Ion  en 


234        HOHEISFURTER  BENEDICTINERREGEL  IV.  V 

er  gelobet  hat,  daz  nie  chein  oiige  gesach,  nie  chein  öre  ge- 
55  hörte,  nie  in  decheinis  menschen  herce  quam  daz  got  in  be- 
rihtit  hat  die  in  da  minnent.  Die  wercgadim  in  den  wir  die 
werc  alle  irvuUen  nnigen,  daz  sint  die  clöster  und  steticheit 
in  der  samenunge. 

V  DE  OBEDIENCIA. 

Der  ereste  gräd  der  diniüte  ist  diu  gehörsam  äne  tväle. 
Diu  cemit  den  wole  die  nit  so  liebis  habent  so  den  heiligen 
Crist.  Durch  daz  heilige  gotis  dinist  daz  si  geizzen  haut  oder 
durch  die  vorth  der  helle  oder  durch  die  ere  des  ewigen  libes, 
5  cehant  als  in  von  den  merin  ich  gebotin  wirth,  als  iz  von  gote 
gebotin  sie,  so  enkunnin  si  nit  tvälen  daz  ce  tünne.  von  den 
sprichit  unser  herre  'Cehant  gegen  der  stimme  waz  er  mir  ge- 
hörsam.' Und  sprichit  aber  zuo  den  mestrin  'Der  üch  hörit, 
der  hörit  mich.'     Die  also  sulich  sint,   die  läzint  cehant  ir  werc 

10  und   irin    eigin    willen,    und   mit   den  nächwendigen  vuozin  der 
gehörsam  |  so  lazint  sie  ir  werc  von  den  bekumertin  hendin  und  6' 
volgent  der  stimme  diu  in  ce  kewerce  gebeulit.  und  also  in  einer 
luzelin   wile    des   meistris   geboit  und  di  durchnihtigin  werc  des 
jungerin  bede   säche    werdint   gemenilich   scliire    irvullit    in    der 

15  snellicheite  gotis  vorte.  Di  die  minne  zu  dem  ewigen  leben  ce 
varnen  haut,  durch  daz  inphant  si  den  engen  wec  von  dem 
unser  herre  &ä  sprichit  'der  wec  ist  enge  der  da  laittit  zuo  dem 
ewigen  leben',  daz  si  nit  leben  nach  ir  willecure  unde  nit  ge- 
hörsam sin  ir  girde  und  ir  wollustin,  sunderin  daz  si  g<^n  under 

20  deme  vremeden  urtölin  und  geböte,  und  sint  in  dem  clöstre  und 
gerint  des  daz  in  ein  abbit  vor  sie.  Äne  zvivil  di  so  sulich 
sint,  di  volgint  der  sententien  unsirs  herren  da  er  da  sprichit 
'Ich  enbin  niwit  kumen  ce  tonne  minin  willin,  sunderin  sinin 
willin    der   mich  gesaut  hat.     Abir  diu  selbe  gehörsam  wirt  dan 

25  amphenclich  unsirme  trechtine  unde  süze  den  liutin,  svaz  s6 
man  heizit  tun,  daz  man  daz  nit  tuo  vorhticliche  oder  trecliche 
oder    unilizliche    oder    mit   murmulunge    oder   mit   vreveler  ant- 

54  geschach        55  gote        57  iiwüllen  v  4  worth        8  spricheit 

niGstrin  14  irvvullit  15  sellicheite  17  laeittit  21  Ane]  hier  un- 
gefähr beginnt  ein  anderer  schreihcr,  der  sich  eines  Wortbindezeichens 
am  ende  der  zeilen  bedient         27  viifvzliche  =  tepide 


HOHEIVFLRTER  BE?SEDICTINERREGEL  V.  VI.  Vil     235 

wurte,  wände  diu  gt'liörsam  diu  den  meistrin  wirt  irbotin,  diu 
wirt  gote  irbotin,  der  da  sprichit  'Der  hiich  hörit,  der  hörit 
mich.'  Und  mit  götime  gemuote  müz  diu  gehörsam  z\\  irbotin  ^^0 
^vorden  von  den  jungerin,  wände  den  vröwin  gebin  niinnit  got. 
Wirt  er  aber  gehörsam  mit  ubelime  gemüte  und  nit  eine  mit 
dem  munde,  sunderin  ouch  mit  deme  herein  murmuht ,  irvulit 
er  ouh  daz  gebot,  so  enwirt  iz  doch  nit  ampfenciich  nnsirm 
herrin  J.  Christo  der  des  murmuleris  herze  ane  sihit.  Umme  so  35 
sulche  tat  so  envolgit  ime  nechein  gnäde,  sunderin  oidi  dar 
ubere  so  loufit  er  in  di  wize  der  murmulere,  ob  er  iz  mit  der 
l)uze  nit  bezerit. 

DE  TACITURMTATE.  VI 

Wir  sühn  tun  alse  der  beilege  wissacbe  da  sprichit 
'Ich  sprach :  ich  sal  behuote  mhie  wege,  daz  ich  nit  missespreche 
in  miner  zungen.  Ich  hän  gesezzit  huote  minnim  munde,  ich 
bin  verstummit  und  bin  gedemiitigit  und  ich  sweic  von  gute.' 
6'  Hie  ceigit  uns  |  der  wisage,  ob  man  von  guter  reide  under  b 
stunden  durch  daz  stihiisse  snl  swige,  michils  mer  von  ubihn 
wortin  sal  man  sich  verloube  durch  di  wize  der  sundin.  Durch 
datz  swi  so  iz  si  von  gute  und  von  heiliger  bezerunge  durch  di 
gedignicbeit  des  stilnissis,  so  sal  man  seidin  den  durnethtigen 
jungerin  urloub  gebe  ce  sprechene.  wände  iz  ist  gescribin  'In  lo 
maniger  rede  so  envlöbis  du  di  sunde  nit.'  Und  abir  'Der  tot 
und  daz  leiben  sint  in  der  gewalt  der  zungin.'  Iz  cimit  dem 
meistere  wol  daz  er  spreche  und  lere,  und  gecimit  deme  jüngere 
wol  daz  er  swiche  und  höre.  Durch  daz  swaz  so  man  vordere 
sal,  daz  werde  von  dem  priöre  gevorderit  mit  denu'ite  und  mit  15 
ewirdicheite.  Scbimfliche  worf  und  di  unnuzze  sint  und  di  da 
lachinde  machint,  di  verdampne  wir  mit  dem  ewechin  slözze  in 
allen  stelin,  und  zu  so  sulber  reide  so  enverhenge  wir  nit  deme 
jüngere  sinnin  munt  \\f  ce  tuone. 

DE  IIUMILITATE.  VII 

Diu    heilcche    scriit    röfit    uns    zii     und     sprichit       'Swer 
so    sich    irhebit,      der     wirt     geniderit.      Und     swer    so     sich 

31  werdfii]  \v'        gcliin  man         33  den         3t  ani|)lii'ni(li(h  vi  3 

miniu        'ch         9  oder  durnecliliKiii         12   den         13  nieislcien 


236  HOHENFURTER  REiNEDICTIISERREGEL  VII 

ged^mütigit ,  der  wirt  irhabin.'  Wände  unser  herre  selbe  da 
sprichit,  so  ceigit  er  uns  aller  slachte  höheide  wesin  ein  ge- 
5  siechte  der  höhverticheite  von  der  sich  der  Avissage  ceigit  ce 
behüteue  da  er  sprichit  'Herre,  kiit  er,  min  herze  ist  nit  ir- 
habin und  min  ougin  sint  nit  geCiffit.  In  grösin  dingin  und 
in  wunderlichin  sachin  so  engeinc  ich  nit  über  mich  sel- 
ben.'   Sünderin  waz?    'Instünt  ich  nit  nidere,  sunderiu  ich  ver- 

10  habin  hän  mine  sele,  alse  daz  ubersougete  kint  über  sine  müter, 
also  Salt  du  vergelde  in  mine  sele.'  Von  diu,  wolle  wir  besizze 
diu  höhe  der  hoberistin  demüte  und  wolle  wir  snelliche  kume 
zu  der  himilissin  höhe,  zu  der  man  da  üf  stiebet  mit  der  dimüte 
des  geginwortigin   lebenis,   so  ist  uns  üf  ce  richtene  diu  leitere 

15  diu  erin  Jacob  irschein  in  deme  slaphe,   von   der   ime   di  nider 
stiginde  und  iif  stiginde  engele  wurden  gewisit.     Ane  aller  slate 
szvivil  nich  anderis  der  nider-  und  der  üfstic  wirt  von  uns  ver- 
standen,  wene   daz    man  |  mit  der  höclifart  nider  stigit  und  mit  7* 
der    demüte    üf    stigit.     Du    selbe    üf   gerichte   leitere   ist  uusir 

20  leibin  in  dirre  werkle  diu  mit  deme  ötmütigin  herce  wirt  üf  ce 
himile  gerichtit.  Der  leiterin  boume  sint  unser  lichamen  und 
unsere  s6le.  In  di  leiterboume  hait  diu  goteliche  ladunge  in 
gesprüzit  di  misshche  grade  der  demüte  und  der  züchte  di  man 
üf  stige. 

25  PRIMUS  HÜMILITATIS  GRADUS. 

Der  erste  gräd  der  demüticheit  ist  ob  man  di  gotis  forchte 
vur  di  ougin  sezze  und  vlihe  diu  vergessinicheit  und  gehuge 
sich  alle  cit  waz  unser  herre  geboten  habe,  wi  di  in  helle  vallint 
di  in  mit  den  sundeu  smehint   und   rutile   in    sime    herein    den 

30  ewegen  lip  der  da  bereitit  ist  den  di  da  got  vorchtint  und  be- 
huote  sich  alle  cit  von  den  sunden  und  von  den  lastrin,  daz  ist 
der  gedanke,  der  zungin,  der  ougin,  der  hende,  der  vüze,  des 
egenin  willin;  sunderin  ouh  er  ile  abe  snide  diu  girde  sines 
vleischis.     Er   wene  daz  er  alle  cit  von  gote  ane  gesehin  werde 

35  und  sine  werc  in  allin  stetin  von  gote  ane  gscowit  und  von  den 


VII  7  gevf|tit       S  vnderlichin       9  nidere        9  10  v''habin  haben  hau 
11  besizze  13  zv  15  deme  slaphe  16  wrden         19  selbe;        21 

licham        24  stige  sal?        25  Primus  h.        2S  ha  |  habe        32  voze 


HOHENFURTER  RE.\EDICTL\ERREGEL  VII  237 

heligiü  englin  alle  cit  gote  wider  gekiindegit.  Daz  ceigit  uns 
der  wissage,  so  er  in  unsirn  gedanken  sagit  daz  got  anewarte 
si.  Er  sprichit  'Got  durchsiichit  diu  herein  und  di  gelende.' 
und  aber  'Got  der  bekennit  der  liute  gedanke.'  und  aber  'Du 
häs,  herre,  gemerkit  mine  gedanke,  und  des  niennischiu  gedanke  40 
sulin  dir  begehi."  Und  daz  der  nuzze  briuler  alle  cit  sorcsam 
si  wider  sine  ubele  gedanke,  so  spreche  er  in  sime  herzen  'So 
wirdin  ich  umbewollin  vor  ime,  ob  ich  mich  behalde  von  minim 
unrechte.'  Unsern  eigenin  Avillin  wert  man  uns  also  ce  tuone, 
so  uns  diu  scrift  da  zii  sprichit  'Bekere  dich  von  dinen  willen.'  45 
Und  wir  bitin  in  deme  gebeite  daz  sin  wille  in  uns  werde.  Von 
diu  mit  reichte  werde  wir  gelerit  niwit  tuon  unserin  wille,  so 
wir  IteluUin  daz  daz  diu  beilege  scrift  da  sprichit  'Ez  sint  wege 
di  di  liute  recht  dunkint,  der  ende  senkit  in  die  tüfede  der 
helle',  Und  so  wir  aber  daz  behütin  daz  von  den  versiunegin  50 
gesprochin  ist  'Si  sint  cebrochin  und  verwäzin  wordin  in  irrin 
willin.'  In  der  girde  des  vleisschis  so  sul  wir  geloubin  daz  j 
uns  got  alse  geginwurtic  si  alse  der  wissage  sprichit  'Vor  dir, 
herre,  ist  alle  min  girde.'  Von  di\  ist  uns  ce  behütene  diu 
ubele  girsheit,  wände  der  tot  ist  gesezzen  bi  deme  ingange  der  55 
gelüste.  Von  diu  gebutit  uns  diu  beilege  scrift  und  sprichit 
'Volge  dinir  girdin  nit.'  Ist  daz  unseris  herren  ougen  besscho- 
wint  beide  die  gütin  und  diu  ubilin  und  alle  cit  wartit  von 
deme  hymele  ubir  der  liute  kint,  daz  her  besehe,  ob  sich  ieman 
verste  und  got  sCiche,  Und  ob  unsir  werc  alle  tage  unsirme  60 
scepfere  von  den  englin  gekundegit  werdint  den  wir  da  bevolhin 
sin,  so  ist  uns  ce  behütene  alle  cit  alse  der  wissage  da  sprichit 
Daz  swen  unsich  min  trechtin  geneigit  zu  dem  ubele  und  un- 
nuzze  vindit  gemachit  vor  sinir  ansichte  und  schOuit  unsir  nu  in 
disin  citin,  wände  er  milde  ist  und  beitil  unsir  bekerde,  und  65 
Sprech  uns  bar  nach  zu  'Diz  tOle  du,  und  ich  sveic' 


3S  spcet        40  gekanke         42  sin         43  imi;         44  unreohti;        47 
reichte;  w\\e.  51    oder  ivriii  52  willein  gird«;         vlesisscliis        sul 

53  geginwrlic         54  belivtene  55  wandij  gezezzen  5S  wartit] 

aus  dem  vorhergeltendcn  ist  herre  als  subject  zu  ergänzen  59  iemain 

60  suchi;       nsir        61  gekundegit      62  spricheit       65  bekerdi;      und]  nit? 


238  IIOIIEKFLRTER  BENEDICTINERREGEL  Vll 

SECUNDIS  HÜMILITATIS  GRADUS. 

Der  antler  gräd  der  demülicheite  ist:  Daz  man  sin  selbis 
williu  nit  minne,  und  daz  in  nit  gelüste  volbrenge  sine  girde. 
70  Sünderin  er  volge  der  stimme  unsirs  herre  diu  da  sprichit  'Ich 
enbin  nit  kumen  ce  tuone  minin  willin,  sunder  sinin  willin  der 
mich  gesant  hat.'  Und  aber  sprichit  diu  scrift  'Diu  wollust  hait 
wize,  und  diu  nötturft  geberit  diu  crönin.' 

TERTIUS  HÜMILITATIS  GRADUS. 

75  Der  (h'itte  gräd  der  demüt  ist:  Daz  man  durch  gotis  minne 

mit  aller  gehörsam  dem  alterin  sich  undertenic  mache  und 
volge  unserin  berrin  von  deme  der  apostolus  dA  sprichit  'Er 
vvaz  gehorsam  sinem  vater  biz  an  den  töd.' 

QUARTUS. 

80  Der  vierde  grad  der  demuot  ist,    ob    man    in  der  gehorsam 

herte  und  widerwertige  diuc  lide  und  ob  ime  unrechte  getan 
werde,  daz  er  daz  duldicliche  mit  der  stillin  conscientien  inphähe 
und  inhabe  sich  und  enmuode  niwit  und  enescheide  sinin  wec 
nit,    alse   diu  scrift  da  sprichit  'Der  ('a  belibit  biz  an  daz  ende, 

85  der    vvirt   behalden.'    und   aber   'Din   herze   werde  gesterkit  und 
dulde   unserin   berrin.'     Und    alse    er   ceigit   den  |  getriwin  man  8' 
alle  dinc  durch  got  sule  liden,    so   sprichit    er   in  der  persöuen 
di   da   lident   'Durch    dich    werde    wir    alle    tage    getötit.     wir 
sin  geacbtil  alse  di  schäf  der  slachte.'    Und  alse  si  gvis  werdint 

90  von  der  Zuversicht  des  gotelicbin  widerlonis,  s6  vokbint  si 
vrölige  und  sprechinl  'In  allen  disin  sachin  s6  überwinde  wir 
di  viende  mit  deme  der  unsich  geminnit  bat.'  Und  aber  sprichit 
<liu  scrift  'Herre,  du  hast  unsich  bewcril,  du  hast  unsich  alse 
daz  Silber  in  deme  viure  geveimet.     Du  hast  unsich  in  den  stric 

95  leitil.  Du  hast  di  dresschunge  M  unse  rucke  gelegit.'  Und  daz 
er  uns  wise,  wie  wir  undir  deme  priöre  sulin  sin,  s6  volgit  er 
der    nach    und    sprichit  'Du   häs   diu   liutbe  üf  unsir  houbit  ge- 

68  mani  70  speit  71  C(j  72  speit  78  siiu"         81  lide 

82   eonseiontien  SO   vserin    vgl.  11'  S7    persoiie  90   zv  v  sehit 

91  disoin         95  =  tribulationes 


HOHENFLIRTER  RE>EDICTINERREGEL  VII  239 

sezzit.'  So  Avir  ouh  irvuUiii  uusirs  liLTreu  gclxtt,  il;i  \\\v  mit 
der  gedult  unrcclit  und  witirwerd(  ge  dinc  lidin.  alse  di  da  ge- 
slagin  werdint  in  daz  wange,  hitint  dar  daz  andere,  der  in  den  100 
rok  niniit,  lazint  im  dar  zu  ouh  daz  lachin.  werdint  si  zu  einer 
mik'  genotit,  si  gent  zv6  und  duldint  di  valsin  bjüdere  mit 
sente  Paulo  und  iidint  di  echte  und  sprechint  von  in  wol  di 
uhele  von   in  sprechint. 

QUIMÜS  HUMILITATIS  GRADÜS.  105 

Der  viumfte  gräd  der  demuot  ist,  ob  mau  alle  di  u])ilin  ge- 
danke  di  z(\  deme  herzen  kumint  oder  daz  man  gesv^shche 
ubelis  getüt,  daz  er  daz  sineme  abhete  nit  hele  mit  der  lüterin 
hiebt.  Dar  zu  schundegit  uns  diu  scrift  und  sprichit  'Offene 
gote  dinen  wec  und  lioffe  in  sinen  gnaden.'  Und  aber  'Richtit  HO 
unsirme  herren  gote,  wände  er  gut  ist,  wände  ist  ewic  .  .  .  .' 
Und  s])ricliit  aber  der  wissage  'Mine  missetat  tet  ich  dir,  herre, 
kunt,  und  min  unrecht  enverbarc  ich  nit.'  Ich  sprach  'ich  sal 
min  unrecht  gute  künde  wider  mich  seibin  und  du  vergebe  mir 
mine  sunde.'  115 

SEXTUS  HUMILITATIS  GRAD  US. 

Der  sexte  gräd  der  demüt  ist,  ob  in  aller  bösheite  oder 
lezisticheite  sich  der  munich  enthabe  und  zTi  allen  den  werkin 
di  ime  bevolhin  werdint,  sich  irtr'iie  einin  ubelin  und  einin  un- 
wirdichiu  wercman.  Und  spreche  mit  deme  wissagen  'Ich  ])in  120 
S'  ze  nichte  brächt  und  ich  inwistis  nit.  j  ich  bin  gemachet  lii  dir 
alse  ein  vihe  und  ich  icnnner  mit  dir.' 

SEPTIMUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  sibende  gräd  der  demuot  ist,  ob  man  sich  allen  Unten 
vntuire  und  b6se  nit  alleine  mit  der  zungin    sage,    sundir   ouch  125 
er   gdoube   mit   innegir   enste   des   herzen  und  druiüte  sich  mit 
dem  wissagen  und  spreche  'Ich  bin  ein  wurm,  nit  ein  mennisse, 


101  im]  in  HO  vre         Hl   waiidi;  ist     keine  liicke  m  hs.         112 

hro         125  =  inferiorem  et  viliorein         126  mir         127  vvrm 


240  HOHEiNFURTER  RENEDICTIJNERREGEL  VII 

eiu  itewize  der  liute  und  ein  äwerfe  des  Volkes,  ich  bin  gehöhit 

und  gedenniotichit   und  gesendit.'   und   aber  'Ez    ist  mir,  herre, 

130  guot  daz  du  mich  gedemütigit  häs,  daz  ich  gelerne  dine  gebot.' 

OCTAVUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  achte  grad  der  demüt  ist,  ob  nich  tuo  der  munich, 
wene  daz  diu  gemeine  regula  des  clöstris  schundegit  und  der 
mestere  bilide. 

135  iVONUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  nünde  gräd  der  demuot  ist,  ob  der  munich  sine  zunche 

sveige  von   sprechene   und  habe  sin  stilnisse  und  enspreche  nit 

biz  daz  man  in  vrege:  wände  mit  maniger  reide,  alse  diu  scrift 

wisit,  so  envlühit  man  di  sunde  nit,  und  der  cleffere  enwirt  nit 

140  gerichtit  ober  di  erden. 

DECIMUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  cehiude  gräd  der  dömüt  ist,  ob  man  nich  lieh  und 
bereite  si  ze  lachene,  wände  iz  ist  gescribin  'Der  tunbe  höhit 
sine  stimme  an  lachene.' 

145  UNDECIMUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  eilfete  gräd  der  demuot  ist,  ob  alse  der  munich  sprichit, 

daz  er  sanfte   an   lachin    und    mit    gedichenicheite    demüticliche 

und    unmaneche    und  rediliche    wort   spreche  und  ensi   an  der 

stimme  ein  rüfere   nit,    alse  da  gescribin  ist  'Der  wise  wirt  be- 

150  kant  mit  ummangen  worten.' 

DUODECIMUS  GRADUS  HUMILITATIS. 

Der  zvelfte  gräd  der  demüte  ist,  ob  der  munich  al  eine  nit 

mit  (lerne  herein,  sunder  ouh  mit  deme  lichameu  wise  di  demüt 

allin  den  di  in  ane   sehint.     daz   ist   in   den    werken,    in    deme 

155  beitehüs,  in  deme  clöstre,  in  dem  gartin,  in  deme  weche,  in  deme 

128  awersne       133  geimene       134  bileide       136  niide       142  manich- 
lich         143  berite         147  safte         150  ummagc         154  denn;         155  den 


HOHENFÜRTER  BENEDICTINERREGEL  VII.  VIII.  IX     241 

9'  ackere,  oder  swa  s6  er  sizzit  oder  geit  oder  |  steit,  s6  si  er 
alle  cit  mit  geneigeteme  houbete  und  habe  sin  gesüue  an  di 
erdin  und  wene  sich  alle  cit  schuldic  sinor  sunde  und  wene 
daz  er  alliz  ane  geantwurtit  werde  deme  vorsamen  urteile  unsirs 
herrin  und  spreche  alle  cit  daz  der  offene  sunder  in  dem  evan-  160 
gelio  sprichit  der  sin  gesüne  zi"i  der  erden  habete  'Herre,  ich 
sundere  eubin  nit  wert  daz  ich  min  ougen  üf  hebe  ce  himile 
wert.'  und  haber  mit  deme  wissagen  'Ich  bin  gecrummit  ce  vil 
und  gedemütigit.'  Swenne  der  munich  aller  dirrer  demüte  gr6de 
üf  gestigit,  s6  kumit  er  cehant  zu  der  minne  unsirs  herrin,  diu  165 
di  vorthe  uz  tribit;  so  du  selbe  minne  volbrAch  wirt,  durch  di 
alliz  daz  er  da  vor  mit  vorhte  behilt,  daz  l)eginnit  er  dan  be- 
haldin  an  arbit,  als  iz  ime  von  der  natüre  ane  geborn  si  in  eine 
gute  gewonheit,  nit  alliz  ane  von  der  vorchte  der  helle,  sunderin 
von  unsirs  herrin  minne  und  von  der  guten  gewonheite  und  i"0 
von  den  gelüsten  der  tuginde,  di  unser  herre  gerüchit  wisin 
sinim  wercman  der  da  iezii  gereinigit  ist  von  den  lastrin  und 
von  den  sundin  mit  deme  heiligin  geiste. 

DE  OFFICIIS  ÜIVINIS  L  VIII 

Wintir  cit,  daz  ist  von  aller  heiligin  messe  biz  hine  zu  den 
Astrin ,  al  dar  nach  daz  man  gemerke  mach ,  so  ste  man  üf  in 
der  achtin  stunde  der  nacht,  daz  luczil  m6r  von  der  mittin 
nacht  gcslafen  werde:  und  sti^n  üf  alliz  ane  verdowit.  Daz  nach 
der  meitene  uberic  ist,  daz  werde  von  den  brüderin  ingedienit  5 
mit  deme  gebeite  der  lectien  der  betrachtunge.  Aber  von  östrin 
l)iz  zu  aller  heiligin  messe,  so  werde  du  metene  also  getempcrit 
daz  ein  luzil  undirval  bealdin  werde,  daz  di  brüdere  bi  der  wile 
üz  kumen  zu  ir  nAtturftin.  und  da  cehant  so  volge  diu  laus- 
meitene  der  man  beginne  sal  so  iz  tagit.  1" 

QUANTI  PS.  DI.  S  N.  H.  IX 

Wintir  cit,  so  daz  vers  vore  gesprochin  wirt  (jys.  69)  'Dens 
in  adiulorium  me.  in.'  sA  werde  gesprochin  drie  stunt  (ps.  50, 17) 

160  ==  publicanijs  163  iiab''  164  dirr"'  166  kaum  voihralli 

172  wlmnni         viii     3  luczil         9  kuiii        9  10  Inusnicitene 


242     HOHENFLRTER  BElNEDICTINERREGEL  IX.  X.  XI 

'Düiiiine,  labia  mea  a.'  Dar  nah  volgc  der  drite  salm  'Domine, 
quid  nnil.'  und  gloria  patri.  Dar  näh  der  sahn  (94)  'Venite 
5  exuUenuis  doniino'  mit  euir  ant  oder  werde  gesunge.  dar  nach 
volge  ein  ymnus  den  sente  Ambrosius  gemachit  hat.  dar  nach  |  sex  9' 
sahnen  mit  ant.  Alse  di  gesungin  werdin  und  ein  vers  der 
nach,  so  gebe  der  abbit  senunge  und  alse  si  alle  gesizze  üf  di 
stuole,  so  werdin  drie  leccien  gelesin  und  dar  undir  driu  respons 

10  gesungen,  und  der.daz  drite  resp  singit,  der  singe  gloria  patri. 
Alse  er  daz  ane  hebit,  so  sten  si  alle  üf  durch  di  6re  und  durch 
di  öwerdicheit  der  heligiu  driveltheide.  Di  buch  werden  geleisen 
ce  nietene  beide  des  aldin  und  des  nüwin  urkundis  der  gotte- 
liche  wärsezzunge,  sunderin   ouh   ir   diutunge  di  von  den  aller 

15  hachperstim  und  den  rethgeloubin  veterin  gemachet  sint.  Nach 
den  drin  leccien  so  volgen  andere  sex  sahnen  di  man  mit  alleluia 
schol  singe.  Dar  nach  volge  ein  capitelin  daz  man  iizene  spreche 
sal,  dar  nach  ein  vers  und  kyriel.  und  werde  diu  metene 
also  geendit. 

X  QUIBÜS  TEMPORIBUS  ALLELUIA  DICATÜR. 

Von  östrin  biz  aller  heiligin  messe  so  werde  alle  diu  maze 
behaldin  di  wir  da  vor  gesagit  hän,  an  daz  di  leccien  durch  di 
kurzin  nachte  nit  sulin  werdin  gelesin.  sunderin  vur  di  drie 
lectien  so  werde  eine  üzene  geleisin  von  dem  alden  Urkunde, 
5  Swi  kurz  daz  resp  si,  daz  dar  nach  volgit.  und  daz  andere  alliz 
werde  irvullit  alse  wir  gesagit  hän,  daz  ist  daz  nimer  minner 
dan  zvelf  sahne  zu  der  metene  gesungin  wer<lin,  an  {ps.  3j 
'Domine  quid  mul.'  und  (ps.  94)  'venite  ex.' 

XI  OUALITER  DOMIIMCIS  D.  AGA.  >. 

An   deme    sunetage   so   werde   beciticlichir    üf   gestandin  ce 

mettene.     An    der   selbe   mettene   werde    ein  mäze  behahhn.  daz 

ist    daz    man    singe  sex  sahne  alse  wir  da  vor  gesezzit  hän,  und 

spreche  dar  nach  ein  vers.  und  alse   si    gesizzin,    so    werdin   an 

5  dem   büclie    geleisin    vir   leccien    mit  respon.    da  an  dem  vierdin 

IX  7  salin  9  stvle         14  den]  iV         16  al  17  capüii  x  3 

schwerlich  nalhte        5  das  quam  des  orighiah  ist  misvevsliuideti         S  q* 


HOIIENFÜRTEß  BENEDICTINERREGEL  XI.  Xli.  XllI     243 

R.  gloria  palri  gusiingin  \vor<le.  Alsc  man  daz  ane  vöt,  so  sten 
si  alle  Tif  mit  rwerdicheite.  Nach  den  leccien  s('»  volgin  aber  sex 
saline  mit  anl.  nnd  ein  vers  alse  da  vore.  Dar  nach  sA  werdin 
aber  geleisin  vir  leccien  mit  R.  alse  da  vore.  Dar  nach  werdin 
drie  cantica  von  den  prophetin  gesungin  di  der  ahhit  gesezzit.  10 
Di  selhin  cantica  werdin  mit  alleluia  gesungin.  und  als  ein  vers 
gesprocliin  werdi  und  der  abhit  seignunge  gegebe,  so  werdin 
lavier  lectien  geleisin  von  dem  nuwin  Urkunde  alse  da  vor. 
iXäch  deme  vierdin  R  so  hebe  der  abbit  ane  den  ymnum  He  deum 
lau.'  Dar  nach  so  lese  der  abbit  ein  leccien  von  dem  ewangeho  15 
und  sten  alle  dar  zu  mit  eren  inde  mit  vorhte.  Alse  diu  geleiseu 
werde.  s6  werde  von  in  allin  genwurtit  Amen.  Dar  nach  so 
hebe  der  abbit  den  ymnum  ane  'Te  decet  laus'.  Und  alse 
seignunge  werde  gegebin,  so  hebe  man  lausmelene  ane.  So 
sulhe  ceche  der  metene  werde  beide  sumircit  und  wintircit  gliche  20 
an  deme  sunnetage  behaldin,  ez  ensi  von  schichte,  daz  nimer 
geschehe  nulze,  daz  diu  metene  verspölit  werde,  daz  dan  icht 
gekurcit  Averde  von  den  leccien  und  von  R.  Daz  sal  men  vil 
harte  behuotin  daz  iz  imer  geschehe.  Ist  daz  iz  geschehit,  so 
tuo  er  vol  brtse  in  dem  betehüs,  von  des  versnmicheite  daz  25 
geschehit. 

QUALITER  MATU.  SOL.  AGA.  XII 

An  deme  sunnetage  ce  lausmetteue  werde  cerist  gesprochin 
der  sahnen  (66)  'Dens  mis.  n.'  siechte  Cm  ant.  Nach  deme  werde 
gesungin  (50)  'Mise' me'  mit  alleluia.  Dar  nach  volge  (117) 
'Confitemini  d.  g.'  und  (62)  'deus  deus  m.'  dar  nach  bened.  und 
laudate.  dar  nach  lizene  ein  lectio  von  apok.  ein  R.  sente  Ambr.  5 
ymnus,  ein  vers,  benedictus,  kyri.   und  werde  als6  irvullit, 

QUALITER  PRIVA.  D.  XIII 

An  den  werctagen  s6  werde  diu    lausmelene   als<*>    begangiu 
daz  ist  daz  ^n  ant.  'Dens  misc.  n.'  gesungin  sal  werde,  den  man 

XI  ()  zvsviigiii         10  caiitiö  ^'ozezzit         11  ycsuiifiiul         12  gejtrpite] 

das  zweite  g  aus  b  corr.         17  gcn|wi'tit         IS  aiic        20  ceclu;     nieten^ 

24  behvlin       gescchliit       25  tv  xii  1  dciiii;        2  salm          xiii  2  den] 
AT.  sal  tuen 


244     HOHEx\FlRTER  BE^EDICTINERREGEL  XIII.  XIV.  XV 

luzil  undercihe  sal  alse  an  dem  sunnintage ,  daz  si  alle  zu 
'miserere  mei'  zu  kume  mugin  der  mit  ant.  sal  werde  gesungin. 
5  dar  nach  volgen  szvene  sahnen  nach  der  gewonheite  alse  si 
geordinit  sint  nher  di  wochin.  Dar  nach  volge  ein  canticum, 
ein  ieslichiz  an  sinime  tage  alse  diu  cristinheit  ze  Rome  singit. 
Dar  nach  volge  'laudate  d.  de  c'  ein  leccio  des  apostoli  ilzeue 
gesprochiu,    ein   R.  sente  Ambr.   ymnus,    ein  vers,  benedictus, 

10  kyriel.  und  werde  also  irvullit  diu  lausmetene.    und  diu  vespere 
enwerdin   nimer  so   ubergangin,    ez   enwerde   an  denie  lezzistin 
teile  in   allin   ze   hörne   daz  vröne  gebet  |  gesprochiu  von  deme  10' 
priöre  durch  di  scande  di  da  wassent,  daz  si  der  worte  gemanit 
werdin  da  si  sprechint  'vergib  uns  unsir  schult  alse  wir  vergebin 

15  uuserin  sulderin'  und  wesgin  sih  von  s6  sulnie  lästere.  An  den 
anderin  tagincitin  so  werde  daz  selbe  gebet  gesprochiu  daz  an 
deme  lezzistin  teile  von  in  allin  geantwurtit  werde  'Sed  libera 
nos  a  malo.' 

XIV  QU  ALITER  IN  SAN  CTORUM  S.  MA.  AGANTUR. 

In  der  heiligin  höhcite  oder  in  allin  höhcitin,  alse  wir  von 

deme  sunnetage  gesprochiu  hau,  also  werde  iz  begangin,  an  daz 

di  sahne  oder  ant.   oder   di   lectien   di    czd    deme    tage    treffint 

sulin  werdin  gesprochin.     Aber  diu  mäze  werde  behaldin  diu  da 

5  vor  gescribin  ist. 

XV  OUIBUS  TEMPORIBUS  ALLELUIA  DICATUR. 

Von  den  heligin  östrin  biz  zu  den  phinkistiu  so  werde  an 
underläz  alleluia  gesungin  beide  in  den  sahnen  und  in  den 
responsin.  Abir  von  phinkistiu  biz  zii  der  vastiu  so  werde  alle 
nach  zu  den  hiudirstin  sex  sahnen  in  der  nocturne  alleluia  ge- 
5  sungin.  Alle  sunnetage  üzir  der  vastin  so  werdin  di  cantica, 
diu  lausmetene,  prime,  tertie,  sexte  und  nöne  mit  alleluia  gesungin 
und  diu  vespere  mit  ant.  Di  respons  enwerdin  nimmer  mit 
alleluia  gesungin  wene  von  östrin  biz  hine  zu  den  phinkistiu. 

5  salFii  G  hinter  wocliin  fehlen  die  ge?iaueren  bestimiiutnge7i  des 

Originals  für  die  einzebien  Wochentage  8  des]  de   vgl.  12'  kap.  xxv 

10  und]  vvn       irwullil  15  vesgin]  &%  ist  nicht  deutlich,  sondern  znm 

s  die  untere  hülfie  eines  g  gefügt  17  geälwrtit  xv  1  An]  en         2 

salin        7  ninm 


HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  XVI.  XVII.  XVIII    245 

QUALITER  DIVINA  OPERA  PER  DIEM  AGANTUR.  XVI 

Alse  der  propheta  da  sprichit  'Sibin  stunt  an  deine  tage 
sanc  ich  dir  lob.'  Du  sibinde  heilige  zale  Avirt  also  von  uns  ir- 
vullit,  ob  wir  unsirs  dinistis  ambicht  zu  den  siben  tagecitin  ir- 
vullin.  wände  von  disen  citin  sprichit  der  propheta  'sibin  stunt 
an  deine  tage  sanc  ich  dir,  herre,  lob.'  Aber  von  der  nach-  5 
metene  sprichit  der  selbe  propheta  'Zu  miternach  stunt  ich  üf, 
herre,  dich  ce  lobene.'  Von  diu  in  disen  citen  lobe  wir  unsiriu 
trechtin  ubir  di  urteil  sinis  reichtis,  daz  is  ze  lausmetene,  ce 
prime,  tercie,  sexte,  nöne,  vespere,  ze  complete  und  sten  ce  nach 
üf  in  ce  lobene.  10 

QUANTI  PSAL.  PER  EAS.  XVII 

Wir  han  von  den  nocturnin  und  von  der  lausmetene  ge- 
cechit:  nu  ceche  wir  von  den  anderin  citin.  Ce  prüne  werde 
drie  sahnen  gesungin ,  aber  nit  under  einer  gloria.  Ein  ymnus 
der  cite  werde  vor  den  salmin  gesungin.  Nach  den  salmin 
11"  werde  ein  leccio  geleisin,  ein  vers,  kyriel.  und  werde  al'sö  ge-  5 
endit.  In  der  selben  ceche  werde  tercie,  sexte,  nöne  gesungin. 
....  Diu  vespere  werde  mit  vier  salmiu  und  mit  ant  gesungin. 
Nach  den  salmin  so  volge  ein  lectio,  ein  R ,  sente  Ambr.  ymnus, 
ein  vers,  Mag". ,  Kyri.,  pater  noster  und  werde  also  geendit.  Diu 
complcHe  werde  mit  drin  salmin  siecht  an  ant.  gesungin,  dar  10 
nach  ein  ymnus,  lectio,  ein  vers,  kyriel.,  diu  segenunge:  und 
werde  also  da  mitte  geendit. 

QUO  ORDINE  PSALMI  DICENDI  S.  XVUI 

Wir  singin  alse  sencte  Benedictus  geordinit  hat.  Ce  aller 
vorderist  so  inane  wir,  kiU  er  s.  B.,  ob  ieman  si  deme  dise  ceche 
der  sahne  alse  wir  gesezzit  han  missevalle,  der  ordine  si  baz 
ob  er  iz  irlcilit,  und  betrachtin  al  eine  daz  daz  ie  in  der  wochin 
ein  ganzir   saltir  gesungin   werde,     wände    di    muneche    ceigint  5 

XVI  1  da  da  S  is]  iz  xvii  7  keine  lücke  in  hs.  9  dh.  Magni- 
ficat  XVIII  1   2  die  ganze  atiordming  feldl,  vielleicht  weil  von  eitlem 

ce  aller  vurderist  (=  iinpriniis)  zum  andern  (=  praecipuo)  übcrgespnuigen 
wurde 

Z.  f.  D.  A.   neue  folse  IV,  17 


246     HOHENF.  BENEDICTLNERREGEL  XVIII.  XIX.  XX.  XXI 

ein  sväiz  gotis  diiiist  di  da  niiiier  dan  einiu  saltir  mit  den  ge- 
wonlichin  canticis  zu  der  wogin  singint,  so  Avir  leisen  unsere 
belege  vetere  ie  einis  tagis  vrumiliche  irvulit  habe.  Daz  wir 
lazin  wolde  got  in  einer  wochin  irvulin  mochtin. 

XIX  DE  DISCIPLINA  PSALLENDI. 

^Yir  geloubin  di  gotelichin  antwarte  in  allin  endin  wesin 
und  gotis  ougin  in  allin  stetin  besouwen  beide  di  gütin  und  di 
obelin,  idoch  aller  mest  äne  swivil  wir  geloubin  so  wir  ce  gotis 
diniste  sten.  Von  diu  gehuge  Avir  unsich  alle  cit  daz  der  pro- 
5  pheta  da  sprichit  'Dinit  gote  mit  fortin'  und  aber  'Singit  wis- 
lige'  Und  'in  der  engele  bcschowede  sal  ich  dir  singe.'  Durch 
daz  merke  wir,  wi  wir  müsin  wesin  in  der  goteliche  beschowe 
und  der  engle  und  sten  also  ce  singene  daz  unse  gemuote  ge- 
helle unsir  stimme. 

XX  DE  REVERENTIA  ORATIONIS. 

Wolle  wir  mit  geweldigin  liutin  icht  undertrage  oder  scaffe^ 
so  enirbalde  wir  nit,  wene  mit  demuote  und  mit  ewerdichheite. 
michilis  mer  ist  ce  vlebene  unsir  aller  herren,  unsirme  trechtine, 
mit  aller  demüte  und  mit  liuter  enste.  Und  nit  mit  vilkösc, 
5  Sünderin  wir  sulin  wizze  daz  wir  gchörit  werdin  rn  der  lütirheit 
des  herein  und  der  cebere  di  da  kumint  von  deme  rüwegin 
herzin.  Durch  daz  sal  daz  gebet  kurz  inde  lütir  si,  ez  enst  von 
sichte  daz  iz  gelengit  werde  von  den  ensten  der  gotilicher  in- 
bläsunge.  ledoch  in  der  samenunge  so  werde  daz  gebet  alliz 
10  gekurcit  und  alse  daz  ceigin  von  dem  priöre  werde  |  getan,  so  ir 
sten  si  alle  üf. 

XXI  DE  DECAMS  MONASTERII. 

Ist  diu  samenunge   merir,    sd   werdin   di   techiu   irwelit  di 
güdis  urkundis  da  sin  und  licleger  bekerde,  di  sorcsam  sin  über 

6  ///■/'  sväliiz,  svailiiz        golis  l'asl  wie  gvtis  nimer        6  7  gewo- 

lichiii  canctic         S  iiwulit        9  wolde  aus  wolge  irwulin        xix  1  ge- 

lowbin  2  beite  6  bechowede  7  bechowe  xx  3  vsir  herreni 
7  in 


HOHENFURTER  BE.NEDICTIXERREGEL  XXI.  XXII.  XXIII    247 

ir  techeuie  in  alliii  diugiii  nach  gotis  und  irs  abbetis  geboten, 
di  teebin  werdin  also  snlich  irwelit  daz  der  abbit  sicher  muche 
si  und  in  mite  teile  sine  bürde.  Und  si  enwerdin  uit  irweht  5 
nach  ir  ordine,  sunderin  näh  der  werdicheite  und  näh  der  wis- 
heite  lere.  Is  daz  ir  dechein  von  schichte  irbläsen  mit  der  höh- 
t'erte  büzwirdic  wirt  fundiu,  der  werde  gesträphit  biz  zu  dem 
dritin  male,  enbezzirt  er  sich  nit,  so  werde  er  abbe  getan  von 
sinim  ambichte,  und  ein  ander  der  des  wirdic  si  undervähe  sine  10 
stat.     Von  dem  pröbiste  sezze  wir  daz  selbe. 

QUOMODO  DORMIANT  MONACHI.  XXII 

Di  brüdere  släphin  sunderin  in  sunderlichin  beitin.  diu  bete- 
gewant  inphän  si  nach  der  mäze  der  bekerde  und  nach  des 
abbetis  sezzuuge.  Mac  iz  si,  so  släphin  si  alle  in  einer  steite. 
Verhengit  aber  des  diu  menige  nit,  so  släphin  cehene  oder  zven- 
zic  mit  altherren  di  ubir  si  sorge  habin.  Ein  kerze  burne  5 
stt^ticliche  in  der  selben  celle  biz  vrü.  Si  släphin  bewetit  und 
sin  gegurtit  mit  gurtilin  oder  mit  selin  und  enhabin  di  mezzir 
zu  ir  sitin  nit,  s6  si  släphint,  daz  si  von  schihte  icht  geserit 
werdin  so  si  släphint.  Und  daz  di  muneche  alle  cit  bereite  sin, 
so  daz  ceichin  werde  getan,  cehant  äne  tväle  so  sten  si  üf  und  10 
vurderin  sich  under  ein  ander  ce  gotis  diniste.  ledoch  mit 
aller  dignicheite  und  mammindicheite.  Di  jungelinge  enhabin 
bi  ein  andir  ir  bette  nit,  sunderin  si  sin  gemischit  mit  den  alt- 
herrin.  Alse  si  üf  Stent  zu  gotis  diniste,  so  wecken  si  sich 
under  ein  ander  gezogeliche  durch  der  släffigin  insagunge.  15 

DE  EXCOMMUMCATIONE  CULPARUM.  XXIII 

Svelich  brrtder  vrovelit  oder  ungehorsam  wirt  oder  hoh- 
tragende  oder  murmulere  oder  in  dccheinin  Sachen  widerwer- 
dich  der  höligin  regelin  oder  den  gebotin  siner  altherrin ,  der 
werde  von  den  altherrin  nach  unsirs  herrin  Jesu  Christi  geböte 
gesvesliche  ze  einim  male  und  zem  andern  male  gemanit.  En-  5 
bezzerit    er   sich   nit,    so   werde   offeliche  vor  in  allin  gesträffit. 

XXI  3  mit('         XXII  2  inphain        6  stccHclie         12  niiuniiuliilRile        15 
gezoliche        ijsagunge        xxiii  l  v  vrelit      5  gesveliclic       ciiil      zeii  ander 


248  HOHENF.  BENEDICTINERREGEL  XXIII.  XXIV.  XXV.  XXVI 

Enbezzert  er  sich  aber  dar  nAh  nit,    versteit   er  wilich   di  wize 
si,   so    uulderlige    er    der  vermensamicheite.     Ist  er  aber  uuge- 12' 
stümic,  s6  undirlige  er  der  liblichin  räche. 

XXIV  QUALITER  DEBEAT  ESSE  MODUS  EXCO. 

Nach  der  mäze  der  sciilde  so  werde  ouh  gelengit  diu  mäze 
der  vermeiisamichete.  Der  schulde  mäze  hange  in  des  abbetis 
wilcure.  ledoch  sveUch  briider  in  der  hchterin  schult  wirt 
fundin,    der   werde   gescheidin  von  dem  gemeinin  tiscke  alsöge- 

5  täne  wis  daz  er  in  dem  beltehüs  sahn  oder  ant  nit  ane  hebe  unde 
enccheine  leccien  lese  biz  zu  der  vollicUchir  buoze.  Sin  ezzin 
enphä  er  al  eine  nach  der  brüdere  ezzene,  also:  ob  di  brüdere 
ce  sextin  ezzint,  so  ezze  er  zii  nüne;  ezzint  di  brüdere  ce 
nüne,    so   ezze    er  ce  vespere,  biz  ime   nach   der    gevellichchir 

10  buoze  gnade  volge. 

XXV  DE  GRAVIORIBUS  CULPIS. 

Der  brüdir  der  in  der  swerin  schult  ligit,  der  werde  gesei- 
din  von  dem  tiscke  und  von  dem  betehüs.  Nechein  brüdir 
werde  ime  zu  gevügit  mit  geselleschefte  oder  mit  sprechene.  Er 
si  al  eine  zu  dem  werke  daz  ime  bevolhin  wirt  und  belibe  in 
5  der  riwe  und  wizze  diu  eisliche  reide  des  apostoli  der  da  spri- 
chit  'einin  so  sulhin  menniscliin  werde  gegebin  dem  viinde  in  ein 
verterpnisse  des  vleischis,  daz  der  geist  behaldin  werde  in  deme 
tage  unsirs  herrin.'  Sin  ezzin  enphä  er  allöne  in  der  mäze  und 
in  der  cite  als  ime  der  a]>bit  irteilit.  Er  enwerde  von  uiemanne 
10  geseinit  noch  daz  ezzin  daz  man  ime  gibit. 

XXVI  DE  HIIS  QUI  SINE  lüSSIONE. 

Svelich  brüder  irbaldit  an  des  abbetis  gebot  sich  zu  \tige 
oder  spreche  mit  deme  vermesamitin  l)r6dere  oder  brenge 
degeine  bodeschaft,  der  lide  di  selben  räche. 


XXIV    5  unde  /is.  6  vielleicht   cncelioine   oder   enecheine   ztt    lesen 

buche       8  9  nunc       xxv  1  w  cl(;       3  gesellecheftc       6  den       wegen  dei- kon- 
slruktion  vsrl.  das  o?'iifinal      7  denn-      9  cite      Eer      xxvi  2  vmesamitin 


BOHENFURTEU  BENEDICTI>ERREGEL  XXVII.  XXVIII  249 

QUALITER  SOLU.  SIT  ABBAS  CIRCA  EXCO.  XXVII 

Michele  sorge  habe  der  abbit  umme  di  vermeisamite  briio- 
dere:  wände  di  sieben  beduifm  arcetis,  nit  di  gesundin.  Durch 
daz  sal  der  abbit  tuon  also  ein  wisir  arcit  und  sal  gesveshche 
wise  altberrin  zil  dem  brüdero  sende  di  in  gesvesliche  tröstin  iu 
sinin  nötiu  und  in  schuudegin  zu  der  demüte  vol  büze,  und  5 
tröstin  in  also  daz  er  nit  mit  ce  grözir  unvroide  besouft  werde, 
Sünderin,  alse  der  apostolus  da  sprichit,  diu  minne  werde  in 
ime  gesterkit,  und  werde  von  in  allin  vur  in  gebeitit.  Daz  sal 
12' der  abbit  mit  allim  vhze  besorge  daz  er  nit  |  deinchein  der  scAffe 
verlise  di  ime  bevolin  sint.  Er  sal  wize  daz  er  über  di  sichin  10 
sele  sorge  inphangin  hat,  nit  erschaf  ubir  di  gesundin  und  vorhte 
di  drowe  dai  unsir  herre  durch  den  prophetam  sprichit  'Daz  ir 
veizzit  säit,  daz  namit  ir:  daz  d;\  kranc  was,  daz  wurfit  ir  hine.' 
Der  abbit  volge  dem  mildin  bilde  des  gi'itin  hirtis  der  da  nun 
und  nüncic  schäf  liez  üffe  den  bergen  und  geit  und  suchte  ein  15 
schaf  daz  da  vererrit  was. 

DE  HIIS  QUI  SEPIUS  COR.  N.  E.  XXVIII 

Svelich  Itrudir  ofte  gesträffit  wirt  umme  decheine  schult, 
und  wirt  er  ouh  vermeisamit  und  enbezzirt  er  sich  nit,  s6 
werde  er  mit  dem  besemin  dike  geslagin.  Enbezzert  er  sich  ouh 
dar  nach  nit  und  von  schihte  mit  höhim  mute  wil  besirme  sine 
werc,  daz  nimir  gesein  mrtse,  so  tu  der  abbit  als  ein  wisir  5 
arcit.  Hat  er  ime  zu  irbotin  di  bewesal,  di  salbin  der  schun- 
dungc,  di  arcitteie  der  heiligin  scrifte  und  ce  lezist  den  brant 
der  rermeisamicheite  oder  der  bessemin  siege  und  gesihit  er 
daz  allir  sin  vliz  nit  hilfit,  so  zu  irbeite  er  ouh  daz  da  mörir  ist 
um  in  sin  und  aller  brüdere  gebeit  ....  daz  heil  umme  den  10 
sieben  brüdir.  Enwirt  er  ouh  also  nit  gebebt,  s(>  snide  der 
abbit  daz  füle  von  dem  gesundin,  alse  der  apostolus  da  sprichit 
'Nemit  daz  ubele  von  üch'  und  abir  'Scheide  der  unselige  sinin 
wec,  sA  scheide  er',  daz  ein  suchtic  schAf  allin  den  herte  nicht 
suchtic  mache.  15 

XXVII  1  V  mcisamilc  3  daz]  daht         1  ffcsvesliclKj  5  scliuldeiüriii 

8  und]  wfT  9  alliii  10  \''\\so  11  inphangil  12  drowo  13  viirfit 
14  gvutiii  o(h'7'  gvntin  15  nvncit  xxviir2  v  ineisainit  4  liohin  5  pc- 
seine      S  vmeisamichcitc       10  keine  lücke  in /is.       12  drii       14  licite]  hirtin 


250  HOHE^FLRTER  BENEDICTINERREGEL  XXIX.  XXX.  XXXI 

XXIX  SI  DEBEANT  HERUM  RECIPl  FRATRES. 

Svelich  briidir  von  deme  clöstre  lesterllche  verit  oder  ver- 
worfin  wirt,  wil  er  wider  kiime,  so  geheize  er  daz  er  sich  buoze 
wolle  von  dem  lastre,  von  deme  er  üz  kumen  ist,  und  werde  er 
also  in  deme  leizzistin  gräde  wider  inphangin,  daz  da  von  sin 
5  d^muot  bewert  werde.  Get  er  aber  dar  nach  üz,  so  werde  er 
[also]  zu  deme  dritin  male  also  inphangin.  Dar  nach  mör  s6 
sal  er  wizze  daz  ime  versagit  sal  werde  der  wideringanc. 

XXX  DE  PUERIS  MINORI  ETATE. 

Aller  slate  alter  und  vernumft   sal   habin   sin   eigene  mäze. 

Durch  daz  swenne  so  di  kint  oder  di  jungelinge  oder  di  nit  wol 

verstau  mugin,   wilich  diu  wize  si  der  vermeisamicheite ,  svenne 

s6    di   missetünt,    so   werdin   si    gckestigit   mit   vjl   vastine  oder 

5  werdin  betungin  mit  schar fin  siegin,  daz  si  gehelit  werdin.  13' 

XXXI  DE  CELLERARIO  MONASTERII. 

Der  kelnere  des  clöstris  der  werde  irwelit  von  der  same- 
nunge  der  da  si  wise  und  ernislir  site,  nuohtere,  nit  vröcic,  nit 
höhfertic,  nit  trübesam,  nit  unrechtere,  nit  tröge,  nit  ce  bidirve, 
Sünderin  der  got  vorhte,  der  aller  der  samenuuge  si  alse  ein 
5  vater.  Er  sal  habe  sorge  zu  allin  dingin,  Ane  des  abbetis  ge- 
bot so  entü  er  nicht.  Daz  man  in  heizit  behalde,  daz  behuote 
er.  Di  brüdere  ensal  er  nit  unvrowe.  Svelich  brüdir  von 
schihte  4cht  unredelichis  von  ime  heischit,  den  unvrowe  er  nicht 
mit  smöhunge,  sunderin  der  in  ubeli  bitit,  deme  versage  er 
10  redeliche  und  mit  demüte.  Er  behuote  sine  s6le  und  gehuge 
sich  des  heiligin  apostoli  der  da  sprichit  daz  der  der  da  wol 
scaffit  und  dinit,  ime  selbeme  einin  giitin  grät  gvinnit.  Mit 
allenie  vlize  s6  besorge  er  di  sichin,  der  kinde,  der  geste,  der 
armen,    und    wizze    äne    zvivil   daz    er   vur    alle  dise  reide  müz 

XXIX  1  2  vcrforfin         3  den        7  wider  ingaiit        xxx  1  v  nvnift  oder 
v  iiviiift         XXXI  2  ciniflir  lis.  d.  i.  einistlichir       nvbere  toie  23'  3  ces- 

liildere?  =  inodigns  7  luvte  8  hei:  Int,    :  scheiiit  ein  begonnenes 

vnd  in  c  coi'r.  f  10  beiivnlc  13  der]  d^  =  infinnoruni.  infaiitiuBi, 

liospitum  pauperiiiuque  curani  gerat         14  d    arm 


HOHENF.  BENEDICTINERREGEL  XXXI.  XXXII.  XXXIIl      251 

geltin    in    (lerne   tage   des   urteilis.     Alle    di  vas  des  clöstris  und  15 
alliz  daz  gelreigede   besehe   er   alse   di    heligin    vaz    des    altaris. 
Er  enversüme  nicht.    Er  ensal  sich  nicht  vlize  an  di  giriheit.   er 
eiisal  ein  svendere  iiit  sin  oder  ein  cetreigere  des  clöstris  sache: 
Sünderin  er  lil  alli  dinc  mezliche  und  nach   des   abbetis   geböte. 
Diu    demut    habe    her    vor   allen  dingin.     Sven  er  des  gfitis  nit  20 
hat   ze   gebene,    so    gebe   er   gute  anwurte  alse  da  gescribin  ist 
'Daz  gute  wort  ist  über  diu  bezistin   gäbe.'     Alliz   daz    ime    der 
abbit   bevelicht,    daz   habe   er   under   sinir   sorge.     Dar  er  is  in 
engit,    dar   zu    enirbalde    er    nit.     Den  brüderin  gebe  er  ir  ge- 
sezzete  viire  äne  tvAle,  daz  si  nit  geschendit  werdin,  und  gehuge  25 
sich  der  gotelicbir  wordc,  waz  der  garne  der  da  gesendit  einin 
sinin  niinnistin.     Ist  diu  samenunge  merir,  so  werdin  ime  helfe 
gcgebin,  daz  er  mit  samfteme  gemuote  irvulle  mugc  sin  ambich. 
Cc  vellicliir  cite  werde  gogebin  daz   man    gehe    sal,    und   werde 
gcvorderit  daz  man  vordere  sal,  daz    nieman   betrübit   oder    ge-  30 
uiivrowit  werde  in  dem  hüs  unsirs  herrin. 


DE  FER.  VEL  RE.  MO.  XXXII 

Des  clöstris  getreigede  in  isene  oder  in  gwandin  oder  in 
den  anderin  sachin  besehe  der  abbit  und  bevelhe  si  ce  behutene 
und  widir  ce  samenende  den  brüderin,  der  lebenis  und  der  site 
13'  er  j  gwis  si.  Der  sache  habe  der  abbit  ein  brief,  daz  svenne  di. 
Ijrüdere  in  trin  ambichtin  von  ein  andir  undirkumint,  daz  er  5 
wizze  waz  er  gebe  und  waz  er  widir  neme.  Swer  aber  unsübir- 
liche  und  vei-süiniliche  des  clöstris  sache  handelit ,  der  werde 
gesfrafüt.  Eidjezzirl  er  iz  nit,  so  undirhge  er  ik-r  regelichin 
zuchlin. 


SI  ALICUI  LICEAT  A.  PROPRIUM  HA.  XXXIIl 

Nemeliche  daz  laster  der  eiginschcfte  werde  wurcicliche  von 
(Icme  clöslre  abe  gesnilin,  daz  ieman  irbalde  ichl  ge])e  oder 
nenie  iin  des  abbetis  gebot  oder  icht  eigenschefle  habe,  enweder 

IG  getrci^edg          18  ein]  eii         22  woit]  wil  24  eltoa  dos  er  im 

onlioiigit?      25  vilrc]  iiviie       27  siiiiin      2S  irwiille  30  iiiemani       31  9o 

XXXII  1  iseiiQ      2  5e      beselu;       5  diu  anibiclil  ?      6  vaz      vaz      vinsiiliir- 
0  d''  ?'£■/.  19'.  21'  der  zutiii         xxxiii  1   wrcicliclie 


252    HOHENF.  BENEDICTI^ERREGEL  XXXIII.  XXXIV.  XXXV 

buch  noch  tabele  noch  grifil  noch  vorncmigis  nicht  und  von 
5  rechte  den  ouh  nit  müzlich  ist  ir  lichamen  oder  iren  eigenin 
wilHn  habin  in  ir  gvalt.  [Alle  diu  nötturft.]  Alle  di  nötturft 
sal  man  habe  von  dem  vatere  des  clöstris,  und  nieman  sal 
miizeliche  si  icht  ce  habene  daz  der  abbit  nit  gebe  oder  ver- 
beuge. Alle  di  Sache  des  clöstris  sulin  si  gemeine,  Alse  da 
10  gescribin  ist  'und  nieman  irbalde  ce  sprecheue  daz  ich  sin  eigin 
si.'  Ist  daz  ieman  gelustic  wirt  fundin  in  disime  aller  ergistin 
lästere,  der  -sverde  ze  eiuim  male  und  zem  anderin  male  gemanit. 
Enbezzerit  er  sich  nit,  so  underlige  er  der  sträphe. 

XXXIV  SI  EQUALITER  OMNES  NE.  D. 

Alse  dÄ  gescribin  ist  'iz  wart  einim  ieslicheme  geteilit  als 
ime  not  was.'  Da  enspreche  wir  nit  daz  man  di  personas  ere, 
sunderiu  man  sal  di  kranclieit  merke,  der  da  minnir  bedarfe,  der 
gnade  gote  und  enwerde  nit  geunvrowit.  Der. da  mer  bedarf, 
5  der  demütigi  sich  durch  di  krancheit  und  erhebe  sich  nit  durch 
di  gnäde  und  also  blibint  di  gelidir  alle  mit  vride.  Vor  allin 
dingin  so  behüte  man  daz  necheiu  ubil  der  murmuliinge  durch 
decheine  sache  iergin  schine  mit  wortin  oder  mit  ceichin.  Sver 
dar  ane  begriffin  wirt,  der  undirlige  der  strenger  züchte. 

XXXV  DE  SEPTIMANARIIS  COQUINE. 

Di  brüdere  dinin  uuder  ein  ander  also  daz  nieman  sich  in- 
sage  von  der  kuchenin  ambichte,  ez  inbeneme  diu  suchede  oder 
der  in  grözzin  nuzzelichin  sachin  becummirit  ist:  wände  grözir 
lön  wirt  da  mite  gewunnin.  Den  krankin  w  erde  helfe  besorgit, 
5  daz  si  daz  nit  |  tun  mit  unvrowedin,  sunderiu  si  habin  alle  helfe  14' 
nach  der  maze  der  samenunge  oder  di  gestellide  der  stete.  Ist 
diu  samenunge  merir,  so  werde  der  kelnere  insagit  von  der 
kucheniu  oder  svelhe  mit  grözin  nuzzin  becumerit  sint,  alse  wir 
gesägit  hau.  Di  anderin  alle  dienin  under  ein  ander  mit  der 
10  minne.     Der  zu  der  kuchenin  üz  gat,  der  mache  süberunge  an 

4  tabelo       5  ir|en  eig^eiiiin        11  iemam        12  ze  nirikl  in        xxxiv  1 
einin        2  wirt  mit        5  kraiilicit         7  nechieii  xxxv  1  niemani        3 

beluinmiii       4  gcwnnin       6  gesellide      =  secuiifUini  niodiim  congresrationis 
aut  Positionen!  loci        8  kuneuin         10  sub  huiigo 


HOHENFÜRTER  BENEDICTINERREGEL  XXXV.  XXXVI   253 

(lerne  saniiztaga.  Di  dvehelin  mit  den  di  brildere  ir  hende  und 
ir  vüze  truchenint,  wasche  er.  Di  vaz  sinis  dinistis  di  enwurte 
er  widere  deme  kelnere  reine  und  ganz,  aber  der  selbe  kelnere 
entwurte  si  deme  der  zu  der  kuchenin  in  gät,  daz  er  wizze  waz 
er  gebe'  oder  waz  er  wider  inphälie.  Di  wochenere  vor  einer  15 
stunde  des  immizis  so  inphähin  si  über  ir  g^ezzete  pln-ünde 
liröt  und  trinkin  den  worlin,  daz  si  ze  tische  ane  murmuhinge 
und  äne  gröz  erbeit  mugin  gedinin  irin  bruoderin.  An  den 
heihgin  citin  so  enthabin  si  sich  biz  zil  der  messe.  Di  wochenere 
alse  si  in  gänt  und  üz  gänt,  cehant  an  deme  sunnetaga  alse  diu  20 
lausmettene  geendil  werde  in  dem  bctehüs,  so  werfin  si  sich 
vur  di  samenunge  unde  bitin  vur  sich  bete,  der  dan  von  der 
wochin  üsgät,  der  spreche  diz  vers  'Benedictus  es  d.  d.  qui.' 
Alse  daz  drie  stunt  gesprochin  werde,  so  neme  er  seinunge  und 
ge  üz.  Aber  die  da  in  gät,  der  spreche  'Dens  in  ad.  me.'  und  25 
werde  ouh  daz  drie  stunt  gesprochin  von  in  allin  und  inphahe 
er  seinunge  und  ge  in. 

DE  INFIRMIS  FRATRIBUS.  XXXVI 

Vor  allin  dingin  und  über  alle  sache  sal  man  sorge  habe 
ubir  di  sichin  und  man  sal  in  diene  alse  deme  heligin  Chrisl(\ 
wände  er  sprichit  'Ich  was  sich  und  ir  gewisitit  mich'  Und  Maz 
ir  einim  minim  minnistin  tätit,  daz  tatit  ir  mir.'  Sünderin  ouh 
di  seibin  siechin  merkin  daz  in  geih'nit  wirt  durch  golis  ere  und  5 
mit  ir  ubervluzicheite  s6  enunvrowin  si  nit  ir  brüdere  di  in  da 
<linint.  ledoch  so  sal  man  si  duldicliche  vertragin,  wände  von 
in  wirt  grözir  Ion  inphangin.  Durch  daz  habe  der  abbit  michele 
sorge,  daz  si  icht  vcrsümil  werdin.  Die  seibin  sichin  habin  eine 
sunderliche  celle  und  einin  dienere  der  got  furchete  und  minne  10 
und  sorcsam  über  si  si.  Daz  bat  liabin  di  siechin  alse  dicke  so 
14' si  (h's  bedurfin.  Abir  den  gesundin  und  |  allir  meist  den  jungin 
sai  man  iz  seidin  irloube.  Daz  vleisch  cezzene  werde  ouh  den 
sieben  irloubit  und  den  kraiikin  biz  daz  si  sich  an  (h'Uie  libe 
gebezzerin.  dar  naii  so  enlbabin  si  sich  aber  nah  der  gewonheite.  15 
Der  abbit   habe  michele   sorge   daz   von   den  kelnerin  oder  von 


11  samizzaga         17  trnkin        20  dcnie         23  v  |gat        24  gcsprocin 
XXXVI  4  mim        5  geidiiiit         13  vlei^l        15  gewoheitc 


254  HOIIENF.  BENEDICTINERREGEL  XXXVII.  XXXVIII.  XXXIX 

den    ilinerin    di    siecliin   icht   vcrsümit  \verdin:  wände  iz  gat  in 
ane  sw;iz  so  di  jüngere  missetünt. 

XXXVII  DE  SEMBUS  ET  INFANTIBUS. 

Swi  so  diu  selbe  natura  uljer  di  aldin  und  ul)ir  di  kint  zu 

der    bermede    werde    gezogin,    so  sulin  si  docb  von  der  regelin 

berichtit   werde.     Diu  krancbeit  werde  an  in  gemerkit  und  en- 

werde  diu  regula  an  in  nicht  beliaklin  an  der   liluiar,   sunderin 

5  si  vure  kunien  di  gesezzete  cite. 

XXXVIII  DE  MENSE  LECTORE. 

Der  brudere  tisc  sal  ane  lectien  nit  sin.  Und  nit  von  schite 
sver  so  daz  püch  l)egrife,  turre  da  lese,  sunderin  der  da  lese  sal 
alle  di  wochin,  der  gö  an  deme  sunniutage  in.  Alse  der  in  gät 
nah  messe,  so  suche  er  ir  allir  gebeit,  daz  unsir  herre  von  ime 
5  kere  den  gest  der  hohferte  und  werde  diz  vers  von  ime  ane 
gehabin  und  drie  stunt  gesprochin  von  in  allin  'Domine,  labia 
me.  a.'  Und  alse  er  seignunge  inphanchin  habe,  so  ge  er  in  ce 
lesene,  und  michil  stilnisse  si  ce  tische,  daz  da  nieman  gehörit 
werde  wene  der  eine  leisere.     Diu  noturft  der  libnar  di  irbietin 

10  si  under  ein  ander  also  daz  da  nieman  icht  dürfe  eische.  le- 
doch  ist  da  ichtis  not,  daz  werde  mer  mit  clopfene  oder  mit 
ceichene  geöschit  dan  mit  stimme.  Da  enbalde  nieman  icht 
von  der  seibin  lectien  vrege  oder  sage,  daz  dengeine  Ursache 
werde  gegebin,    ez  ensi  von  schihte  daz  der  prior  durch  bezze- 

15  runge  etewaz  kurzelige  wolle  sage.  Der  leisere  er  dan  er  beginne 
lese,  so  nem  er  mixtum  durch  heligin  communionem  und  durch 
daz  daz  ime  lichte  nit  swere  werde  ce  vastine.  Dar  nah  so  ezze 
er  mit  den  kuchenerin  und  mit  den  dienerin.  Di  brudere  leisin 
nit  nach  ir  ordine,  sunderin  di  di  anderin  gebezzere  mugin. 

XXXIX  DE  MENSURA  CIBORUM. 

Wir  geloubin  zu  der  tegeliche  liluiar   gnüge   zvei   geso  tene  15' 
mos  in  allin  mäncdin,   ez  si  ce  sexte  oder  ce  nilne  durch  mis- 

xxxvn  '.i  liiaiilioliit         3  4   |  werde        5  sit  in  eis  pia  consideratio  ist 
nicht  übersetzt         IvvITi  tiezzere  =  lioras  canonicas  xxxvui  13  den 

geiiie        XXXIX  2  iiiuie 


HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  XXXIX.  XL     255 

lichir  crancheit,  ob  svcr  eiiiis  nit  genüzzon  mac,  daz  er  von  dem 
anderin  werde  gespisit.  Durch  <laz  gnüge  allin  den  brüderiu 
svei  gesotene  müs.  Ist  dar  ubir  ol)iz  oder  gartcrütelee,  daz  5 
werde  daz  thnte.  Ein  gewegin  brot  gnüge  an  denie  tage,  sveder 
man  ze  einim  male  ezze  oder  zvernt.  Sulin  si  zvernt  ezze,  so 
werde  des  seibin  brötis  daz  dritte  (eil  ])ebal(lin  und  zu  der  me- 
rate  wider  gegebin.  Ist  abir  diu  eribeit  ichl  merii-,  so  mae  iz 
si  in  des  abbetis  willecure  und  in  siner  gewalt,  ob  iz  gemerit  10 
sule  werde.  Daz  ie  dei'  vrAz  geverrit  werde,  daz  nimmer  deme 
muneche  underkume  diu  unverdovvunge.  wände  ez  enist  nicht 
SU  wederceme  einim  ieslichin  cristin  mennisrhin  so  der  vräz, 
alse  unsir  herre  gesprochin  hat  'Sehit,  kül  er,  daz  iwer  herze 
iclit  besv^rit  werde  von  dem  vrAze  und  von  der  trunkinheite.'  15 
Den  kindin  minneris  alderis  enwei'de  diu  selbe  mäze  nit  behaldin, 
Sünderin  minncr  dan  den  mörin.  und  werde  sparheit  in  allin 
dingin  behaldin.  von  dem  vleische  inthabin  si  sich  alle  an  di  gar 
sich  sint  und  kranc. 

DE  MENSURA  POTLS.  XL 

Ein  ieslich  hat  eine  sunderliche  gäbe  von  gote,  einer  sus 
und  der  andere  s6.  Durch  daz  wirl  mit  eineme  zvivele  diu  mäze 
der  libnar  von  uns  gesezit  ubir  di  anderin.  ledoch  diu  mere 
wände  wir  der  sichin  krankheit  merkin ,  s6  geloube  wir  daz 
ein  schenkin  winis  einim  ieslicheme  gnüge  zu  deme  tage.  Den  5 
aber  got  di  gn;ide  gibit  daz  si  sich  mugin  inthabin,  di  wizzin 
daz  si  ir  eigin  Ion  inphähin  sulin.  Ist  aliir  daz  der  stete  nöturft 
oder  di  erbeit  oder  diu  hizze  des  sumcris  mcr  geeischit,  so  ste 
iz  in  des  priöris  willecure  daz  er  merke  in  allin  dingin  daz  nit 
underslich(^  diu  sateheit  oder  diu  trunkinheil.  Swi  s6  wir  lesin  10 
daz  der  nmneche  win  nit  sule  wcsiu,  iedoch  diu  UK-re  wände  bi 
unscrin  cilin  daz  den  munecliin  nit  mac  wcrdin  geratin,  so 
werde  wir  docli  des  ze  rate  daz  wir  nit  diinkiii  zfi  der  sateheite, 
IS'suncb'rin  sperhche,  wände  der  win  macht  ouh  |  wise  liule  äwise. 
Da  aber  diu  nöturft  der  siele  daz  geeisschit,  daz  diu  obene  ge-  15 


XXXIX  3  craniieit       oh  svor]  zwei  kon.ilniclio7ic?i,  oli  er  2vid  s\cv,  sind 
vermischt        5  =  gartcrutelelie  11  deine  12  vtricv  me         13  eini 

XL  3  gezezit        4  siclieiu        5  scenkin,  li  übergeschrieben        \  1  iniineclie 


256  HOHENFl'RTER  BENEDICTINERREGEL  XL.  XLI.  XLII 

scribene  mäze  nit  fiindin  mac  werde,  sunderin  niichelis  miuner 
oder  über  al  nicht,  so  lobin  si  minin  trechtin  di  da  binvint  und 
ennuirmulin  nicht.  Vor  allin  dingin  so  mane  wir  daz  di  brüdere 
äne  murmulunge  sin. 

XLI  QUIBUS  HO.  OPOR.  REFICERE. 

Von  den  heiligin  östrin  biz  zu  den  phinkistin  so  ezzen  di 
brüdere  ce  sexte  und  merin  des  äbindis.  Abir  von  phinkistin 
allin  den  sumer,  enhänt  si  der  erbeite  üfe  dem  velde  nit  oder 
enbetrübit  si  diu  michele  hizze  nit,  so  vastin  si  di  mitewochin 
5  und  di  vrietage  biz  zu  nüne.  Di  anderin  tage  ezzin  si  ce  sexte. 
Haut  si  di  erbeit  üfe  dem  velde  oder  ist  diu  hizze  gröz,  s6  mac  man 
der  sextin  immiz  furdere.  und  si  daz  in  des  abbetis  fursichticheite. 
Der  abbit  tempre  und  sezze  alle  dinc  also,  daz  di  s61e  behaldin 
werdin  und  svaz  so  di  muneche  tünt,  daz  si  daz  äne  murmulunge 

10  tuon.  Von  des  heihgin  crücis  messe  biz  an  di  vastin  so  ezzen 
si  ce  nüne.  In  der  vastin  biz  zu  den  östrin  so  ezzin  si  ce 
vespere.  Aber  diu  selbe  vespere  werde  also  begangin  daz  iz  mit 
tagis  hechte  alliz  begangin  werde,  über  daz  alle  cit  ez  si  ce 
immize   oder   ce   meräte   so  werde   iz   alliz  also  begangin  daz  iz 

15  mit  tagis  hechte  alliz  geschee. 

XLII  LT  POST  COMPLETORI.  ^E.  LO. 

In  allin  citin  sühn  di  muneche  ir  svigin  behalde,  iedoch 
aller  meist  nahtis.  und  alle  cit,  man  vaste  oder  man  vaste  nit, 
izzit  man  svernt,  cehant  so  man  von  meräte  üf  stät,  so  sizzin 
di  brüdere  an  eine  stat  und  lese  einer  collationes  oder  der  heligin 
5  vetere  lebin  oder  ettewaz  anderis,  daz  di  gebezerit  werdin  di  iz 
hörint.  Nit  werde  da  geleisin  von  dem  aldin  Urkunde,  wände 
in  der  cite  enwirt  den  krankin  vernunftin  diu  scrift  nit  nuzze 
ce  hörne,  aber  in  den  anderin  citin  werde  si  geleisin.  Ist  aber 
ein  vastetac,  alse  vespere  gesungin  werde  und  dar  nach  ein  luzil 
10  underval  gemachit  werde,  so  gön  si  cehant  zu  der  seibin  lectieu 
der  collationum  alse  wir  gesprochin  hau  und  alse  geleisin  werdin 
vier   bletere    oder  viumve  oder  alse  \il  so  diu  cit  verhcngit  alse 

IS  digin        XLI  2  sext.;        1  fvrschiticheite        14  merat^ 


t 


HOIIENFURTER  BEiXEDICTINERREGEL  XLII.  XLIII     257 

16'  si  bi  der  |  leccicn  alle  ce  sameiie  kumen.  ob  liebt  iman  mit 
sime  ammicbte  bckumerit  ist,  daz  er  oub  zfi  loiife.  Alsögetäue 
wis  irvuliin  si  ir  werc  zu  in  ein  gesamenit.  Und  alse  si  von  1^ 
conplete  üz  gant  so  ensi  nieman  nechein  urloiib  icht  ce  sprecbene. 
Ist  daz  ioman  vundin  wirt  des  stilnissis  regebn  cebreche,  der 
underlige  der  sverin  räcbe,  ez  ensi  daz  di  nöturft  der  geste  zu 
kunie  oder  der  al)l)it  ieman  icbt  heize  tun.  Daz  selbe  aber  werde 
getan  mit  mislichir  gedignicheite  und  vil  crafte.  20 

DE  HIIS  QUI  AD  OPUS  D.  VEL  AD  M.  XLIU 

Alse  schire  so  daz  ceichin  ce  gotis  diniste  gehört  werde,  s6 
werde  alliz  daz  geläzin  daz  in  den  hendin  ist  und  werde  geloufin 
ce  gotis  diniste.  ledoch  mit  gedignicheite  daz  diu  schimfliche 
itilcheit  nit  decheine  brütesal  vinde.  Durch  daz  enwerde  nicht 
gotis  diniste  vur  gesezzit.  Sver  so  zu  der  nocturnin  nit  zu  loufil  5 
zu  dem  salme  (94)  'venite  ex'  den  wir  durch  daz  wohin  daz  er 
lancseine  gezogiu  werde,  der  enste  in  sinim  ordine  nit  in  deme 
köre,  Sünderin  er  ste  zallir  lezzist  oder  in  einir  stete  diu  der 
a]d)it  so  sulliin  versümegin  hinderwart  sezzit  den  wortin  daz  er 
von  ime  und  von  in  allin  gesehin  werde  alse  lange  biz  gotis  10 
dinist  irvuUit  werde  und  in  sin  slaflicheit  mit  olTelichir  buoze 
geriwe  und  sich  von  der  seibin  sdnnne  bezzere.  Ist  daz  er  üze- 
wendic  des  betehüsis  belibit,  so  wirt  er  lichte  so  sulich  der  sich 
wider  an  sin  bete  legit  oder  sizzit  da  vor  mit  sinin  spellin.  Ez 
enwerde  nechein  ursage  gegebin  dem  ubilin,  sunderin  er  g»i  in  15 
den  kör  daz  er  iz  alhz  nit  verlise  und  sich  dar  nah  l)ezzere. 
An  den  tagecitin  sver  so  ce  gotis  diniste  ce  lange  ist  und  kumit 
nach  dem  erstin  salme ,  alse  wir  da  vor  gesagit  hau  der  sie  an 
der  Iczcislin  stet<i  und  enirbalde  sich  nit  geselle  deme  chöre  biz 
zu  vollir  buoze,  ez  ensi  daz  ime  der  abbi(  urloub  gebe  an  sine  20 
slat  ce  genile,  iedoch  also  daz  er  da  mit  v<'nia  buoze.  Ce  ezzin- 
cile  sver  vor  deme  verse  nit  zu  geloufit,  daz  si  allin  samint  daz 
vers  sprechin  und  bei  in  und  in  ein  alle  ce  tische  [nil]  gchit,  der 
von    siner    versümicheile    oder   von    sineme   laslere   nit   ingegin 

XLU  13  iiaam  Ifi  cou  plcle  sonst  .i  17  =  quod  si  iaveiitus  fuorit 
quisqiiam  praevaricari  haue  taciturnitatis  le^ulam  xliii  1  (liste  7  oder 
lancseme  11  irwllK  12  zwei  salze  sind  zi/s<imfnengezoge?i  15  den 
21  22  czzin  liiite 


258  HOIIEISFLRTER  BEiNEDICTINERREGEL  XLIII.  XLIV.  XLV 

25  loiifit,  I  der  werde  biz  zil  dem  anderin  niAle  gestrafit.    Ist  daz  er  16" 
sih    nit    bezzerit,    so    enwerde   inie    nit   verhengit   des  gemenin 
tiscbis  teilunge,   suiulerin  er  werde  gescheidin  von  den  anderin 
und  er  ezze  alleine,  und  werde  ime  sin  scbenkin  winis  genumin 
biz   zuo   vollichir   buoze.     Alsam    lide  der  der  zu  dem  verse  nit 

30  anwart  ist  der  d;\  näcb  ezzene  wirt  gesprochin.  Und  nieman 
irbalde  vor  der  gesezzetin  cite  oder  der  n;\h  ich  ezzenis  oder 
trinkenis  inphahe,  Ist  daz  der  prior  icht  iemanne  bütit  ce  ne- 
mene  und  widerit  daz  der  bruoder,  in  der  cite  alse  er  des  gerit 
daz   er   e   widersluoc,    so    enphähe   er   vurnemgis   nicht  biz   zu 

35  vollir  buoze. 

XLIV  DE  HIIS  QUI  EXCO. 

Der  durch  di  sverin  scult  von  dem  Itetehiis  und  von  dem 
tische  vermesamit  wirt,  in  der  cite  so  man  gotis  dinist  tuot,  so 
lige  er  vor  dem  bettehüs  gestrekit  und  enspreche  er  nit,  wene 
lege  daz  houbit  üfe  die  erdin,  vur  aliir  der  vilze  gestrekit  di 
5  i\zer  dem  betehiis  gent.  Und  tu  daz  alse  lange  biz  der  abbit 
irteile  daz  ir  gnüc  si.  Sven  er  dan  von  des  abbetis  geböte  ce 
capiteli  cumit,  so  streke  er  sich  vur  des  abbetis  viize,  dar  nach 
vur  alle  diu  samenunge  daz  si  vur  in  bitin.  Ob  dan  der  abbit 
gebiUit,  so  werde  er  in  den  chör  inphangin  oder  in  den  ordine 

10  alse  der  abbit  besedit.  ledoch  also  daz  er  in  dem  choro  nit 
irbalde  ane  h(>be  salm  oder  leccien,  ez  engebite  aber  der  abbit. 
Und  in  allin  citin  so  gotis  dinist  irvullit  sal  werde,  so  werfe  er 
sich  nidir  an  di  erdin  da  er  da  st6t  und  tu  di  buoze  alse  lange 
biz  in  der  abbit  der  vone  heize  rüwe.     Der  abir  in  der  liechtir 

15  schult  wirt  vermesamit  von  dem  tische,  der  tu  di  büze  in  dem 
betehüs  bis  an  des  abbetis  gebot  und  tuo  daz  alse  lange  biz  der 
abbit  seinunge  gebe  und  spreche  ez  si  gnüc. 

XLV  DE  HIIS  QUI  FALLUNTUR. 

Sver   den  salme  oder  den  respons  oder  di  ant  oder  di  lec- 
tien  ane  vöhit  und  wirt   betrochin,   er   enwerde   da   gedömütigit 

28  genvimim  31  ich]  iz  34  widslvc  oder  iiitht  xliv  1  vom 
7  cumit  9  dem  ordine?  9e  hs.  14  rvvue  16  tvn  xlv  1  2  oder 
leccien 


HOHENF.  BE>;EDICTI>ERREGEL  XLVI.  XLVII.  XL VIII       259 

mit  vollir  buoze  vor  in   aliin,    s6  iinderlige  er  der  merin  räclie. 
Und  von  reclite  der  mit  dt^mrtte  nit  bilze  wolde  daz  er  mit  ver- 
^'''  siVmiclieite    missetete.      Di    kint    recke    man    umme    so    siillie  5 
schulde. 

DE  HIS  QUI  IN  ALIQUIBüS  LEUIBÜS  REBUS  DEL.  XLVI 

Sver  in  den  erbeitin  sva  s6  iz  si,  iclit  mistuot  oder  icht 
brichit  oder  icht  verlüsit  oder  sich'  iergin  verwarl(>sit  ez  si  in 
der  kuchene,  in  dem  kelre,  in  der  pistrii,  in  dem  gartin,  in  dem 
diniste  oder  in  decheinin  listin ,  und  enkumit  er  cehant  nit  vur 
den  abbit  oder  vur  di  samenunge,  daz  er  sich  seibin  schuldic  5 
sage  und  melde  sine  missetät,  wirt  iz  ce  \vizzene  von  einem 
anderen,  so  underliger  der  merin  hrtzze.  Ist  aber  diu  schult 
nit  offenbare,  so  sage  er  si  al  eine  dem  abbate  oder  dem  alt- 
herren  di  da  kunnin  beide  sich  selben  und  ir  briulerc  wundin 
geheile,  nit  inteke  oder  offene.  10 

DE  SlGiVlFICANDA  HORA  OPERIS  DEI.  XLVII 

Wie  di  tagecit  werdin  gecundit,  daz  besorge  der  abbit  tac 
und  naht,  entweder  er  selbe  künde  oder  bevelhe  daz  eininie 
sorcsamen  brCidere  daz  daz  gotis  dinist  alliz  in  rectin  citin  ir- 
vullit  werde.  Di  sahn  und  di  ant  heibint  di  bruodere  ane  näh 
ir  ordine  näh  dem  abbete,  also  er  si  {(in  heizif.  Ce  singe  unde  5 
ce  lesene  enirbalde  nieman,  wene  der  daz  ambicht  irvullin  mach 
und  daz  di  gebezerit  werdin  di  iz  da  horint.  Daz  tuo  man  mit 
demüle  und  mit  gedignicheite  und  mit  forhte  und  den  iz  der 
abbit  gebiitit. 

DE  OPERE  MANUUM  COCTIDIANO.  XLVIII 

Müzzicheit  ist  ein  viint  der  sOle.  Durch  daz  in  gvissin 
citin  sA  werdin  di  lirudere  b(!cunberit  mit  hauwerkin  und  in 
gwissin  citin  mit  der  heiligin  leclien.  wir  geloultin  mit  (hrrir 
sezzunge  bcHle  cit  gececlnt  werde.    (h\z  ist  daz  si  von  den  östrin 

XLVI  3  den  den  7  andenneii  9  wuiidin  xlvu  3  g?tis  5  unde 
G  irwllin  niazcli  9  gebutiz  xlviii  l  sele  3  =  hac  dispositione 
iredinuis  ulraque  lempoia  oidinari        i  geeliecliit 


260      HOHENFURTER  RENEDICTINERREGEL  XLVIII 

5  bis  zu  des  heiligin  criicis  messe  vrü  tiz  gen  und  arbetin  von 
prime  biz  hine  vil  nah  an  di  vierde  stunde  des  man  da  bedarf. 
Von  der  vierdin  stunde  biz  vil  näh  zu  der  sextin  so  sin  si  zu  ir 
leccien.  Nach  der  sextin  alse  si  üf  stent  von  tische,  so  riiwin 
si  in  ir  beitin  mit   michilme  stilnisse    oder    der    da    lese    wolle, 

10  der  lese  ime  also  daz  er  einin  anderin  icht  unrüwic  mache,  und 
werde  diu  nüne  becitlicher  mittis  der  achtin  stundin  begangin 
und  svaz  so  ce  tüne  si  daz  erbeitin  si  biz  ce  vespere.  Ist  daz 
diu  nöturft  der  stete  oder  daz  ermüte  geeischit  daz  si  ir  vrucht 
samenin  und  bekumerit  werdin,  so  enwerdin  si   nit  geunvrowit; 

15  wände  so  sint  |  si  war  muneche,  ob  si  ir  hantwerke  leibint  alse  f*' 
unsir  vetere  und  di  apostoli.     ledoch    mit    mäze    tuo    man    alle 
dinc  durch  di  clenmiitigin. 

DIVISIO. 

Von  des  heligin  crücis  messe  biz  zu  der  vastin  so  lesin  di 
20  muneche  biz  vollecliche  zii  der  anderin  stunde,  an  der  anderin 
stundin  so  werde  diu  tercia  begangin.  und  erbeitin  dar  näh  in 
ir  werke  daz  in  bevolin  wirt  biz  zu  nüne.  Und  alse  daz  erste 
ceichin  ce  nüne  werde  getan,  so  scheidin  si  sich  von  ir  werke 
und  sin  bereite  biz  man  daz  andere  ceichin  liute.  Näh  ezzene 
25  sin  si  zu  ir  leccien  odir  zu  ir  salmin. 

DIVISIO. 

In  den  tagin  der  vaste  so  sin  si,  di  brüdere,  zu  ir  leccien 
biz  zu  voUeclichim  mittemorgin  und  werkin  dar  näh  voUicliche 
biz  zu  der  cehindin    stundin.     In  den  seibin  tagin  der  vastin  so 

30  neimin  si  alli  di  sunderin  buoch  von  der  buch  kamerin  di  si 
näh  ordine  gar  leisin.  Di  buch  sulin  werde  gegebin  in  dem 
anegenge  der  vaste.  vor  allin  dingin  so  werde  ein  altherre  oder 
zvt^ne  gesezit  di  daz  clöstir  ummegön  in  den  citin  so  di  brüdere 
lesint  und  besehin,    daz  von  schihte  dechein  brüdir  släflc  werde 

35  vunde  und    müzzic    si    ze  ...   oder  spelle  und  endenkit  an  sine 


S  der  felill  hs.  sleit  Its.  steint?  11.  22  lunie  Ki  leidoch  tvn 
17  cieniviitigin  19  den /-oi  cor/',  des  29  cheidiii  va''stin  33  gezezit 
35  niuzzit  sizze  oder 


HOHENFÜRTER  BE.\EDiCTIi>ERREGEL  XL VIII.  XLIX     261 

leccieu  uit,  und  iiil  im  cininie  unnuzzc  ist,  suiulerin  ouli  di 
aiiderin  verhel)it.  Der  so  sulich  ist  und  wirt  also  begriffin,  der 
werde  gesträphit  ce  einim  male  und  zem  anderin  male.  Enbez- 
zerit  er  sich  nit,  s6  undirlige  er  der  regelichir  züchte  alsögetane 
wis  daz  di  anderin  vorhte  hal)in.  Neinchein  hriklir  vCige  sich  zu  40 
dem  anderin  ce  unvcUichin  citin.  An  deme  sunetage  sin  si  alle 
zi\  ir  leccien  an  di  di  mit  mish'chin  ammichtin  bevangin  sint. 
Sver  so  versümich  ist  und  so  lazcic  daz  er  nit  wil  oder  enmacli 
nit  trachte  oder  lese,  dem  werde  so  sulich  werc  bevoHn  daz  er 
tuo  und  nit  miizic  si.  Den  sichin  brüderin  und  den  vercertetiu  45 
werde  also  sulich  oder  so  sulich  list  bevolin,  daz  si  beide  nit 
miizic  ensin  und  iedoch  mit  so  grözin  werke  nit  gedrukit  werdin 
daz  si  vlihin.     Der  krancheit  sal  von  dem  abbete  gemerkit  werde. 

18-  DI  OBS  ERUATIOiXE  QUADRAGESIME.  XLIX 

Swi  des  munechis  lebin  alle  cit  sohle  habin  der  vastin  bc- 
heltnisse,  iedoch  diu  mere  wände  unmaneger  ist  diu  tuchint, 
durch  daz  rate  wir  in  disin  tagin  der  vastin  mit  aller  liHircheite 
daz  lebin  ]>elialde.  daz  ist  daz  man  alle  di  versi'unicheit  der 
anderin  cite  in  disin  heligin  tagin  wasche.  Daz  gescheit  dan  5 
wirdecliche,  ob  wir  unsich  von  allin  lastrin  temprin  und  unsich 
machin  zii  dem  gebete  mit  weinunge  der  lectien  und  den  herze- 
riwin  und  der  vastin.  Durch  daz  in  disin  tagin  sul  wir  etlewaz 
z([  irljitin  zu  unsirme  gewonlichin  gewichte  unsirs  dinislis.  Daz 
ist  sundcrUche  gebcit  inde  temperiiisse  der  h'pnar.  Und  en  ies-  lu 
lieh  ubir  (hu  mäze  diu  ime  gesezzit  ist,  so  opfere  er  ein  teil 
unsirme  ti-echtine  mit  der  vrowede  des  heligin  gestis  von  sinime 
eiginin  willin,  daz  ist  daz  er  abe  cihc  sineme  lichamen  von 
ezzene,  von  trinkene,  von  slafene,  von  kelcene,  von  schimfe,  und 
mit  der  vrowede  der  geslichin  girde  so  beite  er  der  ht'-ligin  15 
östrin.  Iedoch  daz  ein  ieslich  unsirme  treclithie  giUlele  opfere 
wil,  daz  undersage  er  sinim  abl»et<',  daz  iz  mit  sinime  willin 
gesehe,  wände  svaz  so  an  des  abbelis  verbencnisse  gescheit,  daz 
wirt  einir  balheite  gezalt  und  einir  uppigin  ()re,  nit  ce  gotis 
löne.     Durch   daz  werdin  alle  dinc  getan  mit  des  abbetis  willin.  20 

37  ybi.ri  verlieb'       42  mit  fe/dl       niislicliie       48  kraiilieit       xnx  7  9e 
9  gewolicheii       =pensüimoic  kap.i       10  intepnisse       13  eii^niii       licliam 
Z.  f.  D.  A.  neue  folsje  IV.  18 


262     HOHENFURTER  RENEDICTINERREGEL  L.  LI.  LH.  LIIl 

L        DE  FRATRIBUS  QLI  LONGE  AR  0.  LA.  ALT  IX  V.  S. 

Di  bnulere  di  vcrre  ce  werke  siiit  und  enmugiii  nit  ce 
vellichir  cite  zil  dem  beitehüs  kmiieii ,  di  hegen  an  der  seibin 
stete  gotis  dinist  da  si  da  werkint  und  bougin  ir  kni  mit  der 
gotlichir  vorchte.  Alsame  tun  di  di  üfe  deme  wege  sint,  di  en- 
5  ubirgen  nit  di  gesezzete  cite,  sunderin  si  begen  si  alse  si  mugin 
und  enversümin  nit  gote  wider  gebiu  daz  gewichte  irs  dinistis. 

LI  DE  FRATRIRUS  QUI   NON  LONGE   SATIS  PROFICISCUNTÜR. 

Di   briidere  di  durch  decheine  sache  üz  varint  und  verseint 

sich  wider  kume  ce  clöstre  des   seibin    tagis,    di    enirbaldin    da 

üze  nit  ezze  ob  si  des  ouh  von  imanue  gebeitin  werdin,  ez  ensi 

daz  iz  in  ir  abbit  gebiete.     Tünt  si  icht  anderis,    so    werdin    si 

5  vermeisaniith. 

LH  DE  ORATORIO  MONASTERIL 

Daz  betehiis  si  als  iz  gesprochin  wirt.  und  da  inne  euAverde  18' 
nicht  anderis  getan  oder  behaldin.  Alse  gotis  dinist  irvullit 
werde,  so  werde  mit  nigene  ewirdicheit  gote  irbotin  und  gen 
also  uz  mit  stilnisse,  daz  der  bruder,  der  lichte  von  ime  selbeme 
5  bete  wil,  nit  geirrit  werde  von  einis  anderin  lichticheit.  Ist  aber 
ein  ander  der  von  schite  gesveslicher  wil  bete,  der  ge  einveldic- 
liche  in  und  bete  nit  mit  offeuir  stimme,  sunderin  mit  den 
ceherin  und  mit  des  herzin  andäch.  Sver  sögetäne  wis  nit  tut, 
deme  werde  nit  verhengit  ce  belibene  in  dem  betehüs,  daz  ie- 
10  mau,  alse  wir  gesprochin  hän,    von  ime  icht  gehinderit  werde. 

LIII  DE  HOSPITIRUS  SUSCIPIENDIS. 

Alle  di  geste  di  zu  deme  clöstre  kumint,  di  werdin  in- 
phangin  alse  der  heilige  Crist.  wände  er  sal  spreche  'Ich  was 
gast  und  ir  inphigit  mich.'  Und  werde  in  allin  gevellich  ere 
irbotin.    iedoch  aller  meist   den    ewirdigin    und    den    pilgrimiu. 


L   1  werrc  3  bovgin  so  u  5  vermeisaniich  lii   1  gesprod)it 

5  oder  eines  0  10  euiian 


HOHENFÜRTER  BElNEDlCTlNERREGEL  LIII         263 

Von  diu,  alse  der  gast  gokundigit  wirt,  so  werde  ime  vou  dem  5 
priöre  oder  vou  den  brüderiu  begeinit  mit  allim  amchte  der 
minne,  unde  betiu  zerist  und  geselliu  sich  dan  mit  dem  pece. 
Daz  selbe  pece  en werde  nit  gegebiu ,  c  dan  daz  gebet  getan 
werde,  durch  des  tiuvehs  gespote.  So  man  di  geste  grüzzit,  s6 
werde  alle  dOmiH  in  zu  irbotin.  Sveder  so  di  geste  zi\  varin  10 
oder  hine  varin,  so  werde  der  heihger  Crist  an  in  ane  gebetit 
mit  ahne  lichamen  geneigit  oder  gestrekit  rtfe  di  erdin,  der  ouh 
an  in  inphangin  wirt.  Alse  si  inphangin  werdint,  so  werdin  si 
geleitet  zu  deme  gebete,  nnd  sizze  darnäh  mit  in  der  prior  oder 
sven  er  daz  heizet  tun.  Vor  deme  gaste  werde  geleisin  diu  15 
goteliche  e,  daz  er  gebezzerit  werde,  und  dar  näh  so  werde  ime 
zu  irbotin  alle  diu  mennisheit.  Du  vaste  werde  von  deme  priöre 
gebrochin  durch  den  gast,  ez  ensi  ein  lantvastetac  den  man  ce- 
breche  nit  mac.  Aber  di  brüdere  habin  ir  gewonheit  mit  ir 
vastin.  Der  abbit  gebe  den  gestin  daz  wazzir  in  di  hende.  Abir  20 
di  vCize  wasschin  in  bede  der  abbit  und  alle  diu  samenunge. 
Alse  si  gewasschin  werdin,  so  sprechin  si  diz  verse  (ps.  47,  10) 
'Suscepimns,  deus,  misericordiam  t.  in  me.'  Allir  meist  werde 
besorgit  wi  di  armen  und  di  pilgrime  inphangin  werdin,  wände 
an  den  wirt  der  heiligir  Crist  mer  inphangin.  Ja  erit  sich  seibin  25 
der  richin  eisunge.  Der  geste  kuchene  si  von  ir  selbere,  Daz, 
svenne  di  geste  kumen  in  ungvissin  citin  und  ce  clöstre  alle 
19'cit  sint,  I  nit  unriiwe  machin  di  bri'idere.  In  di  seibin  kuchenin 
gen  zv«^ne  briidere  zTi  dem  järe  di  daz  selbe  ammicht  wol  ir- 
vullin.  Svenne  oiUi  di  seibin  helle  bedurfin,  so  werde  si  in  ge-  30 
gebin  daz  si  äne  murmulunge  gedinin  mugin.  Und  aber  svenne 
si  minner  bekumerit  sint,  so  gen  si  zu  dem  werke  daz  in  bevolin 
wirt.  Und  nit  eine  an  in,  sunderin  daz  sal  man  ouh  merke  in 
allin  den  ammichtin  des  clustris,  svenne  so  si  helfe  bedurfin,  daz 
man  si  in  gebe,  und  aber  svenne  si  leidic  sin,  so  shi  si  zCi  35 
anderin  werke  gehorsam.  Daz  gasthüs  werde  ouh  bevolin  einim 
lu'rtdcre,  des  s6le  gotis  vorchte  besezzin  habe,  da  di  bette  vollic- 
liche  sin  bereite  und  daz  gotis  hfis  werde  wisjiche  von  den  wisin 
geseizit.  An  urloub  ensal  sich  nieman  zil  den  gestin  geselle 
noh    wider    si    spreche.     Ist  daz  er  ime  ])eganit  oder  si  gesehit,  40 


Liii  7  undc  hs.        16  9        17  =  hunianitas         25  =  niafri'^        29  30 
irvvuliiii         40  be^^anit  /'«>  beg'ainit,  begoiiiit?         si]  sich 


264     HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  LIII.  LIV.  LV 

s6  sal  si  mit  demüte  grüze  und  bite  seignunge  und  ge  vare  und 
spreche,  ime  si  nit  miizelich  cc  sprechene  mit  deme  gaste. 

LIV    QUOT  NON  LICEAT  MONACHO  LITTERAS  AUT  EULOGIAS 

SUSCIPERE. 

Ez  ensi  nccheine  wis  müzlich  den  munccliin  euweder  von 
irin  vründin  noch  von  dencheinim  menniscliin  noch  under  in 
seibin  brive  oder  boteschaf  oder  dencheinir  slate  gäbe  neime 
oder  gel)e  an  des  aJjbetis  gebot.  Ist  daz  von  slnin  vorderin  im 
5  ich  gesant  wirt,  daz  enirbalde  er  nit  inphahe,  ez  enwerde  e  dem 
abbete  ce  wizzene.  Heizit  er  iz  inphahe,  so  si  iz  in  sinir  ge- 
walt,  weme  er  iz  heize  gebe,  und  enwerde  der  brildir  nit  geun- 
vrowit  deme  daz  gesant  wirt,  daz  deme  tiuvele  dechein  ursage 
gegebin  werde.  Der  diz  gebot  ubir  gct,  der  undirlige  der 
10  regehchin  zuiin. 

LV  DE  INDUMEMIS  FRATRÜM. 

Daz  gewöte  werde  den  brüderin  gegebin  nach  der  wahmge 
der  stete  und  nach  der  temperunge  des  kiftis.  wände  in  den 
cahlin  landen  bedarf  man  gewandis  mer  und  in  den  warmin 
minner.  Daz  si  in  des  abbetis  betrahtunge.  Abir  in  den  geten- 
5  pertin  landin  so  geloube  wir  daz  eineme  ieslichime  gnüge  ein 
kugele  und  ein  roc.  ein  kugele  in  dem  wintere  rüch,  in  deme 
sumere  sletht  oder  alt,  und  schepelere  durch  daz  werc.  Vuoz- 
gewßte  sin  socke  und  hosin.  Svelher  varwe  daz  alliz  si  oder  svi 
grob  iz  si,  so  sachin  di  muneche    nit,    sunderin   |  alse    man    iz  IQ' 

10  vinde  mac  in  deme  lande  oder  alse  man  iz  bösir  veile  mac  vinde. 
Von  der  maze  besehe  der  abbit  daz  daz  gewant  nit  ce  kurz  si, 
sunderin  gemezzin.  Alse  si  daz  nüwe  inphäint ,  so  gebe  si  daz 
aide  widere  in  di  watkamerin  ce  legene  durch  di  armin.  Iz 
gnügit    einim    muneche    zvöne   roke  und  zvö  kugelin  ze  habene 

15  durch  di  nechte  und  daz  ce  waschene.  Swaz  so  dar  ubir  ist, 
daz  ist  ubirvluzic,  daz  sal  man  abe  snide.  Vilzgewcte  und  swaz 
so   alt  ist ,    daz  sulin  si  wider  gebin ,    so  si  daz  nüwe  inphäint. 

LIV  5  (j  6  si  fehlt  hs,         lv  3  inde  warnii         7  siecht?  Vn 

10  =  vilius  comparare  possuiit         16  oder  vltirvluzit 


HOHENFURTER  BENEDICTIiSERREGEL  LV.  LVI.  LVII    265 

Nidenv^te  suliu  si  von  der  kamerin  inpliain   di   dii    üz    gesendit 
werdint.     alse    si   widir   kumint,    so    suliu  si  iz  legin  widir  ge- 
Avascin.     Di  kugelin  und  di  rocke  sulin  ettewaz  bezir  sin  dan  di  20 
gcwonlichin.     Di  sulin  si  ouh  von  der  wAtkamerin    neinie    unde 
abir  so  si  wider  kumint  wider  gebin.     Daz  betegvant  si  ein  male, 
ein   grob    tuoch,    deckelacbin    und  ein  kussin.     Di    seibin    bete 
sulin  dicke  versCicbit  werde  von  dem  abbete  durch  di  eiginscbaft 
daz  siu  icht  vundiu  werde.     Und  svä    so   diu   vundiu    wirt,    diu  25 
von  dem  abbete  nit  genumin  wirt,    da    undirlige    der    schuldige 
der  aller  svörstin  züchte.     Und    daz    diu    eiginscbaft   wurzeliche 
werde    abe    gesnitin,    so  werde  alle  diu  nöturft  von  dem  abbete 
gegebin,  daz  ist  diu  kugule,  der  rock,  socco,  hosin,  bruhkurtil, 
meizir,    griffd,    nälde,    dvehele,    tabele,    daz    aller  der  nöturfte  30 
clagunge  abe  genumen  werde,    abir  von  dem  abbete    werde   alle 
cit  gemerkit  diu  sententia  actuum  apostolorum,    daz    einim    ies- 
licheme  Avart  gegebin  alse   ime   not    was.     Von    diu    merke    der 
abbit  diu  krancheit  der    durftigin,    nit    den    ubelin    willin    der 
nidere.     Und    in    allin    sinen    urteilin  so    gedenke    er    an    daz  35 
eotis  lön. 


DE  MENSA  ABBATIS.  LVI 

Des  abbetis  tisc  si  iemmer  mit  pilgrimin  und  mit  geslin. 
Swenne  aber  der  geste  minnir  ist,  di  er  der  brüdere  zu  sime 
tiske  lade  wil,  daz  ste  an  sinir  gewalt.  Abir  einin  altherrin  oder 
svene,  di  läze  er  mit  den  brüderin  durch  diu  zuch. 


DE  ARTIFICIBUS  MONASTERII.  LVII 

Sint  listmechere  in  deme  clöslre,  di  sin  da  mit  michelir 
dC-miKe,  ob  iz  der  abbit  gcbCitit.  Verhebit  sich  ir  dechein  von 
sinin  listin,  alse  er  deme  clustrc  vil  nuzze  si,  der  werde  von  den 
20'  seibin  listin  abe  gewisit  und  si  dar  nach  der  |  von  ledich ,  ez 
ensi  daz  er  gedemCitigit  werde  und  in  der  abbit  zil  den  listin  5 
wider  läze.  Swaz  so  ce  vercoulene  ist  des  werkis,  so  besehin  si 
di  da  vercoufmt,    daz  si  dencheine  untriwe  hegten  des  lönis  icht 


18  vnz  gesendit  24  eiginciiaft  30   tiotiirfe  34  Uiaiilioit 

LVII  l  listmechere        0  d  es 


266     HOHElNFURTER  BENEDICTINERREGEL  LVII.  LVIII 

ce  habene.  Und  gedonkin  alle  cit  Änanie  und  Saphire,  daz  von 
sichte  den  tot  den  si  an  dcme  lihe  liden,  daz  si  den  an  der  sele 
10  liden,  di  dechein  veichin  von  des  clöstris  sachin  beg^nt.  Abir 
au  denie  seibin  löne  s6  engirsche  nieman  nach  deme  gute, 
Sünderin  iz  werde  ie  ein  tel  untürir  bine  gegel)in  dan  von 
anderin  werltlichin   liutin,    daz  in  allin  dingin  got  geerit  werde. 

LVIII  DE  DISCIPLmA  SUSCIPIENDORUM  FRATRUM. 

Sver  so  nüwelicbis  zu  bekArde  kuniit,  deme  enwerde  nit 
licbtir  inganc  verhengit,  sunderin  alse  der  apostolus  da  sprichit 
'Versüchit  di  geiste,  ob  si  von  gote  sin.'  Von  diu  sver  so  kumit 
und  zu  dem  ingange  cloffit  steticliche  und  mit  spc^hin  wortin 
5  wirt  unibe  getribin  und  näh  virin  oder  viumf  tage  diu  widerunge 
und  den  unsemftin  inganc  duldicliche  vertregit  und  belibit  an 
siner  bite,  deme  werde  verhengit  der  inganc  und  si  in  deme 
gastbüs  ummanege  tage.  Dar  nah  si  er  in  der  novitien  cella  da 
er  trachte  und  ezze  und  slaphe.     Und    ein    altherre    werde    ime 

10  beschidin  der  da  gevelliclich  si  di  sele  ce  wuocherne,  der  in  mit 
alleme  vlize  merke,  ob  er  sorcsam  si  und  ob  er  got  sücbit,  ob 
er  sorge  hat  ce  gotis  diniste,  zu  der  gehorsame,  ze  itewizze. 
Ime  werdin  vor  gesagit  herte  dink  und  scharffphe  mit  den  man 
ce  gote  g6t.     Gelobit  er  da  mitte  diu  steiticheit,    so    werde  ime 

15  näh  svene  mänede  disu  regula  nah  ordine  geleisin  und  werde 
ime  zu  gesprochin  'Sinuwa  diu  e  ist  under  der  du  wesen  wilt. 
Machdu  si  behaldin,  so  ganc  in.  enmachdu  si  nit  behaldin,  so 
var  vrilich  dinin  wec'  Steit  er  noch  dan,  s6  werde  er  aber  in 
der  novitiin  celle  geleitit  und  werde  aber  mit   aller    gedult    ver- 

20  süchit.  Und  nah  sex  mänede  s6  werde  ime  aber  (hse  regula 
geleisin,  daz  er  wizze  waz  er  ane  ge.  Und  steit  er  nochdan,  s6 
werde  ime  abir  ubir  vier  mänede  diu  selbe  regula  geleisin.  Und 
bettrahtit  er  sich  und  geloubit  er  ce  bebaldine  alliz  daz  ime  ge- 
botin  wirt,    so   werde  er  in  di  samenunge  inphangin  und  wizze 

25  von  der  e  der  regelin  gesezzit  daz  ime  von  |  deme  tage  nit  mrtz-  20' 
lieh  si  von  deme  clAstre  \\z  varin  oder  den  hals  üser  der  regelin 

11   niemam         Lvni  2  ingant         4  öc  speiii,  h  iibergeschr.  voilin 

6  i5e         10  becliibiii         te  wrcheriie         13  oinnia  dura  et  aspera  im  oi-i- 

fiinal           scaifl'plio,    li    i/bei'  a             16  (;            17  Mach  div  1'^  daiit 

20  werden        25  r        sciens  e  lese  resrulae  constitutuin 


HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  LVIII.  LIX     267 

Joche  sehnte  der  er  sich  in  so  langir  Ijetrachlunge  mochte  insage. 
Alse  man  in  dan  inphähe  sal  in  dem  betehüs,  so  gelobe  er  sine 
sttUicheit    nnd    bekt^rde    sinir   site    und   gehörsam   vor  gote  und 
sinin    heiligin,    ob    er   iemmer   anderis  getü,    daz  er  wizze  sich  30 
verdampnit    von    gote    des   er   da    spotit.      Von    deme    gelovede 
mache   er  eine  bete  zu  der  heiligin  name  der  heilichtrtm  da  ist, 
und    des    geginwortigin    abbctis.     Diu   seibin    bete  scribe  er  mit 
sinir  haut,  obe  er  scribin  kan.    enkan  er  gescribin  nit,  s6  scribe 
si  ein  ander  von  ime  gebeitin  und  der  novitius  mache  ein  ceichin  35 
und"  lege  si  mit  siner  haut  üfe  den  alter,    alse  er  si  gelegit,  so 
habe    der    selbe    nowitius    cehant    ane    diz   vers   (ps.  118,116) 
'Suscipe    me    domine    s.   e.   t.'       Daz    vers    envvurte    alle    diu 
samenunge  drie  stunt  und  'gloria  patri'  sprechin  dar  nach.     Da 
mite  so  strecke  sich  der  novitius  vur  ir  allir    vüze    besunderin,  40 
daz  si  vor  in  beitin.  und  von  deme  tage  werde  er  in  di  samenunge 
geachtit.     Hat  er  decheine  sache,  di  gebe  er  6  den  armen  liutin 
oder  mache  eine   offene   gäbe    dem    clöstre    und    enbehalde    ime 
vurnemegis   nit.     Und  von    reichte,    wände  er  von  dem  tage  sin 
selbis    lichamen   necheinin   gewalt    sal  wizze  ce  liabene.     Cehant  45 
in  dem  betehüs  werde  ime  sin  gwant  uz  gezogin  und  des  clöstris 
gwant  ane  getan.     Abir  daz  gewant  daz  ime  üz  getiin  wirt,    daz 
werde  in  deme  clöstre  bebaldin.    ob  er  ettewenne  von  des  tiubelis 
rate  gehillit  daz  er  von  dem  clöstre  vare ,    daz    nimmer   geschec 
muoze,    so    werde   er   üz    getan   des    clöstris  gewant  und  werde  50 
verworfin.     ledoch  diu  bete  diu    der   abbit   von    dem    altere    ge- 
numen  hat,  di  cnphähe  er  nit  widere,  sunderin  si  werdt>  in  dem 
clöstre  behaUhn. 

DES  FILIIS  NOBILIUM  VEL  PAU.  Q.  OKFERAN.  LIX 

Sver  der  edilin  von  schihte  sinin  suon  gote  opffirt  ce 
clöstre,  ist  daz  selbe  kint  minnirs  alderis,  so  tünt  di  vrünt  di 
bete  di  wir  da  vore  gesagit  hau.  Und  mit  opffere  tuon  si  di 
2l'selbiu  bete  und  be  windin  des  kindis  haut  in  dem  altirtüchc  und 
oplVin  also.  Abir  von  sinin  sachin  oder  in  der  geginwortigiu  5 
beite,    so    gelobin  si  under  dem  gesvorn  beide,    daz  nimniir  \on 

2S  gcloubc  29  stoteiclicil  30  ecr  31  g-elovir         37  licilio? 

42  (;  arili  -Jß  liethchus  '49  Daz  51   52  stMUiin  r.ix  6  «e- 

ioiiMii 


268     HOIIENFLRTER  BENEDICTIISERREGEL  LIX.  LX.  LXI 

ime  selbeme  noh  von  decheinir  wäiisam  personam  uoh  decheiue 
wis  ime  iclit  gebin  oder  gebin  Ursache  ce  habene.  Oder  en- 
wolliiit  si  des  nit  tun  und  wollint  ein  teil  opfere  ce  clöstre  vor 

10  ir  lön  zu  einer  almüsin,  so  niachin  si  von  den  sachin  di  si  gebe 
Avollint  dem  clostre  eine  gäbe  und  bchaklin  in  ob  si  also  willint 
den  nuzlichin  vrucht.  Und  werde  alliz  also  beschuzzit,  daz  de- 
cheiu  wan  deme  kinde  belibe  von  dem  iz  betrogin  werde,  daz 
nimmer   geschehe    müze,  und  verterbe  muge.     daz  wir  vor  war 

15  vreisschit  han.  Alsamc  tun  ouh  di  da  ermir  sint.  Di  abir  vor- 
nemigis  nicht  hänt,  di  tun  enveldicliche  ir  bete  und  mit  oblei 
opffrin  si  irn  sun  mit  gezüge. 

LX  DE  SACERDO.  QUI  YO.  IN  MO.  HABITARE. 

Sver  von  dem  ordine  der  pristere  sich  in  dem  clöstre  bittit 
inphähin,  der  enwerde  al  in  gähin  nit  gewert.  ledoch  belibit 
er  stt'tic  in  der  vlehungc,  so  wizze  er  daz  er  aller  der  regelin 
zucht  behaldin  muoz,    und  ime  enwerde  nicht  verhengit  daz  da 

5  si  als  iz  gescribin  ist  'Vrünt,  durch  waz  bist  du  cumin?'  Ime 
werde  iedoch  verhengit  nach  dem  abbete  sten  und  seine  oder 
messe  singe,  ob  iz  anderis  der  abbit  irloubit.  Abir  anderis  so 
enirbalde  er  ze  decheinin  dingin.  und  wisze  daz  er  der  rege- 
lichin    zutin    müz    undcrtßnic    sin   und   merir  demüte  bilide  den 

10  anderin  aUin  sal  gebin.  Ist  daz  er  lichte  durch  di  wihe  oder 
durch  andere  sache  ce  clöstre  ist,  so  merke  er  ie  di  stat  alse  er 
ce  clöstre  kumin  ist,  nit  di  stat  diu  ime  durch  di  ewirdicheit 
des  pristerlichin  ammichtis  verlihin  ist.  Svel  ir  ouh  der  anderin 
phaffin  sich  bitit  zil   deme   clöstre   inphäin,    der  werde   an   eine 

15  mesliche  stat  gesezzit,  ob  er  anderis  geloubit  di  regulam  behalde 
und  sine  stelicheit. 

LXI  DE  MONACHIS  PEREGRI.  QUALI.  SUSCl. 

Svelich   munich  eilender  von  vorrin  landin  zu  deme  clöstre 
kumit,    wil    er   gaslis  wis  ce  clöstre  si  und  ob  iinc  gnugit  |  diu  21' 
gewonheit  des  clöstris  di  er  vindit  und  nit   betrülüt    daz    clöster 


14  ninm  lx  1  den  cl.        5  bist  div         S  ding-iiiti  oder  dinginn  lis. 

10  Mie,  h  überiieschr.         1 1   ei         12  ni  di 


HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  LXI.  LXII     269 

mit  sinir  ubirvluzzicheite,   der  werdo  inphangiii  alse  lauge  so  he 
des  gerit.     Ist  daz  er  reidelichc  und  mit  demüte  der  minne  ette-  5 
waz    berefTesit,    so    betrachte    der   abliit  daz  wishche  daz  in  von 
schihte  unsir  herre  durch  daz  selbe  gesaut  habe.     Abir  dar  nach, 
wi\  er  sine  steiticheit  festine,    so  euwerde  sögetän  wille  nit  ge- 
widerit.     Und  alHr  meist  wände  in  der  cite  di  er   da   was    gast, 
so    mochte   man    sin   leibiu  irkene.     Ist  aber  daz    er   ul)irvhizzic  10 
oder  lasterböric  gastis  stete  wirt  fuudiu,    nit    eine    ensal    er    zu 
geseiht  werde  deme  lichamcn  des  clöstris,  sunderin  ouh  ime  sal 
erafte  zrt  gesprohin  werde,  daz  er  daunin  Schede ,  daz  von  sinir 
jämerheite  di  anderiu   nicht  gelasterit   werdin.     Ist    er    abir    so 
sulich  nit,  der  da  verworfin  sul  werde,  nit  eine  werde  er  iuphaugiu  15 
in  di  geselleschaft  der  samenunge,    sunderin    ouh  man  rate  ime 
zu    der    steiticheite ,    daz   von   sinim   bilide  di  anderiu  gebezzerit 
werdin:   wände  in  allin  steitin  wirt  eineme  herrin    gedienit   und 
hat  di  rittirschaft  uudcr  eineme  kuuinge.     Gesehit   in   der   abbit 
sösulichiu  wesiu  daz  er  is  wert  si,  so  mac  er  in  in  eine  höhere  20 
stat  sezze.    und  nit  alleine  den  munich  sunderin    ouh,   alse   wir 
da  vor  gescribiu  hau  von  den  pristrin  und  von  den  phaffin,    so 
mac  der  abbit  eiuin  ieslichiu  in  eine  höhere  stat  sezze  dau  er  ce 
clöstre  kumen  ist,  ob  er  ir  leibin  sösulich  sehit.     Aber  der  abbit 
behüte   daz  er  von  decheiucme  kuudin  clöstre  decheiuin  munich  25 
inphahe   au   siuis   al)betis  verheucnisse  und  aue  brive  di  in  dem 
clöstre    bevelhiu.     wände  iz   ist   gescribiu  'Daz   du    nit   will    daz 
dir  geschehe,  daz  entu  du  eiuim  anderiu  nit.' 

DE  SACERDOTIBUS  MONASTERII.  LXII 

Svelich  abbit  ])ilet  ime  wihe  eiuin  pristir  oder  einin  dia- 
conem,  der  irwele  undir  den  siuiu  der  des  wert  si.  alse  der 
gewiit  werde,  so  behöte  er  sich  von  der  höfcrle  und  enirbalde 
nicht  Aveue  daz  ime  von  sinem  ablx'te  gebotiu  wirt,  und  wizze 
daz  er  niichils  nier  uudertenic  muz  sin  der  regelichin  zuhte.  5 
Und  von  der  Ursache  des  prislirlicliiu  auuuichlis  so  envergczze 
er  nit  der  regcliu  zuchl  und  diu  gehörsam,  sunderin  er  bezzere 

LXI  4  ubiiwluzzitlieite        9  =  et  maxiivie  (juia        10  ubir  vluzzit       11 
=  hospitalilatis  13  siuia  24  kvili  25  daiz  er         2G  dem]  9e 

LXII   l   2  (liacour         4  sinen  5  zuthe,   t  zwisc/icii  h  und  v  iibevgcschr. 


270     IIOHE^TÜRTER  BENEDICTINERREGEL  LXII.  LXIII 

sich  ce  gote  mt^r  und  mer  und  merke  iemmer  |  diu  stat  alse  er  22' 
ce  clöstre  kumen  ist  an  daz   amniich    des    altaris.     und    ob    der 

10  abbit  mit  der  samenunge  in  durch  sine  wirdicheit  baz  ere  wil, 
iedoch  sal  er  wizze  daz  er  behable  sal  di  regulam  di  den  techin 
und  den  pröbistin  gesezzit  wirt.  Ist  daz  er  anderis  irbalde  ce 
trtnne,  so  enwerde  er  nit  ein  pristir,  sunderin  ein  widerwertiger 
irteiHt.     Und  wirt  er  dicke  gemanet  und  enbozzert   er   sich    nit, 

15  so  werde  ouh  der  bischof  ce  einime  Urkunde  zi\  irbotin.  En- 
bezzert  er  sich  ouh  so  nit  von  schinliergin  schuldin,  werde  er 
von  deme  clöstre  verworfin ,  ob  anderis  sin  vrevele  sosulich  ist, 
daz  er  der  regelin  nit  undirtenic  und  gehörsam  wil  si. 

LXIII  DE  ORDIMBL'S  CONGREGÄTIONUM. 

Di  brüdere  behaldin  ir  ceche  in  dem  clöstre  alse  diu  cit  der 
bekßrde  und  iris  lebenis  wirdicheit  bescheidit  und  alse  der  a])bit 
sezzit.  Der  seilte  abbit  betrübe  den  herte  nit  der  ime  bevoliu 
ist.   Und  er  Schafte  nich  unrechtis,  als  ob  er  vri  an  sinir  gewalt 

5  si,  sunderin  er  gedenke  iemmer  daz  er  von  allin  sinin  urteilin 
und  von  allin  sinin  wei'kin  gote  müz  enwurte.  Durch  daz  nfdi 
ir  ceche  di  si  habint  oder  gesezint,  so  gön  di  brüdere  zu  dem 
pece,  zu  unsirs  herrin  lichamen  den  salmen  an  cc  vähene  in  dem 
chöre   ce   stede.     Und   in   allin    stetin  so  underscheide  daz  alder 

10  nit  oder  verteile:  wände  Samuel  und  Daniel  di  kint  irteilitiu  di 
pristere.  Durch  daz  dn  di  di  der  abbit  durch  gvisse  sache  mit 
höherime  rate  vor  gesezzit  oder  insezzit,  di  anderin  allinsamint 
di  sin  in  der  ceche  alse  si  zu  der  bekörde  kumen  sint,  alsö- 
getAne  wis,  der  zu  der  anderin  stunde  des  tagis  ce  clöstre  kumen 

15  ist,  der  wizze  daz  er  des  jüngere  sal  sin,  der  zi\  der  eristin 
stunde  kumen  ist  des  tagis,  svelhis  alderis  oder  svelhir  herschcfte 
er  si.  Den  kindin  werde  in  allin  dingin  zucht  zu  irbotin  von  in 
allin.  Di  jüngere  eren  ir  priores,  di  priores  minnin  ir  jüngere. 
Alse  si  sich  mit    namin    nennint,    so    cnsi   nienian    nuizlich   den 

20  anderin  mit  sleiteme  namen  nenne,  sunderin  di  priores  neinnin 
ir  jüngere   bn'idorc,    di  jüngere   heizen   ir  priores  nonnos,    daz 


8  ienini''        11  lodocli  12   13  cetvne  16  so  werde?         lxiii  7 

gezczint         8  dem  salrii  9  ce  stoiide?  =  standinii  19  niemam         20 

Tieinin        21  heizet 


HOHE^FURTER  BENEDICTINERREGEL  LXIII.  LXIV     271 

verstandin  wirt  veterliche  ewirdiclicit.  Der  al)l)it  wände  er 
Cristis  stat  hat,  so  werde  er  herre  und  abbit  genennit,  uit  von 
sineme  anevange,  sunderin  in  der  t^re  inde  in  der  minne  des 
22' heiligin  Cristis.  Abir  her  gedenke  und  irbiete  sich  so  sulhin  (  daz  25 
er  wert  si  sösulhir  6re.  Svä  s6  di  brüdere  begainint  under  ein 
ander,  da  spreche  der  jüngere  'benedicite'.  Da  der  niere  vur 
gat,  da  st6  der  jüngere  üf  und  gebe  ime  di  stat  ce  sizzene,  und 
der  jüngere  enirbalde  nicht  mit  ime  ce  sizzene,  ez  engebite  ime 
sin  altherre.  Daz  irvuUit  werde  diu  scrift  'Vure  kumit  under  30 
ein  ander  mit  herin.'  Di  w(^^nichin  kint  oder  di  jungelinge  di 
habin  in  dem  betehüs  und  ce  tische  ir  ceche  mit  zuchtin.  Abir 
andirswÄ  oder  swä  so  si  sin,  so  habin  si  hiite  und  zucht  biz  daz 
si  an  daz  verstentchche  alder  kumin. 

DE  ORDINANDO  ABRATE.  LXIV 

In  des  abbetis  ordinunge  so  werde  iemmer  gemerkit  diu 
reide,  daz  der  gesezzit  werde  den  ir  alle  diu  samenunge  nÄh 
gotis  vorchte  oder  alt  ist  iz  ouh  daz  minere  teil  der  samenunge, 
mit  gesundeme  rAte  irwelit.  Von  sinis  libis  wirdicheite  und  von 
der  lerunge  der  wisheite  so  werde  er  irwelit  der  geordinet  sal  5 
werde,  ist  er  ouh  der  leziste  in  der  samnunge.  Ist  aber  daz 
alle  diu  samenunge  von  ir  lästere  eine  gehellinde  personam  mit 
glicheme  rAte  irwelit,  daz  nimmir  gesehe  muoze,  und  di  seibin 
lastir  kunt  werdint  dem  bischoffe  in  des  berictesale  diu  stat 
h6rit  oder  den  el »betin  oder  den  nahwendigin  cristin  das  sein-  10 
b(}ricwirt,  so  wcrin  si  daz  der  bösin  r;U  icht  ubermechtic  werde, 
und  sezzin  domo  gotis  hns  einin  wirdigin  amman  und  wizzin 
daz  si  dar  nmme  gut  Ion  inphäin  sulin,  ob  si  daz  küsliche  und 
mit  gotis  vlize  lAnt,  alse  si  oidi  dar  widere  sunde  hänt,  ob  si  iz 
versümint.  Alse  dan  der  abbit  geordinit  wirt,  so  gedenke  er  15 
ienimir  weihe  liurdin  er  enphangin  hat  und  weme  er  reide  sal 
gebe  sinis  ammichtis.  Und  er  sal  wizzo  daz  er  mri'  imiz  vrume 
si  dan  vor  si.  Er  mfiz  gelOrit  si  mit  dei-  gotelichin  e,  daz  er 
wizze  und  si  wA  vone  er  vur  brenge  niiwe  und    alt.     Er   sal    si 


24  inde]  ifi       25  Daz'       26  eiv       29  oder  iiidit       30  nlhro        i.xiv  2 
l>az  3  oder  alt  hs.]  ald?         miiie         7  =  consonlientem         Iß  ieiimir 

18  0       19  =ut  sciat  ut  sit       va 


272     HOHENFIRTER  BENEDICTLN ERREGEL  LXIV.  LXV 

20  krischt',  nuohtere,  barmliercic,  dOmiite,  und  sal  iemmer  überhebe 
di  gnade  deme  rechtiu,  den  wortin  daz  er  di  seibin  gnade  vinde. 
Er  sal  di  lastir  hazze  und  di  brüdere  niinne.  In  siner  strafunge 
tu  er  wisliche  und  nicht  ce  vil,  daz  daz  vaz  icht  cebrochin 
werde,  sü  er  den  rost  icht  ce  vil  abe  ribe  wil.    Und  er  si  iemer 

25  sorcsam  über  sin  selbis  brödicheit  und  gehuge  sich  daz  der  ge- 

schutte  halm  nit  cebrochin  |  sal  werde.     Da  enspreche  wir  nicht  23* 

daz  er    di  lastir  läze   wachse,    suuderin    wisliche    und    mit    der 

,  niiune  snide   er   si  abe  alse  er  geraerke  mach  daz  iz  einim  ies- 

licheme  nuzze  sl,  alse  wir  gesagit  hän,  und  vlize  sich  wi  er  mer 

30  geminnit  werde  dan  gevorch.  Er  ensi  nit  trübesam  oder  angist- 
sam,  er  ensi  nit  umniezzic  und  ce  herte  und  ce  vil  arcwänsam, 
wände  er  engerüwit  nimer.  In  den  geböte  si  er  vursichtic  und 
merkesam,  ez  si  mit  gote  oder  mit  der  werkle.  Di  werc  di  er 
den    brüderin    bevilhit,    di   undirschide    er   mit  temperunge  und 

35  gedenke  an  diu  maze  des  gütin  Jacob  da  er  sprichit  'Tun  ich 
mine  herte  mer  erbeite  an  deme  gange,  si  sterbin  alle  einis 
tagis.'  Dise  und  andere  der  tuginde  müter  Urkunde  sal  er  neme 
und  tempere  alle  dinc  also  daz  si  starc  sin  di  is  gerin  und  di 
kranckin  nit  vlien.     Und   nemeliche    daz    er    dise    geginwortigin 

40  regelin  behalde,  svenne  er  wol  gedienit,  von  unsirme  herre  höre 
di  wort  di  der  guter  dinistman  hörite  der  sinin  gnözin  den 
weize  mite  teilite  in  sinin  citin.  Er  sprach  'zväre  sagiu  ich  üch 
daz  er  sezzit  in  über  aliz  sin  gut.' 

LXV  DE  PROPOSITO  MOXASTERII. 

Ez  geschehit  dicke  und  olTte  daz  von  der  ordinunge  des 
prübistis  svero  scande  in  deme  clöstre  wachsint,  swenne  sume- 
liche  sint  mit  dem  ubeliu  gßste  der  höchverte  irblasin  und  wenint 
daz  si  andere  ebbete  sint  und  inphähint  in  seibin  eine  grimme 
5  hersaf  und  cihint  di  sande  und  machcnt  missehellunge  in  der 
samenunge  und  aller  meist  in  den  stetin  da  man  den  pröbist 
ordinit  von  den  seibin  ewartin  oder  von  den  selltin  ebbetin  di 
den  abbit  ordinint.     Wi  unvellich  daz  si,  daz  ist  schire  gemerkit. 


2ü  nvbcrc        liannheitic        ieimm  26  wiii        iiitlit        27  wasche 

29  gtcsagit  31    vmmczzit  32  ni[nier  viir  sichticht  35  rnjze 

37  tunginde         39  kraiicjun  40  liehaldo,   daz  er?  i.xv  5  niac|zent 


HOHENFLRTER  BENEDICTI>ERREGEL  LXV.  LXVI     273 

wände   von  d(?me    scll)in  ancgeuge  siner  ordiiiunge  wirt  ime  ein 
materia  gegebin  ce  herschene,  svenne  ime  gesagit  Avirt  von  sinin  lo 
gedanliin  daz  er  geüzerit  si  von  der  gwalt  sinis   abbetis,    wände 
er  von  den  seibin    geordinit   ist  von    den    der   abbit.     Da    vone 
wachsin  di  nide,  zorn,  strit,  hindercösin,  ubil  vliz,  mcssebelhinge, 
widerordinunge.    svenne   der  abbit  und  der  prOlnst  widirwerdich 
sint,    so    muozin    ir    sclbir    sele    in    grözir  vreise  si  und  alle  ir  15 
23'underläne;  s6  si  iewederenhalpli  smeichint,  so  |  loufint  si  in  di 
Verlornnisse.     Der  vreise    ubil    get   in   an    daz    boubit,    di    sich 
orthebic  gemachit  hänt  in  sösulhir  ordinunge.    Durch  daz  vursehe  , 
wir  daz  iz  nuze  si  durch  des  iridis  und  der  minne   huote,    daz 
alle  diu  ordinunge  des  clöstris  hange  in  des  abbetis  wilcure,  und  20 
niac  iz  si,  so  werde  aller  der  nuzz  des  clöstris  mit  den  techinin 
gecechit  al  dar  näh  daz  der  abbit  gesezzit,  daz  einir  nil  bßrsche 
so    iz   manegeme   bevolin  wirt.     Ist  abir  daz  daz  diu  samenunge 
redeliche  mit  demüte  des  bitit  und  irteilit  daz  iz  nuzze  si,   sven 
s6  er  irwelit  mit  der   brudere   räthe   di    da    got    vorchtint,    den  25 
ordine  er  zi\  einim  pröbiste.     Der  selbe  pröbist  tribe  sich  in  der 
öwirdicheite  alse  ime  von  sinim  abbete   gebotin   wirt  und   entuo 
nich  wider  sinim  willin  und  wider  siner  ordinunge.     wände  .  .  . 
alse  vil  muoz  er  mit  sorge  bebakte  der  regelin  gebot.    Der  selbe 
pröbist,   wirt  er  lasterbth'ic  begriffin  oder  betrogin  mit  der  höh-  30 
ferte  oder  ein  verschouwere  der  beiligin  regelin,  so  werde  er  mit 
wortin  gemanit  biz  vier  stunt.     Enbezert  er  sich  nit,    so    werde 
ime  zil  irbotin  diu    sträfunge   der   regelicbin    züchte.     Enbezzere 
er  sich  abir  dar  nah  nit,  so  werde  er  geworlln  von  der  pröbislie, 
und    werde    ein   ander  au   sine  stat  gesezzit  der  des  wirdich  si.  35 
Ist   daz  er  dar  uAh  ouh  in  der  samenunge  ungerüwic  wil  wesin 
und   ungehorsam,    so   werde   er  onh  von  deme  clöstre  vertribin. 
ledoch  diu  mere  der  al)bit  gedenke  daz  er  von  allin  sinin  urteilin 
gote  muoz    anlwurte,    daz    von    schite   des   nidis   und    habunstis 
flamma  diu  sele  icht  burne.  40 

DE  OSTIARIIS  MONASTERH.  LXVI 

Zu  des  clöstris  portin  werde  gesezzit  ein  wisir  altherre  der 

13  wa'lchin        zonistiit?         16  iei;  weden  lialpli        18  so  svhir       20 
wilcure  21  22  tethiiiiti  getetliit  23  e*  scheint  da/s  maiiigpme  in 

manegeme  corr.  tverden  sollte        2S  keine  lücke  in  hs.        33  zvchte 


274     HOHENF.  BENEDICTirsERREGEL  LXVI.  LXVII.  LXVIIl 

ili  leide  kiume  inpliaiii  und  wider  anwurte,  des  alder  in  nit 
läze  wadele.  Der  portenere  sal  liabin  eine  celle  bi  der  portin, 
daz  alle  di  di  antwurte  inphälie  wollint  in  bereite  vindin.  und 
5  cebant  alse  da  ieman  clophftit  oder  dechein  arm  mennische 
ruoffit,  sO  antwurte  er  'deo  gratias'  oder  'benedicite'.  und  mit 
aller  memmindicheite  der  gotis  vorchte  so  gebe  er  antwurte  vil 
snelle  mit  der  lieizin  minnc.  Bedarf  der  portenere  helfe,  so 
neime    er   einin   jungerin   brüdir.     Mac  iz  si,    so  sal  daz  clöstir 

10  also  gestiftit  werde,    daz  alle  diu  nöturft  innewerdic  des  clöstris 
gehuobit  werde,  daz  ist  daz  wazzer ,  mule ,   garte ,    pistreie  |  und  24' 
andere  mislicbe  list,   daz  nechein  nöturf  si  den  munechiu  üz  ce 
wandilno,  wände  iz  enist  nechein  vrume  iren  sele.     Dise  regelin 
wolle  wir  daz  siu  dicke  in  der    samenunge   geleisin    werde,    daz 

15  sich  nechein  brüdir  intsage  muge  der  uuverwizzicheite. 

LXVII  DE  FRATRIBUS  IN  VIA  DIRECTIS. 

Di  brüdere  di  üz  au  den  wec  gesand  werdint,  di  bevelin 
sich  in  der  brüdere  gebet  oder  des  abbetis.  und  imer  an  deme 
gotis  diniste  in  deme  lezzistin  gebeite  werd  ir  gedächt,  alse  si 
abir  wider  kumint  des  seibin  tagis,  über  alle  di  tagecite  so  gotis 

5  dinist  irvullit  wirt,  so  strekin  si  sich  in  dem  betehüs  nider  au 
di  erdin  und  bitin  vur  sich  bete  durch  di  missetete,  ob  in  lichte 
üfe  dem  wege  missegangin  si  an  ir  gesüne,  an  hörne  bösir  sache 
odir  an  unnuzzir  reide.  und  enirbalde  nieman  deme  anderin 
sage,    waz    er   uze  gesehin  oder  gehörit  habe,     wände  iz  ist  ein 

10  michil  ceslörunge.  Ist  daz  iman  irbaldit,  der  underliche  der 
regelichir  zuhte.  Alsame  sver  so  irbaldit  üzir  deme  clöstre  oder 
iergin  anders  wä  hine  gen  oder  ich  tun,  swi  wenic  s6  is  si,  an 
des  abbetis  gebot. 

LXVIIl  SI  FRATRI  IMPOSSIBILIA  LXJUXGUNTUB. 

Wirt  «leclu'inim  brüdere  svere  sache  oder  ummugeliche  dinc 
bevolin,  so  inphähe  doch  der  brüdir  daz  gebot  mit  aller  mem- 
mindicheit    uiul   si  gehorsam.     Ist  daz  er  gesehit  daz  diu   bürde 


LXVI  2  1111(1]  vvii  13  wadiliie?  Lxvii  8  vnzir  reide  11  zuthe 

12  ieifin  lxviii  1  declicinurn 


IIOHEiNF.  BENEDICTINERREGEL  LXVIIl.  LXIX.  LXX.  LXXI  275 

gare  ubir  di  iiiäze  siner  crefte  wigit,  so  luidertrage  er  siner 
iimmechte  sache  ime  der  ime  gebütit  duldecliche  und  bescheidi-  5 
liclie,  nit  bersinde  oder  widerstende  oder  widersaginde.  Ist  abir 
daz  näb  siner  vlObunge  des  priöris  gebot  bebl)il  in  siner  sen- 
tentia,  so  wizze  der  jüngere  daz  iz  niizze  si.  und  getriwe  in 
der  minne  und  von  sotis  belfe  si  er  gehörsam. 


UT  IN  MONASTERIO  NON  PRESUMAT  ALTER  ALTERÜM  DEF.  LXIX 

Ez  ist  ce  behiUene  daz  mit  decbeiner  ursage  ieman  irbalde 
den  anderin  municb  besinne  oder  hege,  ob  si  ouh  mit  declieinir 
sibicbeite  sint  zOi  gevügit.  PSecbeine  wis  sulin  di  muneche  dar 
zu  irbalde,  wände  micbil  schände  mach  der  vonne  wachse.  Sver 
so  diz  gebot  ubirget,  der  werde  scherfliche  betungin.  5 


UT  NON  PRESUMAT  QUISQUAM  ALTERUM  CEDERE.    LXX 

Man  sal  in  deme  clostre  were  und  sture  alhr  slachle  ursage 
der  baltheite.  Wir  ordinin  und  sezzin  daz  nieman  si  müzhch 
24'decheiuin  sinin  brüder  vermesamin  oder  slahe,  |  wene  deme  diu 
gewalt  von  dem  abbite  wirt  gegebin.  Di  da  sundint,  di  werdin 
vor  in  alHn  bcrefTesit,  daz  di  anderin  vorhte  habin.  Den  kindehn  5 
biz  zu  den  viumcebin  järin  irs  alderis  si  ein  vhz  der  züchte  und 
werde  luiote  zu  irbotin  von  in  aUin,  und  daz  selbe  redeUche  und 
mit  aller  müze.  Abir  in  deme  sterkerin  aldere  sver  so  irbaldit 
decheine  wis  oder  an  den  seibin  kindelin  an  underschidungc 
sich  verbruot,  der  underlige  der  regelichin  züchte,  wände  iz  ist  10 
gescribin  'Daz  du  nich  will  daz  dir  geschehe,  daz  entü  du  einim 
anderin  nit.' 


UT  OREDIENTES  SIBI  SINT  INVICEM  FRATRES.  LXXI 

Daz  gut  der  heiligin  gehörsam  sal  aleine  dem  abbete  nit  zu 
irbotin  werde,  sunderin  ouh  di  brudcre  sulin  under  ein  ander 
also  gehörsam  si,  daz  si  wizzin  sich  ce  gote  gen  an  deme  wege 
der  gehörsam.     Von  diu    vore   gelazin    des    abhetis    geböte    oder 

LXIX  i  M-ascIie  lxx  4  gcf?cbiiit  10  =  cxarscrit  11   du]  diu 

LXXI  4  praemisso  crf,^o  abbatis  . .  .  iiiipoiio 


276     HOHENFURTER  BENEDICTINERREGEL  LXXI.  LXXU 

5  der  pröbiste  di  von  inie  gesezzit  werdint,  den  ^vir  nit  verhengiii 
suuderlich  gebot  vur  sezze,  dar  ubere  sin  di  brüdere  alle  ir  alt- 
lierriu  mit  sorgin  und  mit  aller  minne  gehorsam.  Wirt  des 
ieman  stritic  fundin,  der  werde  gesträpflt.  Aber  swelich  brüdir 
von   sinim   abbete   oder   von  sinim  priüre  umme  decheine  schult 

10  gesträfit  wirt,  gesihit  er  des  priöris  gemüte  beswßrit,  swi  luzii 
des  si,  cehant  strecke  er  sich  vur  sine  füzze  und  suche  gnäde 
alse  lange  biz  mit  seinnuuge  der  besv^rite  prior  geheilit  werde. 
Sveme  daz  versmähit  ce  tilnne  der  underlige  der  liblichin  räche, 
oder  wirt  er   vrevele   fände,    so  werde  er  ouh  von  deme  clöstre 

15  vertribiu. 

LXXII  DE  ZELO  BONO  QU.  DEB.  MONACHI  H. 

Alse  ein  ubil  vliz  ist  der  bittircheite  der  da  scheidit  von 
gote  und  leitit  hine  zu  der  helle,  alsam  ist  ein  gütir  vliz  der  da 
scheidit  von  den  lastrin  und  leitit  ce  gote  und  zu  dem  öwechin 
libe.  Den  vliz  uobin  di  muneche  mit  vil  heizir  minne.  daz  ist 
5  daz  si  vure  kumen  under  ein  ander  mit  örin,  dohn  vil  duldic- 
liche  under  ein  ander  ir  krancheit  beide  des  libes  und  der  site. 
si  irbeitin  sich  zu  der  gehörsam  mit  strite.  Nieman  envolge  sin 
selbis  vrume,  sunderin  m6r  daz  den  anderin  nuzze  si.  Di  brüder- 
liche enste  irbitin  si  zu  der  küschin  minne.  Got  forchtin  si, 
10  im  abbit  minnen  si  mit  liutirre  und  mit  demütigir  minne.  Deme 
heiligin  Christo  ensezzin  si  nich  vure,  der  unsich  insammint  zu 
dem  ewigen  libe  viire.     Amen. 

8  sweliz  LXXII  1  <[\  da         2  hiene  6  kranheit  10  ?liutirr 

12  (las  letzte  kapitel  fehlt 

[Auch  ohne  die  anmerkung  zu  v  2 1  würde  es  deutlich  sein  dafs 
in  der  jetzt  vorliegenden  hs.  der  Benedict inerregel  wir  es  mit  zwei 
Schreibern  zu  tun  haben:  denn  scharf  grenzt  sich  die  zweite  hand 
von  der  ersten  ab.  folgende  lautbezeichnungen  si)id  nur  der  zweiten 
eigentümlich:  l.  e'i  für  gebrochenes  sowol  als  für  umgelautetes  e  zb. 
in  reide  vi  5.  leiben  vi  12  tisw.,  im  ganzen  ungefähr  75  mal. 
2.  ch  für  inlautendes  g  zwischen  vokalen,  3  mal  (volchint  vii  90. 
zunche  vii  136.  inphanchin  xxxviii  7)  auch  nach  liquiden,  zusammen 
19  mal     3.  g  für  ch  im  inlaute  zwischen  vokalen  (vrölige  vii  91 


HOHENFURTER  RENEDICTINERREGEL  277 

nsw.)  11  mal.  4.  d  für  t  in  gleicher  Stellung  (höheide  vii  4  nstc), 
während  im  anlaute  auch  die  erste  hand  einmal  d  (duo  m  5)  auf- 
weist. 5.  regelmdfsig  sal  {einmal  schol  ix  17),  während  der  erste 
Schreiber  ziemlich  willkürlich  zwischen  sal  tmd  sol  wechselte.  6.  ge- 
schwänztes e  statt  des  einfachen,  zuerst  vii  9  und  dann  sehr  häufig 
bis  XL VIII  1 ;  vo)i  dort  an  ist  es  fast  nur  noch  bei  dem  worte  ö  an- 
gewandt, der  ersten  hand  ist  dagegen  eigentümlich  die  einigemal  vor- 
kommende ersetzung  eines  iig  durch  nn  oder  n  (phannen  ii  5. 
gesprennit  II  10ms»ü.)i  soioie  hier  und  da  i  für  6  in  Stammsilben, 
aber  noch  weitere  unterschiede  lafsen  sich  erkennen,  von  atifang 
an  bis  ins  kapitel  xxii  wurde  f  in  den  verbis  strafen  und  släfeii 
durch  ph  ausgedrückt;  von  xxii  15  steht  dafür  bis  xxxii  ff  {auch 
einmal  in  scäffe  xxvii  9) ;  darauf  wechselt  ph  mit  f  {einmal  pf : 
gesträpfit  Lxxi  8).  zwar  steht  noch  xxv  4  bevolhin,  aber  von 
XXVII  10  an  findet  sich  bis  zum  ende  des  ganzen  nur  bevolin, 
wogegen  im  präsens  dasselbe  verb  sein  h  fast  immer  {die  einzige 
ausnähme  dürfte  die  form  bcvelin  lxmi  1  bilden)  beibehält, 
während  ferner  bis  xxxiii  6  ausnahmslos  nöttiirft  geschrieben  ist, 
beginnt  mit  xxxviii  9  die  bezeichnung  nötiirft;  endlich  begegnet  bis 
XXXV  2  die  Schreibung  ambicht,  von  xlii  14  an  ammicht  {aufser 
XL  VII  6).  man  vergleiche  auch  die  note  zu  xlii  16.  es  werden  also 
für  die  partien  xxii — xxxiii  und  xxxmff  verschiedene  Schreiber  an- 
zunehmen sein:  aber  der  umstand  dafs  die  grenzen  bei  bevolhin 
und  ainl)icht  in  einander  übergreifen  dürfte  mit  dafür  sprechen 
dafs  diese  annähme  nicht  für  die  jetzige  hs.,  sondern  für  ihre  vor- 
läge gültigkeit  hat. 

Was  Idfst  sich  für  die  vorläge  ermitteln?  1.  sie  hatte  viel  ab- 
kürzungen.  daraus  erklären  sich  einmal  die  unzähligen  Verwech- 
selungen von  ni  und  n,  ferner  fehler  wie  sie  der  erste  Schreiber 
begieng:  den  ungehorsam  ii  22.  66  und  sin  gehörsamen  in  11.  12: 
es  findet  sich  nämlich  bei  ihm  kein  beispiel  der  abkürzung  m  welche 
bei  dem  zweiten  häufig  begegnet,  er  löste  dieselbe  vielmehr  auf. 
dabei  übersah  er  zuweilen  sowol  ihre  existenz  als  auch  glaubte  er 
sie  zu  erkennen  wo  sie  in  Wahrheit  nicht  vorhanden  war.  vielleicht 
läfst  sich  auch  die  Schreibung  gesprocin  xxxv  24  aus  der  abbreviatur 
erklären  vgl.  vii  38.  70.  72.  2.  sie  kannte  korrektuien.  nicht  nur 
Schreibungen  loie  urteHclioz  statt  urliMiz  iv  52  deuten  darauf  hin, 
sondern  auch  die  recht  häufigen  fehler  wie  iirlelei  ii  47.  97.  iv  24. 
gesteihcher  iv  25.  geimene  vii  133,  welche  ich  daraus  erkläre  dafs 
Z.  f.  D.  A.  neue  fokc  IV.  1<I 


278  HOHENFURTER  REXEDICTINERREGEL 

das  ^  in  der  vorläge  durch  ein  übergeschriebenes  i,  das  dann  in 
der  ahschrift  falsche  Stellung  erhielt,  sw  ei  verwandelt  war.  auch 
die  sonstigen  ei  in  unbetonten  silben  wie  ergeisten  prol.  17  scheinen 
mir  daher  entsprungen,  denn  dafs  wenigstens  der  erste  Schreiber  die 
gewohnheit  hatte,  übergeschriebene  buchstaben  nachzusetzen  zeigt  sein 
verfahren  mit  v.  diese  Schreibung  für  ii,  die  man  bereits  der  vor- 
läge zuerkennen  muß  da  auch  der  zweite  Schreiber  sie  zuweilen 
zur  anwendung  bringt,  liefs  der  erste  zwar  meist  unangetastet,  er- 
setzte sie  aber  anfangs  nicht  ganz  selten  durch  uo :  zuougin  prol.  56. 
irvuollit  ib.  73  usw. 

Z  muß  in  der  vorläge  die  bekannte  dem  h  ähnliche  gestalt 
gehabt  haben,  wie  dies  die  beiden  Schreibern  gemeinsame  häufige 
Verwechselung  beider  konsonanten  lehrt,  dagegen  kennt  jetzt  fast 
nur  der  erste  Schreiber  die  bezeichnung  eines  s  durch  z  (26.  dez 
prol.  81  usw.).  dieselbe  muß  jedoch  bereits  in  der  vorläge  gestanden 
haben,  da  sich  sonst  der  fehler  dez  urtelich  11  95  nicht  erklärte, 
ist  es  demnach  wahrscheinlich  dafs  der  zweite  Schreiber  diese  z  der 
vorläge  entfernte  und  durch  s  ersetzte,  so  kann  man  vei^muten  dafs 
er  dasselbe  verfahren  auch  einem  andern  z  gegenüber  eingeschlagen 
hat  das  in  der  partie  des  ersten  Schreibers  für  seh  dreimal  (iv  25- 
37.  44)  erscheint,  und  dies  dürfte  sich  bestätigen  durch  das  auf- 
fallend häufige,  oft  durch  nachtrag  eines  s  berichtigte  ch  für  seh 
bei  beiden  Schreibern',  es  ist  nicht  imwahrscheinlich  daß  in  diesen 
fällen  die  vorläge  z  aufgewiesen  hat.  diese  annähme  würde  zur 
supponierung  eines  mehr  niederdeutsch  gefärbten  Originals  führen, 
auf  das  auch  das  4  mal  vorkommende  iiule,  in  (xi  16.  xx  7.  xlix 
10.  Lxiii  24)  sowie  das  je  einmal  begegnende  die  (xxxv  25)  und 
he  (lxi  4)  leitet;  wenigstens  möchte  ich  den  ganz  vereinzeinten  p 
(ich  pin  prol.  68.  dez  phis  i  12.  hachperstin  ix  15.  daz  piieh 
xxxviii  2)  oder  k  (brühkurtil  lv  29)  und  ch  (unchust.  werche  proL 
36.  62)  einen  rein  phonetischen  Charakter  zuerkennen  und  sie  ja 
nicht  als  spuren  einer  oberdeutschen  vorläge  angesehen  wifsen. 

Einen  grund  der  Benedictinerregel  die  einheit  des  verfaßers 
abzusprechen  sehe  ich  nicht,  denn  daß  bis  vir  163  konsequent 
wissage,  von  xi  10  ab  regelmäfsig  propheta  gesetzt  wurde,  ist 
doch  zu  wenig  belangreich,  vielmehr  ist  sowol  die  lexikalische  als 
die  syntaktische  gleichmäßigkeit  des  ganzen  so  groß  daß  sie  sich 
nur  durch  die  annähme  eines  verfafsers  erklärt,  auch  die  mis- 
verständnisse  und  ungeschickten  Übersetzungen  des  lateinischen  textes 


HOHENFLRTER  BENEDICTINERREGEL  279 

verteilen  sich  ziemlich  gleichmäfsig :  wo  es  nötig  schien  ist  darauf 
in  den  noten  aufmerksam  gemacht,  wenngleich  der  leser  ein  rich- 
tiges Verständnis  aller  stellen  sich  auch  jetzt  nur  durch  die  ver- 
gleichimg  des  Originals  wird  verschaffen  können. 

Einige  kleine  druckversehen ,  die  meist  die  längenhezeichnung 
angehen,  bitte  ich  zu  berichtigen:  ii  30  l.  sinen.  36  tram'.  v  14 
Sache.  16  l.  varne.  vi  9  durnethtigin.  vii  77  /.  unserm.  121  bi. 
125  iintuire.  ix  15  /.  hachpörstin.  xv  6  tertie.  xxn  4  zvönzic. 
XXIII  5  ander,  xxxi  2  anm.  wie  22''.  14  anm.  arm.  xxxv  9  gesagit. 
XXXVIII  14  ensi.    xl  11  bi.    xlhi  22  allinsamint.] 


GRABSCHRIFT  AUS  DEM  ACHTEN  JAHR- 
HUNDERT. 

EPITAPHIUM. 

Pallida  sab  parvo  clauduntur  menibra  sepulcro, 

Ardiia  sed  caeli  Spiritus  astra  petit. 
Inclita  stirpe  satiis,  Franquorum  sanguine  cretus, 

Hie  fuerat  dudum  mittis  in  omne  decus. 
Roseida  purporeas  lente  lanugo  genellas  5 

Cingebat:  heu  nie!  pulehra  iuventus  obit. 
Aggiardus  palrio  nomen  de  nomine  dictus 

Hie  erat,  et  regi  sumnuts  in  aula  l'uit. 
Hunc  rapuit  lerro  mors  insatiabihs  uinbris, 

Sed  hix  perpetua  vexit  ad  aUa  poh.  10 

Tempore  quo  Carohis  Spaniae  calcavit  arenas, 

Mortuus  est  mundo:  vivit  ubique  deo. 
Hunc  deflet  Itahis,  contrito  peelorc  Francus, 

Plorat  Aquitania,  Germaniaque  sinuil. 
Tu  modo  cocirca  Vincenti,  maxime  martyr,  15 

Hunc  propter  summuni  posce  beate  deum. 
Hoc  iacet  in  tumulo  tanlum:  sed  carnc  sepultus 

Carpsit  iter  rutihim,  vivit  in  aula  dei. 

2  petiit  astia  /f  dh.  veröefsert  von  ff^ölffliji         4  niitis  vermtilct  W 
omnem  IV  6  obiit  JV  8  sumus  IV  11    tenipori  —   iti  ispania 

14  aquitanie  IV        15  cocirco  IV        16  tlö         18  Caipsis  ter   W 

19* 


280     GRABSCHRIFT  AUS  DEM  ACHTEN  JAHRHUNDERT 

Ad  vos,  Chrislicolae,  qui  sacri  limina  tenipli 
20  Liistratis,  genitum  corde  rogate  patris. 

Tu  pietate  deus  probrosa,  dicite  cimcti, 

Aggiardi  famiili  crimina  tolle  tui. 
Qui  obiit  die  xvni.  klds  Sempteml)rias  iu  pace  feliciter. 

20  patris  corde  rogalis  fr 


Vorstehende  grabschrift  wurde  ditrch  hm  professor  Wölfßn- 
Troll  aus  der  hs.  der  Pariser  nationalbihliothek  lat.  4841  fol.  34  «6- 
gesclmeben  und  an  Müllenhoff  mitgeteilt,  über  den  manigfaltigen 
inhalt  dieses  dem  9  jh.  angehörigen  codex  {vormals  ColberlinusY 
belehrt  der  1744  erschienene  Catalogus  codicum  manuscript.  biblioth. 
regiae  4,  7,  woselbst  unser  stück  verzeichnet  ist  als  Epitaphium 
Aggiardi  qui  Caroli  Magni  temporibus  ol)iit.  leider  haben  wir  es 
mit  einer  Persönlichkeit  zu  tun,  für  welche  uns  andere  quellen 
völlig  im,  Stiche  lafsen:  da  Aggiard  aber  am  15  angust  eines  Jahres 
gestorben  sein  soll,  in  welchem  Karl  gegen  Spanien  zu  felde  zog, 
so  kann  damit  nur  das  jähr  778  gemeint  sein,  tveil  der  Franken- 
könig später  nie  wieder  in  eigener  person  über  die  Pyrenäen  ge- 
gangen ist.  nähere  Zeitangaben  über  jenen  zug  fehlen,  den  man 
nur  im  allgemeinen  in  den  frühling  oder  sommer  versetzt,  die 
hemerkung  dafs  Aggiard  durch  das  schwert  gefallen  (v.  9)  läfst  der 
Vermutung  räum,  sein  tod  sei  entioeder  bei  der  vergeblichen  be- 
lagerung  von  Saragossa  (s.  Abel  jahrh.  des  fränk.  reiches  unter 
Karl  d.  gr.  i  240)  oder  auf  dein  rückzuge  bei  dem  berühmten 
überfalle  im  tale  Roncevalles  erfolgt,  in  letzterem  falle  also  loürde 
uns  die  grabschrift  das  bisher  unbekannte  datum  dieser  niederlage 
verraten,  die  anrufung  des  märtyrers  Vincentius  (v.  15)  könnte 
auf  Metz  oder  Paris  hindeuten ,  toeil  in  diesen  beiden  Städten  des 
fränkischen  reiches  sich  bekannte  kirchen  dieses  heiligen  befanden, 
wenn  man  nicht  etwa  vielmehr  darin  einen  hinweis  auf  Spanien 
erblicken  darf,  denn  Vincentius  war  archidiaconus  zu  Saragossa 
und  erlitt  unter  Diocletian  den  märtyrertod  in  Valencia. 

'  f^gl.  Riese  Aiitholo'^ia  lalina  iip.\\\,  Roziere  Recueil  des  foiinules 
in  362-367,  36S. 

E.  DÜMMLER. 


PREDIGTßRUCIISTÜCKE  281 


PREDIGTBRUCHSTÜCKE. 

1".  .  .*  So  ist  der  aiidir  div  forhte  die  wir  da  zc  allen  ziten 
da  svln  haben  gegen  siem  zorne^  daz  er  |  vns  iht  verflvcht  ob 
wir  svnten  an  forhte.  Da  von  svln  wir  den  hrittel  also  tragen 
daz  wir  den  j  gotes  zorn  iht  verdienen.  Vnd  tragen  wir  in 
denne^  als  wir  von  rehte  svln  so  svln  wir  ovch  den  |  hvlzzine  5 
saltel  rieten  den  vnser  herre  da  reit  dvrch  vnsir  erlosvnge.  Daz 
was  daz  heilige  chrvce.  |  want  er  gewan  nie  deheinen  andrin 
satel  vf  dirre  erde.  Daz  ist  daz  gerihte  daz  im  sal'on  da  hiez 
he  reiten  zv  siner  spiese.  vnd  daz  in  solte  fvren.  Siet  wir  nv 
haben  den  hrittel  vnd  den  saltel,  darzv  |  höret  ovch  ein  fvrboge  lo 
da  mit  wir  svln  twingen  die  hosen  gedanch  vnd  die  gieticheit 
des  libes  vnd  |  vnd  die  v .  .  .  .  azze  "*  des  nivndes.  Ovch  svl  wir 
mit  dem  alfter  reife  des  fleisches  gelvste  twingen  |  also  daz  wir 
chivsche  sin  an  dem  lihe  vnd  an  dem  mvte,  Vnd  mazzich  an 
allen  dingen  vnd  steete  |  dar  an  sin.  Want  die  gietigen  martrint  15 
den  lip  vnd  cholent  die  sele  dvrch  daz  werltliche  gvte.  |  Die 
seihen  alle  gelichent  sich  dem  der  sin  sinne  da  hat  verlorn, 
want  der  vellet  vil  liebte  indaz  |  fiwer  oder  in  daz  wazzer*  vnd 
stirbet  also  ob  man  sin  niht  wil  hvten  mit  flieze.  Also  tvt  der| 
svntiere  swenne  im  der  tievel  die  sinne  gar  henomen  hat.  so  20 
vellet  (.'r  in  daz  fiwer  der  hohjvert  vnd  des  hvres.  daz  vnzvntet 
im  denne  div  vbermvtc.  Ovch  vellet  er  in  daz  wazzer^  der| 
fleischlichen  gelvste.  An  dem  ersten  mal  vehet  in  der  tievel. 
an  dem  andrin  siebte  er  in  mit  dem"  |  ewigen  tode.  an  dem 
driten  mal  dringet  im  der  sweiz  vz  dem  lihe.  An  dem  vierden  25 
mal  gri'  |  grampt  er  mit  den  zenden.  an  dem  f'vnften  mal  dorret 
er.  Des  ersten  vahet  der  tievel  den  |  svnt;ere  swenne  er  im  die 
svnte  ragtet.  So  bristet  im  der  sweiz  vz  swenne  er  tvtsamdaz| 
ros  vnd  der  mwel  da  dehein  verstannvsse  inne  ist.     Swenne  wir 


'  ror  So  stand  zu  anfang  der  zcile  noch  ein  woi't  oder  eine  silbe 
von  liöclisletis  vier  hnclistaben,  wovon  der  letzte,  e,  noc/i  deutlich  ist; 
vorher  sind  7iocli  2  dem  e  (gleich  hohe  senkrechte  striche  zu  erke?men 
^  hs.  hörne  ^  die  zwei  letzten  buchstaben  dieses  und  die  zwei  ersten 
des  folgenden  tvortes  sind  durch  eine  flüfsigkeit  fast  venvischt  *  rasur 
von  vier  buchstabe?i:  vbermazze?  vbcrazze?  ^  die  z  in  der  kurzen  foinn 
''  abgekürzt  vgl.  s.  287,  an?n.  3 


282  PREDIGTBRÜCHSTÜCRE 

30  (litze  reise  geschirre  also  |  bereit  haben,  so  wirt  vns  ein  rös 
dirzv  gegeben  da  mit  wir  denne  also  svln  streiten.  Da  |  von 
seit  sal'on.  Indes  strites  tagen  wirt  dir  ein  ros  bereitet  dem 
mvze  vnser  herre  heil  |  gebene.  Nv  sich  menische  ditze  rös  bist 
(Iv  selbe.     Vnd  ist  daz  dv  niht   widir   cherest    mit    svs  |  getaner 

35  bereitschafte.  vnd  daz  dv  daz  gezivge  von  dir  niht  wirfest  noch 
zebrichest  so  wizjze  daz  fvr  wäre  daz  vnser  herre  vf  dich  sitzet 
vnd  stritet  vmbe  din  heil  widir  alle  die.  |  die  dir  lagent  des  libes 
vnd  der  sele.  Vnd  verdienest  dv  daz  vmbe  got  daz  er  sich  din 
vndir  j  windet   vnd  fvr  dich  stritet  son  enmach  dir  fvrbaz  nihtes 

40  niht  mere  geschaden.  Want  so  schaft  |  er  daz  daz  die  lember 
den  Wolfen  ane  gesigent. '  Da  von  seit  div  schrift.  Ist  daz  wir 
ditze  I  rehte  behalten  also  Avir  hie  gesaget  haben,  so  gesigen  wir 
dem  tievel  an  der  widir  vns  [  da  ist,  rehte  sani  ein  gygant  vnd 
ein  riese  widir   di   havschrechen.     Want    so    machet    got  |  sinen 

45  rossen  ein  wecli  in  dem  mere  dises  eilendes  vnd  fvret  vns  dir 
dvrch  mit  dem  sige  des-  |  himelischen  strites  vnd  der  ewigen 
fravden.  Ist  aver  daz  vns  daz  ros  wilde  ist  worden  j  also  daz 
ez  der  tievel  hat  gerieten  mit  den  svnten.  so  wirfet  ez  vnser 
herre  mit    samit  |  dem  svntit're  in  die  ewigen  helle.     Da  von  ist 

50  der  menische  vnsinnich  der  sich  selben  .  .  |  ^ | 

svnten.     Swer  div    gotes    gebot    vbir    get    die    er    inder    rehten 

minne   behalten  solte  den  j ' 

in    daz   hellesche^   fiwer  mit  den  panten*^  die  nimmer 

l"".     boren,  div  im  da  des  ersten  nach  rvfte.    Vnd  die  zwelpoten 

55  da  vmbe  sie  baten  do  wart  er  (  sich  neigent  zv  ir  bete.  Vnd  ze  dem 
driten  mal  do  sie  in  bat  do  wart  er  sie  gelichent  ze  |  eim  hvnte. 
Want  div  groze  sterche  div  an  vnsirm  herren  was  gegen  ir  di  vbir 
chome  |  sie  mit  ir  devmvte.  da  von  daz  si  im  des  iache  daz 
sie  eime  hvnte  geliche  wä^re.     Da  bi  |  svll  ir   daz   wizen   daz   iv 

60  iwer  devmvte  mere  hilfet  gegen  got  den  der  zwelfpoten^  bet6 
ttete  I  aller*  samit.     Want  des  rehten    menischeu   gebet   vnd   sin 

'  n  zwischen  et  Ubergeschriebeji  -  kurzes  s  ^  eine  ga?ize  zeile, 
die  lailere  kanle  des  einbandes,  ist  so  verwischt,  daß  ?iur  noclt  reste  der 
huchstaben  oben  zu  erkefmen  sind  *  der  schräge  sclniilt  des  buch- 
binders  hat  die  erste  hiilfte  der  zeile  ganz  beseitigt,  von  in  —  mit  nur 
die  obere  hälfle  siehn  gelafsen  °  über  dem  zweiten  e  ist  em  i  über- 

geschrieben; ob  e  unterpunktiert  ist  nicht  mehr  ersichtlich  ^  der  un- 
tere teil  vom  p  fehlt  ~  f  ztvischen  Ip  übergeschrieben  "^  r  aus  1 
corrigiert 


PREDIGTBRUCHSTÜCKE  283 

vasten  daz  er'  da  tvt  mit  der  [  reinen  andahte  nier  hilfet  den 
der  heiligen  gebet  allei"  samit.  Da  von  seit  got  selber.  Daz  |  einer 
slalite  tievel  sie  die  nienien  mach  vertriben  wau  mit  dem  gebete 
\nd  mit  der  valsten.  Bi  disen  Worten  svlt  ir  daz  wizzen  ob  65 
vnser  herre  des  ersten  vnser  gebet  niht  erhöret.^  daz  wir  dar- 
vnibe  dennoch  niht  svln  abe  lazen  want  er  wil  daz  wir  vol 
herten  ]  vnd  stsete  sin  an  dem  gvten  angenge.  Da  von  seit 
paiil'.  Wir  svln  mit  dem  gvten  gedin  |  gen  vnd  mit  dem  stseten 
geloben  gen  fvr  vnsirs  herren  stvle  vnd  svln  svchen  sine  gna|de  70 
vnd  svln  in  bitten  daz  er  vns  sin  barmvnge  gebe.  Want  niemen 
so  gvter  noch  so  heijliger  noch  so  barmeherzich  ist  sam  vnser 
herre  da  ist.  Vnd  wellen  wir  vns  devmvtigen  |  gegen  im  so  ver- 
liehet er  vns  allez  des  wir  an  in  gerne.  Ez^  seit  gg.  Darvmbe 
flivhet  I  vnser  herre  allez  vor  vns  hin  Avant  er  wil  daz  wir  im  '5 
nach  volgen.  Da  von  seit  pavl'.  |  Daz  wir  lonfen  also  vnz  wir 
in  gevahen.  Want  swenne  wir  in  an  rvffen  mit  rehlter"*  andahte 
vnd  er  vns  sazehant  niht  erhöret,  so  gert  er  des  doch  daz  wir 
in  gevahen.  Want  er  selbe  daz  sjiricht.  Svchet  so  vindet  ir. 
vnd  bittet  so  neniet  ir.  Ez^  streit  vnd  j  rancli  der  heihge  iacob  SO 
alle  ein  nahte  mit  dem  engele.  vnz  er  im  daz  an  behabet  daz  |  er 
in  n)vse  segene.  Idoch  tet  der  engel  sam  er  In  niht  wolt 
segenen  do  er  zv  im  sprach.  |  La  mich  ez  ist  an  dem  morgen 
vnd  ist  sin  zit.  Do  sprach  iacob.  Ich  laze  dich  niht  vnz  |  dv 
mich  segenesl.  Also  svln  wir  sti'iten  vnd  ringen  mit  vnsirm  S5 
herren.  vnd  svln  in  |  bitten  mit  rehter  andahter  ane  vndir  laze 
vnz  daz  er  vns  sinen  segen  gegebe.  Want  |  ezne  sol  darvmbe 
ane  got  niemen  zwivelne  ob  er  in  niht  gewert.  Vnd  sol  tvn 
sam  1  iacob  da  tet  der  den  engel  niht  wolle  begebene  vnz  er  in 
mvze  segenen.  Also  svl  wir  |  vnsirn  herren  mit  vnser  gvCete  90 
vnd  mit  vnsirm  gebete  nimmer  begeben  vnz  |  daz  er  vns  mvze 
zehelt'e  cliomen.  Want  swer  in  also  bittet  den  gewert  er  doch  | 
zeiungist  daz  ez  im  ze  grozen  staten  chvmit  siner  scle  vnd  sinem 
libe.  Also  gewiu|net  er  denne  daz  hiniehiche  mit  gewalt.  Do 
der  engele  iacoben  gesegent  do  sluch  |  er  in  vf  die  hüte  daz  si  95 
im  wart  dorrent  ze  eim  zeichen  daz  er  den  segen  behabet  hi|ete. 
Also  geschiel  ovch  vns  ob  daz  hvr  vnd   des   lleisches   geivste   an 

'  daz  er  doppelt  ^  erstes  r  zwischen  eil  nber^'cschr.  •'  z  hi 

der  ktirzeti  form  ''   ler  zum  teil  abgerifsen  ■''  z   in    der  hurten 

form 


284  PREDIGTßRLCHSTÜCKE 

vns  ersterbent  vud  |  erdorrent  so  wirt  viis  der  segene  gegebene. 
Da  von  svln  wir  des  got  bitten  daz  er  |  den  tievel  von  vns  tribe 

100  der  vns  da  zeallen  ziten  mvte  mit  den  svnten  die  er  vns  da 
rtetet.  |  vnd  daz  er  vns  die  ewigen  fravde  verlielie.  AMeN.  Der 
drite  svnuetach  in  der  vasteu.' 

2'.  .  nnen^  da  ist.  Want  der  wart  gestozen  in  daz  blvte  vnd  widir 
vze    gezogen    von    dem    blvte.     do    er  j  von    dem    tode    erstvnt. 

105  Daz  ist  rebte  daz  er  vns  den  also  schonen  vnd  also  heiligen  iht 
gebe  die  wile  |  wir  in  diser  werlt  sin.  in  den  svnten.  zeglicher 
wise  also  man  den  jiar  ie  offter  bliwet  vnd  fvrbet  |  vnd  also  er 
da  von  schone  wirt  vnd  wize^.  Also  mvze  der  menische  in 
dirre  werlt  gelutret  werden  |  "*   manigen  angesten  vnd  noteu.     e 

110  daz  er  fvr  gotes  antlvtze  chome.  Da  von  gelichet  sich  vnser 
le.en^  einer  nvzze."  Want  da  sint  viere  dinche  an  bezenlichen.^ 
Daz  ein  ist  div  vzer  schal  der  |  .  inten.  ^  so  ist  daz  ander  div 
schal,  so  ist  daz  driet  div  hvte  vmbe  den  eherne.  Daz  vierde 
ist  I  der^  eherne.     Div  rinte    vzerhalb    div    ist    swer    vnd    vbile. 

115  Also  ist  der  vngemache  den  wir  in  dii're  |  werlt  lieden.  So  ist 
darnach  div  schal  starch  vnd  veste.  Also  sol  vnser  herce  sin 
vnd  vnser  ge|danch  gegen  got.  sweune  so  vns  angeste  vnd  not 
an  gent  daz  wir  darvmbe  iht  verzagen  |  an  den  gotes  gnaden  wir 
sin  veste.     So  ist  div   hvt   ob    dem   eherne   bitter.     Also    ist    ez 

120  vmbe  |  vns.  sin  wir  starch  vnd  st;ete  an  gotes  chenest  so  ge- 
tvrren  wir'°  wol  dvrch  sinen  willen  chvmber  vnd  arbeit  lieden 
gedvltichlichen  vnz  daz  wir  chomen  zv  dem  svzzen  eherne  |  der 
.  .  vigen "  fravden.  Swer  nv  mit  den  ovgen  sines  hercen  vnsirs 
herren  antlvtze  an  si  het  ze  allen  ziten  der  mach  liebte  vertragen 

125  allez  daz  im  vngemaches  widir  vert  in  dirre  |  werlt.  Want  er 
sol  dai"  an  denchen  daz  er  in  sin  allez  wol  mach  ergetzen  ob  er 

*  diese  l'ibei'schrift  vot.  die  folgende  zeih  ist  weggesclniilten ,  yiur 
zu  an  fang  sind  oben  noch  buc/istaöenreste  stehen  geblieben ,  so  dafs  ich 
als  an  fang  der  predigt  lialb  lesen,  halb  vermuioi  kayin:  Tiit  iii'c ;  T 
ist  rote  initiale  ^  vo?i    dem    blatte    ist   oben    rechts    ein    eltva    3  zoll 

la7iger  streifen  abgerifsen,  wodnrch  die  zeilenanfä?ige  zum  teil  verloren 
sind;  hier  fehlt  ein  buchstabe  ^  i  über  dem  w  '  in  war  vielleicht 
am  (abgerifsenen)  rande  nachgetragen,  auf  der  zeile  stand  es  nicht 
^  h  jnit  abgerifsen  '•  das  zweite  z  m  kurzer  form  '  so  die  hs.  für 
bezcichenl.  *  r  abger.         '■'  von  d  die  obere  hiilfte  abger.         '"  dies 

doppell,  das  w  von   wol  aus  einem  angefangenen  d  corrigiert  "  ev 

durch  mottenfrafs  vernichtet 


PREDIGTBRUCHSTÜCKE  285 

ez    gedvl|tichlicheii    liedet    dvrcli    in.     Ez'    was    zeimal    ein    wip 
einem   manne   daz    er   dvrch  ir  wil|len  im  lie  die  ermele  an  sieni 
röcli    die    hvte    n;en    zv    den^    ermoln.     Nv    sehet    wie   törische 
der  I  was  vnd  Iiiete  er  im  als  we  lazen   haben   getan   dvrch   got  130 
er  mohte  im   sin   baz   wol  haben    geilonet.     Want    me    uiht   so 
schönes  nocli  so  gvtes  enwart  daz  den  menischen  so   fro   mohte 
ge[machen.     so  daz   er  vnsiru    herren    nvn    zeimal    solle    sehen. 
Want    sin    antlvtze    schöner    ist    den  |  ne    im  iemen   mohte  er- 
denchen.    Da    von    seil    dd.     Vnsir    herre    ist    schöner^    danne  135 
deheine  andir  |  geschaft.    Want  do  sin  ivnger  sin  schone  gesahen. 
do  liezen  si  allez  daz  in  dei"  werll  was.  |  vnd  volgent  im.     Also 
mvgen  wir  ovch  wol  nv^  tvn.    Want  welle  wir  in  an  sehen  mit 
vnsirs  |  hercen  ovgen  vnd  wellen  rehle  gedenchen  au  sin  schone 
so  lazen  wir  friwnle  vnd  gv|te  vnd  gen  im  nach  vnd  siem  gebot.  140 
Gotes   antlvze  enmach   dehein   menische  nihl  gesehen  |  idoch  so 
svln  wir  ez  sehen  mit   vnsirm   gvlen  geloben  vnd  werchen.    Sara 
moyses  da  |  lel.   der  lie  dvrch  got  egyptlant.    Daz  bezeichent  ditze 
ellent  vnd  enforhte  pharaonem  niht  j  der  den  tievel  da  bezeichent. 
Da  von  seit  pavl'.     Moyses  der  was  michel  vnd   starch   an   siem  145 
geloben  vnd  an  sien  triwen.     da   von    enforhte   er  des   chvniges 
pharaones  herschaft  niht.  |  Die  martir  di  die    heiligen    da    lieteu 
div  tet  in  vil  we  an  dem  fleische,     vnd  was  in   doch]  vil  svzze 
an  dem  mvte.     Want  sie  den  starchen   gedingen   bieten   daz  sis 
got  allez  er|gazte.    Da  von  vind~  wir  vil  vrchvndes  swer  deheiner-  150 
slahte    martir    liedet    dvrch    got    ge|dvltichlichen    daz    der   groze 
gnade  vindet  an  siner  sele.     da  von  svl  wir  die  svnte  lazen  |  vnd 
svln    rehte    gedenchen    an    die    devmvte    vnd   an   di   gedvlticheit 
vnsirs   herren    di    er  |  bete    do    in   die  indcn    (sie)  fvrten  zv   der 
martir  gebvnden.     Vnd  svln  vns  daz  fvr  setzen  warvmbe  er  daz  155 
allez   leit.    nvn  vmbe  vnser  missetat.     So   ist    ovch    div    martir 

v hte.'^  i  Daz  ein  ist  wene  der  menische  sin  blvte  ver- 

givzet.  so  ist  div  andir  swene  .  .  .  me|nischc  sin  fleische  chestiget 

mit  vaslen.  vnd  mit   wachen,  vnd  nii(  anthin  gv^t,.** 

2''.     .  .  .  e.'  sam  ez  im  selben  wrre.    Swelhez  Avir  (vn  vndir  disen  160 

'    z  m  kurzer  form,    auf  diese  geschielde  öezüg/ich    steht   am  runde 
rechts     Ein  m;«?rc  ist  daz  ^  hs.  dem  ^  dazu  am  rande  rechts  von 

gleicher  hand  die  glosse  Speciosiis  forma  *  iiv  übergeschrieben  *  vier 
slahte  ijasst  genau  auf  den  räum  ''  gvt;vteii  ?  '  die  3  ersten  buch- 
staben  ziemlich  abgescheuert,    ren?   auch    den    nach    c  stehenden  vermag 


286  PREDIGTBRUCHSTÜCKE 

vieriv  so  mvge  w — '  |  marlirseie  wol  heizen.  Swaz  dem  menischeii 
vngemaches  ovch  widir  vert   au  libe  oder  |  an  gvte.    mit  Worten 
oder  mit  werchen.     ol)  er  daz  gedvltichlichen  vertreit  dvrch  got 
der  heizet  ovch  ein  martirsere.    Vnd  da  von  daz  die  zewelfepoten 

165  vnsirs  herren  antlvze  |  an  ir  mvte  trvgen.  da  von  vertrvgen  sie 
gedvltichUchen  allen  den  vngemache  der  in  vvi|dir  varen  mohte. 
in  dem  namen  gotes.  Da  von  seit  pavl'.  Vnsers  herren  antlvze 
ersch  }  \  ine  an  vnsirm  hercen  da  von  wrde  wir  erchennent  die 
schone  siner  gotheit.  da  von  |  heten  wir  an  allen  dingen  äugest 

170  vnd  not.  vnd  erchomen  doch  da  von  niht  waut  w  .  .^  |  vnsirn 
gedanch.  vnd  vns  selben  gegeben  haben  in  vnsirs  herren  gnaden. 
Man''  liste  von  |  eim  wibe  div  hiez  veronica  div  genas  eines 
siechtvmes  da  von  daz  si  rvrte  vnsirs  herren  J  gewaut.  Want  si 
grozen   gedingen  biete  zv  im.     Darnach  nam  si  sien  antlvze  vnd 

175  begvn  I  de  si  daz  rehte  an  ir  herce  schriben.  vnd  bete  solhen^ 
fliez  an  in  daz  si  dehein  reste  niht"  mohte  ge| haben  so  si  sin 
ensache.  da  von  bat  si  in  daz  er  ir  ein  bilde  g?ebe  daz  siem  ant- 
Ivtze  geliche  ]  waäre  da  bi  si  sin  gedehte.  Do  nam  er  sazehant  ein 
hnin  tvch  vnd  dvhte''   daz  an  sin  ant  .  .  .  .*  |  vnd  gab  ir  do  daz 

180  selbe  bilde  widir.  Vnd  do  daz  der  cheiser  tiberi'  gesache  der 
anbete  ez  v.P  |  fleizlichen  vf  sinen  chnien.  weinvnde  vnd  sazehant 
do  wart  er  gesvnt  von  siem  grozen  |  siechtvm  den  er  da  leit. 
Da  von  svlt  ir  ditze  ])ilde  staitichlichen  vor  nvren  ovgen  haben 
vnd  I  swaz  ivch    angist  vnd  not  an  get  so   sehet    ez   vil    fleizich- 

185  liehen  an.  mit  iweres  hercen  ovgen  |  Vnd  tvt  ir  daz  mit  rehter 
andahte  so  gewinnet  ir  lielfe  vnd  gnade  von  im.  Vnd  sol  ovch  | 
niht  vmbilliche  dvnchen  ob  vns  div  werlt  versnicehet.  Want  aller 
der  werlt  herrc  der  wart^  |  vil  sere  versmtehet  von  ir.  Ovch 
sol  vns  niht  vmbilliche  dvnchen  ob  wir  die  armvte  liden.  !  Want 


ich  nicht  zu    besiim?nen,    hinter   ihm    Ijefindet   sich    ein  punkt  '  ./e- 

desfalls  zunächst  wir,  doch  ist  damit  die  zeile  noch  7iicht  ausge- 
füllt ^  e  ist  7nit  dem  abgerifsenen  streifen  (s.  2S4,  anm.  2)  verlore?i 
gegangen  '    die  untern  enden  von  ir   sind  noch    zu   seheti;    vgl.    die 

vorige  anm.  ^  am  linken    rande   steht  vo7i  gleicher    hand  Ein  maire 

ist  daz  *    hs.  sollen  ''  nilit   von  gleicher   hand  am  linketi   raiide; 

durch  ein  übergeschriebenes  b  hierher,  wo  ztvischen  reste  mohte  eiii  a 
übergeschrieben  ist,  vei'wicsen  '  /.  drvhte  *  loch  i?n  pergamente  '^  rt 
ujn  schlufse  der  vor.  zeile,  durch  einen  setikrechte?i  strich  vo7i  ovch  ge- 
li'emit 


PREDIGTBRUCHSTÜCKE  287 

vnser  herre  vil  arme  was  do  vr  an  dem  chrvce  hinch.  Vnd  so  190 
wir  rehte  dar  an  gejdenchen  daz  er  daz  allez  dvrch  vns  erlieten 
liat.  son  sol  vns  dehein  arbeit  noch  dehcin  armv|te  zeswsere  niht 
dvnchen.  Ez'  seit  ysayas.  Vnsers  lierren  anllvtze  vnd  sin  varwe 
div  er|blichen  want  er  wart  gefvret  sam  ein  schafe  daz  man  da 
slalien  wil.  Vil  gedvltichlichen^  j  leit  er  die  not  vnd  darzv  den  195 
bittrin  tot.  sam  ein  lamp  daz  er  nie  sin  mvnt  vf  getet.  Swer| 
nv  also  In  allen  sien  noten  als  gedvltich  ist  sam  vnser  herre 
der  nem  sin  bild^  an  sin  herce.  |  Swer  ovch  vngedvltich  ist  in 
sien  noten  der  treit  des  tievels  bilde  in  siem  hercen.  Vnd 
also  I  offte  er  daz^  ansiebte  mit  sines  hercen  ovgen  als  offte  200 
wird  er  erzvrnet  von  siem  sehe  .f^jfere.  Want  von  des 
tievels  antlvtze  ist  allez  daz  vbile^  chomen  vnd  leit  daz  le  wart. 
Vnd  swer  |  nv  vnsers  herren  antlvtze  mit  sines  hercen  ovgen 
beschowet  dem  wirt  sin  vngemach  in  |  dirre  werlte  gesenftet 
vnd  ovch  sin  hellewize  an  der  sele  nach  disem  leben.  Vnd  205 
wizzet  I  daz  fvr  wäre  mohten  die  verdampten  in  der  helle  vnsirs 
herren  antlvtze  gesehen  daz  ir  \  wizc  wol  deste  ringer  wäre.  Da 
von  seit  avgvstin'.  Die  verdampten  die  in  der  helle  da  |  sinl  die 
wollen  geruer  haben  daz  si  got  mohten  gesehen  in  der  wizen 
denne  daz  sie  er  |  .  .  ste^  dir  von  sollen  werden  vnd  gotes  ant-  210 

Ivtze  niht  sollen  sehen.    Da  von  mit  swelhen  | ^  | 

spricht.  Siehe  liebez  chint  nim  min  antlvtze  an  vnd  merche  ob 
ez  iht  schöner  sie  dene  |  einer  hvr«rinne  antlvtze  da  von  svnte 
niht  mit  ir.     Vnd  mit  andrin  vnrehlen  wer'^  | 

'  z  in  kurzer  form  *  i  zwisc/ien  Ic  über^esclir.  ^  die  abkiirzttng  it 
sieht  wie  eine  verxcklingung  des  d  ttnd  e  aus,  sodafs  der  schräge  lange 
zug  des  d  mit  für  den  hauplstrich  des  e  gilt;  dieselbe  abkürzwig  steht 
s.  2S1,  anni.  6  =  dem  (ewigen  fode)  *  er  daz  doppell  *  p  ist  ver- 
wischt, auf  dem  bruche  der  riickcnkante  des  cinbandes  "  v.  atn  rande 
mit  übergeschriebenem  b,  während  oben  zwische?i  d  und  cli  ein  a  steht 
'  das  fehlende,  auf  der  ecke  des  einbatides,  ist  ganz  abgerieben  ®  die 
ganze  fehlende  zeile  bildete  die  unlere  kante  des  eitlen  einbanddeckels, 
gegen  ende  derselben  ist  iioch  liehen  z . . .  sm  erkennen  "  chen  ist  als 
anfang  der  nächsleti  abgeschnittenen  zeile  noch  in  seinen  obere?i  teilen 
erkennbar 

Die  mitgeteilten  bruchstücke  stehen  auf  zwei  beim  einbinden 
zusammengenähten  pergnmenl blättern  der  Leipziger  Stadtbibliothek, 
sie  sind  seil  einiger  zeit  (näheres  weifs  ich  nicht]  von  einem  buch- 


288  PREDIGTBRUCHSTÜCKE 

deckel  abgelöst^  aber  noch  nicht  numeriert,  ursprünglich  einer  hand- 
schrift  in  fol.  angehörig  sind  sie,  zu  einem  quartband  verwandt, 
unten  beschnitten  worden,  wie  viel  dadurch  verloren  gegangen  ist, 
lafst  sich  aus  dem  schlufs  der  ersten  seite  des  hier  mit  nr  2  be- 
zeichneten hlattes  ungefähr  ersehen:  vier  martern  sollen  aufgezählt 
werden,  mit  der  ersten  hälfte  geschieht  das  auf  den  beiden  letzten 
Zeilen  dieser  seite,  das  abgeschnittene  stück  enthielt  die  übrigen,  der 
Stil  der  bruchstücke  läfst  auch  hier  eine  ziemlich  gleichmäfsige  dar- 
stellung  erwarten,  also  wird  ein  mangel  von  höchstens  3  zeilen  an- 
zunehmen sein  und  betrug  die  Zeilenzahl  wahrscheinlich  42  für  die 
seite.  ob  die  von  mir  angenommene  folge  der  blätter  die  richtige 
ist,  kann  ich  nicht  bestimmen,  die  linien,  mit  derselben  tinte  ge- 
zogen, sind  zu  beiden  seilen  durch  senkrechte  begrenzt,  mit  aus- 
nähme der  obersten,  die  durchgehn.  nie  ist  darüber  hinausge- 
schrieben, mir  von  der  roten  Überschrift  am  ende  des  ersten  Mattes 
fallen  die  beiden  letzten  buchstaben  auf  den  rand,  ebenso  die  in 
den  anmerkungen  erwähnten  correcturen  und  glossen.  die  hand  ist 
dieselbe,  die  schriftzüge  sind  gleichmäfsig  und  weisen  ins  ende  des 
zwölften,  höchstens  in  den  an  fang  des  13  jhs.  die  form  des  z 
unterscheidet  sich  nur  durch  ein  hükchen  von  der  des  h,  die  wenigen 
ausnahmen  sind  in  den  anmerkungen  angegeben,  neben  dem  ge- 
wöhnlichen geraden  r  erscheint  auch  das  gewundene  meist  vor  h, 
n,  r,  selten  zwischen  vocalen.  w  ist  stets  durch  zwei  völlig  getrennte 
V  ausgedrückt;  f  steht  fast  ausnahmslos,  s  nur  einigemal  im  aus- 
laute; punkte  über  dem  i  fehlen  durchaus,  die  wenigen  striche  habe 
ich  durch  acute  widergegeben;  die  circumßexe  sind  genau  der  hs. 
entsprechend. 

Leipzig. 

K.  HILDEBRAND. 


S.  BRANDAN  289 

LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

DES    ALTFRANZÖSISCHEN    GEDICHTS    AUF 

S.  BRANDAN. 

1  Vana  vanis  garriat       pagina  pagana,  fol.  2 
Greges  agros  prelia       vox  Virgiliaiia. 

Mundi  dilectoribus       placeanl  miindana: 
Alexandri  studia       pia  sint ,  non  vana. 

2  Is  per  viam  tridui       liber  in  deserto 
Corde  deo  proximiis       azimis  referto 
Pie  sitit  serieni       ad  quam  stilum  verto. 
Dulcis  sitis  pia  sit       viam  hanc  experto. 

3  Usus  sese  sequitur,       ut  est  jus  nature. 
Voluptate  trahitur       mens  infecta  jure, 
Jugiter  jus  sitiunt       quibus  jura  eure, 
Deo  nubit  pia  mens       IVaglans  tali  ture. 

4  Pius  ille  signifer       cujus  jussu  scribo 
Pio  petit  refici       me  ferente  cil)o. 
Pietatis  cibus  est       via  per  quam  ibo. 
Sed  tantillus  talia       qualiter  subibo  ? 

5  Secretorum  seriem       sorte  singulari 
Que  Brandanus  peregre       meruit  rimari 
Ausus  preter  ceteros       metrice  prefari 
Ausum  talem  talia       possum  me  mirari. 

6  Ausus  talis  laliter       talia  s<rulari 
Montem  bos  contamino       dignus  lapidari, 
Digne  nisi  video       dignos  indignari. 
Dum  tantillus  audeo       tantis  implicari. 

7  Sed  qui  me  perelegit       ad  lioc  opus  vatis 
Facil  excusabilem       rem  temerilatis. 
Suus  suni  auriculis       subula  foratis: 
Suus  sum  ad  omnia       debito,  non  gratis. 

8  Modis  bec  ul  precipit       ritbmicis  explano. 

Hunc  in  modum  transferens       ritbmo  de  Romano 
Scriptum  vetus  renovo,       dum  bec  nova  cano. 
Sic  vetnstas  precinit       scribens  de  Brandano. 

9  Sic  vetustas  precincns       est  exemplar  rei. 
Si  falluntur  nescio       derogantes  ei. 


290  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

Scio,  cum  hoc  nesciam       supra  posse  vehi, 
Posse  plus  insolita       potestatem  dei. 

10  Ortus  in  Hybernia       flos  est  puerorum, 
Puer  vir  in  puero       forma  seniorum : 
Puer  annis  teneris,       vir  virtute  morum, 
Decus  hoc  in  pueris       satis  est  decorum. 

11  Is  Brandanus  nomine       soholes  regahs 
Equo  suo  generi       moribus  equalis 
Sic  a  mahs  destitit       in  diehus   malis 

Ut  stupentes  dicerent       'quis  hie  homo  talis?' 

12  Evo  jam  maturior       mente  maturescit, 
Mente  mundo  dissona       decrescendo  crescit. 
Quo  plus  mundus  floruit ,       ei  plus  vilescit. 
Instans  sie  insistere       perstat  nee  tepescit. 

13  Perstat  mente  spernere,       visibus  horrere, 
Manu  res  repellere,       voce  devovere: 

Et  ne  mora  minuat       pium  hoc  fervere 
Instat  tali  tedio       fugam  adhibere. 

14  Mundum  confert  ignibus,       fragili  se  cere. 
Gera  cum  incendio       timet  conmanere. 

Et  se  carnis  memorans       paleas  habere 
Procul  fit  a  faculis       ne  sit  ustus  fere. 

15  Ergo  leves  passeris       emulans  volatus 
Passer  ipse  misticus       et  pusilli  Status 

Ad  montanum  evolat       statum-  monachatus, 
Postmodum  de  monacho       monachis  prelatus. 

16  Abbas  jam  de  monacho,       mater  fit  in  patre. 
Patris  ei  gravitas,       amor  dignus  matre. 
Patrem  matre  temperans       imperabat  grate. 
Sic  qui  fratres  regitis       patres  imperate! 

17  Eranl  hij  qui  suberant ,       qui  parebant  seni 
Fratres  evi  disparis       quasi  ter  milleni, 
Cum  in  terra  viverent       pene  non  terreni, 
Meritis  emeritis       viri  celo  pleni. 

18  Christus  eis  vivere       carnis  crux  amori, 
Summa  vite  prosequi       placita  pastori. 
Pastor  is  et  pabulum ,       dux  et  via  chori ; 
Chorum  ita  ducere       decus  est  ductori. 

19  Gregis  ita  previus       ille  vir  electus 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRAND  AN       291 

Ad  snperna  studia       totus  est  erectus. 
Mansit  in  celestilnis       adhuc  carne  tectus, 
Vite  situ  celice       celis  jam  invectus. 

20  Evo  jam  provectior       cepit  iiosse  velle 
Ouod  rix  Votum  noverat       usui  rebelle, 
Adam  quid  demeruit       dulcis  pomi  feile, 
Situm  justis  debitum       et  pcualis  celle. 

21  Adam  quem  demeruit,       ille  quis  sit  ortus, 
Ortique  delicie,       quis  sit  pio  portus. 

Reo  quis  cum  moritur       horror  sit  obortus. 
Hie  vel  hie  quo  transeat       regnans  vel  absortus. 

22  Horum  desiderio       fervet  indefesse. 

Non  fervorem  minui  sinit,  non  deesse. 
Oral  carnis  oculis  possint  bec  subesse, 
Orat  ne  preveniat       mortis  bec  necesse. 

23  Dum  subest  devocio,       votum  augmentatur. 
Votum  spes  subsequitur,       spem  res  comitatur. 
Justo  deus  annuil      juste  que  precatur, 

Sc  de  dignis  argui       qui  non  dedignatur. 

24  Spiritu  consilii       sanctum  insjnrante 

Hinc  Barintbum  consulit       virum  vite  sancte, 
Hujus  rei  conscium,       bec  expertum  ante, 
Cujus  munil  monitis       vota  rei  tante. 

25  Is  cum  gradu  nomine       dignus  presidentis 
Presidens  in  nemore       monachis  trecentis 
In  uniup  numerum       minuit  augmentis 
Turturis  solivage       legem  eligentis. 

26  Insule  sul)sidiuni       nactus  bic  in  mari 
Cepit  mari  morilnis       constans  reluctari. 
Mernox  nomen  bominis       cujus  pares  rari, 
Cujus  fata  consequi       par  est  cum  beari. 

27  Hinc  absistens  substitit       meliore  statu 
Transiens  ad  insulam       gratam  incolatu : 
Nam  hie  aromatico       jjastus  est  al'llatu, 
Eden  quem  tlorigero       sparsit  odoratu. 

28  Paradiso  proximus       locus  ille  felix, 
Fovil  buiM-  angelico       visu  cum  loquelis. 
Hec  odorans  audiens       videns  vir  lidelis 
Fit  in  terris  socius       celicis  et  celis. 


292  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

29  Dum  sie  ovem  perditam       pastor  suus  querit 
(Sed  non  male  perditam       que  tam  beiie  peril) 
Vidit  maris  inviis       dum  se  viis  terit, 

Que  Brandanum  docuit       hec  qui  vota  gerit. 

30  Sic  Braiidanus  monitus       cursibus  duorum 
Ex  hiis  ausum  aiiimat       cursuum  novorum. 
Hec  cum  suis  contulit       optimis  suorum. 
Tessera  cum  decade       numerus  eorum. 

31  Consulit  et  cousulunt       approbantque  vota. 
Fervet  ad  consortium    ■  cohors  ea  toia 
Prompta  nave  provebi       pede  sive  rota 
Viis  non  incognitis,       non  morosis  mota. 

32  Sic  ferventes  intuens       bylaris  effectus 
Monet  ut  in  fervidis       constans  sit  affecfus. 
'Quo  nos'  inquit  'vebimur       pulcher  est  provectus; 
Pulcris  in  provectibus       turpis  est  defectus. 

33  Fratres,  quem  subibimus       Labor  est  supremus. 
Prece  cum  jejuniis       eum  roboremus. 

Preci  cum  jejuniis       dum  hijs  insistemus, 
Quadrageni  temporis       dies  consumemus. 

34  Acta  probat  exitus,       probat  hoc  poeta. 
Texit  toga  poderis       fdium  projdieta. 
Non  meatus  bravio       muniat  sed  meta; 
Certa  laus  ad  vesperam       datur  de  dieta.' 

35  Dixit:    silum  exuunt       vite  lefabunde. 
Situs  eis  gemitus       atque  preces  munde. 
Se  ter  in  ebdomada       pascunt  infecunde 
Paslu  penitentie       vite  gemebunde. 

36  Hec  procelat  hie  et  hij       nisibus  anelis, 
Seni  donec  astitit       angelus  de  celis, 

Per  quem  deum  didicit       hijs  placatum  zelis, 
Et  que  vie  series       et  quam  plena  ])relis. 

37  Gregem  statim  convocal,       ait  convocatis 
'Sic  est  et  sie  volumus,       et  vos  valeatis ! 
Prior  curas  peragens       vice  sit  abbatis, 
Jubens  hie,  vos  supphces:       caute  vos  agaüsl' 

38  Ad  hec  eunclis  flenlibus       cum  premissis  exit. 
Contribules  preterit,       notos  non  respexit. 
Secum  .xiHj.       mox  ad  mare  vexit, 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       293 

Levigat  abieles,       ratem  ex  liijs  lexit. 

39  Coriatur,  jungiliir       ad  caiitelam  ratis. 
Escis  eam  onerat       sie  preortlinatis 

Ut  per  sex  elidoniadas       sit  ad  victum  salis. 
Hora  lit:    introiit       jiinctis  prenotatis. 

40  Portns  iinde  navigant       saltus  est  Brandani, 
Quem  sie  sancti  gralia       vocant  Christiani. 
Portum  giirges  efficit       siim  non  inmani 
Defliuis  de  lupibus       lateris  montani. 

41  En  preventis  eursibiis       ratis  procedentis 
Subsecuti  socios       tres  ejusdem  gentis. 
Ejulant  ex  littore       manibus  protenlis 

'Et  nos,  pater,  suscipe!       peccas,  si  dissentis. 

42  Pater  iiatos  respice       vultibus  paternis: 

Parva  sumiis  sarcina,       tantum  tres,  ut  cernis. 
Non  paternus  pater  es,       si  nos  tuos  spernis: 
Si  nos  tuos  reicis       conferens  externis.' 

43  Respicit  et  suscipit       voces  dando  tales 
'Pares  estis  adilu,       metis  inequales. 
Duos  vestrum  demetent       falces  infernales. 
Turbida  sors  tertii :       mete  sunt  vitales.' 

44  Tunc  expansis  manibus       petit  a  Tonante 
Ut  sit  iter  prosperum       illo  prosperante. 
Signo  crucis  edito       retro  circum  ante 
Benedicit  omnil)us         motu  manus  sancte. 

45  Vela  malum  palliant,       sinus  formant  venti. 
Eurus  ratem  proveliens       mittit  occidenti. 
Federati  gratia       flatus  et  fluenti 

Volent  ut  velocius       remis  sunt  intenti. 

46  Jam  diebus  .xv.       prospere  completis 
Eurus  fessus  siluit.        pax  fit  tibi,  Thetis. 
Pax  fit  'nautis  turljida       planctus ,  non  quielis, 
Pax  qua  cursus  dennlur       dempto  flatu  fretis. 

47  Pax  laborem  peperit,       labor  bic  dolorem. 
Äuget  labor  corporum       cordium  angorem. 

Sed  crux  tanta  solviinr       crucem  in  minorem,    . 
Dum  solantem  audiunl         suum  seniorem. 

48  'Non  nos'  inquil  'pregravet       vela  non  volare, 
Velis  non  volantibus       sie  nos  laborare. 

Z.  f.  D.  A.  neue  fol-e  IV.  20 


294  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

Nee  sunt  fida  flamina       nee  est  fidiim  mare: 
Fidiim  fedus  deiim  est       flde  coniplaeare.' 

49  Dum  per  anni  spaciuni       languet  sie  earina 
Sine  flatu  preside       lenta,  non  festina, 
Cum  deflatis  flatibus       urgent  mala  trina: 
Labor  victus  modieus       virium  ruina. 

50  Vere  pii  provide       deo  militatis. 
Vere  piis  pius  est       auctor  pietatis. 
Piis  hiis  tam  deviis       tarn  coutribulatis 

Terram  monstrans  hos  ad  hanc       ventis  dujeit  ratis. 

51  Terre  dum  hos  admovet       spes  hie  respiran[di, 
Amoventur  proximi       pre  terrore  grandi. 
Terror  latus  litoris       negans  nautis  pan|di, 
Ad  spem  solam  patulum       statim  naufragandi. 

52  Rupes  rupe  durior       litoris  struclura 

Celsa  seabra  pendula       spondet  queque  dura. 
Nusquam  navis  inibi       fidens  vel  seeura 
Cireuit  per  triduum       portum  quesitura. 

53  Die  forte  tertia       cessit  in  tranquillum 
Rupis  in  latibulis       portum  in  pusillum: 
Portum  sed  non  navium,       navis  sed  portillum. 
Navem  eo  dirigunt ,       invehunt  in  illum. 

54  Eminebat  cominus       oppidana  sedes. 
Mira  muri  gloria ,       mire  nitet  edes. 

Sedit  navis,  exeunt:       hue  divertunt  pedjes. 
Quenam  sint ,  que  viderint ,       faeile  non  credes. 

55  Muri'  mirus  ambitus       totus  cristallinus , 
Quisque  lar  marmoreus.       laris  intra  sinus 
Deeus  est  parietum       maximo  non  minus, 
Gemmis  eum  sidereis       fulgor  obrizinus. 

56  Cum  hec  quasi  deeeant       regis  majestatem, 
Cum  delectent  hee  et  hec       fratres  et  abbatem , 
Stupent  sine  civibus       esse  civitatem: 

Nam  nee  ibi  subditum       vident  nee  primatem. 

57  Restant  de  palatio       propalanda  quedam. 

Ab  hiis  huc  intrantibus       quid  sit  gestum  edam: 
Prrdo  preda  qualiter       factus  sit  per  predam 
Raptus  morle  subita       ])er  rapinam  i'edam. 

58  Sedens  senex  imperat       'fratres  mihi  cari, 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       295 

Si  quid  hie  est  commodi,  pergite  scrutari.' 
Pergmit :  rem  renunciant  dignam  nunciari, 
Vicliim  hie  suppetere ,       gazas  cumulari. 

59  Victiis  promimt  phirimum       preside  mensura. 
Vetat  senex  transgredi       rigida  censura. 
Vetat,  prout  ereditur,       precaneos  futnra, 
]Ne  jus  fedent  fidei       perfida  captiira. 

60  Agiint  deo  graeias       et  hie  pernoctatur. 

Sed  dum  nocte  dormiuiit,       furtum  perpetratur. 
Furem  Satan  iueitat:       fit  quod  incitatm'. 
Cifum  rapit  auremii :       raptus  elam  locatur. 

61  0  insatiabilis       eava  mens  avari! 
Statum  tuum  nescio       satis  aihnirari. 
Tibi  satis  nihil  est,       nimis  minorari. 

Te  non  trita  Tartarus       non  est  sine  pari. 

62  Crater  non  est  habitus       pari  par  ex  ere, 
Superat  materiam       opus  in  eratere. 

Für  post  furtum  recubans       dum  vult  hec  latere, 
Senem  quicquid  contigit       contigit  videre. 

63  Vidit  hec  in  spiritu       vir  spirituahs. 

Claro  videt  himine       mens  quam,  deus,  alis. 
Facto  jam  quatriduo       propaUitur  cahx, 
Sermo  dum  ad  reduces       fit  a  sene  talis 

64  'Nemo  quicquam  auferat       pensu  rerum  motus, 
Eris  supellectuHs       cibi  sive  potus.' 

Et  ad  hec  flens  intuht       deo  vir  devotus 
'Si  sum  mei  conseius,       für  est  mihi  notus.' 

65  Dcsignatus  patulo       furtum  für  agnovit. 
Furtum  coram  omnibus       dcvovere  novit. 
Sanctus  pairi  supjdicat:       hie  llet,  hie  ignovit 
Et  ignoseens  suphci       promit  que  prenovit. 

66  'Fratres'  inquit ,  'reum  hunc       preee  sullevatel 
Ruit  ul  videbitis       et  perfestinate.' 

Ad  hec  Satan  prosiHt       elamans  'vir  ingrate, 
Cur  mc  mea  deicis       ex  hereditate?' 

67  Diclis  liiis  disparuit .       rei  cor  tabeseit: 
Vidtus  ei  de(i(H( ,       morbi  vis  succrescit. 
Sumpto  mox  viatico       pervius  decessit. 
Qui  decessit  pervius       egra  nulh  spes  sit. 

20* 


296  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

68  Hunc  saluti  senior       solum  prenotavit, 
Eis  cum  in  litore       secus  prophetavit. 
Tumulatur:   remeant       et  sors  nova  fa^^t. 
Astans  navi  nuncius       hec  dennntiavit 

69  'Pastum  vol)is  defero.       mentes  hilarate! 
Potum  jungo  pastui:       sumite,  servate! 
Quo  vos  cunque  deferet       pede  sors  vel  rate, 
Premet  nee  periculis       set  nee  egestate. 

70  Fruclus  hiis  laboribus,       res  succedet  spei. 
Vol)is  res  quam  petilis       nutu  cedet  dei. 
Vobis  bic  non  deerit       sors  bec,  cari  mei, 
Donec  ad  provectius       vos  contingat  vebi.' 

71  Cognoscentes  nuncium       omnes  per  ignotum 
Deum  pie  persequi       quod  vovere  votum, 
Vela  venlis  expUcant:       deo  cor  devotum. 
Et  boc  cursu  transigunt       annum  pene  totum. 

72  Viani  niaris  inviam       tamdiu  temptatam 

Portu  tandem  terminant       ita  termiuatam.  I; 

Nacto  portu  nacti  sunt       terram  satis  gralam, 
Grege  fecuudissimo       terram  fecundatam. 

73  Grex  bic  fecundissimus  oves  novi  moris,  fol.  4  '\\ 
Ovium  corporibus  corporis  majoris,  j 
Quales  cervas  cernimus  Cellicis  in  oris.  1 
Omnes  albe,  nulla  est       disparis  coloris. 

74  Tunc  sie  pater  fratribus       'laudes  deo  demus. 
Diem  cene  domini       dieni  bunc  bal)emus. 
Pascba  per  boc  triduum.       usque  tunc  bic  stenius. 
Unam  tantum  ovium       nobis  preparemus.' 

75  Cum  boc  sobun  suppetat      jubet  sie  andere. 
Jubet  et  fit :  inibi       biduo  stetere. 
Die  vero  sabbati       secus  se  videre 
Senem  crine  niveum       formule  sincere. 

76  Salutatis  obtulit       panes  gratos  vere, 
Quorum  nix  albedini       posset  invidere. 
Addit  'si  quid  deficit ,       presto  sum  suplere.' 
Panes  erant  azimi.       grates  persolvere. 

77  A  Brandano  dapiier,  quis  sit  loci  silus, 
Quis  grex  talis  ovium,  dixit  inquisitus, 
Loquens  breviloquio,       loquens  ut  invitus 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       297 

'Est  hie  locus  copiis       satis  insignitus. 

78  Erit  hariini  oviuni       milla  transportata , 
NiiUa  pressa  frigore,       nulla  morbo  strata. 
Ad  lianc'  inqiiit  'insulam       insiila  vocata. 
Ite,  sie  a  deo  est       res  preordinata. 

79  Noetem  hane  in  insula       celebrem  ducetis. 
Gras  ad  Pasche  gloriani       missas  conciuetis. 
Gestis  hiis  celeriter       inde  navigetis: 
Qiiare  sie,  nunc  nescii,       postea  scietis. 

80  Loeis  hiis  vos  reduces       loca  mittent  illa. 
Divertetis  alias       navem  et  vexilla. 

Unde  sum ,  quo  prosequor  ?       erit  sors  tranquilla. 
Non  Caribdis  metui       vobis  sit  aut  Scilla. 

81  Hiis  in  loeis  obvius       adero  non  lente, 
Adero  viatico       cum  suffieiente.' 

Vecti  ventis  insulam       naeti  sunt  repente. 
Sedit  navis,  exeunt       sene  remanente. 

82  Pascha  prout  licuit,       prout  potuere, 
Cantibus  vigiliis       missis  peregere. 

Post  refectum  spiritum      corpus  refecere. 
Corpus  ut  reficerent       ignem  accendere. 

83  Humi  eibos  excoquunt.       eibis  jam  paratis 
Hie  eibandi  resident       sedibus  moratis. 
Clamant  'pater,  adjuva  !       sul)veni  jam  stratis  I 
Nam  movetur  insula,       se  retraxit  ratis.' 

84  'Dens'  inquit  'adjuvet.       deum  reclamate ! 
Cibos  cito  tollite ,       citius  intrate  1' 
Intrant,  set  non  sine  vi       et  difficultate. 
Hebent  et  stuporibus       mentes  sunt  turbate. 

85  Stupent  hunuun  solidam,       rem  inanimatam, 
Ut  volantem  volucreni      jam  jam  elongalam, 
Multis  miliariis       subito  sublatani : 

Quam  per  piram  denotant       nondum  exturbatam. 

86  Tunc  sie  senex  'mea  gens,       ne  rem  haue  ign|ores, 
Belua,  non  insula,       dedit  hos  terrores. 

Vocant  malreni  piscium       piscem  hunc  doctores: 
Primum  est  natalile,       tales  ejus  mores. 

87  In  tani  mirabilibus       anctor  tam  miroruin 
Miratores  allicit       operum  suorum 


298  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

Ut  cum  plus  promineat,       sumat  plus  hono|rum, 
Amet  plus  et  timeat       talem  mens  piorum.' 

88  Cum  hiis  verbis  preterit       ratis  satis  cita 
Et  jam  terram  conspicit       sauctus  heremita. 
Hec  est  a  dapifero       terra  ])refmita. 
Portum  captant  cursibus       et  factum  est  ita. 

89  Ratis  procul  trahitur       rivi  per  secreta 
Ut  quiescat  citius       tutiori  meta. 
Prius  ut  promiserat       dapifer  propbeta, 
Vices  has  uou  asperant       flatus  ueque  freta. 

90  Arbor  mannor  Parium       superans  candore 
Parte  ripe  cernitur       in  secretiore, 
Lata  densans  folia:       bino  sculpta  flojre 
Liliorum  gloria       rose  cum  rubore. 

91  Stipes  Stupor  nubibus       arboris  elate. 
Ramos  ex  se  sperserat       spaciantes  la|te 
Longos  et  innumeros       plenos  novitate, 
Avibus  nitentibus       nivis  claritate. 

92  Dumque  stupent  senior       et  gens  senioris 
Alites  et  arborem       tam  mirandi  moris: 
Novum  hoc  stupentibus       uovat  vis  stuporis, 
Prore  quidam  alitum       ex  hiis  astans  choris. 

93  Qui  dum  pulsat  aerem       remige  pennarum, 
Sonus  fit  ut  dulcium       sonus  campanarum. 
Forme  decus  decorat       canor  hie  alarum. 
Ornant  sese  mutuo       clarus  et  preclarum. 

94  Contestalur  senior       residem  ibidem 
'Die,  die,  si  sors  dei  es,       dictis  servans  fidem, 
Qui  vos  et  quis  locus  hie,       cur  vos  servat  idem?' 
'Sumus'  inquit  'angeli,       set  non  nunc  ut   pridem.  ^ 

95  Sumus  cum  Lucifero       lucidi  creati,  | 
Celus  quidam  subditus       ejus  majestati. 
Ei  dum  paruimus       post  ausum  peccati, 
Cum  ruente  ruimus:       set  non  eque  strati. 

96  Tumido  servivimus,       set  non  intumentes, 
Non  peccati  complices,       non  hoc  molientes. 
Hec  nos  reddif  ratio       Stratos  et  ])laudentes. 
Tali  causa  laliler       sumus  hie  degentes. 

97  Nos  a  palre  liberat       pene  rex  supremus 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN      299 

Pene  secl  noii  penilus:       regno  nam  caremus. 
Has  pro  regni  sedil)us       sedes  possidemus. 
Paradisus  noster  est       hoc  ameiuim  nemus. 

98  Vostri  primum  exitus       anuum  nunc  completis. 
Adhuc  sex  complebitis       vos  frangendo  fretis. 
Pascha  super  beluani       sexies  agetis. 

Eden  posl  videbitis       alrium  quietis.' 

99  Redit  hinc  ad  arborem       alis  sullevatus 
Ales  vel,  si  creditur,       angelus  alatus. 
Plaudit  chxa  vesperam       totus  comitatus. 
Plausibus  modificant       tales  modulatus. 

100  Dignas  agunt  gratias       digne  deitati 
Dignis  a  deicolis       quod  sunt  visitati , 
Simili  levamine       uuncquam  relevati, 
Nunquam  vultus  hominum       ante  contemplati. 

101  Angelorum  advene       laudibus  allecti 
Collaudantes  dominum       cibo  sunt  refecti. 
Dicto  completorio       substernuntur  lecti: 
Sompnum  sunumt :  ratis  est       pro  tutela  tecti. 

102  Galli  cantus  tempore       surgere  cepere. 
Matutinos  concinunt:       angeli  juvere. 
Homines  cum  angelis       voces  miscuere: 
Nutu  dei  potuit       sie  se  res  habere. 

103  Mane  sancto  dapifer       aslitit  predictus. 
Lenit  hos  solatiis       et  promisso  victus. 
Justus  non  est  inquies       inops  derelictus, 
Ruens  vel  inopia       victus  vel  amictus. 

104  'Festi  sancli  Spiritus       clausulis  finitis 
Huc  vos  via  revehet       modo  (piam  subitis. 
Erit  binis  mensibus       re(piies  hie  sitis. 
Copia  non  deerit:       timidi  ne  sitis.' 

105  Verba  post  solalii       dapifer  discedit , 
Item  die  tercia       solaturus  redit. 
Singulis  ebdomadis       bis  solainen  dodit. 
Senex  agit  gratias       dicia  nee  excedit. 

lOG     Cum  fit  nautis  refiuies,       ratis  rosarcitur. 
Pro  veluslis  coi»iis       novis  connnunilur. 
Solitis  solatiis       dapifer  blanditur: 
.viij.  menses  protrahunt       viciu  quem  largitur. 


300  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

107  Valedicto  postmodum       sese  flens  absentat. 
Vie  cursuni  digito       signat  et  ostentat. 
Ales  item  advolaus       rati  se  presentat: 

'Jam  vos'  inquit  'commode       mora  nou  retentat. 

108  Ad  Albei  terminos       vobis  transporfandis 
Restat  via  longior,       vie  labor  graudis. 

Mare  spondet  aspera       qiiod  nunc  nauta  scandis. 
Set  non  deus  deerit,       si  cor  deo  pandis.' 

109  Itur  et  in  limine  venti  sunt  secundi. 
Sed  minaces  ilico,  demum  furibundi. 
Terra  visa  cupiunt       ratem  huc  infundi : 

Set  per  menses  quatuor       passi  sunt  retundi. 

110  Mense  sexto  proximum       hos  repellit  litus. 
Saxeus  et  invius       litoris  est  situs. 
Longos  cassat  ambitus       portus  hie  quesitus. 
Die  quadragesimo       labor  est  finitus. 

111  Portum  agit  rivulus:       hunc  optinuerunt.     fol.  5 
Fessos  fovet  requies.       post  se  foras  ferunt 
Dumque  quo  sit  opus  hie       simul  vecti  querunt, 
Fontes  legis  disparis       duos  repererunt. 

112  Is  illimis  nituit,       hunc  turbabat  limus. 
Curritur  et  nititur       cene  quisque  primus. 
Senex  'ne  tam  lubrici       simus,  si  sitimus! 
Fontium  nos  advene       que  sit  lex  nescimus.' 

113  Premit  dum  inprovidos       providus  Brandanus, 
Ecce  quidam  monachus       evo  veteranus 
Sanctus  seni  suplicat       inicitque  manus: 
Gestu  dici  poterat       ebrius  vel  vanus. 

114  Signis  eum  protrahit       ei  nil  locutus. 
Stupefecit  previus       subsequentem  mutus. 
Dumque  gressus  dirigunt,       dirigunt  obtutus 
Ciarum  in  cenobium.       mutum  huc  secutus 

115  Cetus  patrem  sequitur.       eis  eo  vectis 
Loci  pater  obviat       sibi  cum  subjectis. 
Splendent  omnes  vestibus       splendide  confectis, 
Thure  texlis  crucibus       ferelris  adjectis. 

116  Splendet  in  ornalibus,       quibus  splendent  isti, 
Aurum  ,  (pio  non  clarius ,       Arabs ,  eflodisti. 
Auro  cari  lapides       micant  inlermixti. 


DES  ALTFRA>Z.  GEDICHTS  AUF  S.  BRAND  AN      301 

Sunimo  plaiisu  nititur       gens  hec  naiitis  sisti. 

117  Dato  pacis  osculo       plebs  hec  conglobata 
Intrant ,  orant  pariter :       prece  perorata 
Cena  sese  recreant.       cena  salis  grata , 
Panibus  radicibus       aquis  fecundata. 

118  Paiies  nitidissimi,       sapide  radices. 
Quasi  manne  peragiint       in  sapore  vices. 
Musto  si  contenderint ,       aqiie  sunt  victrices. 
Pinguitatas  crederes       aquas  has  felices. 

119  Post  peractas  gratias       dicto  miserere 
Nautis  hospes  innuit,       omnes  annuere. 
Preit,  exit,  exeunt:       sedit,  consedere. 
Tunc  de  loci  seriis       cepit  hos  docere. 

120  'Hie  nos'  inquit  'monachi       sumus  quater  seni, 
Grex  Albei  suplicis       senis  deo  pleni. 

Locuni  sanctus  angelus       designavit  seni. 

Anni,  postquam  transiit,       sunt  bis  quadrageni. 

121  Exul  sponte  potens  hie       longa  via  fractus 
Presens  est  cenobiuni       deo  duce  nactus. 
Vite  post  melliflue       dulces  per  attractus 
Sibi  nos  confederans       dux  est  noster  factus. 

122  Germinante  semine       quod  in  nobis  sevit, 
Cum  provectus  seminis       in  maturum  crevit, 
Carnis  carne  moriens       debilum  implevit: 
Quem ,  ut  credo,  vite  mors       dedit ,   dum  delevit. 

123  Extunc  ejus  meritis       nil  hie  adversatur. 
Nullus  hie  ollenditur,       nullus  inlirmatur. 
Panis  sine  bajulo ,       sine  cura  datur 
Singuhs  nunc  integer,       nunc  dimidiatur. 

124  Integer  per  singulos       cum  solempnizatur, 
Ahas  dimidius       hunc  et  hunc  solatur. 
Sic  quos  nostis  fontium       lex  cooperatur: 
Abluit  nos  turbidus,       liquidus  polalur. 

125  Calet  fons  (urbidior,       liquidus  frigescil: 

Hinc  est  quod  hie  abluit,       sitim  is  compescit. 
Mira  miris  prosequor       et  que  usus  nescit: 
Nostris  in  lampadibus       liquor  non  decrescit. 

126  Horis  quibus  surgimus       deus  hoc  iui|»endit: 
Per  se  lampas  subito       llammani  apprehendit. 


302  LATEINISCHE  LBERSETZUIVG 

Flamma  nil  coiisumilur,  iiil  ad  minus  tendit. 
Per  se  flamma  deficit,       per  se  reaccendit. 

127  Et  nunc  nos  insolitns       hilarat  eventus. 

Sumpsit  victum  duplicem       noster  nunc  couventus. 
Credo,  dei  gratia       duplex  est  obtentus, 
Signum  vostri  meriti       simul  et  adventus. 

128  Nostre  nunc  fruemini       paupertatis  rebus, 
Donec  in  aquarii       signum  cedat  Phebus. 
Festo  stelle  trausito       paucis  cum  diebus 
Vos  sors  vostra  subtrahet       nostris  faciebus.' 

129  Hinc  se  posse  subtrahi       graviter  fereuli 
Sic  Brandano  senior       'frenum  pone  menti! 
Obstat  sors  propositum       tale  proponenti. 
Stultum  est  resistere       deo  disponenti. 

130  Primam  spem  prosequere.       cor  hiis  curis  ure. 
Tellus  que  te  genuit       dabit  sepulture.' 
Substant  dato  tempore       ratig  processure: 

Itur  junctis  barbaris       conducendi  jure. 

131  Vale  facto  prodeunt,       palliatur  malus. 
Diu  vectos  suscipit       sali  deusa  palus. 
Flatuum  et  fluctuum       omnis  casus  malus. 
Angustatur  undique,       desperatur  salus. 

132  Vite  spem  ademerant       fames,  sitis  dira, 
Longus  labor ,  lauguidus       flatus,  maris  ira : 
Cum  divina  pietas       vere  satis  mira 

Tali  talem  subito       luctum  lenit  lira. 

133  Astant  leto  litori,       portum  intrant  letum, 
Conmeatu  piscium       rivulum  repletum: 
Quorum  captis  copiis       })roperant  ad  fletum. 
Est  que  fato  flebili       gaudium  deletum. 

134  Triti  siti  nimia       prohibente  sene, 

Equo  dum  plus  hauriunt,  sunt  exhausti  pene: 
Equo  quas  plus  hauserant,  aque  sunt  sereue, 
Set  vel  virus  iuerat       vel  Lethee  vene. 

135  Sopor  omnes  occupal:       illum  bidiianus, 
Illum  sopor  triduo.       uulli  sensus  sanus. 
Prece  quos  vix  excitans       intulit  Brandanus 
'Fuga  cita  l'ugite:       locus  est  profanus.' 

136  Circa  rivum  carpserani       in  quo  sunt  piscati 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       303 

Herbas  salutiferas       et  saporis  grati. 
Potum  post  pestiferum       tandem  debriati 
Herbis  biis  et  piscibus       fugiiiut  ditati. 

137  Fugiunt,  velificant       deo  porUim  daiite 
Avium  in  insulam       die  cene  sancte. 

Qiios  bic  structa  camera       fessos  obumbrante 
Novat  veste  dapifer       lavacro  purgaiUe. 

138  Diem  cene  celebrant,       sequens  bic  finitur. 
Transeunte  sabbato       piscis  mox  aditur. 

Ibi  quem  oniiserant       lebes  reperitur. 
Pasche  fit  celebritas,       hinc  post  sexlam  itur. 

139  Libere  pacifice       rati  sunt  admoti, 
Non  ut  prius  belue       modo  motu  moti. 
Avium  ad  insulam       transeunt  devoti. 
Notam  notant  arborem       procul  binc  remoti. 

140  Duice  canunt  alites       dulci  modulalu, 
In  siiorum  hospitum       leti  remeatu. 
Portus  paret  pristinus       cum  cpiieto  statu. 
Famulatur  dapifer       grato  famulatu. 

141  Cibis  huc  advenerat       onerata  nave. 
Eis  biis  impendiis       gratum  defert  ave. 
Addit  hec  solacia       solans  non  ignave 

'Vos,  dum  sorti  preero ,       nil  gravabit  grave. 

142  Erit  quies  placida       vobis  bic  localis, 
Festum  donec  transeat       sancte  trinitalis. 
Rediturus  abeo.       bene  valeatisl' 

Substanl,  tem])us  susfinent       processure  ratis. 

143  Jam  instante  tempore       quo  sint  binc  delati, 
Astans  unus  aUtum       loquitur  abbati 

'Ibitis  muic  alibi,       nunc  bic  coUocati , 
Annis  quinque  (aliter       huc  et  huc  Iranslali. 

144  Die  cene  (piinquies       agni  virginabs 
Tellus  vobis  ovium       erit  bospilalis. 
Fiel  super  lieluam       iesti  laus  Pascbabs, 
Cum  .\lbei  monachis       domini  natalis.' 

145  Partes  ad  occiduas       liinc  feruntur  vcnto, 
Vento  non  ad  Mbitum,       languido  lluento. 
Dies  per  tcr  .xv.       pressos  cursu  Uuito 
Plus  promente  contigil       prcmi  delrinicnln. 


304         LATELMSCHE  ÜBERSETZUNG 

146  Fertiir  eis  obviam       belua  marina, 
Equaiis  montem  corpore,       situ  serpentina, 
Vi  sua  notabilis,       eis  jam  vicina: 

Quam  vicinam  cernere       par  est  cum  ruina. 

147  Fedus  ardor  alitus       et  hyatus  oris, 
Turpe  Valium  dencium,       tonitrus  clamoris, 
Dicere  deficio,       quanti  siot  terroris, 
Quantum  hiis  deficiat       choors  senioris. 

148  Tunc  sie  pater  fratribus       'sumite  solamen.      fol.  6 
Tritum  cito  decidet       hoc  terroris  flamen. 

Est  in  deo  (fidite)       proximum  levamen. 
Nos  de  manu  bestie       salvet  deusl  amen.' 

149  Dixit  et  spem  revocant       pene  desperati. 
Fovet  spem  solaminis       dos  a  deo  dati. 
Jam  lesura  belua,      jam  admota  rati: 
Novo  marcens  obice       parcit  feritati. 

150  Rugit  mox  e  latere       belue  majoris 
Plus  horrendi  corporis       situs  senioris. 

Fit  congressus  hinc  et  hinc       bujus  et  prioris: 
Sine  modo  furere       modus  est  furoris. 

151  Unguibus  et  dentibus       invicem  ingrati 
Alternabant  acrius       cum  inferre  pati, 
Suntque  tluxu  sanguinis       fluctus  augmentati. 
Sonitus  ut  tonitrus       Jovis  est  irati. 

152  Sequens  tandem  belua       prevaleus  priori 
In  tres  partes  lacerat      jam  coactam  mori. 
Sic  quieta  rediens       fmem  dat  furori. 
Salvi  naute  gratias       solvunt  salvatori. 

153  In  Latini  texitur       textus  exemplari 
Hie  sortita  seriem       serii  res  clari. 
Rem  a  piis  ritlunice       petor  banc  effari. 
Pie  piis  obsequi       non  est  ociari. 

154  Vectus  inde  senior  insulam  notavit. 
Optat  eo  devebi,  ventus  votis  favit. 
Eo  dum  devebitur,       mulla  prophetavit 

De  loco,  de  populo       quem  bic  sors  locavit. 

155  'Illic'  inquit  'numerus  noster  minuetm*. 
Numerum  is  minuet,  plaudat  et  letetur. 
Felix  hie  lelicium       sortem  sorlietur.' 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       305 

Prodeuiit  et  prospere       portiis  obtinotur. 

156  Patet  über  exitus.       lociim  grex  explorat. 
Loci  planam  faciem      juge  ver  honorat. 

Et  ut  decus  expleam ,       locum  quod  decorat, 
Decus  que  Jedeceat       iiiiUa  re  laborat. 

157  Loco  leto  placidi       fructus  applausere 
Scalte  dicti.  quid  sit  id,       dicant  qui  novere. 
Moles  multa  friictuiim,       forma  quasi  spere, 
Color  nix  et  purpura ,       melque  sapuere. 

158  Turmas  tres  hie  denotanl.       primus  puerorum, 
Juvenum  est  medius,       sequens  seniorum: 
Paucis  intersticiis       chorus  preit  chorum. 
Cedunt  lac  nix  lilia       forme  singulorum. 

159  Gloriosus  glorie       cultus  sit  ut  testis, 
Alba  munda  bissina       primos  vestit  vestis: 
Vestis  vos  jacinctina,       qui  primis  subestis. 
Ultimi  dalmaticis       nitent  ostro  textis. 

160  Horis  diurnalibus,       hora  vespertina, 
Horis  noctis  celebrant       cantica  divina. 
Alternatim  concinunt,       vox  est  hiis  Latina. 
Cantus  horum  terminat       hora  matutina. 

161  Nocte  nubes  insulam       texit  totam  tola 
Lucens  sie  ut  fervidi       solis  solet  rota. 
Choris  fit  latibulum       nubis  lux  adniola. 
Sonat  sie  latentium       palam  vox  devola. 

162  Splendor  cum  clamoriltus       finit  facto  mane, 
Et  tunc  agnum  immolaut       gentes  insulane. 
Garne  se  comunicant       tanquam  sacro  i)ane 
Confitenles  fidei       sacra  Crisliane. 

163  Dehine  duo  medium       sunt  egressi  chorum. 
Plenus  scaltis  cophinus       onus  est  eorum. 
Cum  hiis  verliis  onerant       navem  nionacliorum 
'Sumite  de  fructibus       fortium  virorum. 

164  Nostrum  nobis  reddite       nostri  civem  chori. 
Ejus  noslra  palria       finis  est  iabori. 

Nota  mutet  exleris,  set  spe  meliori.' 

Jubel  fratri  senior,  paret  seniori. 

165  Tunc  sie  senex  'lelix  es       ({uem  sie  sors  beavit. 
Felix  qui  te  genuil,       felix  que  lactavil. 


306  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

Nostri  memor  valeas!'       vale  resignavit 
Et  ilans  suis  osciila       statum  hie  firniavit. 

166  Fratres  dum  hinc  navigant       horam  circa  nonam, 
Jussu  senis  perferunt       scallas  ad  annouam. 
Uiiam  senex  exprimens       (nee  hoc  extra  ponam) 
Succi  hiue  ehcuit       unam  Ubrani  bonam. 

167  Dividens  per  uneias       Ubram  nianus  senis 
Suos  omnes  reficit       unciis  bis  senis. 

Bis  sex  dies  transigunt       scaUis  duodenis, 
Tamqiiani  melle  faucibus       ineessantur  plenis. 

168  Que  predicta  mansio,       qui  vel  unde  chori, 
Ut  qui  hie  an  debilum       sit  hie  eis  niori, 
Nee  sequenti  cognitum       lego  nee  priori. 
Hec  ad  summam  legere       salis  sit  lectori. 

169  Hec  Romanus  preterit,       inserit  Latinus. 
Quod  vicissim  disserunt       dissona  phis  minus, 
Certent  inde  judiees .       transi ,  nostra  pinus , 
Vehere  qua  precipit       ille  vir  divinus. 

170  Currunt  hiis  miracuHs       naute  stupefaeti. 
Teri'am  e  vestigio       vident  et  sunt  naeti. 
Post  quietem  iterum       inquiete  tacti. 
Opprimit  inopia,       venti  sunt  abstracti. 

171  Senex  instat  monitis,       deus  suffragatur. 
Behie  pars  lacere       prope  nans  speetatur. 
Locis  in  hiis  inopes       copia  solatur 
Lignis  foco  congruis,       aqua  que  bibalur. 

172  En  natans  pars  behie       senis  ad  condictum 

Quo  tres  menses  transigant       cedit  hiis  in  victum; 
Sic  egestas  transtuht       infas  maledictum. 
Sic  muniti  transeunt       novum  ad  eonflictum. 

173  Gripes  hos  insequitur,       res  prodigiahs, 
Factum  pennis  animal       corporis  ferahs. 
Rostro  (|uam  sit  horridum       unguibus  et  aUs, 
Expressurus  reprimor       ad  hoc  inecjualis. 

174  Jam  extentis  unguibus       vacet  ut  rapine, 
Ut  carinam  transferat       onus  et  carine, 
Mors  vicina  resiht       opis  vi  vicine. 
Draco  ratem  eruit       gripem  dans  ruine. 

175  Draco  minor  corpore       gripem  est  aggressus. 


DES  ALTFRANZ.  CxEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       307 

Sonat  aer  pulsibus,       dirus  lit  congrcssus. 

Fert  el  infert  hie  et  hie,       premens  et  oppressus: 

Set  in  prelis  prevalet       serpens  imlefessus, 

176  Ictibus  fetoribus       morsibus  serpentis 
Gripes  vietus  periit       mersiis  in  fluentis. 
Draco  victor  abiit.       pax  fit  hie  detentis. 
Suos  sie  solatus  est       deus  in  lamentis. 

177  Dantes  deo  gloriam       dum  feruntur  mari, 
Venerat  festivitas       Cephe  deo  cari. 
Festuni  hoe  festivius       instant  venerari. 
Senex  eunctis  altius       cepit  modulari. 

178  Tune  hü  'moderatius ,       pater,  modulare! 
Specuh  perspieui       formam  fert  hoc  mare. 
Pisces  hie  perspicimiis  ,    proniptos  impugnare. 
Festem  et  pestiferos       siste  siiscitare. 

179  Sunt  enormes  corpore,       truculenti  vultiis. 
Siste  nc  prosihant       tuos  ad  tumultiis!' 
'Sie  sie'  inquit  'sapere       sapor  est  ineultus. 
Tumidos  non  timeo       deo  duce  fultus. 

180  Tot  malorum  meinores       si  res  retinetis, 
Deum  hiis  non  defore       eredere  debetis. 
Psalhte  sonorius,       nichil  formidctisl' 
Resonant  et  resonat       circuniquaque  Thetis. 

181  Mira  res:    pestileri       pisces,  immo  fere 
Agnis  non  inmitiiis       rati  sc  junxere. 
Celehratis  laiidibus       (piibus  applausere, 
Mites  ut  accesserant,       mites  reeessere. 

182  Procedcntos  advene       flamine  secundo 

En  eohnnpnaiii  denotant       sitam  in  profimdo 
Contendentem  nul)ibus       equoris  de  fundo, 
Eqnum  est  si  maxinnnn       ei  preciuni  do. 

183  Tota  vel  jacinctina       vel  est  sapinrina. 
Ornat  eins  anibilum       aurea  eortina. 
Hiijus  oram  terminal       l'aeies  marina. 
Senis  ad  inipcrinni       nieal  huc  carina. 

184  Maehine  mirabihs       intra  velamentum 
Are  slat  smaragdine       noiiile  porlcntum. 
Sardius  sacrarii       slruit   (»rnamenlinn  , 
Lapis  caleedonius       lotnni  pavimentum. 


308  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

185  Ars  que  talem  macliinam       taliter  erexit. 
Ex  hac  trabes  aiireas       machiiia  provexit. 
Berillinas  lampades       trabilnis  impressit. 
Homo  si  hec  coiulidit,       hominem  excessit. 

186  Tridui  per  spacium       naute  substitere.  fol.  7 
Missas  ibi  celebrant.       gaudent  liec  stupere. 

Ad  hec  senex  'dya  sunt       hie  secreta  vere. 
Mora  jam  noii  expedit.'      jiissit,  abiere. 

187  De  diviiia  machina       cultum  ad  divinum 
Senex  inde  cahcem       tuUt  cristaUinum. 
Ausum  hunc  non  reputes      rapere  corvinum. 
Ausum  est  hoc  hcite       deo  cor  vicinum. 

188  Multa  jam  muhaverat       crux  Hybernienses , 
MuUa  jam  stupuerant       per  tarn  muUos  menses: 
Set  hiis  succedentia       rite  si  recenses, 

Erras,  succedentibus       ea  si  compenses. 

189  Int  er  tot  discrimina,       tot  objectus  ire, 
Angi  cursu  poterant,       non  hunc  fastidire. 
Nee  proponunt  sistere       neque  revenii-e 
Donec  eis  suam  spem       sors  del  i-eperire. 

190  Vectis  inde  longius       nox  iucumbit  ipsis. 

Cum  sol  nondum  occidat,       cum  non  sit  eclipsis, 
Locus  hiis  oboritur       tamquam  de  abyssis, 
Locus  fedus  nebuUs       fetidis  et  spissis. 

191  Fetet  magis  a  longe       mota  quam  lacuna. 
Non  hie  sol  irradiat,       non  dat  himen  kina. 
Rehictantes  invehit       sors  huc  oportuna. 
Sors  est  disposilio       dei,  non  forluna. 

192  Vetus  deo  preside       vehit  eo  ralem. 

Latet,  quid  hie  lateat       fratres,  non  abbatem. 
Fratribus  commemorat       precum  sanctitatem 
Precibus  ut  muniat       hanc   necessitatem. 

193  Signo  crucis  omnibus       undique  munitis 

Per  hec  et  hec  innuit,       quod  hie  lares  Ditis, 
Quod  hie  lares  lateant       turbinis  et  litis, 
Ignis  liuni  irigoris       fletus  famis  sitis. 

194  Ve  ve  vita  sordida       sorlem  hanc  sortitisl 
Sortem  quam  sors  exeril       hiis  Israelilis 
Oua  marcescunt  anime       locis  in  ignitis, 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN      309 

Ubi  finis  demelil       nietis  infiuitis. 

195  Quo  vehuntur  propius,       vident  plus  lameiiti. 
Stridor  ihi  dentium       luctu  cum  ingenli, 
Sciutillaruui  graudines,       vermes  violenli, 
Muimur  terror  touitrus,       conhurentes  venli. 

196  Ibi  uox  pal|>abilis,       loca  larvis  plena, 
Morte  non  marccntium       vennium  venena, 
Quibus  non  est  trucior       leo  vel  leena. 
Ibi  desperatio       pejor  omni  pena. 

197  Stantes  in  conlinio       tenebrosi  nwnlis 
Tetrum  quendam  denotant       civem  Acberontis. 
Hunc  emisit  puteus       infernalis  i'ontis 
Obstet  ut  insüutibus       ira  dira  sontis. 

198  Turpis  ille  peslifer       tur])ior  i)eccatis 
Asiat  niinax  malleo       gravis  quantitatis 
Et  quos  videl  cominus       invidol   renatis. 
Concipit  et  parturil       opus  pravitatis. 

199  Resilit  et  advebit      laminam  ardentem 

Et  advectam  proicil  in  invisani  geutem. 
Set  delusit  lamina  laminam  mittentem. 
Transit  hos  transiliens       aquani  in  (luentem. 

200  Mira  lex  conlrariis       est  in  elementis. 
Cedit  extinguibili       virlus  extinguentis. 
Ardet  contra  solitum       ignis  in  fluentis, 
Ac  si  flannnam  stupeis       lovcas  lumenlis. 

201  Terga  verlunl  advenc       sediJius  inpuris. 
Tristes  buc  res])iciunt       moli  tut   pressuris: 
Moti  tot  borroribus,       locis  lam  obscuris, 
Animarum  planctibus,       demonum  tiguris. 

202  Est  accensiis  ilico       totus  locus  ille. 
Fuco  fedant  aerem       liunus  et  scintille. 
Ejulant  in  ignibns       ululantes  mille. 
Ventus  naiitas  i»i'ovehit,       abeunt  tranquille. 

203  Mane  nautis  itcrum       locus  est  olTusus, 
Mire  celsitudinis       (pialcni  noscit   usus, 
Pi'imo  non  (bssimilis,       turpis  et   conlusus, 
Tenebris  telerrimis       undiipie  profusus. 

204  Eo  dum  apr()|iianl       puls!  vi  ventorum, 
Exilil  et  de[ieril       unus  monacliorinn. 

Z.  f.  D.  A.  neue  folge  IV.  21 


310  LATELMSCHE  ÜBERSETZUNG 

'Hec  est'  inqiiit  'iiltio       scelerum  meoriim. 
Horum  mea  scelera       causa  sunt  dolorum.' 

205  Seni  post  hoc  patuit,       quis  sit  rei  finis. 
Qiiibus  ve  predixerat       iiniis  est  ex  biais. 
Vidit  eiim  gemere       locis  in  vicinis, 
Predam  factani  miseram       denionum  rapinis. 

206  Cedunt,  cedit  nubilum.       loci  vident  slatiim. 
Fimdum  vident  baratri       niisquam  terminafiim, 
Cujus  liber  aditus ,       hyans  os  et  latum , 
Ampla  nimis  man^o       non  dans  remeatum. 

207  Picem  hie  cum  sulfure       vident  ebulhre, 
Piceas  sulfureas       tlammas  sursum  ire, 
Ad  superna  teudere,       dehinc  resihre. 
Mala  plura  plurimis       vident  hie  sevire. 

208  Vident  in  periculis       modum  deperire, 
Mala  non  quiescere,       finem  non  subire, 
Seniper  cruces  premere.       semper  eque  dire. 
Cum  sie  verba  terreant,       quid  est  hie  sentire! 

209  Hinc,  Brandane,  transiens       mare  dum  scrutaris, 
Signo  crucis   singulos       armas  et  armaris. 
Locum  ad  hec  conspicis       intra  sinum  maris. 
Volens,  quid  sit,  noscere       jubes,  huc  veharis. 

210  Rupes  ibi  cernitur,       rupis  supra  pinnam 
Nudus  quidam  sortiens       sortem  inconcinnam, 
Culpam  dignam  planctibus       prosequens  mahgnam, 
Culpam  indignissimam       omni  planctu  dignam. 

211  Nudus  ibi  residet       herens  columpnelle. 
Heret  ei  firmiler       fretum  ob  rebelle. 
Panno  tectis  vuhibus       hie  potatur  feile, 
Felle  plus  quam  felleo       fluctus  et  procelle. 

212  Fluclibus  concutitur       ante  juxta  retro 
Subtus  et  superius.       pulsu  marcet  tetro. 
Ut  concludam  omnia       brevi  mensa  metro, 
Credo  mallet  mortuum       ferri  se  feretro. 

213  Clamat  in  angustiis       'Jesu  fili  dei, 
Jesu  spes  solatii ,       certe  fomes  spei , 
Si  non  licet  dicere       'miserere  mei', 

Est  vel  salteni  mihi  spes       parve  requiei. 

214  Jesu  fili  virginis,       fomes  spei  hone, 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN      311 

Quo  te  sponte  perditus       insequar  sermone? 
Negas  prout  merui       digna  ratione 
Me  vel  frui  reqiiie       vel  remissione.' 

215  Audieiis  ingemuit       senex  ad  lamenta, 
Quo  promoto  propius       mota  sunt  fluenta. 
Obligat  per  celica       reum  sacramenta, 

Dicat  quis  sit,  ut  quid  liec       patitur  tormenta. 

216  Seni  fluxo  lacrimis       mulo  pre  dolore 
Reus  referl  talia       voce  rauciore 
'Judas  vocor  traditor       pejor  traditore, 
Qui  peccavi  tradito       mundi  salvatore. 

217  Jesum  qui  denariis       vendidi  tricenis, 
Agno  libans  oscula       gravida  venenis : 
Cujus  ferens  loculos       darem  ut  egenis, 
Meis  magis  institi       lucris,  immo  peuis. 

218  Lucri  mei  gratia      justus  est  dampnatus. 
Flagris  spinis  colapliis       sputis  deturpatus, 
Innocens  cum  impiis       morti  deputatus, 
Dum  torari  pertulit       pedes  manus  latus, 

219  Dolui,  penitui:       set  infausto  fato 

Pejus  penitentia       peccans  quam  peccato. 
Fine  nunc  exlerminor       nunquam  terminato. 
Mortis  que  non  moritur       Status  in  grabato. 

220  Set  est  hoc  preludium       quod  hie  toleratur. 
Horror  hie  pro  requie       mihi  repulatur. 
Hie  post  nonam  sabbati       ludus  mihi  datur, 
Die  cum  dominica       semper  terminalur. 

221  Festa  malris  virginis       cum  plebs  veneralur, 
Pasche,  sancti  spiritus       festum  cum  novatur, 
Et  diebus  .sv.       Judas  sie  jocatur, 

Quibus  nataliciuni       Christi  celebratur. 

222  Demi)tis  hiis  temporibus       omne  tenqjorale 
Nulla  cum  temperie       mihi  lit  peuale. 
Penis  quibus  punior       punior  tam  male 
Ut  nil  sit  penalius       vel  nil  sit  ecpiale.' 

223  Senex  'die,  preludii       vices  post  presentes 
Quenam  tam  penalia       vel  quo  loco  temptes, 
Quamdiu  vel  qualiter       hec  vel  hec  frequentes. 
Exprimens  expressius       nil  ex  hoc  retentes.' 

21* 


312  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

224  'Prope  locum'  iuquit  'hunc       demones  sunt  siti,     fol.  8 
Non  in  loco  tarnen  hoc       visi  vel  audili. 

Lar  hiis  duplex  subjacet       situ  cum  immiti, 
Qui  non  cessat  pessimis       pessime  reniti. 

225  Lar  uterque  Stigius.       minus  lar  crudelis 
Cruciat  quos  cruciat       tot  et  tantis  prelis 
Ut  se  solos  estiment       reprimi  querelis, 
Hos  quos  is  non  reprimit       refici  medelis. 

226  Soli  mihi  misero       soli  datur  scire, 

In  quo  plus  deseviat,       in  quo  minus  ire. 
Singulos  vel  hie  vel  hie       jussus  est  punire: 
Cogor  preter  singulos       hunc  et  hunc  inire. 

227  Agil  aer  alterum,       alter  est  in  ymis: 
Fetens  hie  et  frigidus,       ille  calens  nimis. 
Hal)ent  mare  medium       ymus  et  subHmis. 
Mirum  quod  non  uritur       rogis  tam  opimis. 

228  Nox  cum  die  socia       mittit  me  superno, 
Eque  sum  in  infimo       rilu  sempiterno. 
NuUum  ad  solatium       vices  sie  alterno. 
Semper  eque  miserum       miserum  me  cerno. 

229  Nox  secunde  ferie       cum  dieta  tota 
Me  rotandum  elevat       in  ignita  rota. 
Ventis  volo  citius       rota  ventis  mota. 
Yolans  sum  et  revolans       requie  remota. 

230  Tercie  nox  ferie       tota   cum  dieta 

Me  trausmitlit  inferis  sitis  subtus  freta. 
Hie  in  valle  demoror  crucibus  repleta, 
Quibus  non  est  nee  erit       modus  sive  meta. 

231  Locor  hie  in  lectulo       ferro  compeditus, 
Tristes  mox  experior       requiei  ritus, 
Ex  acutis  stimulis       culcitram  sorlitus, 
Cum  phunbatis  rupium       onere  contrilus. 

232  StiHs  hie  ut  cernitis       totus  perforatus, 
Pice  quarta  feria       coquor.elevatus. 
Ignibus  tunc  terreor       posti  coartatus. 
Totus  ruhet  jugibus       tiammis  inflammatus. 

233  Tostus  sie  (Hutins       igne  duplicato 
Picis  inIrans  bahieum       coquor  iterato. 
Die  quarte  lerie       nocti  sociato 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  ALF  S.  BRAND  AN       313 

Sum  subjectiis  termino       tali   predicato. 

234  Possit  hiis  defieri       rigor  adamaiitis, 
Posset  insolubile       flammis  solvi  lantis. 
Solvere  dum  nequeiint       qui  nie  criiciant  hiis, 
Crucianles  cruciat       tenor  toleranlis. 

235  Illic  pice  perlitus       sicut  nunc  videtis 
Sternor  quinta  feria       scrobis  in  secretis. 
Arctor  hie  algoribus       et  tani  indiscretis 
Ut,  si  rursus  torrear,       vice  sit  quietis. 

236  Et  cum  rursus  torreor,       mallem  congelari, 
Tamquani  ad  solacium       optans  desolari. 
Sic  in  votis  dissidens       opto  sine  pari, 
Supra  modum  periens       plus  periclitari. 

237  Dehinc  die  Veneris       elevor  amare. 
Instant  tota  demones       pelle  nie  nudare, 
Säle  cum  fuligine       carnem  confricare 
Et  ignitis  sudibus       totum  couculcare. 

238  Jugiter  ut  jugibus  penis  serviatur, 
Pellis  mihi  jugiter  nova  reparatur. 
Una  die  decies       pellis  vellicatur 

Et  in  sale  totiens       caro  volutatur. 

239  Tunc  in  cupruin  fervidum       fervens  plumbum  bibo. 
Sic  me  sexta  t'eria       Tartaris  delibo. 

Sic  huc  usque  perii       pereo  peribo. 
Restant  adhuc  alia       (jue  non  preleiibo. 

240  Intro  die  sal)bati       locum  tencbraruni, 
Ilunc  si  dico  carcerem,       credo  dici  j>arum. 
Me,  quid  locum  memorem,       faciunt    ignarum 
Fetor  ineffabilis       et  par  fex  unibrarum. 

241  Cupri  potu  tumidus       obsitus  fetore. 
Virus  dum  non  evomo       nauseantis  ore, 
Volens  et  non  prevalcns,       tanto  sub  angore 
Mallem  rumpi  milies       quam  hoc  angi  inore. 

242  Cogor  die  sabbati       sie  sabbalizare 
Donec  centruni  teneat       sol  in  celi  lare. 
Tunc  huc  mittor  crucibus       cruces  commutare. 
Ilec  et  liec  et  hie  et  hie       cogor  i»<'rhennare. 

243  Ileri  posl  meridiem       hunc  ad  huiuni  veiii. 
Jam  ad  seram  demones       dement  nie  niilleni. 


314 


LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 


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Si  est,  ut  est  iitique       posse  lanto  seni, 
Vel  liac  nocte,  deprecor,       penas  meas  lenü' 
Senex  fletu  madidus       condolens  dolenti 
Causas  querit  lapidis       atque  tegumenti. 
'Dudum'  inquit  'dederam       tegmen  hoc  egenti. 
Miinit  hie,  in  inferis       nil  dat  munimenü. 
Hie  obsistit  fluclibus,       set  iion  ibi  penis. 
Agit  sie  de  sumptibus       sumptus  ahenis. 
Lapis  mihi  subsidens       tantis  trito  treuis 
Pons  est  cpiem  exstruxeram       locis  in  obscenis. 
Patuit  pericuUs       locus  pleniis  ceni. 
Pontem  hoc  de  lapide       construens  subveni.' 
Dixit  et  prosiliunt       demones  milleni 
et  minantes  seni. 
obstat  fides  sancti : 
obstant  rekictanti, 
precipit,  obstant  hü. 
cedunt  adjuranti. 


Arrepturi  miserum 
Rapitur,  protrahitur. 
Obstat  reluctantibus , 
Usque  mane  parcere 
Adjuratos  obligat, 


Usque  mane  sustinent       set  non  sine  minis. 
Mine  sunt  duplicibus       dandum  hunc  ruinis. 
Exorzizat  senior,       hebetatur  in  hiis. 
Mane  fit,  abripitur       et  bic  horum  finis. 
Nautas  idem  provehit       ventus  opportunus. 
Deo  dant  per  omnia       gratiarum  munus. 
Set  cum  sese  numerant ,       deest  ex  hiis  unus. 
Dubitant  an  vigeat       an  jam  fiat  funus. 
Senex  credo  celitus       inspiratus  de  re, 
Murmur  sedat.   monet  hos       sibi  precavere. 
'Sequens'  inquit  'duos  is       cessit  ut  cessere. 
Cessit  is  ut  meruit,       hü  ut  meruere.' 
Ad  hec  montem  denotat       intra  sinus  ponti. 
Navem  eo  dirigunt,       api)licant  se  monti. 
aditus  incompti. 

subit  hunc  insonti. 
hiuc  et  hinc  explorat 

rerum  quas  ignorat. 

noscere  laborat, 

habitus  colorat. 


Litus  erat  arduum , 
Senex  tarnen  aditu 
Solus  huc  ingreditur 
Suniat  ut  notitiam 
Dumque  res  incognitas 
Ecce  vir  quem  placidus 


253     Mox  Brandanum  advocans       nominat  expresse. 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       315 

Oscula  ilans  precipil       omnes  huc  adesse. 
Salutatis  assidel       pandens  siium  esse, 
Qiie  sors  eiim  fecerit       locis  hiis  inesse. 

254  Stupent  tarn  affabiles       hominis  alTatus, 
Stupent  quod  ab  eo  sit       quisque  nominatus. 
Stupent  vehementius       tegminis  ornatus: 
Nam  pro  vestis  tegmine       pilis  est  velatus. 

255  Pilis  incanuerat       candens  instar  nivis. 
Angelum  commemora,       vultum  scire  si  vis. 
Rite  si  perspiciat       gestum  viri  quivis, 
Dici  potest  angelus       vel  celestis  civis. 

256  Nautas  sie  alloquitur       'o  grex  cenobita, 
Ego  dicor,  ego  sum       Paulus  heremita. 
Hec  a  deo  recolo       loca  prefinita 
Tempus  omne  transigens       in  quietis  vita. 

257  Nutu  dei  uemora       locis  hiis  mutavi. 
Nonaginla  situs  hie       annos  consummavi, 
Deo  solo  preside       transportalus  navi. 
Nave  per  se  reduce       statuni  hunc  firmavi. 

258  Meis  in  primordiis       sie  sors  mihi  favil, 
Annos  per  bis  quindecim       luter  hie  me  pavit. 
Mihi  pisces  attulit ,       ligna  conportavit , 
Singulis  ebdomadis       vices  triplicavit. 

259  Collo  que  suspenderat       maris  purgamenta 
Focis  meis  intulit       arida  sarmenta. 

Sola  trium  piscium       largitas  optenta 
Pastus  atque  poculi       dedil  supplementa. 

260  Me  post  hoc  tricennium       bestia  non  vidit. 
Non  est  pulsa  tedio ,       mihi  non  invidit : 
Set  alendum  aliter       deus  me  j)rovidit, 

In  quo  fide  preditus  nemo  frustra  fidit. 

261  Dat  fons  indehciens  fontis  mihi  venam 
Mire  plenitudinis       aquis  solis  plenam. 
Sufficit  ad  prandium ,  suflioit  ad  cenam : 
Omnem  sitis  iNqtrimil       at(|ue  famis  penam. 

262  INichil  hie  contrarium       senlio  vel  specto.  fol.  V) 
Nil  ofTendil  animinn ,  (pio  me  cunque  llecto. 

Sic  advenlum  jiidieis       hylaris  expecto. 
Tunc  efflabo  spiritum       corpore  dejecto. 


316  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

263  Carnis  solvens  debituni       mox  resuscitabor. 
Dignuni  dignus  premiiim       mens  sumel  labor. 
Per  .XX,  sepcies       annos  hie  dilabor 

Ciirsu  vite  labilis       et  tiinc  consummabor. 

264  Convasare  laticem,       senior,  memento, 
Cedat  ut  inopia       copie  flueuto. 

.Lx.  foveor       annis  hoc  fomento: 
Ite,  moras  pellite,       date  vela  vento  I 

265  Hiiic  ad  Eden  Iransies       sedem  prothoplasli, 
Quo  jam  per  septennium       cursiim  destinasti. 
Set  vos  via  revehet       priiis  maris  vasti 

Ad  euni  sie  obiter,       per  quem  estis  pasti. 

266  Previum  sequimini,       previo  parete! 
Iter  vobis  prosperum       deus  det !  valete !' 
Eunt.  obstat  nubihim :       itur  minus  lete. 
Dies  cene  domini       dant  hune  eursum  mete. 

267  Ceua  loeo  sohto,       sie  et  jus  Pasehale, 
Sie  et  sancti  spiritus       fit  memoriale. 
Cuique  suum  solvitur       debitum  locale. 
Tolum  fit  septennium       taliter  equale. 

268  TeUus  dum  hiis  avium       moram  dat  de  niore, 
Solvitur  obsequium       a  proereatore. 

Pius  ille  dapifer       sedulo  labore 
Preparat  itineri       que  seit  opus  fore. 

269  Cursum  cohors  arripit       sequens  servientem. 
Navem  intrant,  pariter       perarant  tridentem. 
Vehim  vento  pandilur,       pandunt  deo  mentem. 
Deo  navi  preside       pefunt  orientem. 

270  .XL.  transilo       lermino  dierum 

Nil  oeeurrit  eursui       discors  aut  austerum: 
Et,  ut  naulis  paluil       novum  per  nauelerum, 
Prope  sunt  misteria       fulurarum  rerum. 

271  Ineidunt  cahginem,       cujus  fucus  tantus, 
Quantum  non  eommemorat       fabula  vel  cantus. 
Decidit  hylaritas,       oriuntur  planctus: 

Set  solatur  oninia       proeurator  sanctus. 

272  Erat,  ut  is  docuit ,       l'uciis  tarn  invisus 
Claustrum  quo  concluditur       virens  paradisus: 
Ut  hune  ortum  appetens       fuco  sil  relisus, 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRAISDAN       317 

Ducat  et  in  deviuin       hiic  inlrandi  iiisus. 

273  Digna  post  solacia,       monita  post  grata 
A  diictore  previo       condiiceiulis  data, 
Intrant  in  caliginem,       via  quedam  lala 
Per  tres  dies  teritur,       quarto  terminata. 

274  Densa  de  caligine       cum  prodirel  prura, 
Fulgidis  in  linibus       tinit  vie  mora. 
Murus  hie  apparuit       petens  celsiora, 

Cui  si  nivem  compares,       nix  est  indecora. 

275  Basis  mons  vicarius       siistinens  archana 
Totus  est  marmoreus.       aurum  sunt  montana. 
Muri  tota  machina       lenis  atque  plana 

De  qua  sit  materia,       nescit  mens  humana. 

276  Procul  in  campestriinis       maris  cedit  unda, 
Muri  circumstantia       sit  ut  tota  munda. 
Alas  pulsat  nubium       muri  dos  jocunda, 
Gemmis  instar  siderum       piacide  feeunda. 

277  Jaspis  hie  fantasmatum       viret  in  terrorem, 
Ametislus  roseum       innovat  ruborem. 

Ilic  jacinctus  duplicem       paudit  celi  morem, 
Crisoprassi  variat       auri  dos  virorem. 

278  Hie  jus  Dyonisia       Bacbicum  reponis: 
Hie  pantera  pugili       vires  dans  leonis, 

Hie  smaragdus  previrens,       unguem    sequens  o|nix, 
Tinniens  caleofanus,       trieolor  sardonix. 

279  Divi  calcedonii       corpus  hie  inniitc, 
Dos  pedorus  dubia     comes  margarite. 
Noctis  sol  carbuncuhis       decus  trogodite, 
Hie  elyolropia       prolongalrix  vite. 

280  Hie,  alliestos,  ignibus       non  premendis  patcs. 
Rubet  hie  eoralhus       lerrens  tempeslates, 

Hie  saphiri  gloria,       satus  hie  gagafes, 
Pangrus  vullu  muUiplex       et  magus  achates. 

281  Hie,  berilli  pallidi       viror  lente,  nites, 
Hie  prophele  subdilus       lingue  eelonites. 
Hie  cum  sadda  naulica       redolens  mirrites, 
Licnis  se(juax  sueeini,       lune  silenites. 

282  Hie  Ideus  daetilus       polliei  cognatus, 


318  LATEINISCHE  ÜBERSETZUNG 

Hie  Peantis  scrupulus       gravidate  gratus, 
Purpurans  ceruleum       cianea  latus, 
Asterites  foris  nix       intus  est  stellatus. 

283  Hie  enidros  effluens       fontis  in  natura, 
Pupula  bellocolus       albens  eum  obscura, 
Crisolampsis  auri  nunc,       ignis  nunc  figura, 
Latebris  optallius       furis  fovens  jura. 

284  Hie  Medee  media       croeei  sudoris, 

Hie  murrina  soboles       estus  et  bumoris, 
Ferri  rapax  adamas       cassaus  vim  sculptoris, 
Par  magnetes  raptibus       roboris  minoris. 

285  Hie  pirriles  taetui       minax  vi  flammarum. 
Hie  ecbites  comodus       nidis  aqu darum, 
Geratbites  abigens       impetus  muscarum, 
Pigarea  eara  res       generi  ferarum. 

286  Hie  oryles  peliei       spes  sterilitatis , 
Ematbites  visibus       salus  hebelatis, 
Sanguiuem  eorarius       sistens  desperatis , 
Non  calens  gelacia       flammis  cumulatis. 

287  Carus  bie  topazius       reges  ornalurus, 
Felix  bie  erisolitus       aurum  equaturus: 
Hie  cristallum  induit       aque  eolor  purus. 
Omni  dote  gemmea       nitet  ille  murus. 

288  Haue  nature  fabrieam,       miram  baue  structuram 
Curans  digne  pandere       vanam  geret  euram. 

Si  quam  sequor  fovet  bie       veri  jus  seripturam, 
Posse  quod  bie  potuit       mirum  est  naturam. 

289  Pretermitto  pluria       dici  que  deeeret. 
Inops  tot  pre  eopiis       stilus  mens  beret. 

Et  si  non  per  previum       nautis  hoc  pateret, 
Paradisum  situm  bie       situs  bie  doeeret. 

290  Nautis  bee  stupenlibus       nondum  naetis  portum 
Dirum  et  terribile       quiddam  est  obortimi: 
Janue  vestibuluni       borrcns  et  distortum 
Minal)alur  inbibeus       aditum  ad  ortum. 

291  Hie  draeones  ructuant       ignium  furores, 
Aljsque  fere  furie       feris  feriores: 
Flammeus  versatiHs       ensis  ante  fores 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       319 

Fendilins  in  aere       cumulat  terrores. 

292  Verso  pessum  cuspide  riguit  siispensus 
Aeris  non  modicuni  spatium  dimensns. 
Riguit  in  aere       taliter  extensus, 

Ex  quo  pomi  morsibus       deus  est  offensus. 

293  Naulis  ad  hec  celitus       tutor  est  induUus. 
Tutor  adest  juvenis       cujus  decor  multus. 
Hos  ad  portum  invocat       letos  ferens  vultus. 
Fiunt  niox  ad  januam       resides  tumultus. 

294  Crux  draconum  residet,       gladius  quiescit, 
Angelus  adveniens       gladium  compescit. 
Tutor  qui  perlerritis       obvium  se  gessit 
Salutalis  omnihus       previus  processit. 

295  Intrant  illo  previo       locum  voluptatis, 
Locum  bonis  i)reditum       et  non  citra  satis, 
Ligno  solo  saltibus       aquis  aura  pratis, 
Quibus  nichil  deerat       generositatis. 

296  Ligna  fructus  decoral,       solum  sanus  situs, 
Sallus  dos   venantiuni       avium  garritus, 
Aquas  latex  liquidus       lacteus  mellitus, 
Piscium  meatibus       satis  insignitus. 

297  Aura  leni  sibilo       tempus  novat  vernum : 
Et  ut  verum  fatear,       ver  est  liic  eternum. 
Hie  pratorum  gloria       gaudium  per  ternuni: 
Virens  florens  redolens       babent  jus  supernum. 

298  Odor  florum  frucluum       arboruin  berbanun, 
Tago  fluctus  induens       aurum  liarenarum, 
Humi  sparsa  rutila       sidera  gemmarum 
Addunl  indicibile       jus  deliciarum. 

299  Non  hie  asper  earduus       ranqmus  vel  Urtica, 
Non  infelix  lolium       pululans  cum  spica, 
Arborum  vel  olerum       non  stirps  ininiica: 
Queque  sunt  hie  eonsona,       quequc  sunt  apriea. 

300  Non  hie  estus  ingruit       yml)er  vel  lenqHslas.     fol.  10 
Fami  siti  frigore,       sors,  hie  non  inl'estas. 

Adam  nisi  ruerel       manus  per  incestas. 
Esset  liorum  oninium       omnibus  poteslas. 

301  Eden  digne  pingere       vanuni  est  conari. 


320  LATEINISCHE  LBERSETZUNG 

Stillas  paucas  exLraho  de  tarn  magno  mari. 
Que  qiiot  qiianta  qiialia  constat  hie  servari, 
Nemo  seit  viventium       vel  hoc  sciunt  rari. 

302  Videns  tot  delieias       hie  deliciari, 

Dum  viilt  hiis  morosius      abbas  immorari, 
Moras  rupit  jiivenis       ille  vultus  clari. 
Montem  scandens  jnbet  hiinc       sibi  sociari. 

303  Mons  cipressis  consitus       Libano  cognatus 
Dum  hos  simul  detinet,       Stupor  subit  gratus: 
Angelorum  placidas       spectant  comitatus, 
Melos  modulantium       miri  modulatus. 

304  Jubihs  mirifieis       gestus  et  hympnorum 
In  advenlu  jubilant       hospitum  novorum. 
Multiludo  maxima,       summus  decor  horum. 
Hos  sortiri  socios       esset  dos  regnorum. 

305  Tunc  sie  seni  juvenis       hee  et  hee  stupenti 
'Quicquid  est  ulterius       est  in  exeellenti. 
Estis  ad  hoe  impares       corpore  detenti. 
Modum  vestrum  superat.       silis  hiis  eontenti. 

306  Tecum  tuos  monachos       reduc  reversurus, 
Caro  quod  non  sustinet       spiritu  visurus. 
Hee  te  manent  gaudia.       refer  te  securus. 
Hinc  es  summo  judici       letus  occursurus. 

307  Eece,  quam  cupieras       gloriam  vidisti. 
Cor  et  Visum  duce  me       placide  pavisti. 
Hos  asporta  lapides:       lapides  sint  isti 
Signa  tot  insiguium       quibus  astitisti.' 

308  Tulit  ergo  lapides       precii  beati. 
Sustinet  hie  dapifer       diem  sui  fati. 
Ratem  duce  juvene       repetunl  prefati. 
Orat  nautis  prospera ,       benedicit  rati. 

309  Juvenis  post  mutuum       rediit  valeto. 
Currunt  ad  Hyberniam       naute  eursu  leto. 
Nonduni  triuni  mensium       termino  completo 
Ad  suoruui  tinium       veniunt  aveto. 

310  Suuni  patris  reditus       hilarat  conventum. 
Hylaralur  patria       patris  ad  advenlum. 
Seriatim  exerit       quicquid  est  obtentum 
Multis  ex  hae  serie       dans  emolumenlum. 


DES  ALTFRANZ.  GEDICHTS  AUF  S.  BRANDAN       321 

311     Complens  vite  termiiuiin       ille  Nazareus 
Pius  pio  transitu       factiis  est  Hebreus. 
Cujus  piis  meritis       nobis  parcat  deus! 
Vigeal  et  valeat       Alexander  meus  I 

Von  jüngerer  hand:    Expliciuut  actus  sancti  Brandani. 


ThWright  encälmt  in  der  vorrede  zu  den  altenglischen 
bearbeitungen  der  sage  vom  h.  Brandan  (London  1844,  Percy 
Society  xlviij)  jj.  v  eine  lateinische  metrische  Übersetzung  des  alt- 
franz.  gedichts ,  welche  sich  in  ms.  Cotton.  Vespasian.  D  ix  befindet, 
diese  handschrift  in  klein  quart  ist  aus  pergament-  und  papier- 
bldttern  zusammengesetzt:  erstere,  fol.  \ — 10,  213 — 218,  von 
derselben  hand  des  xiii  oder  xiv  Jahrhunderts  beschrieben,  haben 
beide  male  2  spalten  auf  der  seite  zu  je  32,  von  fol.  4  ab  zu 
34  Zeilen,  auf  fol.  2 — 10''  steht  die  vita  sancti  Brandani  —  so 
von  späterer  hand  betitelt  — ,  ein  gedieht  in  gereimten  quatrains 
von  catalectischen  tetrameteni,  jedes  quatrain  durch  abwechselnd 
rote  und  blaue  initialen  bezeichnet,  auf  fol.  10'"  folgt  von  andrer 
hand  ein  fragmenl  in  distichen;  213 — 218''  steht  eine  vita  SAlexii 
in  derselben  form,  das  erste  der  186  quatrains  beginnt  Multi  post 
doniinice  tempus  passionis  Deaurabaut  faciem  Jovis  aul  Junonis. 
aus  der  hs.  251  in  folio  der  Leipziger  Universitätsbibliothek  hat 
dies  gedieht  Leyser  in  den  Altd.  bll.  2,  21^  ff  herausgegeben, 
unser  gedieht  auf  SBrandan  steht  aber  einer  mitteilung  des  hm 
dr  \V Braune  zufolge  nicht  in  der  hs. 

Der  Brandan  ist  für  einen  Alexander  geschrieben  (1,  4.  311, 
4),  wahrscheinlich  einen  jungen  vornehmen  geistlichen  (pius  signifer 
4,  1).  der  verfa/'ser  war  wol  ein  Franzose:  dafür  spricht  schon 
der  Wortschatz  (sullevate  66,  1,  presto  suni  76,  3,  reclamate 
84 ,  1 ,  elongafani  85 ,  2  na.)  sowie  ein  teil  der  ungenauen  reime 
(16  patre:  matre:  grale:  imperate,  24  inspirante:  sancle:  ante: 
tanle,  cf  44.  137.  271,  28  felix:  loquelis:  fideUs:  celis ,  cf.  63. 
278,  67  labescit :  succrescit:  decessit:  spessit,  cf.  294,  159  testis: 
veslis:  subeslis:  textis,  182  secundo:  profundo:  de  lundo:  pre- 
cium  do ,  185  erexit :  provexil :  impressil:  excessit ,  190  ipsis: 
ecHpsis:  abyssis:  spissis,  210  pinnam:  incuncinnam:  nialignam: 
dignam,  234  adamanlis:  tantis:  cruciant  hiis:  lolerantis,  247 
sancti:  reluctanti:  obstant  bii:  aspiranti ,    248    ininis:   ruinis:  in 


322  S.  BRA^DA^ 

hiis:  finis,  251  poiiti:  nionti:  incompti:  insonti,  cf.  234).  aus- 
drücklich gibt  (kr  verfafser  str.  8  als  seine  quelle  das  alte  franz. 
gedieht  an,  welches  für  Äah'z  gemahlin  Heinrichs  i  von  England 
um  1122  verfafst  ist  und  in  ms.  Cotton.  B  x  vorliegt:  meine  ab- 
schrift  dieses  gedichtes,  das  hr  GParis  herauszugeben  beabsichtigt, 
bestätigt  die  angäbe  des  bearbeiters.  mit  welcher  freiheit  er  jedoch 
sein  original  erweiterte,  davon  gibt  die  auch  sonst  merkwürdige 
beschreibung  der  edelsteine  in  der  paradiesmauer  ein  besonders 
deutliches  beispiel.  den  lateinischen  Strophen  211 — 2S7  stehn  im 
französischen  die  verse  1679  — 1690  gegenüber:  Mais  les  genimeg 
fiint  grant  luiirs  Dum  piirplanlez  esteit  li  murs.  As  gutes  d'or 
grisolites  Miilt  i  aveil  [e  einzuschalten'?]  d'isselites.  Li  murs 
flammet  tut  a  lirase  De  topaze  grisoprase  De  jargunce  calcedoiue 
De  Smaragde  e  sardoine.  Jaspes  od  les  ametisles  Forment  luisent 
par  les  listes.  Li  jacinctes  clers  i  est  il  Od  le  cristal  e  od  le 
birih  daneben  erwähnt  der  Übersetzer  die  lateinische  {prosaische) 
behandlang  der  sage  \ind  fügt  daraus  die  episode  von  den  scalten 
153,  1 — 169,  4  ein,  an  ungeeigneter  stelle,  mitten  in  der  erzählung 
von  dem  wallfisch,  der  erst  die  Seefahrer  bedrohte,  dann  ihnen  zur 
speise  diente;  die  lat.  prosa  {ed.  Schröder,  Erlangen  1871  p.  23, 
10 — 25,  2)  gab  zu  dieser  Verwirrung  keinen  anlafs. 

Bei  der  herstellung  des  textes  hat  mich  ESteinmeyer  freundlichst 
unterstützt.  83,  3.  4  sind  in  der  hs.  vertauscht;  127,  2  ist  victum 
weggelafsen,  297,  2  ut.  12,  4  steht  prestat ,  63,  2  Cläre,  76,  4 
azini,  84,  3  vix,  233,  4  terminus,  260,  4  perditus,  273,  2  pervio, 
281,  2  prophetes,  281,  4  sequar,  282,  4  slellestatus,  284,  4 
magretes,  298,  3  sparsi.  137,  2  war  Ovium  zu  lesen,  172,  3 
in  las  zu  trennen,  der  edelsteincatalog  erklärt  sich  aus  Plinius 
h.  n.  37  und  Albertus  Magnus  Über  mineralium:  vielleicht  sollte 
280,  4  stehn  Panchrus,  281,  4  Lincis  sequax  succinum,  282,  2 
gravidati,  286,  3  carneolus.  rätselhaft  sind  mir  279,  2  pedorus, 
285,  4  pigarea.  Steinmeyer  liest  78,  3  (insula  vocata)  und  vermutet 
27,  1  Hie,  168,  2  Liuqui  hie.  einige  glossen  können  den  sinn  von 
verbeßerungen  des  dichters  haben:  26,  4  prosequi,  66,  4  deicis  über 
proifis,  177,  2  Petri.  das  lesen  der  handschrift  ist  durch  die  überaus 
häufigen,  zum,  teil  nicht  eben  gewöhnlichen  abkürzungen  erschwert, 
durch  den  buchbinder  abgeschnitten  sind  die  versschlüfse  von  50,  4. 
51,  1.  3.    54,  3.    86,   1.    87,  3.    90,  3.   91,  2.    278,  3. 

Freiburg  i.  B.  ERNST  MARTIN. 


LATEIMSCHE  RÄTSEL  323 


LATEINISCHE  RÄTSEL. 

Inci'pit  propositimi  mimerantmm  ad  amendos  sens{us)  mu'e- 
mm)  .  .  Caput  xiiij  DE  QVODAM  PATRE  FAMILIAS  ET  TRI- 
RVS  PILUS  {am  rande  DE  AMPVLIS)  (^idam  pater  familias 
moriens  dimisit  in  eredilatem  tribus  üliis  suis  triginta  ampulas 
vitreas  quarum  decem  fuerunt  pleno  oleo  alie  decem  dimidie 
tercie  decem  uacue.  dividat  qui  posttest  oleum  et  amplas  ut  uni- 
cuique  eorum  de  tribus  fdiis  equaliter  obveniat  tam  de  nitro  quam 
et  de  oleo  ....  DE  DVORVS  HOMINIRVS  BOVES  DVCENTIBVS 
Caput  xnnj.  Duo  homines  ducebant  boves  per  viam  quorum  unus 
alteri  dixit  da  mihi  boves  duos  et  habco  tot  boves  qnot  et  tu 
habes.  at  ille  ait  da  mihi  inqnid  et  tu  duos  boves  &  habeo 
duplum  quam  tu  habes,  dicat  qui  velit  quot  boves  fuerunt  quot 
nnusquisque  habuit  ....  DE  LVPO  ET  CAPRA  et  fasciculo  cauli 
Caput  xxxvnij  Homo  ([uidam  debebat  ultra  fluvium  transire  lupum 
et  capram  &  fasciculum  cauli  et  non  potuit  aliam  navem  in- 
venire  nisi  que  {rest  fehlt). 

Aus  ms.  Argentoratensis  Sem.  c.  14.  15  (xi  Jahrhundert?) 
fol.  176  im  juli  1864  abgeschriebeil.  die  cursiv  gedruckten  stellen 
des  textes  waren  rot  geschrieben. 

ERNST  MARTIN. 


GABILUN. 

Die  lange  vermiste  sichere  auskunlt  über  dieses  tier  ist  jetzt 
von  Zacher  in  einer  anmerkung  zu  Martins  Gudrun  101,  1  ge- 
geben, die  verse  aus  dem  Minnefalkner  gehen  zunächst  auf 
Freidank  109,  14 f  und  weiter  auf  Plinius  zurück:  in  der  an- 
merkung zu  Freidank  gab  WGrimm  einige  belege  für  gamd- 
leon  die  im  mhd.  wb.  vollständig  widerholt  sind  und  fidn'te  ein 
par  verse  aus  Reinhols  Georg  an  die  auch  bering  Salamander 
maulwurf  und  gamaleon  zusammenstellen,  dieselben  vier  liere 
werden  im  Reinfrid  von  Braunschweig  26420 — 37  genannt,  und 


324  GABILÜN 

Boppe  erwähnt  MSH  2,  385''  unter  andern  unmöglichen   dingen 
die  seine  geliebte  fordert 

drie  fenix  mnoz  ich  mit  einander  bringen, 
der  niMwelf  sol  in  lüften  sweben, 

der  gamdleön  sol  niht  wan  der  erde  leben. 

der  hornig  sol  sich  [des]  vinres  nern, 
der  Salamander  sol  niht  tcan  daz  loazzer  zern. 
aus  dieser  stelle  ist  ein  rätselhaftes  wafsertier  entstanden  das 
aus  der  uaturgeschichte  des  mitlelalters  zu  verbannen  ist:  hornig 
verstand  vdHagen  MS  4,  697 "  nicht ,  und  es  fand  in  der  ele- 
ganteren form  hornec  aufnähme  in  die  mhd.  Wörterbücher :  Müller 
1,716.  Lexer  1,1341.  gemeint  ist  natürlich  der  einfache  hering 
und  hornig  ist  ein  schreib-  oder  lesefehler. 

Der  gewöhnliche  name  des  Chamäleons  ist  mhd.  gamdleön, 
welches  in  den  hss.  des  Freidank  vielfach  entstellt  ist.  der  form 
im  Minnefalkner  gabilön  und  in  der  Gudrun  gabelun  kommen 
am  nächsten  die  lesarten  von  Gg  in  den  beiden  stellen  des  Par- 
zival:  gabelun  gapilun  capelnn  chappelun;  die  beiden  letzten 
formen  stimmen  zu  capelün  im  Ruther. 

Im  Reinfrid  22522  f  wird  berichtet  dafs  der  gamaleon  seine 
eier  {eigen  bei  Bartsch  ist  sicher  druckfehler  für  eigcr)  auf  dem 
rücken  ausbrütet ;  noch  das  sog.  liederbuch  der  Hätzlerin  erwähnt 
das  leben  in  der  luft  2,  60,  104  so  fräet  in  den  lüften  sich  ga- 
molion  gen  meiner  icnnn.  die  beiden  stellen  des  alten  meister- 
gesangbuchs  (=  MSH  3,95''  106'')  die  WGrimm  zum  Freidank 
citiert  kennen  den  willkürlichen  farbenwechsel  des  Chamäleons; 
.3,95"  werden  von  den  vier  tieren,  die  im  gegensatz  zum  men- 
schen ein  einziges  dement  bedürfen,  nur  Salamander  und  Cha- 
mäleon genannt. 

OSKAR  JÄNICKE. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

Gramm,  iv  573ff  handelt  JGrimm  von  der  verwendnng  des 
schwachen  adjectivs  nehen  dem  snbstantiv  ohne  danebenstehenden 
artikel,  wovon  sich  heispiele  in  allen  dialecten  linden,  und  er 
meint  'der  bestimmte  artikel  sei  hier  gleichsam  ausgefallen,  seine 
würkung  auf  das  adj.  dauere  fort',  und  ferner  s.  576  am  ende 
'in  einigen  fällen  müfse  der  nicht  ausgedrückte  l)estinunte  artikel 
hinzu  gedacht  werden',  unter  allen  dialekten  ist  wie  JGrimm 
s.  575  gleichfalls  bemerkt  der  ags.  derjenige,  der  die  meisten 
belege  zu  der  genannten  ausdrucksweise  bietet,  und  untersuchen 
wir  einzelne  denkmäler  dieses  dialectes,  so  steht  der  Beövulf  mit 
der  zahl  der  heispiele  obenan,  weniger  finden  sich  schon  bei 
Cädnion,  noch  weniger  im  Andreas,  nur  zwei  in  Byrhtnöds  tod, 
gar  keine  in  den  der  Sachsenchronik  entnommenen  kurzen  ge- 
dichtcn  (zwei  scheinbare  siehe  später),  wie  diese  letzteren  ge- 
dichte  scheint  auch  die  prosa  diese  verbimlung  des  schwachen 
adjectivs  nicht  mehr  gekannt  und  dasselbe  ohne  artikel  etwa  nur 
noch  zum  possessivpronomen  gesetzt  zu  haben  wie  zb.  Job 
Älfr.  bei  Ettmiiller  Scöpas  and  böceras  s.  4,  30  mid  heorn  yl- 
(lestcm  bre^er,  welcher  Superlativ  aber  freilich  in  der  poosie  liberall 
nur  schwach  und  stets  in  Verbindung  mit  dem  art.  erscheint, 
eine  eingehende  betrachtung  des  schw.  adjectivs  in  <len  genann- 
ten gedichten,  zu  der  prof.  Müllenhoff  mich  veranlafste,  führte 
aber  zu  einer  von  der  Grimmschen  weit  abweichenden  Erklärung 
der  in  rede  siehenden  ansdrucksweise  und  zugleich  füi*  die  Ver- 
wendung der  schwachen  adjectivform  in  jenem  dialect  sei  es  mit 
oder  ohne  artikel  oder  in  jeder  sonstigen  Verbindung  zur  enl- 
deckung  eines  bisher  noch  nicht  beobachteten  gesctzes  von  wie 
es  den  anschein  hat  so  weittragender  bedeutung,  «lafs  von  ihm 
aus  sich  ein  ganz  neues  licht  über  das  wesen  und  vielleichl   auch 

Z.  f.  D.  A.  neue  fol-e  IV.  22 


326  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

den  Ursprung  der  schwochen  form  überhaupt  verlireiten  wird. 
diese  weiterführung  hehaUe  ich   baldigen    späteren   arbeiten  vor. 

die  Untersuchung  konnte  sich  auf  die  genannten  gedichte 
besclii'änken,  weil  eine  Verarbeitung  etwa  des  ganzen  Inhalts  der 
beiden  Greinschen  textbände  für  den  vorliegenden  hauptzweck 
verhältnismäfsig  nur  wenig  mehr  ausl^eute  gewährt  halien  würde, 
bei  ihrer  wähl  gieng  ich  von  dem  gesichtspunct  aus ,  denkmäler 
aus  verschiedenen  Zeiten  zusammenzustellen,  wenigstens  nach  den 
jetzigen  ansieht en  zeithch  getrennte. 

diejenigen  adjectiva,  die  nur  stark  oder  nur  schwach  flectiert 
erscheinen,  sind  fürs  erste  von  der  Untersuchung  ausgeschlofsen. 
vielleicht  ergibt  sich  eine  erklärung  für  diese  erscheiuung  später, 
es  sind  folgende  (vgl.  Gramm,  iv  519ff): 

1.  die  Ordinalzahlen  mit  ausnähme  von  ferest  das  nach  beiden 
declinationen  flectiert.  döer  ist  nur  stark  wie  got.  anßar,  die 
andern  nur  schwach  (vgl.  Gramm,  iv  523). 

2.  die  comparative  die  alle  schwach  gehen  (Gramm,  iv  519). 

3.  von  den  Superlativen  erscheint  yldesta  wie  bereits  er- 
wähnt nur  schwach  und  nie  ohne  artikel.  hindema  mit  der 
sansk.  ama,  got.  nma  entsprechenden  zweiten  superlativbildung 
kommt  nur  zweimal,  Beöv.  2049  (nach  Grein,  hier  wie  überall) 
und  2517  in  der  instrumentalen  formel  hindeman  s?öe  vor  (vgl. 
Gramm,  iv  520). 

4.  die  participia  die  nur  stark  flectieren  (vgl.  Gramm,  iv 
520.  523.  547).  zu  Substantiven  geworden  flectieren  sie  gleich- 
falls stark,  ausgenommen  nur  wenige  wie  Gen.  609  se  forhätena, 
d.  i.  der  teufel. 

5.  Beövulf  hat  fast  durchweg  den  schwachen  instrumental 
im  Singular,  für  den  starken  sind  nur  folgende  belege:  922 
getrume  mide.  —  21S1  nuüste  cräfte.  der  schwache  instrumental 
midan  scheint  überhaupt  nicht  vorzukommen,  weder  nach  meinen 
beol)achtungen  noch  nach  Grein,  wenn  der  letztere  im  glossar 
zu  mkel  Kr.  102  mid  his  midan  mihte  unter  den  instrum.  auf- 
zählt, so  kann  sich  das  nur  auf  die  bedeutung  beziehen,  ganz 
falsch  steht  gleichfalls  als  instrum.  citiert  der  dativ  Exod.  275 
mid  Jxere  midan  band,  aufser  den  beiden  genannten  finden 
sich  im  Beöv.  von  stets  stark  flectierenden  adj.  pron.  2667  ealle 
nuigene  und  mehrmals  von  min  in  der  formel  mine  yefrwge,  so 
wie  von  ööer:    obre   s/be.    in  der  Genesis    ist    es    anders,     zwar 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  327 

überwiegt  bei  den  beider  llexioneu  fähigen  adjectiven  die  schwache 
form,  aber  die  beispiele  der  starken  form  zeigen,  dafs  sie  noch 
ziemlich  lebendig  war.  wir  flnden  da  stark:  44  7'edde  lege.  — 
5S  torhte  tire.  —  72  svearte  si^e.  —  1102   mid  grimme  gryre. 

—  19Qb  Jjrymme  micle.  —  2093  lytle  verede.  —  2492  rc9e  möde. 

—  daneben  wider  1878.  2393.  2629  öcire  si^e.  2726  ö9?e  vorde. 

—  197  incre  cyune.   854  neöde  sine.  —  1534   eövre  fromcynne. 

—  1917  pine  möde.  schwach:  1379  vonnan  vtege.  —  1484 
hdigan  reorde.  —  1555.  1886  nivan  stefne.  —  2296  gledvan 
sprwce.  —  2731  hvitau  seolfre.  —  2857  sveartan  lige.  —  2865 
gnvgan  sveorde  und  einmal  mit  dem  artikel  1324  eorhan  Urne 
gefdstnod  —  py  seleslan.  im  Beövulf  ist  die  zahl  mehr  als 
doppelt  so  grofs.  sie  werden  bei  einer  andern  gelegenheit  bei- 
gebracht werden. 

Andreas  bietet  dasselbe  Verhältnis  dar  wie  der  Beovulf.    die 
schwache    form    dominiert  weitaus    im    instrumental,    auch    hier 
werden  die  belege  später  folgen,    beispiele   für  die   starke  form 
sind   nur  folgende:    273  pät  fm   ns  gehöhte   hrante  ceöle,  heu 
hornscipe  ofer  hväles  e^el.     es  ist  dies  zugleich  der  einzige  beleg 
für    die    starke    instrumentalform    hed ,    sonst    lautet   es    inmier 
schwach  heän.    ferner  wider  micel,   abgesehen   von   dem  überall 
sich  findenden  mkle  neben  dem    comparativ:    um  vieles,   multo, 
1206  cor^re  mycle.    das  formelhafte  ö9re  si^e   809.    1677.   1702 
und  noch  einmal  beides  neben  einander  706: 
Sy^han  eft  gevät  ö^re  si^e 
getrnme  mycle.,  pät  he  in  temple  gestöd, 
dazu  ein  parmal   das  Possessivpronomen  mine  pine^  (284.  1627). 

—  Aus  Byrhtnüd  ist  nicht  ein  einziges  beispiel  zu  verzeichnen 
weder  für  die  starke  noch  für  die  schwache  form,  freilich  uni- 
fafst  das  gedieht  nur  325  verse,  aber  es  scheint  doch,  dafs  der 
instrumental  hier  überhaupt  aufgegeben  ist  und  die  bedcutung 
desselben  neben  dem  ihn  überall  vertretenden  dativ  besonders 
durch  die  präposition  mid  umschrieben  wird ,  die  sich  sehr  oft 
in  dem  kurzen  stücke  findet,  so  gleich  v.  14  pe  he  mid  handum 
mihle.    21   and  büd  pdl  hyra  randas  rihle  heöldon 

faste  mid  folman  usw. 
Aus    den    195  versen    der    gedichte    der  Sachsenchronik    gehört 
hierher  nur  der  eine  starke  instrumental:    Alhel.  34  Ulle  verede. 
in    der   Sachsen»  luouiU    selbst    mag   gleichfalls   der   casus   durch 


328  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

die  präp.  mid  ersetzt  sein,  bei  Ettmüller  finde  ich  kein  bei- 
spicl  für  den  casus,  wol  aber  dagegen  zb.  mid  miclum  here.  die 
häufig  sich  findenden  formein  /»^  ylcan  gere,  sume  däge,  ö^re 
s?öe  entscheiden  für  den  gebrauch  nichts,  da  ja  nur  die  eine 
der  beiden  flexionen  je  die  überhaupt  übhche  ist. 

Zweifelhaft  steht  es  mit  dem  instrumental  des  plurals.  die 
instrumentale  bedeutung  wird  hier  durch  zwei  endungen  aus- 
gedrückt, durch  um  und  an,  durch  die  letztere  jedoch  bis  auf 
eine  ausnähme  Andr.  1214  cealdan  clotmmim  nur  im  Beövulf  und 
hier  nur  an  folgenden  stellen:  963  heardan  clammnm.  1502 
atolan  clommnm.  1505  Id^an  fingrum.  1542  grimman  gräpum. 
2692  biteran  hämim,  und  dazu  die  comparative  oerran  mwlum 
907.  2237.  3035.  —  ufaran  dögrnm  2200.  2392.  —  das  an 
ist  zweifellos  ein  reiner  instrumentalis  der  schwachen ,  da  der 
dativ  stark  und  schwach  um  lautet,  der  aber  sonst  überall  auf- 
gegeben ist.  ol)  aber  das  um  entweder  dativ  oder  instrum.  der 
starken  oder  dativ  der  schwachen  ist,  das  kann  für  jeden  ein- 
zelnen der  fälle,  in  denen  die  instrumentale  bedeutung  deutlich 
sichtbar  ist,  erst  etwa  dann  entschieden  werden,  wenn  es  ge- 
lingen sollte,  feste  regeln  hinsichtlich  des  gebrauchs  beider 
flexionen  zu  finden,  gewis  ist  nur  ohne  weiteres,  dafs  um  nicht 
auch  instrum.  plur.  der  schwachen  neben  an  ist,  da  wir  ja  dann 
zwei  endungen  für  diesen  casus  hätten,  ferner  ist  neben  dem 
artikel  /)äm  und  dem  pron.  dem.  pissum  die  adjectivendung  um 
stets  dativ  der  schwachen,  dafs  der  dativ  die  bedeutung  des 
instrum.  vertritt  ist  bekannt,  und  der  vollständig  gleiche  wert 
wird  augenscheinlich  durch  stellen  wie 

Beöv.  2166  svd  sceal  m/cg  dön, 


dyrnum  cräfte  deä^  renian 
hondgeslealkm 
neben  2290  he  tö  for^  gestop 

dyrnan  cräfte  dracan  heäfde  nedh, 
wo   also   für   den    dat.    der   starken  der  instrum.  der  schwachen 
eingetreten  ist.     ebenso  kann  es  sich  verhalten  mit 
B.  963     Ic  hme  hrädlice  heardan  clammum 
on  välbedde  vn^an  /)ohte 
und  B.  1334  pe  Jm  gystran  niht   Grendel  cvealdest 
Jmrh  ha'stne  hdd  hcardum  clammum. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  329 

doch  ist  es  ebenso  gut  mögiich,  dafs  dies  heardum  der  dativ  piur. 
der  schwachen  oder  der  instrumentalis  pkualis  der  starken  ist, 
wenn  man  überhaupt  einen  solchen  zulalsen  will,  — 

Das  schwache  adj.  erscheint  nun  in  dreierlei  Verbindungen: 

1.  nur  mit  dem  artikel  wie  se  rka  usw. 

2.  nur  mit  dem  Substantiv  wie  zb.  die  eben  angeführten 
instrumentale. 

3.  mit  ait.  und  subst.  verbunden. 

Für  die  vierte  mögliche  ausdrucksweise,  dafs  es  nämlich 
ganz  allein  stände,  finden  sich  so  wenige  beispiele,  dafs  diese 
nur  die  geltung  von  ausnahmen  haben  können  oder  vielleicht 
auf  handschriftlichem  irrtum  beruhen,     es  sind  folgende : 

B.  2961  /m'r  vear^  Ongenpiö  ecgnm  sveorda 
hlondenfexa  on  bid  vrecen. 
die  schwache  form  dieses  adj,  findet  sich  sonst  nicht  wider. 

Gen.  2521  gif  ge  /mt  fasten  fi/re  villa^ 
stedpe  forstandan. 

Grein  schreibt  Gen.  1464: 

Pu  väs  culufre  eft  of  cöfan  seiided 
ymb  vucan  vilde:    seö  vide  ßeäh. 
darnach  würde  auch  dieses  vilde  hierher  gehören,    teilt  man  den 
zweiten  vers  mit  Bouterwek  ab 

ymh  vucan.  vilde  seö  vide  ßedh, 
was  einen  vollständig  entsprechenden  sinn  gibt,  so  wird  vilde 
zwar  adverb,  aber  dabei  würde  der  erste  halbvers  auf  drei 
Silben,  resp.  hebungen  zusaunnenschrumpfen,  und  das  ist  nicht 
erlaubt,  mit  der  Greinschen  abteilung  als  der  richtigen  müfsen 
wir  vilde  als  alleinstehendes  schw.  adj.  gelten  lafsen. 

Sieht  man  sich  dicsi;  stellen  nun  genauer  an,  so  steht  das 
dazu  gehörige  subst.  ganz  in  der  nähe  noch  in  demselben  satze, 
so  dafs  von  einem  rein  subslantivischcn  gebrauch  des  adjectivs 
nicht  die  rede  sein  kann,  in  solchen  füllen  sieht  stets  die  starke 
form,  wie  wir  dies  weiter  unten  sehen  werden,  aufser  natiulich 
wenn  zu  dem  adj.  noch  der  artikel  hinzu  (rill,  der  vollständigen 
Isolierung  halber  ist  man  also  wol  im  rechte,  wenn  man 

Beöv.  669  Huru  Geäta  leöd  geonie  triwode 
mOdgan  mügenes,  metodes  hyldo, 
wo  Heyne  im  glossar  unter  mödig  übersetzt   'baute   fest   auf  die 
stärke  des  mutigen',  dieser  Übersetzung  nicht  folgt,  sondern  dafür 


330  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

setzt  'l)aiite  fest  auf  die  mutige  stärke',  ganz  abgesehen  davon, 
dafs  eine  solche  rückbeziehung  wie  mödgan  auf  Geäta  leöd  — 
er  nennt  sich  selbst  mödgan  —  garnicht  angelsächsisch,  über- 
haupt nicht  deutsch  ist,  sondern  an  die  kinder-  oder  neger- 
sprache  erinnert. 

Ferner  ßeöv.  1117  earme  on  etixk  ides  ^northode  kaüü  man 
sich  leicht  durch  eine  Umstellung  helfen:  earme  ides  usw.  — 
Beov.  2930  hr^d  dheörde  gomela  iomeövlan  golde  berofene  ,  Onelan. 
die  von  Grein  in  der  anm.  noch  mit  einem  fragezeichen  ver- 
sehene lesart  gomelan  ist  wol  die  richtige. 

Ein  weiterer  derartiger  fall  wäre  nach  Grein  Andr.  233 
heard  and  higerdf,  naläs  hildlata^  denn  er  nimmt  im  glossar  ein 
adj.  lüldlät  an.  aufser  hier  findet  sich  das  wort  aber  nur  noch 
Beöv.  2846  pät  pu  Jüldlatan  holt  ofgefan,  gleichfalls  schwach  und 
mit  dem  artikel.  es  ist  also  wol  statt  des  adj.  hildlät  ein  subst. 
hildlata  zu  setzen,  wie  dies  auch  HLeo  in  dem  ersten  teil  seines 
jüngst  erschienenen  ags.  glossars  unter  LATAN  s.  67  tut.  ge- 
rade so  verhält  es  sich  mit  Äthel.  46  eald  invitta.  auch  dies 
wort  erscheint  im  ags.  nur  schwach  (vgl.  Greins  glossar)  und 
ist  daher,  zumal  sein  substantivischer  Charakter  durch  das  beige- 
setzte eald  noch  besonders  angedeutet  ist,  als  subst.  zu  ver- 
zeichnen, so  tut  auch  Leo  s.  266  unter  VlTAN. 
Endüch  ist  noch  da  Äthel.  60 

Uton  kim  behindan  hru  bryttian 

salovigpcidan  and  pone  sveartan  hrefn, 

hyrnednebhan  and  pone  hasupddan 

earn  äftan  hvit  ceses  hrncan, 
wo  wir  nach  Grein  gleichfalls  in  salovigpddan ,  hyrnednebban  und 
hasupddan  adjective  hätten,  bei  dem  ersten  dieser  drei  hat  dies 
seine  richtigkeit,  denn  es  erscheint  Manna  vyrde  37  auch  stark, 
wie  aber  eine  solche  häufung  von  schwachen  adjectiven,  wie  sie 
diese  zwei  verse  zeigen,  eine  ganz  unerhörte  im  ags.  ist,  so  ist 
es  auch  mit  der  ausdrucksweise  im  zweiten  der  verse  der  fall, 
dafs  nämlich  erst  ein  adjectiv  und  noch  dazu  ein  schwaches 
vorangeht  und  dann  erst  mit  dem  artikel  ein  zweites  folgt,  ich 
zweifele  dafs  die  Überlieferung  so  gelautet  wie  wir  sie  bei  Grein 
oder  seiner  quelle,  Ingrams  ausgäbe  der  Sachsenchronik,  lesen, 
wie  die  hss.  schwanken  ist  aus  den  noten  zu  den  versen  genug- 
sam zu  erkennen,     bleiben   wir   aber  bei  jenen  drei  adjectiven, 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  331 

so  ist  wie  ü!)eii  Jjci  dem  hildlala,  so  auch  statt  eines  adjectivs 
hyrnedneb  ein  subst.  hyrnednehha  anzusetzen ,  womit  auch  voll- 
stiindiji  (he  zweite  stelle  in  der  sich  das  wort  llndet  stinmit, 
nämlich  Jud,  21 '2:  sang  hildeleö^  |  hyrnednehha.  bei  hasupädan 
endhch  schwanken  die  hss.  und  denigemäfs  auch  die  autoren. 
ich  will  hier  nicht  untersuchen,  welche  der  lesarten  die  grOste 
Wahrscheinlichkeit  für  sich  hat,  bin  aber  der  Überzeugung',  dals 
gleichl'alls  ein  subst.  darin  stecke  und  dies  deswegen,  weil  earw, 
tla  es  in  einem  andern  verse  steht,  nichts  mehr  mit  dem  artikel 
pone  zu  tun  haben  kann,  earn  ist  nur  eine  widerholung  des 
mit  ßone  hasupüdan  oder  wie  zu  lesen  ist  zuerst  genannten  be- 
griffs  und  ist  durch  ein  konuiia  von  jenem  zu  trennen,  das 
ohr  aber  würde  beim  Vortrag,  wäre  das  wort  unmittelbar  vor 
earn  ein  adjectiv,  diese  trennung  nicht  fühlen,  sondern  ein  ganz 
unerlaubtes  enjambement  zu  hören  glauben. 

Kehren  wir  nun  zu  den  drei  arten  von  Verbindungen  zurück, 
in  denen  das  schwache  adjectiv  im  ags.  erscheint  und  vergleichen 
wir  die  Zahlenverhältnisse,  in  denen  die  anzahl  der  beispiele  zu 
einander  steht,  so  zeigt  sich  folgendes: 

für  die  erste  Verbindung,  die  mit  dem  blofsen  artikel,  hat 
Beövulf  35  beispiele,  für  die  zweite,  die  mit  dem  subst.  ohne 
artikel,  gegen  SO  mit  hiuzuzählung  von  17  instrum.,  für  die 
dritte,  art.  adj.  subst.,  21. 

in  der  Genesis  ist  das  Verhältnis  dagegen  so :  belege  der 
ersten  Verbindung  28 ,  der  zweiten  25  mit  6  instrum. ,  der 
dritten  60. 

im  Andreas  steht  25  mal  das  blofse  sclnv.  adj.  mit  dem 
artikel,  26  mal,  worunter  aber  19  instrumentale  in  zum  grOsten 
teil  festen  formelhaften  Verbindungen,  ohne  artikel  mit  subst., 
endlich  33  mal  mit  art.  und  subst. 

in  den  325  versen  von  Byrhtnöds  tod  findet  sich  zwei  mal 
die  Verbindung:  art.  schw.  adj.,  zwei  mal  die  zweite:  schwaches 
adj.  subst. ,  dagegen  6  mal  die  des  schwachen  adj.  mit  art. 
und  subst. 

die  197  verse  der  Sachsenchr.  haben  die  entsprechenden 
Zahlenverhältnisse  2,  1  (doch  ist  dies  eine  beispiel  kaum  hierher 
zu  zählen,  wie  wir  bald  sehen  werden)  und  12. 

betrachten  wir  ferner  den  artikel,  so  liudet  er  sich  im  Beov. 


332  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  131  AGS. 

gegen  300  mal,  während  Genesis,  zu  gleicher  länge  mit  Beöv. 
gebracht,  über  400  enthalten  würde,  wobei  aber  noch  zu  berück- 
sichtigen, dafs  neben  ihm  noch  gegen  100  mal  das  eigentliche 
demonstrativpronoraen  steht,  während  Beöv.  es  nur  24  mal  hat, 
und  ferner,  dafs  schon  nach  dem  ersten  drittel  des  gedichts  die 
erzählung  in  den  handelnden  personen  und  den  gegenständen 
ständig  wechselt,  die  gelegenheiten  also,  den  artikel  mit  seiner 
eigentlichen  function,  nämlich  bereits  genannte  begriffe  von 
neuem  einzuführen,  zur  auwendung  zu  bringen,  sehr  beschränkt 
werden.'  —  in  den  1724  versen  des  Andreas  finden  sich  über 
230  artikel,  was  bei  gleicher  länge  mit  Beov.  etwa  440  gäbe 
neben  16  demoustr.  pron.  —  Byrhtn.  hat  in  den  325  versen 
sogar  S5  artikel,  würde  bei  3200  versen  also  gegen  850  ent- 
halten, die  Sachsenchr.  in  197  versen  26  artikel.  das  Verhältnis 
ist  hier  ziemlich  dasselbe  wie  im  Andreas,  doch  ist  zu  erwägen, 
dafs,  da  es  lauter  kurze  stücke  mit  immer  neuen  namen  und 
begriffen  sind,  die  vorhandenen  26  artikel  von  der  würklichen 
ausdehnung  seines  gebrauchs  keine  richtige  Vorstellung  gewähren 
können,  die  artikel  häufen  sich  regelmäfsig  erst  am  ende  der 
stücke,  Eädmund  enthält  sogar  gar  keinen. 

Aus  diesen  Zählungen  lafsen  sich  aber,  da  ihre  resultate  zu 
verschieden  sind  als  dafs  sie  zufällig  sein  könnten,  mancherlei 
schlüfse  ziehen,  das  verhältnismäfsig  geringe  auftreten  des  ar- 
tikels  im  ßeövulf,  wo  er  in  je  elf  versen  einmal  erscheint,  be- 
weist an  sich  schon  dafs  er  den  seinem  Ursprung  entsprechen- 
den (vgl.  Gramm,  iv  366)  rein  demonstrativen  Charakter  noch 
in  hohem  grade  gewahrt  hat,  so  dafs  sich  von  einem  artikel  in 
unserer  bedeutung  oder  wie  er  in  der  prosa  Alfreds  und  der 
Sachsenchronik-   erscheint   nicht  reden    läfst,    sondern    nur  von 

'  Bei  der  eiörterung  iil)er  den  gebrauch  des  artikels  hat  bereits  JGrimm 
{nramm.  iv  429)  derartige  Zählungen  vorgenommen  (aus  Beov.,  Cädmon  und 
dem  Travellersong),  obwol  richtig  ergeben  seine  Zählungen  docli  ein  ziem- 
lich abweichendes  Verhältnis,  da  er  sie  nur  über  wenige  hundert  verse 
erstreckte. 

-  Ais  probe  ein  kurzes  stück  aus  Job  von  Älfiik  (Etlm.  Scöp.  a.  böceras 
pag.  3):  Svä  slöd  se  deoful  nn  godes  gesi/i^e ,  svä  svd  dei  se  blindd 
Oll  sitnnan:  seo  sunne  ymbscmS  Jjone  blindan ,  and  se  blinda  ne  gesi/tii 
l)aere  sunnan  leöman.  God  geseah  pone  deüfol,  and  se  deöfol  svd  peak 
väs  bedmled  godes  gesi/iie  and  bis  vuldres.  Eorie  is  gecveden  godes 
fölscaviel  and  seo  heofon  is  Ins  pnjmseü.     Nu  stüd  se  sceocca  usw. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  333 

eiuem  demoiistralivpi-onomeu,  das  stärker  als  unser  artikel,  aber 
schwächer  als  unser  demonst.  pron.  ist,  und  dessen  allzu  häutige 
anwenduug  sich  eben  seiner  bedeutung  wegen  von  selbst  verbot, 
erwägen  wir  nun  aber,  dafs  für  alle  deutschen  dialccte  diese 
Jahrhunderte,  denen  wo!  fast  alle  ags.  gedichte  angehören,  gerade 
diejenigen  sind,  in  denen  sich  allmählich  und  zwar  verhältnis- 
mäfsig  ziemlich  rasch  aus  jenem  alten  demonstr.  pron.  die  fast 
bedeutungslose  formel  des  artikcls  entwickelte,  dafs  wir  mit  jenen 
dichtungen  mitten  in  diesem  entwickelungsprocesse  stehen,  was 
liegt  da  näher  als  die  Vermutung,  dafs  jene  so  sehr  verschiedenen 
resultate  der  Zählungen ,  so  weit  sie  den  artikel  betreffen ,  auf 
abständen  in  der  zeit  beruhen,  dafs  also  die  in  den  kreifs  der 
betrachtung  gezogenen  gedichte  verschiedene  stufen  in  der  zeit- 
lichen entwicklung  der  form  des  artikels  repräsentieren?  hin- 
sichtlich der  bestimmung  der  abfafsungszeit  fast  aller  ags.  dich- 
tungen und  hinsichtlich  ihrer  aufeinanderfolge  herscht  noch  das 
gröste  schwanken,  nur  aus  der  spräche  können  die  fragen 
gelöst  werden,  und  da  kreuzen  sich  innerhalb  einer  durch  Jahr- 
hunderte hindurch  sehr  stabilen  und  gleichförmigen  spräche  noch 
die  unterschiede  der  zeit  mit  denen  der  unter  sich  abweichenden 
dialecte  (vgl.  Dietrich  in  der  zs.  9,  214).  bewiesen  ist  darum 
noch  nirgend  etwas,  nur  hie  und  da  hat  man  versucht,  einzelne 
anhaltpunkte  aufzustellen,  der  ßeövulf  wird  bald  noch  dem 
siebenten  bald  dem  neunten  Jahrhundert  zugewiesen  (vgl.  Ettm. 
Scöp.  a.  böc.  s.  IX.  —  Dietrich  zs.  9,  221.  —  auch  Müllenhoff 
zs.  14,  242.  243).  hinsichtlich  der  Genesis  wifsen  wir  nicht, 
ob  sie  so  wie  sie  überliefert  ist,  für  ein  werk  Cädmons  selber 
gelten  soll,  sie  also  nach  Beda  Hist.  eccl.  iv  24  noch  dem 
siebenten  Jahrhundert  angehört,  oder  ob  sie  eine  etwa  dem  neunten 
Jahrhundert  angehörige  Überarbeitung  der  echten  Genesis  Cäd- 
mons ist  (vgl.  bes.  Ettm.  Scöp.  a.  böc.  s.  xii  und  25  annot.  — 
Bouterweck,  Cädm.  des  Angels.  bibl.  dicht,  s.  ccxxvni).  das  ori- 
ginahns.  gehört  dem  zehnten  saec.  an.  dasselbe  schwanken 
herscht  über  die  lebenszeit  Cynevulfs',  des  wahrscliciiilichcn  vcr- 
fafsers  des  Andreas,  nur  die  gedichte  der  Saclisenchronik  können 
ihres  inhalts  wegen  auf   keinen    fall    vor    ilem    zehnten  jli.    ent- 

['  Dem  vcrfalsei    ist,    wie    es   sciieiiit,  Dieliiciis  aliiiuiulluiiy    de    cruce 
Itiitliweliensi  1SG5  entgangen.] 


334  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

standen  sein,  vielleicht  gehen  sie  sogar  bis  ins  z\vüifte,  da  die 
Chronik  mit  dem  jähr  1154  schliefst,  und  vergleichen  wir  die 
häufigkeit  des  artikels  in  diesen  stücken  mit  dieser  bestimmung 
—  es  kommt  trotz  der  erwähnten  Iiemmnisse  seiner  anwendung 
immer  noch  auf  Ih  verse  je  ein  beispiel  — ,  so  entspricht  das 
vollständig  der  im  allgemeinen  geltenden  annähme,  dafs  sie  später 
als  alle  anderen  dichtungen  und  nur  mit  Byrhtnoths  tod,  der 
gleichfalls  dem  zehnten  Jahrhundert  mindestens  angehören  mufs 
(vgl.  Ettm.  Scöp.  and  böc.  s.  x),  etv>a  gleichzeitig  oder  gar  jünger 
als  er  sind,  dem  Beövulf  ist  man  schon  in  berücksichtigung 
seines  inhalts  geneigt,  den  frühesten  platz  anzuweisen,  wie 
dies  auch  meist  geschehen  ist,  und  es  entspricht  dem  gleich- 
falls die  vorgenommene  Zählung,  er  hat  die  wenigsten  artikel 
von  allen.  Genesis  und  Andreas  würden  endlich  und  zwar 
gleichfalls  in  Übereinstimmung  mit  der  gewöhnlichen  annähme 
ihre  stelle  zwischen  dem  Beövulf  und  den  gedichten  der  Sachsen- 
chronik einnehmen. 

Betrachten  wir  nun  von  den  genannten  drei  Verbindungen 
des  schw.  adj.  die  zweite,  die  mit  dem  subst.  ohne  artikel,  so 
zeigt  sich  das  auffallende,  dafs  wie  hinsichtlich  des  artikels  vom 
Beövulf  durch  Genesis  und  Andreas  zu  den  gedichten  der  Sachsen- 
chronik und  zu  Byrhtnoths  tod  ein  aufsteigendes  Verhältnis 
beobachtet  wurde,  so  hier  ein  absteigendes  obwaltet,  die  zahlen 
der  beispiele  in  der  genannten  reihenfolge  der  gedichte  sind: 
Beöv.  80,  Gen.  25  (mit  6  instrum.,  die  wir  mitzählen,  da  die 
starke  form  eben  so  gebräuchlich  wie  die  schwache,  also  ihre 
anwendung  von  einer  wähl  abhängig  ist),  Andr.  7  (ohne  19  in- 
strum. hier  zählen  wir  sie  nicht  mit,  da  nur  sie  allein  gebräuch- 
lich ist,  der  dichter  also  keine  wähl  hatte  zwischen  stark  und 
schwach) ;  gedichte  der  Sachsenchr.  0  (das  eine  sich  doch  findende 
beispiel  ist  Eädm.  4  Hvitau  vylles;  aber  es  verdient  keine  be- 
rücksichtigung, da  es  eine  ortsbezeichnung  mit  der  geltung 
eines  eigennamens  ist,  also  die  bildung  dieser  Verbindung  einer 
viel  früheren  zeit  angehören  wird),  endlich  in  Byrhtnöds  tod  2. 
bei  dieser  Übereinstimmung  kann  es  wol  keinem  zweifei  mehr 
unterliegen,  dafs  wir  es  mit  Verschiedenheiten  zu  tun  haben, 
die  in  der  zeit  beruhen,  die  ganze  ausdrucksweise,  schw.  adj. 
mit  subst.  ohne  art. ,  ist  eine  im  verschwinden  begriffene,  sie 
hört    bald    ganz    auf,    und    in    den    drei  gedichten:    Beöv.  Gen. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  335 

Andr.  sehen  wir  stufiui  dieses  aussteibeprocesses  in  derselben 
weise,  wie  in  ihnen  aufwärts  sich  der  artikel  entwickelte. 

dieses  resultat  der  Untersuchung  registrieren  wir  vorerst 
und  zwar  als  ein  von  anfang  an  nichts  weniger  als  ins  äuge  ge- 
fafstes  aber  wol  kaum  mehr  anzuzweifelndes,  es  folgen  übrigens 
noch  eine  reihe  weilerer  stützen.' 

Gehen  wir  zur  Verbindung  art.  schw.  adj.  und  subst.  über, 
so  haben  wir  die  Zahlenreihe:  Beöv.  21,  Gen.  60,  Andr.  33, 
Byrht.  6,  Sachsenchr.  12.  hier  zeigt  sich  nicht  ein  so  genau 
entsprechendes  auf-  oder  absteigen ,  denn ,  alle  gedichte  auf  die 
länge  des  Beöv.  gebracbt,  würde  ergeben:  21,  64,  61,  58,  200. 
allein  ein  solches  würde,  selbst  wenn  es  vorhanden  wäre,  wenig 
mehr  zur  feststellung  der  Zeitfolge  der  gedichte  beitragen :  denn 
das  belieben,  beiwörter  zu  Substantiven  zu  setzen,  ist  individuell 
und  hängt  nicht  von  der  zeit  ab.  wol  aber  geben  jene  zahlen 
anlafs  zu  andern  belrachtungen.  die  aufserordentlich  geringe 
anzahl  von  21  beispielen  für  die  Verbindung  des  schwachen  adj. 
mit  subst.  und  art.  zu  den  300  artikeln  des  ganzen  gedichts 
gehallen  zeigt  dafs  im  dichter  des  Beovulf  eine  scheu  waltete, 
dem  schw.  adj.  in  Verbindung  mit  dem  subst.  den  artikel  vorzu- 
setzen oder  umgekehrt  zu  der  Verbindung  eines  subst.  mit  dem 
artikel  ein  epitheton  hinzuzufügen,  das  dann  die  schwache  form 
annehmen    müsle.    lieber  liefs  er  den  artikel  weg,    wie    dies  an 

'  In  einem  Widerspruch  mit  diesem  resultat  scheint  zu  stehen,  was 
oben  über  den  g-ebraucii  des  starken  instrum.  beim  adj.  ausgefüiirt  wurde. 
Dietrich  zs.  14,  79  sagt:  'die  endnng-  E  ist  für  den  instrum.,  die  einzige  im 
got.  pron.,  und  im  ags.  adj.,  hier  jedoch  nur  in  einzelnen  formen  bis  zuletzt 
erhalten;  die  herschafl  des  ags.  e  gehört  ins  achte  Jahrhundert.'  worauf 
diese  beiiauptung  fufst  weifs  ich  nicht,  und  ob  sie  heiCsen  soll  dafs  bis  ins 
achte  jh.  e  im  vollen  gebrauch  gewesen  sei,  ist  auch  nicht  aus  der  fafsung 
zu  erkennen,  uns  fehlen  die  sprachreste  —  die  zwei  Dietrich  aao.  s.  78 
und  S8  aus  runeninschriften  erschlofsenen  belege  geben  einen  gar  zu  ge- 
ringen anhält  —  und  wir  können  nur  aus  dem  alts.  schliefscn,  dafs  wie 
hier  so  auch  im  ags.  der  starke  instrum.  am  adjectiv  sich  lange  in  viel- 
fachem gebrauch  erhalten  haben  mag,  ohne  jedoch  irgend  eine  zeitliche  be- 
stimmung  treffen  zu  können,  bei  diesem  maugel  einer  sichern  unterläge  ist 
es  also  an  sich  höchst  bedenklicii,  wegen  des  um  ein  geringes  häuligeren 
gebrauches  des  starken  instrum.  am  adj.  in  der  Genesis  dieser  ein  früheres 
alter  geben  zu  wollen ,  und  der  schlufs  verliert  allen  halt  gegenüber  den 
sprachlichen  ersclieinungen  die  dagegen  sprechen,  welche  bisher  dargelegt 
sind  und  welche  die  weitere  Untersuchung  noch  bringen  wird. 


336  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

80  stellen  geschehen  oder  er  gab  dein  mit  dem  artikel  versehenen 
subst.  kein  beiwort,  wie  das  an  allen  andern  stellen  der  fall  ist. 
in  der  Genesis  ist  diese  scheu  fast  ganz  verschwunden,  wenn 
unter  400  mit  dem  art.  verbundenen  Substantiven  60  sich  finden, 
in  denen  ein  adj.  hinzugetreten  ist,  so  ist  das  wol  das  normale 
Verhältnis  zwischen  allein  stehendem  und  mit  dem  adj.  verbun- 
denem Substantiv  überhaupt,  die  zahl  der  stellen,  in  denen 
solchen  Verbindungen  der  artikel  fehlt,  hat,  gegenüber  den  60 
auf  30  gesunken,  in  richtigem  Verhältnis  abgenommen,  im  An- 
th-eas  ist  gleichfalls  bei  dem  Verhältnis  von  7  stellen  des  ein- 
fachen schw.  adj.  mit  subst.  zu  33 ,  wo  noch  der  artikel  hinzu- 
tritt, offenbar,  dafs  von  jener  scheu  nichts  oder  nur  noch  ein 
geringer  rest  vorhanden  ist,  und  nicht  nur  ganz  geschwunden 
ist  sie  sondern  die  Verbindung  schw.  adj.  mit  subst.  ohne  art. 
hat  sogar  ganz  aufgebort  in  den  gedichten  der  Sachsenchr. 

die  frage  worin  diese  scheu  ihren  grund  habe  und  das  ver- 
langen den  grund  zu  finden  gaben  die  eigentliche  veranlafsung 
zu  dieser  Untersuchung  und  darin  liegt  auch  ihr  angelpuukt. 
aus  den  auf  den  letzten  selten  angestellten  vergleichungen  und 
betrachtungen  ist  jedoch  schon  zur  geniige  ersichtlich,  von 
welcher  bedeutung  es  sein  mufs,  sich  vorerst  über  den  gebrauch 
des  artikels  genau  zu  informieren,  wir  stellen  daher  zunächst 
eine  Untersuchung  dieses  an. 


Gramm,  iv  428ff  handelt  Grimm  von  dem  ags.  artikel, 
und  er  geht  davon  aus,  dafs  der  art.  sich  zunächst  vor  dem 
adj.  (vgl.  auch  Gramm,  iv  437)  entwickelt  habe,  um  dieses  auf 
ein  vorher  genanntes  oder  sonst  bestimmtes  Substantiv  zu  be- 
ziehen, von  da  sei  er  allmählich  auch  mit  dem  subst.  in  Ver- 
bindung getreten,  da  aber  im  folgenden  sich  ganz  andere  ge- 
sichtspunkte  für  sein  Umsichgreifen  ergeben  werden ,  so  kann 
auf  die  durchfidirung  der  Grimmschen  theorie  nicht  stets  im  be- 
sonderen rücksicht  genonnnen  werden,  hier  soll  untersucht 
werden,  in  wie  weit  die  ursprüngliche  geltung  des  artikels  als 
eines  demonstrativpronomens  zunächst  im  Beövulf  noch  sichtbar 
ist,  von  welcher  ar(  diese  demonstration  ist  und  ob  in  diesem 
gedieht  und  weitergreifend  in  den  andern  sich  etwa  spuren  fin- 
den,   dafs   sie   zurücktritt,     den    ausgangspunkl    also   bildet    die 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  337 

demonstrative  bedeutung  des  art.  und  diese  äiifsert  sich  in  mehr- 
facher weise. 

er  findet  sich  in  einer  reihe  von  stellen  hei  einem  sahst., 
zu  dessen  näherer  hestimmung  ein  relativ-  oder  sonstiger  er- 
klärender heisatz  folgt  (vgl.  Gramm  iv  437  f):  B.  506  Eart  jm 
se  Beövnlf,  se  pe  vi^  Brecan  vnnne.  —  369  hünt  se  ahlor  deiih, 
se  pcBm  hea^ojincum  hider  visade.  —  1185  gif  he  pät  eal  gemon, 
hvät  Vit  —  gefremedon.  —  1334  lieö  pii  fadi^e  vräc,  pe  pn  — 
Grendel  cvealdest.  —  1343  mi  seö  hand  lige^,  seö  pe  eöv  velhvyl- 
cra  vilna  dohte.  —  1362  pät  se  mere  standet,  ofer  pwm  hon- 
giab  usw.  —  1053  Jmie  anne  heht  golde  forgyldan,  pone  />c 
Grendel  a^r  mäne  dcvealde.  —  1483  Svylce  Jm  pd  vidhnas,  pe 
pn  me  sealdest,  onsend!  —  1485  ponne  he  on  pät  sine  stara^,  J/ät  ic 
—  funde.  —  1616  väs  pät  blöd  to  päs  hat,  attren  ellorgcest,  se 
pcer  inne  svealt.  —  2003  hvylce  hvü  nncer  Grendles  vear^  on 
pdm  vange,  pcer  he  gefremede  usw.  1304.  2027.  2237.  2258. 
2490.  2606.  2865.  3085.  354.  562.  626.  681. 

Gen.  29  and  päs  engles  möd ,  pe  pone  nnrced  ongan  a'rest 
fremman  (zugleich  die  beiden  ersten  artikel  des  gedichles).  — 
35  vear^  —  pdm  veröde  vröö,  pe  he  (er  vnrhode  vlite.  —  338 
se  ofermöda  cyning,  J)e  (er  vä»  engla  sc^nost.  —  598  he  pam  ly- 
genum,  pe  for  pdm  lamm  com.  —  619  päs  leöhtes  genog,  Jms  ic 
pe  svd  gödes  gegired  häbbe.  —  639  Jjät  vord  dcvf'i^,  pät  J)ät  micle 
mor^  usw.  —  713  mid  pdm  vordnm,  J)e  heö  pdm  vere  svelce 
tdcen  6<Sievhe.  —  ebenso  422.  513.  607.  634.  685.  691.  706. 
774.  772.  881.  963.  1186.  1212.  1389.  1409.  1490.  1680. 
1787.  1803.  2162.  2199.  2742.  2777  {pd  sen  vyrd  gevearft.  pät 
/jät  vif  (jeseah).  2885.  2890.  2854  usw. 

Andr.  15  Czugleich  der  erste  artikel  des  gedichts)  nt  on  pät 
igland ,  pwr  amig  —  ne  mihte  blcedes  brncan.  —  101  and  ealle 
pd  menigo,  pe  pe  mid  vnnia^.  —  227  srcan  pone  nuvran  hdm, 
[ufr  so^fäslra  sdvla  möton  lifes  brncan.  —  294  tö  pdm  lande, 
[Her  pe  bist  myne^._  —  so  noch  419.  598.  066.  829.  947.  1132. 

Byrhln.  48  pd  heregeatu ,  fte  eöv  ät  hilde  ne  dedh.  —  148 
scede  melode  panc  päs  dägveorces,  pe  him  drihten  forgeaf.  —  174 
Ic  [)ance  pe  ealra  piera  vynna,  pe  ic  on  vorulde  gebdd.  —  182 
hegen  pd  beorncts,  pe  him  bigstödon.  —  187.  190.  196.  212. 
227.  —  Aus  Sachsenchr.  ist  kein  beispiel  zu  verzeichnen.  — 
Es   gehören   hierher    auch    besondere   Wendungen   wie    B.    654 


338  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

and  pät  vord  äcvä'6  mit  folgender  directer  rede,  so  gleich- 
lautend noch  B.  2046.  und  ähnlich  nach  einer  rede  B.  1492. 
2669  äfter  fiäm  vordum.  —  Gen.  hat  nur  239S  öfter  poere 
spra'ce.  die  wendnng  lautet  da  gewöhnlich  vor  einer  rede, 
wenigstens  drei  mal  195.  355.  1254.  pä  vorde  cüö9.  diese 
Wendung  ist  der  Genesis  eigen,  ebenso  wie  dem  Andreas  die 
drei  mal  (62.  173.  539)  vorkommende  pus  vordum  cr«9.  der- 
gleichen eigentümlichkeiten  sind  immer  der  mühe  wert  ver- 
zeichnet zu  werden.  Andreas  hat  neben  jener  wendung  aber 
auch  sehr  häufig  die  mit  dem  artikel.  1174  a7id  pät  vord  gecvä^. 
897.  1301.  1363.  1402.  1665.  nach  einer  rede,  wie  oben.  762. 
1028.  1222.  —  Byrht.  162.  —  Ferner  gehören  hierher  einige 
Substantive,  die  einen  zeitbegrifF  enthalten,  der  durch  einen  nach- 
satz  näher  bestimmt  wird,  so  B.  2646  nu  is  se  dag  comen,  pät 
i\re  mandryhten  —  auch  146  Väs  sei  hvil  inkel:  tvelf  vintra 
tid  torn  gepolode  vine  Scyldinga,  noch  befser  alier,  wenn  man 
(mit  Müllenhoff  zs.  14,  196)  fortfährt  v.  152  /)ät  he  vi^  Hrö^- 
gär  usw.  —  Gen.  584  väs  seö  hvil  ßäs  lang,  pät  ic  gode  pegnode. 
1141  pu  seö  tid  gevear^,  pä  he  fri^gedäl  fremman  sceolde.  — 
1186  pä  seö  scel  gevear^,  pät  Ins  vif  brohte.  —  1227  pä  seö  tid 
gevear^,  pät  se  eorl  ongan  cennan.  —  Andr.  107  nis  seö  prah 
micel,  pät  [)e  —  svencan  mötan.  —  Byrht.  83.  104. 

Die  bei  weitem  am  häufigsten  vorkommende  function  des 
artikels  besteht  jedoch  darin,  durch  seinen  hinzutritt  anzudeuten, 
dafs  ein  Substantiv  oder  ebenso  oft  der  begriff,  den  es  enthält, 
im  verlaufe  der  erzählu»g  schon  genannt  ist  (vgl.  Gramm,  iv 
3S2.  396.  424.  526).  dies  kann  nun  in  den  mannigfachsten 
graden  geschehen  je  nach  den  längeren  oder  kürzeren  Zwischen- 
räumen der  erwähnungen  desselben  begriffs  oder  je  nach  der 
rolle,  die  er  in  der  handlung  spielt.  Grimm  zieht  mit  recht 
die  vergleichung  mit  dem  lateinischen  ille  herbei  (Gramm,  iv  437). 
in  der  tat  kann  an  vielen  stellen  durch  dieses  der  artikel  ge- 
radezu übersetzt  werden,  während  es  jeloch  meistenteils  etwas 
zu  stark  ist. 

Alle  fälle  die  hierher  gehören  aufzuzählen  würde  eine  end- 
lose miihe  sein,  ich  begnüge  mich  mit  der  ausnahmslosen  be- 
sprechung  derer,  die  in  den  ersten  tausend  versen  vorkommen, 
um  den  gebrauch  klar  zu  machen,  und  nehme  sie  der  reihe  dei- 
verse  nach  vor. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  339 

Beöv.  52  Iwä  pwm  Mäste  onfeng  isl  gleich  einer  der  fälle 
wo  das  wort  selbst,  bei  dem  der  artikel  steht ,  nicht  genannt  ist, 
wol  aber  der  begriff  desselben  im  früheren  enthalten  ist.  es 
bezieht  sich  hier  pfcm  Mäste  auf  v.  32ff  auf  das  schifl"  das  den  todten 
Scyld  mit  den  schätzen  trug.  —  v.  85  pd  se  ellengccst  earfo^- 
Itce  [)rage  gepoJode.  hier  wird  Grendel  zum  ersten  mal  genannt 
und  das  gleich  mit  dem  artikel.  das  ist  gegen  die  regel,  findet 
aber  seine  erklärung,  wenn  wir  uns  erinnern,  dafs  diese  ganze 
einleitung  ihren  eigenen  verfafser  hat  (IMülhMihoff  in  der  zs.  14, 
1930"),  der  sie  sei  es  dem  ganzen  Beövulf  wie  er  vorliegt  oder 
nur  dem  ersten  teil  anfügte  und  dem  die  person  des  Grendel 
in  folge  seiner  beschäftigung  mit  dem  gedichte  als  eine  so  be- 
kannte vorschwebte,  dafs  er  durch  den  artikel  diese  seine  be- 
kanntschaft  unwillkürlich  verriet,  nachdem  aber  Grendel  nun 
einmal  genannt  ist,  haben  die  folgenden  artikel  bei  den  vielfachen 
bezeichnungen  dieser  persönlichkeit  alle  ihre  erklärung.  so  heifst 
es  gleich  v.  102  väs  se  grimma  gcest  Grendel  hüten.,  und  weiter 
wird  er  mit  dem  art,  wider  eingeführt  132.  143.  425.  433. 
479.  707.  712.  737.  766.  792.  801.  807.  989  usw. 

der  artikel  v.  107  In  Caines  cynne  pone  cvealm  gevräc 
ece  driMen,  päs  pe  he  Abel  slög 
findet  seine  erklärung  in  dem  erklärenden  nachsatz  päs  /e  he. 
der  gleich  folgende  v.  109  ne  gefeah  he  ptere  faMe  weist  aber 
schon  auf  den  mord  hin,  der  eben  erwähnt  ist,  wie  auch  der 
V.  110  ac  he  hine  feor  forvräc  metod  for  J»]  mane  manajnne 
fram.  —  125  mid  ptere  välfylle  geht  auf  v.  123  pritig  pegna. 
—  V.  133  väs  pät  gevin  tö  sträng  bezieht  sich  auf  das  ganze 
leid-  das  Grendel  verursacht  hatte  und  noch  verursachte,  die- 
selbe Wendung  mit  derselben  bezichung  gleich  noch  einmal  191 
väs  [)ät  gevin  tö  sv}ß.  dafs  dort  die  worfe  dem  interpolator  B 
(Müllenhoff  zs.  14,  185),  hier  dem  dichter  der  einleitung  gehören 
tut  nichts  zur  sache,  da  beidcniale  die  rdalion  nicht  fehlt  wie 
ölten  bei  dem  ellengwst.  —  v.  202  pone  sidfät  geht  auf  die  eben 
erwähnte  fahrt.  —  Bei  den  hauptpersonen  und  hauptgegenslän- 
den,  die  sehr  oft  genannt  werden,  hat  der  artikel  nirgeuds  aul- 
fallendes, ja  bei  ihnen  findet  er  seine  hauptverwendung.  so 
hatten  wir  schon  Grendel,  v.  205  wird  der  widerholt  genannte 
Beövulf  zum  ei'sten  mal  mit  dem  artikel  eingefidn-t:  häfde  se 
göda,  und  dann  sehr  oft.    384.  4(11.  076.  758.  762.  910.  9-12  usw. 


340  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

Beovnlf  und  Grendel:  777  fuer  pd  graman  vnnnon.  813.  — 
Ebenso  Hriidgar:  270.  Beovnlf  sagt  von  ihm,  naclidem  er  ihn 
e])en  genannt  als  den  den  er  sucht:  Hahba6  ve  tö  Jnem  ma'van 
cprende.  310.  355.  399.  —  Beövulf  und  seine  schar,  von  der 
205  die  rede,  heifst  221  pd  übende  land  gesdvon.  325  pcis  re- 
cedes.  330  se  /ren/n-eöt.  370  pcem  heaboiincum.  —  Heöi-ot  ist 
viel  genannt,  zuerst  68,  dann  mit  dem  artikel  in  den  mannig- 
fachsten bejiennungen  443  in  pwm  gü'bsele.  647  to  pcem  heähsele. 
695  in  pa^m  vinsele.  838  ymb  pd  gifhealle  993.  997.  usw.  — 
ferner  noch  470  pd  fceh^e  ist  der  streit  des  vaters  Beövulfs  mit 
den  Vylfingen  der  460ff  erzählt  ist.  —  617  ät  Pwre  beÖ7'/)ege, 
das  gelage  bei  welchem  diese  ganze  scene  spielt,  also  reines  de- 
monstr.  pron.  —  628  /)ät  ful,  genannt  622  und  624.  —  639  pCim 
vife  ist  Vallieöv.  —  661  pät  ellenveorc^  der  bevorstehende  kämpf 
mit  Grendel,  um  dessentwilleu  Beövulf  gekommen,  ebenso  958. 
—  824  äfler  pdm  välrcvse,  der  nun  statt  gehabte  kämpf  Beövulfs 
mit  Grendel.  — 

in  all  diesen  zuletzt  aufgezählten  fallen  ist  die  demonstrative 
bedeutung  des  artikels  noch  deutlich  sichtbar  und  er  hat  seine 
in  der  erzählung  selbst  enthaltene  beziehung,  wenn  wir  auch 
gestehen  müfsen ,  dafs  seine  demonstrative  und  zugleich  hervor- 
ragende kraft  der  eines  würklichen  demonstrativpronomeus  durch- 
aus nicht  mehr  gleichkommt,  genau  entsprechend  übersetzen 
läfst  er  sich  nur  selten,  in  den  noch  übrigen  fällen  der  ersten 
tausend  verse  fehlt  dagegen  die  beziehung  im  gedichte  selbst, 
sie  liegt  aufserhalb  desselben  entweder  in  dem  kreifse  der  an- 
schauungen  und  begriffe,  die  dem  volke  geläufig  waren,  oder  in 
sonstigen  beziehungen ,  die  wir  bei  den  einzelnen  fällen  suchen 
wollen.  —  v,  9  der  erste  artikel  des  gedichtes:  cßgJwylc  pdra 
tpnhsitlendra.  der  artikel  dli.  das  demonstrativpronomen  erklärt 
sich  sofort,  wenn  wir  die  verbale  natur  des  ymhsitlendra  ins  äuge 
fafsen  und  es  auflosen:  (cghvylc  pdra  [te  ymhsitldb.  —  v.  66  ob 
pät  mi  geögob  gevcöx;  geögob  bedeutet  hier  die  junge  waffen- 
fähige mannschaft  und  die  demoiistration  des  artikels  kann  nur 
darin  bestehen ,  dafs  er  eben  auf  die  terminologische  bedeutung 
des  geogoh  hinweist,  yeögob  ist  Jugend  im  allgemeinen,  seö 
geögod  diejenige,  welche  bei  der  bedeutung  des  kampfes  in  dem 
leben  jener  Völker  fiU'  sie  von  einem  besonderen  Interesse  ist. 
ähnlich  kann  es  sicli  verhalten  mit  168  nö  he  pone  gifstöl  gretan 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  341 

moste  muMum  fore  melode.  gemeint  ist  der  thron  Hrödgärs  in 
Heorot.  dieses  ist  nun  schon  widerholt  genannt,  und  bei  der  an- 
nähme einer  selbstverständHchen  Voraussetzung,  dafs  ein  jeder 
solcher  festsal  auch  einen  thron  des  fürsten  enthält,  würde  pone 
hier  als  gewöhnliche  demonstration  stehen.  al)er  es  kann  auch 
sein,  dafs  (hnxh  den  artikel  darauf  hingewiesen  werden  soll,  dafs 
die  ganz  allgemeine  bezeichnung  gifstöl,  gabenstuhl,  hier  in  einem 
engeren  sinne  als  tenninus,  als  der  gabenstuhl  desjenigen  zu 
fafsen  sei,  von  dem  freigebigkeit  ganz  besonders  erwartet  wird 
und  der  sie  am  meisten  ül)t.  —  ein  ihm  inne  wohnendes  ver- 
mögen der  einschränkung  ist  es,  Avelches  den  artikcl  an  diesen 
stellen  erklärt  und  möglich  macht,  und  mit  dieser  einschrän- 
kuugskraft,  die  in  der  hinweisung  auf  einen  specielleu  fall  be- 
ruht, ist  auch  die  erklärung  für  folgende  stellen  gegeben.  311 
lixte  se  leoma  ofer  landa  felii,  gemeint  ist  Heorot,  so  dafs  die  Ver- 
mutung einer  gewöhnlichen  demonstration  nahe  liegt,  allein  näher 
liegt  nun  doch  die  annähme,  dafs  durch  den  artikel  die  bildliche 
Verwendung  des  allgemeinen  begriffs  leöma  angedeutet  wird,  die- 
selbe erklärung  gilt  für  Beöv.  1570  lixte  se  leöma,  wo  Beövulfs 
Schwert  so  umschrieben  wird,  die  demonstrative  geltung  des 
arlikels  wird  hier  noch  besonders  dadurch  deutlich,  dafs  er  ge- 
radezu durch  ein  dem.  pron.  bei  der  Übersetzung  widerzugeben 
ist  (vgl.  Gramm.  iv441j.  auf  dem  vermögen  der  einschränkung 
beruht  es  ferner,  wenn  der  artikel  das  Possessivpronomen  zu 
verlreten  scheint,  oder  befser,  wenn  durch  ihn  ein  gegenständ, 
begriff  in  beziehung  zu  einer  bestimmten  persönlichkeil  gebracht 
wird,    so  lesen  wir  B.  809  pd  pät  onfunde  (nämlich  Grendel) 


fjät  htm  se  Ikhoma  Iwstan  nolde, 
d.  i.    'dafs  ihm  (seinem  willen)  sein  körper  nicht  folgen   wollte' 
(mit  dem  pron.  poss.  ähnlich  Gen.  845.  784).  so  kann    es    sich 
auch  mit  dem  arlikel  vorhalten  v.  626 

.     .     .    päs  pe  hire  se  villa  gelump 

pät  heö  OH  a-nigne  eorl  geljjfde 

fyrvna  frufre, 
oJ)wol  auch  der  erklärende  nachsatz  ihn  hervorgerufen  haben  kann, 
weshalb  die  stelle  auch  bereits  oben  mit  aufgezählt  ist.  besfinunt 
aber  gehören  hierher  die  stellen,  in  denen  bei  der  Schilderung 
eines  kampfes  ganz  plötzlich  ohne  vorher  genaiml  zu  sein  die 
Z.  f.  D.  A.   nouo  fok'e  IV.  23 


342  DAS  SCHWACHE  AD JECTIV  IM  AGS. 

Waffen  und  i'iistungsgegenstände  der  hervorragenden  beiden  mit 
dem  artikel  eingeführt  werden,  so  Beöv.  890  hvä^re  Mm  gescelde, 
pät  pät  sveord  purhvöd  vrätlicne  vyrm.  —  1030  Ymb  päs  helmes 
(Beövulfs)  hröf  hedfodbeorge  virnm  bevunden  vala  ütan  heöld  usw_ 
—  wenn  der  artikel  bei  Substantiven,  die  einen  zeitbegriff  ent- 
halten, durch  sein  hinzutreten  diese  Zeitangabe  zu  einer  bestimm- 
ten macht,  in  der  die  handlung  vor  sich  geht,  so  entspricht  das 
gleichfalls  seiner  hinweisend-einschränkenden  kraft,  v.  736  ofer 
pa  niht  ist  'illa  nocte',  in  der  der  kämpf  stattfand,  die  mehrmals 
widerkehrende  formel  (197.  790.  804)  on  pmn  däge  pysses  lifes 
hat  die  bedeutung  'damals,  zu  jener  zeit'. 

es  restieren  unter  den  ersten  tausend  versen  nur  noch  fol- 
gende vier  artikel.  der  erste  ist  92  se  ähnihtiga,  im  ganzen 
Beövulf  unter  den  zahlreichen  beneunungen  gottes  zugleich  die 
einzige  und  nur  hier  verwendete,  die  mit  dem  artikel  auftritt, 
während  er  in  den  andern  gedichten  da  alle  augenbhck  erscheint 
(vgl.  das  ahd.  Gramm,  iv  394).  gott  ist  noch  nicht  genannt, 
und  der  artikel  entspricht  daher  dem  oben  bei  geogöb,  der  allge- 
meine begriff  älmihtig  wird  durch  den  artikel  auf  den  bezogen, 
dem  in  der  Vorstellung  des  Volkes  vorwiegend  diese  eigenschaft 
zukommt,  dieses  beispiel  bietet  aber  auch  einen  neuen  anhält 
für  die  behauptung  des  höheren  alters  des  Beövulf.  ich  sagte 
el)en  und  werde  bald  die  belege  bringen,  dafs  der  artikel  nicht 
nur  bei  solchen  adjectivischen  bezeichnungeu  goltes  sondern  auch 
bei  den  substantivischen  wie  drihten,  peöden  usw.  in  den  andern 
gedichten  sehr  häufig  auftritt,  dieses  reden  von  einem  drihten, 
(ilmihtig  usw.  xar^  ibOyjjv  konnte  erst  mit  dem  monotheismus 
des  Christentums  aufkommen,  da  bei  dem  polytheismus  des  heiden- 
tums  der  artikel  stets  mir  mit  der  function  einer  engern  demon- 
stration  auf  einen  in  der  erzählung  bereits  genannten  gott  er- 
scheinen konnte,  wie  sodann  der  geist  sich  erst  allmählich  daran 
gewöhnen  muste,  nur  einen  gott  zu  denken,  so  konnten  sich 
auch  in  der  spräche  erst  nach  und  nach  gewisse  ausdrücke  und 
Wendungen  herausbilden,  die  diesem  glauben  ausdruck  gaben, 
und  (las  ist  im  Beövulf  hinsichtlich  dieser  Wendung  mit  dem 
artikel  sogar  noch  gar  nicht  geschehen,  denn  der  artikel  erscheint 
nur  hier  an  einer  stelle,  die  dem  interpolator  B  angehört  (vgl. 
zs.  14,  195),  demjenigen,  der  unter  den  verschiedenen  bearbeitern 
des  Beövulf  der   letzte,    späteste   ist  und   der  zugleich  von  dem 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  343 

gedanken  des  christentuiiis  am  meisten  erfüllt  ist  und  das  meiste 
wifsen  von  ihm  hat.  so  verrät  sich  durch  den  artikel  liier  auch 
der  interpolator.  sonst  tut  er  es  aher  kaum,  denn  im  allgemei- 
nen gebranclit  er  den  artikel  mit  derselben  Zurückhaltung  wie 
die  übrigen  dichter  des  Beövulf. 

zwei  artikel  haben  wir  nun  noch  bei  Superlativen  v.  258 
Hirn  se  yldesta  andsmirode,  das  immer  mit  dem  artikel  erscheint, 
und  415  pä  me  pät  yeherdon  leöde  mme  pu  selestan,  snotere  ceor- 
las.  der  Superlativ  hebt  aus  einer  allgemeinheit,  die  entweder 
würklich  genannt  ist  oder  sich  leicht  ergänzen  läfst,  einen  oder 
einige  wenige  hervor  als  solche,  auf  die  eine  aussage,  die  ge- 
macht wird,  beschränkt  wird,  und  dieser  begriff  der  einschrän- 
kung,  den  der  Superlativ  mit  dem  artikel  gemein  hat,  ist  das, 
wodurch  sie  sich  wechselseitig  anziehen,  daher  erscheinen  auch 
beide  widerholt  bei  einander,  so  im  B.  noch  1309.  1956. 2382.  2823. 

endlich  B.  299  Gödfremmendra  svylcum  gife6e  bi^, 
pät  pone  hilderas  hdl  gedtgeb. 
p07ie  hilder(es  kann  nicht  auf  den  kämpf  gehen,  den  Beövulf  mit 
Grendel   beabsichtigt,    sondern    (he   beiden  verse  enthalten  einen 
allgemeinen  ausspruch,  und  der  artikel  ist  darum  um  so  weniger 
am  platze,     ein  solcher  fall  kehrt  noch  einmal  wider  2029 

Eft  seldan  hvwr 
äfter  leodkryre  lytle  hvile 
bongdr  bugeb,  pedh  seö  bryd  duge, 
und  es  ist  nicht,  wie  Heyne  im  glossar  annimmt,  Hrödgärs  toch- 
ter  Freävarc  gemeint,    obwol   die   sentenz   an   sie   anknüpft,     es 
bleibt  aber  wol  nichts  anderes  übrig  als  die  annähme,  dafs  eben 
der   sententiöse    character   der   worte   den    artikel    hervorgerufen 
habe,    das  'wie'  will  ich  nicht  herauszuklügeln  versuchen,   jedes- 
falls  ist  der  gebrauch  des  artikels  der  freieste  von  allen  die  wir 
hatten  und  von  der  in  seinem  Ursprung  liegenden  bedeutung  sich 
am  meisten  entfernende. 

Über  die  Genesis,  zu  der  ich  mich  jetzt  wider  wende,  kann 
ich  rascher  hinweggehen,  die  zahl  der  artikel  ist  eine  grofsere 
und  das  gerade  in  den  ersten  tausend  versen,  weil  wegen  der 
grofscn  ausführlichkeit,  mit  der  eine  einfache  handlung  erzählt 
wird,  dieselben  begriffe  um  so  öfter  widerkehren,  in  jedem  ein- 
zelnen falle,  besonders  da,  wo  die  einfache  demonstration  auf 
vorgekommenes  stattfindet,  zu  entscheiden,  ob  der  oder  die  dichter 

23* 


344  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  131  AGS. 

des  Beoviiir  einen  artikel  gesetzt  haben  würden  oder  nicht,  ist 
natürhcli  luimöghch,  und  es  mufs  bei  dem  aus  der  zähhing  sich 
ergebenden  allgemeinen  satze  sein  bewenden  haben,  dafs  eben 
der  gebrauch  des  artikels  ein  häufigerer  ist.  nur  bei  den  be- 
zeichnungen  goltes  sondert  sich  der  beiderseitige  Sprachgebrauch 
scharf,  im  Beövulf  war  nur  das  eine  beispiel,  in  der  Genesis 
folgen  sie  dicht  aufeinander,  wobei  aber  freilich  auch  zu  berück- 
sichtigen ist,  dafs  gott  hier  eine  der  hauptpersonen  der  handlung 
ist.  doch  reicht  das  allein  nicht  aus,  den  reichlichen  gebrauch 
des  artikels  zu  erklären,  wir  haben  nun  Gen.  53,  nachdem  gott 
widerholt  genannt  ist,  zuerst  se  mwra;  dann  125  se  vyrhta.  — 
139  se  pe<klen  seif.  —  148  se  rica.  —  161  se  hälga.  —  165  se 
vulfhrcyning.  —  246  se  ealvalda  engelcynna.  —  260  vi^  pone 
Mhstan  heofnes  vealdend.  —  270  se  hälga  god.  —   292  se  allvalda. 

—  299  y/9  ßojie  mcerun  drillten.  —  se  mihtiga.  ferner  302.  359. 
544.  665.  817.  850  usw.  —  unter  den  handelnden  personen 
sind  in  zweiter  linie  wichtig  der  teufel,  dessen  böte  und  die  ge- 
fallenen engel.  das  erste  mal,  wo  Satans  erwähnung  geschieht, 
hat  er  gleich  den  artikel  bei  sich ,  der  aber  in  dem  folgenden 
relativsatz  seine  Ursache  findet,  es  ist  dies  29  Jtas  engles  möd, 
pe  pone  unrced  ongan  irrest  fremman.    dann  heifst  es  272  se  engel. 

—  306  se  feönd  (der  teufel,  der  feind  eo  ipso  für  den  erzähler 
und  seine  Zuhörer,  ebenso  wie  Beöv.  143  pcem  feönde  von  Grendel). 
320  mid  pdm  andsacum.  —  338  se  ofermödo  cyning ,  zugleich 
mit  folgendem  relativsatz:  pe  ccr  ms  engla  scynost.  —  489  se 
läU.  ebenso  496.  592.  601.  —  606  se  scea^a.  —  609  se  for- 
hdtena.  —  631  /)äs  vrd'öan.  —  632  päs  deößes.  —  35  pum  ve- 
7ode.  —  36  /xmi  vcvrlogau.  —  51  vi^  pain  herge.  686.  688.  694. 
711.  —  Adam  und  Eva:  194  pd  forman  tvd.  —  705  päm  pegne. 

—  547.  707,  770.  911  fnit  v/f  und  pum  vife.  —  unter  den  Sa- 
chen spielt  die  hölle  die  gröste  rolle,  zuerst  genannt  v.  37  hat 
sie  V.  39  den  ai'tikel:  P)ät  mtehns.  —  dann  44  pät  rcedledse  hof. 

—  101  pu  stöve.  —  305  pd  deöpan  dalo.  —  312  on  pd  sveartan 
helle.  —  322  on  päm  ffjre.  —  325  pä  biteron  recas.  —  331  on 
pu  kutan  hell.  —  342  on  pät  nior^er  innan.  —  343  on  pät  niö- 
bed.  —  345  pivre  sveartan  helle.  —  349  ffäs  grnndes.  —  447 
fmrh  pu  helldora,  die  zwar  nirgends  genannt  sind  aber  bei  der 
hölle  eben  so  sell)stversländlich  vorausgesetzt  werden,  wie  es  bei 
Heorot  vielleicht  mit  dem  gifstöl  der  fall  war.    ferner  noch  362. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  DI  AGS.  345 

439.  529.  733.  747.  753.  760.  761.  763.  792.  795  usw.  — 
hinmiel  imd  paradies:  93  pd  maran  gesceafi.  —  217  of  jidm  ni- 
van  neorxna  vange.  —  224  on  pccre  e^yltyrf.  —  3S8  ynib  pät 
heofonrice.  —  392  oh  pdm  lande.  —  404  fiät  heofonrke.  —  410 
on  pan  gödan  rice  (in  dem  pan  liegt  vielleicht  schon  ein  lall  der 
assimilation  vor,  wie  auch  eben  bei  dem  i'^yllyrf.  ich  fmde  es 
nur  bei  folgender  schwacher  adj.-endung  -an  so  noch  Gen.  300. 
Tod  Alf.  8).  —  434  pät  rice.  —  476  on  pone  hedn  heofon.  — 
512.  736.  749.  784.  787.  950  usw.  —  der  haum  im  paradies 
und  der  apfel:  nach  v.  234  ist  eine  lücke,  in  der  ihrer  zuerst 
erwähnung  getan  ist,  wie  das  v.  235  deutlich  zeigt,  denn  es 
heifst  da :  nc  niöta^  ine  päs  ö^res  ealles,  forheta^  pone  cenne  bedm, 
vari(i6  ine  vi^  pone  mstm.  alle  drei  artikel  sind  solche  der  ein- 
fachen hinweisung  auf  genanntes,  ferner  466  se  västm.  —  470 
päs  västmes.  —  auch  476  se  ö8er.  —  483  on  pdm  heume.  — 
492  pone  ded^es  bedm.  —  493  päs  ofätes.  528.  599.  643.  644. 
651.  677.  883.  902  usw. 

wie  in  allen  diesen  stellen  so  findet  auch  noch  in  den  fol- 
genden die  einfache  hinweisung  statt,  v.  49  him  seö  ven  geledh, 
nämlich  dafs  sie  rice  agan  voldan,  v.  47.  —  216  ist  von  den 
vier  heiligen  strömen  die  rede,  und  dann  wird  aufgezählt  228  seö 
dftre.  231  pridda.  233  seö  feörhe.  —  auffallend  ist  239  lista  and 
pdra  Idra,  dafs  nämlich  der  artikel  nur  einmal  und  erst  bei  dem 
zweiten  subst.  steht,  die  worte  zielen  auf  den  inhalt  der  rede 
gottes  die  vorhergeht,  auch  Grimm  vermerkt  dies  beispiel  iv  431. 
—  284  ät  pdm  Striae,  den  Salan  gegen  gotl  vorhat,  eben  darauf 
geht  v.  295  pd  dted.  296  päs  gevinnes.  —  402  päs  eddes,  eine 
widerholung  des  im  verse  vorher  genannten  päs  leöhtes,  dessen 
artikel  durch  den  folgenden  relativsatz  hervorgerufen  ist.  die 
stelle  lautet: 

Ne  gel^fe   ic  me  päs  leiihtes  fnr^or,   päs  pe  him  pence^ 

lange  niutan 
päs  eddes  mid  his  engla  cräfte. 
4U8  ymh  pd  fyrde,  die  eben  lange  auseinandergesetzte,  und  ebenso 
noch  424.  431.  572.  578.  589.  592  {äfler  pdm  Idrum).  598.  621. 
689.  697.  700.  774.  834.  841.  846.  949.  394.  392.  258.  851. 
135  (sei)  tid,  der  ausdrnck  bezeichnet  den  ersten  lag,  von  dem 
die  rede  ist),  wie  im  Beövulf  haben  wir  auch  hier  einige  Super- 
lative. 227  /)d  sclestan.  344.se/jeA.sm. —  1063  se  yldesta.  dasselbe 


346  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

1133.  1214.  1234.  1240.  1616.  1669  usw.  in  allen  casibus  und 
numeris,  260  vi^  pone  hehstaii  heofnes  vealdend.  512.  1323.  dafs 
diese  stellen  lauter  solche  sind,  in  denen  die  mit  dem  Superlativ 
bezeichnete  person  eine  schon  genannte  ist,  bedarf  nicht  der  er- 
wähnung.  —  nicht  im  Beövulf  dagegen  finden  sich  einige  lieim 
vocativ.  G.  57S  idesa  seö  betste.  612  Eve  seö  göde.  678  herra  se 
göda.  Grimm  Gramm,  iv  559  sagt  darüber:  'der  vocativ  geht  nur 
die  zweite  person,  der  artikel  eigentlich  die  dritte  an,  folglich 
kann  jenem  dieser  nicht  gebüren'  und  383  'der  vocativ  also  er- 
trägt keinen  artikel,  und  wo  er  ihn  in  jüngeren  sprachen  annimmt, 
da  liegt  eine  Vertretung  der  zweiten  person  durch  die  dritte  zu 
gründe.'  nichts  desto  weniger  linden  sich  überall  beispiele,  die, 
da  der  artikel  immer  zu  einem  dabeistehenden  adjectiv  tritt,  von 
dieser  sonst  geläufigen  Verbindung  herüber  genommen  zu  sein 
scheinen,  zu  beachten  ist  noch,  dafs  wider  nur  die  Genesis, 
nicht  der  Beövulf,  diese  spuren  eines  weiteren  Umsichgreifens  des 
artikels  aufweist. 

es  finden  sich  sodann  einige  parallelstellen  zu  dem  artikel 
Beöv.  809  se  Ikhoma,  wo  er  das  possessivpron.  vertritt,  nämlich 
385  mid  py  me  god  hafab  geliäfted  he  pdm  healse.  —  607  ac  se 
scea^a  georne  svicode  ymh  pä  süvle.  —  auch  v.  300  vearp  hine 
of  pan  lieän  st  öle,  von  dem  noch  nirgends  die  rede,  der  al)er  dem 
Satan,  als  einem  vasallenkönige  gottes,  als  selbstverständhch  ge- 
bürend  vorausgesetzt  wird,  und  genau  so  260  viQ  fjone  heli- 
stan  heofnes  vealdend,  pe  sile^  on  pdm  hdlgan  stöle.  —  reines 
demonstrativpronomen  ist  der  artikel  wider  256  gelte  ms  he  pdm 
leöhtmn  steorrum,  jenen  Sternen,  die  wir  da  o])en  sehen,  im  Beö- 
vulf findet  er  sich  jedoch  nicht  so.  und  ganz  frei  endlich,  ohne 
sichtbare  demonstratiou  erscheint  er  v.  30  päs  engles  möd,  J)e  Jmne 
unra'd  ongan  fvrest  fremman,  der  zuerst  eine  Sünde  begieng.  — 
176  he  pät  andveorc  of  Adames  Ike  dleo^ode,  den  stoft",  aus  dem 
gott  Eva  formte.  —  958  (god)  het  pdm  sinhlvum  sces  and  eor^an 
—  västmas  fedan.  —  893  [M  pu  a>te  pä  unfreme,  da  du  (mit  dem 
aplel)  das  verderben  afsest.  müglich  allerdings  ist,  dafs  sich  die- 
ser ausdruck  auf  in  dem  verloren  gegangenen  stücke  vor  235 
enthaltene  prophezeihungen  von  den  bösen  folgen  des  Ungehor- 
sams bezieht. 

Im  Andreas  haben  wir  wider  zuerst  eine  reihe  artikel  mit 
oi-klärendem  nachsatz:   15  vt  on  pät  igland,  par  cvnig  pd  git.  — 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  347 

101  and  ealle  pä  meni'go,  pe  pe  mid  vuyiia^.  —  107  nis  seö  prah 
niicel,  pät  /»e  svencan  mötan.  —  227  pone  mceran  häm,  pcer  sö9- 
fästra  sävla  moton  Ilfes  brncan.  —  419  rece  pä  ger^nu,  hü  he 
reordberend  Icerde.  —  566  synnige  ne  mihton  oncndvan  pät  cyne- 
bearti,  se  pe  äcenned  vearfi.  —  666  ve  becömon  tö  päm  cynestöle, 
par  getimhred  väs  (empel  di^yhtnes.  —  SOO  hvKßr  se  vealdend  vcete, 
pe  pät  veorc  std6olade.  —  947  ond  eal  pät  mancymi,  pe  hm  mid 
vunige. —  898  and  pät  vord  gecväb  'Nu  ic  mit  folgender  directer 
rede.  778  on  pu  leödmearce  tö  Channaneum ,  wo  der  folgende 
volksname  den  artikel  hervorgerufen  hat. 

gott  und  Christus:  118  se  hälga  heim  älvihta.  —  225  se 
hälga  healdend  and  vealdend.  —  346  se  hälga.  —  639  hü  se  maga 
fremede,  godbearn  on  grundmn.  —  649  svd  ic  päs  ä^elinges  vord 
gehi/rde.  —  661  se  sigedema.  —  683  pdm  ordfrmnan.  —  696. 
774  se  peöden.  —  752  pis  is  se  ilca  eahalda  god  (Benvulf  kennt 
das  wort  üca  gar  nicht).  —  816  /e  se  maga  fremede,  rodera  rae- 
dend.  —  979  se  hulga.  —  die  vorhergehende  erwähnung  fehlt 
hier  nirgends,  ehensowenig  wie  bei  folgenden:  Matthäus  48  päm 
hälgan.  —  168  p(e7'  se  hälga  ver  in  Achaict  Andreas  väs,  erwäh- 
nung ist  seiner  schon  getan  110.  —  239.  359.  382.  467.  833. 
845  usw.  Volk,  land  und  Stadt  der  Mermedonier,  von  denen  zu- 
erst die  rede  v.  1 5  mit  arlikel  und  relativsatz,  dann  sehr  oft  22. 
25.  28.  29.  bisher  war  nur  von  dem  volke  und  dem  lande  die 
rede,  v.  40  väs  tö  pare  ma'ran  byrig  cumen  in  pä  ceastre,  wird 
auch  von  der  Stadt  die  sie  bewohnen  geredet  und  zwar  wider 
mit  stillschweigender  Voraussetzung  einer  solchen  in  dem  lande 
gleich  mit  dem  artikel.  —  v.  174  ff  redet  Andi-eas  zu  dem  schilVer 
(gott)  von  seinem  vorhaben  zu  jenem  volke  zu  fahren,  nachdem 
er  ihrer  einmal  erwähnung  getan  redet  er  dann  mit  dem  artikel 
von  ihnen  177  svä  is  pare  menigo  peäv.  —  179  on  päm  folcstede. 
—  184  mid  päm  burgvarum.  —  185  on  pare  peöde.  —  ferner 
207.  209.  275.  281.  286.  287.  294.  durch  mehr  als  500  verse 
ist  dann  von  ihnen  nicht  mehr  die  rede  bis  829,  wo  es  gleich 
heifst:  pnrh  hjft  geläc  on  land  becvom  tö  pfcre  ceastre.  weiter 
931.  941  usw.  —  ferner  mit  einfacher  hinweisung:  47  tö  päm 
orlege  nämlich  den  angelangten  Matthäus  zu  packen.  —  90  tö 
päm  carcerne,  von  dem  57  ohne  artikel  nur  die  rede,  dafs  er  iu 
ihm  trotz  seiner  blemhing  gott  pries,  ohne  dafs  erzählt  wurde, 
wie  er  dahin  gekommen.  —  Andreas  wird  .'uifgofordf'ri,  zu  Matthäus 


34S  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

zu  faliren  ihn  zu  retton.  dann  heifst  es  von  der  reise  204.  211 
Jms  si(Sfdtes.  —  216  pd  fore.  —  auch  215  päs  cerendes.  —  337 
on  pd  före,  hier  das  wandei'n  der  jünger  hin  in  alle  weit.  — 
und  so  noch  449.  559.  569.  658.  697.  699.  728.  763.  797.  800. 
802.  805.  800.  831.  856.  888.  916.  958  usw.  113  is  tö  p(ere 
tide  dh.  jetzt,  hoc  tempore,  ebenso  913  in  pd  ilcan  üd,  aber  in 
der  erzählung,  nicht  in  einer  rede,  also  tunc. 

daneben  gibt  es  nun  wider  eine  reihe  besonderer  fälle.    Su- 
perlative 86,  718.  764.  —  parallelen  zu  se  lichoma:  v.  155 

feorh  ne  bemurndan 

gnvdige  gühincas,  hii  päs  gdstes  si^ 

äfter  svyltcvale  geseted  vurde. 
lichoma  selbst  v.  791 

pcer  pä  lichoinan  lange  präge 
hedhfädera  hrd  beheled  varon. 
sehr  grofs  ist  die  zahl  der  stellen,  in  denen  der  artikel  seine 
beziehung  nicht   mehr   im   gedieht  findet,     wenn  in  der  Genesis 
bei  den  bezeichnungeu   des   himmels   sehr   oft  der  artikel  stand, 
so  konnte  dies  leicht  damit  erklärt  werden,  dafs  dort  der  hinniiel 
einer  der  orte  ist,  an  denen  sich  die  handhing  abspielt,    im  An- 
dreas aber  ist  das  nicht  der  fall,  und  der  hinimel  wird  durch  den 
artikel  zu  einem  orte   erhoben,    der   für   das   christliche  bewust- 
sein  des  erzählers  von  bedeutung  und  seinem  vorstellungskreifse 
ein  vertrauter  ist.     die  demoustration   des   ortikels   ist  aber  eine 
sehr  weite,  sie  geht  über  das  gedieht  hinaus,  und  so  war  es  viel- 
leicht auch  schon  bei  jenen  stellen  in  der  Genesis,     hier  haben 
wir  nun:    119  Gevdt  Mm  se  hdlga  . . .  to  päm   nplkan   e^elrke. 
979  Gevdt  him  pd  se  hdlga  heofonas  secan 

eallra  cyninga  cyning  Jmie  chenan  hdm. 
vom  himmel   wird   wol  auch  die  rede  sein  719  in  pcere  ceastre, 
welche  worte  Christus  in  den  inuiid  gelegt  sind,  der  nach  seiner 
anschauungsweise  vom  himmel   redet,     mit  derselben   beziehung 
redet  er  unmittelbar  vorher  von  den  engein :  mid  päm  hnrgvarnm. 

—  ferner  ganz  frei  67  bei  einem  vergleich  svd  pd  dnmhan  nedt. 

—  261  svd  Jjdt  ne  viste  se  pe  päs  vordes  hdd,  der  auf  antwort 
wartete.  —   284  pät  pu  on  pä  f(eg^e  ptne  feore  spilde,  der  lod. 

—  in  einer  sentenz  3 1 3  is  se  drohta^  sträng  pdm  pe  lagoldde 
lange  cnnna^.  —  371  se  griega  mtev,  zu  vergleichen  mit  se  hvonna 
hrefn  usw.  auf  die  ich  noch  (Mumal  zu  sprechen  komme.  —  588 


DAS  SCHWACHE  AÜJECTIV  IM  AGS.  349 

on  pä  betercm  gecynd,  ein  formelhafter  aiisilnick.  —  auch  vyrd 
613  hi'e  seö  vyrd  besvac,  forleölc  and  forhvrde.  iiiid  759  is  seö 
vyrd  mid  eöv  open  orgete.  Grimm  Gramm,  iv  430  zählt  unter  den 
würtern  die  er  im  ags.  'noch  im  besitz  ihrer  alten  Persönlichkeit 
des  artikels  uubediirftig'  fmdet  auch  vyrd,  dätj,  niht  auf.  von  allen 
habe  ich  belege  des  gegenteils  gebracht,  eben  so  steht  es  mit 
einer  gleich  folgenden  bemerkung  Grimms  'oblique  casus,  zumal 
nach  Präpositionen,  entraten  des  artikels  meistenteils.'  —  796  of 
slcepe  piem  fästan.  —  796  he't  hie  tö  pdm  s/9e  gyrvan,  welche 
fahrt  gemeint  sei  wird  erst  im  folgenden  verse  erzählt:  sceoldon 
hie  usw.  —  642  wider  eine  beziehung  auf  christliches  wifsen  und 
denken:  purh  pä  (t^elan  mihi.  —  381  näs  him  c«5  pä  git,  hvd 
päm  sießotan  sund  visode  kann  wider  ein  allgemeiner  ausspruch 
sein,  aber  es  können  auch  mit  den  swflotan  Andreas  und  seine 
schilfsgenofsen  gemeint  sein,  endlich,  wo  wir  den  unbestimmten 
artikel  geradezu  setzen  v.  167  pä  siö  stefn  gevear^  gehered  of 
heofenum. 

In  Byrhtnöds  tod  widerholen  sich  dieselben  erscheinungen. 
in  der  weise,  wie  es  im  Beövulf,  Genesis  und  Andreas  dargelegt 
ist,  entwickelt  sich  der  artikel  weiter,  der  gebrauch  wird  ein 
freierer,  ganz  äufserlicli  ergibt  dies  die  Zählung,  da  über  80  ar- 
tikel auf  325  verse  kommen,  beobachtet  man  aber  den  gebrauch, 
so  äufsert  sich  die  gröfsere  freiheit  einerseits  darin,  dafs  die  ein- 
mal genannten  begriffe  um  so  öfter  mit  dem  artikel  wider  ein- 
gefidirt  werden,  andererseits  darin,  dafs  der  artikel  mit  seiner 
beziehung  gleichfalls  öfter  über  das  gedieht  hinaus  geht,  die 
belege  für  die  erste  art  der  Verwendung  des  artikels  überhaupt 
glaube  ich  übergehen  zu  dürfen,  da  für  die  beobachtung  seines 
gebrauchs  nichts  wesentliches  mehr  aus  ihnen  gewonnen  werden 
kann,  wol  aber  verdienen  die  beispiele  der  zweiten  art  beachtung. 
die  zahl  derselben  ist  sehr  grofs,  aber  die  Substantive,  neben  denen 
der  artikel  erscheint,  sind  meist  wallen,  riislungsgegenslände  und 
kriegerische  termini  technici.  das  ganze  stück  Byrhtnöds  tod 
enthält  die  lebendige  Schilderung  einer  Schlacht  mit  einer  reihe 
von  einzelkämpfen,  so  dafs,  wenn  von  waflen  usw.  die  rede  ist, 
sie  meist  als  die  eines,  oft  sogar  mit  namen  genannten,  kämpfers 
eingeführt  werden,  also  jene  beziehung  für  den  artikel  vorhanden 
ist,  wie  wir  sie  schon  im  Beüvidf  einigemale  fanden,  solche  stel- 
len sind 


350  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

136  he  scenf  pa  mid  päm  scylde,  J)ät  se  sceaft  töbärst 

and  pät  spere  sprengde. 
144  pa  he  oherne  öfstlice  scedt 

pät  seö  byrne  töbärst.    He  väs  on  breöstum  vund 
Jmrh  pd  hringlocan. 
163  pd  Byrhtnö'ö  —  on  pa  byrnan  (seines  gegners)  sloh. 
284    bär&t  bor  des  leer  ig  and  seö  byrne  sang 
gryreleö^a  snm. 
in  der  letzten  stelle  fehlt  die  beziehung  auf  eine  bestimmte  per- 
son.     ferner  haben  wir  19  rrncnm  Kehte,   hn  hi  sceoldon  standan 
and  pone  stede  healdan,  stand  halten.  —  277  he  bräc  pone  bord- 
vealli  den  selbstverständlich  die  Schilde  der  feinde  bilden.  —  74 
Het  f)ä  häle^a  hleö  healdan  pä  bricge,  die  jedes  fahrzeug  zum  lan- 
den mit  sich  führt.  —  72  se  flöd  nt  gevdt,  die  flut  stieg  höher. 

—  77  [jone  forman  man  —  ofsceüt.  —  102  he  mid  bordum  het 
vyrcan  pone  vihagan,  die  phalanx  bilden,   and  pät  verod  healdan. 

—  194  ßngon  on  pät  [ästen,  von  dem  im  gedieht  nirgends  die 
rede,  doch  kann  in  dem  stücke  das  vor  dem  anfang  fehlt  dessen 
erwähnung  getan  sein,  auch  300  on  pdm  väle  hege  kann  hier- 
her gehören,  der  273  genannte  Eddveard  se  langa  kann  schon 
in  dem  verlornen  anfang  erwähnt  sein,  endlich  2S6  Offa  pone 
sa'lidan  sloh,  mufs  er  geradezu  fehlerhaft  stehen,  da  es  nur  heifsen 
kann,  dafs  OITa  einen  der  Wikinge  schlug. 

Der  gleichartigen  beispiele  in  den  gedichten  der  Sachsen- 
chronik ist  ebenfalls  eine  sehr  grofse  anzahl.  so  Atheist.  60  Pone 
sveartan  hrefn,  hyrnednebban  and  pone  hasnpddan,  —  and  pät 
gnege  deör,  vnlf  on  vealde.  —  Tod  Alf.  S  tö  pan  leöfan  gode.  — 
Ih  tö  pdm  munecon.  —  Eädv.  26  rfeaS  se  bitera.  —  in  den  ge- 
dichten werden  personen  eingeführt,  die  in  ihnen  selbst  noch 
nicht  genannt  sind.  Äth.  37  se  fröda  —  Constantinus.  —  Eädgär 
34  biscop  se  göda.  —  orte:  Eädg.  3  on  pwre  ealdan  byrig  Ace- 
mannes  ceastre.  —  Tod  Alf.  19.  20  ät  pdm  vest-ende  pdm  stypeJe 
fnl-gehende  on  päm  sü^portice,  wo  durch  die  artikel  auf  die  orte 
als  auf  bekainite  hingewiesen  wird. 

Damit  ist  die  umständliche  Untersuchung  über  den  ai'tikel 
beendet,  sein  Ursprung  aus  einem  demonstrativpronomen  tritt 
überall  klar  zu  tage,  und  weitaus  die  mehrzahl  der  stellen  sind 
solche  der  engern  demonsiration  auf  im  gedichte  selbst  genanntes, 
nur    äufserst   selten    wird ,    wenigstens    in   den  drei  grofscn  und 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  351 

früheren  gedichteii,  ein  gegenständ  olme  weiteres  mit  ihm  ein- 
geführt, erst  bei  der  widerhohing  tritt  er  zu  ihm,  aber  da  frei- 
hch  durchaus  nicht  jedesmal,  sondern  nur  vereinzeh,  je  nachdem 
das  sprachgefidd  die  demonstration  ertrug,  und  zwar  dem  ent- 
sprechend im  Beövulf  mit  verhältnismäfsig  den  weitesten  Zwi- 
schenräumen, mit  engeren  in  der  Genesis  und  im  Andreas,  den 
engsten  in  Byrhtnöds  tod.  darin  zeigt  sich  nach  der  einen  seile 
hin  sein  weiteres  Umsichgreifen,  seine  alhnähhche  annäherung  an 
den  arlikel  unserer  zeit,  und  es  ist  geradezu  überraschend,  wie 
(hu'ch  diesen  fortschritt  diejenige  ansieht  über  die  Zeitfolge  jener 
gedichte ,  die  aus  allerlei  historischen  andeutungen  die  meiste 
Wahrscheinlichkeit  für  sich  hat,  besfätigung  erhält,  noch  mehr 
aber  erhält  sie  diese  durch  das  stufenweise  zunehmen  derjenigen 
beispiele,  in  denen  der  artikel  mit  seiner  hinweisung  über  das 
gedieht  hinaus  geht,  hier  ward  dann  meist  durch  ihn  der  be- 
griff eines  wortes  auf  eine  bestimmte  person,  auf  eine  aus  sitte 
und  zeit  geläufige  anschauung,  besonders  das  kriegshandwerk 
betreffende  und  christliche,  bezogen  und  durch  ihn  die  selbst- 
verständliche Voraussetzung  der  Zusammengehörigkeit  oder  auch 
der  regelmäfsigen  widerkehr,  von  der  alle  wifsen,  angedeutet, 
oder  es  werden  geradezu  durch  ihn  allgemeine  begriffe  (wie  geö- 
go^)  zu  terminis  technicis.  dadurch  wird  dann  der  artikel  ])ei 
gewissen  ausdrücken  fest,  wenn  auch  erst  spät,  denn  nur  Byrhtnod 
weist  eine  gröfsere  anzahl  derartiger  Verbindungen  auf,  und 
es  kann  sogar,  tritt  noch  ein  adjcctiv  hinzu,  zur  bildung  von  der 
ganzen  poesie  gemeinsamen  formein  kommen  (wie  se  Jwonna  hrefn, 
auch  ohne  adj.  on  fta'm  (läge  pysses  Ufes  usw.),  doch  ist  die  zahl 
derer,  in  denen  der  artikel  ein  festes  glied  bildete,  eine  sehr 
geringe. 

auch  für  diese  ganze  richtung,  die  der  artikel  einschlug, 
sein  gebiet  zu  erweitern,  bot  Beövulf  die  geringste  anzahl  der 
beispiele  dar,  sie  stieg  in  der  Genesis,  noch  mehr  im  Andreas, 
und  die  meisten  hatte  Byrhtnod.  hinsichllich  der  Genesis  uiul 
des  Aiulreas  ist  noch  zu  bemerken,  dafs,  obgleich  die  zahl  der 
artikel  in  beiden  eine  ziendich  gleiche  ist,  doch  die  belege  für 
seine  weitere  demonstration  im  Andreas  viel  häufiger  sind,  so 
dafs  also  das  regelmäfsige  aufsteigen  der  zahl  dieser  weiteren 
demonstr.  mit  der  gesannntzahl  unterbroclu'n  scheint,  allein  er- 
innern wir   uns,    was   fi'üher  über   die   Verteilung  der  arlikel  in 


352  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

der  Genesis  gesagt  wurde,  dafs  nämlich,  weil  der  erste  teil  — 
mit  über  ein  drittel  so  viel  artikeln  wio  das  ganze  übrige  gedieht 
—  die  weitläuftige  ausspiunung  einer  wenig  umfangreichen  hand- 
lang ist,  bei  der  ständigen  widerkehr  derselben  personen  und 
begriffe  die  gelegenheiteu  für  Setzung  des  artikels  sich  ununter- 
brochen darbieten,  wie  er  auch  16  mal  zb.  bei  bäum  und  apfel 
des  paradieses  erscheint  neben  noch  einer  ganzen  reihe  würk- 
licher  dem.  pron.,  während  im  Andreas  bei  dem  rascheren  Wech- 
sel der  handlung  immer  neue  begriffe  auftreten,  die  diese  gelegen- 
heiteu Iteschränken,  so  wird  das  misverhältnis  in  dem  gleichmäfsi- 
gen  aufsteigen  der  zahlen  schwinden,  was  also  den  gebrauch  des 
artikels  anbelangt,  so  wird  durch  ihn  die  Genesis  in  eine  frühere 
zeit  gewiesen  als  der  Andreas. 

Wir  gehen  nun  über  zu  der  Verbindung  des  blofsen  schwa- 
chen adjectivs  mit  dem  artikel.  da  das  subst.  hier  fehlt,  so  mufs 
aus  dem  engern  zusammenhange  hervorgehen,  wovon  die  rede 
ist.  der  artikel,  dessen  hauptfunction  in  einer  solchen  hinweisung 
besteht,  ist  also  ganz  am  platze,  selbst  da,  wo,  wie  dies  an  eini- 
gen stellen  der  fall  ist,  das  betreffende  Substantiv  unmittelbar 
durch  wenige  worte  getrennt  erst  folgt.  Grimm  Gramm,  iv  571 
sagt  über  diese  Verbindung  'persönliche  adjectiva,  die  in  substan- 
tivische bedeutung  tibergehen,  dh.  selbständig,  ohne  subst.  ver- 
wendet werden,  pflegen  schwache  form  anzunehmen,  welche  denn 
nun  auch  ohne  bezug  auf  den  vorgesetzten  oder  nicht  vorgesetzten 
bestimmten  art.  eintritt,  folglich  in  der  späteren  spräche  ebenwol 
nach  dem  unbestimmten  art.  eintreten  kann.'  diese  bestimmung 
gilt  für  das  ags.,  obwol  es  einer  der  altertümlichsten  dialekte  ist, 
nicht,  die  zahl  der  stellen,  in  denen  ein  adj.  ein  persönliches 
subst.  in  starker  form  vertritt  ist  ganz  unverhältnismäfsig  gröfser 
als  die,  in  denen  dies  in  schwacher  geschieht,  sie  begegnen  alle 
augenbiicke.  tritt  aber  die  schwache  form  ein,  dann  hat  sie  auch 
den  artikel  bei  sich  mit  ausnähme  der  wenigen  und  zum  teil 
noch  dazu  zweifelhaften  stellen  die  ich  oben  besprochen  habe, 
wie  sich  das  adj.  zum  unbestimmten  art.  verhält  werden  wir  später 
sehen,  zählen  wir  nun  erst  die  stellen  auf  und  zwar  nach  den 
personen. 

aus  Beövulf.  —  gott:  v.  92  se  älmihtiga  (s.  o.).  —  Beövulf 
205,    in  einer  stelle,    in  der  nur  von  Beöv.  die    rede,    heilst   es 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  LM  AGS.  353 

unter  anderm:  Juifde  se  göda  Geäia  leöda  cemyan  gecorene.  ebenso 
unter  gleichen  verhällnisseu  1518  ongeal  pa  se  göda  gnindvyrgenne. 

—  258  se  yldesta  (s.  o.),  —  384  ßcem  gödan  nennt  ihn  Hrödgär. 

—  675  mit  dem  folgenden  namen:  Gespräc  pä  se  göda  gylpvorda 
sum  Bi'övulf  Gedta.  —  762  mynte  se  mwra,  Iwcer  he  meahle.  — 
1190  pier  se  göda  sät  Beövnlf  Gedta.  —  1629  pä  väs  of  pcem 
hruran  heim  and  hyrne  lungre  alysed.  —  1807  heht  [)d  se  hearda 
Hrunting  heran.  —  1963  gevdt  him  pä  se  hearda.  —  1975  svu 
se  rica  bebedd.  —  2327  pät  pdm  gödan  väs  hreöv  on  hrebre,  hyge- 
sorga  mcvst:  vende  se  visa,  pät.  —  2421  Yyrd,  seö  pone  gomelan 
gie'tan  sceolde.  —  2690  rtesde  on  pone  rufan.  —  2817  pät  väs 
pdm  gomelan  gingeste  vord.  —  2851  par  se  gomela  lag.  —  3011 
ne  sceal  anes  hvät  meltan  mid  pdm  mödigan. 

Hrödgar:  270  sagt  Beövulf  Habbah  ve  lö  pcem  mceran  micel 
wende  Deniga  freän.  —  310  on  pcem  se  rica  bäd.  —  355  pe  wie 
se  göda  dgifan  pence^.  —  399  Arus  pu  se  rica.  —  401  svd  him 
se  hearda  bebedd.  —  1313  par  se  snotera  bud.  —  1318  pät  he 
pone  visan  voi^dum  ncegde  freän  Ingvina.  —  1397  Ahleöp  pu  se 
gomela.  —  1698  pu  se  visa  spräc  snnu  HeaJfdenes.  —  1786  svd 
se  snottra  heht.  —  Higeläc:  1975  svu  se  rica  bebedd.  —  2944 
/)u  se  göda  com.  —  2949  gevdt  him  pd  se  göda.  —  Vigläf :  2860 
pö  väs  ät  pdm  geongnm  grim  andsvarn.  hier  steht  die  starke 
form  l)ei  dem  art.  ganz  gegen  den  sonstigen  ags.  Sprachgebrauch, 
ein  einziges  ähnUches  beispiel  ist  noch  Andr.  843  se  vis,  vielleicht 
verschrieben  für  se  visa  oder  es  ist  ein  eigenes  sid)st.  vis  anzu- 
nehmen, vgl.  Grimm  zu  der  st.  —  Plurale,  jedoch  nur  von  zwei 
personen,  sind  noch  777  pwr  pu  grdman  vunnon  (Beövulf  und 
Grendel)  und  1163  par  pä  gödan  Ivegen  sceton  suhtergefäderan 
(Hnklgcir  und  HrOdulfj. 

aus  der  Genesis,  golt  nimmt  die  erste  stelle  ein.  dieselben 
adjcctiva,  mit  denen  er  bezeichnet  wird,  dienen  auch  für  Abra- 
ham und  andere  personen,  so  dafs  in  dieser  Verbindung  überall, 
wenn  von  ihm  die  rede  ist,  der  artikel  allein  die  engere  demon- 
slration  zu  enthalten  scheint  die  aus  dem  zusammenhange  auch 
stets  möglich  ist.  eine  ausnähme  macht  ece,  das  ja  nur  von  ihm 
gelten  kann  2368.  2897  svä  htm  se  eca  bebedd.  —  sodann  53 
Ne  mihlon  hygelcdse  mccne  y/9  metode  mägyn  bryttigan,  ac  him  se 

mara  möd  getva-fde.  —  147  /)ät  V'e  rica  ahuf frcd  älmihtig. 

161    svä   se  hdlga  bebedd.    —    3^2  gram  vear^  htm  se  göda.  — 


354  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  DI  AGS. 

1569  on  [las  hälgan  hofe.  —  2140  Ic  pe  gehäte  for  [)äm  hälgan, 
pe  heofona  is  dgendfred.  —  2(595  si^^an  me  se  hdlga  of  hyrde 
freän  mines  fäder  fyni  dhedde.  —  2845  pä  päs  rinces  se  rica 
ongan  cyning  costigan.  —  2899  pe  kirn  se  stranga  tcvhte.  —  2917 
Purh  päs  hälgan  hand  heofoncyninges.  —  Abraham :  1 885  p(er  se 
eddga  eft  e'can  drihtnes  noman  veor^ade.  —  1898  /«  se  hdlga  ongan 
dra  gemyndig  Abraham  sprecnn.  —  2039  pd  se  hdlga  heht.  — 
2162  /je  him  se  hdlga  forgeaf,  Ehrea  leöd.  —  2749  ö^  pät  se  hdlga 
his  hldforde  Abraham  ongan  drna  biddan  ecne  drihten.  —  2839  pcer 
se  hdlga  burh  timbrede.  —  2925  pä  se  eädega  bevlät  nnc  ofer 
exle.  —  Noah:  1592  /)ät  pccm  hälgan  väs  sär  on  möde.  —  Lot: 
2445  p(er  hm  se  ä^ela  geaf  gleävferh^  häle.  —  Satans  böte :  489 
pät  viste  se  Id^a  georne  dyrne  deöfles  boda.  —  496  ongon  . . .  se 
lä^a.  —  592  heö  ät  päm  Id^an  onfeng.  —  601  fnirh  päs  lä6an 
Imi.  —  631  pnrh  päs  vrä^an  gepanc.  —  ein  engel:  2295  svä 
se  hälga  bebeäd  godes  (vrendgäst. 

aus  Andreas,  unter  den  25  stellen  ist  18  mal  das  adjectiv 
hälga.  von  gott  345.  979.  1046.  —  Matthäus  48  päm  hälgan. 
—  Andreas  359.  383.  467.  833.  998.  1031.  1224.  1240.  1255. 
1309.  1317.  1568.  1689.  —  aufserdem  802  geveotan  pä  pä  vi- 
tigan  prij  (Aliraham,  Isaac  und  Jacob). —  1634  pä  se  mödiga  he't^ 
getimbran  (Andreas).  —  1119  ymb  päs  geongan  feorh  (der  söhn, 
der  für  seinen  vater  den  tod  leiden  soll),  derselbe  1128  pä  se 
geonga  ongann  hearmleö^  galan.  — ■  1051  pcer  pä  mödigan  mid 
him  mä^el  gehedan  treövgepoftan,  die  menge  der  gefangenen.  — 
aufserdem  zwei  Superlative  die  besonders  behandelt  werden. 

aus  Byrhtnöds  tod.  187  Godrk  .  .  pone  gödan  (Byrhtnöd) 
forlet,  pe  him  mänigne  oft  mear  gesealde,  also  mit  folgendem  re- 
lativsatz. 

aus  den  gedichten  der  Sachsenchronik.  Atheist.  37  se  fröda 
mid  ßeäme  com  on  his  cy^he  «orö  Constantinns.  —  Eädg.  28  pter 
se  geonga  gevät  on  pone  eahto^an  dag  Eädgär  of  life.  —  Eädv.  29 
se  froda  (Eädveard). 

Die  anzahl  der  adjectiva,  die  in*  dieser  weise  verwendet  wer- 
den, ist  also  nur  eine  sehr  geringe,     zweitens  sind  es  nur  sehr 


»  Wenn  auch  mit  Schcier  zGDS  s.  11  wol  mit  recht  für  höht,  die  ne- 
benform  für  het,  heht  zu  schreiben  ist,  so  glaube  ich  ist  doch  in  het  deh- 
nung  des  e  als  ersatz  für  ausgefallenes  h  anzunehmen. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  355 

gebräuchliche,  auch  in  starker  form  oft  widerkehrende,  drittens 
sind  an  sämmthchen  stellen  nur  personen ,  nie  Sachen  das  zu 
ergänzende  Substantiv,  viertens  findet  auch  unter  den  personen 
nur  auf  die  hervorragendsten  diese  ausdrucksweise  anwendung. 
fünftens  sind  die  in  den  adjectivis  enthaltenen  eigeuschaften  her- 
vorhebende, ehrende,  was  selbst  der  fall  ist,  freilich  in  seiner  art, 
wenn  in  der  Genesis  des  teufeis  böte  se  Id^a  heifst,  wie  auch 
wenn  Beövulf  mit  se  gomela,  oder  im  Andreas  der  söhn,  der  für 
seinen  vater  den  tod  leiden  soll,  mit  se  geonga  bezeichnet  Avird. 
wenn  dagegen  B.  2860  mit  demselben  beiwort  Viglaf  bezeichnet 
wird,  so  ist  das  eine  jeden  nachdrucks  und  jeder  hervorhebung 
entbehrende  benennung.  und  da  zeigte  sich  die  ganz  merkwür- 
dige Verbindung  der  starken  form  mit  dem  artikel,  die  nun  nicht 
auf  blofser  willkür  oder  einem  Schreibfehler  zu  beruhen  scheint, 
endlich  sechstens  haben  wir  unter  all  den  stellen  nur  einen  eine 
menge  bezeichnenden  plural  Andr.  1051,  daneben  aber  zwei  duale 
(B.  777  und  116.3)  von  hervorragenden  beiden  und  einen  plural 
Andr.  802,  der  wider  drei  bedeutende  personen  umfafst. 

nach  allem  diesem  scheint  es  also  als  wenn  der  person,  dem 
beiden,  dessen  durch  diese  Verbindung  erwähnung  geschieht,  eine 
ganz  besondere  ehre  und  hervorhebung  angetan  würde,  ist  die 
Stellung  der  zu  ergänzenden  person  weder  durch  taten  noch 
durch  rang  eine  hervorragende,  so  kommt  die  ausdrucksweise  für 
sie  nicht  zur  anwendung,  sondern  da  steht  stets  die  starke  form, 
natürlich  ohne  artikel.  dies  ist  zb.  ohne  ausnähme  dann  der  fall, 
wenn  das  zu  ergänzende  subject  ein  allgemeines,  unbestimmtes 
wie  menschen,  krieger  usw.  ist,  wie  Beöv.  72  ficcr  on  innan  eall 
gedielan  geongum  and  ealdum.  —  173  hvät  svi^ferhhim  seiest 
vcere  —  tö  gefremmane.  —  242  pät  on  land  Dena  Id^ra  nwnig 
—  sce^^an  ne  meahte.  —  550  pwr  me  vi^  lä^nm  —  helpe  gefre- 
mede.  —  1463  folcstede  fära. —  Xhl^  polode  fwges  fyrdhnigl. — 
1663  of'tost  visode  vinigea  ledsnm.  —  2030  on  him  gladia^  go- 
melra  läfe.  —  2107  hvilum  hildedeör  (ein  beliebiger)  hearpan 
vynne  —  grette.  —  2247  hit  ar  on  pe  göde  begedton.  —  2373 
Nö  pi)  (nr  fensceafle  findan  meahton.  —  2541  ne  ft/9  svylc  earges 
si^.  —  2820  gevät  sävol  secean  sö^fästra  dorn.  —  3025  hrefn 
fns  ofer  fajgnm  fela  reordian.  —  Genesis  6 1  gräp  on  vrd^e  fdnm 
folmum.  —  101  on  vrd^ra  gield.  —  1830  pat  me  vrä^ra  snm 
feore  beneöte,  —   1848  spriecon  ymb  päs  vifes  vlite  vlonce  monige 


356  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

dugehmi  dealle.  —  2088  vide  gesävon  freöra  feothbanan.  —  2290 
h'ne  monige  on  vrühe  vinna^.  —  2407  ic — gehyre  synnigra  cyrm. 

—  2486  hine  of  gromra  pü  cunian  arfüste.  —  2547  cinn  ärleäsra. 

Andreas  16  pwr  wnig  pu  git  ellpeödigra  ne  niihie  hrncan. 
dasselbe  wort  27.  948.  —  142  ponue  hie  unlcedra  eafehim  ge- 
lyfdon.  vgl.  Grimm  zu  der  st.  —  30  unladra  eafo^.  —  178  un- 
cii^ra  amgum.  —  181  f'edsceaftne.  —  228  sö^fästra  sävla.  — 
186  fore  hce^enra  handgevinne,  ebenso  959.  —  216  scealt  [)in 
feorh  heran  in  gramra  gripe,  pccr  pe  gn^gevinn  Jmrh  hce^enra 
hildevöman  geboden  vyr^e^.  —  321  selre  byb  wghvam,  put  he 
ed^mehim  ellorfnsne  oncnäve  cnWce.  —  577  sealde  he  dnmbum 
gespj^ec,   deäfe  gehprdon,  healtum  and  hreöfnm  hyge  blissode  usw. 

So  wie  hier  wenn  ein  allgemeiner  substantivischer  begriff 
zu  ergänzen  ist  wird  die  starke  form  aber  auch  gesetzt,  wenn 
dem  neutrum  sing,  und  plur.  eines  adjectivs  die  bedeutung  eines 
unpersönlichen  Substantivs  verlielien  wird,  so  Beöv.  929  fela  ic 
lu^es  gebäd  grynna  ät  Grendle.  —  1060  fela  sceal  geb/dan  leöfes 
and  lä^es.  —  2910  healdet  kige-nia'him  hedfod-vearde  leöfes  and 
/«öes.  —  876  pät  he  secgan  hyrde  —  luicu^es  fela.  —  2185  ne 
hyne  niides  vyr^ne  drihten  gedön  volde.  —  2314  nö  pcer  uht  cvices 
/«9  lyftßoga  Icefan   volde.  —    173  hvüt  svi^ferhhim  seiest   vare. 

—  532  sö^  ic  talige.  —  700  sö9  is  gecy^ed.  sö9  erscheint  noch 
öfters  ähnlich,    doch  kann  es  auch  substantivum  'wahrheit'  sein. 

—  Gen.  253  he  IM  hine  svä  micles  vealdan.  —  291  äfter  göde 
(vnegum.  —  394  mid  la^es  vihte.  —  458  svd  hie  fela  cit^on  gödes 
gegearvigean.  —  465  />ät  pwr  yldo  bearn  moste  on  ceösan  gödes 
and  yfeles.  —  479  se  bl'tr  bilres  fela;  sceolde  hu  vitan  ylda  a'ghvilc 
yfles  and  gödes.  —  530  se  pe  vuht  lu^es  gelade.  —  622  /mIs  fela 
he  me  lä^es  spräc.   —    1291  hvät  he  fäh  verum  fremman  volde. 

—  2549  Llg  eall  fornam  pät  he  gre'nes  fond  goldburgnm  in.  — 
Andreas  338  ic  eov  gada  gehväs  on  eoverne  dgenne  dorn  est  u- 
hvette.  —  897  /)üt  hie  god  volde  omnunan  svä  mycles  ofer  menn 
f(iJlß_  —  1445  Nö  pe  Id^es  mii  —  gedön  mötan.  dasselbe  1476. 

von  dieser  regel  finde  ich  nur  zwei  ausnahmen,  aber  sehr, 
bezeichnende,  nämlich  zwei  comparative.  Beöv.  1739  he  [mt  vyrse 
ne  con,  ohpät  hiin  on  innan  oferhygda  da-l  veaxef\  and  vridd^, 
und  1759  hebeorh  pe  pone  healoni^  and  pe  pät  sehe  geceös,  ece 
rwdas.  das  auffallende  liegt  hier  in  dem  artikel.  hätte  der  com- 
parativ  neben  der  schwachen  auch  die  starke  form,    wir  würden 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  357 

diese,  wenn  wir  die  beiden  stellen  mit  denen  oben  vergleichen, 
bestimmt  hier  erwarten  und  zwar  selbstverständlich  ohne  den 
artikel,  der  nur  die  schwache  form  neben  sich  hat.  nun  aber 
flectiert  der  com})arativ  nur  schwach,  und  der  artikel  tritt  daher 
zu  ihm ,  ohne  einen  eiuflufs  auf  die  art  der  flexion  ausüben  zu 
können,  erwägt  man  ferner,  dafs  dem  artikel  an  der  ersten  der 
beiden  stellen  eine  jede  demonstration  fehlt,  dafs  er  also  nach 
dem  sonst  über  den  gebrauch  des  artikels  gegebenen  bestim- 
mungen  nicht  stehen  dürfte  und  dafs  dagegen  an  manchen  der 
vorher  angeführten  stellen  seine  hinzufügung  nichts  anstöfsiges 
gehabt  hätte,  so  drängt  sich  unwillkürlich  die  Vermutung  auf, 
dafs  an  diesen  stellen  der  artikel  nicht  weggeblieben  ist,  weil  der 
dichter  keine  demonstration  anbringen  wollte,  sondern  w^eil  der 
artikel  die  schwache  form  des  adjectivs  »ach  sich  gezogen  haben 
würde,  dafs  also  der  schwachen  form  eine  eigene  an  all  den 
stellen  unzuläfsige  bedeutung  inne  wohnen  müfse  und  dafs  aus 
rücksicht  für  diese  der  artikel  weggelafsen  worden  sei.  es  ist 
sogar  sehr  wahrscheinlich,  dafs  das  unbestimmte  pron.  eall,  welches 
widerholt  den  artikel  neben  sich  hat,  diesen  gleichfalls  nur  des- 
halb so  ohne  weiteres  zu  sich  nimmt,  weil  er  bei  der  ständigen 
starken  flexion  dieses  Wortes  ebenso  auf  die  flexion  ohne  ein- 
flufs  bleibt,  wo  der  artikel  mit  der  engeren  demonstration  an- 
gebracht ist,  da  steht  er  zb.  bei  eall:  Beöv.  1185  gif  he  fiüt  eal 
gemon,  hvät  vit  gefremedon.  —  2426  fela  ic  genas:  ic  püt  eall 
geman.  —  2739  ic  päs  ealles  mag  gefec'm  habban.  —  3087  ic  väs 
pwr  inne  and  pät  eall  geondseah.  —  auch  Gen.  235  niöta^  ine 
päs  öh'es  ealles.  —  was  das  aber  nun  für  eine  bedeutung  sei, 
die  in  der  schwachen  form  des  adjectivs  vermutet  wird,  das  liefse 
sich  vielleicht  schon  aus  den  beispielen  des  schwachen  adjectivs, 
die  bereits  angefidirt  sind,  herleiten:  doch  um  das  material  reich- 
licher zu  macheu  mögen  vorerst  diejenigen  stellen  aufgezählt 
werden,  in  denen  das  schwache  adj.  mit  artikel  und  Substantiv 
verbunden  ist. 

Aus  Beövulf  haben  wir:  102  vds  se  grimma  ga^st  Grendel 
hüten.  —  758  se  göda  mwg  Higeldccs.  —  813  se  mödega  nueg 
Higelüces.  —  1474  se  mccra  maga  Healfdenes.  —  2587  se  mcera 
maga  Ecgpeöves.  —  2675  se  maga  geonga  (V/gläf).  —  2928  se 
fröda  fäder  Ohlheres.  —  2971  se  snella  sunn  Vonrcdes.  —  2977 
se  hearda  Higeläces  pegn.  —  3028  se  secg  hvala  (Vigläf).  —  3120 
Z.  f.  D.  A.  neue  fol-o  IV.  24 


358  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

se  snotra  snnu  Yihstanes.  —  997  pät  beorhte  hold  (Heorot).  — 
1448  se  hvita  heim  (Beövulfs).  —  2255  se  hearda  heim.  —  2264 
se  svifta  mearh.  —  3024  se  vonna  hrefn.  —  713.  919.  1016. 
1984  on  sele  päm  hedn  (Heorot).  —  3097  beorh  pone  heäii,  grab- 
hügel.  —  (1199  tö  pare  byrhtan  hyrig,  was  Ettmüller  conjicierte 
für  to  herebyrhtan  byrig). 

Bleibeu  wir  eiustweilen  beim  Beövulf,  in  welchem  als  dem 
ältesten  der  gedichte  die  ursprünglichen  formen  sich  am  reinsten 
zeigen  müfsen  und  übergehen  die  hieher  gehörigen  stellen  der 
andern,  so  ergibt  sich  folgendes,  ersten»  hat  der  artikel  überall 
seine  berechtigung,  teils  enthält  er  die  engere  demonstration  teils 
die  weitere,  zweitens  ist  die  anzahl  der  in  dieser  Verbindung 
erscheinenden  adjectiva  wider  eine  sehr  beschränkte,  es  sind  wi- 
der sehr  gebräuchliche,  hervorhebende  und  sie  zeigen  überhaupt 
denselben  character  wie  die  oben,  drittens  sind  die  dabeistehen- 
den Substantive  meistens  personen  und  zwar  wider  solche,  die 
als  hervorragende  beiden  aus  dem  gedichte  selbst  oder  dem  Unter- 
grund der  weiteren  sage,  auf  dem  das  ganze  gedieht  ruht,  bekannt 
sind,  viertens  zeigen  auch  die  nicht  persönhchen  Substantive 
denselben  character.  da  ist  Heorot,  das  weitberühmte,  dann  der 
heim  Beövulfs,  der  gleichsam  einen  bestandteil  des  beiden  bildet 
und  an  seinem  rühme  teil  nimmt,  der  leichenhügel,  wie  er  jedem 
beiden  errichtet  ward,  der  durch  Jahrhunderte  seinen  namen  im 
Volke  fest  hielt  und  dessen  höhe  nichts  weniger  als  gleichgültig 
war,  dann  se  vonna  hrefn,  der  dunkle  rabe,  der  dem  beere  folgte 
oder  voranzog  und  auf  keinem  leichenfelde  fehlte,  darum  fehlte 
er  auch  bei  keiner  Schlachtschilderung  und  mit  den  stellen,  die 
Grimm  darüber  in  der  vorr.  zu  Andr.  s.  xxv  zusammengestellt 
hat,  sind  dieselben  noch  lange  nicht  erschöpft,  keineswegs  aber 
steht  da  überall  der  artikel  oder  ein  schwaches  adjectiv  bei  ihm, 
so  dafs  eine  formelhafte  festsetzung  jenes  ausdrucks,  obwol  er 
in  der  Gen.  noch  einmal  widerkehrt,  nicht  anzunehmen  ist.  nur 
die  zwei  ausdrücke  se  hearda  heim  und  se  svifta  mearh  schliefseu 
sich  nicht  ohne  weiteres  an  die  übrigen  an.  der  satz,  in  dem 
sie  erscheinen,  ist  ein  ganz  allgemein  gehaltener,  der  mann,  der 
den  schätz  verbirgt,  klagt  über  den  Untergang  seines  hauses, 
dessen  letzter  sprofs  er  ist:  heim  und  rüstung  zerfallen,  kein 
harfensang  tönt  mehr,  das  rasche  ros  stampft  nicht  mehr  die 
burgstätte.     es  fehlt   die   beziehung   von   heim    und   ros   auf  ein 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  359 

bestimmtes  subject  als  eigentümer  desselben,  wie  das  bei  dem  heim 
1448  und  dem  leichenhügel  der  fall  ist.  darum  passt  der  artikel 
nicht  recht,  wenn  man  nicht  annehmen  will,  jener  rede  von  sei- 
nem heim  und  seinem  ros,  also  bestimmten  einzelnen,  dann 
reihen  sich  diese  beiden  stellen  ohne  weiteres  den  früheren  an, 
denn  die  substantiva  sowol  wie  die  adjectiva  haben  ihre  paralle- 
len in  1448.  3024.  3097. 

Hinsichtlich  all  der  stellen  entstehen  wider  die  fragen,  wo- 
her es  kommt,  dafs  jene  Verbindung  des  schw.  adj.  sich  nur  bei 
einer  so  bestimmten,  in  ihrer  bedeutung  so  eng  begrenzten  gat- 
tung  von  Substantiven  findet  und  nur  gleichfalls  so  eigenartige 
adjectiva  zu  ihr  verwendet  werden,  warum  überall  da,  wo  Sub- 
stantiv und  adjectiv  nicht  diese  beschaffenheit  besitzen,  entweder 
der  artikel  fehlt,  so  dafs  das  adj.  stark  tlectieren  kann,  oder  neben 
dem  die  demonstration  enthaltenden  art.  das  beiwort  fehlt,  und 
die  antwort  kann  wider  nur  lauten,  dafs  eine  der  schwachen  form 
innewohnende  bedeutung  die  Ursache  sein  mufs.  diese  bedeutung 
kann  aber,  so  weit  es  bis  jetzt  zu  beurteilen  ist,  keine  andere 
sein  als  der  bereits  in  die  schwache  form  gelegte  hinweis  auf 
jene  beschaffenheit  des  Substantivs,  dafs  also  der  in  diesem  lie- 
gende begriff  ein  einerseits  für  die  erzählung,  andererseits  in  folge 
der  gesammten  auf  sitte  und  zeit  beruhenden  anschauungsweise 
sehr  hervorragender  ist,  weshalb  vorwiegend  den  haupthelden 
und  den  gegenständen ,  für  die  die  gesammtheit  ein  besonderes 
intercsse  hatte,  die  ehre  dieser  Verbindung  zu  teil  wird,  im  Beö- 
vulf  liefern  demgemäfs  die  beiden  der  sage  und  das  leben  der 
edelinge,  in  der  Genesis  die  beiden  der  heiligen  geschichtc  und 
die  gegenstände,  an  die  sich  wichtige  eräugnisse  derselben  knüpfen, 
die  beispiele.  das  letzlere  werden  die  gleich  folgenden  stellen 
aus  der  Genesis,  zu  der  ich  jetzt  übergehe,  bevor  wir  für  das 
adjectiv  noch  nähere  beslimmungen  suchen,  ergeben. 

nehmen  wir  hier  zunächst  die  personen,  so  haben  wir  ziem- 
lich dieselben  wie  oben  bei  der  Verbindung  des  schw.  adj.  mit 
art.  ohne  subslanliv.  nändich  goll:  2G0  vvS  [)one  hehslan  he.ofnes 
vealdend,  pe  süe^  on  piim  halijan  stole.  —  270  se  hahja  god.  — 
299  vi^  pone  mceian  drihten.  fiä  vearb  se  mihtiga  gebolgen  hehsta 
heofones  valdend.  —  544  «/)  tö  [läm  ülmihtegan  gode,  pe  nie  vorhte. 
—  1315  Noe  lii/rde  pdin  hülgmi  heofoncyninge.  —  817  ?c  häd 
heofnes  god,  valdend  pone  gödan.  —  850  pdt  hie  ne  forgeäte  god 

24* 


360  DAS  SCHAYACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

älmihtt'g  and  htm  gevisade  valdend  se  göda,  hü  hie  usw.  —  1744 
pa  se  hdlga  spräc  heofonrices  veard.  —  der  böte  Satans :  6S6  stöd 
se  vrd^a  hoda.  —  711  pät  heo  päs  lu^an  bodan  lamm  h^t^de.  — 
Kain:  1005  se  cystledsa  cvealmes  vyrhta  andsvarode.  —  Noah: 
1476  se  eddega  ver.  —  1543  se  snotra  sunu  Lameches.  —  1562 
pät  se  eddega  ver  weaj^ö  vine  druncen.  —  Abraham:  2021  pam 
Ebriscan  eorle.  —  2444  se  Ebn'sca  eorl.  —   2232  se  eddega  ver. 

—  2876  se  eddega  ver.  —  2833  se  eddega  eafora  Pares.  -  Aaron: 
2428  pät  päni  gleävan  vere  geonge  pnhton  men.  ■ —  2595  p(er  se 
eddega  Loth  vwrfäst  vunode.  —  2102  püt  väs  se  mcera  Melchise- 
dec,  leöda  bisceop.  —  Satan:  338  se  ofermöda  cyning,  pe  (er  väs 
engla  scynost. 

die  adjectiva  entsprechen  hier  alle  den  früheren,  selbst  das 
Ebrisca,  denn  es  ist  das  beriünnte  gottesvolk,  von  dem  der  hei- 
land  ausgieng.  von  einheimischen  Völkern  und  geschlechtern  mag 
man  woi  in  gleicher  weise  in  der  schw.  adjectivform  geredet 
haben,  gehen  wir  zu  den  Sachen  über  so  haben  wir  erst  die 
hülle:  44  geond  pät  rcüdledse  ho  f.    —    'S12  on  pä  sveartan  helle. 

—  331  on  pä  hdtan  helle  (für  hell  Dietrich  zs.  11,314).  —  345 
het  hine  ptüre  sveartan  helle  grundes  gi/man.  —  529  pät  pä  svear- 
tan helle  healdan  sceolde.  —  wol  auch  325  vUe  pjolia^,  ....  brand 
and  bräde  ligas,  svilce  enc  pä  biteran  recas  (nämlich  in  der  hülle). 

—  362  helle  pcere  hutan.  —  761  he  is  on  pcere  sveartan  helle 
häft  mid  hringa  gespatme.  —  763  sceolde  he  pä  brädan  ligas  secan 
helle  gehli^o.  —  304  hine  on  helle  vearp,  on  pä  deöpan  dalo.  — 
732  hie  to  helle  scnlon  on  pone  sveartan  s<9.  —  792  gesyhst  pn 
nu  pä  sveartan  helle? 

für  das  christliche  bewustsein  Cädmons  oder  wer  sonst  der 
erzähler  ist  mag  die  hülle  ein  so  bedeutsamer  ort  sein,  dafs  nicht 
erst  die  Wichtigkeit  derselben  für  die  erzählung  ihn  zu  einer  so 
reichlichen  Verwendung  der  schwachen  form  der  adjectiva  bei 
ihren  bezeichnungen  bewog.  dieselbe  bemerkung  gilt  auch  für 
paradies,  biinmel  und  himmelreich:  93  M  he  pä  mwran  gesceaft 
e^ehUuSolas  ef't  gesette.  —  217  of  päm  nivan  neorxna  vange.  — 
410  on  pan  gödan  rice.  —  476.  737  on  pone  heun  heofon.  — 
512  on  päm  hehstan  heofna  rice.  —  950 /äY  nuere  lif.  —  aufser- 
dem  260  igod)  pe  site^  on  päm  hälgan  slöle.  von  dem  artikel 
war  früher  die  rede,  noch  einmal  so  der  thron  Satans:  300 
vearp  hine  of  pan  heän  slöle.   —    dann   haben   wir   wider   1983 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  361 

sang  se  vanna  fugel  umler  deore^sceaftum  deävigfe^era,  den  rabeu, 
in  einer  ganz  dem  heldenepos  entlehnten  sehr  lebendigen  kanipfes- 
schilderung.  daneben  der  christlichen  anschauung  entsprechend 
1460  gevät  se  vilda  fugel,  die  schnellfliegende  taube,  die  aus  der 
arche  Noah  entsendet  wurde.  —  1815  dö  pät  bröhßred  Cimanea 
vear^  cynne  getenge,  hmiger  se  hearda,  der  wolbekannte  gefürch- 
tete feind,  mit  dem  artikel  der  engern  demonstration  wie  auch 
1460.  —  die  arche  Noah  1489  Gevit  üt  of  earce  and  —  of  päm 
heän  hofe  hivan  lad  pu.  —  ebenso  heifst  es  von  Lots  hause  2456 
heton  Uedan  üt  of  päm  hedn  hofe  hdlige  ciras.  —  über  den  artikel 
in  dem  ausdruck  256  gelk  väs  he  päm  leöhtum  steorrum  ward 
schon  früher  gehandelt,  er  ist  reines  demonstrativpronomen : 
jenen,  die  wir  da  sehen,  das  beiwort  leoht  entspricht  den  übrigen, 
diesem  vollständig  parallel  ist  der  ausdruck  1401  nym^e  heä  (die 
arche)  väs  ähafen  an  pä  hedn  lyft. 

bis  hierher  ist  überall  die  gleicliartigkeit  mit  allen  aus  Beo- 
vulf  beigebrachten  und  überhaupt  den  stellen ,  in  denen  die 
schwache  form  des  adj.  verwendet  ist,  sofort  erkennbar  oder  mit 
einem  kurzen  hinweis  kenntlich  zu  machen,  in  den  folgenden 
dagegen  ist  es  anders,  hier  scheint  es  einfach  die  kraft  des  ar- 
tikels  zu  sein,  der  in  seiner  gewöhnlichen  demonstrativen  bedeu- 
tung  gesetzt  das  folgende  adjectiv  in  schwacher  form  zu  sich 
nahm  ohne  rücksicht  auf  die  sonstige  zuläfsigkeit  derselben,  so 
heifst  es  685  heö  —  s^eön  hine  ealne  däg  on  pä  dimman  dasd, 
pät  hie  drihtnes  heora  villan  brtrcon,  nämlich  Eva  dem  Adam,  dafs 
er  den  apfcl  äfse.  es  betrifft  also  den  ersten  sündenfall,  ein  in 
der  biblischen  geschichte  hochwichtiges  eräugnis,  aber  es  scheint 
doch,  dafs  der  folgende  dafs-satz  erst  den  artikel  hervorgeriifen, 
dem  sich  dann  ohne  weiteres  das  schwache  dimman  anschlofs, 
ebenso  2854  von  einer  nur  ein  einziges  mal  erwähnten  ortlich- 
keit:  si^hin  pn  gestigest  stedpe  dune,  hrincg  päs  heän  landes,  pe 
ic  pe  heonon  gettcce,  gleichfalls  mit  folgendem  rclativsalz.  —  so- 
dann 572  he  pone  läQan  strt^  yfel  andvyrde  änforkeleb  on  hreöst- 
cöfan,  heifst  einfach:  er  wird  nicht  streiten  und  den  widerstand 
aufgeben,  hier  hat  nicht  einmal  der  artikel  einen  rechten  sinn, 
er  müste  denn  auf  folgendes  hinweisen,  nämlich  auf  das  den  stri^ 
erklärende  yfel  andvyrde.  oder  hat  ihn  etwa  gar  die  um  ihrer 
selbst  willen  gesetzte  schwache  form  läban  hervorgerufen  ?  — 
697  ein  ähnlicher   ausdruck:  pät  hie  godes  yrre  habban  sceoldon 


362  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

and  hellgefwmg,  pone  nearvan  ni6  niede  onfön  mit  der  deutlich 
sichtbaren  engeren  hinweisung  des  artikels.  —  ebenso  689  väs 
se  feönd  (Satans  böte)  füll  neäk,  pe  on  pd  frecnan  fyrd  gefaran 
häfde  (zu  Eva).  —  etwas  unklar  ist  640  pät  vord  dcväii  vnldres 
aldor,  pät  pät  mich  mor^  menn  ne  porfton  polian,  soll  wol  heifsen, 
dafs  sie  nicht  zu  gründe  gehen  sollten,  derselbe  ausdruck  mit 
demselben  sinn  noch  einmal  691  (der  böte)  leöde  hogode  on  pät 
mich  mor^  men  forveorpan.  —  1700  him.  on  laste  hi  stiWc  stän- 
torr  and  seö  stedpe  burh  stod,  der  babylonische  türm,  doch  möchte 
man  eher  fast  geneigt  sein  die  stedpe  hnrh  gleichzusetzen  etwa 
dem  heorh  pone  kenn,  se  hearda  heim,  oder  was  die  in  der  bedeu- 
tuug  liegende  geltung  anbelangt  oben  der  arche,  sodafs  diese  aus- 
nähme entfiele,  endlich  841  togengdon  gnorngende  on  pone  grenan 
veald,   der   eben    genannt   ist  und   1283  on  pa;re  töveardan  tlde. 

Die  zahl  dieser  stellen  ist  zu  der  der  gesammtheit  gehalten 
eine  verhältnismäfsig  geringe  und  liefse  sich  wie  das  bei  einigen 
eben  schon  angedeutet  ist  vielleicht  noch  verringern,  doch  will 
ich  selbst  den  schein  vermeiden,  durch  künstliche  Interpretation 
die  stellen  einer  erst  zu  suchenden  erklärung  gerecht  zu  machen, 
auch  können  diese  ausnahmen  wol  zu  der  behauptung  führen, 
dafs  im  dichter  der  Genesis  das  gefühl  für  die  bedeutung  der 
schwachen  form  des  adjectivs  so  weit  wir  sie  bis  jetzt  kennen 
nicht  mehr  so  lebendig  war  wie  auch  der  artikel  an  demonstra- 
tiver kraft  bei  ihm  verloren  hatte,  nicht  aber  vermögen  sie  das, 
was  aus  den  übrigen  stellen  des  schw.  adj.  in  Beövulf  und  Ge- 
nesis gefolgert  wurde,  umzustofsen.  , 

Dieses  resultat  aber  war,  dafs  die  schwache  form  des  bei- 
worts  die  function  enthalten  solle  darauf  hinzuweisen,  dafs  der 
im  danebenstehenden  oder  zu  ergänzenden  Substantiv  enthaltene 
begriff  eine  hervorragende  Stellung  im  bewustsein  des  erzählers 
einnehme  und  für  ihn  aus  verschiedenen  angeführten  umständen 
ein  ganz  besonderes  Interesse  habe,  diese  erklärung  wurde  vor- 
wiegend aus  einer  betrachtung  der  substantiva  gefunden,  eine 
widei'holte  durchsieht  aber  aller  der  stellen  mit  besonderer  beach- 
tung  der  adjectiva  sowie  die  wideraufsteigenden  bedenken,  was 
eine  solche  hervorhebnng  in  dem  zusammenhange,  in  dem  sie 
sich  linden,  denn  solle  bei  Verbindungen  wie  se  vonna  hrefn,  on 
pd  hedn  lyft  und  ähnl.  verglichen  mit  ausdrücken  wie  on  pone 
grman  vald,  pd  hiteran  rccas  IVihrle  zu  einer  neuen  beobachtung, 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  ÄGS.  363 

nämlich  der,  dafs  in  den  eben  genannten  Verbindungen  wie  auch 
anderen  das  beiwort  eigenschaften  bezeichne,  die  dem  dabei  stehen- 
den Substantiv  als  ständig  ihm  innewohnende  und  zu  seinem 
Avesen  gehörende  zukommen,  während  bei  vorübergehenden,  zu- 
fälWgen  eigenschaften  nur  die  starke  form  zur  anwendung  kommt, 

von  dieser  beobachtung  aus  ist  es  aber  nur  ein  schritt,  um 
nun  auch  für  die  andern  aufgezählten  stellen  den  gemeinsamen 
erklärungsgrund  der  schwachen  form  zu  finden,  er  bietet  sich 
von  selbst  dar  und  er  lautet,  dafs  die  schwache  form  auch  sol- 
chen beiwörtern  gegeben  wird,  die  eigenschaften  enthalten,  welche 
als  in'dem  Substantiv  liegende,  ihm  selbstverständlich  zukommende 
gewöhnlich  betrachtet  werden  oder  betrachtet  werden  sollen. 

Mit  diesen  beiden  bestimmungen  läfst  sich  an  sämmtlichen 
aufgeführten  stellen  die  schwache  form  des  beiworts  erklären, 
bald  ganz  scharf  mit  der  einen  von  beiden,  bald  mit  der  ersten 
eben  so  gut  wie  mit  der  zweiten,  wenn  ein  hekl  oder  fürst  se 
rica,  Visa,  mcera,  snotera,  göda  usw.  heifst,  sei  es  mit  oder  ohne 
danebenstehende  su])stantivische  bezeichnung  desselben ,  so  sind 
das  eigenschaften ,  die  man  als  selbstverständlich  ihm  gebürende 
annimmt  oder  die  er  zum  teil  in  der  regel  auch  würklich  hat. 
ferner  die  beiwörter  gottes  se  hälga,  ecea,  älmihtiya  sprechen  in 
seinem  wesen  Hegende  eigenschaften  aus.  es  bekommt  nun  einen 
klaren  sinn,  wenn  Grendel  se  grimma  gcüst  oder  Satan  und  sein 
böte  se  lä^a  heifst.  selbst  gomela  und  geonga,  obwol  an  und 
für  sich  vorübergehende  eigenschaften  bezeichnend,  werden  durch 
die  erste  bestimmung  erklärt,  wenn  man  nur  erwägt,  dafs  Jugend 
und  alter  lange  genug  dauern,  um  in  den  äugen  der  Umgebung 
als  zum  wesen  einer  person  gehörig  betrachtet  zu  werden,  ja 
sie  werden  mitunter  geradezu  das  characteristische  einer  person 
wie  des  Nestor  und  der  Helena,  Hagens  und  Siegfrieds. 

Es  kann  auf  den  ersten  blick  scheinen  als  seien  jene  beiden 
bestimmungen  ein  par  grofse  topfe,  in  die  sich  alles  werfen 
liefse,  mit  deren  hülfe  man  eine  jede  schwache  form  des  adj. 
verteidigen  könne,  aber  dem  ist  nicht  so.  es  liegt  sogar  auf 
der  band,  dafs  die  Verwendung  einer  form  mit  dieser  function 
stets  eine  horvorhebung  des  gesammtausdrucks,  in  dem  sie  sich 
lindet,  bewürkcn  mufs,  mit  einem  worte,  dafs  sie  emphatisch 
ist.  da  wo  die  eigenschafl  nur  eine  solche  ist,  die  dem  Sub- 
stantiv nicht  von  nalur   iuncwolint    sondern    nur   als  solche  ihm 


364  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

zukommend  betrachtet  werden  soll,  wie  auch  da,  wo  eine  zum 
weseu  gehörige  eigenschaft  zur  besonderen  geltung  kommt,  da 
können  wir  die  schwache  form  am  entsprechendsten  durch  ein 
eingeschobenes  'so'  widergeben,  se  läba  boda  ist  'der  so  böse 
böte',  pä  biteran  recas  'der  so  bittere  rauch',  da  wo  von  den 
quälen  der  unterweit  die  rede  ist,  und  diese  Übersetzung  macht 
den  nachdruck  sofort  klar,  zweimal  linde  ich  sogar  ein  entspre- 
chendes svc2  beim  schwachen  adj.  in  dem  späten  Byrhtnöd  319 
ic  me  be  healfe  minum  lila  forde,  be  svu  leöfan  men  licgcin  ßence 
und  Andr.  1672  ne  scealt  pn  pät  eovde  änforlcetan  on  svu  niovan 
gefeän.  aber  es  ist  übertlüfsig,  ich  komme  noch  einmal  auf  die 
stellen,  die  schwache  form  mit  dieser  function  der  emphase  ver- 
laugt also  zweierlei,  einmal  dafs  die  von  ihr  betroffenen  Substan- 
tive derselben  würdig,  dann  dafs  die  adjectiva  in  ihrer  bedeutung 
derselben  fähig  sind,  und  gerade  beides  war  es,  was  wir  als  das 
gemeinsame  bei  den  Substantiven  sowol  wie  bei  den  adjectiven 
fanden  und  von  wo  aus  wir  uns  den  weg  bahnten,  so  wird 
also  zugleich  das,  Avas  erst  als  Ursache  erschien,  jetzt  zur  folge, 
wenn  auch  nicht  in  der  ausdehnung  und  mit  der  ausschliefslich- 
keit,  die  die  bisherigen  beispiele  allerdings  zur  schau  trugen, 
bei  alle  dem  darf  aber  nicht  übersehen  werden,  dafs  gerade  in 
dem  umstand,  dafs  die  beiwörter  dem  subst.  innewohnende  eigen- 
schaften  enthalten,  gewisse  adjectiva  also  mit  gewissen  Substan- 
tiven in  folge  dessen  häufig  mit  einander  verbunden  werden,  die 
gcfahr  zu  formelhafter  erstarrung  und  zu  demgemäfser  Verwen- 
dung auch  wo  der  nachdruck  nicht  am  platze  war  nahe  lag.  so 
möchte  ich  es  erklären,  wenn  Gen.  689  die  Verbindung  on  pä 
frectian  fyrd  von  der  reise,  die  Satans  böte  Eva  zu  verführen 
unternimmt,  gebraucht  wird,  während  der  ausdruck  sonst  vielleicht 
für  die  kriegsfahrt  geläufig  war,  oder  wenn  es  von  Lots  hause 
on  päm  heän  hofe  ähnlich  heifst  wie  von  Heorot.  se  vanna  fngel 
hat  vielleicht  einflufs  auf  se  vilda  fngel.,  ihe  taube  der  arche.  doch 
ist  das  alles  fraglich  und  weit  reicht  diese  erstarrung  noch  durchaus 
nicht,  wenigstens  in  der  Genesis  nicht,  avo  wir  das  schwache  adjectiv 
noch  in  voller  ausübung  der  nachgewiesenen  function  antreffen, 
aber  doch  mag  in  dem  besprochenen  umstände  einer  der  gründe 
mit  liegen,  dafs  das  bewustsein  für  diese  function  im  Sprachgefühl 
allmählich  mehr  und  mehr  zurücktrat,  in  der  prosa  Alfreds  ist  sie 
schon  ganz  geschwunden  wie  die  lectüre  nur  weniger  Zeilen  zeigt. 


DAS  SCHWÄCHE  ADJECTIV  IM  AGS.  365 

ferner  liegt  es  auf  der  band,  dafs  die  anbringung  einer 
empbase,  wie  sie  die  schwacbe  form  zu  bewürken  im  stände  ist, 
ganz  im  belieben  des  scbriftstellers  stebt.  es  ist  ein  scbnuick  der 
rede,  dessen  bäufige  Verwendung  seiner  würksamkeit  ajjlnnicb  tut. 
daher  bat  es  denn  nirgend  etwas  auffälliges,  wenn  wir  dieselben 
Verbindungen  von  adjectiven  mit  Substantiven  aucb  mit  starker 
form  des  adjectivs  antreffen,  aber  die  anwendung  bangt  auch 
von  der  individualität  des  dichters  ab.  nicht  alles  erscheint  jedem 
in  gleicher  weise  der  bervorbebung  würdig,  wenn  Cicero  de  nat. 
deor.  I  3  mit  dem  gleichfalls  emphatischen  ille  sagt:  et  princi'pes 
Uli,  Diodotus,  Philo,  Antiochus,  Posidotiius,  a  quibus  instituti  sumus, 
so  weist  er  durch  das  Uli  auf  eine  beriihmtbeit  der  männer  bin, 
die  sie  nur  für  ihn  und  seine  leser,  nicht  aber  für  kreifse  hatten, 
die  um  philosophie  sich  nicht  kümmerten,  und  so  mag  es  sich 
mit  einzelnen  der  stellen  verhalten,  die  ich  bei  denen  der  Genesis 
oben  als  solche  bezeichnen  zu  müfsen  glaubte,  in  denen  die 
schwache  form  nur  um  des  artikels  willen  gesetzt  sei,  es  erhält 
dies  um  so  mehr  Wahrscheinlichkeit  wenn  wir  bedenken,  dafs  die 
reichhaltigen  geschichten  des  allen  und  neuen  testaments  noch 
dazu  neue  und  trotz  der  Verbreitung  des  Christentums  bei  den 
Angelsachsen  wol  nur  wenigen  genauer  bekannt  waren,  so  dafs 
bei  der  wähl  des  hervorzubebenden  in  hohem  grade  die  neigung 
entscheidend  war,  mit  der  der  sinn  dies  oder  jenes  als  ihm  und 
seiner  individualität  besonders  ansprechend  herausgegriffen  hatte. 

Es  scheint  übrigens,  als  ob  die  entdeckuug  einer  emphati- 
schen function  der  schwachen  form  bereits  früher  einmal  gemacht 
oder  doch  vermutet  wurde.  Gramm,  iv  509  zählt  Grimm  in  der 
ersten  note  die  verschiedenen  l)encnnungen,  die  für  unsere  beiden 
declinationen  zur  anwendung  gekommen  sind,  auf,  und  da  heifst 
es:  'widerum  ist  dafür  abstract  und  concret  (zuweilen  emphatisch) 
gebraucht.'  wo  aber  diese  benennung  'emphatisch'  sich  findet 
und  von  wem  sie  aufgebracht  ist,  ist  mir  trotz  alles  suchens 
nicht  möglich  gewesen  zu  entdecken,  hat  es  aber  in  der  a])siclit 
des  edinders  jenes  ausdruckes  gelegen,  mit  ihm  die  grundbcdeu- 
tung  der  schwachen  form  zu  bezeichnen,  und  bei  der  gewöhn- 
lichen annähme,  dafs  in  der  endung  ein  hinweisendes  fürwort 
verborgen  liege,  ist  dies  höchst  wahrscheinlich,  so  kann  ich  dem 
noch  nicht  zuslinnnen.  eine  emphatische  Verwendung  des  schw. 
adj.  findet  im  ags.  zwar  entschieden  statt,   aber   ob  aus  ihr  jene 


366  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

beiden  verweudiingsarten  die  wir  fanden  herzuleiten  sind  oder  ob 
nicht  viehnehr  das  gegenteil  der  fall  ist,  ja  auch  welche  jener  bei- 
den hinweisungen  der  schw.  form,  gehen  sie  der  ausbildung  der 
emphatischen  bedeutung  voraus,  die  frühere  und  ursprüngliche  ist, 
das  läfst  sich  auf  grundlage  des  ags.  wol  noch  kaum  entscheiden. 

Die  bisher  über  den  gebrauch  des  schw.  adj.  zusammen- 
getragenen stellen  wurden  dazu  benutzt,  eine  erklärung  für  die 
schw.  form  aus  ihnen  herzuleiten,  nun  da  dieses  ziel  erreicht 
ist,  gilt  es,  an  den  zahlreichen  noch  übrigen  stellen  zu  verfolgen, 
ob  sich  das  gefundene  an  ihnen  bewährt,  ob  sich  neue  stützen 
für  dasselbe  darbieten  werden,  sowie  auch  ob  etwa  schon  in  den 
gedichten,  die  der  Untersuchung  zu  gründe  gelegt  sind,  ein  zu- 
rücktreten des  bewustseins  für  die  function  der  schw.  form  wahr- 
zunehmen ist. 

Es  sind  noch  aus  dem  Andreas ,  Byrhtnöds  tod  sowie  den 
gedichten  der  Sachsenchronik  diejenigen  stellen  nachzutragen,  in 
denen  das  schwache  adj.  in  Verbindung  mit  artikel  und  subst. 
erscheint,  und  es  mag  gleich  an  ihnen  die  prüfung  vorgenommen 
werden,  da  wo  sich  unter  den  früheren  stellen  parallelen  finden, 
bedarf  es  nicht  der  näheren  darlegung.  so  haben  wir  denn  für 
gott  wider  einige  Verbindungen  im  Andreas:  118  se  hälga  heim 
älvihta,  engla  scyppend.  —  225  geväi  him  fiä  se  hälga  healdend 
and  vealdend  npengla  frnma.  —  168  pcer  se  hälga  ver  in  Achm'a 
Andreas  väs.  —  1173  pone  hälgan  ver.  —  1397  grim  väs  se  hälga 
ver  sdre  gesvungen.  himmel  und  himmelreich :  1 18  gevät  (hs.  ge. 
Grein  gevdt)  him  se  hdlga  heim  —  tö  päm  upUcan  ebelrice.  diese 
und  ähnliche  Verbindungen  für  den  himmel  sind  nach  Grein  unter 
npUc  sehr  häufig,  emphatisch  ist  der  ausdruck  kaum,  die  eigen- 
schaft  des  npUc  kommt  dem  himmel  an  und  für  sich  zu.  anders 
dagegen  ist   es   227  gevät  him  secan  —  pone  tmerau  kam,  pcer. 

—  980  gevät  him  pä  se  hälga  heofonas  secan  —  pone  dccnan 
häm  euhnedum  npp.  —    1685  to  päm  hälgan  häm  heofona  r/ces. 

—  Volk,  land  und  Stadt  der  Mermedonier:  40  pä  väs  Matheus 
tö  pivre  nupran  hijrig  cnmen  in  pä  ceastre.  —  ebenso  sagt  An- 
(h'cas  287  tö  pwre  mceran  byrig,  und  gott  975  m  Jtysse  m/vran 
hyrig.  —  1508  on  pis  frdte  folc,  —  berechtigt  ist  auch  die 
schwache  form,  da  von  einer  bcsliminten  sladt  die  rede  ist,  die 
ilu-e  läge  für  immer  behält,  in  dem  ausdruck  1651  in  pwre  byrhtan 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  367 

hyrig,  aber  hinzukommt,  dafs  das  epilheton  hyrhta  ein  häufig  bei 
diesem  subst.  erscheinendes  gewesen  sein  mag,  vgl.  zb.  Beöv.  1199; 
und  ganz  von  dem  artikel  (resp.  demonstrativpron,»,  höchstens 
noch  durch  eine  emphase  der  Verachtung,  bedingt  ist  die  schw. 
form  111  in  päs  hcv^enan  bürg  und  1493  in  pwre  Juv^enan 
hyrig.  —  ganz  klar  ist  die  schw.  form  wider  1 297  pü  par  älfjvde 
se  atola  gast,  vriiQ  vcerloga,  der  teufel.  —  1439  pum  myclan  (läge 
d.  i.  der  jüngste  tag,  und  es  heifst  da  weiter  pät  pät  geveor^eb, 
pät  peös  vlilige  gesceaft,  heofon  and  eorbe  hreösab  tögadore.  — 
ferner  67  nn  /)nrh  geoliba  sceal  dcede  fremman  svd  pä  dumban 
nedt,  wie  die  unverständigen  tiere.  —  796  het  pä  np  ustandan 
of  sl(epe  pwm  fästan.  —  1272  pä  com  häleba  pjreät  tö  pcere  dim- 
man  ding,  rein  emphatisch.  —  1464  on  piere  deorcan  niht.  — 
auch  ein  vogel  kommt  wider  371  hornßsc  plegode,  gläd  geond 
görsecg  and  se  grcega  mwv,  der  wolbekannte  Sturmvogel.  —  etwas 
dunkel  ist  der  ausdruck  643  gästas  hveorfon,  söhton  si6frome 
svegles  dreämas ,  engla  ehel  /mrh  pä  cibelan  miht.  —  eine  nicht 
seltene  Verbindung  die  auch  alliteriert  wie  oben  dimman  ding 
und  dieser  wendung  auch  sonst  gleichartig  ist,  hier  aber  wider 
eine  christliche  beziehung  enthält  ist  598  pnrh  läre  speön  tö  päm 
fägeran  gefedn,  pcer  freö  moton  eddige  mid  englum  eard  veardigan. 
—  verwandter  art  sind  1244  väs  pät  äbele  mud  (des  Andreas) 
äsundrad  fram  synnum,  1337  hine  god  forstöd  slalSnlfiht  steörend 
pnrh  his  strangan  miht,  1478  i)üs  eft  svä  cur  pnrh  pä  dbelan  miht 
lof  hi'dende.  —  1162  on  pä  bitran  ttd  ist  rein  emphatisch,  auch 
559  pät  pä  ärlmsan  invidpancnm  Judca  cynn.  1310  in  pät  dinime 
räced,  das  gefängnis.  763  veorud  hiosnode  geond  pät  side  sei  (der 
tempel,  in  dem  Jesus  predigt).  767  PMt  se  sci/na  stdn  madde  for 
mannum,  der  stein,  den  Jesus  reden  und  verkünden  läfst,  dafs 
er  der  heiland  sei. 

mehreres  ist  hierzu  zu  bemerken,  wir  haben  oben  bereits 
gesehen,  wie  Andreas  in  der  freiheit  im  gebrauch  des  artikels 
viel  weiter  geht  wie  die  Genesis  und  in  noch  höherem  grade  wie 
der  Be6vulf.  dazu  liefern  die  eben  aufgezählten  stellen  wider 
mehrfache  belege,  und  zwar  sind  es  stellen,  in  denen  der  artikel 
mit  seiner  demonstration  über  das  gedieht  hinaus  geht  (wie  67. 
643.  796.  1162.  1439.  1478).  im  Bc6vulf  würde  hier  wol  idierall 
der  artikel  weggelafsen  sein,  zumal  da  die  schwache  form  dabei 
steht,     dies  klingt  auffallend,    da  ja   beide,    artikel  und  schwache 


368  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

tonn  eng  mit  einander  verwachsen  zu  sein  scheinen,  aber  fafsen 
wir  ihre  bedeutiingen  ins  äuge,  so  haben  sie  doch  nur  sehr  wenig 
mit  einander  gemein,  sehen  wir  uns  nun  jene  stellen  im  Beövulf 
wider  an  und  vergleichen  wir  den  artikel  im  allgemeinen  damit, 
so  ist  nicht  nur  die  Zurückhaltung  im  gebrauch  dieses  im  Beövulf 
eine  grofse,  sondern  er  liebt  ihn  auch  besonders  nicht  bei  un- 
persönlichen Substantiven  vor  dem  schwachen  adjeetiv,  wie  dies 
noch  weiter  gleich  die  zahlreichen  stellen  ergeben  werden,  in 
denen  das  schwache  adjeetiv  allein  beim  Substantiv  steht,  woher 
kommt  dies  ?  ich  glaube  es  hat  damit  folgende  bewandtnis.  artikel 
und  schwache  form,  obgleich  sonst  wie  eben  bemerkt  in  ihren 
functiouen  ganz  verschieden,  haben  doch  einen  punkt,  in  dem 
sie  sich  berühren,  die  weitere  demonstration  des  artikels  trifft 
wie  wir  sahen  fast  ausschliefslich  gegenstände,  die  in  folge  der 
rolle,  die  sie  in  sitte  und  leben  spielen,  für  die  anschauungsweise 
des  damahgen  publicums  von  ganz  besonderem  Interesse  sind, 
und  grade  das  sind  auch  die  eigenschaften,  die  von  den  gegen- 
ständen verlangt  werden,  denen  die  auszeichnung  der  schwachen 
form  zu  teil  werden  soll,  so  enthalten  beide  formen  eine  gleiche 
art  von  demonstration,  die,  werden  beide  formen  neben  einander 
gesetzt,  doppelt  ausgedrückt  ist.  und  dies  wollte  der  dichter  des 
Beövulf,  in  dem  das  gefühl  für  die  bedeutung  beider  formen  noch 
mächtiger  war  als  bei  den  verfafsern  der  andern  gedichte,  vermei- 
den, daher  linden  wir  bei  ihm  viel  häufiger  nur  eine  von  beiden 
formen  verwendet  als  beide  neben  einander. 

Es  sind  noch  aus  Byrhtnöds  tod  die  wenigen  stellen  aufzu- 
zählen. 86  ongunnon  lytegian  pd  lä^e  gijstas  (die  feinde).  —  150 
pät  se  (daro^)  tö  for^  gevdt  purh  pone  cibelan  Äbelraedes  J)egen. 

—  155  Vulf Staues  hearn,  Vulfm/er  se  geonga.  —  218  väs  min 
ealda  fdder  Ealhelm  hdlen.  —  273  on  orde  stöd  Eädveard  se  langa. 

—  240  pd  he  on  meare  räd,  on  vlancan  püm  vicge,  auf  dem  pferde 
Byrhtnöds,  das  ein  anderer,  Godric,  bestiegen  hatte.  —  der 
artikel  hat  nirgend  etwas  auffälliges,  ebenso  auch  nicht  die 
schwache  form. 

Sachsenchronik:  Atheist.  16  ö9  pdt  siö  cibele  gesceaft  sah 
tö  seile,  die  sonne,  die  widerholt  vorher  genannt  ist.  vgl.  Andr. 
1440.  Gen.  93.  —  61  die  mehrmals  erwähnte  stelle,  die  ich 
ganz  hersetze:  lelon  him  hehindan  hrd  hryttian 

salovigpddan  and  pone  svearlan  hrefn, 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  369 

hyrnednebban  and  pone  hasiipudan 

earn  äftan  hvit  ceses  brncan, 

gra'digne  yuNiafoc,  and  pät  grcege  deör 

vnlf  on  vealde. 

Eädgär   3   on  pcere  ealdan    byrig  Acemannes  ceastre.   —   6 

pcer  väs  blyss   micel   on  pCim  eddegan  däge  eallum.  gevorden,   der 

tag  an  dem  Eadgär  küiiig   ward.   —   23    and  Jns  vdce  forlet  lif, 

pis  Iwne.   wir  werden  dieser  verl)iüdung  noch  mehrmals  begegnen. 

—  2S  se  geonga  gevdt  on  pone  eahto^an  dag  Eadgär  of  Itfe.  — 
3-1  biscop  se  goda,  pdm  väs  Cyneveard  nama.  —  lod  Alfreds 
8  to  pan  leöfan  gode.  —  Eädveard  24  Eddveard  se  ä^ela.  — 
26  o9  f)ät  becom  deab  se  bitera.  —  auch  hex  diesen  stellen  ist 
jede  bemerkung  üiierflüfsig. 

Wir  sind  nun  bis  zu  der  ausdrucksweise  gelangt,  die  bei 
der  lectüre  des  Beovulf  zuerst  die  Vermutung,  erweckte,  dafs  das 
setzen  der  schwachen  form  nicht  von  der  blofsen  willkür  ab- 
hänge, sondern  dafs  ein  gesetz  bei  ihrer  anwendung  befolgt  werde, 
es  sind  dies  die  stellen,  in  denen  das  schwache  adj.  neben  dem 
subst.  ohne  artikel  erscheint,  dieses  auftreten  der  schw.  form 
ohne  artikel  hat  nun  nichts  auffallendes  mehr,  jede  form  hat 
ihr  eigenes  gebiet,  treffen  sie  zusammen,  so  mül'sen  die  be- 
dingungen  für  beide  vorhanden  sein,  es  mufs  da,  wo  neben  der 
schw.  form  ein  artikel  auftritt,  sich  für  diesen  eine  demonstration 
nachweisen  lafsen.  ein  solciies  zusammentrelfcn  aber  ist,  obwol 
der  möglichkeiteu  für  dasselbe  sehr  viele  sind,  doch  immer  das 
minder  gewöhnliche,  und  daher  J)egegnet  es  denn  auch  im  Be6v., 
dafs  die  zahl  der  stellen,  in  denen  das  schw.  allein  erscheint  viel 
grofser  ist  als  die,  in  denen  es  den  artikel  neben  sich  hat. 
lafsen  wir  nun  die  stellen  ins  äuge,  wir  beginnen  wider  mit 
den  personen,  es  sind  wider  die  hervorragendsten,  die  demon- 
stration des  artikels  wäre  also  am  orte  gewesen.  1400  visa 
fengel  geatoUc  gende  (Hrö^gdr).  —  132  syft^an  hie  [)äs  Id^an 
last  scedvedon,  vergan  gusles  {Grendel).  —  1792  volde  blonden- 
feax  beddes  neösan,  gamela  Scylding  [Ilrö^gar).  —  2487  gomela 
Scylfing  (Ongenpeöv).  derselbe  2968  gomela  Scylßny.  —  1146 
Svylce  ferli^frecan  Fin  eft  begeat  sveordbealo.  —  1871  gecyste  pd 

—  peöden  Scyldinga  pegn  betstan  (Beövulf).  —  2155  Jlru^gär  — 
snolra  fengel.   —    2123  p(er  väs  Äschere  frödan  fyrnvitan  feorh 


370  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

ubgenge.  —  2625  pd  väs  forma  s?9  geongan  cempan  (Vigldf),  — 
an  1111(1  für  sich  ist  es  auch  nicht  ohne  hedeutung,  ob  die  stellen 
mit  dem  schw.  adj.  sich  in  der  eigentlichen  erzählung  linden 
oder  in  eingestreuten  reden ,  dh.  ob  der  dichter  ihre  hervor- 
hebung  als  aus  seiner  anschauung  herrührend  ausspricht  oder  ob 
er  sie  als  einen  ausdruck  der  redenden  person  hinstellt,  so  ge- 
' hören  zb.  die  worte  2133  einer  rede  Beövulfs  an,  der  den  tod 
seines  dienstmannen  Äschere  beklagt.  fiU'  die  Zusammenstellung 
der  beispiele  ist  dieser  unterschied  jedoch  nicht  von  belang,  da 
die  demonstration  in  den  reden  immer  solche  gegenstände  und 
personen  trifft,  die  auch  aufserhalb  der  reden  die  fähigkeit  der- 
selben besitzen. 

mit  dem  artikel  war  gott  im  Beövulf  nur  einmal  eingeführt 
worden,  mit  der  schwachen  form  des  beiworts  erscheint  er  öfter, 
auch  das  erklärt  sich  nun  von  selbst,  wir  haben  1398  gode 
pancode,  mihtigan  drihtne.  —  1779  päs  sig  metode  panc,  ecean 
dryhtne.  —  2330  pät  he  vealdende  ofer  ealde  riht  ecean  dryhtne 
bitre  gebulge.  —  dazu  von  dem  bösen  dement,  dem  diabolus,  wie 
die  glossare  geben:  1747  htm  bebeorgan  ne  con  vom  vundor- 
bebodwn  vergun  gästes.  die  stelle  gehört  natürlich  wider  dem 
interpolator  B  an.  —  von  Heorot  heifst  es  116  gevdt  pä  neösian 
hedn  huses.  —  167  Heorot  eardodej  sincfdge  sei.  —  1177  Heorot 
is  gefalsod,  beähsele  beorhta.  —  der  rabe  1801  o8  pät  hrefn 
blaca  heofenes  vynne  bli^heort  bodode,  hier  aber  in  einer  andern 
beziehung;  es  ist  nicht  der  rabe  der  walstätte,  darum  fehlt  der 
artikel.  diese  widerkehr  der  schwachen  form  beim  raben  aber 
spricht  das  Vorhandensein  des  bewustseins  von  seiner  einstigen 
hedeutung  unter  den  mythologischen  tieren  deutlich  aus. 

der  hierher  gehörenden  ausdrücke,  die  sich  auf  den  kämpf 
beziehen,  waffen,  rüstungsgegenstände  usw.  bezeichnen,  ist  eine 
sehr  grofse  menge,  wie  dies  zu  erwarten  war,  da  an  ihnen  ja 
sogar  die  weitere  demonstration  des  artikels  vorwiegend  stattfand. 
Waffen:  B.  1243  setton  him  tö  heäfdum  hilderandas^  bordvndu 
beorhtan;  pa'r  on  bence  väs  ofer  ähelmge  0-gesene  hea^osteäpa 
heim,  hringed  byrne.  —  1553  nemne  him  hea^obyrne  helpe  gefre- 
mede ,  herenet  hearde.  —  1435  pät  him  on  aldre  stöd  herestncl 
hearda.  —  dazu  1919  das  schiff  Beövulfs:  vndu  vynsuman.  — 
auch  von  den  instrumentalen  gehört  der  gröste  teil  hierher. 
561  ic  htm  ftenode  deöran  sveorde.  —  1746  ponne  bi^  on  hreh^e 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  371 

drepm  hiteran  stnde.  —  244Ü  and  his  imeg  of'scet,  brö^or  ö^enie 
blödigan  gäre.  —  2492  ic  htm  pä  mä^mas  geald  ät  guie  leöhtan 
sveorde.  —  unter  den  sonst  auf  den  kämpf  l)eziiglichen  finden 
sich  unter  ihnen  die  plurale:  963  ic  Imie  heardan  clmmmim  vri^an 
pohle.  —  1502  gühinc  gefeng  atolan  clommnm.  —  1505  pät  heö 
/)one  fyrd-hom  Jmrhfon  ne  mihte  —  Id^an  ßngrnm.  —  1542 
kandkdn  forgeald  grimman  grdpum.  —  2692  heals  ealne  ymbefeng 
hiteran  bdnnm,  —  der  schwache  instrum.  phu'al,  der  sich  nur 
noch  findet  2392  uferan  dögrum,  3035  icrrun  mcelum,  heweist 
an  sich  schon  das  altertümhche  und  formelhafte  der  verhindungen. 
—  ferner  849  ^9a  gesving  hätan  heolfre,  heorudreöre  veöl.  — 
1423  ßöd  blöde  veöl,  hätan  heolfre.  —  1503  nö  py  (er  ingescöd 
hdlau  Uce.  —  2347  pät  he  pone  vidßogan  veorode  gesöhte,  sidan 
herge.  —  aufser  den  instrumentalen:  1343  se  pe  dfter  sincgyfan 
on  sefan  greöte^  hre^erbealo  hearde.  —  1846  pät  pe  gär  nimeb, 
hild  heorugr imune.  —  2474  pd  väs  synn  and  sacu  .  . .  hereni^ 
hearda.  —  2849  on  hyra  mandryhtnes  miclan  pearfe,  kampfes- 
not.  —  auch  2890  s«/9örtw  ä^elingas  feorran  gefricgean  ßedm 
eöveriie,  dömleäsan  dced.  —  wie  hei  einzelnen  personen  ist  die 
emphase  auch  in  folgenden  Verbindungen  am  orte:  1729  hvtlum 
he  on  lufan  hete^  hveorfan  monnes  modgeponc  mwran  cynnes.  — 
2234  a^elan  cynnes.  —  2008  se  pe  lengest  leofah  laban  cynnes 
f'cer-bif'ongen  (Grendels  geschlecht).  —  1859  penden  ic  vealde 
vtdan  rices.  —  1733  gede^  him  svä  gevealdene  vorolde  dielas,  side 
rice.  — «2199  o^runi  svibor  (väs)  side  rice  päm  pcer  siilra  väs.  — 
2207  Syb^an  Beövulfe  brdde  rice  on  hand  gehvearf.  —  solche  Ver- 
bindungen bieten  sich  ganz  von  selbst  dar.  das  beiwort  läfst  die 
macht  des  herschers  als  eine  höhere  erscheinen  und  verträgt  eine 
Steigerung,  wie  sie  die  schwache  form  bietet,  sehr  oft  gar  wol.  es 
sind  das  wider  spuren  der  formelhaften  festsetzung  der  schwachen 
form,  so  dafs  sie  auch  erscheint,  wo  sie  weniger  am  platze  ist,  wie 
zb.  in  der  dem  interpolator  B  angehorigen  stelle  1733. —  weiter 
eine  altertümliche  Wendung  2330  pät  he  vealdende  ofer  ealde  riht 
bitre  gebulge,  hier  aber  ist  sie  vom  interpolator  B  wol  auf  die  christ- 
lichen geböte  übertragen,  wir  hatten  ja  schon  mehrere  stellen, 
wo  er  das  sonst  vom  national-heidnischen  gebräuchliche  für  die 
neuen  und  fremden  christlichen  hegrille  verwendet.  —  B.  2182 
ac  he  mancynnes  mäste  cräfte  \  ginfästan  gife,  ße  him  god  sealde, 
I  heöld  hildedeör.     das   ist   der   bort   der   könii^e.     derselbe   vers 


372  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

fand  sich  schon  einmal  2182  von  demselben  verfafser  (Interpol. 
B),  doch  mit  dem  starken  ginfäste.  —  eine  parallele  zu  Audr. 
1439  OH  pdm  miclan  (läge  ist  978  p(Br  dbidan  sceal  maga  mäne 
fäh  miclaii  dömes,  denn  auch  hier  ist  vom  jüngsten  §ericht  die 
rede.  —  eine  formelhaft  feste  Verbindung,  zugleich  bezeichnend 
für  die  lebensanschauung  der  Angelsachsen,  die  durch  die  em- 
phase  noch  mehr  hervortritt,  ist  2845  häfde  ende  gefered  Icenan 
Iffes,  —  B.  1622  oßet  lifdagas  and  pdshcnan  gesceaft.  —  ebenso 
in  der  Genesis,  was  gleicli  hier  mit  aufgezählt  werden  mag: 
1211  of  pyssum  Icenan  Vife  feran.  —  Exodus  268  fyrst  is  ät 
ende  Icenan  llfes.  —  Phönix  456  laman  lif'es  leahtras  dväsceb  usw. 
siehe  Grein,  die  Verbindung  mag  durch  die  vorwiegend  den 
blick  immer  auf  das  jenseits  richtende  christliche  anschauung 
zu  besonders  häufiger  Verwendung  gekommen  und  fest  geworden 
sein,  aber  die  anschauung  entspricht  auch  ganz  dem  alten  Ger- 
manentum, das  hier  auf  erden  noch  viel  zu  wenig  kämpf  fand 
und  sich  auf  Walhalla  freute,  da  ist  fiät  mcere  lif  Gen.  950.  — 
parallelen  zu  pone  grenan  veald  sind  B.  1093  sincgestreönnm  ficttcm 
goldes.  —  1695  svä  väs  on  pcpm  scennum  sciran  goldes  —  ge- 
mearcod.  —  dazu  Gen.  2731  einer  der  wenigen  schwachen  in- 
strumentale: ac  hini  liygeteönan  hvitan  seolfre  deöre  bete.  — 
Daniel  59  reddan  golde.  —  Beöv.  83  heoQovylma  hdd  lahan  liges, 
mit  rein  emphatischem  epitheton.  dagegen  dem  begriff  entnommen : 
3115  nu  sceal  gled  fretan  veaxan  vonna  leg.  —  Gen.  1926  god 
vylme  gesealde  Sodoman  and  Gomorran,  svearlcm  lige.  -r  2505 
hellt  Sodoma  and  Gomorra  sveartan  l/ge  fyre  gesyllcm.  —  wider 
instrumentale  2857  and  ponne  sveartan  lige  leöfes  lic  forbärnan. 
—  1379  peahle  mänfcßMu  bearn  middangeardes  vonnan  vccge.  — 
ferner  Beöv.  1405  gegnum  för  ofer  myrcan  mor.  —  1136 
vuldortorhtan  veder.  —  2408  sceolde  hedn  Juinon  vong  visian.  — 
873  ongcm  on  sped  vrecan  spei  gerade.  —  ein  Superlativ  2817 
p(it  väs  pdm  gomelan  gingeste  vord  breöstgehygdum.  —  es  sind 
jetzt  nur  noch  einige  instrumentale  übrig,  ich  verzeichne  einst- 
weilen nur  die  stellen,  es  sind  141  väs  gesägd  söNice  sveotolan 
tdcne  healpegnes  hete.  —  1104  gyf  fwnne  Frisna  hvylc  frecnan 
sprcL'ce  päs  mor^orhetes  myndgiend  vcure.  —  2290  he  tö  forb 
gestop  dyrnan  cräfte.  —  2482  peäh  [)e  ööer  {hü)  his  ealdre  gehöhte, 
heardan  cecipe.  —  2511  spräc  niehstan  silSe  und  der  nur  schwache 
superl.  907.  2237.  2517  hindemun  side  und  widerholt  1749.  2594 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  373 

niovan  stefne.  in  diesem  letzten  ausdrucke  wird  niemand  eine 
der  ausgeführten  beziehungeu  der  schwachen  form  erkennen 
wollen,  wenn  JGrimm  daher  zu  Andr.  56  sagt  '■hdlgan  stefne 
Andr.  S73.  1393.  1456.  C.  194,  8;  in  solchen  inslrumentalphraseu 
wird  die  schwache  form  des  adj.  ohne  vorstehenden  artikel  ge- 
braucht' und  nun  noch  eine  reihe  l)elege  dafür  bringt,  worunter 
auch  nican  stefne,  so  dürfen  wir  das  nicht  so  verstehen,  als 
läge  in  der  schwachen  form  die  Ursache  dieser  Verwendung,  wie 
dies  von  ihm  vielleicht  angenommen  wurde,  wol  aber  kann  die 
aus  dem  character  der  Verbindungen  sich  ergebende  und  wider- 
holt hervorgehobene  neigung  zu  formelhafter  Verwendung  von 
einigem  cinflufs  auf  die  herausbildung  solcher  instrumentalphrasen 
gewesen  sein,  bestinnuter  dagegen  ist  dies  wol  der  fall  bei  den 
ausdrücken  Beöv.  933  tö  vidan  feore  und  2014  vtdan  feorh,  wozu 
auch  gerechnet  werden  kann  Gen.  1283  oh  pcere  töveardan  tide, 
hinsichtlich  derer  JGrimm  zu  Andr.  106  bemerkt  'i6  vidan  feore 
Andr.  810.  1452.  El.  211.  1321.  Beöv.  1860  (Grimm  zählt  nach 
halbversen,  es  ist  nach  Grein  933),  adverbiale  redensart:  longo 
tempore,  gleichviel  mit  tö  vidan  alhe.  Andr.  938.  1721.  auch  der 
blofse  acc.  steht  so  vidan  feorh  Andr.  1383.  Beöv.  4024  (Grein 
2014);  vidan  ferlih  El.  800.' 

Es  fehlen  nur  noch  einige  Superlative,  die  ich  an  einer  andern 
stelle  besonders  besprechen  werde,  ich  stelle  nun  die  entsprechen- 
den beispiele  aus  der  Genesis  zusammen ,  von  denen  ich  jedoch 
einige  des  parallelismus  wegen  beim  Beövulf  vorweg  genonnnen 
habe,  es  bleiben  also,  auch  im  Verhältnis  zu  jenem  gedieht,  nur 
wenige,  da  ja  die  gesammtzahl  nur  25  beträgt,  das  auffallende 
ist  zunächst,  dafs  für  die  personen  alle  entsprechenden  stellen 
fehlen,  es  ist  da  überall  der  artikel  hinzugetreten,  dasselbe  ist 
auch  im  Andreas  und  den  andern  gedichten  geschehen,  es  ist 
also  dieser  sprachgeJjrauch,  da  auch  im  Beöv.  nur  (He  minderzahl 
der  derartigen  stellen  ohne  artikel  auftrat,  vollstiUidig  durchge- 
drungen, nur  gott  macht  noch  eine  ausnähme,  denn  wir  lesen 
Gen.  7  ne  nu  ende  cynib  ecean  drihtnes.  —  1885  pcer  se  eddga 
eft  ecan  drihtnes  noman  veor^ade.  —  300  vear^  se  mihtiga  geholgen, 
hehsta  heofones  valdend.  andere  Superlative  kommen  später  be- 
sonders, eine  reihe  von  stellen  hat  libcrall  ihre  parallele  im 
Beövulf:  wallen  und  kämpf:  Gen.  2865  hine  gyrde  gra'gan  sveorde. 
—   2055  put  hie  on  tvü  healfe  grimme  gühgemot  gystum  eövdon, 

Z.  f.  D.  A.    neue  foke  IV.  25 


374  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

heardan  hamiplegan.  —  ferner  1599  pä  nyttade  Noe  sMan  rkes 
300  vintra  pisses  l/fes.  —  1790  pis  is  seö  eor^e  .  .  .  rume  vice.  — 
2209  svd  Nilus  sceäde(i  and  eft  vendeb  ste  vide  rice.  vgl.  dazu  die 
bemerkung  zu  der  entsprechenden  stelle  Beöv.  1733.  —  2548 
vear^  —  cirm  drledsra  cvealmes  on  öre  hi^an  cynnes.  —  2S98 
pät  he  on  hröfe  gestöd  hedn  landes.  —  instrumentalphrasen: 
1484  sprdc  hdlgan  reorde  fgott).  —  2296  svu  se  liälga  bebedd 
gledvan  sprivce.  —  1555.  1&&6  nivan  stefne.  —  1015  tö  vtdan 
aldre.  —  der  himmel:  27  vuldorfdstan  vlc.  —  97  hu  he  pä 
mceran  gesceaft  e^elsta^olas  eft  geselle,  svegellorhlan  seid.  — 
auch  in  folgenden  stellen  ist  das  emphatische  deutlich  fühlbar: 
1877  pal  hie  lö  Bethlem  on  c«9e  vk  cedpas  livddon.  —  131  leöht 
vds  cerest  dag  genemned,  vlüebeorhte  gesceaft.  —  2714  forpon  ic 
pegnum  plnum  di/rnde  sö^an  spr(ece,  pal.  —  1627  pd  se  rinc 
dgeaf  eor^cunde  eäd,  sohle  oSer  lif,  fdderne  hre^er.  —  1837  pu 
htm  faste  hei  so^an  sprwce.  endlich  1803  veallsledpan  hleohi. 
man  lese  die  stelle  im  Zusammenhang;  sehr  häufig  wird  aus 
diesem  das  emphatische  erst  fühlbar,  ich  muste  mich  begnügen 
die  stellen  wenigstens  mit  ihrer  nächsten  grammatischen  Umgebung 
herzusetzen,  um  doch  einigermafsen  die  bedeutung  der  schw.  form 
sofort  erkennbar  zu  machen,  sehr  oft  genügt  das  aber  nicht, 
während  ein  weitergreifen  übermäfsigen  räum  beansprucht  hätte. 
<lafs  auch  einzelne  stellen  als  ausnahmen  erscheinen  werden,  ist 
selbstverständlich,  es  ist  das  Schicksal  aller  regeln,  aber  es  darf 
dabei  nicht  vergefsen  werden,  dafs  gerade  solche  feinen  hervor- 
hebuugen  und  beziehiingen,  wie  sie  die  schwache  form  ausdrücken 
soll,  bei  einer  durch  so  viele  Jahrhunderte  von  uns  getrennten 
und  trotz  der  nationalen  Verwandtschaft  doch  von  einem  ganz 
andern  geiste  getragenen  spräche,  nachzuempfinden  aufserordent- 
lich  schwer  ist ,  schwerer  wie  es  uns  etwa  wird ,  die  feinen 
nüancierungen  des  sinnes  in  den  schriftlichen  denkmälern  des 
griechischen  geistes  herauszufühlen. 

Der  aus  Andreas  nachzutragenden  stellen  sind  wenige,  nur 
sieben  aufser  den  instrumentalen,  nämlich  131  pä  pe  on  carcerne 
clommnm  fasle  hleoledsan  vic  hvHe  vnnedon.  —  721  fore  onsyne 
ecau  dryhlnes  standa^  sli^fe)Me.  —  1267  bliMeorl  vnnode  eoii 
in  prednednm  vinlercealdan  niht.  —  1307  u^  pul  snnne  gevdt 
tö  sete  glidan  nnder  niflan  nds.  —  1672  Ne  scealt  [m  pät  eovde 
änforhi'lan  on   svä   niovan   gefedn.    —    1695    ebenso   lö   fdgeran 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  375 

gefedn  (cf.  598  derselbe  ausdruck  mit  dem  artikelj.  —  1385  pu 
scealt  vidau  feorh  ecan  pine  ynnht.  dieser  letztere  ausdruck  eut- 
spricht  schou  mehr  dem  adverbialen  tö  vidan  feore,  das  sich  auch 
im  Andreas  findet  v.  106.  811.  1454,  neben  tö  vhlan  aldre  940. 
1723.  —  auch  die  instrumentale  sind  derselben  art  wie  in  den 
andern  gedichten,  nämlich  56  hdlgan  stefne,  desgl.  537.  875.  1401. 
1458.  —  60  sdrgan  reorde.  —  61  geömran  stefne.  —  96  heorhlnn 
stefne.  —  123.  1305  nivan  stefne.  —  1362  hlndan  stefne.  — 
1243.  1279  hdtan  heolfre.  —  ein  plural  1214  cealdan  clornmum. 
(daneben  aber  auch  1337  gifrum  gräpum).  —  552  and  hine 
geongne  geofum  vyr^odest,  vlsan  gevitte  and  vordcvidnm.  —  1543 
se  pä  burh  oferhrägd  hldmn  lige,  hutan  hea^ovälme. 

Aus  Byrhtnöds  tod  sind  nur  zwei  beispiele.  der  artikel  hat 
sich  noch  enger  an  diese  Verbindung  angeschlolsen.  wo  er  eine 
schwache  form  findet,  da  tritt  er  zu  ihr,  indem  er  dadurch  zu- 
gleich die  schwache  form  immer  mehr  um  ihre  bisherige  Sonder- 
stellung bringt  und  das  bewustsein  für  ihre  eigene  bedeutung 
verdrängt,  deutlich  scheint  dies  hervorzugehen  aus  dem  bereits 
früher  erwähnten  svä,  mit  dem  der  dichter  die  in  der  schwachen 
form  liegende  emphase  noch  besonders  ausdrücken  zu  müfsen 
meinte,  die  stelle  lautete  319  ac  ic  me  he  healfe  minum  hlä- 
forde  he  svd  leöfan  men  Hegau  pence.  —  die  zweite  stelle  ist  125 
hvd  pmr  mid  orde  arost  mihte  on  ffvgean  men  feorh  gevinnan. 
die  Verbindung  ist  vielleicht  eine  altertümlich  feste  und  ist  so 
hier  zur  Verwendung -gekommen. 

In  den  gedichten  der  Sachsenchronik  fanden  sich  gleichfalls 
zwei  auch  schon  besprochene  stellen.  Atheist.  46  eald  invidda 
ist  wol  Substantiv  und  nicht  adj.  wie  Grein  will.  —  Eädmund  4 
Hvitan  vylles  hat  wol  die  geltung  eines  eigennamen,  ist  also  gleich- 
falls eine  alte  Verbindung  und,  wie  Grein  richtig  tut,  grofs  zu 
schreiben. 

Die  Untersuchung  ist  hiermit  in  ihren  hauptteilcu  beendet, 
die  schwache  form  hat  jedoch  noch  eine  reihe  von  Verwendungen, 
hinsichtlich  derer  erforscht  werden  nuifs,  in  wie  weit  sie  mit  dem 
sonstigen  dargelegten  gebrauch  derselben  übereinstimmen,  ob  sich 
das  gefundene  princip  in  ihnen  weiter  bestätigt  oder  ob  schon 
auf  dem  gebiete  des  ags.  sich  Widersprüche  gegen  dasselbe  er- 
heben. 

25* 


376  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

Wenden  wir  uns  zunächst  noch  einmal  zum  inslrumentaUs, 
dessen  sämmtUche  schwach  tlectierende  beispiele  Ijereits  aufgezählt 
sind,  nur  die  Genesis  kennt  neben  diesen  noch  einen  ausge- 
dehnten gebrauch  auch  der  starken  form,  in  den  andern  ge- 
dichten  dient  aufser  dem  schwachen  instr.  der  dativ  mit  und  ohne 
die  präpos.  mid  zur  widergabe  der  instrumentalen  bedeutung, 
so  dafs  also  dort  ein  unumgänglicher  zwang  zur  schwachen  aus 
niaugel  einer  starken  nicht  vorhanden  ist.  beispiele  wie  beide 
formen  neben  einander  verwendet  werden  galj  ich  ol)en  auf  s.  328. 
es  fragt  sich  also,  ob  dieser  ausweg  da,  wo  die  schwache  form 
ihrer  bedeutung  gemäfs  nicht  angemefsen  schien ,  überall  ein- 
geschlagen wurde,  und  die  antwort  lautet,  wie  wir  dies  vor  kur- 
zem sahen,  dafs  dies  wol  in  den  meisten  fällen  aber  nicht  durch- 
weg geschehen  sei.  bei  den  dem  kampfesleben  entnommeneu 
ausdrücken  wie  dem  heardan  clammum  und  den  ähnlichen  Wen- 
dungen Beöv.  963.  1502.  1505.  1542.  2692.  Andr.  1214,  bei 
Waffen  Beov.  561.  1746.  2440.  2492.  Gen.  2S65,  dem  hdtan  heolfre 
Beöv.  S49.  1423.  Andr.  1243.  1279,  und  den  ähnlichen  Beöv. 
2347  sidxüi  herge.  2482  heardan  cedpe.  Gen.  2731  hvitan  seolfre. 
2857.  2505.  sveartan  Jige.  Andr.  1543  bldcan  lige,  hdtan  hea?)0- 
välme,  auch  Beöv.  141  sveotolan  täcne.  2290  dyrnan  crüfte,  bei 
allen  diesen  kann,  wenn  man  jede  stelle  für  sich  betrachtet,  wol 
behauptet  werden,  dafs  eine  der  beiden  ])eziehungen  statt  tindet, 
entweder  ist  der  ausdruck  emphatisch  oder  das  beiwort  ist  dem 
wesen  des  Substantivs  entnommen,  wobei  eine  emphatische  Stei- 
gerung auch  noch  stattfinden  kann,  alier  die  regelmäfsige  wider- 
kehr solcher  Verbindungen  wie  der  zuerst  genannten  heardan  clam- 
mum usw.,  die  zugleich  mit  nur  zwei  ausnahmen  von  stets 
schwach  flectierenden  comparativen  (Beöv.  2392.  3055)  die  ein- 
zigen beispiele  des  schwachen  instrum.  pluralis  sind,  ferner  des 
kutan  heolfre  weisen,  wie  dies  auch  schon  ausgesprochen  wurde, 
doch  darauf  hin ,  dafs  hier  mehr  ein  formelhafter  gebrauch  der 
schwachen  form  vorliegt  als  eine  bewuste  anbringuug  der  ihr 
innewohnenden  demonstration.  und  offenbar  ist  dies  wie  wir 
sahen  der  fall  liei  dem  sehr  häufigen  niovan  stefne.  hier  ist  in 
dem  schwachen  adjecliv  gar  keine  von  den  eigenschafteu  zu  ent- 
decken, die  es  doch  sonst  hat;  es  ist  darum  wol  gestattet  in  der 
einen  noch  ül)rigen  häufigen  Verwendung  in  Verbindungen  w  ie 
Beöv.  1104  fre'cnan  sprwce,  ferner  Gen.  1184.  2296.  Andr.  56.  60. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  377 

61.  96.  1362  gleichfalls  die  der  hervorhebuiig  enlbehrende  wider- 
kehr einer  geläufigen  Verbindung  als  eine  ihrer  bedeutung  be- 
Avuste  anwendung  der  schwachen  form  anzunehmen ,  obwol  die 
Verbindungen  an  und  für  sich  die  moglichkeit  einer  emphase  in 
sich  tragen. 

Der  Vocativ.  über  diesen  sagt  Grimm  Gramm,  iv  559  'der 
attril)utive  vocativ,  obgleich  den  artikel  meist  von  sich  abhallend, 
ist  organischer  weise  nur  der  schwachen  form  fähig,  seiner 
artikellosigkeit  halber  sollte  man  ihm  gerade  starke  form  zuer- 
kennen ?  das  wäre  fehl  gegriffen,  er  ist  von  natur  bestimmt, 
seine  individuelle  begrenzung  braucht  nicht  erst  hervorgehoben 
zu  w  erden ;  wo  sich  die  anrede  an  einen  wendet,  da  hat  sie  ihn 
deutlich  vor  äugen  als  gegenAvärtigen.  das  durch  den  art.  ein- 
geführte subj.  kann  nicht  näher  treten  als  das  angeredete,  die 
dem  articulierten  adj.  zusagende  schw.  flexion  sagt  ihm  auf  gleiche 
weise  zu.'  die  herleitung  der  schwachen  form  beim  vocativ  aus 
der  emphatischen  bedeutung  derselljen  hat  jedoch  nicht  gröfsere 
Schwierigkeit  als  die  aus  dem  vermögen  der  individualisierenden 
begrenzung.  der  vocativ  ist  an  und  für  sich  eine  form,  die  dem 
ganzen  gedanken,  in  dem  er  enthalten  ist,  einen  nachdruck  ver- 
leiht oder  einen  solchen  voraussetzt,  diesen  noch  besonders 
durcli  die  schwache  form  eines  beigesetzten  adjectivs  zu  verstärken 
liegt  sehr  nahe,  aber  die  Verstärkung  ist  nicht  notwendig,  daher 
ist  es  auch  erklärlich,  wenn  sich  die  starke  form,  was  jedoch 
nicht  der  fall  ist  im  gol.  (Gramm,  iv  559),  gleichfalls  im  vocativ 
findet,  schwache  vocalive  haben  wir  im  BeövuU"  948  secg  hctsta. 
1216  Brnc  ßisses  beäges,  Beövulf  leöfa, 
kyse  mid  Jude. 
nicht  erklärlich  ist  mir  die  Heynesche  interpunctioii  Beövulf,  leö- 
fa I  hyse,  mid  hade.  —  1483  Hrö^gdr  leöfa.  —  1758  Beövulf 
leöfa,  secg  hetsta.  —  2745  Vlglaf  leöfa.  —  1854.  1987.  2663 
leöfa  Beövulf.  —  1474  se  nucra  niaga  Healfdenes,  snoilra  fengel. 
—  starke  1384  snotor  guma.  1761  mxcre  cempa.  —  in  der  Ge- 
nesis scliwach  1916.  2304  leöfa.  —  mit  snlist.  2144.  270S  [>eö- 
den  mara.  —  2252.  2396.  2913  Abraham  leöfa.  —  sogar  mit 
dem  artikel,  woridjer  bereits  oben  gehandelt  wurde:  61S  idesa  seö 
hetsle.  —  612  Eve  scö  göde.  —  678  herra  se  göda.  —  stark  2269 
fedsceaft  i'des.  —  917  IM  leöilscea^a.  —  1328.  1749  monna  leö- 
foSt.  —  1827.  2730  mceg  älfsdeno,  2783  min  sva's  fred. 


378  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

Andreas,  schwach  288  peöden  leöfesto,  und  wider  dieser  Su- 
perlativ allein,  stets  nachgesetzt,  mit  vine  307.  1434.  hyse  595. 
812.  fred  629.  —  stark  479  peöden  prymfast.  —  557  gleäv 
pegn.  —  575  gumena  leöfost.  —  625  maga  möde  röf.  —  904 
meotnd  (ilmihtig,  hli^e  beorht  cyning.  —  1354  eorla  leöfost. 

Superlativ.  JGrimm  sagt  Gramm  iv  574  Sviderum  sind  Super- 
lative an  sich  liestimmtere  begriffe  als  positive  (obgleich  minder 
bestimmt  als  comparative),  und  darum  zu  schwacher  form  neigend.' 
was  für  den  vocativ  galt  gilt  auch  hier,  auch  der  Superlativ  ge- 
hört zu  den  formen,  die  an  und  für  sich  eine  hervorhebung  des 
begriffs,  hier  also  dessen,  den  er  aus  der  Sphäre  der  gleichartigen 
wesen  aushebt,  bewürken.  eine  Verstärkung  durch  die  schwache 
fomi  ist  daher  ganz  ihrer  bedeutung  gemäfs.  doch  findet  sie 
sich  verhältnismäfsig  selten,  nur  von  einer  geringen  anzalil  von 
adjectiven  und  meist  bei  personen,  also  da,  wo  eine  emphatische 
hervorhebung  am  meisten  am  platze  ist.  aus  Beöv.  ohne  artikel: 
412  pät  pes  sele  stände  reced  se'Iesta.  —  2817  pät  väs  piim  go- 
melan  gingeste  vord  breöstgehygdum.  —  1871  gecyste  peöden  Scyl- 
dinga  pegn  betstan.  —  mit  artikel:  1406  magoJ)egna  bar  pone 
selestan  savolleäsne  para  pe.  —  16S5  on  geveald  gehvearf  vorold- 
cyninga  pdm  selestan  be  scem  tveönnm  pdra  pe.  —  2382  häfdon 
hy  forhealden  heim  Scylßnga,  pone  selestan  scecyninga  pdra  f)e.  — 
416  pd  me  fyät  gelwrdon  leöde  mme  pd  selestan,   snotere   ceorlas. 

—  1308  syhMn  he  aldorpegn  nnlyßgendne  pone  deörestan  deddne 
visse.  —  1956  ealles  moncynnes  —  päs  selestan  —  eormencynnes. 

—  2823  pät  he  on  eoi^^an  geseah  pone  leöfestan  lifes  ät  ende.  — 
3122  cyninges  pegnas  syfone  tosomne  pd  selestan. 

Genesis,  ohne  artikel:  300  pd  vear^  se  mihtiga  gebolgen, 
hehsta  heofones  valdend.  —  1419  si^han  nägled  bord,  für  seleste, 
flod  np  dhof. —  1393  gleichfalls  die  arche:  si^^an  vide  rdd  Hof 
seleste,  för  mid  fearme.  —  763  hvearf  him  eft  niber  boda  bitresta. 

—  488  p(e7^  is  ealra  frecna  mceste.  —  mit  artikel:  227  finda^ 
nenn  and  feorran  gold  and  gymcynn,  gumpeöda  bearn,  pd  selestan. 
344  cywS  pät  se  hehsta  hdtan  sceoldc  Satan.  —  260  f/9  Jfotie 
hehstan  heofnes  vealdend,  pe  si'teb.  —  512  on  päm  hehstan  heofna 
rke. —  1323  ntan  eor^an  Urne  gefästnod,  pf/ selestan,  der  instru- 
mental mit  dem  artikel.  zu  diesen  kommt  noch  das  sehr  häufige 
yldesta,  das  nie  ohne  artikel  auftritt. 

Im  Andreas  finden  sich  aul'ser  den  bereits  aufoezählten  vdca- 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  379 

tiveii  nur  noch  folgende:  86  on  pone  vynestan,  dugoha  (lernend, 
deab  ofer  eor^an.  —  1594  päs  veorndes  edc  pä  vyrrestan  fä 
folcscea^an  feövertyne  geviton.  —  718  pis  is  anlicnes  engelcynna 
päs  bremestan  mid  pCim  burgvanim. 

Pronomina  possessive,  diese  selbst  flectieren  nur  stark  und 
das  in  allen  deutschen  dialecten.  fände  sich  jedoch  auch  die 
schwache  form  hei  ihnen  vor,  so  würde  diese  sowol  aus  der 
Grimmschen  theorie  als  aus  der  hier  vorgetragenen  sich  recht- 
fertigen lafsen,  besonders  da,  wo  das  pron.  selbst  den  accent 
trägt,  ist  es  mit  adjectiven  verbunden,  so  bildet  es  keinen  hin- 
derungsgrund  für  die  möglichkeit  der  schwachen  form,  diese 
kann  ihre  function  sehr  wol  neben  ihm  ausüben,  wir  findea 
daher  auch  sowol  starke  wie  schwache  form,  im  Beövulf  aller- 
dings nur  starke,  aber  ich  habe  da  überhaupt  nur  zwei  beispiele 
eines  adjectivs  neben  dem  pron.  poss.,  nämlich:  255  minne  ge- 
htjrdb  änfealdne  gepoht.   —   1180   ic  minne  can  glädne  Hröhilf. 

—  dazu  noch  416  /jü  nie  pät  gelcerdon  leöde  mine  pä  selestan, 
wo  aber  das  poss.  pron.  nichts  mehr  mit  dem  pä  selestan  zu  tun 
hat.  —  in  der  Genesis  dagegen  fand  ich  sechs  beispiele  der 
schw.  form:  245  penden  heo  Ms  heilige  vord  healdan  voldon.  — 
336  fnuh  heora  miclan  möd.  —  738  {nirli  pln  mich  niöd.  beide 
male  in  der  nicht  häufigen  bedeutung  'Übermut'.  —  366  pät  me 
is  sorga  mcest,  pät  Adam  sceal,  pe  väs  of  eor^an  gevorht,  minne 
stronglican  stöl  behealdan   (vgl.  damit  on  piwi  hdlgan  stöle  usw.). 

—  545  of  his  heän  rice.  —  2608  eaforan  brohlan  villgesveostor 
(die  töchter  Noahs)  on  voruld  snnu  heora  ealdan  fäder.  —  die 
emphatische  bedeutung  in  diesen  stellen,  auch  in  der  letzten,  ja 
in  ihr  besonders,  ist  nicht  zu  verkennen,  wenn  in  den  übrigen 
Verbindungen  des  adjectivs  mit  pron.  poss.  die  bedingungen  für 
die  schw.  form  vorhanden  sind,  diese  aber  nicht  gesetzt  ist,  so 
liegt  die  Ursache  davon  nur  in  dem  belieben  des  Schriftstellers, 
nicht  überall  wo  eine  emphase  möglich  ist  steht  auch  eine  solche, 
beispiele  der  starken  form  iinden  sich  in  den  versen  166.  654. 
1534.  1827.   1936.  2181.  2328.  2423.  2464. 

Aus  den  übrigen  gedichten  sind  nur  noch  zwei  beispiele 
der  schwachen  form  nachzutragen:  Andr.  1337  kine  god  forstöd 
stahlt  fast  steörend  purh  his  slrangan  mihi.  —  Byrht.  218  väs  min 
ealda  fäder  Ealhelm  hüten,  in  dieser  letzten  stelle  scheint  die 
schwache  form  bedeutungslos  zu  sein. 


380  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

Mit  den  indefiniten  pron.  wie  (enig,  monig,  hvilc,  (eghvilc, 
ndt-hvilc,  gehvik,  velhvilc,  svilc,  hvii,  (egkvä,  gehvd,  hvä^ei\  ge- 
hvä^er,  ceghvä^er,  snm,  ö^er,  eall  findet  sich  idierall  nur  die  starke 
form  des  adjectivs  aufser  in  dem  einen  beispiel  Gen.  636  Snm 
heö  hire  on  kandum  hür\  snm  Iure  ät  heortan  Mg,  äppel  nnswlga, 
pone  hire,  wo  sie  berechtigt  ist.    stark  zb.  317.  432. 

Pronomen  demonstrativum.  der  ags.  artikel  und  das  pron. 
dem.  haben  nur  einen  geringen  abstand  von  einander,  da  ja  jener 
der  Wortklasse  dieses  noch  vollständig  zuzuzidilen  ist.  der  art. 
ist  'ille',  das  pron.  dem.  'hie',  jener  weist  auf  das  entferntere, 
abw^esende,  dieses  auf  das  nähere,  gegenwärtige  hin,  die  demon- 
stration  ist  stärker,  bei  dieser  Verwandtschaft  konnte  es  nicht 
anders  kommen,  als  dafs  die  so  feste  Verbindung,  welche  sie  aus 
noch  unbekannten  gründen  mit  der  schw.  form  des  adj.  ein- 
gegangen haben,  bei  beiden  die  gleiche  wurde,  ja  für  die  älteren 
dialecte  überhaupt  sollte  jenes  Grimmsche  hauptgesetz  (Gramm. 
IV  526)  lauten,  nicht  dafs  dem  mit  dem  artikel,  sondern  dafs  dem 
mit  dem  pron.  demonstr.  verbundenen  adjectiv  schwache  form  ge- 
büre.  wir  haben  also  nur  lieispiele  der  Verbindungen  mit  der 
schw.  form,  und  für  sie  werden  an  diese  Verbindungen  dieselben 
anforderiingen  gestellt  wie  bei  dem  auftreten  neben  dem  artikel: 
nicht  wegen  des  pron.  demonstr.  sondern  um  ihrer  selbst  willen 
gesetzt  darf  die  schw.  form  erscheinen,  im  allgemeinen  aber  ist 
die  Verwendung  des  pron.  dem.  eine  geringe,  es  folgt  dies  ganz 
natürlich  aus  dem  verhältnismäfsig  stark  demonstrativen  character 
des  artikels.  mit  der  abschwächung  dieses  drängt  sich  auch  das 
eigentliche  dem.  pron.  weiter  vor.  im  Beövulf  findet  es  sich  nur 
24  mal  und  darunter  nur  zweimal  mit  dem  adjectiv:  432  pdt  ic 
mute  dna  and  minra  corla  gedryht,  pes  hearda  heäp,  Heorot  fad- 
sian.  es  sind  worte  Beövnlfs.  —  1622  pd  se  eUorgtesl  oflet  Uf- 
dagas  and  päs  leenan  gesceaft.  ähnliche  Wendungen  mit  und  ohne 
artikel  fanden  sich  widerholt. 

in  der  Genesis  ist  die  Verwendung  des  pron.  dem.  eine  mehr 
als  viermal  so  grofse,  da  sich  über  100  belege  desselben  finden, 
die  mehrzahl  ist  jedoch  in  den  reden  des  ersten  teils  enthidten. 
das  schw.  adj.  findet  sich  zwuH'mal  daneben,  nämlich  104  ac  pes 
vida  grund  stöd  deöp,  gemeint  ist  das  chaos,  früher  der  glänzende 
Wohnsitz  der  gefallenen  engcl.  —  114  /m  rnme  hind  gestafielode 
freä  ähnihtig,    die  er(h\    —    356    Is  pes  änga  siede  ungelic  svl^e 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  38 1 

päm  öh'um.  die  stelle  gehört  einer  der  trotzreden  Satans  an 
und  gemeint  ist  die  hülle,  beides  gilt  noch  von  folgenden  fünf: 
391  hafa^  ns  god  sijlfa  forsvdpen  on  [x'ts  svearlan  mistas.  — 
407  sculün  hie  pds  helle  secan  and  päs  grimman  grnndas.  —  408 
on  pissnm  fästnm  clomme.  —  420  ve  synd  dvorpene  hider  on  päs 
deopcni  dalo.  —  439  cyme^  on  ftds  hatan  helle.  —  die  weit:  675 
on  vornld  ealle  ofer  pds  sUan  gesceaft.  —  811  6//c9  peös  heorhte 
sunne;  ich  mufs  wider  ausdrücklich  auf  den  Zusammenhang  ver- 
weisen, der  das  emphatische  vollicommen  erklärt.  —  1211  o/" 
pyssnm  Icenan  life  feran.  —  und  einmal  sogar  von  sylf  2391  on 
pds  sylfan  tid.  —  zu  all  den  stellen  fanden  sich  früher  die  pa- 
rallelen und  die  begrnndung  der  schw.  form. 

auch  im  Andreas  wächst  die  zahl  der  dem.  pron.  mit  der 
des  artikels.  ohwol  dies  gedieht  nur  weniges  über  die  hälfte  des 
Beövulf  lang  ist,  bleibt  die  zahl  der  dem.  pron.  doch  fast  die 
gleiche,  darunter  sind  vier  mit  adj.  111  in  pds  hce^enan  hnrg, 
worüber  ich  schon  friUier  gesprochen.  —  975  in  pysse  mwran 
byrig,  Mermedonia.  —  1439  pät  peös  vlitige  gesceaft  heofon  and 
eor^e  hreösa^  tögadore.  —  1508  p(U  pu  hrädlice  on  [)is  fräte  folc 
for^  onsende  väter.  hiezu  noch  eine  aus  Eädgär  23  and  pis  vdce 
forlet  Vif,  pis  liene. 

Der  unliestimmte  artikel  und  dn.  wie  von  einem  bestimmten 
artikel  in  unserem  sinne  ist  auch  von  einem  solchen  unbestimm- 
ten im  ags.  kaum  noch  die  rede, "ja  dieser  liegt  auf  der  sprach- 
stufe, die  jene  gedichte  repräsentieren,  noch  mehr  in  seinen  an- 
fangen als  der  bestimmte,  und  (licses  verhällnis  ist  ein  natür- 
liches, denn  erst  als  jenes  dem.  pron.,  das  zum  artikel  wurde, 
allmählich  die  function  übernommen  hatte,  den  bestimmten  gegen- 
ständ als  solchen  kenntlich  zu  machen,  konnte  sich  das  bedürf- 
nis  entwickeln,  nun  auch  an  dem  unbestimmten,  ganz  allgemein 
genannten  begrilT  diese  seine  eigensehaft  besonders  zu  bezeichnen, 
der  unbest.  art.  entwickelt  sich  aus  dem  worte  dn,  das  seinen 
mannigfachen  bedeutungen  nach  die  mitte  hält  zwischen  einem 
Zahlwort  nnns,  einem  pron.  indcf.  aliqnis,  qnidam,  und  einem 
adjectiv  solns,  solitarins,  unicus.  die  erste  und  zweite  bedeutung 
gaben  den  anhält  fin-  (b'u  zukünftigen  unbestimmten  artikel,  und 
so  wie  das  wörtchen  an  ohne  nachdruck  gesetzt  begegnet,  haben 
wir  schon  einen  solchen,  denn  der  mangel  des  nachdrucks  macht 
aus  an  den  unbestimmten  artikel,  während  da  wo  der  iiiiclidruek 


382  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

erkennbar  ist  der  dichter  stets  mit  deutlichem  bewustsein  eine 
jener  aufgezählten  bedeutungen  zur  anwendung  bringen  wollte, 
wie  steht  es  da  nun  im  ags.  ?  die  glossare  zählen  eine  reihe  fälle 
auf,  in  denen  un  wenn  auch  nicht  mit  unserm  unbestimmten 
artikel  zusammenfällt  so  doch  ihm  sehr  nahe  kommt,  solche 
stellen  sind: 

Beöv.   100  lifdon  \  eddiglice,  ö9  pät  an  ongan 
fyrene  fremman  feönä  on  helle. 
2210  eald  e^elveard,  ö^  pät  an  ongan 

deorcuni  nihtum  draca  licsian. 
2410  he  ofer  villan  giöng 

tö  päs  pe  he  eor^sele  änne  visse. 
Genesis  395  he  heiß  nu  gemearcod  änne  middangeard, 
880  nyinbe  pu  äppel  (enne  byrgdest 
of  pdm  vuduhedm. 
1473  hrohte  \  elebedmes  tvig  an  tö  handa. 
1477  ymb  vucan  Jmddan  vilde  culufran 

äne  sende;  seö  eft  ne  com. 
2018  htm  pu  secg  hra^e  gevut  sih'an  an 

gära  laf. 
2226  her  is  fcemne.,  freölecu  mceg, 
ides  Egyptisc  an  on  gevealde. 
2267  Peer  Im  mildres  pegn 

engel  drihtnes  an  gemUte. 
2517  /c  vdt  heähburg  her  äne  nedh. 
2926  and  him  pcer  rom  geseah 

nnfeor  J)anon  amne  standan. 
Andreas  256  Hvanon  cömon  ge  ceölum  li^an 
mdcräftige  menn  on  merepissan 
äne  wgflotan?  hvanon  edgorstredm. 
1106  pd  se  tan  gehvearf 

efne  ofer  wnne  ealdgesi^a. 
1558  earmlic  ylda  gedrä'g.  pä  pcer  an  ongann 
feäsceuft  hälci)  fok  gadorigean. 
es  läfst  sich  nicht  läugnen,   dafs   wir   an  all  diesen  stellen  ganz 
gut  auszukonuncn  scheinen,  wenn  wir  bei  der  Übersetzung  überall 
ein   nachdruckslost's  'ein"  verwenden,     sehen   wir   uns   aber   alle 
die  verse  wider  an,  dann  zeigt  sich  das  ganz  eigentümliche,  dafs 
an  nicht  nur    iilicrall   in    der   hcbung   steht,    sondern    sogar  mit 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  383 

ausnähme  von  Gen.  395  und  2018  träger  der  alliteration  ist. 
jedes  wort  aber  und  jede  silbe,  die  im  altdeutschen  vers  diese 
Stellung  einnimmt,  wird  dadurch  auch  mit  einem  accent  des  Sin- 
nes versehen,  es  bleibt  uns  also  wol  nichts  anderes  übrig  als 
die  Übersetzung  vermittelst  des  unbestimmten  artikels  zu  ver- 
werfen und  anstatt  dessen  eine  der  aufgezählten  bedeutungen  des 
du  zu  wählen,  meistens  ein  nachdrucksvoll  gesetztes  'einer'  oder 
V'in  gewisser,  irgend  einer',  so  dafs  also  die  spuren  des  auf- 
tauchenden unbestimmten  artikels  auf  ein  viel  geringeres  mafs 
herabzusetzen  sind  als  dies  bisher  in  den  glossaren  geschehen  ist. 

die  frage,  welche  Stellung  das  adjectiv  hinsichtlich  seiner 
flexion  zum  unbest.  art.  einnimmt,  existiert  also  iur  das  ags.  oder 
wenigstens  für  unsere  gedichte  nicht,  wir  können  nur  fragen, 
wie  es  sieb  neben  diesem  tin  verhält,  steht  es  mit  diesem  in 
einer  der  beiden  ersten  bedeutungen  neben  einem  Substantiv,  so 
wird  wol  in  den  meisten  fällen  die  starke  tiexion  die  natürlichere 
sein  (vgl.  Gramm,  iv  569).  denn  mit  dem  character  der  Unbe- 
stimmtheit, den  das  beigesetzte  an  dem  ganzen  ausdruck  verleiht, 
erscheint  eine  emphatische  hervorhebung,  die  gewöhnliche  function 
der  schwachen  form,  nur  selten,  und  so  finden  wir  denn  auch 
die  starke  form  in  den  eben  aufgezählten  beispielen  Gen.  1477. 
2226.  Andr.  1558.  ein  schwaches  adj.  könnte  wol  stehen  Andr. 
326.  703,  he  is  an  ece  god  ealha  (jesceafta,  auch  1719  an  is  He 
god  eallra  gesceafta.  dafs  das  dn  Ursache  der  folgenden  starken 
form  sei  ist  kaum  anzunehmen,  aufser  diesen  beispielen  findet 
sich  kein  weiteres  eines  beigeselzlen  adjectivs. 

dagegen  aber  ist  an  selbst  der  starken  sowol  wie  der  schwa- 
chen flexion,  wenn  auch  nur  im  noni.  sg.  masc,  fähig,  ohne 
jedoch  hierin  etwa  von  dem  bestimmten  artikel  im  geringsten 
abhängig  zu  sein,  denn  gerade  nach  ihm  lesen  wir  nur  starke 
form,  so  Be<:>v.  1053  and  pone  amne  heltt  yoldc  forgyldan.  2237 
and  se  an  jm  gen  leöda  dngu^e  vhcte  päs  yldan.  2453  ponne  se 
dn  hafa^  pnrh  ded^es  nfjd  dwda  gefondad.  —  Gen.  235  forJwta^ 
pone  lenne  bedm.  da  hier  dn  ührrall  die  jtedcutung  vntis  hat, 
so  scheint  es,  dafs  diese  bedeuluug  an  die  starke  form  geknüpft 
war,  dafs  also  überhaupt  der  Wechsel  der  flexion  von  der  be- 
dentung  aldiängig  ist.  vergleichen  wir  nun  wider  jene  drei  be- 
deutungen des  dn,  so  ist  die  dritte  solus,  solilarius,  die  nach- 
«Irucksvollste,  gleichsam  potenzierteste  des  grundbegriffes  von  dn 


384  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

(nämlich  nnns),  die  der  emphase  der  schwachen  form  am  nächsten 
steht,  nnd  in  der  tat  finde  ich,  dafs  überall  da  wo  ein  ana  be- 
gegnet, die  Übersetzung  durch  'allein'  die  entsprechendste  ist. 
nämlich  Beöv.  145  svä  rixode  and  vi^  rihte  van  dna  vi^  eaUnm. 

—  425  nu  vib  Grendel  sceal  vi^  päm  aglcecan  dna  gehe'gan  ping 
y/9  pyrse.  —  431  pät  ic  mdte  dna  and  mhira  eorla  gedryht  Heo- 
rot  fiphian.  —  S88  he  unter  hdrne  stän  dna  genMde  frecne  cheda. 

—  999  hröf  dna  genas  ealles  ansund.  —  1714  ö9  pät  he  dna 
hvearf  mwre  peöden  mondrermum  feor.  —  2498  svylc  ic  htm  on 
fe^an  beforan  volde,  dna  on  orde.  —  2643  pedh  pe  hldford  us 
pis  ellenveorc  dna  dpohte  tö  gefremmanne.  —  2657  pdt  he  dna 
scyle  Gedta  dngn^e  gnorn  firovian.  —  2876  pät  he  hyne  sylfne 
gevräc  dna  mid  ecge.  —  Gen.  170  pät  Adam  leng  dna  vcere  neorxna 
vonges  —  hyrde.  —  2574  him  pä  Abraham  gevdt  dna  gangan 
mid  ü'rdäge.  —  Andr.  68  pu  dna  canst  ealra  gehygdo.  —  636  ne 
eom  ic  dna  pät,  ac  manna  gehvani  usw.  —  1009  he  ptvr  dna  sät 
geohim  geömor  in  pdm  gnornhofe.  —  da  sonst  für  alle  andern 
gen.,  cas.  und  num.  nur  die  starke  form  gilt,  so  erscheint  diese 
natürlich  auch  in  der  hedeutung  jenes  dna,  wie  Beöv.  1377. 
Andr.  81.  1322  pe  dnnm,  der  nominativ  dn  für  dna  in  unsern 
gedichten  jedoch  nirgend. 

Hiermit  sind  die  fälle,  in  denen  die  schw.  form  des  adj,  in 
den  zu  gründe  gelegten  gedichten  sich  findet,  erschöpft,  und  es 
fanden  sich  nur  sehr  wenige  stellen ,  an  denen  die  gefundenen 
bestimmungen  für  die  anwendung  derselben  sich  nicht  zu  be- 
währen schienen,  im  Beövulf  aber  war  dies  nirgends  der  fall, 
da  waltet  die  schwache  flexion  in  der  ganzen  freiheit  einer  form 
voller  Selbständigkeit,  nicht  sie  ist  abhängig  vom  artikel  son- 
dern umgekehrt,  der  artikel  wagt  sich  nur  dann  an  sie  heran, 
wenn  es  unbeschadet  ihrer  Selbständigkeit  geschehen  kann,  und 
dies  wird  selbst  da  beobachtet,  wo  das  adj.  allein  ohne  subst. 
steht,  der  fälle  des  ohne  artikel  erscheinenden  schwachen  adjectivs 
sind  darum  im  Beövulf  noch  so  viele,  dafs  das  zweite  Grimmsche 
hauptgesetz  'dem  durch  keinen  bestimmten  artikel  gebundenen 
attributiven  adjcciiv  gebürt  starke  form'  nichts  weniger  als  ein 
allgemein  giilliges,  sondern  nur  da  beobachtet  ist,  wo  sich 
für  die  anwendung  der  s(;hw.  form  nicht  die  bedingungen  fanden 
oder  wo  der   dichter   die   demonstratio!!  die  sie  enthält  auch  bei 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  385 

dem  vorhamk'useiu  der  Ijediiigungen  einfach  nicht  anhringen 
AvolUe.  ferner  ist  die  zahl  der  fälle,  in  denen  die  schwache  form 
iu  dieser  weise  erscheint,  verglichen  mit  der  ühereinstimmung, 
die  auch  die  mit  dem  artikel  verbundenen  schwachen  adjectiva 
im  gehrauche  zeigen,  eine  so  grofse  und  die  nachgewiesene  he- 
deutung  auch  in  allen  andern  ausdrucksweisen  und  formen  wie 
dem  vocativ,  dem  Superlativ  usw.  so  durchweg  sichtbar,  dafs  der 
gedanke,  wir  hätten  es  hier  etwa  mit  einer  ganz  vereinzelten 
Verwendung  der  schwachen  iorm  zu  tun,  etwa  mit  einer  dialecti- 
schen  abzweigung  von  einer  andern  grundbedeutung,  vielleicht 
von  der  von  JGrimm  angenommenen  für  jetzt  noch  jedes  anhaltes 
entbehrt,  und  wenn  daher  jenes  Grimmsche  hauptgesetz  auch 
überall  sonst  volle  geltun g  hat,  so  ist  das  gesetz  nur  ein  die  tat- 
sache  anerkennendes,  historisches,  nicht  aber  beruht  es  auf  einer 
grundbedeutung  der  schw.  form,  es  konnte  nur  aufgestellt  wer- 
den, weil  selbst  die  ältesten  denkmäler  unserer  spräche  in  der 
tat  so  beschaffen  sind,  dafs  in  ihnen  jene  freie  Selbständigkeit 
des  schwachen  adjectivs  nur  noch  spärlich  und  dem  äuge  leicht 
entschwindend  vorhanden  ist.  nur  der  ags.  dialect  und  in  ihm 
gerade  der  Beövulf  boten  die  mögüchkeit,  dafs  das  schw.  adj.  bei 
einer  sorgfältigen  betrachtung  sich  dem  äuge  in  seiner  wahren 
geltung  oder  doch  wenigstens  in  einer  dieser  sehr  nahe  kommen- 
den darstelle,  denn  bis  auf  den  letzten  grund  sind  auch  wir 
hier  noch  nicht  gedrungen,  noch  unentschieden  ist  die  frage, 
welches  die  ursprünglichere  funclion  ist,  ob  die  der  emphatischen 
hervorhebung  oder  die,  bei  einem  Substantiv  die  seinem  weseu 
entnommenen  eigenschaften  als  solche  zu  bezeichnen,  das  zu 
entscheiden ,  dazu  reicht  auch  der  gebrauch  wie  er  im  Beövulf 
ist  nicht  aus.  noch  weniger  a])er  der  der  andern  gedichte.  denn 
je  weiter  die  spräche  in  der  zeit  vorrückt,  um  so  mehr  ent- 
schwindet jene  Selbständigkeit  der  schwachen  form,  deutlich 
liegen  im  ags.  die  stufen  vor,  so  sichtbar  wie  wol  in  keinem 
andern  dialecte  wider,  obwol  das  gotische,  wie  das  schon  eine 
lliichtige  durchsiebt  der  von  Grimm  zusannnengestellten  stellen 
über  den  gebrauch  des  sciiw.  adjectivs  crülVnet,  der  ausbeule  ge- 
nug gewähren  wird,  das  schw.  adj.  gerät  ganz  in  abhängigkeit 
von  anderen  Satzteilen,  vorwiegend  in  die  des  artikels.  aber  ebenso 
wie  die  lüsung  der  frage  nach  der  schwachen  llexion  der  sub- 
slanliva,  und  das  in  allen  indogermanischen  sprachen  wo  sie  sich 


386  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

findet,  wenn  anders  da  überall  ein  genetischer  Zusammenhang 
wiirklich  vorhanden  ist  (vgl.  Scherer  zGDS  s.  408.  409.  Leo  Meyer 
Liter  die  flexion  der  adj.  im  deutschen),  von  dem  boden  aus^ 
den  wir  uns  hier  bereitet  haben ,  noch  in  weiter  ferne  liegt 
ebenso  dunkel  ist  von  ihm  aus  auch  noch  das  problem  der  so 
überaus  festen  Verbindung  des  schwachen  adjectivs  mit  dem 
artikel,  so  dafs  er  die  starke  form  fast  ganz  und  gar  von  sich 
zurückweist,  grofs  ist  im  Beövulf  die  scheu,  überhaupt  ein  adjectiv 
zu  einem  Substantiv  zu  setzen,  das  den  artikel  bereits  hat,  aber 
wenn  sie  zusammentreten ,  dann  steht  doch  regelmäfsig  die 
schwache  form  mit  der  einen  ausnähme  2S60  pum  geongnni.  es 
läfst  sich  wol  erklären,  wie  sie  neben  einander  treten  können 
und  einander  wechselseitig  anziehen,  und  der  grund  liegt  in  dem 
emphatischen,  dessen  ja  auch  der  artikel  fähig  ist,  aber  warum 
die  Verbindung  eine  so  ausschliefsliche  wurde,  das  ergibt  sich 
daraus  noch  nicht,  das  ergibt  sich  aber  auch  nicht  aus  der 
Grimmschen  theorie.  Vermutungen  liefsen  sich  auf  dem  boden 
des  bis  jetzt  gewonneneu  aufstellen ,  doch  ehe  nicht  gerade  aus 
andern  dialecten  derselbe  mehr  gefestigt  ist,  fehlt  ihnen  die 
Sicherheit,  wol  aber  können  wir  aus  dem,  was  jene  ags.  gedichte 
liefern,  für  diesen  dialect  wenigstens  erklären  wie  es  gekommen, 
dafs  die  schwache  form  am  adjectiv  so  ganz  die  geltung  einer 
eigenen  function  aufgegeben  hat.  hauptsächlich  der  artikel  ist 
der  Zerstörer,  doch  trug  auch  die  schwache  form  selbst  schon 
den  keim  des  Untergangs  in  sich,  aus  unerklärten  gründen  duldet 
einmal  jenes  demonstrativprononien,  der  artikel,  nichts  neben  sich 
als  die  schwache  form,  nun  grift"  er  immer  weiter  um  sich,  wie 
sich  dies  an  deutlich  redenden  zahlen  und  sogar  für  einzelne 
fälle  nachweisen  liefs,  immer  häufiger  also  kam  er  in  die  läge, 
neben  dem  Substantiv,  an  das  er  heran  trat,  bereits  ein  adjectiv 
vorzufinden,  trug  dies  die  schwache  form,  so  hatte  es  nichts 
weiter  auf  sich,  vor  der  starken  form  wich  er  zuerst  zwar  zu- 
rück, oder  auch  diese  überliefs  ihm  das  fehl,  bald  aber  ward  die 
wechselseitige  scheu  überwunden,  zuerst  in  minder  auffallenden 
lallen,  dann  mit  immer  grüfserer  rücksichtslosigkeit.  das  schwache 
adjectiv  kam  ihm  in  diesem  zersetzenden  würken  entgegen,  das 
aus  der  grundbedeutung,  so  weit  wir  sie  bis  jetzt  kennen,  sich 
ergebende  formelhafte  und  feste  mancher  Verbindungen  konnte 
auf  das  zurücktreten  des   bewustseins    für  die    eigene   bedeutung 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  387 

der  schwachen  form  nicht  ohne  einlliifs  bleihen.  bei  der  Ver- 
wendung des  instrumentals  ferner  hefs  sich  die  spräche,  weil  hier 
die  starke  form  fast  ganz  von  der  schwachen  verdrängt  war,  zu 
einer  ganz  besonderen  verläugnung  der  eigenart  der  letzteren 
hinreifsen,  wie  wir  dies  an  einzehien  fällen  klar  wahrnahmen, 
dazu  kam  die  gleicbförmigkeit  der  endun^en  der  schwachen  form, 
der  sich  der  artikel  als  ein  bequemes  und  begierig  ergriffenes 
mittel  darbot,  die  casus  zu  verdeutlichen,  und  endlich  mag  auch 
wol  die  allgemeine  neigung  der  sprachen  zur  entäufserung  der 
formenfülle  einer  der  mitwürkenden  factoren  gewesen  sein ,  der 
einförmigen  schwachen  tlexion  gegenüber  der  formenfülle  der 
starken  eine  ausgedehntere  Verwendung  zu  gewähren,  so  arbei- 
teten sich  diese  verschiedenen  umstände  wechselseitig  in  die  bände, 
um  in  rascher  entwicklung  jenes  alte  kraftvoll  hinweisende  pro- 
nomen  zu  dem  bedeutungslosen  artikel,  der  nur  noch  die  function 
hat,  die  beziehungen  eines  andern  Wortes,  des  nomens,  kenntlich 
zu  machen ,  und  das  unabhängige  schwache  adjectiv  zu  einem 
willenlosen  trabanten  dieses  artikels  herabzuschwächen,  bis  in 
dem  letzten  Stadium  der  spräche,  dem  neuenglischen,  sogar  die 
formen  selbst  auf  der  einen  seite  ganz,  auf  der  andern  bis  auf 
eine  einzige,  das  the,  ein  opfer  des  Vernichtungskrieges  wurden 
gegen  alles  was  formenfülle  heifst. 

Es  ist  noch  zusammenzustellen,  was  sich  aus  einer  betrach- 
tung  dt's  starken  adjectivs,  so  weit  es  dem  gebrauch  des  schwa- 
chen gegenribersteht,  ergab,  ein  par  sehr  wichtige  arten  der  Ver- 
wendung sind  liereits  früher  besprochen  und  durch  beispiele 
belegt  worden,  nämlich  die  des  neutr.  sing,  und  plur.,  ^\enn  es 
substantivische  geltung  annimmt,  sowie  des  plurals  aller  ge- 
schlechter, wenn  das  zu  ergänzende  subject  ein  allgemeines,  un- 
bestimmtes wie  menschen,  krieger  usw.  ist.  einer  besonderen 
erwähnung  bedarf  es  ferner  kaum,  dafs  auch  für  das  ags.  das 
von  JGrimm  Gramm,  iv  577  als  drittes  hingestellte  hauptgeselz 
ausnahmslose  geltung  bat,  dafs  das  prädicativc  adjectiv  nur  stark 
tlectiert.  der  gebrauch  des  starken  adjectivs  ist  wie  dies  die 
früher  besprochenen  Zählungen  zeigen  ein  ungleich  häutigerer 
als  der  des  schwachen,  ich  habe  widerholt  hervorgehoben,  dafs 
selbst  da,  wo  die  schwache  form  am  orte  wäre,  sie  durchaus 
nicht  überall  steht,     auf  je  zwanzig  verse  kommt  im  Be«>vulf  im 


388  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

durchschnitt  nur  eins,  so  dafs  also  in  der  häufigkeit  des  ge- 
brau chs  hier  noch  keine  Ursache  der  abschwädiuug  der  hervor- 
hebenden kraft  liegt,  sondern  im  gegenteil  die  spärlichkeit  im 
gebrauche  von  dem  bewustsein  dieser  kraft  ein  redendes  zeugnis 
ablegt,  und  spärlich  ist  bei  jenem  Verhältnis  der  gebrauch,  wie 
das  eine  betrachtung  der  erzählungsweise  in  den  alten  alliterie- 
renden gedichten  ergibt,  diese  ist  höchst  eigentümlich,  und  das 
nicht  nur  im  angelsächsischen  sondern  in  allen  dialecten. 

einmal  das  kurze  versmafs,  bei  dem  man  auch  noch  im 
gebrauch  des  enjambement  höchst  unduldsam  war,  andererseits 
der  noch  viel  beengeudere  zwang  der  alliteration  hemmten  die 
freie  bewegung  im  aufbau  längerer  Satzgefüge  und  in  der  weiteren 
ausführung  der  hauptsätze  selbst,  es  gibt  zwar  fast  alle  arten 
von  uebensätzen,  aber  sie  werden  nur  spärlich  verwendet,  am 
häufigsten  noch  relativ-,  dafs-  und  temporalsätze.  die  erzählung 
wird  oft  lange  passagen  hindurch,  ohne  dafs  ein  nebensatz  die 
gleichförmigkeit  unterbräche,  durch  hauptsätze  weitergeführt, 
und  diese  unter  sich  mit  seltener  Verwendung  von  adversativen, 
einschränkenden  oder  begründenden  conjunctionen,  um  so  öfter 
dafür  durch  copulative,  meistens  /»«,  verbunden,  nichts  desto 
weniger  aber  ist  die  gesammtdarstellung  durchaus  nicht  ermüdend 
und  einförmig,  denn  dadurch ,  dafs  in  folge  dieses  anreihungs- 
systems  eine  häufige  widerholung  und  nochmalige  uenuung  von 
einzelnen  begriffen  des  vorangehenden  satzes,  an  den  die  andern, 
neuen  begritfe  sich  anschliefsen,  notwendig  gemacht  wird,  und 
weil  zu  diesen  widerholungen  andere  worte  verwendet  werden 
müisen,  die  den  begriff  bei  der  allen  synonymen  doch  innewoh- 
nenden abweichung  gleichsam  von  einer  anderen  seite  zur  au- 
schauung  bringen,  wozu  ferner  kommt,  dafs  zum  teil  in  folge 
der  eigenart  des  poetischen  Stils  bei  naturvülkern,  zum  teil  in 
folge  metrischen  bedürfnisses,  besonders  des  der  alliteration,  die 
auch  die  häufige  ersetz uug  des  kalten  Personalpronomens  durch 
lebendige  nomina  bewürkt,  nicht  nur  der  gebrauch  des  beiwortes 
ein  sehr  reichlicher  ist  sondern  auch  die  grammatische  figur  der 
apposition  eine  überaus  häufige  Verwendung  findet:  durch  alles 
dies  wird  ilie  phantasie  in  beständiger  erregung  erhalten  und 
beschäftigt  und  auf  diese  weise  an  lebhaftigkeit  wider  gewonnen, 
was  durch  die  eiuförmigkeit  des  satzbaues  verloren  gehen  muste. 

aber  gerade  diese  art  der  darstellung,  in  der  die  apposition, 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  3S9 

die  tropeii  der  allusion  und  der  Synekdoche  eine  so  grofse  rolle 
spielen  und  in  der  die  erzählung  ohne  vermittelnde,  glättende 
Partikeln  und  conjunctionen  von  einem  satze  zum  andern  weiter- 
schreitet, verleihen  jenen  poetischen  erzählungen  auch  den  cha- 
racter  des  ernsten,  schweren  und  markvollen  pathos,  das  von 
anfang  bis  zu  ende  durchgeht  und  der  widerausdruok  jener  energie 
und  leidenschaftlichkeit  ist,  mit  der  man  all  die  dichtungen  voll 
kämpf  und  heldentum,  voll  verherlichungen  dessen,  was  für  das 
höchste  galt,  vortrug  und  anhörte.*  und  wie  sollte  nun  bei 
diesem  gesammtcharacter  nicht  sogar  eine  reichlichere  Verwendung 
einer  solchen  art  von  hervorhebung  wie  sie  die  schwache  form 
des  adj.  bewürkt  ganz  anstandslos  haben  stattfinden  können? 
einem  jeden  bedenken,  das  von  dieser  seite  sich  erhebt,  mufs 
die  betrachtung  der  alten  epischen  darstellungsweise  die  spitze 
abbrechen. 

Wir  haben  uns  damit  auch  schon  den  weg  zu  dem  gebahnt, 
was  über  das  starke  adjectiv  noch  nachgetragen  werden  sollte, 
das  adjectiv  rm  allgemeinen  dient  ebenso  oft  zur  widerholung  und 
wideraufnahme  eines  genannten  nominalen  begriffs  wie  das  sub- 
stantivum.  da  der  begriff  also  in  diesen  fällen  überall  schon 
genannt  ist,  so  wäre  der  artikel  stets  am  platze  gewesen,  ihm 
kommt  ja  gerade  die  function  dieser  widereinführung  zu.  allein 
sowol  die  noch  zu  stark  fühlbare  demonstration  desselben  verbot 
eine  zu  häutige  Verwendung,  als  auch  andererseits  er  ja  nur  dann 
zu  einem  adjectiv  treten  kann,  wenn  dieses  die  schwache  form 
um  ihrer  selbst  willen  angenommen  hat.  weiter  aber  darf  auch 
das  schwache  adjectiv,  nach  allem  was  wir  nun  über  dasselbe 
wifseu,  nicht  häufig  verwendet  werden,  und  da  es  mit  den  be- 
sprochenen wenigen  ausnahmen  (Beov.  2961  usw.)  dann  wenn  es 
ohne  subst.  steht  stets  den  artikel  mit  seiner  demonstration  an 
sich  heranzieht,  so  zwingen  alle  diese  beschränkungen  zu  einem 
nur  sehr  spärlichen  gebrauch  des  schw.  adj.  zum  zwecke  jener 
widerholung  eines  begriffs,  die  man  die  epische  nennen  kann, 
es  sind  dies  die  fälle,  die  oben  sämmtlich  verzeichnet  sind,  se 
rica  usw.  zu  diesen  rechnet  JGrimm  (Gramm,  iv  540),  fufsend 
auf  der  tlieorie  dal's  sich  der  artikel  vorwiegend  vor  dem  schw. 
adj.  entwickle,  auch  stellen  wie 

'  ich  verweise  liierzu  besonders  auf  Scherer  zGDS  s.  156  f. 
Z.  f.  D.  A.  neue  fol^e  IV.  26 


390  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

B.  758     Gemunde  pä  se  gada  \\  mceg  Higeläces. 
813     ac  hine  se  mödega  ||  mceg  Higeläces. 
2011     söna  me  se  mceta  ||  mago  Healfdenes. 
allein  schon  aus  versen  wie  gleich 

Beöv.  9  dö  pät  hrm  ceghvyk  \\  para  ymhsittendra. 
59  pcem  ferner  bearn  ]|  for(j  gerimed 
und  noch  vielen  sehen  wir  zur  genüge,  dafs  wenn  auch  sorg- 
fältige Vermeidung  des  enjanibements  von  einem  verse  zum  andern 
zum  Wesen  dieser  poesie  gehört,  so  doch  innerhalb  des  langverses 
eine  gröfsere  freiheit  herschte.  bei  der  sonst  oft  genug  statt 
findenden  widerkehr  der  Verbindung  des  Substantivs  mit  artikel 
und  adjectiv  in  der  reihenfolge  der  worte  die  oben  die  beispiele 
zeigen  konnten  diese  vom  ohr  nur  als  einheitliche  ausdrücke 
aufgefafst  und  nicht  etwa  das  Substantiv  mceg,  mago  für  eine  jener 
epischen  widerholungen  gehalten  werden,  dies  ist  wol  sogar 
auch  dann  nicht  der  fall,  wenn  zwischen  adjectiv  und  Substantiv 
ein  adnominaler  genitiv  tritt  wie 

Beov.  2977     Let  se  hearda  Higeläces  pegn. 
Gen  512     on  pdm  hehstan  heofna  rice. 

1004     Hirn  pä  se  cystleäsa  cvealmes  vyrhta. 
doch  ist  zu  beachten,  dafs  in  all  den  ausgaben,  die  JGrimm  zur 
Verfügung    standen,    die    abteilung   nach  halbversen  vorgenom- 
men ist. 

In  all  den  andern  stellen  steht  also  die  starke  form,  und 
da  ist  es  auffallend ,  wie  wenig  weitreichend  noch  die^kraft  des 
artikels  auf  die  Umwandlung  der  starken  form  in  die  schwache 
ist.  nur  das  adjectiv  das  unmittelbar  neben  ihm  steht  hat  die 
schwache  form,  jedes  entferntere  die  starke,  wir  haben  da  nun 
verschiedene  fälle. 

1.     es  geht  ein  Substantiv  mit  artikel  vorher,    und  es  folgt 
ein  den  begriff  wider  aufnehmendes  adjectiv  zb. 
Beöv.   1000  pä  se  agheca 

fyrendcednm  fäg  on  ßeäm  gevand  |  aldres  orvena. 
1614     buton  pone  hafelan  and  pä  hilt  somod 

since  fäge. 
1754    pät  se  lichoma  liene  gedreöse^, 

fcege  gefealle^. 
1780    pät  ic  on  pone  hafelan  heoredreörigne 
ofer'  eald  gevinn  eägum  statige. 


DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS.  391 

2577  pät  si»  ecg  geväc 

brun  on  haue. 
ebenso  noch  Beöv.  2700.  2S30.    Gen.  40.  107.  2555  usw.     dafs 
hierher  nicht  auch  fälle  gehören  wie 
Beöv.  3028     Svä  se  secg  hvata  secgende  väs. 

2675     Ac  se  maga  geonga  under  his  m(eges  scyld 
geht  daraus  hervor,  dafs  das  adj.  mit  subst.  und  artikel  noch  in 
demselben  halbverse  steht,     das  adjectiv   ist   einfach  nachgesetzt, 
wie    das   in   allen    dialecten    vorkommt,     würklich    ausgenommen 
ist  nur  die  eine  bereits  Iridier  besprochene  stelle 
Gen.  2521     gif  ge  pät  fasten  fyre  villa6 
steäpe  forstandan. 
2.     es  geht  ein  schwaches  adjectiv  mit  artikel  vorher. 
Beöv.  2949     gevät  him  pu  se  gada  mid  his  gädelingnm 
fr  öd  fela-geomor  fasten  secean. 
Gen.  489  pät  viste  se  liiba  georne 

dyrne  deofles  boda,  pe  vi^  drihtfie  vann. 
1898  pd  se  hulga  ongan 

ära  gemyndig  Abraham  sprecan. 
2445  pa'f  him  se  ä^ela  geaf 

gledvferh^  hüle  giestli^nysse. 
übereinstimmend  mit  diesen    heifst  es  auch  Gen.  2057 

cvä^  pät  him  se  hälga 
ece  drihten  e«8  mihte. 
dieses   ece   schien  Bouterwek    so   anstofsig,   dafs   er   in    der   an- 
merkung  zu  der  stelle   schreibt   'lies   ecea  drihten.'     an  und  für 
sich   ist  gegen   dies  ecea  nichts  einzuwenden ;   man   vergl.  Beöv. 
1692.  2330.  1779.    Gen.  7.  1885.    Andr.  721  wo  wir  es  überall 
haben,     doch  es  ist  nicht  notwendig,    da   auch   ece  drihten   sich 
findet  und  das  aufserordentlich  häufig,    die  Ursache  der  conjectur 
Bouterweks  kann  also  nur  die  sein,  dafs  er  um  des  vorangehenden 
artikels  willen    das   schwache  ecea   lür   notwendig   hielt,     das  ist 
aber   gefehlt   wie    die   obigen   stellen   zeigen,     soweit   reicht   die 
kraft  des  artikels  nicht,     auch  in  den  folgenden  stellen 
B.  132     sy^^an  hie  päs  lä^an  last  sceävedon 
vergan  gästes. 
Gen.  299  pu  vear^  se  mihtiga  gebolgen 

hehsta  heofones  valdend 
hat  der  vorangehende  artikel  nichts  mehr  mit  dem  zweiten  schwa- 

26* 


392  DAS  SCHWACHE  ADJECTIV  IM  AGS. 

cheu  adj.  zu  tun,  sondern  dies  ist  um  seiner  selbst  willen  gesetzt, 
unbekümmert  darum  ob  ein  artikel  vorhergehe  oder  nicht. 

3.  auf  artikel  mit  subst.  und  adj.  folgt  ein  zweites  das 
stark  flectiert. 

Beöv.    2928     Sana  him  se  froda  füder  Öhtheres 
eald  and  egesfnll  hondslyht  ägeaf. 
3024  ac  se  vonna  hrefn 

fns  ofer  fcegum  fela  reordian. 
Gen.  792  gesyhst  pn  nu  /jü  sveartan  helle 

grcedige  and  gifre? 
2595  p(Br  se  eddega  Loth 

vcerfäst  vnnode  valdende  leöf. 
Audr.  371  and  se  grcega  mcev 

välgifre  vand. 
1298    pä  pcer  dt^vde  se  atola  gast 
vrä^  vcerloga. 
hierzu   ist   wider   zu   vergleichen    die    stelle   Atheist.  60   hyrned- 
nebba  usw. 

4.  es  schliefst  sich  auch  dann  stets  ein  starkes  adj.  an, 
wenn  die  Verbindung  des  schw.  adj.  mit  subst.  ohne  artikel 
vorhergeht. 

B.   1400  Visa  fengel 

geatoUc  gende. 
1801     öS  pdf  hrefn  blaca  heofenes  vynne 
blibheort  bodode. 
Gen.  26    pät  hie  vi^  drihtne  divlan  meahton 
vuldorfästan  vic  verodes  prymme, 
std  and  svegltorht. 
dagegen   Andreas   60     his  sigedryhten  särgan  reorde 

grette  gumena  brego  geömran  stefne. 
und  1543     se  pä  burh  oferbrägd  blucan  lige, 
hätan  heabovdlme. 
es  sind  beide  male  instrumentale,   die   auch   noch   ihre   eigenen 
Substantive  neben  sich  haben. 

durch  diese  weiteren  beweise  von  der  Zurückhaltung  im 
gebrauch  der  schwachen  form,  wie  sie  besonders  die  fälle  unter 
1.  2.  3  darlegen,  erhält  die  annähme  der  hervorhebenden  kraft 
derselben  eine  neue  und  nicht  unwesentliche  stütze,  nur  durch 
sie  wird    in   jenen    fällen    diese   scheu  erklärt,   nicht   aber   etwa 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS  393 

auch  durch  die  theorie  von  einem  individuahsierenden  vermögen 
der  schwachen  form,  bei  diesem  würde  im  gegenteil  eine  stete 
widerhohing  der  schwachen  form ,  ist  mit  ilir  einmal  begonnen, 
das  angemefsenste  sein. 

Hiermit  glaube  ich  alles  beigebracht  zu  haben,  was  der  ge- 
brauch der  starken  und  schwachen  (lexion  beim  angelsächsischen 
adjectiv  an  beweismitteln  enthält,  anhaltspuncte  in  vorarbeiten 
gab  es  nirgends  aufser  negativen,  auch  bei  Koch  nicht,  der  zwar 
im  zweiten  teil  seiner  Histor.  gramm.  der  engl,  spräche  den 
factischen  Sprachgebrauch  durch  einzelne  beispiele  belegt,  aber 
in  der  vorrede  ausdriiclilich  erklärt,  dafs  er  sich  principiell  auf 
begründungen  des  wechseis  in  den  verschiedenen  sprach-  und 
redeformen  nicht  einlafse. 

Wien,  august  1872.  DR  A.  LICHTEISHELD. 


BRUCHSTUCKE  DES  PASSIONALS. 

1. 

Auf  der  Leipziger  stadtbibl.  befindet  sich  noch  nnnummeriert 
das  innere  doppelblatt  einer  läge  aus  einer  pergamenths.  der  mitte 
des  14  jhs.  in  quart.  auf  8  spalten  zu  Je  50  zeilen  stehen  396 
verse  des  alten  Passionais  (bei  Hahn  176,  75 — 181,  1);  vier  zeilen 
werden  am  schlufse  der  siebenten  spalte  durch  die  Überschrift  weg- 
genommen, die  hs.  ist  liniiert ,  die  spalten  sind  durch  senkrechte 
linien  abgeteilt  und  eingeschlofsen ,  ebenso  die  etwas  ausgerückte 
reihe  der  ersten  buchstaben  in  maj'uskel,  die  aufserdem  noch  durch 
einen  roten  strich,  nur  unterbrochen  bei  den  farbigen  initialen,  ver- 
bunden sind,  auf  der  vierten  seile  beginnt  mit  der  ziveiten  spalte 
die  geschickte  des  Paulus  und  da  ziehen  sich  von  dem  roten,  blau 
verzierten  P  des  namens  zwischen  beiden  spalten  hinunter  ab- 
wechselnd und  zusammenhängend  rote  und  blaue  Verzierungen  dem 
J-buchstaben  ähnlich,  die  hs.  war  befser  als  die  Heidelberger  und 
ihre  bruchslücke  stimmen  im  ganzen  zu  der  hs.  vdHagens,  von 
welcher  im  7  bände  der  Berliner  Germania  s.  249//"  nachricht  ge- 
geben ist ;  doch  sind  die  lesarten  nicht  von  solchem  belange  dafs  sie 
eine  mitteilung  zu  verdienen  schienen. 


394  BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


Em  doppelblatt  einet^  pergametiths.  des  14  jhs.  in  fol.  fand  ich 
im  vorigen  jähre  auf  der  Leipziger  Stadtbibliothek  als  einband- 
deckel  einer  Sammlung  folitisch-religiöser  Streitschriften  über  den 
Prager  frieden  von  1635.  die  Matter  tragen  auf  beiden  drei- 
spaltigen Seiten  rote  nummern ,  das  eine  xlii  ,  das  andere  xlvii, 
in  der  weise  daß  auf  jeder  rechten  seile  die  zahl  über  der  zweiten 
spalte,  auf  jeder  linken  über  der  dritten  steht,  wir  haben  somit, 
vorausgesetzt  die  lagen  waren  gleich ,  das  zweite  doppelblatt  des 
sechsten  quaternio.  unten  ist  durch  einen  schrägen  schnitt  ein 
streifen  abgefallen,  der  die  spalten  um  7  bis  9  zeilen  verkürzt 
{vgl.  die  berechnungen  unten  bei  blatt  xlvii  1'  1'*  l''),  ferner  ist 
beim  einbinden  von  bl.  xlii  an  der  seile  ein  stück  abgefallen  und 
oben  und  unten  sind  zwickel  ausgeschnillen ,  wodurch  V  die  vers- 
enden, 2*  die  anfange  mehr  oder  iveniger  verloren  gegangen  sind, 
nach  dem  bekannten  inhalte  von  xLvn  1  zu  urteilen,  standen  auf 
der  spalte  54  bis  56  Zeilen  (doch  vgl.  die  bemerkung  zu  2"  dieses 
blatles).  oben  und  auf  blatt  xlvii  aji  der  erhaltenen  aufsenseite 
ist  der  rand  1  ^2  zoll  breit ,  der  innere  rand  nur  1 .  zoll,  die 
spalten  sind  durch  senkrechte  linien  abgeteilt,  dergestalt  dafs  die 
majuskeln,  welche  die  ausgerückten  ersten  reimzeilen  beginnen,  durch 
je  2  eingeschlofsen  sind,  die  hand  ist  auf  beiden  seilen  dieselbe, 
in  betreff  der  Schreibung  habe  ich  noch  zu  bemerken  dafs  d  mid  t 
oft  schwer  zu  unterscheiden  sind  und  daß  von  abkürzungen  die  be- 
kannten für  er  und  u,  erstere  bisweilen,  letztere  häufig  vorkommen 
sowie  daß  immer  viT  geschrieben  ist.  merkwürdig  ist  der  inhall. 
bl.  xlii  enthält  auf  den  ersten  fünf  spalten  den  Schluß  der  ge- 
schieht des  Paulus,  aber  in  einer  von  der  Pfältzer  ganz  abwei- 
chenden bearbeitung ;  gleichivol  aber  gehört  sie  dem  zweiten  buche 
des  Passionais  an.  auf  den  abgeschnittenen  zeilen  (jedesfalls  acht) 
können,  wenn  überhaupt  noch  etwas,  höchstens  die  sechs  letzten 
verse  dieser  Pauluslegende  gestanden  haben,  denn  zioei  waren  für 
die  Überschrift  der  folgenden  erforderlich  {vgl.  den  beginn  der  Bri- 
gida  xlvii  2^),  die  auf  der  nächsten  spalte  gleich  mit  dem  texte 
beginnt,  sie  behandelt  den  Polycarpus  von  Smyrna  {siehe  AASS 
26  Jan.)  der  in  Köpkes  Pass.  unbesetzt  ist.  das  andere  blatt 
(xLvn)  enthält  auf  der  ersten  seile  bis  2^  zeile  4  den  schlnß  des 
Julian  (Köpke   159,  87 — 161,  60)  und  daran  schliefst  sich   wider 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


395 


eine  noch  unbekannte  bearbeüung  der  legende  von  der  schottischen 
Brigida,  deren  tag  der  1  februar  ist  {vgl.  besonders  die  zweite  der 
Brigidenlegenden  in  den  AASS).  ivir  haben  somit  die  heiligenge- 
schichten  vom  26  und  31  Januar  und  1  februar.  die  innern 
doppelblätter  xliii — xlvi  loerden  also  wol  die  heiligen  der  tage 
vom  27 — 30  jan.  behandelt  haben. 


blatt  xLii  (vgl.  H.  Pass.  182,  30/f). 

1". 
Vnd  volge  meinem  rate 
Ginch  zu  saule  drate 
Vnd  vuge  daz  im  werde  haz 
er  ist  mir  ein  erweites  vas 
5  Der  seiden  vnd  der  heilickait 
auf  disem  ertreich  brait 
Muz  er  lobes  vil  beiagen 
wann  er  sol  meinen   namen 
tragen 
Den  fursten  vnd  den  kuuigen  vor 
10       sein  lere  durcb  der  himeltor 
Chan  sei'  vil  gelaitten  wol 
selbe  ich  im  erzivgen  sol 
Waz  er  note  laiden  muz 

auf    meinen     wundecklichen 
gruz  - 
15  Vnd  durch  meines  namen  ere 
da  von  du  balde  chere 
Zv  meinem  lieben  chneht  dan 

auf  stunt  der  seidenreich  man 
Ananias  do  ze  haut 
20       er  giench  mit  willen  vnde  vant 
Säulen  in  dem  hous  dort 

dise  minneklich  wort 
Let  er  im  vur  als  ich  vernim 
bruder  saul  sprach  er  zu  im 


Der'  suzze  christ  vil  lobsam      25 

:  er"  auf  dem  wege  dir  bequam 
Den  du  ritt  in  disiv  laut 

der  hat  mich  her  zu  dir  gesaut 
Daz  du  die  geschieht  dein 

wider  von  der  hende  mein     30 
Enphahest  auf  der  erden 

vnd  du  must  werden 
Erfüllet  mit  gaist  gotes 

so  daz  die  gnade  sines  gebotes 
Deinem  hertzen  werde   erchant  35 

suzz  leit  er  im  di  suzzen  haut 
Auf  sein  ougen  trüb  gar 

di  wurden  im  so  licht  gevar 
Rechte  als  <ler  sunnen  blick 

sam  di  schuppen  dick  40 

Viel  im  di  blintheit  da  von 

vreude  wart  sein  leip  gewon 
Vnd  swaz  sein  hertze  an  sorgen 
laz 

als  er  getranch  vnd  geaz 
Do  wart  gesterket  im  daz  leben  45 

lob  vnd  preiz  begunde  er  geben 


1" 


Giench'  er  durch  bredigunge 
sein  wol  gelerte  zunge 


'  die  obere  hiHfle  des  i  radiert 
auf  der  vor/iergefienden  zeite  ^  rot 

*  G  i^Alblau 


gr.  ivegen  ma7igelnden  rawnes 
'  d  von    der  initiale  bedeckt 


396 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


Begiinde  reden  also  wol 
50       daz  man  gehören  nimmer  sol 
Cheinen  man  sprechen  baz 

den  iu^P"  sait  er  alles  daz 
Für  ein  ^vares  mere 

der  suzze  krist  der  were 
55  Gotes  sun  des  reichen 

vnd  daz  er  ewichlicheö 
Zv  seiner  zesme  hende 
sitzen  biet  au  ende 
Dort  in  den  himelchoren 
60       do  daz  begunden  hören 
Die  Jnden  alle  besunder 

do  nam  si  michel  wunder 
Seiner   guten  lere 

erschrochen  was  vil  ser 
65  Ir  hertze  daz  vureine 

si  sprachen  alle  gemeine 
Ist  ditz  nicht  der  selbe  man 

der  guten  willen   nie    gewan 
Gegen  iesu  christ 
70      ia  zwar  sein  list 
Vnd  alle  sein  sinne 

worchten  aus  vnd  inue 
An  allen  den  getoufften  ie 
wer  hat  sus  vercheret  hie 
75  Daz  er  so  vreuelichen  tobet 
vnd  iesum  christum  so  vaste 
lobet 
Den  .e.  sein  zunge  dick  salt 

er  hat  doch  brief  vnd  gewalt 
Daz  er  in  bandes  chreft 
80       der  Juden  maisterscheft 
Antwurten  sol  die  kristenheit 
wie  chumet  daz  er  nu  seit 


So  valschiv  predigunge 

vnd  daz  sein  grimme  zunge 
So  niilt  ist  worden  wider  krist  85 

alsus  begunden  an   der   vrist 
Die  luden  sprechen  vnder  in 

betrübet  was  ir  aller  sin 
Vnd  wart  ir  hertze  vreuden  bar 

des  nam  vil  harte  chlain  war  90 
Paulus'  der  becherte 

:er-  weist  vnde  lerte 

1*^  {die  versenden  sind  ab-,  oben 
und  unten  zwickel  ausgeschnitten). 
Gotes 

ich  hau  von  ... 
Daz  er  woute  lang:  .  95 

in  der  selben  veste  . 
Vnd  leute  da  bechert: 

für  war  ich  ev  daz  .  .  . 
Daz  in  div  blinde  ind  .... 

da  von  so  vaste  ha  .  .  .        100 
Daz  si  begunden  vn^  .  .  . 

dar  auf  cheren  al  .  .  .  . 
Daz  er  von  in  wurd:  .  . 

eines  nachtes  in  de  .  .  , 
Leten  si  im  läge  105 

sein  leben  auf  der  .  . 
Begunden  da  vil  sere  ,  . 

ir  hüte  wart  ali-^o  g  .  .  . 
Daz  si  stete  der  ph.  .  . 

vil  gar  an  allen  ...  HO 

Mit  leulen  wol  bew.  .  . 

vnd  die  tor  bespar.  . 
Daz  er  von  danne  eh.  .  . 

in  hart  michel  vn  .  .  . 


'  P  rot,  unten  zur  hälße  weggeschnitten        '  d  xwn  der  roten  fit'he 
des  P  bedeckt         ^  nac/i  n  noc/i  der  rest  wie  es  scheint  eines  d 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


397 


(go?) 


115  Waz'  er  vil  nach  .  . 
wann  bieten  ... 
Er  must  da  h.  .  .  . 
im  wart  er  da  ge 
Daz  er  vil  harte  v  . 
120       di  werden  gotes  d 
Die  da  gesezzen  wa 
die  hülfen  dem  v 
In  einem  chorbe  .  . 
an  aller  slacbte  .  . 
125  Vber  die  maiir  z  .  . 
si  liezzen  daz  er  a 
Auff  die  schon  st  ,  . 
er  für  in  ierosol  . 
Darinne  er  do  be  .  . 
13U      mit  den  zwelf  .  . 
Hiet  er  ge  .  ,  . 

do  V 

Vnd 


2"  (der  anfnng  der  verse  ist  ab- 

geschuitten). 
......  er  stete 

135      in  die  stat 

stete  minn  bat 

rain  wariw  sch::ft 

der  selben  stift 

recht  manig  lait 

140 lies  was  gesait 

fboten  reine 

s  in  gemain 

ir  geselleschaft 

mit  in  do  wonbaft 

145     vndertenich  da 

....  hen  er  begunde  sa 


.  .  .  .straffen  vmb  ir  .e. 
.  .  .bertzeclichen  we 
.  .  .  .  Uten  lere 
.  .  .  tiren  sere  150 

.  .  .elouben  da  mit  in 
.  .  .te  si  grozz  vngewin 
.  .  .  .auz  der  mazzen  lait 
,  .  alle  do  berait 
.  .  .  .  bitterlichen  schaden  155 
.  .  grimmen  tode  laden 
.  .  .  .  si  do  wolden 

.  .  .az  verdolten 
oten  raine 

.  .  .  .n  alle  gemain  ißO 
anne  schire  quam 

...  in  cesaream 
z  er  sich  nider 

.  .tes  wort  da  sider 
.  .  .  .  algemeine  165 

.  .  en  vil  reine 
zz(?)  in  dem  lande 

.  .  .do  bechande 
bten  iesum  Christ 

....  an  der  vrist  170 
leere  zeile^ 
a 


2''  (bis  auf  die  4  letzten  verse, 

die   eingeschlagen    waren,    sta7k 

abgescheuert). 

,  .  .  waz  dar  inne  varnde 
vnd  gotes  lob  bowarnde 

Mit  hertzen  vnd  mit  munde        175 
vz  der  helle  gründe 


'  W  o/au,  davon  a  ga7iz  bedeckt  ^  das  ist  ?mr  noch  einmal  der 
fall  im  2  blatte  vor  der  ersten  äöersc/iri/'t  von  sant  Biigida,  riic/it  bei 
den  initialen  der  absätze 


398 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


Vil  liute  er  do  leit  .  .  .  helfe  wirdet  schein 

vnd  schuf  mit  sinem  .  .  hecherde  sein 

Daz  sich  die  chriechen  alle  ^ 

180      becherten  von  dem  valle  

Der  tieffen  houhtsunden  Wer  mochte  des  zu  ende  chumen  215 

wer  mochte  gar  durch  gründen  ein  zil  die  rede  hat  genumen 

Vnd  entslizzen  die  tat  :  nd  sol  hie  drate  erwinden 
die  sein  leih  begangen  hat  :  ot  lazze  in  selde  vinden 

185  :e  preise  dem  vil  werden  got 

der  selb:  :ain  zwelfbote 

IT  «,      •»     •        1  T  {wie  hei  2'')- 

Hat'  mit  smer  lere  '^  ^ 

die  kristenheit  vil  sere  Vns^  saget  daz  buch  alsus 

Geplumet  vnd  erluchtet  daz  sant  Policarpus  220 

190      vil  manich  hertze  erfuchtet  Ein  priester  was  in  schm  .  . .  / 

:a:  dürr  an  dem  gelouben  was         mit  lere  tet  er  wunder  da 

.  .  ist  ein  spiegel  lichtes  glas  In  verdroz  nicht  der  arbeit 

:a  sich  die  sunderichen  da  mit  er  merte  die  Christenheit 

vil  harte  lutterlichen  Daz  treib  er  vntz  au  sin  alter    225 

195  .  .  sehen  mugen  inne  da  zu  mit  dinst  vor  dem  alter 

er  ist  der  waren  miane  Vnd  do  sein  ende  wesen   solde 

:  in    sluzzel    vnd    ein    starcher  daz  im  got  Ionen  wolde 

rigel  Vor  dem  tage  .e.   er   gevangen 

er  ist  ein  vestes  insigel  wurde 

:  hristenlicher  selicheit  do  troumt  im  ein  swere  bürde  230 

200      man  sol  sein  ere  machen  breit  Im    troumte    wie    sein    küssen 

:  it  gutem  Milien  gern  brunne 

er  ist  ein  michel  stern  des^  morgens  vruo  an  der  sunne 

:  :  der  allen   zweifboten  Seit  der  vil  seldenbere 

sein  lob  chan  blueuvnde  roten  wie  im  getroumet  were 

205  :  n  ir  wuncchlichen  schar  Vf  sin  marler  er  im  beschiet      235 

sam  ein  rose  lichte  gevar  des  truret  sere  der  Christen  diet 

.  .  aller  blumen  glestet  Er  lach  er  solde  vorburnen 

swer  mit  trevven  in  gestet  den   vngelungen^ 

:  nd  im  mit  dinst  beistat  Soltu  widervmb  gan 

210      f  .  .  .  ent  daz  vnd  horent  rat  des  baten  in  weih  vnde  man  240 


'  rot  '  beide  Zeilen  gariz  unlesevlich,    die  zweite  auf  der  untern 

kante  des  einbandes  ^  blaue  initiale  mit  roter  Verzierung,  ebenso  wie 
A  itn  beginne  der  legende  von  Brigida  *  seh  glaube  iv/i  ganz  sicher 
zu  erkennen         '  /w.  der         ''  das  folgende  worl  radiert 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS                 399 

Du  soll  uns  alle  daran   bebaru  Vnd  wolde  sieb  babeu  verporgen 

du  solt  vz  der  stat  varn  von  den  selben  sorgen 

Ob  dir  ein  icbt  geschelie  Wan  swa  bi  den  iaren                 255 

vur  war  man  danue  gesehe  di  cristent  indert  waren 

245  Daz  wir  den  beiden  mustenvolgen  Die  musten  sich  hellen  alle 

vnd  dem  gelouben  vnd  erbolgen  als  im  die  herzen  alle  mitalle 

Die  Christen  wurden  gar  vortan ' 

sus  mach  noch  wol  weih  vnde  :  ie  ir  leben 260 

man  Da  von-  den  grozzen  sorgen 

Cristen  werden  von  vnser  lere  musten  die  Christen  sein  ver- 

250      vater  herre  durch   gotes   ere  borgen 

Vrist  dein  leben  swi  du  macht  Vntz  zu  Ronie  wart  erchant 

so  er  uz  der  stat  gacht  der  geloube  darnach  die  laut. 

'  die  beiden  zeilen  a?i  der  untern  kante  des  einljandes  *  doppelt, 

das  zweite  mal  unterpunctiert 


blatt  XLvii. 

1'  {rücken  des  embandes.  schwer  leserlich)  =  Pass.  K.  159,  57 
bis  160,  37.  von  bemerkenswerten  abweicimngen  waren  zu  lesen: 
gewesen  160,  2.  vil  fehlt  25.  schiebt  zu  g.  34.  l"*  =  Pass.  K. 
160,45 — 90,  es  sind  also  von  V  unten  8  verse  abgeschnitten,  do 
was  do  160,  48.  reislichen  52.  aihie  62.  do  v.  e.  do  d.  lichuam  66. 
M.  der  1.  67.  sie  fehlt  72.  V  =  Pass.  K.  161, 1—47,  es  fehlen  auf 
1^  ebenfalls  8  verse.  liez  161,4.  bin  an  5.  den  leip  9.  lac  14. 
w.  do  d.  17.  Jesus  24.  sin  h.  m.  alle  v.  30.  er  do  31.  vn  da  b.  34. 
alsam  43.  2'  =  Pass.  K.  161,  57 — 60,  es  fehlen  sonach  auf  V 
9  verse,  obgleich  dieser  spalte  in  folge  des  schrägen  Schnittes  ein  vers 
mehr  erhalten  ist,  sodafs  bei  gleicher  verszahl  auf  den  spalten  nur 
ein  mangel  von  7  zeilen  zu  erwarten  loäre;  wahrscheinlich  aber  ent- 
hielt die  hs.  die  verse  54.  55  nicht. 

Hierauf  folgt  nach  dem  Zwischenraum  von  einer  zeile  die  rote 
Überschrift  von  sant  Brigida.  gleich  auf  der  nächsten  linie  beginnt 
der  text  mit  der  blauen  rotverzierten  initiale  A,  die  5  zeilen  höhe  hat. 

Als  ich  an  den  buchen  laz  Zv  vridel  bei  si  in   erweit  5 

von  shottenlande  waz  vnd  liet  im  hert/  vnd  lib  geselt 

Die  magt  Brigida  geborn  Die  dint  oucb  im  nacht  vnd  lach 
die  het  ir  got  zu  vrund  erkorn  des  si  mit  vleize  pllac 


400 


BRUCHSTÜCKE  DES  PASSIONALS 


Daz  treib  si  vutz  uf  die  stet 
10       daz  got  durch  iren  willen  tet 
Swez  si  ouch  aii  im  gert 

des  wart  si  zu  hant  gewert 
Si  was  edel  vnd  schone  vil 
do  iz  chom  uf  daz  zil 
15  Daz  man  si  geben  wolde 

jr  vrunde  zu   man    als    man 
sohle 
Do  di  magt  des  wart  innen 

si  bat  got  von  allen   sinnen 
Daz  er  eteleich  chrancheit 
20       mit  vngestalt  an  si  leit 
Da  mit  si  wolde  vber  wern 

swer  ir  zu  wibe  solde  gern 
Do  got  ir  recht  bete  erehant 
er  gewert  zu  hant 
25  Ein  ouge  si  auz  dem  haubt  verloz 
zu  hant  mit  vreuden  si  verkoz 
Alle  weltlich  diene 

zu  dem  priester  si  do  giench 
Vnd  wart  ge  weihet  zu  einer  nunne 
30       Gotes  dinst  was  do  ir  wunne 
Ouch  ander  meide  was  da  gnuch 
die  ir  wille  zu  got  ouch  truch 
Die  chomen  alle  do  zu  ir 
vnd  mit  gemeiner  gir 
35  Vuren  si  beide  dise  vnd  di 
In  ein  stat  die  hiez  meydi 
Do  wai't  got  gedient  wol 

als  man  im  zu  recht  dienen  sol 
Von  den  meyden  alle  gemein 
40       doch  Brigida  die  reine 
Vor  dient  an  der  stat 
7  bis  9  verse  sind  weggeschnitten. 


2\ 
Achzehen  samenunge  ir  waren 
nahe 

die  begunden  ouch  dar  gaben 
Vnd    chlagten  den  gebresten  ir 

daz  si  beten  cheinen  bir         45 
Die  heilige  oesterliche  tage 

Sa  zu  hant  nach  sag 
Hiez  si  priwen  ir 

vz  einer  mazze  ein  pir 
Vnd  daz  worde  vol  endet  50 

do  wart  von  ir  gesendet 
le  der  samnunge  ein  legelin 

da  det  ouch  got  die  gnade  sin 
Wann  cheiner  samnunge  zu  ran 

w  an  do  chein  legel  wart  in  wan  55 
Swaz  dar'  vz  gegozzen  wart 

vnd  sich  sin  gute  nie  verchart 
Vntz  die  ostern  ende  namen 

do  si  zeichen  da  vornamen 
Si  lobten  gote  sere  60 

der  gnaden  vnd  der  ere 
Die  er  mit  vleiz  bete  geleit 

An  die  heiligen  reine  meit 
Ein  vzzezig  chom  zu  ir. 

er  sprach  der  leidige  schelm  65 
hat  mir^ 
Min  eines  rint  genümen 

nu  han    ich    vrowe    von    dir 
vernumen 
Swes  dein  gebet  an  got  gert 

des  wirstu  alles  gewert 
Bit  got  daz  er  mich.  70 

An    minem     rinte     gevTowe 
durch  dich.* 


'  in  Jiac/i  r  radiert 
gen  zeile 


wegen    mangelnden    raumes  auf  der  vori- 


BRUCHSTICKE  DES  PASSIONALS 


401 


Do  er  siiftzonde  bat 

si  sprach  ich  gib  dir  miuen  rat 
Hastu  dich  versoumet  .e. 
75       an  gotes  dinst  des  tu  niclit  nie 
Darnach  mit  samt  mir  dv  pil 

daz  got  durch  sein  reine  site 
Din  armute  bedenche 

Vnd  zu  hören  sich  vns  lencke 
80  Die  rain  mait  bat  vmb  in 

der  sich  man  giench  do  hin 

Vnd  erte  got  mit  sinem  gebet 

als  in  die  vrowe  geheizen  het 

Do  er  kom  heim  an  der  stunt 

85      sin  rint  was   lelientich    vnd 

gesunt 

Is  chom  ein  siech  maget  zu  ir 

als  daz  liuch  saget  mir 
hier   ist    in   folge    des    schrägen 
Schnittes  eine  zeile  mehr  als  hei 
sp.  2^  verloren. 
T. 
Wazzer  ich  hau  daz  gib  ich  dir 
Rein  magt  daz  gib  mir 
90  Nich  me  mag  ich  mich  uf  ge- 
haben 
ich  muz  mich  mit  wazzer  laben 
Do  ir  daz  wazzer  gegeben  wart 
d::'  wazzer  zu  milch  vcrkart 
Do  der  siech  der  milch  getraue 
95       sin  sichtum  was  do  vnlanc 
Daz  iz  wart  an  der  stunt 
vriscli  vnde  wo)  gesunt 
Gnade  man  wart  an  ir  gewar 
des  komen  (h-ei  auzzetzig  dar 
100  Die    macht    si    sclion    vnd  wol 
gesunt 


Ir  was  wol  ir  hertze  chunt 
Daz  si  meinten  got  von  hertzen 

des   semft   ouch   si    ir    libes 
smertzen 
Zwen  blinden  komen  ouch  dar 

do  si  der  gnaden  wurden  gewar  105 
Die  got  durch  iren  willen  tet 

Sie  komen  dar  ouch  zu   stet 
Si  vielen  vur  die  reinen  meit 

vnd  chlagten  der  ir  arbeit 
Got  bete  si  gemachet  blint         110 

da  bi  habe  wir  weib  und  chint 
Die  habent  me  chein  Zuversicht 

wir  mügen  in  gehelfen  nicht 
Als  du  vrowe  selbe  sihst 

ob  dir  got  lieb  ist  115 

Da:  :a'  schowen  an  vns  zwein 

E  vnser  tochter  rein 
Durch  hunger  muzen  began 

daz  wider  got  ist  getan 
Des  teten  si  vurwar  nicht  120 

beten  si  gen   vns   chein   Zu- 
versicht 
Die  rain  magt  Brigida 

die  antwurt  in  ysa 
Wolt  ir  nach  got  zihen 

Iwr  tochter  vnd  vlihen  125 

Ir  selbe  alle  bosheif 

so  vvil  ich  iwr  hertzen   leit 
Ciagen  got  di  euch  an  leit 

Mit  samt  euch  vnlz  o'uf  die  zeit 
Daz  got  durch  sein  gotheit  130 

verkeret  iwr  hertzen  lait 
Dise  gelobten  von  hertzen  gründe 
fehll    noch    eine  zeile  mehr  als 
auf  2^ 


'  dürr /i löchert  für  die  falzslrcifen 

Leipzig. 


K.  IIILDEBHAND. 


402  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 
DES  SEIFRID  HELBLING. 

Mit  Sorgfalt  und  Scharfsinn  hat  ThvKarajan  der  übelen  Über- 
lieferung des  Seifrid  Helbling  einen  im  ganzen  lesbaren  text  ab- 
gewonnen, mehr  läfst  sich  nicht  erreichen,  wenn  nicht  etwa 
noch  befsere  handschriftliche  hilfsmittel  zu  tage  kommen,  die 
neulich  gefundenen  fragmente  des  fünfzehnten  gedichtes  (Wiener 
sitzungsber.  65  (1870)  s.  377 f)  sind  leider  von  zu  geringem 
umfang,  als  dafs  sie  für  die  textkritik  erheblichen  nutzen  gewäh- 
ren könnten. 

Eine  reihe  von  stellen  deren  text  ich,  meistens  die  lesart 
der  hs.  herstellend,  verbefsern  zu  können  glaube  ist  im  folgenden 
besprochen,  einige  von  andern  vorgeschlagene  verbefserungen, 
die  ich  zufällig  fand,  habe  ich  mit  eingereiht,  ebenso  wenige 
nachweisungen  über  die  spräche  der  gedichte.  der  besprechung 
der  einzelnen  stellen  seien  einige  bemerkungen  über  die  metrik 
vorausgeschickt,  denn  dafs  es  unmöglich  ist  mit  den  vorhande- 
nen hilfsmitteln  den  ursprünglichen  text  der  Helblingschen  ge- 
dichte auch  nur  mit  leidlicher  Sicherheit  herzustellen,  zeigt  eine 
metrische  betracbtung  sicherer  als  die  freilich  auch  nicht  geringe 
zahl  der  verse  welche  der  mangel  an  sinn  als  verderbt  erschei- 
nen läfst. 

Bedenkt  man,  welche  regel  Gottfried  von  Strafsburg,  Rudolf 
von!  Ems,  Ulrich  von  Liechtenstein  und  Konrad  von  Wirzburg 
im  verse  befolgen,  und  vergleicht  man  die  gut  überlieferten  ge- 
dichte aus  dem  ende  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  so  wird  man 
zugeben  dafs  verse  wie  gein  der-  nnven  e  S.  H.  2,  1121.  ich  huop 
aber  an  2,  S59  usw.  (s.  unten  zu  der  stelle),  die  habent  sie  wol 
4,  793.  ddz  laut,  sprach  der  drit  4,  221  wol  bei  Hartmanji  mög- 
lich sind,  aber  nicht  bei  Helbhng.  das  schon  bei  Gottfried  von 
Strafsburg  beginnende,  im  laufe  des  13  Jahrhunderts  immer  all- 
gemeiner befolgte  princip  der  silbenzähluug  in  den  epischen  kurz- 
zeilen  beschränkt  das  fehlen  der  Senkung  auf  wenige  fälle:  inner- 
halb eines  Wortes  wie  billkh  nolhdfte  fürstliche  zörnrede  Pfenninge 
und  in  versen  wie  S.  IL  6,  69  wie  wer  ode  waz.  1,  650  lieber 
got,  wis  im  bt.  8,  444  er  st  arm,  er  si  rieh  darf  die  Senkung 
fehlen,    nicht   aber    in    den    oben    angeführten    stellen  Helblings. 


DES  SEIFRID  IIELBLING  403 

wesentlich  erleiclilcit  wird  die  silbenzäldung  durch  die  apokope 
des  e  die  schon  viel  älter  ist,  s.  DHB  1,  xlvii,  die  aber  in  ge- 
dichten  aus  dem  ende  des  13  Jahrhunderts  so  häufig  wird  dafs 
mau  die  Überlieferung  durchaus  nicht  ändern  darf,  um  diese 
apokopen  zu  beseitigen,  auch  Helbiing  hat  häufig  genug  die 
apokope:  stellen  an  denen  sie  Karajan  mit  unrecht  beseitigt  hat 
sind  unten  angeführt,  die  herausgeber  spätmittelhochdeutscher 
gedichte  haben  oft  unwillkürlich  wie  es  scheint  die  spräche  dem 
klassischen  mhd.  gleich  machen  wollen  und  die  apokope  des  e, 
wo  es  sich  ohne  allzuviele  umstände  machen  liefs,  beseitigt:  frei- 
lich auf  kosten  der  Überlieferung  und  des  durch  reime  gesicherten 
Sprachgebrauches,  ich  erwähne  nur  das  verfahren  von  Bartsch 
in  der  ausgäbe  der  Kolmarer  meisterlieder  und  von  Zupitza  in 
der  Virginal  und  beschränke  mich  auf  wenige  beispiele.  Bartsch 
ändert,  obwol  er  zu  2,  96.  7,  10  die  apokope  des  e  erwähnt,  das 
überlieferte  darumb  so  bringet  zu  danimbe  bringet  147,  36.  i'r 
fretid  sich  in  verkerte  (B.  freude  sich  verkerte)  40,  33.  waz  sol 
nu  tiigent  znht  und  er,  waz  sol  bescheidenheit  (B.  tugetU  ere  und 
znht)  201,  1.  waz  an  dem  gnot  nn  ligen  sol  (B.  guote  ligen)  3. 
e  fragt  man  nach  den  eren  vast  (B.  fragte  man  nach  eren)  5.  die 
Triu  gar  ser  (B.  Triwe  gar)  verhouiven  8.  fron  Er  diu  hat  (B.  Ere 
hat)  gebrechen  vil  16.  diu  ander  sjmng  diu  was  von  gold  so  rot 
(B.  Spange  was  von  golde  rot)  69,  31.  in  der  Virginal  309,9  ist 
mit  der  hs.  zu  schreiben  daz  dirt  daz  sach  er  uf  der  stat  (Z.  daz 
dirte  sach);  343,  13  er  sol  gewaltec  herr  hie  sin  (Z.  herre  sin); 
404,  13  ze  helf  kam  mir  her  Hildebrant  (Z.  ze  helfe  kam  mir 
Hildebrant);  479,  7  ich  het  min  sinne  nach  verlorn  (Z,  ich  hete  nach 
mine  sinne  vlorn);  567,  12  wilder  swin  der  hdnt  ir  gnnoc  (Z.  swine 
hätit);  573,  2  er  Ute  als  sanft  hin  über  den  hac  (Z.  sanfte  über); 
7  er  Ute  bald  hin  üf  daz  velt  (Z.  balde  üf). 

Ferner  führt  die  silbenzählung  immer  mehr  zum  Widerspruch 
zwischen  der  metrischen  und  jirosaischen  belonung.  im  16  Jahr- 
hundert hat  man  ja  hierin  das  gröste  geleistet:  Ayrer  hat  zb. 
verse  wie 

dem  die  hauen  hahn  tretln  ins  gsicht  2229,  15. 

das  ir  mit  dem  alten  wiistn  äffen  2238,  16. 

in  teüffls  gslallt  den  allen  anfecht  2243,  19, 
und  der  vers  aus  B.  Waldis  Esop  4,7,  55  wird  im  DWB  4,  1194 
nicht  richtig  gemefsen,  er  heifsl 


404  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

er  trüg  ein  hnnr  in  der  gallret  (nicht  gcillret). 
auch  bei  HelbHng  fmdeu  sich  betouungen  wie 
siniu  wort  giengen  für  sich  %  665. 
daz  dn  ir  niht  slindest  ein  teil  2,  1351. 
wer  ein  grözez  unbilde  tiiot  4,  278. 
über  in  setzen  ir  stüol  4,  269. 
daz  ein  rehter  strdzronbdr  2,  154 
und  es  waren  analoge  verse,  die  unten  angeführt  sind,  nicht  zu 
ändern,    allerdings  lafsen  sich  die  citierten  verse  auch  nach  der 
älteren  mhd.  versregel  lesen,  aber  sie  werden  dann  ungelenk,  man 
versuche  zb.  zu  lesen 

siniu  wärt  giengen  fiir  sich, 
daz  du  ir  niht  slindest  ein  teil, 
swer  ein  grözez  ünhilde  tüot. 
über  in  setzen  ir  stüol. 
daz  ein  rehter  strdzroübcer 
und  man  wird  sehen  dafs  der  dichter  seine  verse  nicht  in  dieser 
weise  scandiert  haben  kann,  sondern  so  wie  oben  angegeben  ist. 
um  so  weniger  wai-  daher  anstofs  zu   nehmen,    wenn    die   Über- 
lieferung im   ersten   fufs   des  verses  die  sog.  versetzte  betonung 
gewährt,  wie 

kiemen  si  von  ir  landen  her  3,  357  (kcemens  Karajan). 
pflügen  si  riterlicher  sit  13,  71  (pflägens  K). 
herre,  diu  ich  iu  sagen  sol  15,  98  [herre,  diuch  K). 
13,  26  vuorten  die  helde  manlich  küen  und  ähniiclie  andere  stellen 
zb.  2,  1235.    15,  826   sind   bei  K  ungeändert  gelafsen.     in   den 
Kolmarer  meisterliedern  und  in  der  Virginal  sind  sehr  viele  stellen 
mit  unrecht  geändert,   weil    die   herausgeber   die  Versetzung  der 
betonung   mitten   im  verse  zwar  nicht  ganz  entfernen  (vgl,  DHE 
5,  xvni.  zu  Virg.  669,  9)    aber  doch  so  viel  als   möglich   zu  be- 
seitigen streben,    ich  beschränke  mich  auch  hier  auf  wenige  bei- 
spiele:  Kolm.  25,5  ist  zu  behalten  er  wnid  trunken,  er  stifte  mort. 
Bartsch   schreibt  ivurde  trunken,    obwol   er   sechs   Zeilen   weiter 
stehen  läl'st  er  wart  trunken,  er  stifte  mort.  67,  10  ist  zu  schreiben 

daz  vor  tiir  (für  hs.)  solte  stdn,  vind  ich  hinder  der  tür, 
während  Bartsch  setzt 

daz  vorr  tür  solte  stdn,  daz  vinde  ich  hinderr  tür. 
146,  11   ist  zu  behalten 

durch  fride  verga-h  du  dem  sch(echer  ans  frönen  criuzes  este; 


DES  SEIFRID  HELBLING  405 

Bartsch  stellt  um:  vergwbe  dem  Schacher  du.   197,35  lautet 

von  dieb,  von  rouh,  morden  iint  braut, 
wo  Bartsch  setzt  von  diep,  von  ronbe,  mort  und  bi'unt.  —  in  der 
Virgiiicil  ist  zu  lesen  wir  si'dn  morgen  uf  brechen  304,  6,  wo  Zu- 
pitza,  um  die  l)etonung  morgen  zu  behalten,  mit  zweisilbigem 
auftakt  ufe  schreibt.  498,  12  daz  ir  iccerent  der  ringe  vri  (Z.  der 
ringe  ic(erent);  534,  S  stn  getorst  niemän  gespotten  (L.  stn  getorste 
nieman  spotten);  694,  1  des  erlachten  die  herrn  alle  gar  (Z.  al  die 
herren  gar)  und  ebenso  702,  4  den  enpfiengen  die  henii  alle  gar 
(Z.  al  die  herren  gar);  965,  6  smer  sorgen  (Z,  siner  sorge)  ver- 
gazzer;  969,  13  tanzen  springen  und  vrceltch  sin,  wo  Z.  und 
streicht.    1066,12  dir  von  allen  den  v/nden  diu  (Z.  allen  vinden). 

Ich  mufs  mich  für  dieses  mal  damit  begnügen  eine  prin- 
cipiell  falsche  beurteilung  der  spätmittelhochdentschen  gedichte 
abzuwehren,  ich  hoffe  aber  spater  in  einer  ausfuhrlichen  arbeit 
über  die  geschichte  der  deutschen  spräche  von  1250  bis  1350 
auch  die  metrik  dieser  zeit  im  Zusammenhang  zu  untersuchen, 
wenden  wir  uns  jetzt  zu  den  einzelnen  stellen  der  HelbUngschen 
gedichte. 

I 

69  er  habt  den  rucken  uf  enriht.  so  hat  die  hs.  und  die 
schwache  flexion  von  rucke  ist  nicht  zu  ändern,  wenn  auch  sonst 
bei  Helbling  die  starke  form  steht  1,83.  3,34.  196  und  im  reim 
6,  133.  15,  659;  vgl.  zu  Wolfd.  B  500,  3. 

248  graut  were  H  (dh.  die  handschrift) ,  krütxoerre  K  (dh. 
Karajanj;  vcrbefsert  im  DVVB  5,  2042  grantwerre. 

393  bint  im  uf  den  hohen  schöpf.  HK  haben  wint,  aber  b 
und  w  werden  in  baierisch-üsterreichischen  hss.  und  auch  in  der 
hs.  des  Helbling  so  häufig  verwechselt  (Weinhold  BG  §  124.  136) 
dafs  hier  zb.  bitit  gar  keine  Vermutung  zu  nennen  ist,  sondern 
nur  die  correcte  deutung  der  Überlieferung,  der  scäoj;/"  des  pfer- 
des  wird  auch  im  Wolfd.  D  \  202,  3  =  1038,  3  lloltzm.  erwähnt 
(vgl.  Iloltzmanns  bemerkung  dazu  s.  360^^)  und  im  Liedersaal  3, 
544,  187  f  man  bindet  rossen  uf  den  schöpf  einen  wisch  mit  strowe 
dar  umhe  daz  man  schowe  daz  man  si  verkaufen  ivil. 

403  spenvarch  H,  spanvarc  K.  es  ist  kein  grund  den  vocal 
der  ersten  silbe  zu  ändern;  man  lese  also  spenvarc,  vgl.  GrafT 
3,  681  speneuarh. 

443  der  site  ist  von  Beiern  komen.  HK :  von  Beiern  ist  komen 
Z.  f.  D.  A.  neue  fol-e  IV.  27 


406  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

was   sich   eher  betonen  hefse  Beiern  ist  als  B.  ist  körnen,     aber 
durch  die  Umstellung  wird  die  Wortfügung  leichter  und  einfacher. 

479 f  herre,  bescheidet  mir  noch  nur 
eine  wäge,    des  ich  ger. 
so  H;    des  bezieht  sich  auf  den  ganzen  satz.     K  schreibt   vrage 
der  ich  ger. 

504  sin  hüb  toas  niht  so  enge.  R  wirft  was  aus,  das  aber 
kaum  entbehrt  werden  kann,  vermutlich  um  die  volle  form  hübe 
zu  gewinnen. 

554  f  behnot  manlicher  e'ren: 
den  erkante  ich  geren.' 
'frumer  ktieht,  var  schöne. 
K  schreibt  ern  :  gem.,   aber  verse  mit   solcher  betonung   behnot 
manlicher  ern  :  ich  gern  sind,  wie  oben  gezeigt  wurde,  bei  Helbling 
nicht  anzunehmen,     der  dichter  gebraucht  zwar  widerholt  ern  : 
^n  und  vielleicht  geschorn  :  örn  8,  795  als  stumpfe  reime,   aber 
dafs  diese   reime   auch   als   klingende  eren  :  eren   gefafst  werden 
dürfen,  zeigt  deutlich  in  dem  strophischen  gedieht  11,  12  eren  : 
steren.    darnach  ist  auch  hier  klingender  reim  anzunehmen,  ebenso 
6,  67  (s.  unten  zur  stelle)  und  8,  667 

heiz  iz  vergolden  geren 
sinen  kinden  ze  eren. 

556  verschöne  HK,  zumal  absolut  gesetzt,  gibt  kaum  einen 
guten  sinn,  schöne  varn  steht  auch  4,  53.  vgl.  Haupt  zu  Neidhart 
149,  4  und  zs.  13,  177.  besonders  als  aufforderung  ist  es  häufig, 
s.  aufser  den  von  Haupt  angeführten  stellen  noch  Alexander  1708 
nu  varet  schöne.  3Iones  Anz.  4,  319  nein,  ir  muget  wol  schöner  varn. 
Mörin  (1512)  bl.  4''  nun  farent  schon.  Ecke  Kasp.  292,  1  ^var 
schon'  so  sprach  her  Weidereich.  Germ.  8,  110  far  schon,  wilt  du 
werden  alt.  Folz  zs.  8,  515,  168  narr,  far  schan.  Vihnar,  Deut- 
sches namenbüchlein  4  ausg.  (1865)  s.  61  hat  auch  den  namen 
Farenschon  und  erklärt  ihn  'fahr  schön,  mach  es  gelinde'. 

572  neben  H  ist  hier  wie  2,  323.  1240.  8,  561  nicht  zu 
ändern,     die  form  eneben  ist  1,  379  überHefert. 

578  f  nach  den  in  einem  jär  ein  lamp 
in  deheins  gebüren  hove  erblaßt, 
gans  erschrit  noch  huon  erkrcet. 
so  H,  die  änderungen  von  K  enblwt  enschrit  enkriet  sind  nicht  nötig. 

632  trs  herren  ist  zu  lesen:  irz  H,  jV  K.    das  flectierte  pro- 


DES  SEIFRID  IIELBLING  407 

nomen  ist  nicht  zu  l)eanstaiuleii  wo  es  in  H  steht,  auch  2,  115. 
239.  857.  5,  20  ist  es  lierzustellen,  und  4,  3S9  winken  iren  kneh- 
ten.  866  löst  er  den  herren  iriu  phant  würden  mit  der  lorm  ir 
metrisch  auffälhg  sein,  in  dem  ähnhch  gebauten  verse  13,  98 
iriu  icines  vollin  sper  hat  K  iriu  behalten. 

682  s.  zs.  14,  558. 

702  (bizec  phnnt;  geht  ir  im  der  hint  nilit  mit  II.  für  der 
setzte  K  diu^  aber  der  genetiv  von  niht  abhängig  l)egegnet  auch 
sonst  bei  HelbHng  und  ist  von  K  behalten:  da  inn  si  min  {imies 
min  K)  niht  sahen  4,  129.  daz  min  der  kneht  niht  kant  (1.  er- 
kant?)  4,  544.  des  vierden  ich  niht  nennen  icil  5,  90.  mit  den 
der  ich  niht  nennen  xoil  6,  90.  durch  den  reim  gesichert  ist 
6,  183  ir  habt  niht  der  kinde  :  vinde  und  7,  754  an  iuch  hiet  er 
niht  gewins  :  zins.  demnach  ist  auch  15,  153  mit  H  zu  schreiben 
ros  hi  drizic  phunden,  der  (diu  K)  sul  wir  in  so  niht  geben. 

752  für  ruc  II  ist  rucke  geschrieben,  aber  man  wird  lieber 
die  gewöhnliche  form  rnche  setzen,  da  die  verschiedenen  Schrei- 
bungen bei  Schmeller  3,  45  sich  aus  Weinholds  BG  §  182  er- 
klären und  die  ebenda  §  186  erwähnte  Schreibung  c  für  ch  sich 
auch  bei  Helbling  8,  36  sie  findet. 

768  diu  kuck  was  lool  beraten.  K.  schreibt  kuchen  was  b., 
aber  die  form  kuche  ohne  n  steht  auch  2,  473.  15,  384.  die  apo- 
kope  des  e  ist  kein  grund  zur  änderung. 

772  daz  die  icegen  (wege  HK)  krachten  verbefsert  im  DWB 
5,  1921.  derselbe  ausdruck  ist  richtig  überiiefert  15,  764  man 
hörte  wegen  krachen  über  stein,  über  gras. 

913  der  ninder  hat  deheinen  muot  dan  ''ich  gewinne  er  imde 
guot.  R  schreil)t  wan,  aber  dan  steht  im  späten  mhd.  für  älteres 
wan  nach  nieman  und  kein. 

939  f   mir  geviel  nie  wip  baz, 
dan  eine  ich  gesehen  hän. 
so  ist  mit  II  zu  schreiben :  (he  construction  ist  nicht  ganz  regel- 
mäfsig,   aber  sie  ist  ungeändert  zu  lafsen.    K  schreibt  eine  diech. 

949  ezzenzit  ist  mit  II  beizubehalten,  das  compositum,  bei 
Lexer  aus  dem  Tristan  und  Ulrichs  frauendienst  belegt,  steht 
auch  bei  Suchenwirt  25,  108  es  ist  um  die  essentzeit  und  im  leben 
der  h.  Dorothea  SS.  rer.  Pruss.  2,  226;  es  ist  herzustellen  im 
Mai  89,  12.  20S,  13  wo  der  berausgeber  ohne  not,  wie  hier  K, 
gegen  die  hss.  ezzens  zlt  setzte. 

27* 


4 OS  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

958  der  %oirt  sprach  'sini,  wolmichdm!  sim  ist  hier  für  eleu 
Zusammenhang  sehr  geeignet  (vgl.  Weinhold  BG  §  261)  und  steht 
dem  snn  H  näher  als  sdn  das  K  dafür  setzte,  indem  er  die  rede 
mit  wol  heginnen  liefs.     Helhling  hat  sim  noch  15,  16S. 

1028  Matze  des  ir  gehüge  treip.  das  mhd.  wb.  1,  726  setzt 
für  diese  eine  stelle  die  liedeutung  'frende'  an,  übersetzt  aber 
sich  selbst  widersprechend  'trieb  damit  ihren  spott'.  spott  ist 
gemeint,  das  heifst  aber  nicht  gehüge.  H  hat  gehnech  und  man 
darf  Avol  gehüeche  schreiben,  obwol  huoch  im  13  Jahrhundert  zu 
veralten  scheint  und  auch  zu  ende  des  zwölften  nur  in  der  Ver- 
bindung mit  spot  erscheint. 

1059  hunger  guot  zuomuose  ist  scheint  befser  als  guot  ze 
muose  K;  H  hat  zu  muss. 

1109  wit  gein  der  smele  vor  wie  Pfeiffer  zs.  5,  471  vorschlug 
{semehe  vor  H),  wird  aufzunehmen  sein,  nicht  dem  smocke  oder 
was  Schmeller  1  -,  296  will,  dem  hemede.  über  die  folgenden  verse 
s.  zs.  14,  558. 

1150f  Pfeiffer  zs.  5,  471  trifft  den  sinn  der  stelle;  ob  das 
oben  der  hs.  in  ob  si  zu  ändern  ist,  läfst  sich  natürlich  nicht 
entscheiden,  so  lange  die  vorhergehende  zeile  nicht  klar  ist.  mit 
näherem  anschlufs  an  H  ist  aber  zu  schreiben,  wie  auch  Zarncke 
wb.  2',  680^  bemerkt  von  geribener  roete.  das  Sprichwort,  das 
Haupt  zum  Winsb.  26,  9  in  der  form  geribeniu  sclicene  oder  varwe 
anfiihrt,  lautet  in  einer  schrift  des  16  Jahrhunderts  bei  Weinhold, 
Deutsche  frauen  s.  468  n.  2  gezwungene  liebe  und  geriebene 
röthe  seindt  beyde  nichts  werdt. 

1216  diu  frowe  beiz  umbe  als  ein  grutsch.  so  wird  mit  Lexer 
1,  1108  zu  lesen  sein  für  gruisch  H.  das  reimwort  mufs  dann 
pforipfutsch  sein,  H  hat  pforipfuisch.  die  Verwechselung  von  i  und 
t  ebenso  wie  hier  kann  zum  überflufs  noch  in  einer  andern  stelle 
desHelliling  nachgewiesen  werden :  8,  423  hat  H  ahiper  für  ahtbcere. 

1333  nu  huop  min  kneht  wider  an  mit  H.  für  toider  setzt 
R  hier  und  4,  491.  509.  535.  8,  931  aber,  obwol  toider  sogar 
durch  den  reim  1,  1008  gesichert  ist. 

II 

101  von  sinem  herrn,  der  ist  so  arc.  durch  die  synkopierte 
form  herrn  die  bei  Helhling  viele  analogien  hat  ist  der  vers  befser 
hergestellt  als  durch  herren  derst  K. 


DES  SEIFRID  HELBLLXG  409 

105  f  wie  sol  getriuwe  ein  armman  sich  mit  dienste  nu  hegdn 
mit  H,  bei  K  ist  ohne  not  geändert  getriuwer  armman.  s.  Gr.  4,417. 
157  er  hat  gewont  anders  niht 

dan  {dannen  II,  wan  K)  twingen  mit  der  geisel. 
ebenso  ist  mit  H  dan  zu  schreiben  nach  anders  und  mer  &,  492 
wo  noch  mehr  zu  ändern  ist,  aufserdem 
6,  I59f  iz  mac  anders  niht  gesin 

dan  trinkt  und  geltet  Ezeln  win. 
7,  1 1 79  f  daz  alter  hat  niht  krefte  mer 

dan  wisheit  und  der  tugent  ler. 
15,  255  f  daz  er  anders  niht  entet, 

danne  er  lie'z  durch  friunde  bet. 
246  Lüge  und  Nlt  waren  bereit.     K.  schreibt  warn. 
254  daz  Krist  —  die  bitterliche  marter  leit;   ebenso   ist  mit 
H  zu  lesen  993  die  kristenliche  e.    Iv  setzt  bitterlichen  und  kristen- 
lichen,   wäiu'end  er  1,  278  üf  dem  sinem  nacke  richtig  beibehält. 
Gr.  4,  540  f. 

3S6  vgl.  JüngUng  165  der  sinne  ein  kalp,  der  zuht  ein  rint. 
Raumeslant  MSH  2,  369^  hat  zwar  auch  den  zweiten  teil  dieser 
titulatur  der  zühte  ein  rint,  aber  da  Helbling  auch  3,  34  einen 
anklang  an  den  2,  443  genannten  Kourad  von  Ilaslau  hat,  so 
darf  mau  wol  hier  eine  eutlehnung  aus  Konrad  annehmen,  vgl. 
zu  2,  420. 

3S9f  ist  H  nicht  zu  ändern,  nur  anders  interpungieren  mufs 
mau  als  K.    ich  lese 

niht  baz  ich  sin  gedenken  kan, 
swer  zücket  sich  den  snürrinc  an. 
der  ausdruck  ist  ebenso  wie  3,  397  und  8,  917. 

420  setzt  K  falsch  niht  zu.  der  ritter  spricht  'die  sieben 
tilgenden  haben  daz  wandel  (das  tadelnswerte)  gesagt,  waz  well 
wir  mer?  man  sol  diu  wandel  für  tragen  (dh.  die  Strafgelder  her- 
beibringen), der  kneht  well  danne  mere  sagen.'  darauf  nennt  der 
knecht  der  vorher  eine  reihe  von  übelständen  gerügt  hat  noch 
zwülf  wandel.  —  die  Strafgelder  werden  von  der  Umgebung  des 
fürsten  unterschlagen  169;  dafs  der  ritter  und  sein  knecht  die 
Strafgelder  für  die  einzelnen  übelstände  des  laudes  für  sich  neh- 
men wollen,  ist  vorher  öfter  erwähnt:  186.  279.  289.  306.  diese 
ganze  idee  ist  sicher  dem  Jüngling  des  Haslauers  entlehnt,  nur 
hat   Helbling   daraus   eine   vollständige   gerichtssitzung   von   drei 


410  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UISD  ERKLÄRUNG 

tagen  (453)  gemacht:  der  rilter  sitzt  zu  rat  mit  den  sieben 
Tugenden  an  des  fürsten  statt  (31.  1064)  und  hat  einen  Schreiber 
dabei  (55S.  1497);  der  knecht  als  kläger  schwört  (43)  einen  eid 
dafs  er  die  Wahrheit  sagen  will. 

424  für  sofftnnge  hat  Pfeiffer  zs.  5,  471  breshmde  oder 
brestunge  bi  vorgeschlagen  und  erklärt  'mangel  bei  grofser 
gasterei.'  da  Wirtschaft  auch  dem  begriffe  fröhHchkeit  ganz  nahe 
kommt  (vgl.  icunne  }md  Wirtschaft,  höchzU  und  Wirtschaft  mhd. 
wb.  3,  750^  ir  gant  zu  dem  tode  alse  ze  einer  Wirtschaft  mit 
vroden  vnde  mit  lachendem  munde  SCäcilia  1088),  so  könnte  man 
vielleicht,  mit  näherem  anschhifs  an  die  Überlieferung,  schreiben 
siuftunde  Wirtschaft:  ein  gastgebot  bei  dem  es  traurig  zugeht. 

447  Sit  hat  unvuore  gemert  ist  ohne  tadel;  das  von  K  zu- 
gesetzte sich  ist  zu  streichen,  belege  für  intransitives  meren 
gibt  Lexer,  wobei  aber  zu  bemerken  ist  dafs  die  aus  der  Virginal 
angeführten  sämmtlich  conjecturen  sind  (s.  anm.  zu  653,  6),  die 
die  apokope  des  e  beseitigen  sollen,  nur  653,  6  ist  der  vers 
überlang. 

604  f  gttikeit  und  erge  habten  nie  so  vast  daz  guot,  od  ich 
hob  dich  vaster  in  der  huot.  K  setzt  ichn  habe  für  od  ich  habe; 
aber  die  lesart  von  H  ist  in  einem  so  späten  gedichte  kaum  zu 
ändern,  in  einem  gedieht  aus  der  ersten  hälfte  des  13  Jahr- 
hunderts, das  nur  in  hss.  aus  später  zeit  überliefert  ist,  hätte 
eine  solche  herstellung  des  älteren  Sprachgebrauchs  kein  be- 
denken; vgl.  Wackernagel  in  den  fundgr.  1,  273.  das  allmäh- 
liche verschwinden  des  mhd.  ne  in  abhängigen  Sätzen  mufs  noch 
genauer  untersucht  werden. 

641  die  hor-h,  die  tief  die  wUe  nider.  K  schreibt  hoehe  tiefe 
wite  um  die  apokope  zu  l)eseitigen. 

836  der  herzog  rihtet  icol  von  in  mit  H.  indem  K  von 
streicht,  verschlechtert  er  den  vers.  von  einem  rihten  bedeutet 
'über  einen  recht  sprechen',  und  das  ist  hier  gemeint,  s.  vorher  822. 

859  ich  huop  aber  icider  an  mit  H.  wie  hier  wirft  K  wider 
auch  4,  297.  818.  15,  566  aus  wodurch  die  verse  zu  kurz  werden, 
die  verbind\ing  aber  wider  ist  nicht  so  selten  wie  es  nach  dem 
mhd.  wb.  1,  72^  scheinen  könnte:  s.  die  wb.  3,  621''  und  von 
Sommer  zu  Flore  5611  gegebenen  belege  die  sich  leicht  ver- 
mehren lafsen. 

913  der  selten  nimmer  fire  begat  mit  H,  immer  K;  s.  Haupt 


DES  SEIFRID  HELBLING  411 

zu   MSF   243,  35.     auch  MSH    1,  359'  ist   für  selten  nie  mit 
unrecht  selten  ie  geschrieben. 

1084  der  ....  Juden  ist  gar  %e  vil.  H  hat  huren  nach  der; 
K  streicht  es,  aber  es  wird  ein  adjectiv  vor  Juden  gestanden 
haben,  das  ich  freiHch  nicht  anzugeben  weifs.  der  dichter  ist 
freigebig  mit  l)ei\vürtern  für  die  Juden:  verfluochet  1143.  1157. 
1188.     boese  unrein  1199. 

1258  ich  unrein  dir  den  köpf  enzwei  HK  kann  nicht  richtig 
sein,  im  DWB  5,  1748  wird  zu  unrein  fragend  die  bedeutung 
'kratze'  angenommen,  aber  es  wird  zu  lesen  sein  ich  frume  dir 
den  köpf  enzwei. 

1317   diu  Wärheit  wart  ungezogen: 
'ir  habt  den  herren  an  gelogen, 
her  ribalt,  des  bin  ich  iu  gram.' 
so   mit   H;    für   wart   setzt  K  sprach  'ir,   ohne   not,    denn   die 
folgenden  worte  a7i  gelogen  und  ribalt  zeigen  dafs  die  Wahrheit 
unhöflich  wird. 

1321  gelogenez  lop  ist  unwert,     gelogens  H,  gelogen  K. 
1364  ff  niht  baz  ich  in  ei  teilen  kan 

dan  daz  si  gen  riicklinges  ganc 

gein  der  tür.     von  nianegem  swanc 

in  klaffen  üf  die  necche. 

daz  in  nach  dem  gebreche 

die  helse  vasle  rotten. 

enruocht,  waz  si  gespotten! 
1365  habe  ich  dan  für  so  HK  gesetzt  und,  den  folgenden 
conjunctiven  entsprechend,  gen  für  ge'nt;  R  behidt  gthtt  und 
schreibt  gegen  II  klaffent  rotent  gespotent,  obwol  die  beiden  letzten 
verba  nicht  stumpf  reimen  können,  nwte:  gebrühte  K  ist  ein 
unmöglicher  reim  und  auch  die  erklärung  Ilildebrands  im  DWB 
5,  897  dafs  die  niilite  des  panzcrhemds  von  scliwertschlägen 
geplatzt  seien,  ist  schon  deshalb  unannehmbar,  weil  die  schma- 
rotzenden si)ielleute  denen  der  knecht  übeles  wünscht  sicher  keine 
panzcr  trugen,  ich  ])eball('  II  und  verstehe:  sie  sollen  zur  tür 
hinausgedrängt  werden  und  von  manchem  schlage  mögen  ihnen 
die  nacken  klaffen  (von  wunden);  von  ihrem  lärmenden  singen 
(gebrech)  sollen  ibnen  die  halse  rot  werden,  der  reim  necke: 
gebreche  ist  zwar  ohne  analogie  bei  Ilelbling  und  auch  Weinholds 
bair.  grammatik  hat  nur  stumpfe  reime  dieser  art.    aber  klingende 


412  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UISD  ERKLÄRüISG 

reime  wie  hier  werden  sich  auch  sonst  noch  linden,  übrigens 
bedarf  man  ihrer  nicht,  denn  die  aspirierte  ausspräche  des  ck 
Avie  des  c  im  bairisch-üsterreichischen  ist  schon  durch  die  von 
Weinhold  §  182.  186  angeführten  Schreibungen  wie  durch  den 
heutigen  dialekt  §  181  vollkommen  sicher,  auch  die  Schreibung 
eck,  die  hier  H  hat,  neben  anderen  'wucherzeichen'  kch  chk  geh 
usw.  belegt  Weinhold  §  182.  —  die  negation  1370  scheint  der 
sinn  zu  verlangen :  der  Schreiber  hat  sie  bei  demselben  verbum 
auch  3,   132.   15,  394  weggelafsen. 

1390  mit  unnützem  klefte  K  ist  nicht  zu  ändern.  Lexer  1, 
1611  führt  das  neutrum  klefte  aus  einer  stelle  des  Strickers  an 
die  schon  Gr.  2,  548  erwähnt  ist. 

1412  vgl.  Heidin  1647  ir  habt  gelogen  in  iioern  hals,  im 
DWB  4",  255  ist  diese  redensart  nur  aus  dem  16  Jahrhundert 
und  später  nachgewiesen. 

1513  siten  H  kann  vielleicht  bleiben;  VVeinhold  BG  §  348 
führt  die  schwache  flexion  des  wortes  aus-Megenberg  an. 


III 

35  vgl.  Jüngling  410  num  strichet  in  als  ein  loufcere  wozu 
Haupt  unsere  stelle  citierte. 

49  gramazin  ist  possen,  s.  Lexer  1,  1067. 

53  set  dar  einez  mit  H.  ebenso  55  und  sei  57.  K  schrieb 
seht  dd  und  seht.     Weinbold  BG  §  262. 

193  das  midie  der  hs.  braucht  nicht  mit  K  in  mtVn  ge- 
ändert zu  werden,    lies  mül. 

201  man  vint  nf  allem  ertrich.  die  ergänzung  von  man 
ist  einfacher  als  die  änderung  der  ausgäbe  ezn  sint   für  vind  H. 

209  toaz  wild  oh  einer  treit  gewant  mit  H;  bei  K  wildu. 
229  kann  man  auch  wild  H  behalten,  doch  glättet  wiltu  K  den 
vers.  ebenso  ist  es  mit  solt  H,  sollü  K  104.  dafs  der  dichter 
das  du  weglafsen  kann,  zeigen  2,  861  weist  iht  mir  und  15, 
465  oice,  waz  redest,  frumer  kneht. 

233  pieren  most  H  war  nicht  mit  K  zu  biremöst  zu  ver- 
ändern, hirenmost  mit  n  sieht  auch  Neidh.  xlix  33  und  in 
Pfeiffers  arzneibuche  (Wiener  silzungsber.  42  (1863)  s.  156)  2, 
17''.  die  form  biremöst  ist  demnach  in  den  würterbüchern  zu 
streichen. 


DES  SEIFRID  IIELBLING  413 

255  duz  er  uns  geruoch  zu  geben  H.  das  ze  mit  K  zu 
streicheil  ist  keine  veraiilafsiing,  wenn  gernochen  auch  7,  7  mit 
dem  blofsen  infinitiv  verbunden  wird,  ze  wird  zu  ende  des  13 
Jahrhunderts  zu  vielen  verben  gesetzt,  die  früher  den  blofsen 
infinitiv  hatten. 

286  hnderhitten  H  und  Schmeller  1^,  1055.  K  schrieb  hader- 
Intten.  in  Tirol  ist  nach  Schopfs  idiot.  278  huder  noch  heute 
ül  »Heiler  als  hader. 

307  herr,  daz  loolt  ich  dem  gwande  jehen.  Helbling  hat  zwar 
bei  Jehen  und  verjehen  öfter  den  genetiv  als  nach  der  gewohnheit 
der  späteren  zeit  den  accusativ,  doch  ist  der  accusativ  hier  wie 
8,  385  wol  nicht  zu  beanstanden. 

352  f   M  einem  Westväl  von  Krems, 
der  uz  der  stat  wcer  bürtic, 
wirde  ich  buozicnrtic. 
K  schreibt  353  uz  der  stat  her  bürtic,  aber  H  ist  richtig,    wolte 
man  an  der  Wortstellung  anstofs  nehmen,  so  könnte  man  schreiben 
}Vestvul  der  von  Krems  üz  usw.,  doch  ist  dies  nicht  nötig. 

IV 

13  f  mir  ze  Uden  swwre. 
sin  vrdge,  siniu  mwre 
ist  metrisch  befser  als  K  und  grammatisch  sicherer,  da  ze  lidenne 
bei  Helbling  kaum  noch  anzunehmen  ist:  das  princip  der  silben- 
zählung  hat  diese  intinitive  auf  -enne  verschwinden  lafsen. 

17  ndmen  sin  dicke  icunder  H  ist  zu  behalten.  K  stellt  die 
gew(»hnliche  mhd.  consti'uction  her  indem  er  nam  schreibt,  in 
der  Gr.  4,  248  anm.  l  wird  persönliches  wunder  nemen  zwar 
erst  aus  dem  anfang  des  16  Jahrhunderts  nachgewiesen,  aber  es 
ist  älter:  aufser  den  mhd.  wb.  3,  813''  citierten  stellen  aus  Pass. 
K.  und  Boner  steht  es  in  der  Erlösung  3121  die  h'de  ndmen 
(Bartsch  nam]  wunder  und  bei  Enenkel,  Bauch  SS.  rer.  Austr. 
1,  269  nemiH  wunder,  älter  ist  die  persönliche  construclion  von 
wunder  haben  die  Gr.  4,  247  aus  Lamprechts  Alexander  belegt 
ist  und  auch  Erlösung  2822  steht  si  hüten  ouch  besunder  bi  der 
vorhte  wunder:  das  in  der  anmerkung  vorgezogene  hdtc  ciuplielill 

sich   nicht   wegen    bl    der    vorhte.     zu    ende    des  13  jalni Icrts 

zeigt  sich  auch  sonst  das  bestreben  statt  der  unpersönlichcu  con- 


414  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

struction  die  persönliche  zu  nehmen,  ich  erwähne  hier  nur  the 
nemen:  Neidh.  125,  45  dise  dorfgebnre  die  nement  daz  gar  ture 
und  Ot.  522''  daz  si  daz  ndmen  nntur. 

32  f  swu  in  gienge  ein  not  an,  die  liez  im  versmähen  mit 
H,  erm  für  im  K. 

151  lies  ze  Wiene:  dienen.  H  hat  Wienne:  dienne,  K  Wienen: 
dienen.  Ilelbling  hat  den  reim  en :  e,  der  im  dialekt  bekanntlich 
sehr  oft  vorkommt,  an  mehreren  stellen,  drei  beispiele  führt 
Weinhold  BG  §  167  an,  K  hat  ihn  nur  2,  401  Mdze:  verwuzen 
wo  er  in  H  steht,  fast  alle  handschriften  österreichischer  ge- 
dichte,  und  so  auch  die  des  Helbling,  setzen  in  solchen  fällen 
gewöhnlich  en  :  e«,  seltener  e  :  e,  ganz  vereinzelt  en  :  e.  der  reim 
en  :  e  ist  herzustellen  3,  332  dienen  :  von  Wiene  {Wienen  HK). 
4,  848  hnine  :  gunnen  (gnnne  H,  giinne  K).  6,  52  banne  :  mannen 
(manne  HK).  7,  82  dem  banne  :  von  wiben  und  von  mannen  (mamie 
HK).  88  koufen  :  toufe  (toufen  HK,  s.  unten  zu  der  stelle).  8, 
211  spinne  :  gewunnen  (spnn  :  gewnn  H,  s.  zu  der  stelle).  402 
zesamen  :  amme  {zesam  :  amm  H,  zesamme  :  amme  K).  496  dienen: 
datze  Wiene  [Wienen  HK).  1162  küneginne  :  gewinnen  {-en  :  -en  K, 
chnneginn  :  gewhin  H).  15,  88  ze  Wiene  :  dienen  {Wien  :  dien  H, 
Wienen  :  dienen  K).  auch  2,  1396  könnte  man  H  behalten  und 
diesen  reim  annehmen  der  kno  :  muon  {den  küen  :  müen  K),  so 
dafs  der  umlaut  im  verbum  fehlte,  s.  Weinhold  §  109.  in  der 
mehrzahl  dieser  stellen  steht  ein  infinitiv  der  im  bairisch  -  öster- 
reichischen oft  das  n  verliert,  nach  vocalen  und  m  n  ng  auch 
en  (Weinhold  §  167):  H  schreibt  auch  so  die  reimenden  infmi- 
tive  enscham  7,94.  erbarm  799.  erbarm  8,901.  gewhin  1162. 
ancham  9,  131.  dien  15,  88  und  läfst  öfter  das  -en  in  andern 
Wörtern  weg,  zb.  benam  6,  62.  124.  vron  7,  1099.  arm  1196. 
sein  888.  doch  wird  man  wegen  der  andern  reime  en :  e  in  den 
Infinitiven  heber  die  endung  en  schreiben. 

162  endarf  sich  der  hell  ninder  schämen.  K  stellt  um  der 
helt  sich,  was  bei  der  metrik  unseres  dichters  nicht  nötig  ist. 

227  geduhte  in  der  sti'iden  mir.  K  setzt /cÄ  nach  ^erfwÄre  zu; 
aber  gedenken  ist  auch  unpersönlich. 

240  s.  zs.  15,  249. 

309  ich  sol  sin  törel  hiwer  sin.  II  hat  ewer  für  [hiicer,  ver- 
befsert  von  Müller  mhd.  wb.  3,  51'. 

327  das  chamen  II  ist  komen,  ebenso  cham  H  366  ==  kome; 


DES  SEIFRID  HELBLING  415 

vgl,  801  chament  H  ==  koment.  K  schreibt  in  den  beiden  ersten 
stellen  kcenien  und  kcenie,  aber  die  präterita  i)assen  nicht  in  den 
Zusammenhang. 

642  niht  baz  im  geraten  kau  mit  H.  K  setzt  kh  nach  baz 
zu.  aber  656  wo  von  derselben  sache,  dafs  der  herzog  den  willen 
der  herren  tue,  gesagt  wird  herr,  so  ist  iu  niht  also  gnot  zeigt 
dafs  hier  geraten  unpersönlich,  zu  nehmen  ist. 

659  swä  ich  briche  ir  willen.  H  hat  'prech.,  K  brtvche.  das 
präseus  passt  befser  in  den  Zusammenhang,  von  verjehen  weist 
Weinhold  §  265  e  für  i  in  der  1  sing.  präs.  nach. 

681  mit  der  rede  giengen  sie  hin  mit  H.  die  Umstellung 
von  K  sie  giengen  ist  bei  Helblings  metrik  nicht  notig. 

699  sie  giengen  mit  der  einung  für.  K  schreibt  mit  einunge, 
aber  die  apokope  des  e  ist  selbst  vor  der  letzten  hebung  durch- 
aus ohne  bedenken. 

V 

33  die  sinen  grcevin  Icet  er  ein  mit  H;  K  ändert  ohne  not  sine. 


VI 

24  da  ist  gröz  der  mez.  im  mhd.  wb.  2',  212  *"  wird  eine 
erklärung  versucht  die  Lexer  aufnimmt,  die  stelle  ist  aber  ver- 
derbt, und  wenn  ich  auch  nichts  zu  ihrer  verbefserung  bringen 
kann,  so  will  ich  wenigstens  darlegen,  weshalb  Zarnckes  erklärung 
unmöglich  ist.  zunächst  wäre  der  ausdruck  des  gcdankens  sehr 
unklar  und  könnte  höchstens  durch  die  annähme  einer  sprich- 
wörtlichen redeweisc  begriffen  werden,  die  dann  aber  erst  nach- 
zuweisen wäre,  ferner  ist  abe  risen  keineswegs  der  gewöhnliche 
ausdruck  vom  überlaufen  der  flüfsigkeit.  weiter  ergibt  sich  aus 
Karajans  anmerkungen  zu  1,  167  und  5,  26  dafs  die  frage,  ob 
me:;  oder  mez  anzunehjjien  sei,  durch  die  Schreibung  Retz  ent- 
schieden wird,  das  cyatus  mez  der  Sumerlalen  gehört  zu  dem 
vorhergehenden  mez  stn.  und  der  ganze  artikcl  mez  stm.  bei  Lexer 
ist  zu  streichen,  endlich  ist  der  vers  zu  kurz:  verse  mit  einer 
einzigen  Senkung  hat  Ilelbling  in  dieser  weise  nicht. 

61  loaz  wil  ich  iuch  ze  leren?  eu  II,  iuicer  K.  über  den 
reim  eren  :  geren  s.  zu  1,  554.  das  pronomen  hängt  von  leren 
ab,  nicht  von  waz  wil  ich. 


416  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

VII 

87  f  man  sol  den  kinden  koufen 
chresem  nnde  toufe. 
HK  haben  toufen,   aber  der  Infinitiv   wäre   sehr  auffallend;   der 
reim  en  :  e  ist  es  nicht,  s.  zu  4,  151.     vgl.  noch  3,  172  sam  mir 
toufe  nnde  chresem. 

206  niht  lang  stuont  ich  da  hinden.  K  schreibt  lange  und 
streicht  da. 

322  dem  geirszeit  H  steht  girscheit  näher  als  girheit  K.  über 
das  i  s.  Heinzeis  anm.  zu  Heinrich  von  Melk,  Erinn.  812  wo 
aber  der  reim  des  Tundalus  gir  :  vier  zu  streichen  ist. 

483  zehant  diu  snnne  under  gie.  K  schreibt  nider  gie.  diu 
lichte  snnne  under  gie  Wigal.  1 27,  2.  do  die  snnne  vnter  gie  Roth 
altd.  pred.  v  36.  xvii  37.  als  die  snnne  schöne  sich  neiget  an  ir 
underganc  Marienlegenden  13,  36  f.  alsus  ir  herschaft  under  gät 
Virg.  28,  1. 

VIII 

14f  rfo  sich  üf  wunden 
die  lerchen  mit  gesange. 
HK  haben  uf  banden,  vgl.  zu  1,  393.  Des  hundes  not  96  f 
(Grimm,  Reinhart  s.  294)  dö  sich  diu  lerche  des  versack  daz  er 
wol  wäre  sat,  si  want  sich  nf  an  der  stat  in  die  lüfte  nnde  sanc. 
211  dafs  sptm  H  als  spänne  (vielmehr  spunne)  zu  fafsen  sei, 
hat  Pfeiffer  zs.  5,  471  gesehen;  aber  unwahrscheinlich  ist  seine 
veniiutung,  in  spil  stecke  spille  =  spindel.  der  dichter  reimt 
en  :  e  und  es  wird  hier  zu  lesen  sein 

diti  hillich  da  heime  w(cr 

daz  sie  ir  muoter  spunne. 

zwiu  mäht  si  spil  gewannen 

toägen  daz  ir  viel  wol? 
die  tochter  strebt  wie  der  söhn  nach  vornehmer  lebensweise. 
wozu  sollte  sie  das  gewonnene  spiel  (dh.  die  vom  vater  geschaffene 
wolhabenheit  und  sein  ansehen  am  hofe)  noch  einmal  wagen? 
die  letzten  woric  daz  ler  Viellen  woll  H  weifs  ich  nicht  sicher 
zu  verbefscrn;  der  sinn  ist  wol:  das  für  sie  günstig  ausgefallen 
ist.  im  Winsbeken  41,  4  steht  daz  sich  vervellet  gar  sin  spil 
dafs  es  ungünstig  wird,  und  den  gegensatz  dazu  bezeichnet  49,  3 


DES  SEIFRID  HELBLING  417 

so  Vit  sin  spil.    die  spricliworüiche  redeweise  gewunnen  spil  wägen 
hat  Helbliug  auch  4,  347. 

221  siner  hüsnozinm  H  und  572  daz  er  niht  hi'isnözschaft 
verh'ir  sind  zu  behalten,  s.  Haupt  zu  Erec  1969.  hei  K  steht 
hiisgnözinne  und  hüsgnözscitaft.  auch  133  hat  H  haufznozzen, 
doch  hier  wird  man  des  verses  wegen  Karajans  Schreibung  an- 
nehmen mit  sinen  hnsgenuzen. 

327    der   Unecht   wünscht   dem    turnierenden   bauer   niisge- 
schick:    seinem  rosse    soll   ein   füllen  nachlaufen,   dann   würden 
wir  alle  rufen  'lafs,  held,  das  füllen  doch  saugen.'    es  ist  zu  lesen 
und  im  allez  liefe  nach 
ein  fi'd  in  der  gebcere, 
saiu  daz  ros  shi  mnoter  locvre. 
HK  haben  gewcvre  das  hier  nichts  anderes  sein  kann  als  gehöre, 
und   die  ergänzung  sam   verlangt  der  sinn,     derselbe  ausdruck 
steht  übrigens  7,  709  ich  was  ein  apt  in  der  gehwr  samz  himel- 
rich  min  eigen  locvr. 

392  dienstmän  riter  gebüren  H  ist  beizubehalten.  K  schreibt 
hfü^en.     auch  959  ist  mit  II  zu  schreilien  pfaffen  riter  gehnren. 

49  If  schreibt   K   armiu   höchvart    niht   mer  hat   wan  höhe 
gedatike,  an  ^ren  spot  und  sagt  s.  246,  der  reim  hat :  spot  mache 
diese  verse  des  alten  Freidanks,    dem   doch    die   beiden    vorher- 
gehenden entlehnt  sind,  unwürdig,    ich  glaube  weder  dafs  dieser 
reim  herrn  Bernhard  Freidank  gehört,    noch  dafs  JGrimms  Vor- 
schlag (kl.  Schriften  3,  8)  an  eren  spät  (vielmehr  spat)  annehm- 
baren sinn  gibt,     ich  ändere  nur  an  ehr  II  und  schreibe 
armiu  höchvart  niht  mer  hat 
dan  höchgedanke  fruo  nnt  spat. 
über  dan  s.  zu  2,  157.     höchgedanc   ist  bei  Lexer  einmal  belegt 
und  höchgedinge  höchgeburt  usw.  sprechen   für  die  annähme  der 
Zusammensetzung,    mufs  man  nicht,  um  den  richtigen  gegcnsatz 
zu  gewinnen,  489  schreiben  frwUchiu  armuot  wie  Freidank  43, 
20  ohne  Variante  und  im  Boner  15,  58  steht? 

741  so  iz  dem  höhen  got  erbarm.  K  iindort  den,  hat  aber 
15,  734  den  richtigen  daliv  bei  erbarmen  behalten. 

789  biderman  ist  hier  wie  10,  64  als  Zusammensetzung  mit 
II  zu  behalten.  3,  398  ist  biderbe  man  überliefert,  schon  Ulrich 
von  Liechtenstein  hat  die  Zusammensetzung  68,  4 ;  daneben  den 
versschlufs  biderb  man  20,  29.  22,  2  usw. 


418  BEITRÄGE  ZUR  KRITIK  UND  ERKLÄRUNG 

1167  des  riches  brief  lourdm  gesant.  es  wäre  nicht  gut  zu 
schreiben  brief  wärt.  vgl.  4,  144  wie  die  brief  (brieveK)  wwden 
gesant.  man  darf  auch  in  beiden  versen  schreiben  brieve  wurdn 
gesant. 

IX 

81  reinig  mich  von  der  sünden  pin.  H  hat  raining,  K  schreibt 
reine,  die  verba  auf  -igen  statt  des  älteren  -en  sind  in  Helblings 
zeit  häufig. 


7  ner  (Cer  H)  mich  vor  minen  sünden.  K  schreibt  ker  mich  von. 
23  so  kwn,  vrou,  mir  ze  tröste.   K  stellt  um  kum  mir,  vrowe. 
32  die  selben   sünden   mäsen   wie  30  steht   sünden  meil.    K 
schreibt  sündemäsen. 

XI 

5  daz  vrendenbernde  lieht.    HK  haben  vreuden  loernde,  s.  zu 
1,  393.     an  wem  gewähren  darf  man  schwerlich  denken. 


XIII 

78  f   so  sie  ze  riter  sehe  fte 

zimierten  sich  üf  riters  wal. 
sich,  das  man  auch  vor  zimierten  stellen  kann,  darf  kaum  fehlen, 
im  mhd.  wb.  3,  894''   ist   diese   stelle    das   einzige  beispiel  für 
intransitiven  gebrauch  von  zimieren.    auch  der  vers  ist  ohne  sich 
mangelhaft. 

118  vrouwe,  tragt  im  vieriu,  nämlich  phenwert.  die  stelle 
belehrt  uns  über  den  damaligen  preis  in  österreichischen  kneipen 
und  erklärt  einen  vers  im  Jüngling  wo  es  509  heifst  er  gtt  dem 
litgebn  dicke  viere  (oft  vier,  nämlich  pfennige)  ze  dem  wine  oder 
ze  dem  biere.  ein  andrer  läfst  dem  Helbling  hernach  122  sehs 
phenwert  bringen,  die  erklärung  des  mhd.  wb.  3,  GOS""  phenwert 
'ein  mafs  für  flüfsigkeiten'  ist  incorrcct  ausgedrückt. 

139  nach  weize  hinz  dem  An7üs.  HK  haben  weizen.  die 
schwache  flexion  kommt  in  H  noch  einmal  vor  2,  316  Waizen 
Chom  wo  sie  K  beseitigt  hat. 

153  s.  zu  Biterolf  6533. 


DES  SEIFRID  HELBLING  419 

182  nurträ  steht  dem  Vurttra  H  näher  als  hurtd  K.  Martin 
zu  Dietr.  tl.  3019  hat  aus  Otacker  und  Dietr.  fl.  belege  für 
nuträ  gegeben,  denen  D.  fl.  6046.  8462  beizufügen  ist.  die  hs. 
A  hat  einige  male  nnrta.  nura,  woraus  Weinhold  BG  §  261  das 
niitra  erklärt,  steht  im  Eraclius  4507  nurci,  helde  guote. 


XV 

41   vreidic  für  vreitdk  DWB  4,  158. 

238  des  lät  mich  iuwer  vrugen  sin.     K  strich  jwjcä,  doch  s. 
Gr.  4,  756. 

305  ki'mdklkh  hin  üz  brdht  mit  H,  knndklkhen  uz  brüht  K. 
362  f   Ikber  got,  daz  rthte 

über  alle  dk  snnden  da  zuo 
daz  man  edellkhen  tiio. 
K  schreibt  al  dk  snüder  da  zno. 

512  einen  alten  beleg  für  das  Sprichwort  bietet  GA  2,  281, 
145  getromv  lool  den  hengst  hin  reit. 

513  f   swer  sie  ze  nähen  leit  dem  hirn, 

ich  sach  hüete  wol  an  viern, 

den  wären  sie  imnütze. 

in  diu  antlntze 

enphiengen  sie  die  schrimpfen, 

daz  sie  sich  mnosten  rimpfen. 
dafs  514  hüte  gemeint  sind  (K  schreibt  hiute),  ist  nach  den 
folgenden  Worten  klar,  die  modischen  hüte,  die  auch  1,  257 f. 
3,  368  f  und  sonst  getadelt  werden ,  nützen  nichts  im  kämpfe : 
die  träger  cmpfiengen  die  hiebe  ins  gesicht.  die  verbefserung 
von  513  ist  unsicher;  auch  swie  man  sie  nähen  leit  liefse  sich 
etwa  denken,  zu  der  auffälligen  weise  des  ausdruckcs  vgl.  2, 
1234  f  er  hat  ein  veste  hirnschal  zwischen  zwen  hüete  gemachet. 
das  sich  für  sie  HK  518  ist  ohne  bedenken:  derselbe  fehler  ist 
in  H  7,  113.  459  von  K  vcrbefsert. 

657  mit  Silber  niht  möhten  getragen.,  K  schreibt  tragen. 

Berlin. 

OSKAR  JAMCRE. 


420  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

ZUR  KEITIK  DER  ENEIDE. 

In  meiner  abhandluug  über  Heinrich  von  Veldeke  (Zeitschrift 
für  deutsche  philologie  iv  249  ff  j  habe  ich  p.  257  die  Classi- 
fication der  handschriften  der  Eneide  gegeben,  wie  sie  sich  mir 
aus  dem  vorUegenden  materiale  herausgestellt  hat.  entgegen- 
gesetzt der  bisherigen  ansieht  muste  icli  daselbst  die  allerdings 
älteste  Berliner  hs.  nebst  der  Münchner  als  vielfach  überarbeitet 
bezeichnen  und  die  jüngeren  hss.  G  und  H  in  den  Vordergrund 
rücken,  obwol  es  nicht  im  zwecke  jenes  aufsatzes  lag  dies 
ausführlich  zu  begründen,  trat  doch  schon  auch  dort  bei  der 
behandlung  des  dialectes  an  vielen  stellen  der  Eneide  der  vorzug 
der  hss.  GH  zu  tage,  durch  die  folgenden  Zeilen  sollen  nun 
keineswegs  alle  die  kritik  der  Eneide  angehenden  fragen  er- 
schöpft werden,  was  schon  insofern  nicht  möglich  ist,  als  ich 
die  Wiener  hs,  noch  nicht  habe  einsehen  können,  ich  mufs 
dies  also  bis  zu  der  von  mir  in  aussieht  genommenen  ausgäbe 
der  En.  verschieben,  hier  liegt  es  nur  in  meiner  absieht,  die 
aao.  aufgestellte  behauptung  zu  stützen  und  durch  noch  weitere 
beweise  die  Überarbeitung  der  hss.  BM  sicher  zu  stellen. 

Zu  diesem  behufe  habe  ich  die  uns  gedruckt  vorliegenden 
stücke  des  französischen  Originals  genau  verglichen,  sie  finden 
sich  in  zwei  abhandlungeu  von  Alexander  Pey,  die  eine  sepa- 
ralim:  'essai  sur  H  romaus  d'  Eneas,  Paris  1856',  die  andere 
in  Eberts  Jahrbüchern  bd.  n.  zwar  machen  dieselben  nur  einen 
kleinen  teil  des  ganzen  gedichts  aus,  doch  sind  diese  stücke 
schon  genügend,  die  handschriftenfrage  entscheiden  zu  helfen, 
obwol  in  vielen  andern  l)eziehungen  ein  vollständiger  abdruck 
des  französischen  textes  immer  noch  sehr  zu  wünschen  wäre. 

Es  möge  hier  nun  zuerst  eine  kurze  bespreclmng  der  stellen 
folgen,  in  welchen  beim  auseinandergehen  der  beiden  handschriften- 
gruppen  das  französische  original  die  entscheidung  liefern  konnte. 

Zweimal  tritt  der  fall  ein,  dafs  in  der  ülierarbeitung  BM  zwei 
verse  ausgelafsen  sind,  welche  in  GH  dem  originale  entsprechen. 

Zuerst  261,   10 — 13.     diese  lauten   bei  Ettmüller   nach  BM 
10     wander  dich  mit  gewalt 
hie  wil  erwerben 
Wide  wil  erben 
13     dines  vaier  rkhe. 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE  421 

nach   GH  aber  10  wander  dich  mit  gewalt 

10^  wmet  gewinnen. 

10''  er  enger t  diner  m innen 

lO*"  durch  nichein  din  gut, 

10''  ioan  daz  herz  darumme  tut., 

11  oh  her  dich  muc  erwerben^ 

12  daz  her  wil  geerben 

13  an  dhtes  vater  riche. 

10*  wenel  zu  g.  (j  10^^  nieioeti  durch  din  gut  H        dinc  gut  G; 

vgl.  Servat.  ii  212         lü''  nhiwan  G     erz  durch  schulde  tut  H       12  her 
danne  wil  H 

hält  man  dagegen  die  entsprechenden  franz.  verse  (essai  p.  24): 
et  par  force  te  velt  conquerre  =-   10,   10^ 
mais  il  le  fait  plus  por  la  terre  ==  11  — 13 
qn'il  ne  face  por  toie  amor  =  lO"*,  10", 
so  erkennt  man,   dafs   hier  BM   ausgelafsen   hat,   indem   der   in 
lO"""  ausgesprochene  gedanke  im  original  seine  stütze  findet. 
284,  14.  15  lautet  nach  GH: 

14  Mir  is  leit  daz  ich  ime  so  holt  bin. 
14'    Daz  tut  der  minnen  getwanc, 

14"*   Daz  ist  dne  minen  dam, 

15  Des  bin  ich  vil  unfrö. 

14  Mir  is  leit  fehlt  H        14^  tut  mir  der  yninne  G        14''  Ich  minne 
in  sunder  in.  H 

dem  entspricht  (essai  p.  41  j: 

Quidies  vons  dont  que  bei  nie  soit 

Et  que  jeV  face  de  mon  gre 

Ce  est  contre  ma  volonte 

Amors  me  tient  en  sa  baillie. 
hier   ist  der  in  BM  fehlende  v.  14''  die  genaue  Übersetzung  von 
ce  est  contre  ma  volonte. 

263,  20  ff  sind  einer  französischen  periode  nachgebildet,  iu 
welcher   gegensätze   durch   vierit   de   verbunden  sind,     sie   lautet 

(essai  p.  26): 

liis  et  joie  vienl  de  plorer 
Et  grans  depors  vient  de  pasmer 
Grans  liece  vient  de  sospir 
Z.  f.  D.  A.   neue  fol^e  IV.  28 


422  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

Fresce  color  vicnt  de  palir 
Baister  vienent  de  haaillier  usw. 
wenn  also  263,  21  statt  BM:  rüwe  kumt  nach  nngemache  in  GH 
steht:   rime  hmit  von  ungemache,    so  werden  wir  das  schon  für 
ursprünglicher  halten  müfsen,   noch  evidenter  aher  tritt  die  än- 
derung  von  BM  hervor  in  v.  30 

lieht  varwe  kumt  nach  der  bleichen, 
wo  GH  haben :  lichte  varwe  kumet  von  bleichen ,  was  nun  wort 
für  wort  dem  franz.  fresce  color  vient  de  palir  entspricht,  die 
abwerfung  der  flexion  im  infmitiv  bleichen  müfsen  wir  uns  ge- 
fallen lafsen,  da  sich  diese  ja  auch  sonst  schon  früh  findet,  zb. 
bei  Wolfram  P.  383,  21.  424,  23.  Wh.  452,  7. 

264,  19  heifst  in  GH:   wie  her  Amor  gemalel  stet,  BM- hat 
das  gemälet   ausgeworfen;   aber   der  franz.  text  bietet   (Ebert  n 

p.  29): 

Garde  el  temple  com  fattement 

Amors  est  painte  soltiment. 

312,  38.  39  nach  GH: 

Er  trnwete  sinen  goten  nicht 

daz  sie  im  icht  gehelfen  mochten. 

38  sime  gote  H         39  er  ime  ichl  H     ichl  fehlt  G 

hier  hat  (B)M  ziemlich  sinnstörend  statt  sinen  goten   gesetzt  ge- 
nesen; das  franz.  (Ebert  u  p.  34): 

Entre  ses  hras  porte  ses  dex 
II  ne  les  tenoit  mie  a  tex 
Qu'il  li  penssent  rien  valoir 
tiitt  für  die  echtheit  von  GH  ein. 

314,  6  heifst  der  arzt  in  M  Lapis,  in  H  Japis,  in  G  Jaspis, 
bei  Benoit  Yapis  (Eb.  n  p.  34). 

26,  32    GH:      an  Kartdgine  der  grözen 
stunden  turne  tnere, 
man  saget  daz  ir  were 
rechte  siben  hundert, 
swen  so  des  xoundert  usw. 
B(M)  wirft  hier  zwei  verse  aus  und  macht  aus  den  siebenhundert 
nur  hundert  türme,     im  franz.  steht  (Eb.  n  p.  6): 

V.  C  tors  avoit  environ. 
das  sind  nun  allerdings  nirlit  700,  sondern  nur  500  türme,  aber 


ZUR  KRITIK  DER  E^E1DE  423 

wie  leicht  iionnte  nicli(  in  Veldekes  franz.  exemplar  vii.  c  stehen, 
jedesfalls  beweist  die  iiltereinslinnTiung  von  GH  mit  dem  franz., 
dafs  es  mehrere  hunderte  waren. 

Nur  eine  stelle  hat  sich  in  den  bisher  bekannten  stücken 
gefunden ,  wo  der  französische  text  BM  gegen  GH  recht  gibt, 
der  fall  aber  ist  wider  so  eigentümlicher  art,  dafs  für  die  gute 
von  BM  daraus  gar  nichts  zu  folgern  ist.  nämlich  113,  40  steht 
in  GH  ze  Troie  in  da-z  laut,  während  BM  an  den  sant  hat.  im 
franz.  steht  (Eb.  n  p.   12): 

Que  li  dona  rois  Menelax 
Par  desos  Troie  ä  nn  rivage 
Quant  d  Ini  ala  d  message. 
durch    dieses   rivage   wird   der   sant   bestätigt,     doch   wenn   man 
sich  daran  erinnert,    wie   gewöhnlich    und    wie  jedem  schreiber 
nahe  liegend  es  sein  muste,   hinter  einem  ländei'namen  daz  laut 
hinzuzufügen  (vgl.  170,  31.  353,  17),  so  wird  man  dieses  schreiber- 
versehen leicht  entschuldigen,     diese  annähme  ündet  eine  merk- 
würdige bestätigung  durch  M,  welche  folgendermafsen  schreibt: 
an  daz  la  den  sant  {an  daz  la  ausgestrichen),    hier  hat  also  auch 
der  Schreiber  gleich  GH  lant  schreiben  wollen,    sich   aber   noch 
rechtzeitig  durch  einen  blick  auf  die  vorläge  corrigiert. 

Eine  Schwierigkeit  liegt  in  135,  30.  40.  hier  steht  im  Ett- 
müllerschen  texte  beide  male  rfrm  hundert.  Pey  sagt  darüber 
(Eb.  n  p.  13):  'et  cent  Chevaliers  (Veldeke  dit  trois  cents) 
arrivent  ä  leur  secours.'  H  aber  hat  an  beiden  stellen  hundert, 
das  drin  steht  v.  30  blofs  in  G,  auch  BM  haben  daselbst  hundert 
ritter.  in  v.  40  haben  aber  BMG  das  driu  und  H  steht  mit  den 
hundert  allein,  dafs  Veldeke  mit  H  dem  original  entsprechend 
hundert  schrieb,  scheint  klar,  doch  ist  das  durcheinander  der  hss. 
merkwindig. 

Dies  ist  das  hauptsächlichste,  was  die  gedruckten  stücke  des 
franz.  Originals  für  die  hss.-beurteilung  ergeben,  es  möge  nun 
hier  eine  besprechung  einzelner  stellen  der  Eneide  folgen,  welche 
auch  ohnedies  die  idierarbeilung  iuBM  klar  zu  siellen  geeignet  sind. 

40,  23.  24  fehlen  B(M),  sind  aber  von  Ettnniller  bereits  nach 
GH  restituiert. 

47,  8  steigen  in  BM  50000  ritter  aus  dem  bauche  des  rosses, 
während  41,  29  gesagt  ist,  das  ros  habe  50  kammern  gehabt  und 
dahinein  habe  man  50  hundert  ritter  gelegt;  der  Überarbeiter  hat 

2b* 


424  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

also  t'alirläfsig  mit  zehn  multipliciert,  während  in  GH  richtig  steht 
fünf  tnsent. 

51,  5.  Dido  liegt  im  bette  ohne  schlaf,  den  ihr  die  minne 
benommen  f50,  38).  sie  walzt  sich  schlaflos  umher,  aber  als 
sich  die  müdigkeit  mehrt  (v.  5)  —  da  schläft  sie  endlich  ein, 
wird  man  erwarten,  aber  nein,  sie  ändert  ihre  Stellung  noch 
einmal  gründlich  und  steht  zuletzt  auf.  es  ist  klar,  dafs  statt 
müde  von  BM  einer  der  beiden  von  GH  gegebenen  ausdrücke 
stehen  mufs. 

51,  25.  hier  hat  BM  den  reim  genesen  :  Enedsen,  denn  so 
ist  der  name  zu  accentuieren  und  nicht  —  wie  Ettm.  tut  — 
Eneas.  die  endung  as  ist  lang,  das  e  kurz,  man  mufs  sogar  öfter 
Enjds  lesen,  zb.  108,  29  , 

der  Silvjus  Enjds  heizen  sdl. 
vgl.  hierzu  Schade,  Geistl.  ged.  p.  288.  —  Ettm.  ist  jedesfalls 
durch  den  häutigen  reim  Eneas  :  was  verleitet ,  das  a  kurz  zu 
setzen  (ebenso  macht  er  die  nominative  auf  -us  zu  längen  wegen 
des  reimes  auf  hüs  usw. ;  sie  reimen  alier  auch  auf  sus).  auch 
im  Serv.  ist  der  reim  Servds :  was  häufig,  ohne  dafs  man  deshalb 
den  namen  Servas  lesen  darf.  —  ein  reim  -esen  :  -dsen  wäre  nun 
aber  ganz  unerhört  und  es  tlndet  sich  dagegen  in  GH  das  richtige : 
V.  25  daz  sie  nimmer  genäse  :  Enedse.  dafs  dies  nicht  etwa  än- 
derung  von  GH,  sondern  das  ursprüngliche  ist,  geht  schon  aus 
der  unumgelauteten  form  genäse  hervor. 

53,  29.  si  clagete  ir  ir  ummaht ,  wie  Ettmüller  hat,  gibt 
keinen  guten  sinn,  in  nnmaht  kann  man  wol  fallen  (71,  14), 
während  der  nnmaht  kann  man  aber  el)endieselbe  nicht  clagen, 
V.  23  ist  von  der  Dido  gesagt,  dafs  sie  michel  ungemach  hatte, 
und  dieses  ir  ungemach  klagt  sie  der  Schwester,  wie  es  auch 
138,  24  heilst:  und  clagete  daz  ungemach.  in  GH  findet  sich 
nun  auch  v.  29  si  clagete  ir  (gröz)  ungemach  :  nacht,  dieser  unreine 
reim  erregte  anstofs,  jedoch  hat  derjenige,  welcher  die  BM  zu 
gründe  liegende  überarbeitete  hs.  anfertigte,  das  ursprüngliche 
ungemach  stehen  lafsen.  das  sehen  wir  aus  M,  welche  ungemacht 
hat,  also  einfach  ein  t  aubieng,  um  dem  reime  aufzuhelfen.  B 
allein  hat  das  nahe  liegende,  aber  dem  sinne  nach  unpassende 
nmmaht  dafür  eingesetzt.  —  wie  sehr  aber  GH  mit  ungemach  im 
rechte  sind,  ergibt  sich  evident  aus  dem  verkommen  desselben 
reims  im  Servatius  n  2037: 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE  425^ 

Want  in  der  naesler  nacht 
Velden  ein  groot  onghemach. 
hier  macht  Bormanns  in  der  anmerkung  ebenfalls  die  wolfeile 
conjectur  onmacht,  die  dem  sinne  ebensosehr  zuwider  ist,  als  in 
der  stelle  der  Eneide.  durch  den  reim  ongemach  :  nacht  aber 
werden  die  von  mir  aao.  p.  282  ff  besprochenen  wenigen  reime 
der  beiden  verschiedenen  ch  für  Serv.  und  Eneide  um  je  ein 
beispiel  vermehrt.  —  und  diesen  ungenauen  reim  Veldekes  hat 
nun  Wolfram  nachgeahmt,  gerade  so  wie  er  auch  meister'- 
phester  seinem  'meister'  Veldeke  nachbildete  (vgl.  aao.  p.  276). 
die  stelle  ist  Parz.  35,  20.  hier  ist  unmaht  ebenso  schief,  wie 
in  den  besprochenen  stellen  bei  Veldeke,    man    sollte   erwarten: 

in  brähte  diele  in  nngemach  (:  naht) 

diu  swarze  Mwrinne, 
denn  von  der  minne  leidet  man  nngemach,   fällt  aber  nicht  dicke 
in  unmaht  vgl.  zb.  Mai  u.  Bcafl.   17,  16 
Manegen  diu  minne  reizte 
von  schoenen  vrouwen,  die  er  sach 
von  den  er  da  leit  nngemach. 
vgl.  ebenda  64,  5.  —  Roseng.  C  5  durch  die  schienen  frouwen  sie 
Uten  ungemach. 

Wol  fast  zur  gewisheit  erhoben  wird  diese  Vermutung,  wenn 
man  erwägt,  dafs  die  alte  hs.  D  an  dieser  stelle  statt  in  unmaht 
bietet  en  ungemacht,  es  ist  klar,  dafs  diese  unform  nicht  anders 
entstanden  sein  kann,  als  dafs  in  der  noch  altern  vorläge  von 
D  das  ursprüngliche  ungemach  stand,  und  D  des  rcimes  wegen 
nur  das  t  anfügte,  es  liegt  also  hier  derselbe  fall  vor,  wie  in 
der  hs.  M  der  Eneide.  die  andern  spätem  bss.  des  Parz.  haben 
—  wie  B  der  En.  —  sämmtlich  das  formal  so  nahe  liegende 
unmaht  in  den  text  gesetzt.  —  diesen  reim  Wolframs  (ebenso 
wie  den  andern  priester  :  meister)  kann  man  kaum  für  etwas 
anderes,  als  eine  uachahmung  Veldekes  hallen,  wenn  man  auch 
betreffs  sonstiger  sprachlicher  nachahmungen  wol  mit  recht  Benecke 
nicht  beipflichtet  (mhd.  wb.  ii'  p.  119").  —  bei  Veldeke  aber  ist 
jener  reim  nicht  gar  so  auffällig,  da  in  jenen  gegenden  das  nach 
ch  auslautende  t  oft  verklingt,  und  zwar  auch  schon  in  älterer 
zeit,  wenn  gleich  in  den  heutigen  dialekten  häuliger,  zb.  Hagen, 
Chronik  2842  up  gerach{t)  :  saich.  —  Karlmein,  geschach  :  sacht 
234,  13  und  107,  15.  419,  9,   vgl.  Bartsch  über  Km.  p.  252  0". 


426  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

—  genau  unser  fall  kehrt  im  Karlm.  wider  und  man  ist  auch 
dort  nicht  zur  einsetzung  von  umnäht  berechtigt  bei  den  reimen : 
ungemach  :  bedacht  132,  22  (diese  stelle  ganz  analog"  der  bei  Wol- 
fram!) und  vngemach  :  gesacht  153,  52.  auch  an  letzterer  stelle 
wäre  unmaht  falsch,  denn  Galie  fällt  nicht  in  ohnmacht,  sondern 
es  kommt  eine  längere  krankheit  über  sie,  für  welche  ungemach 
der  richtige  ausdruck  ist  (vgl.  157,  40!).  auch  5,  27  statt  lachte: 
ungemache  will  Bartsch  nnmahte  lesen,  abgesehen  aber  davon, 
dafs  umnähte  dem  sinne  nach  nicht  passt,  wäre  sowol  nnmahte 
als  ungemache  als  plural  höchst  bedenklich,  es  dürfte  hier  wol 
ohne  zweifei  zu  lesen  sein : 

Bat  hey  zo  bedde  lach 
Ind  wan  so  stark  ungemach. 
für  den  gebrauch  von  unmaht   im  Karlm.  vgl.  zb.  141,  61.  162, 
45.  238,  23.  33.   —   derselbe   reim   naht  :  ungemach   steht   auch 
bei  Hartmann  vom  glauben  3140. 

55,  29 — 35    ist   nach  BM  durchaus  unverständlich,     so  be- 
hauptet zb.  Anna  v.  30.  31  den  Eneas  noch  nie  gesehen  zu  haben, 
w'ährend  sie  gleich  darauf  seine  Schönheit  lobt!  aber  auch  sonst 
ist  der  Zusammenhang  unklar,     aus  GH  ergibt  sich  einfach: 
V.  30  Alle?-  der  manne 

die  ich  mit  ougen  ie  gesach, 

so  ich  mich  verdenken  mach^ 

33  der  enwas  nichein  so  wol  getan. 

Er  ist  ein  edel  Troiun 
35  von  hereme  gesiechte  usw. 

30  .4lle  die  manne  G        31    Die  ich  ?ioch  ie  g.  G       33  ?iie  keiner  H 
34  Ez  ist  H     {Er  ixt  GM) 

Ettmüllers  allein  auf  B  fufsende  kritik  ist  hier  übel  gefahren. 
V.  33  hat  GH  Der  enwas,  M  der  etiist ,  B  er  enist.  hier  stimmt 
M  mit  der  gruppe  GH,  ein  beweis,  dafs  in  der  quelle  von  BM 
gleichfalls  der  stand.  Ettmüller  aber  macht  aus  dem  er,  welches 
allein  in  B  steht,  ein  sinnloses  ir.  das  der  von  BM  weist  aber 
bestimmt  auf  den  in  v.  30  stehenden  genet.  plur.  manne  hin, 
welchen  der  bcarbeiter  in  den  dat.  sing,  verändert  hatte.  —  v.  34 
nimmt  E.  die  einseitige  änderung  von  B  hern  si  auf,  gegenüber 
den  andern  3  hss.  er  (ez  H)  ist. 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE  427 

72,  18.  weder  si  gelobete  (B)  noch  si  gelachete  (Mj  ist  dem 
zusammenhange  angemefsen,  das  richtige  ist  si  geflehete  (GH). 

94,  5.  schwerlicli  wird  man  si/r  gegenüber  dem  vürich  [vürin 
G)  von  GH  halten  wollen,  zu  den  feurigen  äugen  (93,  33)  und 
roten  zahnen  (94,  2)  Charons  passt  wol  eher  ein  feuriger, 
als  ein  saurer  mund. 

123,  37.  der  Zusammenhang  erfordert  hier  den  couj.  praes. 
gewinne,  so  steht  auch  in  H,  wo  jedoch  der  folgende  vers  ver- 
derbt ist.  BM  aber  und  auch  G  änderten  dem  reime  zu  liebe 
in  gewunne,  während  der  sinn  hier  das  futurale  praesens  verlangt, 
der  reim  gewinne  :  gunne  bietet  keinen   anstofs    (vgl.  232,  15). 

124,  28.  29  lautet  in  GH: 

28  daz  ivas  betalle  ilwer  schult, 
daz  ich  so  getobete, 

daz  ich  daz  ie  gelobete, 

29  daz  ir  Timms  geswür. 

die  fafsuug  von  GH  daz  ir  Turnus  geswür   wird  bestätigt  durch 
231,  27  und  259,  2. 

133,  32.  diezen  bezieht  sich  nur  auf  das  gehör,  dafs  man 
das  diezen  sehen  könne,  ist  bisher  unbelegt,  aber  auch  abge- 
sehen davon  wäre  wol  für  das  fliefsen  des  blutes  der  ausdruck 
diezen  zu  stark,  der  doch  'rauschen,  tosen'  bezeichnet,  es  ist 
eben  änderung  von  BM  für  das  in  GH  erhaltene  vliezen. 

134,  16.  17  lauten  in  GH 

e  sin  gesalzten  ze  rede, 

warwnhe  er  ez  hete  getan. 
das  passt  weit  befser  in  den  Zusammenhang,  als  das  von  BM 
gebotene,  welches  wahrscheinlich  eine  durch  die  ungeläufige 
Wendung  ze  rede  setzen  hervorgerufene  änderung  ist.  diese  Wen- 
dung scheint  so  früh  im  mlid.  nicht  üblich  gewesen  zu  sein 
(das  mhd.  wb.  n'  594'  bietet  keinen  belog,  sondern  citiert  nur 
Haltaus),  für  Veldeke  ist  sie  aber  sicher,  da  sie  noch  einmal 
durch  alle  hss.  bezeugt  steht  153,  22. 
148,  34.  35  nach  GH: 

Die  eine  gofe  was  aphelgruwe 

Und  d'ander  als  ein  lebart. 

die  eine  gofe   war   also    apfelgrau,    die   andere   gefleckl.     in   der 

änderung  von  BM    ist   nur  von    der    einen    gesagt,    sie    sei  grau 

gewesen  wie  ein  lebart.     das  ist  ein  Widerspruch,    da  der  lebart 


428  ZUR  KRITIK  DER  EISEIDE 

gefleckt  ist  {lebartes  mal  Alexand.),  die  andere  gofe  aber  ist  ganz 
ausgefallen. 

157,  5.  hier  hat  GH  ganz  evi<lent  das  allein  richtige  wizen, 
gegenüber  den  änderungen  von  BM,  welche  auch  schon  Ettmüller 
beseitigte. 

160,  8  hat  BM  geändert  halsbant  statt  GH  nasebant.  ein 
kalsbant  als  teil  des  heims  ist  unbekannt,  nicht  aber  das  nasebant, 
für  dessen  richtigkeit  auch  noch  244,  3  spricht,  wo  ebenfalls 
neben  der  liste  das  nasebant  genannt  wird. 

167,  40.  als  Eneas  in  Italien  ankommt,  baut  er  sich  an  der 
Tibermündung   eine   bürg,    die   er   Albane   nennt    (HO,  35. 
157,  8).    diese  bürg  steht  also  am  meere  (215,  7).    wenn  Eneas 
nun  zu  Evander  will,  mufs  er  landeinwärts,  er  fährt  also  die  Tiver 
al  ze  berge  (167,  23).    und  nachdem  er  die  nacht  und  den  nächsten 
tag  gefahren  ist  (v.  32),  kommt  er  (v.  38)  ze  Pallante,  aldä  Röme 
nu  stet,     nun    folgt  v.  40   in  BM   die   wunderliche   behauptung, 
Eneas  sei  jetzt  an  der  Tibermündung  angekommen !    statt  dieses 
in  der  tat  grofsen  uusinns  steht  ganz  passend  in  GH 
40  In  der  Tiver,  die  da  vore  get 
was  er  mit  schiffen  komen  dar. 
obwol  die  richtigkeit   von  GH   schon    an   und   für   sich    deutlich 
genug  ist,  tritt  hier  noch  obenein  das  fragm.  des  1 2  Jahrhunderts 
R  bestätigend  ein.     daselbst  lauten  die  beiden  verse: 
Die  tyvere  diu  nur  get 
In  der  ums  er  komen  dare. 

177,  8  mufs  es  mit  GHEP  heifsen:  der  inner  grabe  der  was, 
da  V.   14  der  äufsere  graben  entgegengesetzt  wird. 

184,  24.  mit  GH  ist  hier  der  gräve  Volzän  zu  lesen,  er  wird 
im  folgenden  stets  grdve  genannt  und  auch  im  franz.  steht  an 
der  betreffenden  stelle  un  quens  (Essai  p.  17). 

204,  34.  was  BM  hier  hat:  \vir  scoln  im  wider  steji  nü,  ist 
so  unpassend,  dafs  es  unmöglich  das  richtige  sein  kann.  Pallas 
will  den  Turnus  im  einzelkampfe  bestehen  und  deshalb  konnte 
es  allenfalls  wol  heifsen  ich  wil  im  widersten.  das  richtige  bietet 
die  andere  gruppe.  G  ich  kume  im  noch  hnte  zu  —  P  ich  bringe 
iz  noch  hiute  dazu  —  TIE  mit  änderung  e  dann  ez  kume  morgen 
frn.  das  ursprüngliche  wird  wol  hier  G  haben,  da  das  verbum 
kume  durch  HE,  noch  hiute  zu  durch  P  gedeckt  ist.  es  ist  dem 
sinne  auch  bei  weitem  am  zuträglichsten.  —  hierzu  kommt  noch, 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIÜE  429 

dafs  der  reim  endoe  :  toe  in  PG  der  inundart  Veldekes  angemef- 
sener  ist,  als  endoe  :  nü  in  BM. 

205,21-26  fehlt  BMMe,  ist  aber  schon  von  Ettmüller  aus 
GH  aufgenommen. 

209,  6.  7.  auch  hier  dürfte  wol  befser  mit  GH  zu  lesen  sein: 
Ware  ich  mit  eren  bliben  tot 
so  wäre  ich  lihte  verklaget 
vgl.  204,  11.  206,  38.  258,  2.3. 

2)2,  3  mufs  es  heifsen  Wand  im  der  arm  müde  icas  (GH), 
denn  Eneas  ist  bisher  nicht  verwundet. 

216,  30.  31.  auch  hier  liegt  die  änderung  von  BM  zu  tage, 
gesagt  soll  werden,  dafs  die  tragbäume  der  bahre  von  elfenbein 
waren,  nach  BM  ist  lin  das  subject  und  soll  eben  diese  trag- 
bäume bezeichnen,  diese  sind  aber  hier  'hölzern  und  elfenbeinern.' 
wird  man  diese  Zusammensetzung  schon  seltsam  finden,  so  wird 
dies  noch  verdächtiger  durch  249,  10,  wo  die  bäume  ganz  von 
elfenbein  sind.     In  H  steht  nun 

Die  sithoume  waren 
gut  von  elfenheine. 
dies  entspricht  dem  sinne  befser,  nur  ist  sitbonme  nicht  das  echte, 
sondern  vom  Schreiber  für  das  ihm  fremde  linboume  gesetzt;  G  hat 
im  übrigen  genaii  wie  H,  nur  lintbomne  statt  sUboume.    wenn  es 
nun  wol   auch    sicher  ist,    dafs   linboume   die  unseren  textei)  zu 
gründe  liegende  form  ist,    so    ist   doch   dieser  ausdruck    als  be- 
zeichnung  der  fragbäumc  einer  bahre  sonst  unhelegl.    wir  können 
hier   zufällig   <las   franz.  original  vergleichen,     es   heifst   bei  Pey 
(Ebert  u  p.  22):   Pallas  est  mis  sur  une  biere: 
Qni  molt  fu  rice  et  molt  fu  chiere 
D'ivore  furent  li  limon 
Taillie  d  or  desi  cn  son 
De  soie  fu  li  cordeis. 
hierdurch    wird    nun    zuerst    die  lesart   von  BM  boumin  und  von 
elfenbeine  ebenfalls  zurückgewiesen,  sodann  aber  ist  das  dem  lin- 
boume »■ntsprechende  worl   //  limon.     limon  hrzeichnet  im  neueren 
französisch  die  gabeldeicbsel  eines  wagens.     in  den  alll'r.  wörler- 
büchern  findet  sich  das  wort  nichl,  doch  limonier  erklärt  Roque- 
fort durch  cheiHil  de  charrelle,  wir  werden  daher  dieselbe  b<Mleutung 
des  Wortes  im  allfr.  auzuncbmen  haben,    S(t  dafs  also    die  einer 
gabeldeicbsel   ähnlichen    Iragbäume   der   bahre    durch    limon   be- 


430  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

zeichnet  werden,  denselben  gegenständ  bezeichnet  ohne  zweifei 
linboume.  die  wörtliche  Übersetzung  dieses  Wortes  wäre  'lehn- 
bäiime'  und  man  könnte  dabei  an  das  ags.  hlinbed,  altfr.  hlenbed 
(Richthofen  818'')  denken,  doch  haben  die  tragbäume  mit  einer 
lehne  gar  nichts  zu  tun.  eher  würde  man  sich  etwa  ein  bärboum 
analog  dem  beddeboom  (mndl.  Elegast  910)  gefallen  lafsen.  nimmt 
man  nun  noch  die  merkwürdige  ähnlichkeit  von  linboume  und 
li'mon  in  der  ersten  silbe  hinzu ,  so  drängt  sich  die  Vermutung 
auf,  dafs  Veldeke  ursprünglich  das  französische  wort  beibehalten, 
der  dies  nicht  verstehende  thüringische  umschreiber  aber  es  sich 
auf  die  vorliegende  weise  mundgerecht  gemacht  hat. 

240  zwischen  v.  11  und  12  hat  BM  einen  vers  eingeschoben: 
heliden  geliehen,  der  einen  dritten  reim  herstellt  und  sich  dadurch 
von  selbst  richtet. 

257,  27.  das  dristunt  in  BM  ist  unbedingt  falsch,  es  mufs 
nach  GH  heifsen  dnzicstunt.  Turnus  hat  140000  mann  (140,  30. 
145,  26),  Eneas  aber  ist  von  Troja  gekommen  mit  drin  tüsent 
mannen  (47,  38),  Evander  hat  ihm  10000  mitgegeben  (174,  29), 
also  zusammen  13000.  dristunt  ist  also  viel  zu  niedrig  gegriffen, 
drizic  aber  wird  von  Veldeke,  wie  von  so  vielen  anderen,  zur 
bezeichnung  einer  unbestimmten  grofsen  zahl  gebraucht,  zb.  264, 
15:  unde  senfter  drizich  warf. 

262,  27.  28  ist  von  BM  ausgeworfen. 

268,  1 — 4.  hier  liegt  auch  eine  offenbare  änderung  von  BM 
vor.     Nach  GH(Wo)  mufs  gelesen  werden 

1  Unde  dar  nach  schiere  kalt. 

2  Si  quam  in  ir  ungewalt, 

3  Unsanfte  sie  lebete, 

4  Si  switzete  unde  bebete. 

1  darnach  vil  sc/n'ere  H         dar  nach    ahn    kalt  G  da    ?iach  Wo 

2  Uri  sie  quam  es  in  ungewalt  H  Sie  enhete  irs  tibes  nichein  gewalt 
G  (vgl.  hierzu    2S4,  28    u.  276,  29)  Sie   enwesse  wes  sy    intgali   M^o 

3  JVand  sie  tinsamphte  l.  Wo 

die  minne  macht  bei  V.  stets  heiz  und  kalt,  nie  heiz  und  sal, 
wie  eine  grofse  anzahl  parallelstcllen  zur  genüge  beweist:  280, 
9.  299,  16.  263,  6.  268,  40.  —  262,  27.  77,  4.  39,  12.  267,  34. 
ferner  erhält  auch  erst  die  wendung  in  v.  8.  9,  dafs  sie  mäht 
gewan  und  dafs  ir  daz  herze  wider  quam,  ihre  rechte  bedeutung 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE  431 

dadurch,   dafs  in  v.  2  nach  GH  gesagt  ist,   dafs  Lavine  in    Ohn- 
macht fiel,  was  durch  die  änderung  in  RM  verwischt  ist. 

268,  22.  (laz  ungemach  GH  hat  RM  in  der  kumber  verändert, 
hat  aber  vergefsen,  in  v.  24  es  ist  auch  dem  entsprechend  in 
er  ist  zu  ändern,  was  erst  der  Schreiber  von  R  beseitigt  hat,  in 
M  steht  aber  noch  das  alte  ez  ist. 

273,  7 — 20.  diese  anrede  der  Lavine  an  die  Minne  ist  vom 
dichter  offenbar  so  augelegt,  dafs  im  reime  stets  das  wort  minne 
abwechselnd  mit  einem  andern  worte  steht,  nach  eben  demselben 
princip  ist  die  correspondierende  anrede  des  Eneas  an  die  Minne 
gebaut  295,  19  —  34.  —  in  verkennung  dieses  princips  hat  nun 
zuerst  der  bearbeiter  von  RM  mehrfache  änderuugen  und  Um- 
stellungen vorgenommen,  dann  hat  M  noch  selbständig  zwei  verse 
ausfallen  lafsen  (9.  lOj,  was  bei  diesen  immer  gleichen  reimen 
allerdings  leicht  passieren  konnte.  —  unversehrt  haben  wir  diese 
stelle  nur  in  H,  denn  auch  in  G  haben  sich  auslafsungen  und 
änderungen  eingestellt,  ich  gebe  hier  die  stelle  nach  HG. 
273,  7  mit  etelkhen  sinne. 

Waz  hilf  et  dich  daz  Minne 

daz  ich  sus  smilze  enbinne? 
10  dii  heizes  unreht  Minne, 

als  ich  dich  noch  erkenne. 

Du  bist  ein  quäle,  Minne! 

Venus,  here  gotinne, 

gesenfte  mir  die  minne 
1 5  unz  ich  rehte  bekenne, 

waz  du  sist  Minne! 

Ja  sprach  die  kuneginne, 

du  trüges  salbe,  Minne: 

IS  daz  ich  der  gewinne, 
20  so  genese  ich,  edel  Minne; 

des  hastu  michel  ere 

loan  ich  qnele  alzu  sere. 

7  eleslichen  G  S  Eya    waz    hitfel  dich  minne  H  ^^swelle  H 

(vgl.  295,  26)         10  heizes  vil  n.  II         12  fehlt  G  14  Nu  gesenfte  H 

senfte  G  —  statt   1.5—20  in  G  mir 

Ja  sprach   die  />onigynne 

zu  erkennen  die  minne 

jnil  alle  ineijncm  sinne. 
22  fVeime  H         alzu  Milt  G 


432  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

in  BM  ist  geändert  v.  12  quäk  Minne  in  quelerinne,  für  qnale 
minne  spricht  aufser  der  richtigkeit  des  reinis  auch  281,  18.  — 
grofse  Verwirrung  wird  dann  noch  durch  die  weitere  änderung 
von  BM  hervorgebracht,  indem  v.  17  (H)  in  BM  um  zwei  verse 
zurückgestellt  ist  (v.  15  Ettm.).  abgesehen  von  der  Zerstörung 
der  reinifolge,  so  würde  sicli  auch  in  dieser  fafsung  kuniginne 
auf  Lavinen  beziehen  müfsen.  es  ist  aber  dem  gebrauche  Vel- 
dekes  zuwider,  diese  so  zu  nennen,  sie  heifst  magedin,  maget, 
junkfronive  usw.  unter  kuniginne  ist  stets  die  mutter  verstanden, 
daher  passt  der  vers  auch  nur  an  die  stelle,  wo  ihn  H  hat  (v.  17). 
der  sinn  ist  'meine  mutter  die  küuigin  hat  mir  gesagt  (265,  10), 
du  trügest  salbe,  Minne.'  hierzu  vgl.  271,  30  und  272,  26.  — 
übrigens  hat  auch  p.  295  BM  durch  auslafsung  von  v.  21  die 
reimfolge  gestört,  was  Ettm.  jedoch  hier  corrigiert  hat. 

308,  40 ff  sagt  nach  (B)M  'darnach  beherschte  Troas  Troja 
viele  jähre  lang  mit  vil  grozer  gewalt ,  bis  es  zerstört  wurde.' 
das  ist  ein  Widersinn,  den  wir  dem  dichter  nicht  zutrauen  dürfen, 
in  den  Ettmüllerschen  Varianten  steht  309,  1  H  Vil  grozen  gewalt, 
G  Gros  ere  und  gewalt.  diese  accusative  passen  natürlich  nicht 
zum  vorhergehenden ,  aber  zu  308,  40  gibt  E.  keine  Varianten 
von  GH;  doch  ist  dies  nur  ein  versehen:  denn  in  G  heifst  es 
(Müller  11487)  Sindt  hete  troie  manic  jar.  jedesfalls  wird  auch 
H  dasselbe  haben,  wie  wenigstens  aus  dem  accusative  in  v.  309,  1 
zu  schliefsen.     man  hest  also: 

Sint  hete  Troie  manic  jar 
309,   1   Gröz  ere  nnd  geioalt 
n7iz  usw. 
womit  denn  alles  in  Ordnung  ist. 

318,  31.  hier  ist  mit  GH  zu  lesen 

Do  trouwete  er  sich  niet  erweren, 
iedoch  loolder  den  Vtb  gener en. 
denn  Turnus  wollte  sein  leben  generen,  indem  er  sich  zur  flucht 
wandte,    ebenso  19,  17.  47,29.  135,37.  137,  1.  262,35.  309,7. 

320,  16.  GH  swuz  zwischen  der  innern  müre  was 
und  dem  üzern  graben  usw. 
das  ist  nämlich  das  vorborge  (v.  21);    die  fafsung   von  M  besagt 
das  nicht  deutlich. 

322,  38.  auch  hier  wird  man  GH  folgen  müfsen 
daz  ichz  ndme  vor  tusent  mark, 


ZUR  KRITIK  DER  EISEIDE  433 

dh.  'die  grofse  stärke,   die  Eneas  dann  haben  würde,    wäre  mir 
mehr  wert  als  tausend  mark.' 

323,  9.  GH  hat  richtig  ichz  {vingerlm),  M  fälsch  ich  si. 

340,  27.  das  von  M  gebotene  her  knste  sie  ivol  dristunt  wird 
gegenid)er  der  lesart  von  GH  schwerlich  hallbar  sein,  welche  haben 

her  kuste  sie  wol  drizicstimt, 
womit  dann  —  drizic  wider  als  unbestimmt  grofse  zahl  gefafst  — 
gesagt  ist,  dafs  er  sie  sehr  oft  küste.  ähnliche  Wendungen  sind 
ja  gerade  vom  küssen  häufig,  wer  denkt  nicht  gleich  an  das 
waltherische  kust  er  mich?  wol  (ihentshml,  oder  an  des  Morungers 
Owe,  sie  kuste  üne  zal  In  deine  stufe  mich,  und  ganz  entsprechend 
Lohengr.  723  mit  kust  sie  mer  dan  drizecstunt. 

Nimmt  man  nun  noch  die  zahlreichen  bei  der  Untersuchung 
des  dialekts  in  meiner  früheren  abhandlung  angezogenen  stellen 
hinzu  ,  in  denen  GH  das  einzig  richtige  bot ,  so  wird  man  sich 
wol  nicht  der  Überzeugung  verschliefsen  dürfen,  dafs  die  hss.  BM 
aus  einer  vielfach  überarbeiteten  quelle  thefsen  und  dafs  sie  daher 
durchaus  nicht  in  erster  stelle  für  die  textesherstellung  heran- 
zuziehen sind. 

Es  ist  nun  noch  übrig  einiges  nähere  zur  characteristik  der 
einzelnen  hss.  und  insbesondere  über  die  Stellung  der  fragmeute 
zu  den  hssgruppen  hinzuzufügen,  wie  schon  früher  bemerkt 
teilen  diese  fragmente  mit  einer  ausnähme  die  Überarbeitungen 
von  BM  nicht  und  treten  sonach  zu  GHE.  dies  läfst  sich  leicht 
durch  einige  characteristische  stellen  beweisen. 

Das  fragment  R  enthält,  soweit  es  von  PfeitVer  mitgeteilt  ist, 
166,  15  —  168,  31.  da  R  167,  40  die  unsinnige  änderung  von 
BM  nicht  hat,  sondern  zu  GII  stimmt  (vgl.  oben),  so  zeigt  es 
sich  als  der  idjerarbeitung  BM  fremd. 

Das  Wolfenbütteler  fragment  (Wo)  enthält  die  verse  265,  19 
— 268,  4.  für  dasselbe  ist  268,  1  characteristisch ,  wo  es  die 
evidente  änderung  von  BM  nicht  teilt. 

Pfeiffers  bruchstücke  (P)  bieten  176,25  —  180,2;  190,21 
—194,  9;  201,  10  —  208,  13;  222,  8—229,  5.  hier  sind  ent- 
scheidend folgende  stellen:  177,8  (vgl.  oben).  —  177,31.  hier 
folgt  in  GHE  v.  31  auf  32,  welche  folge  von  P  geteilt  wird,  es 
hat  also  BM  umgestellt.  —  178,  28  (vgl.  zs.  für  d.  ph.  iv  275).  — 
204,34  (vgl.  oben).  —  207,40  Veldeke  schrieb  hier  nach  PGIIE 
Doe  stont  da  hi  up  einen  kiel  (vgl.  208,  10). 


434  ZUR  KRITIK  DER  EiNEIDE 

222,  21.  22  fehlt  BM,  steht  aber  iu  PGHE.  —  223,  16  Veldeke 
schrieb  nach  PGHE 

Dat  gegenoe  man  heme  ane  dede, 
im  reim  auf  sede.  diesen  gut  Veldekescheu  reim  entfernt  der 
hochdeutsche  Schreiber  von  BM.  —  226,  12  zwischen  v.  12  und 
13  hat  BM  zwei  verse  ausgelafsen,  die  sich  in  PGHE  finden.  — 
man  sieht  hieraus,  dafs  diese  fragmente  den  änderungen  von  BM 
gegenüber  zu  GHE  stimmen. 

Das  alte  Meraner  fragment  (Me)  allein  gehört  der  Überarbei- 
tung BM  an  und  ist  vielleicht  vorläge  von  M,  es  enthält  folgende 
stücke:  204,  17-205,  32.  206,  9  —  208,  5.  240,  15  —  244,  10. 
die  genaue  Übereinstimmung  mit  BM  tritt  überall  hervor,  zb. 
205,  21—26  fehlt  in  Me  ebenso  wie  in  BM;  263,  30  teilt  es  die 
änderung  von  BM  (vgl.  oben)  usw.  für  die  kritik  hat  das  frag- 
ment gar  keinen  wert,  da  wir  den  text  der  Überarbeitung  durch 
B3I  schon  hinlänglich  kennen. 

Aus  dieser  auffafsung  folgt,  dafs,  wenn  die  eine  dieser  bei- 
den hss.  der  andern  und  zugleich  der  nicht  zu  dieser  ülierarbeitung 
gehörigen  gruppe  entgegentritt,  dies  stets  eine  änderung  dieser 
hs.  sein  wird  und  dafs  man  also  eine  von  B  allein  gebotene  les- 
art  nicht  mit  EttmüUer  in  den  text  setzen,  sondern  sie  von  vorn 
herein  für  falsch  halten  mufs.  und  gerade  in  B  finden  sich  ver- 
schiedene derartige  änderungen,  zb.  98,  26,  wo  in  B  die  schlangen 
bullen,  gegen  hnllen  in  MGH,  —  115,  19  von  B  umgestellt,  — 
236,  6  leiten  sie  hat  allein  B,  das  richtige  ist  liefen  sie  (MGH), 
denn  sie  waren  schon  unterwegs  und  gewaffnet  (vgl.  23B,  1), — 
241,  7  statt  schameliche  B  mak  es  offenbar  smaliche  (Gll)  heifsen, 
auch  M  hat  smaechleiche,  ebenso  Me,  —  254,  24  herscJiaft  (GHM) 
gegen  hereskraft  (B)  (vgl.  zs.  f.  d.  ph.  iv  286)  usw. 

Der  gruppe  BM  (Me)  gegenüber,  welche  auf  einer,  vielfach 
überarbeiteten  quelle  beruht,  treten  die  andern  hss.  und  frag- 
mente GHEPRWo.  an  die  letzteren  mufs  sich  eine  kritische 
bearbeitung  der  Eneide  anschliefsen  und  zwar  kommt  es  hier 
hauptsächlich  auf  die  vollständigen  hss.  GHE  an.  diese  teilen 
sich  wider  zweifach,  wir  haben  in  den  hss.  HE  und  G  zwei  ge- 
sonderte Überlieferungen,  alle  drei  hss.  geboren  dem  14  resp. 
15  Jahrhundert  an,  stehen  also  der  hs.  B  an  alter  weit  nach, 
doch  darf  dies  durchaus  nicht  gegen  sie  geltend  gemacht  werden, 
da    ihre   vorlagen   wol    noch   älter   als   B  gewesen    sein   können. 


ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE  435 

sowol  HE  als  G  haben,  wie  dies  ja  nicht  anders  zn  erwarten,  hier 
und  da  kleine  änderungen  und  Zusätze  erlitten,  doch  bietet  in 
der  regel  die  eine  für  die  andere,  verglichen  mit  der  Überlieferung 
in  RM,  das  correctiv  dar.  meist  allerdings  und  glücklicherweise 
in  der  grösfen  zahl  der  von  RM  veränderten  stellen  stimmt  H  (E) 
mit  G  überein  und  läfst  also  keinen  zweifei,  wo  sie  aber  aus- 
einandergehn,  da  ist  bald  bei  der  einen,  bald  bei  der  andern  das 
richtige  zu  linden,  und  eben  hierbei  leistet  dann  der  durch  die 
Überarbeitung  RM  repräsentierte  zweig  oft  wesentliche  dienste.' 
In  genauem  zusammenhange  stehen  also  die  beiden  hss.  H 
und  E.  von  E  ist  nur  verhaltnismäfsig  wenig  von  Pfeiffer  im 
quellenmaterial  i  bekannt  gemacht,  H  kennen  wir  aus  den  sehr 
reicbhalligen  Variantenangaben  bei  Ettmüller.  die  hs.  H  geht 
mit  E  sicher  auf  dieselbe  vorläge  zurück,  welche  bin  und  wider 
änderungen  erlitten  hat.  diese  änderungen  teilt  also  E  mit  H. 
H  widerum  aber  hat  durch  zwei  verschiedene  Schreiber  einen 
etwas  ungleichujärsigen  character  bekommen,  während  nämlich 
dei-  zweite  Schreiber  (nach  Ettmüllers  angäbe  von  214,20  bis  zu 
ende),  sehr  sorgfältig  seiner  vorläge  folgte,  erlaubt  sich  der  erste 
eben  jene  wortumstellungcn  und  vertauschungen  der  worte  mit 
synonymen,  die  Ettmüller  p.  xu  rügt,  so  zb.  87,  29  statt  wei^den 
(:  erden)  setzt  er  ganz  sorglos  irgen,  ähnliches  102,  7.  17.  115,  34. 
119,  25.  131,  2.  133,  33.  145,  22.  150,  2.  10  usw.  desgleichen 
läfst  er  oft  flüchtiger  weise  einen  vers  aus,  so  dafs  der  reim  ver- 
nichtet wird,  zb.  19,  11.  38,  18.  45,  4.  59,  40.  72,8  usw.:  zwei 
verse  sind  sinnlos  oder  reimstorend  ausgelafsen  60,  1.  2.  128, 
28.29.  177,  12.  13.  197,21.  22.  —  alle  diese  flüchtigkeiten 
meidet  der  zweite  Schreiber,  willkürliche  wortumslellung  im  reime 
hat  er  gar  nicht,  flüchtige  auslafsung  eines  verses  nur  einmal 
(230,  19),  während  dieser  fall  beim  ersten  Schreiber  15  mal  statt 
hat.  die  sudeleien  des  ersten  Schreibers  von  II  leilt  nadirlich 
die  hs.  E  nicht,  während  sie,  soviel  aus  den  bekannten  slücken 
zu  ersehen,  die  würklicben  änderungen  der  in  II  vorliegenden 
recension  sämmilich  teilt,  diese  änderungen  lafsen  sich  durch 
die  Übereinstimmung  der  übrigen  hss.  leicht  erkennen  und  dürfen 
ja  nicht  in  den  text  aufgenonuuen  werden,  wie  Eltnuiller  sogar 
an  einer  stelle  (203,  37)  in  sehr  unkritischer  weise  tut,  wo  er 
seiner  hs.  R  und  MG  zuwider  die  aus  dem  dialect  leicht  erklär- 
bare änderung  von  H  einsetzt. 


436  ZUR  KRITIK  DER  ENEIDE 

Von  kaum  geringerem  werte  als  EH  ist  für  die  kritik  die 
hs.  G,  welche  nach  Ettmüller  p.  xii  'zumal  in  der  gröfsern  vor- 
dem hallte  ebenso  oft  zu  BM  als  zu  H  stimmt.'  das  ist  ganz 
richtig,  denn  zu  BM  stimmt  sie,  wo  in  H  änderungen  vorliegen, 
und  dafs  dies  in  der  vordem  hälfte  öfter  eintritt  rührt  eben  von 
dem  nachläfsigen  ersten  Schreiber  von  H  her.  ohne  eigne  ände- 
rungen und  Zusätze  ist  natürlich  auch  G  nicht,  doch  sind  sie 
als  solche  meist  unschwer  zu  erkennen. 

Die  zugehörigen  fragmente  RPWo  gestatten  wegen  ihrer  ge- 
ringen ausdehnung  keine  weitere  gruppierung.  ihre  bedeutung 
liegt  hauptsächlich  darin,  dass  sie  für  die  durch  GAE  repräsen- 
tierte tt'Xtgestalt  alte  Zeugnisse  bilden,  so  dafs  es  auch  dadurch 
verwehrt  wird,  das  alter  der  hs.  B  als  schwer  ins  gewicht  fallend 
zu  betrachten. 

Leipzig.  WILHELM  BRAUNE. 


NACHTRAa  ZU  DER  GRABSCHRIFT  AUS 
DEM  ACHTEN  JAHRHUNDERT. 

Unbegreiflicher  weise  habe  ich  bei  meinen  dem  epitaphium 
Aggiards  hinzugefügten  bemerkungen  (oben  s.  280)  den  wald  vor 
bäumen  nicht  gesehen,  unter  den  plerique  anlkorum  der  sogen. 
annalen  Einhards,  welche  in  der  fränkischen  uachhut  durch  den 
Überfall  der  Basken  den  tod  erlitten,  befand  sich  nach  Einhards 
leben  Karls  des  gr.  c.  9  auch  der  nur  aus  dieser  erwähnung 
bekannte  Eygihardus  regiae  mensae  praeposüus,  er  ist  um  so 
sicherer  der  gegenständ  unserer  grabschrift,  als  durch  sein  hof- 
amt  in  v.  8  die  worte  regi  summus  in  aula  fiiit  eine  treffliche 
erläuterung  finden,  hiernach  kann  also  mit  Sicherheit  behauptet 
werden,  was  ich  früher  nur  vermutete,  dafs  uns  in  dem  todestage 
Eggihards,  dem  15  august,  zugleich  das  datum  jener  berühmten 
niederlage  im  tale  von  Roncesvalles  erhalten  sei. 

E.  DÜMMLER. 


LÜGENMÄRCHEN  437 


LÜGENMÄRCHEN. 

Neue  zeittiing  aufz  der  ganzen  weit. 

Es  bfchicht  oft,  wann  man  wandern  \\'i\, 
fo  fchlagen  fich  der  gfellen  viel 
zufamen  in  ein  gfelfchaft  gut 
und  reifen  dann  mit  gutem  mut. 

5  viel  abenteur  get  in  zu  banden 

in  dielen  oder  jenen  landen, 
der  flehet  difz,  ein  andrer  das 
und  wer  bafz  kan  der  schikt  fich  bafz. 
alfo  giengs  diefen  gfellen  all, 

10  dern  war  nun  ein  zimliche  zal, 

warn  jung,  darzu  von  leib  nit  schwacli, 
hatten  verfucht  keiu  ungemacb, 
bifzher  in  dwelt  nie  kommen  aufz, 
dann  alzeit  fie  gewefen  zhaus. 

15  diefelben  inen  namen  für 

zu  lafzen  irer  mutter  tür, 
in  dfremde  fich  einmal  zu  wagen, 
damit  fie  auch  was  könten  lagen 
von  fachen  die  fie  betten  gfehen, 

20  was  hin  und  wider   wer  gefchehen. 

w'as  foll  ein  mann  der  nichts  erfareu 
hat  in  fein  jungen  heften  ^aren  ? 
machen  deshalben  fich  gefafzt, 
irn  keiiun*  nichts  dahinden  lafzl, 

25  wie  fie  vermeinten,  diefer  dingen 

fo  notig  die  reif  zu  verbringen 
und  ziehn  darvon  mit  frifchem  nuit, 
gedenken :  es  w ird  werden  gut. 
nun  taten  fie  viel  manche  reif; 

30  die  zeit  begunle  werden  beifz. 

fie  zogn   durch  dürfer  und  durch  ftett, 
irn  keiner  nie  gezagel  betl. 
an  freud  und  nuit  in  nicht  gebrach, 
die  ^ielfchafl   hatte  gutte  fach, 
Z.  f.  P.  A.  neue  folge  IV.  29 


438  LLGEIVMÄRCHEN 

35  liefzen  als  trauren  faren  hin, 

nach  frolicheit  ftnnd  in  der  l'inn. 
in  dem  die  foune  auf  Tie  fticht, 
das  wollen  fie  erleiden  nicht, 
legten  fich  nider  an  den  fchatt; 

40  alda  fie  fer  gedürftet  halt. 

des  Avafzers  war  da  avoI  genug, 

fie  dachten :  es  hat  nicht  gut  fug 

wafzer  zu  trinken  in  der  hitz, 

ie  mehr  man  trinkt  ie  mehr  man  fclnvitzt; 

45  kerten  deshalb  ins  Aviertshaufz  ein: 

'herr  wiert!  nun  gib  uns  külen  wein, 
damit  wir  löfchen  unfern  (kuTt. 
frifch  auf  und  frolich  liebe  burft! 
heut  hie,  vielleicht  anderftwa  bald, 

50  wer  weifz  wer  unfer  fchulden  zalt?' 

der  wierte  tat  nach  irm  hegeren, 
gedacht,  er  wolt  in  tapfer  fchereu, 
und  fetzet  alles  auf  den  tifch: 
brot  wein  fleifch  vögel  und  gut  fifch; 

55  da  ward  kein  maugel  niendert  gfpürt, 

er  machet  in  ein  gute  ürt. 
'herr  wiert!  wir  haben  gefzen  znacht, 
die  zech  wird  noch  wol  morn  gemacht 
zur  morgen fupp;  mit  lärem  bauch 

60  zu  wandern  ift  nicht  unfer  brauch.' 

er  legt  fie  in  die  hefte  bett 
die  ei"  im  ganzen  wiertshaus  bett; 
da  fchliefens  ein  die  ganze  nacht 
bifz  dafz  fie  widerumb  erwacht. 

65  'auf!  auf!  wir  fcblafen  viel  zu  lang, 

dafz  man  fich  ruft  und  forte  gang 
in  diefer  morgens  killen  zeit, 
nach  mittag  gen  wir  nicht  fehr  weit.' 
das  friiftuck  hat  der  wiert  gerüft, 

70  das  Hund  bereit  fchon  auf  dem  tifch, 

darneben  ander  mer  gefchleck 
mit  einem  frifchen  butterweck. 
da  zechten  fie  ein  gut  geloch. 


LLGENMAllCHEN  439 

irn  keiner  konte  vvifzen  noch 
75  wie  übel  stünden  ire  lachen, 

heilzen  deshalb  die  ürten  machen. 

der  wierte  war  ein  gl'chwinder  mann, 

die  kreid  in  feine  band  i>al(l   nani, 

dielelb,  wie  es  dann  pllegt  zu  gen, 
SO  für  einen  ftrich  recht  kreidet  zwen. 

er  macht  ein  x  wol  für  ein  u, 

damit  kam  er  der  rechnung  zu; 

die  traf  fich  eine  gute  fumm, 

fie  aber  gaben  nichts  darum. 
85  'lang  her  noch  ein  mafz  oder  vier! 

die  trinken  wir,  dann  gen  wir  fchier.' 

das  bfchach;  der  wirt  willfaret  in, 

gedacht:   'es  ift  doch  dein  gewinn.' 

erft  hebt  fich  an  der  betteldanz ; 
90  da  die  zech  war  volfüret  ganz 

und  man  iezunder  zalen  folt, 

herfüi-  mit  gelt  irn  keiner  wolt. 

iezunder  erft  da  merken  fie, 

dafz  in  befchehen  were  wie 
95  man  gmeinlich  fpricht:  wer  wandern  will, 

derfelbig  hat  zu  ruften  viel 

und,  wann  er  fich  hat  lang  gerüft, 

zuletit  er  doch  das  lieft  vergift. 

alfo  befchach  auch  dielen  gfellen. 
100  diefelben,  als  fie  wandern  wollen, 

da  lafzeu  sie  daheim  das  gelt 

des  fie  in  trauren  wurden  gleit. 

da  folt  einer  gefehen  bau, 

wie  fie  fich  üengen  ftellen  an: 
105  der  eine  fich  fer  übel  gbub, 

der  ander  in  feinni  lacke  grub 

nach  heilern,  da  war  niendert  nicht; 

der  ander  feine  holen  blicht, 

ob  etwas  drin  verborgen  wer? 
110  da  wolt  niendert  nichts  klingen  her; 

der  eine  falz  da  wie  ein  ftock, 

der  ander  fchwiege  wie  ein  plock; 

20* 


440  LÜGENMÄRCHEN 

dife  die  kratzen  hiutern  köpfen, 
jene  die  fchwitzeu,  dafz  fie  tropfen; 

115  einer  den  andern  ane  fach, 

gedacht:  'o  wie  komt  ungemach 
fo  unverzogenhch  auf  freud!' 
in  fumnia,  da  war  nichts  denn  leid, 
was  wollen  fie  da  hahen  than? 

120  das  gelte  war  da  heim  gelan! 

der  wiert  fchaut  zu  und  fchweiget  füll. 
da  er  fieht,  dafz  nichts  naber  will, 
und  merket,  dafz  es  feien  wolt, 
gehöret  einer  haben  folt 

125  wie  er  mit  inen  da  umgieng, 

wie  er  zu  reden  ane  fieng, 
wie  fie  erfchracken  über  dmafz, 
wie  fie  der  angftig  fcbweifz  begofz ! 
'ir  habt  getrunken,  liebe  geft, 

130  und  gefzen  auf  das  aller  beft; 

was  euer  herz  nur  hat  hegert 
desfelben  hab  ich  euch  gewärt, 
nun  ist  es  hie  hei  mir  der  brauch: 
wer  ifzt  und  trinkt  der  zahlet  auch. 

135  deshalhen  herfiir  mit  dem  geld, 

wa  ir  mit  lieb  von  hinnen  wölt!' 
einer  zu  reden  ane  fleug: 
'herr  wiert!  ich  fag  euch  wie  es  gieng. 
als  wir  von  heimat  zogen  aufz 

140  aufz  unfrer  liehen  eitern  haus 

vermeinten  wir  genommen  han 
alles  was  nötig  auf  die  ban. 
nun  haben  wir  ein  feckel  gmacht, 
all  unfer  gelt  darein  gebracht 

145  hifz  an  ein  wenig  welches  wir 

hifzlier  verzeret  in  der  irr. 
den  feckel  wir  vergcfzen  hand 
daheim  in  unlerm  vatterland; 
wie  dann   gemeinlich  pflegt  zu  gfchehen, 

150  wann  man  will  über  fehle  gehen, 

hin  und  her  man  zu  laufen  hat. 


LÜGENMÄUCHEN  441 

verzieht  licli  lang  oli  iiuui  genadt, 

eh  man  lieh  riilt,  eh  man  lieh  lalz 

bfchauen  von  ieder  auf  der  gafz. 
155  wann  einer  lülTelt  fonderhch, 

da  fcheidet  es  fchwedichen  fich. 

alfo,  weil  ich  doch  fagen  mufz 

die  warheit  (mir  zu  einer  bufz), 

befchahs  mir  aucli.     der  Teckel  war 
160  vertrauet  mir  von  diefer  fchar, 

dann  fie  gel'püret  wol  an  mir, 

dafz  ich  zum  gelt  trug  grofz  begier, 

vergebens  auch  nichts  geb  hinweg, 

darum  fie  mir  das  gelt  aufglegt, 
165  gedenkend,  weil  ich  fonft  fo  karg, 

ich  ward  es  nicht  verforgen  arg. 

welchs  dann  gewislich  gfchehen  wer, 

wer  nicht  difz  unglück  kommen  her. 

nun  aber  hat  ich  einen  buln, 
170  zu  dem  gieng  ich  in  dloflelfchuln, 

nachdem  ich  andern  gfaget  ab, 

difer  ich  mich  ergeben  hal>; 

die  dunkt  mich  fchön,  fie  duukt  mich  fein, 

dacht:   fie  mufz  dein,  du  iren  fein; 
175  ift  fie  gweft  einen  andern  gut, 

fo  freut  fie  dir  auch  deinen  mut. 

ir  fchuch  warn  wie  der  fchnee  so  weifz 

und  fonft  geziert  mit  allem  lleifz. 

was  fag  ich  viel?  mer  kann  ich  nicht, 
180  wann  ich  dran  denk  mein  herz  zerbricht. 

wie  ich  von  dannen  fcbeidon  folt, 

da  ich  das  elend  bawen  wolt 

(fcheiden  ift  bittrer  dann  der  tod, 

behiit  dich  got  vor  folcher  not!) 
1S5  gedenk,  was  hat  ich  da  für  leid? 

ich  hat  ganz  kein  entpfmdlichkeif. 

meinr  finnen,  glaub  ich,  war  ich  braubt; 

wers  hat  erfarn  derfelb  es  glaubt. 

die  ftrafze  lauf  ich  auf  und  ab, 
100  bifz  dafz  gelegenheit  fich  gab. 


442  LÜGENMÄRCHEN 

dafz  ich  ins  haus  zu  iren  kam 
und  freundhch  urlaul)  von  ir  nam 
nicht  one  leid,     da  fie  mir  diat 
ein  fchüne  letze  geben  hat: 

195  'difz  bhalt  von  meinenlwegen  lang, 

gott  wöll,  dafz  es  dir  wol  ergang  1' 
'dank  hab!  gut  nacht!'  difz  war  die  nacht 
die  mich  aufz  freud  in  trauren  bracht, 
morndrigs,  als  ich  verreifen  wolt, 

200  erfur  ich,  dafz  fie  kommen  folt 

des  morgens  frü  an  einen  ort 
da  man   fonft  höret  gottes  wort; 
ich  in  der  unempiindlichkeit 
wolt  brauchen  dife  glegenheit.' 

205  'ei',  fprach  in  unmut  difer  wiert, 

'hiemit  zalt  man  mir  nicht  die  ürt. 
gelt  her!   was  get  michs  an?   gelt  her! 
wans  noch  fo  ubol  gangen  wer; 
den  wein  den  iezund  ich  euch  gab 

210  mit  fchwetzn  ich  nicht  bekommen  hab; 

die  fpeif  man  mir  zwar  auch  nicht  fchenkt, 
<labei  mein  arbeit  auch  bedenkt!' 
'ich  bitt,  herr  wirt!'  der  wider  fprach, 
'höret  zu  unferm  ungemach. 

215  von  mir  komt  diefes  alles  her, 

ir  keiner  dahin  graten  wer, 
wer  ich  nicht  gweft.     drum  höret  mich, 
wie  ich  euch  meiner  fachn  bericht. 
des  morgens  ich  mich  früh  auf  macht, 

220  der  zeit  nam  ich  ganz  fleifzig  acht, 

verfüget  mich  an  ort  und  end 
da  fie  ir  äugen  zu  mir  wendt, 
welchs  mich  der  mafzen  hat  verwirt, 
dafz  ich  niemandn  valediciert, 

225  und  leg  mit  fchmerz  mein  fchenke  ab, 

dafz  fie  mir  nichts  zverweifen  hab, 
als  hett  ich  ire  gab  gefchendt, 
und  gib  mich  recht  in  difz  eilend; 
hab  recht  gedacht,  wie  man  iez  fingt: 


LÜGENMÄRCHEN  443 

230  'zeit  ander  rofen  wider  bringt', 

und  zieli  davon,     gar  nicht  gedenk, 

wie  lieh  das  glück  fo  feltzam  lenk, 

wie  ichs  erfar  mit  grolzer  gfar, 

aufz  freud  in  leid  und  traurigkeit, 
235  da  iezund  ich  hin  kommen  aufz 

mit  fchmerz  und  leid  von  meinem  haus 

und  bfinne  recht  iezunder  mich: 

den  feckel  daheim  liefze  ich, 

daher  mich  und  mein  gfellen  gut 
240  folch  notturft  überfallen  tut.' 

'ift  fein',  l'prach  der  wirt  zorniglich, 

'dafz  die  zech  euch  foU  zalenich. 

was  hab  ich  mit  eurm  UifYeln  ztun? 

ich  will,  dafz  ir  mich  zalet  nun! 
245  ein  hotten  ich  abfenden  will 

zu  euerm  hulen  in  der  ftill 

fie  zu  berichten  difer  fach, 

und  fie  euch  fei  vor  ungemach.' 

'ei  nein,  herr  wirt!  das  tund  mit  nicht, 
250  dann  folchs  mir  gnad  und  gunft  abbricht 

bei  ir.     viel  mer  fo  kere  ich 

widerum  heim  ganz  fchnelliglich 

und  hol  das  gelt  dazwifchen  hie; 

bifz  ich  wider  kom  warten  die.' 
255  'wie  wolt  er  fo  gern  wider  kern! 

wie  feil  er  feinen  huln  fo  gern 

und  wolt  dazwifchen  feine  gfellen 

bei  mir  zu  pfand  und  bürgen  ftellen! 

ein  frefzig  pfand!    hat  wol  fein  fug 
260  als  w^er  man  fonft  nit  fchuldig  gnug! 

wer  weifz  wenn  er  fich  wider  J'telt, 

dazwifchen  hett  ich  grad  mein  gelt. 

lug  iedr,  dafz  er  zu  zalen  hab 

fonft  zieh  ich  ihn  die  kleider  ab.' 
265  'ei  nicht,  herr  wiert!   tund  im  alfo; 

ich  will  alleine  bleiben  da 

233  mit  gvoCzem  leid? 


444  LÜGENMÄRCHEN 

bifz  dife  kommen  mit  dem  gelt, 
ich  weifz,  dalz  diefes  euch  gefeilt.' 
'kein  liedlin  fingft  du  mir  fo  fchön, 

270  dafz  ich  euch  lafz  unzalet  gen ! 

wann  diefe  gfellen  wem  hinweg, 
wie  bald  nemeltu  auch  den  fteg, 
und  kam  ich  all'o  umh  das  mein, 
gelt  her!   es  mufz  hezalet  fein. 

275  wer  gefzen  hat  und  trunken  wol, 

derfelh  auch  hillich  zalen  foU.' 
'ziecht  ir  uns   unfer  kleider  aufz, 
wie  kommen  wir  nackend  gen  haus? 
ir  wolt  einen  nicht  ziehen  lan, 

280  die  anderen  zum  pfände  han, 

ir  wolt  auch  einen  hhalten  nicht, 
drumm  weifz  ich  nit  wie  euch  befchicht. 
wolt  ir  kommen  aufz  difen  sorgen, 
fo  müft  ir  uns  die  zeche  borgen. 

285  wir  zalen  euch  on  alle  gfer 

fobald  uns  got  hilft  wider  her, 
das  woln  wir  euch  geloben  an, 
ich  hoff  ir  werdet  kommen  dran.' 
'ich  hab  gehöret  meine  tag: 

290  wer  einm  ein  zech  nicht  Itorgen  mag^ 

derfelbig  fei  ein  armer  wiert, 
drum  fei  euch  borget  dife  ürt. 
verhoff,  was  ir  verfprechet  hie, 
daran  fo  wei'dt  ir  feien  nie. 

295  zieht  hin  und  feit  fürhin  vermahnt 

wo  ir  kommet  in  fremde  land, 
dafz  ir  bei  keinm  wirt  keret  ein, 
ir  zalt  dann  euer  geltelein 
und  lugt  ob  ir  zu  zalen  habt, 

300  fonft  zieht  man  euch  den  mantel  ab. 

noch  eins  ich  euch  vergunnen  will, 
ir  feit  an  der  zal  zimlich  viel; 
ir  wcrdt  durchreifen  manche  ftat, 
da  man  viel  neue  zeitung  hat, 

305  die  hör  ich  alfo  wunder  gern; 


LÜGENMÄRCHEN  445 

wer  mich  kan  meiner  bit  gewern 

(lemfelben  ich  fein  iirten  fchenk, 

vielleicht  noch  eine  daran  henk. 

das  ift:  welcher   mir  hringt  gen  hans 
310  den  grollen  liig  für  ander  aiiCz 

(dann  lugen  iezl  die  zeitungn  lind 

die  man  in  allen  landen  findt) 

der  hat  fein  iirten  fclion  bezalt; 

noch  eine  ich  im  vorl»ehalt.' 
315  der  froh  was  waren  dife  gfellen; 

wie  heltens  befzer  wiinfchen  wollen? 

mit  dank,  mit  freud  zogens  von  dannen, 

ein  befzer  herz  als  vor  bekamen. 

hatten  fich  gefzn  und  trunken  fatt, 
320  dafz  iren  keiner  zalet  hat, 

zogen  das  land  wol  auf  und  ab, 

wa  hin  ich  nicht  erfaren  hab. 

wie  fie  durchkommen  wer  zu  lang, 

darum  ich   folchs  fiirübergang 
325  und  wil  iezunder  weiter  fchreiben. 

als  fie  das  jar  nicht  aufzgeblieben 

noch  bunden  au  dem  narrenftriek 

gedachtens:  wir  haben  das  glück 

erfaren  gnug;  es  ift  zeit  nun, 
330  dafz  wir  wider  heim  keren  tun 

zu  unfern  freundn  und  eitern  fchon; 

wami  wir  fo  lang  weren  da  von, 

Co  wurd  man  uns  nicht  kennen  mer. 

wol  auf!    heim  zu!    nach  meiner  1er. 
335  nun  freu  dich,   holder  bule  mein ! 

der  dich  liebt  konnnet  wider  heim, 

der  dich  mer  liebet  weder  fich 

eilet  dich  zfehen  fchnelliglich. 

tu  auf  dein  mund!    biet  mir  dein  band! 
340  Iprich:  wilkommcn  aufz  frcnulem  landl 

wie  hab  ich  dich  fo  lang  nie  gfehen! 

und  ich  dich  auch,  wann  ichs  fol!  jehen. 

mich  dunkt  es  fei  des  todcs  ftrafz, 

auf  dern  ich  bifzher  gwefen  was. 


UQ  LÜGEmiÄRCHEN 

345  freut  euch,  ir  freund  und  eitern  mein! 

ich  hotr,  ich  woll  bald  bei  euch  fein 
die  ich  fo  lang  nie  gfeheu  hab; 
von  euerm  trauren  lafzet  ab! 
freu  fich  der  wirt  da  wir  gezecht, 

350  der  uns  die  ürt  geborget  recht; 

dein  gefte  kommen  wider  fehler 
zu  holen  noch  ein  ürt  bei  dir. 
ein  iecler  machet  fich  gerüft 
mit  einem  lug,  wie  gmeldet  ift, 

355  und  tratten  in  das  wiertshaus  fchlecht, 

nicht  mit  einander,  merk  mich  recht! 
ie  einer  nach  dem  andern  kam, 
ein  ieder  feiner  zeit  war  nam. 

Die  erfte  zeittung. 

Der  erfte  kam  des  morgens  früh : 

360  'ift  iemand  in  dem  wiertshaus  hie? 

ich  efz  das  frühftuck  alfo  gern, 
vor  onmacht  kau  ichs  nicht  entbern; 
ich  bin  gelaufn  die  lange   nacht, 
vor  müde  ich  fehler  gar  verfchmacht.' 

365  der  wierte  war  ein  gfcheider  manu, 

den  geften  wuft  er  vor  zu  gan, 
empfieng  den  gaft,  fragt  in:  waher 
er  kam?  was  neus  vorhanden  wer? 
'(o  kom  ich  aufz  dem  Lappenland, 

370  aufz  einer  ftat  Buxa  genant; 

da  hört  ich,  dafz  den  ganzen  tag 
die  glocken  man  zu  leuten  pllag. 
was  folches  fei?  ich  fragen  ward, 
man  fagt:  Marei,  gots  mutter  zart, 

375  die  fei  mit  tod  gefcheiden  ab. 

nichts  neues  dann  nur  difz  ich  hab.' 
'behüt  uns  gotl',  fpracli  da  der  wiert, 
in  feinem  köpfe  ganz  verirt: 
'folt  unfer  liebe  mutier  gots 

3S0  verfcheideu    fein  des  l>!ttern  tods? 


LÜGENMÄRCHEN  447 

das  kaii  nicht  lein,  ich  glanh  es  nicht, 
man  hat  dich  vielh'iehl  falfch  liericht.' 

Die  andere  zeitnng. 

In  dem  da  kam  der  ander  auch, 

grüfzet  den  wierle  nach  gebrauch, 
385  l)egert  von  im  das  morgenhrot, 

dann  lolches  tu  im  heftig  noht. 

'waher?   was  neus?   mein  Hel)er  gaft, 

lag  mir  was  du  für  zeitnng  haft!' 

'gen  Kahhrat  in  Schlauraffenland 
390  war  icli  von  meinen  freunden  gfandl, 

da  kom  ich  licr.     nichts  neues,  dann 
.  ich  fah  an  himmel  gliinet  an 

ein  leitern  lang,  drauf  alier  gftalt 

viel  wei])er  jung  und  kindcr  alt 
395  geftiegen  mit  ernft  auf  und  ab; 

trugen,  wie  ichs  gefehen  hab, 

gelt  zuckererbifz  und  lebkuchen, 

die  tatens  unterweiln  verfuchen ; 

was  folchs  bedeute  weifz  ich  nicht. 
400  'gots  mutter  ift  todt',  der  wirt  fpricht; 

'bei  irer  grebdnus  hat  ir  fon 

den  armen  die  fpend  geben  fchon, 

wie  mir  der  crfte  gaft  gefagt; 

ach!   wer  wolt  da  nicht  fein  verzagt? 
405  wer  tut  fürhin  für  uns  die  bitt, 

weil  fie  genommen  aufz  der  mitt?' 

Die  tritte  zeitnng. 

Des  Wirtes  klag  der  tritt  benam, 

dann  er  eben  gelretten  kam 

ins  Wirtes  haus,     die  morgenfupp 
410  hiefz  er  im  geben  on  auffchub. 

der  wirt  fragt  in:  was  neus  er  brächt, 

dafz  crs  im  fag(!t  unverfchmächt. 

er  fprach:    'von  Wien  ich  komme  her 

und  bring  nicht  fonders  neue  mär, 
415  als  dafz  der  mächtig  (lufz  so  grol'z. 


448  LÜGENMÄRCHEN 

die  Donau,  ungleiiblicher  mafz 
verbrennet  ift  auf  einen  häuf 
von  Wien  gen  Regenspurg  hinauf.' 
der  wirte  fieng  zu  pfeiffen  an 
420  dacht,  diefer  wirds  gewunnen  han, 

fprach:  'guter  freund,  es  mag  wol  fein, 
doch  geht  es  meinem  köpf  nicht  ein.' 

Die  vierte  z  e  i  t  u  n  g. 

Der  vierte  difem  glauben  macht, 
dann  er  gab  darauf  fleifzig  acht, 

425  dafz  er  alsbald  hereine  trett 

fobald  difer  het  aufzgeredt. 
'herr  wirf,  got  geh  euch  einen  tag 
fo  gut  ich  immer  wünfchen  mag! 
ich  hab  gefaftet  alfo  lang, 

430  vor  hungr  und  dürft  ich  fchier  vergang; 

gebt  mir  davon  ich  werde  fatt! 
darnach  mein  herz  verlangen  hat.' 
'das  foU  gefchehn!'  der  wirte  fprach; 
'mit  bitt  tut  nur  ein  klein  gemach, 

435  das  efzen  ift  von  ftund  bereit, 

dazwifchen  faget  mir  befcheid 
von  etwan  einer  zeitung  neu, 
darab  ich  mich  nicht  wenig  freu.' 
'nichts  fonders',  fagt  derfelbe  gaft, 

440  'dann  ich  mich  drum  nit  kinure  faft, 

doch  fag  ich  was  mir  gieng  zu  band 
als  ich  kam  aufz  dem  Ungerland ; 
das  reif  ich  auf,  ertur  doch  nicht, 
dafz  bfchehen  wer  einige  gfchicht, 

445  allein  lag  der  weg  voller  fifch, 

die  warn  gebraten  alfo  frifch, 
und  wäret  folches  etlich  meil, 
dafz  allenthalben  lagen  viel; 
was  aber  folches  hal)  bedeut 

450  wollen  mir  lagen  keine  lent, 

weifz  es  auch  nicht.'     der  wierte  fprach: 
'es  ift  noch  war  die  vorig  lach. 


LÜGENMÄRCHEN  449 

dafz  die  Donau  vcrbrunnen  fei, 
dariniipu  die  fifch  alfo  frei 
455  gebraten  wordn,  wie  folchs  vor  dir 

ein  andrer  gaft  anzeiget  mir.' 

Die  fünfte  z eilung. 

Der  fünft  begunt  auch  einher  gan, 

den  Avirt  um  efzen  langet  an ; 

der  ward  gefraget  gleicher  weif 
460  um  etwas  neus  mit  ganzem  fleifz. 

der  fpracli:  'bei  Strafzburg  hab  ich  gfehn 

ein  ruhen  auf  dem  fehle  ftehn, 

die  ilt  gewach  Ten  alfo  grofz, 

dafz  ich  mit  einem  fchnellen  ros 
465  in  treien  fummer  tagen  lang 

nicht  hab  können  tun  ein  umbgang: 

fo  mechtig  grofz  und  breit  ift  fie.' 

'das  ift  ein  grofze  ruhen  ie', 

fprach  fich  der  wirt;  'doch  glouh  du  mir, 
470  zu  gfallen  wil  ichs  glauben  dir.' 

Die  fechste  zeitung. 

Dazu  dann  gleich  der  fechste  kam, 

])ei  diefem  wirt  auch  herberg  nam, 

welcher  ihm  dann  entgegen  gieng 

und  in  ganz  freundlichen  einptieng: 
475  'waher?   was  neus?'   'nicht  fonders  viel, 

dann  ich  geritten  in  der  eil, 

den  Zeitungen  nicht  nachgefragt; 

doch  hört  ich,  dafz  man  hat  g<'fagt 

von  einem  kefzel  alfo  grofz, 
480  dafz  ich  kaum  lagen  darf  die  mafz, 

daran  werken  drei  hundert  fchmidt 

rings  undier  und  zwelf  in  der  mill, 

einer  vom  andern  alfo  ferr 

dafz,  wann  fie  klopfen  alfo  fer 
485  als  immer  müglich,  keiner  doch 

den  andern  kan  vernemmen  noch. 

was  man  darinnen  fieden  wil? 


450  LÜGENMÄRCHEN 

weil  ichs  nit  weifz,  fo  fchweig  icli  Hill,' 
der  wirt  hub  an  ein  klein  und  lacht: 
490  'was  Avolt  man  darinn  kochen'  fprach, 

'als  die  grofze  mechtige  ruh 
die  man  bei  Strafzburg  aufzher  grub? 
nun  fetzet  euch,  ir  lieben  geft, 
ich  trag  euch  auf  das  allerbeft.' 

Die  fibeude  zeitung. 

495  Indes  der  fibend  einher  tratt, 

den  wirt  um  fpeif  und  tränke  bat; 
das  fagt  er  ime  freundlich  zu, 
hiefz  in  ein  wenig  nemmen  ruh 
und  fraget  auch  difen  wie  vor 

500  die  andern  all.     der  fprach:  'fürwar! 

ich  bin  gereifet  lang  und  ferr 
eh  dafz  mich  der  weg  tragen  her, 
da  ich  gefehcn  wunder  ding 
die  nicht  zu  fchetzen  alfo  ring. 

505  untr  anderm  ich  gefehen  hab 

ein  vogel  der  ein  fchatten  gal) 
fitzend  auf  einem  niderm  bäum 
(ich  weifz  wol,  dafz  irs  glaul)et  kaum)« 
umb  den  mittag  lang  fiben  meil; 

510  ich  glaub,  folcher  flndt  man  nicht  vil.' 

'es  mag  wol  fein',  der  wirte  fprach. 

Die  achte  zeitung. 

Indes  da  nahet  lieh  der  acht. 

er  grüfzt  den  wirt  und  feine  gelt, 

gcgn  die  er  fich  nicht  merken  lefl, 

515  empfienge  darauf  guten  bfcheid, 

die  herberg  im  ward  zugefeit, 
der  wirte  kont  es  gar  nicht  lau, 
er  muft  auch  difen  gfragct  han : 
wahcr  er  kom  und  was  er  bring? 

520  d(!r  faet  im  nun  auch  Wunderding. 


LÜGENMÄRCHEN  451 

'heiT  wirt,  icli  lioiii  aufz  forren  landrü, 

da  mir  viel  abeiitour  riiclz  zhanden; 

iintr  anderm  ich  ycfeheu  hab 

ein  ei  fo  auf  eini  kircliliof  lag, 
525  das  war  fo  wuiulerlichcn  grofz, 

dafz  es  übertraf  alle  mafz; 

vil  bauren  fah  ich  auch  dabei 

mit  bickeln  hauen  allerlei. 

als  man  fich  lang  bemühet  het 
530  dasfelb  zu  bringen  ab  der  ftet 

und  aber  folchs  unmüglich  Avar 

kamens  dahin  mit  ganzer  fchar, 

wolten  fehn  was  doch  diünnen  wer, 

fchlugen  drein  mit  den  bickeln  Ichwer. 
535  ich  hat  mich  auf  ein  l)ühel  gmaclit 

und  nam  difz  handels  el)en  acht; 

da  fah  ich,  dafz  mit  arl)cit  hart 

zulezt  die  fchaln  durchfchlagen  ward, 

irn  keiner  hatte  ficlis  verfehn, 
540  dafz  es  fo  übel  iolte  gehn: 

das  ei  fieng  an  zu  laufen  aufz, 

der  baurn  wuft  keiner  ein  noch  aufz, 

fie  wurden  da  erfeufet  all, 

ir  haus  und  felde  allzumal 
645  vom  felbigen  ei  uberfchwemt, 

alfü  der  liauren  hochnml  demt. 

ich  war  froh,  dafz  der  bühel  hoch 

mich  dicfer  grofzen  gfar  entzoch. 

ich  weifz,  wer  ich  bei  inen  gwefen 
550  fo  het  ich  auch  nit  können  gnefen. 

wa  aber  das  ei  kommen  her 

das  weifz  ich  nicht.'     hiemit  fchwig  er. 

'ich  weifz  es  a])er',  fprach  der  wirt; 

'und  auf  dafz  ir  euch  nicht  dran  irt, 
555  ein  gaft  mir  vor  zu  häufe  kam 

aufz  dem  ich  wundermär  vernam 

von  einem  grofzen  vogel  fi-ei 

der  legt  on  Zweifel  diefes  ei.' 


452  LÜGENMÄRCHEN 

Die  neunto  zeitung. 

In  des  nahet  der  neunte  fich. 

560  der  Avirt  enipfieng  in  gütiglich, 

liiefz  im  die  ftiffel  ziehen  aufz 
und  lofiert  in  wol  in  dem  haus, 
der  gafte  hat  ein  heizrock  an, 
welches  den  wirte  wunder  nam, 

565  fragt  in  die  urfache  warum 

zu  fummei'zeit  er  heiz  hah  um? 
'das  foll  dich,  herr  wirl,  wundern  nicht 
fo  hald  ich  dich  der  fach  hericht; 
ich  kom  her  aufz  Ulopierland, 

570  welchs  z^^ar  nicht  vilen  ift  bekant; 

im  felben  ift  es  alfo  kalt 
dafz  einem  die  wort  girieren  hald 
im  luft,  fol)ald  man  die  geredt; 
daher  der  heiz  mir  note  tet. 

575  fonft  wer  ich  kommen  nicht  darvon, 

die  kelt  het  mir  das  leben  gnou.' 

Die  z  e  h  e  n  d  e  zeitung. 

Der  zehende  fich  kurz  befan, 
kam  alfobald  auf  diefen  an; 
dem  ward  geöfnet  hald  das  tor, 

5S0  empfangen  wie  die  andern  vor, 

vom  wirf  um  neue  zeitung  gfragt, 
die  zeit  er  bald  und  kecklich  fagt: 
'ich  wandre  die  weit  auf  und  ah, 
vil  Wunderdings  ich  glehen  hab, 

5S5  doch  unter  allen  ift  nur  eins 

welches  gwis  überträfet  koins. 
ich  kam  in  ein  fo  fchone  ftatt, 
dergleichen  es  vix  eine  hat; 
darinnen  gieng  ich   hin  und  her 

590  fpazieren.     fiehe!  on  als  gfer 

fieng  etwas  bei  mir  zreden  an. 
ich  mich  nit  gnug  verwundern  kan 


LÜGENMÄRCHEN  453 

\va  diefe  ftimme  doch  herkiinib? 

fchau  zu,  fo  hör  ich  iiml»  und  umb 
595  ein  über  wunder  grolz  gefchwetz, 

welchs  mich  Ichier  het  in  torheit  gfezt. 

ich  fchauet  hin,  her  l'chauet  ich, 

mich  wundert  dafz  niemand  unil)  mich; 

es  war  ein  wundergrolz  gefchroi 
600  von  weil)  mann  jung,  alt  mancherlei. 

ich  dacht:  an  dem  ort  bleib  ich  nicht, 

AVer  weilz  was  deutet  dife  gfchicht? 

aufz  grofzer  forcht  zog  ich  darvon, 

hab  fragen  unter  wegen  glon, 
605  kan  auch  noch  iezt  nicht  Tagen  frei 

was  folches  immer  gwefen  fei.' 

der  wirt  fprach:  'ich  dirs  fagen  foU, 

der  mann  im  beiz  erklert  mirs  wol ; 

die  wort  die  im  gefroren  find, 
610  die  gfrieren  iezund  auf  gefchwind, 

wann  fich  der  fummer  naht  herzu, 

und  machen  folche  grofz  unru; 

deshalb  du  dich  nicht  wundern  tu.' 

Die  eilfte  zeitung. 

'\yaher?'  der  wirt  recht  anefieng 
645  zum  eilften   welcher  einher  gieng. 

'fo  koni  ich  laufen  alfo  bhend 

von   diefer  weiten  weite  end.' 

'komftu  vom  end  der  grofzen  weit, 

fo   Tag  mir  wie  ifts  da  lieftelt?' 
620  'das  kan  ich  euch  mit  warheit  fagen: 

mit  bretern  ift  es  unterfchlagen, 

da  ligen  fonn  und  monefchein 

die  von  anfang  iemals  gefin 

über  einander  gworfen  auf, 
625  verfchimmcll  ganz  auf  einen  häuf. 

an  der  wand  ich  geklopfet  hab, 

mir  aber  niemand  antworl  gab, 

daher  ich  dann  kerl  wider  umb 

bifz  dafz  ich  alhie  zu  dir  kumb.' 
Z.  f.  D.  A.  neue  fokc  IV.  30 


454  LÜGENMÄRCHEN 

630  der  wirl  verwiuulert  fich  zu  ftuud, 

Iprach :    'ich  vermeint  die  weit  wer  rund, 
daran  liein  anfang  oder  end; 
fo  feh  ich  wol  ich  bin  verblendt. 
es  wird  gewisHch  noch  fein  wai", 

635  wie  ich  gemeint  vor  manchem  jar, 

dafz  der  himmel  rund  gwolhet  fei 
wie  ein  hachofen  alfo  frei; 
wer  ich  auf  jenem  berge  doil, 
ich  weifz  es  ift  am  felben  orl.' 

Die  z  w  e  1  f  t  e  z  e  i  t  u  n  g. 

640  Der  zwelfte  kam  hiemit  herbei, 

den  fraget  der  wirt  wer  er  fei? 
er  fagt:  er  wer  ein  wandersmann 
vind  wolt  gern  umbs  gelt  zefzen  hau. 
der  wirt  fagt  ime  folches  zu, 

645  hiefz  in  fitzen  und  ptlegn  der  ru 

bifz  dafz  das  efzen  wurd  bereit 
dafz  man  es  auf  den  tifche  treit. 
'dazwifchen  fag  mir,  lieber  fi'eund, 
was  im  land  für  Zeitungen  find?' 

650  er  fprach:  'sland  geh  ich  ab  und  auf, 

bifz  an  der  weit  end  geht  mein  lauf, 
da  dannen  ich  iezt  kommen  bin 
und  alhie  bei  dir  keret  ein.' 
der  wirt  gedacht  in  feinem  mut: 

655  uutr  (lifen  einer  liegen  tut. 

fie  kommen  l)eid  vom  end  der  weit, 
lafz  leben  wie  ir  red  fich  helt. 
'bift  von  der  weit  end  kommen  her, 
fo  fag  mir  davon  neue  mär; 

660  wie  fteht  es  da?  wie  hats  ein  gftalt? 

fag  her  wie  dir  folch  ort  gefalt!' 
er  aber  antwort  alfo  fchnell : 
'herr  wiert,  ich  bin  ein  armer  gfell 
und  näm  gleichwol  nicht  grofzes  gelt 

665  dafz  ich  wonel  am  end  der  weit, 

kein  fticken  man  da  fohcn  kan, 


LÜGEISMÄRCHEN  455 

man  zünd«;  dann  ein  feuer  an. 

man  huret  nichts,  kein  gfelllchart  da 

zu  finden  weder  ferr  noch  nah; 
670  da  geht  kein  fonn  kein  mon  nit  auf, 

Unglück  hgt  da  auf  einem  häuf. 

dafz  einer  fang  hab  ich  gehört, 

wuft  doch  mit  nicht  an  welchem  ort. 

zog  allo  wider  hinder  fich, 
675  in  deinem  häufe  fieheft  mich.' 

der  wirt  wolt  einen  zfchanden  machen, 

erweget  befzer  doch  die  fachen 

und  fprach:  'du  und  der  andr  all  beid 

haben  mir  gehen  rechten  bfcheid 
680  vom  end  der  weit,     du  an  einm  ort 

bift  gwefen  und  der  ander  dort, 

und  eben  grad  zu  einer  zeit 

feit  ir  da  gwefen  alle  beid. 

den  du  hörtft  fingen  war  der  mann 
685  fo  mir  von  erft  difz   kund  getan; 

derfelbig  war  an  einem  ort 

und  (hl  am  andern  wie  gebort. 

dafz  aber  linfter  gwefen  ift 

an  dem  ort  da  du  gwefen  bift, 
690  urfacb  ifl   difz:  die  wand  fo  dick 

all  fonii  und  mounefchein  erftickl, 

durch  welche  keines  tringet  nicht, 

fo  hat  die  ander  feitn  kein  liecht : 

dafz  ir  beid  allo  habet  war, 
695  welchs  ich  täglichen  auch  erlar.' 

Die  treizehende  zeituug. 

auf  difen  der  ti'eizehend  kam, 
defzen  der  wirl   auch  bald  warnam; 
gieng  im  eutgegn,  emplienge  in: 
'waher?  was  ncus?  wahin  dein  finn?' 
700  'ich  koudi  da  aufz  der  uecblten  ftatt, 

dafelbft  man  ein  eiitliaupict  bat, 
weil  er  den  fchnee  beim  ofen  dörrt 
und  in  darnach  zu  markt  gefih't, 

30* 


456  LIGEISMÄRCHEN 

denfelbigen  für  falz  verkaupt, 
'05  drum  ward  im  gfchlagen  ab  fein  haupt.' 

'wer  weifz  ob  es  wol  war  fei?'  fpracb 
der  wirt,  hiib  an  und  heftig  lacht; 
'mein  geft  die  fagen  Wunderding, 
lafz  fehn  was  der  vierzehend  bring!' 

Die  V  i  e  r  z  e  h  e  n  d  e  z  e  i  t  u  n  g. 

110  'wilkom,  lanzknecht!   wa  komftu  her? 

mein!  was  bringftu  für  neue  mär? 

folch  Wunderding  mir  nie  fürkam 

als  ich  von  diefen  geftn  vernam.' 

'ich  bin  ein  lanzknecht  unverzagt, 
715  und,  haben  diefe  wunder  gfagt, 

fo  fag  ich  wunder  über  wunder; 

aufzm  krieg  bring  ich  ein  ganzen  plunder. 

da  habn  wir  blegert  eine  ftatt; 

als  ich  eins  mals  die  fchiltwacht  hat, 
720  hat  es  geregnet  alfo  fer 

dafz  ich  kont  bleiben  nimmer  mer. 

deshalb  in  ein  kartaunen  kroch, 

mein  fpiefz  hinder  mir  naher  zoch, 

da  weit  ich  fchiltwacht  ghalten  haben, 
725  wufzt  aber  nicht  dafz  fie  geladen 

und  aller  dingen  abgericht.  ^ 

nun  höret  was  mir  da  befchicht!  i 

ich  war  entfchlafen  in  der  büchf,  | 

meiner  drinn  achtet  man  gar  nix; 
730  man  zündet  an,  man  fchofz  fie  ab; 

was  ich  für  gfar  aufz  gftanden  hab,  » 

wer  kans  fagen?   noch  hat  das  glück  J 

folches  zum  heften  mir  gefchickt.  ^ 

die  büchf  war  grichtet  gar  zu  hoch,  ; 

735  drumb  ich  über  die  ftatt  her  floch, 

fonft  hett  ich  nider  gfchlagen  als 

was  ich  antroffeu  diefes  fals.  i 

nider  fiel  ich  in  einem  wald,  ] 

darinnen  es  gar  wunder  kalt;  J 

740  damalen  lag  ein  tiefer  fchnee,  | 


LÜGENMÄRCHEN  457 


tat  alfo  mir  ik'V  fall  nicht  weh, 
dann  ich  fein  lauft  eniider  falz, 
des  aufftchens  doch  nicht  vergafz. 
nachdem  ich  ein  weil  gnonmien  rii 

745  wolt  ich  wider  dem  leger  zu; 

ein  grimmer  wolf  ungwarnter  fachen 
gieng  gegen  mir  mit  ofnem  rächen, 
ich  aher  acht  gar  nichts  die  gfar, 
mein  mannheit  nicht  erlofchen  war; 

750  mancher  wer  gflohen  da  hinweg, 

ich  aber  trat  herzu  fo  keck 
und  ftreck  mein  hand  aufz  gegen  in 
und  greif  im  zu  dem  rächen  ein 
den  leib  durch  bis  zum  hintern  teil 

755  (das  heifzt  wol  verfuchen  fein  heil), 

ergreif  in  wol  bei  feinem  schwänz, 
dabei  ich  in  umkcret  ganz; 
dem  wolf  grad  wie  eim  hafen  bfchicht 
Avann  man  im  feinen  balg  abzeucht; 

760  entgienge  diefer  gfar  alfo.' 

'da  biftu  billich  gwefen  froh', 
fprach  da  der  wirt,  'die  fenfter  auf! 
dafz  mir  mein  haus  nit  fall  zu  häuf.' 

Die  f  ü  n  f  z  e  h  e  n  d  e  z  e  i  t  u  n  g. 

Der  fünfzeheud  trat  ein  hiemit. 

765  der  wirt  empfleng  in  recht  nach  fill, 

hiefz  ine  freundlich  wilkom  fein 
und  fürt  in  in  die  wirlfchaft  fein, 
fragt  in  neu  zeitung  aufz  dem  land. 
derfelb  antwortet  im  zuband: 

770  'vil  Wunderdinges  in  der  weit 

einm  und  dem  andern  /.banden  feil; 
alfo  befchah  es  billich  mir. 
nach  wunder  hat  ich  grofz  begir, 
darumb  ich  dann  der  liindern  vil 

775  durchzogen  in  gefchwiuder  eil. 

752  druck  im 


458  LÜGEIVMÄRCHEN 

ich  kam  ins  land  Armenien 

da  hab  ich  einen  berg  gefehn, 

darauf,  fagt  man  mir  ungefer, 

dafz  noch  die  arche  Noe  wer. 
780  umb  Wunders  willen  ich  die  wolt 

bfchauen  und  wann  ich  fterben  folt. 

und  alfo  bald  on  alle  raft 

macht  ich  mich  aller  dingen  gfafzt 

fo  nötig  zu  einr  folchen  reif, 
785  fieng  fteigen  an  mit  allem  fleifz, 

das  wäret  manchen  lieben  tag 

da  ich  vor  onmacht  oft  gelag. 

ein  weil  ich  zimlich  wetter  hat, 

hernach  es  fich  verkeren  tat 
790  in  froft  und  kelt  fo  wundergrim, 

gedacht:  nun  kanftu  weiter  nimm, 

trang  doch  mit  gwalt  durch  froft  und  fchnee 

bifz  dafz  ich  kam  in  alle  höh 

in  grofze  hitz;  doch  hatte  mich 
795  die  kelt  durchbifzen  meifterlich, 

die  hitz  kont  mir  nichts  gwinnen  an. 

den  berg  ich  überwunden  han 

und  kom  zu  oberft  auf  den  fpitz; 

dafelbst  ein  wenig  nider  fitz, 
800  wolt  umb  mich  felien  wa  ich  wer, 

fo  fieh  ich  gar  nichts  umb  mich  hei-, 

der  berge  war  fo  hoch  gericht, 

die  weit  verfchwand  vor  meinem  gficht, 

als  ich  mich  richtet  über  fich 
605  den  himmel  kont  anrüren  ich. 

da  klopft  ich  an;  niemand  mich  bort, 

ich  dacht:  es  ift  nicht  srechte  ort 

da  man  in   himmel  lafzet  ein, 

oh,  könt  ich  wider  drunden  fein  1 
810  kroch  alfo  ich  zwifchen  dem  berg 

und  dem  himmel  durch  uberzwerg; 

mit  grofzer  not  ich  ward  verletzt, 

am  himmel  rifz  ich  ab  viel  pletz; 

ich  flieg  hinauf  mit  arbeit  grofz, 


LÜGENMÄRCHEN  459 

815  bekomm  iezt  wider  folclic  mafz; 

durch  froft  liilz  rclinee  regen  und  wind 

ich  endUch  mich  darnider  find 

und  alhie  zu  dir  komme  her. 

ich  fag  dir  kein  er(hchle  mär, 
820  (he  pletze  ich  noch  zeigen  kau 

die  ich  da  ahgerifzen  hau.' 

der  wirt  hierzu  begunte  fagen : 

'du  muchteft  wol  abglogen  haben.' 

Die  fechszehende  zeitung. 

Indem  da  kam  der  nächst  daher. 
825  der  wierte  dacht:   was  fagt  dann  der? 

du  muft  in  fragen.  —  'guter  freund! 

viel  Wunderzeitung  kommen  find, 

die  mir  all  diefe  geft  gefagt; 

was  du  weift  danunh  bis  gefragt!' 
830  'herr  wirt,  icli  komh  anfz  Indien, 

da  ich  dann  Wunderding  gefehn: 

von  wüten  leiiten  ungeftaJt, 

von  wilten  tiercn  manigfalt, 

von  andern  fachen  mancherlei. 
835  eines  allein  meld  ich  hierbei: 

es  hat  immcn  in  aller  mafz 

dafelbften  wie  die  fcbaf  fo  grofz.' 

'ei',  fagt  der  wirt,  'kau  difz  war  fein?' 

'ei',  fprach  der  gaft,  'ja,  wirte  mein !' 
840  'wie  grofz  ift  dann  das  immenhaus 

in  welcbs  fie  fchliefen  ein  und  aufz?' 

'nicht  gröfzer  weder  hie  zu  land', 

derfelbe  gaft  alsbald  hckanl. 

'für  war!    dein  red  maclift  mir  zu   kraus. 
815  wie  fchliefen   fie  dann  ein  und  aufz?' 

'herr  wirt,  umb  folich  ire  fachen 

tu  ich  mir  nicht  viel  kiunnicr  machen. 

was  gehts  mich  an  wie  fie  heraufz 

oder  nein   fchliefen  in  ir  haus? 

824  druck  d.  lozt         825  druck  d.  viorde  fpracli 


460  LÜGENMÄRCHEN 

850  ich  fall  fie  kriechen  aiilz  iiiul  ein; 

wie  folches  mag  zugangen  fein, 
drumh  lafz  ich  felherlt  forgen  fie. 
ich  hahs  gefehn  und  rede  liie, 
dafz  folches  war  mit  nicht  erlogen; 

855  wers  nicht  glaubt  mag  wol  weiter  fragen.' 

Die  fiebenzehen  de  zeitung. 

Der  fiebenzehend  fo  nicht  weit 
alsbald  zum  wiert  in  dfluben  fchieit: 
ob  er  im  wolle  herberg  geben 
und  speife  dafz  er  möge  le]»en? 

860  der  wirt  reicht  im  die  band,  nimb  warl 

der  gaft  bot  im  die  linke  dar; 
folch  der  wirt  nicht  annemen  wolt, 
fragt,  wie  er  das  verltehen  folt: 
'fo  hab  ich,  dafz  doch  Gott  erbarm !' 

865  fagt  der  gaft,  'nur  den  linken  arm,' 

'wie  ifts  dir  mit  dem  andern  gangen? 
wo  haftu  folchen  fchadn  empfangen?' 
'das  fag  ich  euch,  mein  lieber  mannl 
wann  ichs  vor  wei  wei  weinen  kan. 

870  als  man  die  nufz  tet  benglen  ab 

ein  folchen  wurf  getan  ich  hab, 
dafz  ich  aufz  meinem  leib  den  arm 
hinweg  warf,  ach  dafz  gott  erbarm ! 
ich  wolt  mit  meiner  fterke  prangen, 

875  drol)  ift  mirs  alfo  übel  gangen. 

ein  ftarker  wurf  fiu'war  das  was. 
wer  hat  doch  ie  gehöret  das?' 

Die  achtz eilende  zeitung. 

Der  wiert  gedacht:  botz  regiment! 
wenn  band  doch  die  zeitimgn  ein  end? 
880  in  dem  erfiehet  er  ungferd 

noch  einen  kommen  auf  eini  pferd. 
'herr  wiert!  ich  kere  bei  euch  ein, 

876  wurf  /'e/ili  im  dntvke 


LÜGENMÄRCHEN  461 

ir  lierbergt  mich  uuds  pferdc  mein?' 

'gar  gern;  geh!  liirs  nur  in  den  Hall, 
885  indeffen  fertigt  man  das  mal.' 

der  wiert  in  ftall  felhll  mit  im  gieng, 

Zeitung  zu  fragen  bald  anfieng. 

der  glell  fagt:  "Zeitung  Aveifz  ich  nicht, 

als  von  mein  pferden  wundergfchicht.' 
890  'ei  was?'  'im  land  zu  Ungern 

tet  eins  mals  mich  fer  hungern, 

reit  deshalbii  in  ein  ftadt  hinein, 

ob  ich  umbs  geld  fünd  brot  und  wein; 

nicht  weifz  ich  ob  fie  gwefen  bliiul 
895  oder  mich  ghalten  für  ein  feind 

oder  wies  mag  zugangen  fein, 

dafz  fie  nicht  band  geachtet  mein; 

den  fchutzgatlern  fie  fallen  liefzen, 

der  hinder  mir  tet  niderfchiefzen, 
900  fchlug  mir  entzwei  mein  gutes  pferd, 

als  wies  gefchch  mit  einem  fchwert. 

noch  blieb  es  dennoch  alfo  ftark, 

dafz  es  mich  trug  noch  auf  den  markt; 

als  ich   dafelbften  tummeln  wolt, 
905  und  es  nicht  fprange  wie  es  folt, 

da  fall  ich  erft,   dem  armen  tier 

das  heu  hang  aufzm  bauch  herfiir! 

dafelbft  bei  es  erft  mit  mir  nider. 

difz  pferd  gab  darfür  man  mir  wider, 
910  das  hat  auch  tugend  grofz  an  fleh, 

als  ich  iezund  berichte  dich. 

dann  als  eins  mals  mit  ernft  und  lleilz 

ich  fetzen  wolt  über  das  eis, 

dasfelbig  aber  mit  mir  brach, 
915  dafz  man  weders  pferd  noch  mich  räch, 

trabt  es  unter  dem  eis  herein, 

dafz  ich  nie  dar  von  kommen  bin; 

trei  tag  ifts  mit  mir  fort  gerani, 

l)ifz  ich  zulezt  ein  lucken  fand, 
920  da  fprenget  nmlig  ich  heraufz 

und  komme  zu  dir  in  dein  haus.' 


462  LÜGENMÄRCHEN 

der  wirt  gedacht:  der  lug  ift  frifchl 
fchwieg  doch  und  füret  in  zum  tifch: 
'nun  fitzt  herliei,  ir  liehe  geft, 

925  es  ift  gekocht  aufs  allerheft; 

fchaffet  euch  einen  mute  frifch 
in  meinem  haus  oh  diefem  tifch; 
ich  trag  euch  aui'  brot  und  gut  wein 
und  was  darzu  mag  dienftlich  fein.' 

930  ach  wirt!  was  haftu  da  gedacht, 

dafz  du  die  gfelln  nicht  hafz  bedacht? 
es  ift  die  burfch  fo  vor  einm  jar 
die  zech  dir  fchuldig  blieben  war, 
die  keren  iezund  wieder  ein; 

935  nicht  dafz  fie  zaler  wollen  fein 

deffn  das  vor  einm  jar  fie  verzert, 
fonder  dafz  folches  werd  erwert 
fie  bahn  gelogen  alle  fer. 
ich  wolt  nicht  dafz  ich  richter  wer! 

940  fie  habn  gewunnen  all  den  kränz. 

herr  wirt,  mm  fchlag  die  zech  in  dfchanzi 
hetteft  gewüft  dafz  diefe  weren, 
du  hetteft  in  welln  anderft  fcheren. 
doch  weil  du  nicht  aufgfehen  fein, 

915  fo  ift  der  fchaden  billich  dein. 

nun  dafz  ich  fort  far:  diefer  wirt 
den  geften  macht  ein  gute  ürt; 
er  fetzet  auf  alls  was  er  hat: 
fifch  vogel  tleifch  darzu  wildbrat; 

950  da  zechten  fie  mit  ganzer  macht 

bifz  dafz  es  fchier  wolt  werden  nacht, 
'herr  wirt',  der  eine  gaft  anfieng, 
'wift  ir  wie  es  vorm  jare  gieng 
mit  denen  gfellen  fo  die  zech 

955  bei  euch  nicht  konten  zalen  recht, 

da  ir  inen  habt  auferleit 
dafz  wer  euch  die  groft  lugen  feit 
der  folt  fein  der  zech  halber  frei; 

935  druck  talcr 


LÜGENMÄRCHEN  463 

nun  taler  welcher  es  hie  fei? 
960  wir  find  iezt  hie  mit  voller  fch.iren 

die  wir  vorm  jar  auch  alhie  waren. 

ir  haht  ghort  die  Zeitungen  frü 

die  wir  euch  angezeiget  hie; 

urteilet  nun,  und  wer  der  beft 
965  (lenfelhigen  der  zech  frei  left! 

die  andern  zalen  recht  das  ir, 

wie  vorlengft  überkommen  wir.' 

'difz  folt  ich  haben  wol  betracht', 

der  wiert  mit  lachen  zu  in  fprach, 
970  'an  euern  reden  fo  ir  mir 

gefagt,  die  ich  hört  mit  begier. 

ich  merk  an  dem  das  ir  gfagt  band 

dafz  ir  gelogen  allefand 

und  folches  alfo  meifterlich 
975  dafz  iezt  nicht  kan  urteilen  ich 

welcher  die  zech   gewunnen  hab, 

(larumb  den  fchadn  ich  felberft  hab. 

was  ir  vor  einem  jar  verzerl 

(hisfelbig  habt  ir  iezt  erwert, 
>80  gebt  mir  kein  red  noch  antwort  drumb! 

damit  ich  aber  widerumb 

recht  komb  auf  die  iezige  zeit, 

fo  gib  ich  euch  gleich  diefen  bfcheid: 

wer  ich  nicht  gvvefen  alfo  tor, 
^85  fo  bette  ichs  gemerkt  zuvor 

dafz  ir  feit  eben  diele  künden 

die  vor  einm  jar  fich  auch  hie  funden. 

das  ich  auch  fprach  luin  feie  recht, 

dem  gröften  hlgner  gei'chenkt  die  zech; 
990  was  ich  vorm  jar  geborget  hab 

und  mir  an  diefer  zech  geht  ab 

macht  mich  nicbl  arm,    es  macht  mich  weif 

dafz  ich  ankere  befzern  tleifz. 

Iiiemit  fchenk   ich  euch  auch  dis  mahl; 
995  wann   mir  foll   kommen  gleicher  fall 

959  rat  elf 


464  LÜGE.NMÄRCHEN 

wiiril  ich  nicht  fein  fo  unbedacht, 
mein  fachen  nemnien  liefzer  acht.' 
hieniit  zogn  ire  feckel  auf, 
wollen  die  zech  legen  zu  häuf. 
1000  der  wirt  wolts  nicht,  fie  woltens  nicht: 

hiemit  fo  ward  der  krieg  gericht. 

Die  hier  wider  abgedruckten  lügenmärchen  bilden  einen  anhang 
zu  der  ersten  ausgäbe  des  Lalenbnches  vom  j.  1597,  wovon  sich 
das  einzige  bisher  bekannte  exeinplar  im  besitze  der  hies.  kaiserl. 
hofbibliothek  befindet,  hr  scriptor  JHanpt  loar  so  freundlich  mich 
darauf  aufmerksam  zu  machen  und  eine  zum  eigenen  gebrauche 
genommene  abschrift  der  lügengeschichten  mir  zu  iiberlafsen.  die- 
selben finden  sich  in  prosa  aufgelöst  auch  in  des  Olorinus  Variscus 
{Johann  Sommer,  s.  Goedekes  grundrifs  i431)  ethographia  mundi  1 
pars,  in  der  mir  vorliegenden  ausgäbe  Magdeburg  1610  bl.  l4 — l7. 
ein£r  die  einzelnen  schwanke  durch  die  litteralur  von  Bebel  bis  auf 
den  Münclihausen  verfolgenden  nachweisung  mästen  befsere  vor- 
arbeiten zum  gründe  liegen  als  bis  jetzt  auf  diesem  noch  arg  ver- 
nachläfsigten  gebiete  vorhanden  sind,  ich  könnte  nur  einzelnes  bie- 
ten das  jeder  finden  kann  nnd  will  darum  nur  auf  die  in  IHubs 
buche  'die  komische  und  humo)istische  literatnr  der  deutschen  Pro- 
saisten des  \Q  Jahrhunderts  s.  352  aus  dem  ersten  teil  des  nacht- 
büchleins  wieder  abgedruckte  ""gschicht  von  sechs  Studenten  die  zogen 
ins  Ungerland,  welcher  die  grasten  lugen  thet,  het  das  mahl  gewun- 
nen'  verweisen,  worin  die  1.  2.  3.  4.  7  und  S  unserer  'Zeitungen' 
in  anderer  reihenfolge  aber  ga)iz  gleicher  einkleidung  vorgeführt 
iverden.  -doch  nicht  etwa  das  nachtbüchlein  unmittelbar  hat  dem 
poetischen  bearbeiter  der  lügengeschichten  vorgelegen,  die  betrachtung 
der  reime  unseres  gedichtes  zeigt  deutlich  dafs  wir  es  hier  nur  mit 
der  widerholung,  vielleicht  auch  einer  erweiternden  Überarbeitung 
einer  älteren  vorläge  zu  thun  haben,  die  mundart  dieser  vorläge 
war  die  alemannische,  denn  nur  in  dieser  reimen  v.  127.  266.  325. 
416.  447.  476.  480.  500.  509.  526.  622.  648.  653.  753.  759. 
775.  815.  826.  836.  855.  895.  916,  ja  einmal  ist  sogar  auch 
aufser  dem  reime  die  alemannische  voculisation  beibehalten  durch 
seizerlapsus  v.  469.  aufserdem  finden  sich  alemannische  formen 
durch  den  reim,  gewahrt  v.  48.  576.  604.  623.  dafs  eine  erwei- 
ternde  Überarbeitung   vorliegt   könnte   man  schliefsen   aus   anderen 


LÜGENMÄRCHEiN  465 

entschieden  nicht  ahm.  reimen:  v.  81  :  82.  527  :  528.  599  :  600. 
682:683.  834:835.  982:983.  doch  sind  '  diese  anhaltspnncte 
schwankend,  da  schon  bei  Murner  reime  begegnen  icie  zeit :  ahtrcit, 
stein :  hinein,  vgl.  Zarnckes  commentar  zum  narrenschiff  s.  11  ^^ . 
jedcsfalls  aber  geht  aus  dieser  hetrachtung  als  sicher  hervor  dafs 
unser  gedieht  ganz  oder  theihveise  in  einer  zeit  entstanden  ist  wo 
die  mnndart  ihr  recht  in  Schriftwerken  noch  behauptete,  spätestens 
also  in  der  ersten  hälfte  des  \Q  Jahrhunderts  und  wenn  es,  wie  mir 
wahrscheinlich  ist,  elsäfsischen  Ursprung  hat,  kaum  nach  1520.  da 
nun  das  nachtbiichlein  erst  im  j.  1559  gedruckt  wurde  (s.  Goedekes 
grundrifs  i  375),  so  kann  der  zeitungsdichter  seinen  stoff  nicht  dar- 
aus entnommen  haben,  aber  auch  das  umgekehrte  Verhältnis  möchte 
ich  so  ohne  weiteres  nicht  annehmen,  die  erzühlung  des  nachtbüch- 
Icins  hat  einen  völlig  abgerundeten  character,  sie  ist  wie  aus  einem 
gufs  und  läfst  gegen  die  weitschweifige  gereimte  fa/'sung  gehalten 
nirgends  etwas  von  Verkürzung  oder  zusammenziehung  merken, 
auch  unverdaute  verse  oder  stehen  gebliebene  reime  fehlen,  während 
prosaauflösungen  sonst  derlei  merkmale  selten  vermissen  lafsen,  und 
selbst  in  der  angehängten  gereimten  moral  findet  sich  keine  beriih- 
rung  mit  unserem  gedieht,  da  nun  die  in  der  prosa geschieh le  ge- 
nannten örtlichkeiten  alle  in  Österreich-Ungern  und  in  Baiern  liegen, 
so  gelange  ich  zu  dem  ergebnis,  dafs  der  grundstock  der  schwanke 
(1.  2.  3.  4.  7.  8  unserer  Zeitungen)  seine  heimat  in  Österreich  oder 
Baiern  hat  und  dort  zuerst ^  wohl  noch  zu  anfang  des  IQ  Jahrhun- 
derts, aufgezeichnet  und  vermutlich  auch  einzeln  oder  in  einer 
Sammlung  ähnlicher  dinge  gedruckt  uutrde;  dafs  diese  ältere  auf- 
zeichnung  unversehrt  uns  durch  das  nachtbiichlein,  welches  ja  wesent- 
lich nur  compilatorischen  character  hat,  erhalten  ist,  und  dafs  endlich 
dieselbe  aufzeichnung  der  hier  vorliegenden  gereimten  bearbeitung 
zum  gründe  liegt,  der  dichter  behielt  die  von  seiner  vorläge  ihm 
entgegengebrachten  geschichten  und  ihre  artige  motivierung  bei  und 
liefs  an  diesen  kern  anschiefsen  was  ihm  von  ähnlirhoi  geschichten 
sonst  bekannt  war.  bis  zur  12  zeilnng  konnte  er  dabei  der  hübschen 
weise  der  vorläge  treu  bleiben,  welche  jede  geschichte  auf  zwei  träger 
vertheill,  deren  einer  immer  die  lügen  des  anderen  bestätigt  und  be- 
kräftigt; von  der  13  zeitung  an  hat  er  diesem  verfahren  entsagt,  er 
mochte  wohl  das  schleppende  einer  fortgesetzten  ausdehnung  dieser 
manier  auch  auf  solche  geschichte)!  scheuen,  bei  denen  sie  mehr  und 
mehr  zur  müfsigen  den  leser   ermüdenden  Spielerei  werden   niuste. 


466         NACHTRAG  ZU  DEN  PREDIGTEMWÜRFEIS 

die  in  der  pivsaischen  fafsung  erwählten  namen  von  örtlichkeiten  hat 
er  zumeist  verändert  oder  unterdrückt,    dafs  er  die  zu  seinen  zti- 
thaten  gehörige  geschichte  von  der  grofsen  ruhe  noch  Strafsburg  verlegt, 
ist  vielleicht  ein  fingerzeig  auf  seine  engere  alemannische  heimat. 
Wien.  J.  M.  WAGNER. 


NACHTRAG  ZU  DEN  PREDIGTENTWÜRFEN 

(zs.  15,  439). 

Eine  nochmalige  vergleichung  der  aao.  mitgeteilten  predigtent- 
würfe mit  der  hs.  zeigte  dafs  das  von  mir  früher  angewandte  rea- 
gens  erst  nachträglich  seine  rechte  würkung  ausgeübt  und  dafs  daher 
eine  reihe  von  stellen  anders  zu  lesen  sind  als  der  (übrigens  nicht 
von  mir  corrigierte)  abdruck  ausweist,  ich  teile  dieselben  mit  eini- 
gen sonstigen  verbefserungen  im  folgenden  mit. 

i  2  whfcirnd  ist  zweifelhaft.  5  wirt  Aer.  16  Efayal'.  18 
heuhit.  20  heiiiim.  21  ovhc  über  der  zeile.  24  w'ten.  28 
■\vrdeu  L 

II  4  Min  leiit  waz.  12  irlofit.  13  l  über  der  zeile.  viiP 
herre.  14  E.  16  infih.  IS  Sole.  22  gezuccit  (?)  drug  ez. 
23  eugile.  24  et  (?)  def.  26  "'^"'''".  27  Im.  gilcribiu.  31 
liben  w  .  .  33  Siibt .  . .  aparebit.  opa  eo^.  34  gibot.  35  ir- 
barmb'c .  .  37  Ir  bert  bif  ,  .  .  fcen.  39  gifp^iigcu.  40  fpbceu. 
bifpar  .  .  .  koiii  41  iif /ü'e  une.  44  regni.  46  ziuiirficht. 
49  ft  repa  . . .  |      50  felbeu  iv.     54  ziibihte.     uü  laceiit    . 

III  2  vn  wä  . . .  r.  3  uater  .  . .  welbe  zuferliht.  5  rivve. 
uvir.  9  karcher.  da  uor  |  uibt.  10  liep.  angiftlihcim,  oubc 
fo.  11  g'ne  lant  (1).  iien  uarend  (!)  12  irlofi  wlihce  (!)  alfo. 
14  aiic  ....  tmbe.     16  da  d". 

Ferner  ist  bei  der  beschreibnng  nicht  angegeben  worden  dafs 
nr  1  auf  der  ursprünglich  leeren  Vorderseite  des  ersten  hlattes  der 
hs.,  nr  11  1^  auf  der  unteren  hälfte  der  rückseite  des  vorletzten  sich 
befindet,  u  2'  und  in  2''  endlich  das  oben  durch  ein  brandloch  von 
4  Zeilen  länge  verstümmelte  letzte  Matt  ausfüllen. 

Wien.  J.  M.  WAGNER. 


DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT  DER  PRIESTER   467 


DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT 

DER  PRIESTER. 

I 

Die  messe  die  ist  wandeis  fri, 
swie  des  pf äffen  leben  si. 

Ez  was  ein  frier  pfafle  gar, 

der  hete   keiner  zuhte  war. 

m  unkiusch  het  er  sich  geben 

und  het  unpriesterlichez  leben. 
5  des  het  er  einen  iinderlän, 

der  hete  zu  im  keinen  ^än 

daz  sin  messe  iht  wer  genem, 

wan  sin  leben  was  widerzem. 

an  einem  heiigen  tage  geschach, 
10  als  der  man  sit  wol  verjach, 

ilf  dem  velde  er  eine  gienk 

und  auch  mangen  wek  anvienk. 

ein  schonen  hrnnnenlliiz  er  vant, 

der  was  im  gar  unbekanl. 
15  er  nam  des  wazzers  in  den  munt, 

im  was  sin  süeze  gar  unkunt. 

ie  mC'r  so  er  des  wazzers  trank, 

ie  mer  sin  hist  in  dar  zu  twank. 

[er  s])racli]  'den  nrspnink  ich  suchen  wil 
20  und  wil  mir  da  Irinken  vil.' 

sinen  wec  er  ane  viench, 

den  brunnenvliiz  ze  berg  er  giench. 

einen  allen  man  er  vant, 

der  was  im  gar  nnbekant. 
25  sin  angesibf  was  wiinneclich. 

er  sprach  'wer  Iwingel  hie  zu  dich, 

daz  (hl  gest  hie  ml  allein 

und  daz  dn  Ihnhst  der  Hute  gemein 

die  alle  hörent  messe  biut 

1  E  utid  die  äbersclirifl  rol  2  keine  9  a  in  an  rol  11   vf 

14  der  was]  daz         18  dor        20  do        21  wegc      au        2S  fluliesl 


468  DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT  DER  PRIESTER 

30  alse  gute  cristenliut?' 

er  sprach  'daz  wil  ich  iu  nü  sagen 

und  dar  zu  cleglichon  clagen. 

der  pfaffe  ist  uukiusche  gar 

und  wil  in  aller  vvoUust  var. 
35  er  wil  sin  alle  tage  trunkn, 

des  sint  die  sinne  sin  versunkn. 

ich  w6n  sin  mess  si  widerzem 

unde  got  gar  nngenem.' 

dö  die  rede  also  geschach, 
40  der  alte  man  zu  im  dö  sprach 

'nü  sag  mir  ATaz  ist  din  ger, 

oh  ich  dich  iht  müge  gewer.' 

er  sprach  'daz  ursprunch  wolt  ich  vind, 

dar  zu  Stent  min  sinne  swind. 
45  s6  sUezez  wazzer  ich  nie  vant 

und  ist  auch  keinem  man  hekant, 

s6  daz  ist  daz  vor  uns  göt, 

swä  auch  nü  sin  ursprunch  stet.' 

der  man  der  sprach  'nü  gank  mit  mir, 
50  daz  ursprunch  wil  ich.wisen  dir.' 

daz  ursprunch  er  dö  schiere  vant. 

vor  leide  im  sin  herze  swant. 

da  läge  inne  ein  füler  hunt, 

daz  wazzer  giench  durch  sinen  munt. 
55  bleich  wart  er  vor  leide  ser 

und  wolte  von  dem  brunnen  ker. 

der  alte  man  zu  im  sprach 

'nim  dir  niht  kein  ungemach, 

daz  wazzer  dir  niht  schaden  tut, 
60  des  solt  du  haben  guten  miit. 

daz  wazzer  dringet  durch  den  hunt 

und  ist  doch  süeze  und  gesunt, 

liUer  und  auch  wol  gesmak. 

der  hunt  ez  niht  unreinen  mak. 

30  als         :U  0  m  er  rol         34  wolluste  vare  36  siut]  sin  37 

messe        38  vnd         39  d  in  dö  rot      div         41  gere        42  gewere 
43  vinde       45  stlzcr       4S  swo       49  d  ?'«  der  7'o<       mir  nach  unterpunktierl 

53  do        55  ward        61  wazze        64  vii'' unreinen 


m 


DREI  GEDICHTE  VON  DER  WLRDIGKEIT  DER  PRIESTER  469 

G5  als6  ist  auch  der  messe  gut. 

die  vvile  daz  der  priester  tiU 

allez  daz  zu  der  messe  gehört, 

daz  er  die  messe  niht  zestnrt 

und  die  wort  ze  rehte  spricht, 
70  daz  im  der  keinz  niht  gebricht, 

und  ist  wol  unrein  sin   leben, 

daz  er  in  ^\ollust  sich  hat  geben, 

die  messe  doch  ie  reine  hh'ht 

svvie  vii  der  pfaffe  unkiusche  tribl. 
75  der  hunt  daz  wazzer  niht  fiil  macht 

noch  im  sinen  smak  niht  swachl; 

alleine  ez  ge  durch  sinen  munt, 

doch  ist  ez  süeze  und  auch  gesunt. 

also  ist  auch  die  messe  giU 
80  die  wil  daz  man  sie  rehte  tut. 

die  messe  ist  ie  von  wandel  tri, 

allein  der  priester  unkiusch  si. 

die  wil  got  wil  den  pfaffen  lidn 

so  solt  du  niht  die 'messe  midn. 
85  mit  andaht  solt  du  messe  hörn 

die  mak  dir  ungelauben  störn. 

die  heiige  drivalt  die  ist  da, 

da  von  so  sint  die  engel  frö. 

keine  messe  mak  gesi, 
90  da  müezen  engel  wonen  bi. 

die  mit  andaht  ze  messe  genl 

und  da  in  rehter  minne  st(^nt, 

die  habcnt  die  messe  alle  gehch, 

ir  keime  mak  sie  niht  entwich.' 
95  der  alte  man  alda  verswant 

daz  er  sin  furliaz  niht  deuvanl. 

der  man  zi^i  dem   pl'alTeii  kam 

uud  in  heimlich  zu  im  nam, 

er  saget  waz  er  het  gesehen 
100  und  des  der  man  im  het  verjehen. 

72  Wollüste        75  fnlo       80  wile       82  allcine       rnki'isclie       S3  wilc 
85  salt      87  div       lieligo      da       SS  soso       90  do      95  <1  m  der ro^      aldo 
Z.  f.  D.  A.  neue  fol-e  IV.  31 


470  DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT  DER  PRIESTER 

ilö  der  pfaffe  die  rede  gehört, 
zehaut  zu  got  er  sich  d6  kärt, 
er  sprach  'unkiusche  wil  ich  läzn 
und  alle  trunkenheit  verwäzu.' 
105  uäch  gotes  1er  wir  sulleii  leben 

und  nach  sinen  huldeu  streben. 

II 

Daz  got  ist  in  des  pi'iesters  haut, 
daz  wart  einem  man  bekant. 

In  der  veter  leben  wir  lesen 

waz  bi  den  ziten  ist  gewesen. 

von  einem  brüder  man  da  saget 

unde  auch  cleglichen  claget, 
5  der  was  niht  an  bösen  wanch, 

vvan  sin  gelaube  der  was  kranch. 

den  sinen  sin  wolt  er  nit  wendn 

daz  got  w6r  in  des  priesters  hendu. 

er  sprach  'da  ist  win  und  bröt 
10  da  mit  man  got  bezeicheut  hat.' 

die  brüder  im  beweren  woltn 

mit  der  schrift  auch  als  sie  soltn, 

daz  da  wer  kein  win  noch  bröt, 

wan  got  selber  gesprochen  hat 
15  'min  reiner  hp  ist  daz  bröt 

daz  in  der  haut  der  priester  hat, 

ez  ist  auch  der  win  min  blilt, 

wan  min  gotlich  kraft  daz  tut.' 

daz  man.  da  sihet  daz  ist  da  niht, 
20  des  äugen  kraft  ist  da  denwiht, 

da  schinet  bröt  und  auch  win, 

der  mak  keinez  da  gesiu. 

got  ist  da  den  man  niht  sihet, 

wan  von  im  selber  er  des  gihet. 


102  kerle         105  lere 

II  1  1  und  die  Überschrift  rot         3  do         4  vnd         5  oii         6  krau 
14  liol         16  prieste 


DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT  DER  PRIESTER  47 1 

25  die  bnlder  für  den  brüder  batn 

und  (laz  in  rehter  minne  tätn, 

daz  got  dos  brüders  wolle  pllegen, 

wan  sie  sieb  sin  beten  erwegen, 

ob  er  mit  dem  Unglauben  sturh; 
30  daz  er  an  der  sele  verdurb. 

dar  nach  schiere  daz  geschach, 

daz  der  selbe  brüder  sach, 

daz  üf  dem  altar  ein  kint  saz. 

er  trat  zii  dem  altar  baz. 
35  der  priester  wolt  die  liute  berihtn, 

ein  engel  im  daz   hälfe  slihtn. 

ein  mezzer  in  sin  bant  er  nam, 

und  dö  er  zu  dem  kinde  kam 

er  sneit  daz  kint  in  stucke  gar, 
40  da  mit  seit  man  die  liute  bewar. 

der  engel  üf  dem  altar  giench, 

daz  bhit  er  in  den  kelch  auch  viencb. 

gotes  lip  die  liut  da  namn, 

und  auch  zu  dem  blüt  sie  kaum. 
45  daz  trunken  sie  mit  grözer  ger, 

wan  man  sin  nibt  mak  enper. 

der  prüder  andäht  dö  denphiench 

und  auch  zCi  dem  altar  giench, 

des  kinds  man  im  ein  stucke  IxM, 
50  daz  was  sere  von  bhlle  röt. 

er  sprach  'herre,  ich  des  vergibe 

daz  ich  üf  dem  altar  sibe. 

der  schin  des  l»röts  und  auch  der  win 

müz  din  heiliger  licham  sin.' 
55  zebant  daz  vleiscb  da  wart  ze  brüt: 

daz  denpliench  er  d6  vil  drät. 

der  brüder  sin  blintheit  claget 

und  got  da  groze  gnäde  saget 

der  im  derliuhlet  het  die  sinn. 
fiO  den  wolt  er  nü  von  herzen  minn. 

25.  31   il  ml  2(1  das  2i(  iiiift-eltTubcri  Wi  allare  30  g.nre 

40  do        bewarc        41  altare        \'S  lutc         45  groze  gi-rc         4(1  onpcre 
40  Rindes         53  brotes        56  drote 


472  DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEIT  DER  PRIESTER 

m 

Man  sol  doch  die  priest  er  lidn, 
ob  sie  di  sund  halt  iiit  vermSdn. 

Uns  saget  auch  der  veter  leben 

daz  si  geschriben  haben  geben, 

daz  ein  brüder  saz  allein 

in  einen  Avalt  von  der  gemein. 
5  zu  dem  an  heiigen  tagen  kam, 

von  dem  er  gotes  licham  nam, 

ein  priester  von  dem  lande  gangn. 

der  wart  von  im  wo!  enpfangn. 

zu  im  ein  ander  liriuler  kam 
10  den  er  zu  sich  mit  freuden  nam. 

er  hielt  in  da  über  naht, 

er  pflak  sin  wol  nach  siner  mäht. 

der  brüder  von  dem  priester  sagt 

und  von  sinem  leben  clagt. 
15  daz  was  dem  brüder  swere  s^r 

und  wolt  sich  von  siner  friuntschaft  ker. 

dar  nach  der  priester  schiere  kam, 

der  bnider  in  zu  sich  niht  nam, 

den  priester  wolt  er  nit  cuphähn 
20  und  wolt  im  auch  niht  geuälin. 

der  priester  do  von  dannan  giench, 

du  er  in  niht  enphiench. 

von  himel  d6  ein  stimme  kam 

die  der  brüder  wol  vernam, 
25  sie  sprach  'die  liute  min  geriht 

für  mich  üf  erden  wollen  sliht.' 

ze  haut  der  brüder  wart  enzuckt 

und  der  geist  von  im  geruckt. 

von  gokle  sach  er  einen  brunn, 
30  den  wolt  er  aldä  derkunn. 

der  eimer  gar  von  golde  was, 

daz  seil  was  lüter  sam  ein  glas. 

in  sunde         1  U  rol      4  walde      5  hcligen         10  er]  e         12  pflage 
16  siner]  der?        23  v  in  von  rol         -11  ward         30  aldo        32  samme 


DREI  GEDICHTE  VON  DER  WÜRDIGKEri  DER  PRIESTER   473 

da  bi  stünt  ein  üzsetzik  man 

der  daz  wazzer  schepfen  hegan. 
35  daz  wazzer  von  dem  eimer  flöz, 

der  man  in  einez  vaz  ez  g6z, 

daz  wazzer  daz  was  süeze  gar 

wol  gesmak  und  wol  gevar. 

des  wazzers  wolle  er  nit  nem, 
AO  wan  der  mau  was  widerzeni. 

ein  stimme  dö  zu  im  sprach 

'wes  ablest  du  nibl  diu  gemacb, 

war  umme  slesl  du  ungetrunkn? 

wes  sint  die  sinne  din  versunkn? 
45  daz  wazzer  scbepfet  da  der  man, 

daz  wazzer  bat  nibt  scbukle  dran, 

ez  ist  lüter  und  gesunl, 

reine  gar  ist  aucb  sin  grunl.' 

der  brüder  sine  scbukle  bekant 
50  und  wider  nach  dem  priesler  saut 

und  nam  von  im  daz  bimelbrOl 

an  daz  nieman  daz  leben  bat. 

33  vzsezzik         34  sclieppfen  37.  3S  gare  :  gevaie         39  woU  nil 

43  wor  viii        45  scliüppfet        40  dar  au        52  .-in 

Die  vorstehenden  drei  gedickte^  deren  abschrift  ich  meinem 
freunde  JMWagner  verdanke,  befinden  sich  auf  den  bll.  27'' — 31'' 
der  Klosterneuburger  hs.  1244  in  8'*  «hs  dein  lAjh.,  deren  inhalt 
im  3  bände  der  Diutiska  s.  269  bis  274  verzeichnet  ist.  bei  der 
lexiesconstitution  habe  ich  mich  möglichst  an  die  hs.  angeschlofsen, 
auch  ungleichnüfsigkeiten  derselben  vne  giencb  neben  gienk  na.  bei- 
behalten: aber  da  die  sämmllichen  klingend  reimenden  zeilen  5  he- 
bnngen  zeigten,  so  deutete  dieser  umstand  und  reime  wie  ni  39.  4ü 
darauf  hin  dafs  der  dichter  sie  bereits  als  slunrpfe  behandelte  and 
ich  habe  sie  auch  demgemäfs  gegen  die  hs.,  welche  nnr  zweimal 
(lu  3.  4.  49.  50)  die  apokope  in  diesem  falle  aufweist,  gekürzt, 
mhd.  uo  gibt  die  hs.  durch  ü  oder  u ;  ebenso  bezeichnet  sie  aber 
auch  ü,  kurzes  u  dagegen  mit  w  )iur  i  53.  54:  darum  habe  ich  auch 
nu  geschrieben,  für  ilc  u)td  in ,  }celclte  die  hs.  durch  ii  darstellt, 
habe  ich  die  üblichen  bezeichnungen  m  ermangelung  passenderer  ein- 
geführt,   über  meine  sonstigen  abweichungen  von  der  hs.  geben  die 


474  ZU  EBERNAND 

lesarten  ansknnft  unter  die  auch  alle  die  graphischen  Varianten  auf- 
genommen sind,  welche  durch  genauere  Schreibung  der  streng  jam- 
bisch oder  trochäisch  gezählten  verse,  in  denen  die  Senkungen  nie 
fiii  22  ist  iool  ein  kleines  wort  ausgefallen)  fehlen,  veranlafst  wurden. 
Mödling.  J.  STROBL. 


ZU  EBERNAND. 

So  ganz  unbeachtet,  wie  es  uns  jetzt  bei  dem  mangel  jeglicher 
anspielung  und  bei  dem  Vorhandensein  nur  einer  jungen  hs.  er- 
scheinen möchte,  ist  das  gedieht  'Heinrich  und  Kunegunde'  seiner 
zeit  doch  nicht  geblieben,  wenigstens  befindet  sich  hier  auf  der  k. 
bibliothek  ein  zweispaltiges  pergamentdoppelblatt  aus  dem  14  jh. 
{bezeichnet  ms.  Germ.  fol.  825),  das  früher  zum  umschlage  von 
rechnungen  aus  den  jähren  ]  626/7  diente  und  von  dem,  als  es  noch 
in  dieser  eigenschaft  einem  Schlesischen  kloster  angehörte,  kurze 
nachricht  im  ersten  bände  von  Gräters  Idnnna  und  Her mode  (IS \2) 
s.  143  gegeben  lourde.  dasselbe  enthält  ein  bruchstiick  eines  pro- 
saischen auszuges  aus  dem  werke  Ebernands.  das  fragment  beginnt 
bei  v.  1738  mit  den  worten  im  sant  Benedictus  vml  trug  aiii 
klains  scliarfs  eysen  und  die  erzählung  die  nicht  selten  die 
reime  des  Originals  beibehält  oder  durchblicken  läfst  schliefst  sich 
von  dort  bis  2174  ununterbrochen  dem  gange  des  gedichts  an: 
dann  aber  ist  die  reihenfolge  2741  —  2859.  2399  —  2478.  2229 
—2307.  2490—2513.  2321—2398.  2514^,  wo  die  worte  vnd 
noch  kayser  Hainreich  wesas  kung  das  ende  bilden,  es  kann 
nicht  zweifelhaft  sein,  dafs  diese  Veränderung  der  folge  erst  von 
dem  bearbeiter  herrührt,  welcher  dadurch  einen  befseren  Zusammen- 
hang zu  erzielen  glaubte:  a)i  eine  nnordiumg  in  der  ihm  vorliegen- 
den hs.  des  gedicktes  darf  man  um  so  weniger  denken,  als  er  in 
dem  abschnitt  2321 /f  deutlich  die  vorher  übergangenen  Zeilen  2429 
bis  32  benutzt  hat.  da  auf  der  Vorderseite  des  ersten  blaltes  unse- 
res bruchstückes  oben  ein  roter  buchstabe  steht  der  mir  eher  ein  E 
als  ein  C  scheint  und  auch  auf  der  des  zweiten  einer  sich  befand 
der  leider  bis  auf  einen  ganz  geringen  rest  abgeschnitten  ist,  so 
läfst  sich  vermuten  dafs  4  blätter  vorhergiengen  —  was  auch  ganz 
dazu  stimmt  dafs  die  beiden  erhaltenen  je  zwischen  400  und  500  v. 


zu  EBERNAND  475 

des  gedichts  befafsen  —  und  dafs  das  leben  kaiser  Heinrichs  den 
anfang  der  hs.  bildete  wenn  dieselbe  überhaupt  noch  weiteres  ent- 
hielt, eine  mitteilnng  des  ganzen  würde  keinen  nutzen  haben,  um 
so  weniger  als  die  vollständige  erzählung,  von  der  das  in  rede 
stehende  pergatnentblatt  nur  ein  stück  bietet,  aufnähme  in  die  zahl- 
reichen drucke  des  ^Sumer  teils  der  heyligen  leben'  {Augsburg,  Zeiner, 
1472  bl  l&'ff,  Nürnberg,  Sensenschmidt,  1475  bl.  6Vff)  gefunden 
hat.  die  sprachformen  sind  dort  modernisiert  und  eine  ansehnliche 
menge  misverständnisse  eingedrungen:  sonst  stimmt  alles  wort  für 
wort,  dafs  das  ganze  ausschlie/'slich  auf  Ebernand  basierte,  ergibt 
sich  aus  dem  drucke  noch  deutlicher,  die  erzählung  beginnt  mit 
V.  150 — 368,  es  folgt  A4i  —  ]1 31  mit  einigen  kleinen  Zusätzen  bei 
V.  1523.  1559.  1565,  die  ich  auch  in  der  lateinischen  vita  nicht 
finde  und  aus  mir  unbekannten  (luellen  abgeleitet  sein  müfsen,  dann 
der  inhalt  des  pergamentblattes  und  v.  2531 — 2692.  2895 — 3055. 
3133  —  4331,  worauf  drei  bei  Ebernand  Glicht  erwähnte  wunder, 
deren  erstes  und  drittes  auch  in  den  lateinischen  mirakeln  der  h. 
Kunegunde  {MG  6,  824)  vorkommt,  den  schlufs  bilden,  ja  auch 
Reimbote,  auf  dessen  mündliche  mitteilungen  Ebernand  sich  v.  4029 
beruft,  wird  genannt:  nur  ist  der  narne  in  Reinboldt  verunstaltet, 
da  somit  der  vollständige  auszug  des  Ebernandschen  gedichtes,  dessen 
zweite  hälfte  sich  ausschliefslich  mit  der  kaiserin  beschäftigt,  über- 
genommen wurde,  so  folgte  Kunegunden  leben  unmittelbar  auf  Hein- 
richs und  sie  wurde  am  3  märz,  ihrem  tage,  im  Wtnterteile  nicht 
aufgeführt,  wie  sich  die  in  den  AASS  vom  \A  juli  s.  123''  er- 
wähnte deutsche  legende  des  Nonnosius  von  kaiser  Heinrich  und  ihr 
druck  {Nonnosius  custer,  Dye  legend  vnd  leben  des  heylige  sandt 
kegser  Henrichs.  Bomberg  [151  IJ)  zu  der  oben  charakterisierten  ver- 
hält, weifs  ich  nicht  anzugeben,  da  sie  mir  unzugänglich  war. 
was  der  anhang  der  Legenda  aurea,  welche  wol  in  manchen  fällen 
die  unmittelbare  (juelle  des ''Heiligenlebens'  war,  über  Heinrich  s.  897/' 
Grässe  gibt,  ist  nur  ein  auszug  aus  Adalberts  vita  un<l  was  er  über 
Kunegunde  hat  s.  905 — 10,  ist  von  wort  zu  wort  die  vita  Kune- 
gundis  und  ihre  miracula  bis  s.  825,  53  der  MG.  hier  also  hatte 
das  'Heiligenleben'  nicht  den  .larobus  a  Voragine  vor  sich,  sondern 
eine  deutsche  prosa,  für  deren  verhältnismäfsiges  alter  das  pergamenl- 
fragment  zeugt,  es  ist  gar  nicht  undenkbar  dafs  diesidla'  ntiwicke- 
lung  auch  bei  andern  in  die  Sammlung  aufgenommoien  letipuden 
staltgehabt  hat. 


476  DIE  HEIMAT  DES  BUCHES  DER  RÜGEN 

Um  aber  doch  eine  probe  der  art  zu  geben  wie  der  bearbeiter 
verfuhr  und  um  zu  erweisen ,  dafs  würldich  eine  paraphrase  des 
Ebernandschen  gedichls  und  nicht  eine  deutsche  Übersetzung  oder 
bearbeitung  der  lateinischen  quellen  vorliegt,  lafse  ich  hier  den  ab- 
schnitt folgen  der  den  versen  2399 — 2478  entspricht,  kursiver  druck 
zeigt  wörtliche  Übereinstimmung  mit  Ebernand  an. 

Do  der  kayser  merspurck  gepawt  het,  do  gab  er  ainen  kelch 
dar,  vnd  der  was  rot  guidein :  der  kom  seiner  sei  hernocli  zu  gros- 
sem gut.  er  het  auch  ainen  siten  vnter  der  mess:  noch  des  hei- 
ligen opfern  zeit  als  man  den  kelch  wescht,  vnd  so  ging  er  zii 
dem  altar  vnd  enpfing  ablucionem.  von  dem  priester  mit  grosser 
andaht.  ains  mols  was  er  zu  merspurk  mit  vil  fursten  kumen. 
vnd  do  die  mess  ain  ent  het,  do  wolt  der  kayser  aus  dem  kelch 
getrunken  hahen.  vnd  do  het  er  als  grossevv  vnmuss  daz  er  sein 
niht  getun  moht.  do  sprach  er  zu  dem  kuster  'du  solt  den  kelch 
ßeissiclcichen  bewarn  vntz  pis  ich  dor  aus  mit  ainem  gesamten 
niiit  mag  trinken  vnd  mussig  wird.'  also  loard  er  viimussig  vntz 
an  den  andern  morgen  vnd  do  kom  er  zu  dem  munster  vnd  het 
sich  dor  zu  berait.  And  do  man  den  kelch  entdecket,  do  het  es  sich 
verkert  in  plut.    do  ersrak  er  ser  vnd  het  in  got  do  mit  geert.  ■ — 

STEIi>  MEYER. 


DIE  HEIMAT  DES  BUCHES  DER  RÜGEN. 

Der  herausgeber  des  buches  der  rügen  sagt  zs.  2,  12  die 
spräche  weise  den  verfafser  des  gedichtes  Süddeutschland  zu,  s.  14 
aber  werden  Wolfram,  Ulrich  von  Liechtenstein,  ^Yernher  der 
gartener  und  SHelbling  als  dichter  bezeichnet,  die  der  heimat  des 
buches  nahe  stehen,  nach  diesen  letzten  angaben  ist  das  gedieht 
mehrfach  für  ein  österreichisches  gehalten  worden:  aber  Wacker- 
nagels vorsichtiger  zweifei  (LG  s.  279)  war  berechtigt. 

Für  die  a])fafsnng  in  Baiern  oder  Österreich  scheint  die 
Orthographie  zu  sprechen:  es  findet  sich  öiiev  schal  schult  schölte, 
Met  hieten,  bischolfen,  vodern  ua.  aber  dies  gehört  nur  dem  Schrei- 
ber, nicht  dem  dichter,  der  österreichische  Schreiber  hat  in  den 
angegebenen  formen  seinen  dialekt  eingefidn't;  dafs  er  aber  eine 
alemannische  vorläge  hatte,  zeigen  formen  die  alemannisch,  aber 
nicht  österreichisch  sind:   wan  für  man  239  und  won  1079  wo 


«IE  HEIMAT  DES  BUCHES  DER  RÜGEN  477 

der  Schreiber  hinter  won  =  wan  noch  wm«  verbefsernd  zusetzte; 
cristan  3'2i.  1009;  zwischan  SSQ ;  gaislekh  immer  mit  österreichi- 
schen vocalen ,  aber  nach  ab^nannischer  art  ohne  t,  s.  Karajan 
zu  457.  auch  die  sechsmal  im  reim  vorkommende  endung  e  iu 
der  2  person  pluraHs  schölte  :  loolte  553.  669.  pecherle  :  erte  819 
erklärt  sich  vielleicht  am  einfachsten  daraus  dafs  der  Schreiber 
icolte  usw.  vorfand  und  den  strich  wegliefs.  über  sein  s.  unten. 
Doch  die  sichere  entscheiduug  'geben  die  reime,  unerhört 
bei  einem  Österreicher,  dagegen  natürlich  bei  einem  alemanni- 
schen verfafser  ist  das  dreimalige  geislich  :  vreish'ch  543.  911.  1633 
(Weinhold  AG  §  174)  und  commendür  :  tür  517.  aus  dem  aUfr. 
commendeor  wird  mhtl.  commendiur,  und  so  steht  im  reime  dem 
cumtiure  :  gehiure  Wolfd.  D  x  12.  iu:ü  reimt  im  alemannischen 
vor  r,  Weinhold  §  31,  DHB  5,  xv  und  vor  n.  endlicli  machte: 
trahte  1021  wo  wol  zu  lesen  ist  kein  sämelichz  enmachte.  AG  §  222. 
Neben  diesen  reimen  findet  sich  kein  einziger  der  ausschlicfs- 
lich  in  österreichischen  gedichlen  vorkäme;  wol  aber  sind  manche 
die  im  alemannischen  und  im  österreichischen  dialekt  zugleich 
begegnen,  doch  so  dafs  sie  im  österi-eichischen  selten  sind,  da- 
hin gehören  zunächst  die  vom  herausgeber  s.  14  aufgezählten 
reime  s :  z  die  in  den  i  656  versen  des  gedichtes  nach  a  ö  n 
sechsmal  vorkonnnen.  im  bairischen  ist  dieser  reim  nicht  häufig, 
Weinhüld  BG  §  153.  wol  aber  im  alemannischen,  ebenso  ist  es 
mit  der  2  person  pluralis  auf  -nt  :  ir  sint  :  kint  541.  ir  roufent  : 
loufent  3  plur.  526.  wenige  beispiele  hat  Weinhold  BG  §  2S4. 
nimi  :  kint  575  und  :  vint  971  sind  alemannisch,  s.  Altdeutsche 
Studien  s.  59;  im  bairischen  scheinen?»:»,  so  oft  sie  in  amlern 
Verbindungen  reimen,  vor  /  gar  nicht  oder  doch  nur  selten  vor- 
zukommen, die  impei-alive  liehe  :  sliche  1003  die  nicht  zu  ändern 
sind,  kommen  in  beiden  dialekten  vor:  WeinhoJd  BG  §  287.  AG 
§349.  ebenso  in:  min  1015  wo  das  überlieferte  mein  zu  min 
geändert  ist;  es  ist  mit  anderer  interpunction  zu  lesen 

setze  dich  niht  wider  in: 

habe  zuo  der  trinwe  min, 

sin  swert  snidet  haz  us\\. 
die  reime  e»/t'm  :  jm/zu/e/'^ern  359.  kern  :  nein  1211    und  Klingend 
leren  :weren   15    (vergl.  die   klingenden  reime  klagen  :  sdi/m  027. 
gote:  geböte  161 7j   sind    österreichisch,    aber   auch    alemannisch. 
Weinhold  AG  §  38. 


478  EIN  URBAR  DES  ELFTEN  JAHRHUNDERTS 

Das  ergebnis  dafs  das  buch  der  rügen  ein  alemannisches 
gedieht  sei,  wird  auch  durch  ein  par  dialektische  formen  be- 
stätigt, dreimal  hat  die  hs.  den  schwachen  plural  sehi  42.  914. 
1103  der  nicht  zu  sele  zu  verändern  ist,  denn  sf'Ze  bildet  in  ale- 
mannischen Schriften  nach  1250  den  plural  schwach:  belege  habe 
ich  in  der  anmerkung  zu  Wolfd.  D  ix  4,  3  gegeben.  —  gedräte 
813.  1232  nennt  Haupt  zum  Erec  5500  nicht  sehr  häufig,  ob 
es  aufserhalb  des  alemannischen  vorkommt,  weifs  ich  nicht:  die 
von  Haupt  angeführten  beispiele  sind  alemannisch,  und  in  diesem 
dialekt  findet  es  sich  ziemlich  oft,  s.  aufser  den  stellen  bei  Lexer 
1,  774  zb.  Wolfdietrich  D  iv  33,  4.  81,  2.  82,  4.  v  51,  2.  64,  3 
usw.  Heinzelins  Minnelehre  622.  1187.  2075.  1158  C.  Virg.  670,  3. 
ebenso  in  der  Krone  15660.  15712.  20862.  29110:  doch  diese 
stellen  sind  nur  in  der  alemannischen  Heidelberger  hs.  überliefert. 
—  auch  joggen  741  das  man  nicht  leicht  mit  Diemer  in  ochen  ver- 
ändern wird  scheint  dialektisch  zu  sein ;  aber  es  ist  sonst  noch 
nirgend  nachgewiesen.  qS^^^r  JÄNICKE. 


EIN  URBAR  DES  ELFTEN  JAHRHUNDERTS. 

Das  folgende  vrbar  befindet  sich  in  der  pergamenths.  nr  660. 
Rec.  3304  folio  xi  jh.  der  k.  k.  hofbibliothek  zu  Wien,  die  hs. 
enthält  Gregors  homilien.  fol.  148"  xoird  zu  zwei  dritteln  von  dem 
ersten  stücke  des  urbars  eingenommen,  nachdem  durch  abreiben  des 
ursprünglichen  textes,  dessen  spuren  noch  durchschimmern,  räum 
geschafft  worden  rcar.  die  notizen  fol.  149"  stehen  unterhalb  des 
textes,  desgl.  die  auf  fol.  155'',  welches  zugleich  den  schlufs  des 
codex  ausmacht,  während  die  homilien  von  einer  hand  des  xi  jhs. 
geschrieben  sind,  gehört  die  schrift  des  urbars  sicher  dem  xii  jh. 
an.  ich  habe  es  dessen  ungeachtet  i7is  xi  gesetzt,  weil  mir  sowol 
die  form  der  namen  als  der  besitzstand,  welcher  durch  dieselben 
bezeichnet  icird,  in  diese  zeit  zu  gehören  scheint,  nähere  fixierung 
wird  historikern  möglich  sein. 

Die  im  urbar  vorkommenden  namen  gehören  ihrer  übergrofsen 
mehrzahl  nach  den  diöcesen  von  Pa/'sau  und  Salzburg  an  und 
liegen  die  Ortschaften  zumeist  im  Salzburgischen  in  Ober-,  einige 
auch   in   Nieder  Österreich.     Hund   Metrop.   Salisb.   gibt  —  xpofern 


EIN  URBAR  DES  ELFTEN  JAHRHUNDERTS    479 

ich  nichts  übersehen  habe  —  namen  des  urbars  i  27.  28-  n  12. 
19.  31.  40.  53.  107.  109.  177.  229.  319,  ganz  insbesonders  366 /f 
fundütio  monasterii  SNicolai  extra  Pataviam,  384.  385.  389.391. 
392.  die  Mon.  Boica  xxvm  2.  s.  157.  158.  161.  167.  176.  181. 
182.  191.  213—215.  216,  ganz  besonders  aber  s.  4oSff  redditus 
Hofmarchice  in  Wiselburg.  vgl.  Edlbacher,  Enlioickhmg  des  besitz- 
standes  der  bischöß.  kirche  zu  Pafsau  (Linz  1870)  s.  62. 
Berlin,  mai  1872.  ANTON  SCHÖNBACH. 

fol.  148''.  Hi  maiifi  conceffi  hübe  curie.  De  Vnllinge 
curia  I.  De  Mitich  urfpringeii  lll.  maus.  Ad  Neuheim  |  nians. 
dim.  Ad  Hevelde  maus.  I.  Ad  Heft  maus.  I.  Ad  Tantiiig  maus.  1. 
Ad  Altheim  maus.  II.  |  Similfpc  maus.  I.  Tipatiug  maus,  et  dim. 
Ad  Altheim  et  Mofe  maus.  I.  Item  ad  Altheim  dim.  m.  |  Ad 
Waginheim  maus.  I.  et  molendinum  in  eodem  loco.  Ad  Stephingen 
dim.  m.  Ad  Awarn  dim.  m.  |  Ad  Seliachen  m.  I.  Ad  Tanpc  m.  I 
Ad  Elphawe  dim.  m.  Ad  Munolving  m.  I,  |  Ad  Eichiiiloh  m.  I 
Ad  Wifing  m.  I.  Mefindorf  m.  1.  Mulheijn  m.  I.  RäJjinl'wanc  m. 
1.  I  Hoheureut  dim.  m.  Steindorf  dim.  m.  Apud  Froflieim  curia 
I.  .\d  Grrdiugeu  m.  I.  III  au.  |  De  Nevheim  duo  hübe  XVI. 
lii.  frum.  Hettpc  huha  VI.  ni.  Prunnadir  hu])a  V,  mod  |  Zigiheige 
huba  V.  m.  Teiting  curia  I.  octo  m.  trilici  et  dim.  huha  IUI. 
m.  tritici.  Chalbach  II.  ni.  |  Iritici  Witinlal  VI.  m.  frum.  Secun- 
dum  Witintal  de  huba  et  dim  VIII.  m.  frum.  Tancholling  |  III. 
hübe  III.  hübe  XVIIl.  m,  f.  Megili>ah  huba  et  dim.  VIII.  in.  f. 
Hymiltal  dim.  huba  u"i.  III.  |  Spreide.  huba  I.  m.  III.  Ileruuiting 
diin.  huba  XV.  m.  ferra  Ilertvoc.  m,  I  in.  VI.  f.  |  Ilejnr.  m.  I. 
exq.  m.  VI.  Hernjan  m.  I.  exq.  in.  VI.  Ortwin'  m.  I.  exq.  VI.  m 
Pifgin'  m.  I.  de  q  m.  VI.  |  et  de  dirn.  m.  III.  m.  De  Vurt  m.  I. 
et  diiTi.  m.  Villi,  f.  Ilartwic'  hubinarc  de  m.  I.  m.  VI.  |  Liupold' 
de  m.  1.  m.  VI.  Eziman  de  m.  I.  in.  VI.  Mvnolfing  VII.  hübe  qq. 
VI.  m.  f.  Eichin  |  lohe  III.  hübe  XVIII.  m.  f.  IlAter  huba.  I.  m.  II. 
f.  et.  I.  carrada  cerevuife.  Tallicim  hüba  iii.  I.  |  f.  et  dim.  carrada 
cui  e.  Vrbach  VII.  hübe  et  (pj.  in.  f.  et  diin.  carr.  cuife.  Talheim 
hüba  m.  I.  |  m.  II.  f.  et  carr  cuife.  De  Tanheim  h.  hübe  VIII. 
m.  f.  et  VI.  m.  aveue.  Chogil  hüba.  I.  in.  11.  f.  |  et  carr.  cuife. 
Lutwiii'.  et  Chunr.  de  1.  hüba  i'ii.  II.  f.  et  carr.  cuife.  Ifinbl'  de 
diiii.  hüba  l.  m.  f.  |  et  dinl.  carr.  Phloll  huba.  I.  li'i.  11.  f.  el  carr. 
Delric'  de  diin.  hul)a  I.  lii.  f.    et  dim.  carr.    De  Michilpge  |  XII. 


480  ZUR  TIIIERFABEL 

niet.  f.  et.  V,  iirnaf  cuife.  De  horburc  hüba  I.  in.  IL  f.  et  carr. 
Dietc'  de  horburc  de  huba  in.  II.  f.  !  et  carr.  Gunhfwanc  huba 
I.  m.  IL  carr.  De  heinr.  Speche  dim.  carr.  De  hohinreut  dim. 
hvba  m.  I.  f.  dim.  carr.  De  Wullihahn  Speche  XXIIII.  met  f  f. 
XXII.  I  urnaf  ceruife  De  Rabfwanc.  IUI.  hübe  et  dhn.  Villi,  m.  L 
et  IUI.  carr.  ceruife. 

fol.  149''.  am  schlnfse  des  Mattes  zugefügt:  huba  Arnoldi  I. 
Sturm.  I.    Chornmaift'.  1.  sahis  i 

fol.  155'^.  am  schlnfse:  Maihnge.  huba  et  dim.  herlarpge  I 
Vh'ici  de  pahcheim  1.  Elyber  de  vreiling  I.   decima  de  ehevinge  [ 

Ilis  infeodat'  et  düf  Gundakarus  huba  Arnoldi  I.  Sturm.  I. 
Chormnaist'  1.  Schaprün  I.  huntfheim  I.  | 

2Hec  fiit  pdia   cca.  Helphäwe.  q5.  jr.  in  wert,  aigen. 

Jceger(?)  mansorum  habet  In.  Helphäwe  III.  heizingne.  I. 
Rudolf  de  rüt  I.  zuUo  I.  \  de  q  debet  fmre  nou  nomem.  Ad 
fönte  unü  qö  habt  pto  Haizingne  I.  q:(5  habet  dii.  |  chunrad'. 
lango  I.  f\  tti.  It.  Hatmari  lllii  I.  f.  m.  av.  [ 

'  von  anderer  hmid         ^  von  hier  ab  andere  band 


ZUR  THIERFABEL. 

Von  der  verstümmelten  SGaller  hs.,  aus  der  ich  (zs.  12,  459) 
die  letzten  2S  verse  des  von  Weiland  später  (zs.  14,  497  fl)  er- 
gänzten gedichtes  Aegrum  fama  fuit  qnondam  jacuisse  Jeonem  zu- 
erst herausgegeben  habe,  sind  kürzlich  in  Bethmanns  kataloge 
der  Vaticana  die  fehlenden  stücke,  darunter  auch  die  ersten  verse 
jenes  gedichtes,  in  dem  aus  SGallen  stammenden  codex  421  der 
königin  Christine  aufgetaucht,  vgl.  Pertz  Archiv  12,  279. 

E.  DÜMMLER. 


NACHTRAG. 

s.   168,  93  ist  heilinch  der  hs.  — =  h;elinc  heizuhehalten. 

s.  210,  1595  loar  die  einfügung  von  ^nl  nicht  unumgänglich  nötig. 

s.  308,  188,  4  lies  precedcntibus. 


P^  Zeitschrift  für  deutsches 

3003  Altertum  und  deutsche 

^5      ,  Literatur 

Bd.  16 


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